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Veröffentlicht am 03.02.2026

Eine Geburtstagsfeier eskaliert

Stürmische Klippe
8

Die ehemalige Landesjustizministerin Armgart Zabrowsky wird beim allmorgendlichen Surfen von einem Taucher angegriffen. Da sich hochrangige Gäste in ihrer Sylter Villa anlässlich ihrer Geburtstagsfeier ...

Die ehemalige Landesjustizministerin Armgart Zabrowsky wird beim allmorgendlichen Surfen von einem Taucher angegriffen. Da sich hochrangige Gäste in ihrer Sylter Villa anlässlich ihrer Geburtstagsfeier aufhalten, wünscht die Politikerin keinerlei Aufsehen. Hilke Hasselbrecht, die Leiterin der Mordkommission, eine Freundin Armgarts, ist ebenfalls vor Ort und entscheidet, vorerst das LKA nicht zu informieren. Stattdessen ruft sie ihre Mitarbeiterin, Kriminaloberkommissarin Liv Lammers, zu Hilfe. Schon dieses regelwidrige Verhalten am LKA vorbei, lässt den erfahrenen Krimileser aufmerken. Und das ist erst der Anfang einer brisanten Ermittlung.

Sabine Weiß lässt ihre Kommissarin Lammers im 10. Fall ermitteln. Wie schon der Prolog ankündigt, stehen Liv turbulente Tage bevor. Zusätzlich belastet sie die überraschende Verhaftung ihres Lebensgefährten Sebastian.

In „Stürmische Klippe“ müssen gleich zwei schwere Verbrechen aufgeklärt werden. Während Liv ihre Chefin bei den „diskreten“ Ermittlungen in der Sylter Nobelvilla unterstützt, wird in der Nebenhandlung ihr Partner, der Rechtsmediziner Sebastian, verhaftet. Er hat eine seiner Schutzbefohlenen, die er wiederholt wegen der Folgen häuslicher Gewalt in der Rechtsmedizinischen Ambulanz behandelt hat, nach einer Messerattacke gefunden und erstversorgt. Da Sebastian blutüberströmt ist und auch die Tatwaffe angefasst hat, wird er prompt als verdächtig in Untersuchungshaft genommen. Noch weiß er nicht, was ihn dort erwartet.

Inzwischen zieht ein schwerer Sturm auf, der alle Anwesenden in Zabrowskys Villa festhält. Während die Politikerin und ihre illustren Gäste hinter verschlossenen Türen über die Zukunft Sylts verhandeln, bemühen sich Liv und ihre Chefin den Attentäter zu entlarven. Mehrere der Gäste und Angestellten erscheinen verdächtig. Zudem verfügt Zabrowsky über ein unsympathisches, brüskes Naturell. In der Villa überschlagen sich die Ereignisse und Liv versteht die Handlungsweise ihrer Chefin immer weniger. Erst als es zu spät ist, alarmiert diese das LKA ...

Sabine Weiß schreibt flüssig und versteht es vorzüglich, Spannung aufzubauen. Das heraufziehende Unwetter spiegelt die Atmosphäre in der Villa. Von Feierlaune ist längst nichts mehr zu spüren. Angst und Misstrauen machen sich breit, die durch das Eingesperrtsein noch verstärkt werden. Die bedrohliche Stimmung eskaliert in einem brutalen Mord. Die Charaktere überzeugen, ob Bodyguard oder schwerreicher Unternehmer. Sie alle haben unterschiedliche Beweggründe und hüten Geheimnisse. Die Geschichte wird fortlaufend aus wechselnden Perspektiven erzählt und ermöglicht es so, die verschiedenen Handlungsweisen nachzuvollziehen.

Sehr gut gefallen hat mir, dass Sabine Weiss auf aktuelle gesellschaftliche Probleme Bezug nimmt, seien es Umweltprobleme, die negativen Folgen des Massentourismus, der Ausverkauf landschaftlich schöner Gegenden zuungunsten der Ureinwohner, Korruption oder Femizide. Fein herausgearbeitet hat die Autorin die Diskrepanz zwischen den Einsatzkräften von Feuerwehr, Polizei, Notdiensten und Technischem Hilfswerk, die Leben und Infrastruktur retten wollen und den egozentrischen VIPs, die sich nur um ihre Luxusautos und Erstausgaben sorgen.

