Profilbild von odile

odile

Lesejury Star
offline

odile ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit odile über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.03.2026

Plötzlich Königin!

Red as Royal Blood
0

Die junge Ruby wurde vor 20 Jahren von der Köchin Mellie auf der Schwelle des Schlosses gefunden. Seither lebt das Findelkind am Hof und wurde zur Dienstmagd ausgebildet. Da sie schon immer sehr wissbegierig ...

Die junge Ruby wurde vor 20 Jahren von der Köchin Mellie auf der Schwelle des Schlosses gefunden. Seither lebt das Findelkind am Hof und wurde zur Dienstmagd ausgebildet. Da sie schon immer sehr wissbegierig war, hat Mellie dafür gesorgt, dass der Hauslehrer der Prinzen Ruby, unterrichtete. Das erweist sich bald als sehr nützlich. Denn nach König Octavius` plötzlichem Tod, legt sie eine Blitzkarriere hin. Von der Dienstmagd zur Königin. Keiner der Prinzen, sondern Ruby wurde vom Herrscher als Erbe auserwählt. Ab sofort befindet sich die ehemalige Dienstmagd in Lebensgefahr. Denn der König wurde vergiftet und sein Mörder hat es auch auf Ruby abgesehen.

Wie reagiert eine intelligente junge Frau, deren Zukunftsaussichten sich plötzlich grundlegend ändern? Ruby verfügt über großes Talent für das Schachspiel und ist mit Taktik und strategischem Denken vertraut. Dies und ihre für eine Dienstmagd ungewöhnlich gute Erziehung erleichtern ihr die ersten Schritte im „neuen Beruf“. Worauf mag sich die kryptische Nachricht des Königs beziehen, „Die Antwort liegt in der Vergangenheit“? In seiner oder ihrer? Sie beginnt zu ermitteln und wird durch einen Mordanschlag auf sich zusätzlich motiviert. Zunächst gelingt es ihr, die Tagebücher des Königs aufzuspüren und zu lesen.Ruby kommt bald der Verdacht, dass der Tod des Thronfolgers vor wenigen Monaten keineswegs ein Unfall, sondern bereits der erste Mord war.

Die ehemalige Dienstmagd Ruby ist eine kluge junge Frau, der kein Rätsel zu schwierig und keine Herausforderung zu groß ist. Sie versucht das Beste aus ihrer Situation zu machen, bleibt bodenständig und wählt ihre Vertrauten sorgfältig aus. Am meisten zu schaffen macht ihr, dass sie für den naheliegendsten Verdächtigen romantische Gefühle empfindet. Die Geschichte wird aus Rubys Perspektive erzählt und so erleben wir diese Entwicklung hautnah mit.

Elisabeth Hart hat mit „Red as Royal Blood“ eine Geschichte geschrieben, die alles enthält, was spannende Unterhaltung garantiert. Intrigen, Geheimgänge, Verschwörer, unglückliche Liebe, rätselhafte Abstammung, rauschende Bälle, gefahrvolle Situationen und romantische Gefühle. Dazu das königliche Ambiente und eine bezaubernde kleine Katze.

Letztlich werden alle Rätsel gelöst. Dem Geheimnis um Rubys Abstammung bin ich auf die Spur gekommen, aber das Mordkomplott konnte ich nicht aufklären. Dabei ist die Lösung logisch und nachvollziehbar. Es macht Spaß, Ruby bei ihren Ermittlungen zu begleiten. Sie scheint für die Nachfolge von König Octavius bestens geeignet und ist auch gewillt, sich mit den Rebellen zu verständigen.

Der Einzelband wird ab 14 empfohlen, ist aber auch für Erwachsene als leichte Lektüre gut geeignet.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.03.2026

Mord in der Lübecker Marienkirche

Ostseehölle
3

Jürgen Poscher hat die Ausbildung zum Kirchen-Guide absolviert und die Abschlussprüfung bestanden. Jetzt steht seine erste Führung durch St. Marien an. Leider verläuft Poschners Premiere nicht wie erhofft. ...

Jürgen Poscher hat die Ausbildung zum Kirchen-Guide absolviert und die Abschlussprüfung bestanden. Jetzt steht seine erste Führung durch St. Marien an. Leider verläuft Poschners Premiere nicht wie erhofft. Teilnehmer seiner Gruppe entdecken auf dem Boden des Nordturms eine Leiche.

Eva Almstädt lässt ihre Ermittlerin, Hauptkommissarin Pia Korittki, bereits in ihrem 21. Fall ermitteln. Ich war schon sehr auf meinen Ausflug nach Lübeck gespannt und wurde nicht enttäuscht.