Auch das Lokalkolorit kommt erfreulicherweise nicht zu kurz. Die Beschreibung der einmaligen Landschaft, die lokale Architektur, örtliche Sagen und nicht zuletzt das Sölring oder Sylterfriesisch finden ihren Platz in diesem Roman.

Zum Schluss werden beide Fälle logisch aufgeklärt und fast alle Fragen beantwortet. Gestört hat mich, dass zwei Szenen auf dem Höhepunkt der Spannung abgebrochen und dann mit dem Bericht vom gelungenen Abschluss fortgesetzt wurden. Auch wäre etwas weniger Hektik im Mittelteil gut gewesen. Gern hätte ich noch erfahren, wie es den Protagonisten, vor allem den Tätern und einem fragwürdigen Ermittler, weiter ergangen ist. Aber das erfährt der Leser vielleicht in Band 11.

Für mich war es die erste Ermittlung mit Kommissarin Liv Lammers und ich habe mich erstaunlich gut zurechtgefunden. Lediglich etwas Background zum Kollegenkreis von Liv und Sebastian hat mir vielleicht gefehlt. Insgesamt hat mir „Stürmische Klippe“ so gut gefallen, dass jetzt Livs Fälle 1-9 meine Leseliste weiter anschwellen lassen.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 30.01.2026

Wenn die Oma mit dem Enkel ...

Friesenschnack und falsche Fährten. Oma Emmi undercover
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Wenn die Oma mit dem Enkel ...

Ein brutaler Überfall erschüttert die kleine friesische Gemeinde Hagermoor. Auf der Toilette der Kirche wurde ein unbekannter junger Mann ins Koma geprügelt. Dorfpolizist ...

Wenn die Oma mit dem Enkel ...

Ein brutaler Überfall erschüttert die kleine friesische Gemeinde Hagermoor. Auf der Toilette der Kirche wurde ein unbekannter junger Mann ins Koma geprügelt. Dorfpolizist Redolf sieht sich erstmals mit einem echten Verbrechen konfrontiert. Gut, dass ihn Oma Emmi nach Kräften und mit unorthodoxen Mitteln unterstützt.

Mirjam Wiesemann entführt uns in „Friesenschnack und falsche Fährten“ in eine abgelegene Ecke Ostfrieslands. Ihr esoterisch angehauchter Cosy Crime eignet sich gut als unterhaltsame Lektüre bei einem kräftigen Schwarztee mit Kluntjes und Wölkje.

Dorfgendarm Redolf Puschen genießt gerade ein Festmahl bei Oma Emmi als ein Telefonanruf die Idylle stört. Ein Unbekannter wurde in der Kirche zusammengeschlagen. Damit ist der Ostersonntag gelaufen, denn Redolf musste bisher nur Bagatelldelikte regeln und fühlt sich sofort überfordert. Auch das Zusammentreffen mit den Leeraner Kommissaren am Tatort läuft nicht wie gewünscht, da ihn Oma vor den Kollegen wie einen kleinen Jungen betüdelt. Emmis übergriffige Art sorgt auch im weiteren Verlauf des Krimis für Verärgerung bei ihrem einzigen Enkel. Dabei meint sie es doch nur gut mit ihrem Redi und nutzt ihr gesamtes „esoterisches Waffenlager“, um den Fall, der mittlerweile eine Mordermittlung ist, für ihn zu lösen.

Die Autorin erzählt bildhaft und mit viel Lokalkolorit. Ihre Figuren haben mir gut gefallen. Allen voran der zaghafte, überforderte Redolf, der seine Unsicherheiten mit Heimatfilmen aus den 1950ern, Songs seiner Lieblingssängerin Sandra und Feierabendbier bekämpft. Im Lauf der Ermittlungen entdeckt der Mittdreißiger ungeahnte Fähigkeiten bei sich und wird erwachsen. Oma Emmi ist eine schillernde Persönlichkeit, die man so nicht in Hagermoor erwarten würde. Zum Leidwesen ihres Enkels bringt sie sich nicht in die Dorfgemeinschaft ein und die Gottesdienste sind ihr viel zu langweilig. Sie ist nicht nur eine begnadete Köchin, sondern interessiert sich auch sehr für Esoterik. Von Tarotkarten über Klangschalen bis hin zum Pendel ist ihr Arsenal gut bestückt. Die taffe Kommissarin Tietje und der eloquente, vielseitige Ermittler Leopold komplettieren das Team auf Tätersuche.