Die Identität des Opfers, das aus 20 m Höhe in den Tod stürzte, ist bald geklärt. Sibylle Freiwald war erst vor einem Jahr von Kiel in einen Vorort Lübecks gezogen. Die Obduktion ergibt, dass sie das Opfer eines Gewaltverbrechens wurde. Pia übernimmt die Leitung der Ermittlungen. Es ergeben sich einige Verdachtsmomente, doch ein echtes Motiv scheint keiner der Beteiligten zu haben. Dann übernimmt das LKA den Fall, da ein lokaler Politiker, der auf einer Todesliste angeblicher Terroristen steht, in den Kirchenmord involviert scheint. Die Lübecker Kripo untersucht einen Cold Case, der während ihrer Ermittlung in den Fokus geraten ist. Dem Leser ist dieser schon aus dem Prolog bekannt. Gehören die beiden Fälle zusammen?

Wie gewohnt, bewegt sich Pias Leben nicht in ruhigen Fahrwassern. Mit Freund Marten gerät sie mehrfach aneinander und auch das Berufsleben weist Turbulenzen auf. Ein Teammitglied scheint Probleme mit Pia zu haben, was zu Kompetenzgerangel führt.

Pia ist eine Frau mit Ecken und Kanten, die schon einiges erlebt hat. Auch dieses Mal überzeugt sie mit ihrem kriminalistischen Instinkt. Ihr Freund Marten ist gewillt, ein neues Kapitel in ihrer Beziehung aufzuschlagen. Ich bin gespannt, wie sich dies weiter entwickelt. Der Krimi weist dieses Mal eine Vielzahl an Personen auf, sodass ein Namensverzeichnis angenehm wäre.

Erneut konnte mich Eva Almstädt mit Pias neuestem Fall fesseln. Mir gefällt ihr ausgewogener Mix aus Ermittlung und Privatleben der Hauptkommissarin. Der flüssige Schreibstil und der anhaltende Spannungsbogen sorgen für großes Lesevergnügen. Das Lokalkolorit, wie die Erwähnung des auf dem Fünfzigmarkschein abgedruckten Holstentors, und die Möglichkeit des Mitratens sind für mich ein zusätzliches Plus.

Nach einigen Verwicklungen und Wendungen können gleich zwei Verbrechen aufgeklärt werden. Ein spannender Showdown läutet die Entlarvung der schuldigen Person ein. Dieses Mal kam ich dem Täter nicht auf die Spur. Die Auflösung war für mich überraschend, aber überzeugend. Die Umstände bzw. das Motiv für die Morde haben mich erschüttert. Der Fall wird logisch aufgeklärt und alle Fragen beantwortet. Nur die Verhaltensweise einer Person, die sich mit ihren miesen Taten brüstete, erschien mir unglaubwürdig. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. „Ostseehölle“ ist ein spannender Krimi, der seinen Titel zu Recht trägt. Ich wurde kurzweilig unterhalten und werde Pia auch bei ihrem nächsten Fall begleiten.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 30.03.2026

Danish Dynamite

Untergang - Jensen und Sander ermitteln
0

Michael Sander, ehemaliger Elitesoldat und Einzelkämpfer, wird von Langeweile geplagt. Der Mittfünfziger befindet sich in Topform, aber seine Haus- und Erziehungsarbeit reicht ihm nicht. Aus dieser Unzufriedenheit ...

Michael Sander, ehemaliger Elitesoldat und Einzelkämpfer, wird von Langeweile geplagt. Der Mittfünfziger befindet sich in Topform, aber seine Haus- und Erziehungsarbeit reicht ihm nicht. Aus dieser Unzufriedenheit resultieren ernsthafte Eheprobleme mit Lene. Als ihn Oberst Konstantin Golonin, eine Stimme aus der Vergangenheit, um Hilfe bittet, kommt ihm diese Ablenkung gerade recht. Ohne sich mit Lene zu besprechen, eilt er dem Russen, der ihm einst das Leben rettete, zu Hilfe. Er ahnt nicht, worauf er sich einlässt. Bald stehen der Oberst und er auf der Abschussliste mehrerer Geheimdienste und Regierungen.

Steffen Jacobsen präsentiert uns mit „Untergang“ den sechsten Teil seiner
„Jensen und Sander - Reihe“. Erneut garantiert er spannende Unterhaltung, die dieses Mal aber eher ein „Solo für Michael“ ist.

Es gibt viele Verschwörungsszenarien zum tragischen Untergang der „MS Estonia“. Auch der Autor thematisiert das Unglück. Er präsentiert uns seine eigene Theorie, die mit dem Untergang des Schiffs beginnt. Nachdem der Prolog das Fährunglück und seine unmittelbaren Folgen beschreibt, führt die weitere Erzählung in die Gegenwart.