Nach einigen Wendungen wird der Fall zufriedenstellend aufgeklärt. Für mich kam das Ende etwas abrupt und deshalb nicht restlos überzeugend. Die Logik allerdings stimmt, an Motiv und Täter habe ich nichts auszusetzen. Der Fall kommt mit wenig Gewalt aus, wie es für einen Cosy Crime passt.

Mich hat der Krimi insgesamt gut unterhalten. Von etwas weniger Innenschau von Redlof und nur gelegentlichen Zankereien mit Oma hätte der Fall profitiert. So blieb die Spannung teilweise auf der Strecke. Die Charaktere und das Setting fand ich dagegen so gelungen, dass ich auf einen weiteren Fall des Ermittlerquartetts hoffe. Sehr würde mich beispielsweise interessieren, wer oder was den Österreicher Leopold nach Leer gebracht hat.

Ein Glossar für die friesischen Begriffe sowie ein paar Rezepte für Emmis und Eddas Köstlichkeiten könnte ich mir als Ergänzung sehr gut vorstellen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.01.2026

Der Gärtner ist diesmal das Opfer

Hunter B. Holmes - Mord in der besten Gesellschaft
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Der frisch verliebte Hunter schwebt auf Wolke Sieben. Steven erweist sich als idealer Partner für ihn. Doch ein Mord in einem noblen Gentlemens Club stört bald die Idylle. Das Tatmotiv gibt Rätsel auf ...

Der frisch verliebte Hunter schwebt auf Wolke Sieben. Steven erweist sich als idealer Partner für ihn. Doch ein Mord in einem noblen Gentlemens Club stört bald die Idylle. Das Tatmotiv gibt Rätsel auf und die Verdächtigen scheinen alle Alibis zu haben. Während Hunter und David noch im Dunkeln tappen, stirbt einer ihrer möglichen Täter. Suizid oder ein zweiter Mord?

Auch mit seinem dritten Fall gelingt es Wolf September mühelos seine Leser zu fesseln. Die Tätersuche erweist sich als eine harte Nuss, die zum Mitraten einlädt.

Oliver Grenfield, ein junger Gärtner, wird in der Bibliothek des Clubs erstochen, in dem er gelegentlich ausgeholfen hat. Die Ermittler finden zunächst kein erkennbares Motiv für diesen Mord. Einige Tatverdächtige, hauptsächlich die Teilhaber einer kleinen Tabakwarenfirma namens ECL, können zwar kein Alibi vorweisen, doch die Ermittlung stagniert. Es erweist sich immerhin als Vorteil, dass sich Hunter in den sogenannten "besseren" Kreisen auskennt, denen die möglichen Täter angehören. Als eine dieser Personen erhängt aufgefunden wird, sorgt dies für weitere Verwirrung. Zwar kann die Herkunft der Mordwaffe geklärt werden, doch dann erfolgt ein Anschlag auf einen weiteren Tatverdächtigen. Hat es jemand auf die Teilhaber der exklusiven Zigarrenfirma abgesehen? Aber wie passt da ein einfacher Gärtner ins Bild?

Wolf September schreibt wie gewohnt flüssig und bildhaft. Er hat ein Gespür sowohl für romantische Szenen als auch für rätselhafte Mordfälle. Humor und Spannung kommen ebenfalls nicht zu kurz. Zusammen mit den glaubwürdigen Charakteren in Haupt- und Nebenrollen sind damit die Weichen für einen unterhaltsamen Cosy Crime gestellt. Erneut bezaubert das britische Setting.

Es ist amüsant, dass Hunter und David gerade beide ihre Traumpartner gefunden haben. Da stört so ein Mord gewaltig. Während bei David die frische Beziehung zu einer Muffins-Challenge führt, ist Hunter gleichermaßen verliebt wie verunsichert. Noch immer hat er den Verrat seines ehemaligen Verlobten Brian nicht völlig überwunden. Doch beide Ermittler sind professionell genug, sich auf ihren Fall zu konzentrieren.

Nach einigen Wendungen und Verwicklungen können Hunter und David auch diesen Fall aufklären. Wie erwartet, hat mich diese Mordermittlung kurzweilig unterhalten. Der Autor dosiert Gewalt und Verbrechen genau richtig für einen Cosy Crime. Dieses Mal bekommt das Privatleben der Ermittler, vor allem Hunters, mehr Raum. Das hat mir gefallen. Besonders gelungen fand ich die Szenen mit Godric und Lady Agatha, meinen Lieblingscharakteren.

Allerdings ziehe ich einen halben Punkt von der Bestzahl ab, weil ein entscheidendes Indiz erst kurz vor der Auflösung auftaucht. Es bleiben aber immer noch 4,5 von 5 Sternen. Ich freue mich schon auf Hunters nächsten Fall und bin gespannt, welches erlauchte Familienmitglied wir als nächstes näher kennenlernen werden.

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Veröffentlicht am 29.01.2026

Das Geheimnis der Goldenen Magdalena

FriesLandRaub (Nordseekrimi)
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Im Heimatmuseum von St. Peter-Ording wird nachts ein Alarm ausgelöst. Der herbei geeilte Wachmann entdeckt statt eines Einbrechers einen Toten. Da offensichtlich ein Gewaltverbrechen vorliegt, wird die ...

Im Heimatmuseum von St. Peter-Ording wird nachts ein Alarm ausgelöst. Der herbei geeilte Wachmann entdeckt statt eines Einbrechers einen Toten. Da offensichtlich ein Gewaltverbrechen vorliegt, wird die Kripo Kiel verständigt. Die Kriminalhauptkommissare Wolf und Kramer übernehmen den Fall.

"FriesLandRaub" ist Nele Bruuns vierter Krimi mit meinem Lieblingsteam um Kommissar Carsten Wolf. Der spannende Fall hat mich schnell gefesselt und meine Erwartungen erfüllt.

Der Tote entpuppt sich als ein Mäzen des Museum. Es wurde nichts gestohlen, obwohl eine Vitrine beschädigt ist. Die Kripo tappt zunächst völlig im Dunkeln. Warum war das Opfer, Alexander von Holten, der Eigentümer der millionenschweren Exponate der Sonderausstellung "Schätze der See", nachts im Museum? Hat er seinen Mörder selbst eingelassen? Es sind keine Einbruchspuren zu finden. Und warum wurde die kostbare "Goldene Magdalena" nicht gestohlen, obwohl ihre Vitrine zerstört wurde? Die Matriarchin der Opferfamilie, Adelheid von Holten, zeigt sich wenig kooperativ und behindert die Ermittlung mithilfe ihrer teuren Anwälte, wo sie nur kann.

Ganz abgesehen von der seltsam abweisenden Mutter des Ermordeten, verläuft diese Ermittlung anders als gewohnt. Kommissarin Manuela Kramer darf 1,5 Jahre nach ihrem Dienstunfall endlich wieder in den Außendienst und brennt darauf, das ungeliebte Büro zu verlassen. Die andere Besonderheit naht aus Süddeutschland. Die beantragte Amtshilfe aus Bayern entpuppt sich ausgerechnet als Jürgen Schäfer, Covacis ehemaligem Vorgesetzten, der seinen Schützling seinerzeit schwer gemobbt und beinahe um den Job gebracht hatte.

Nele Bruuns sympathisches Ermittlerteam gewinnt an Tiefe und entwickelt sich weiter. Ob die Flachwitz-Challenge - ich liebe sie -, die flüssige, bildhafte Sprache, gewürzt mit Humor an passenden Stellen, oder der Zusammenhalt der Kollegen. Alles zusammen ergibt ein Kieler Gesamtpaket, das mich überzeugt. Die Autorin hat mit "FriesLandRaub" erneut einen Krimi geschrieben, der dank glaubwürdiger Protagonisten und verschiedener Wendungen zum Mitraten einlädt und bis zum Schluss spannend bleibt.

Es gefällt mir sehr, mehr über Covacis Leidenszeit zu erfahren. Obwohl ihm Polizeirat Jung eine Alternative bietet, beschließt der junge Kommissar, sich der Vergangenheit in Gestalt seines ehemaligen Vorgesetzten zu stellen. Mithilfe seiner Kieler Kollegen gelingt es ihm, sein Trauma weitgehend zu überwinden. Jetzt ist er endgültig in seinem neuen Team angekommen.

Mit Unterstützung des kooperativen Ortspolizisten Peer Kettler gelingt es der Kieler Kripo den kniffeligen Fall, trotz aller Widrigkeiten, restlos aufzuklären. Carsten Wolf, der nichts mehr als Ungerechtigkeit und Vorurteile hasst, tut sich sehr schwer mit dem engstirnigen und bornierten bayrischen Kollegen. Doch auch für Schäfer entwickelt sich der Trip in den Norden nicht wie gedacht.

Diese neue Ermittlung hat mich wieder so gut unterhalten, dass ich mich schon auf den nächsten Fall - Flachwitze inklusive - freue.
4,5 von 5 Sternen

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Veröffentlicht am 21.01.2026

Dem Verbrechen auf der Spur

Mord im Nacktschnecken-Milieu
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Titel und Cover dieses Buches haben sofort mein Interesse geweckt. Ein neuer Krimi? Dazu passt das Format nicht so richtig. Andrerseits lag ich mit meiner Vermutung nicht ganz falsch.

"Der Mörder ist ...

Titel und Cover dieses Buches haben sofort mein Interesse geweckt. Ein neuer Krimi? Dazu passt das Format nicht so richtig. Andrerseits lag ich mit meiner Vermutung nicht ganz falsch.

"Der Mörder ist immer der Gärtner" wusste schon der Barde Reinhard Mey. Stimmt das oder haben wir es hier mit übler Verleumdung zu tun? Die Autorin Elke Schwarzer und ihre Gartenkommissare gehen dieser Frage nach. In ihrem neuesten Buch "Mord im Nacktschnecken-Milieu" klärt sie uns über die zahllosen Verbrechen auf, die am Arbeitsplatz des Gärtners täglich stattfinden. Von Bandenkriminalität bis Vandalismus, ja sogar Mord ist im Angebot. Über die derart hohe Verbrechensrate in meinem Gärtchen habe ich mir vorher nie Gedanken gemacht. Ein Fehler?

Ein Blick ins Buch entführt uns in eine Welt voll krimineller Delikte. Sehr ansprechend bebildert und detailliert beschrieben, werden die einzelnen Tatverdächtigen vorgestellt. Schönlinge wie das Lilienhähnchen neben finsteren Gestalten wie dem Erdbeerblütenstecher. Beim Lesen erweitert sich der Wissensschatz um zahlreiche Arten. Wer außer Entomologen hat je etwas vom Einbindigen Traubenwickler gehört?

Jeder Fall wird akribisch aufgearbeitet. Mit Tatortsbeschreibung, Indizien, Verdächtigen, Motiven und Zeugenbefragungen. Vorurteilslos wird gegen potenzielle Missetäter ermittelt, ob Einheimischer oder Migrant, Pflanze oder Tier und auch der Gärtner wird überprüft.

Die Fallbearbeitung erinnert an die Polizei. Nur die Fotos der Tatverdächtigen sind sehr viel besser. Überhaupt lässt die Ausstattung dieses Buches keine Wünsche offen. Vom hochwertigen Papier über die schönen Fotos bis hin zum von mir geschätzten Lesebändchen. Alles da.

Auch der Inhalt bereitet Vergnügen. Elke Schwarzers launiger Ton sorgt für Lesespaß. Noch nie hat mich eine Gartenbuch derart gut unterhalten. Dabei werden ernste Themen behandelt. Was kann ich meinen Pflanzen Gutes tun? Womit vertreibe ich Schädlinge auf möglichst natürliche Weise? Wie sieht ein wirksamer Opferschutz aus? Alle offenen Fragen werden von der Diplom-Biologin Schwarzer seriös beantwortet.

„Mord im Nacktschnecken-Milieu“ ist das amüsanteste Sachbuch, das ich seit Langem in die Finger bekommen habe und obendrein informiert es kompetent. Einen Tipp habe ich bereits erfolgreich ausprobiert. Weitere Versuche werden bei Bedarf folgen.

Das eher düstere Cover in passend sinistren Farben rundet den positiven Gesamteindruck ab. Eine originelle Idee hat zu einem lesenswerten Buch geführt, das Spaß macht und diverse nützliche Tipps gibt. Ein Muss für Gärtner und Krimifans!


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