2022. In Stockholm sollen Oberst Golonin, Hauptmann Schikin und ein ortskundiger Helfer im Auftrag des russischen Geheimdiensts FSB einen ukrainischen Oligarchen eliminieren. Als sie die kleine Tochter im Wagen ihrer Zielperson entdecken, wollen die beiden Soldaten das Unternehmen abbrechen. Ihre Maxime ist, wir töten keine Kinder. Aber der Helfer löst die Bombe aus und erschießt Schikin. Oberst Golonin kann verletzt fliehen. Wie der Leiter des FSB bald bemerkt, hat sich Konstantin rückversichert. Nur er weiß, wo sich hochbrisante Daten befinden, deren Verschwinden seinem Chef den Kopf kosten könnten. Aber auch in Schweden gibt es mächtige Kräfte, die eine Offenlegung dieses Geheimmaterials fürchten müssen. Die Jagd auf Golonin ist eröffnet.

Jacobsen hält mit sehr kurzen Kapiteln und häufigen Ortswechseln das Erzähltempo und die Spannung hoch. Die Sprache ist flüssig, klar und präzise. Bei aller Nüchternheit blitzt gelegentlich Humor auf. Die Perspektive der handelnden Charaktere wechselt laufend.

Die Charaktere wirken authentisch und überzeugen. Im Mittelpunkt steht Elitekämpfer Sander, der ein facettenreicher Charakter ist. Seine Frau Lene, die inzwischen Chefin des dänischen Polizei- und Sicherheitsdienstes PET ist, hält ihre Ehe geheim. Sehr gut gefallen haben mir auch der schwedische Polizeichef Anders Bergfors und seine rechte Hand Ulla Hansson. Für die vielen Namen wäre ein Verzeichnis angenehm. Ich habe es schmerzlich vermisst.

Die Welt der Geheimdienste ist brutal und gnadenlos. Kämpfer mit eigenem Ehrenkodex wirken wie ein Anachronismus. „Fides super omnia aliud = Treue über alles“ lautet der Wahlspruch von Sir Charles Langbourne, Michaels früherem Chef. Dieser Ehrbegriff, der Golonin und Schikin mit Michael Sander verbindet, existiert längst nicht für jeden. Auch Anders Bergfors fühlt sich diesen Werten verpflichtet. Ohne seinen Ehrenkodex wäre Michael nicht in diese verzweifelte Lage geraten, aber letztlich wird eine Allianz weniger Menschen, die sich demselben Ehrbegriff verpflichtet fühlen, hier entscheidend.

Das Buch endet mit einem grandiosen, spannenden Showdown auf der kleinen unbewohnten Insel Virkø. Einen Monat später reicht Schweden den formellen Antrag auf Mitgliedschaft in der NATO ein. Was ist Fiktion, was Wahrheit?


  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.03.2026

Ein neues Abenteuer aus Mirilor

Der Hof der silbernen Nacht
0

Die Elfenschwestern Niva und Rienne haben im Krieg zwischen Emberfall und Veloria ihre Eltern verloren. Als Waisen fristeten sie schwere Jahre und wurden dann von der Magistra Selena in Lichtmagie ausgebildet. ...

Die Elfenschwestern Niva und Rienne haben im Krieg zwischen Emberfall und Veloria ihre Eltern verloren. Als Waisen fristeten sie schwere Jahre und wurden dann von der Magistra Selena in Lichtmagie ausgebildet. Um diese Schuld zu begleichen, waren sie gezwungen dem zwielichtigen Zirkusdirektor Borwin den Treueschwur zu leisten. Für ihn erledigt die unerschrockene Lichtwandlerin Niva illegale Aufträge neben ihrer Arbeit im Zirkus. Dieses Mal soll sie ein extrem wertvolles Artefakt stehlen. Niva lehnt ab, den dazu müsste sie sich an den Silberhof von Valerian Kaelvane, dem König der Dunkelelfen begeben. Ihr letztes Zusammentreffen mit dem Herrscher hat sie nur knapp überlebt. Außerdem hasst sie alle Dunkelelfen. Doch Borwin will kein Nein akzeptieren.

Die Autorin entführt uns erneut in ihre Welt Mirilor. „Der Hof der silbernen Nacht“ ist der Auftakt einer neuen Dilogie. Mich hat Nivas Geschichte schnell gefesselt und spannend unterhalten.

Borwin macht Niva ein Angebot, dem sie nicht widerstehen kann. Also schlüpft die Lichtwandlerin in die Rolle der Schriftführerin Milena Rosenthau und bewirbt sich um eine Stelle im Silberschloss. Gimo, ein kleines Seheräffchen, das wenige Sekunden in die Zukunft vorausschauen kann, ist ihre einzige Unterstützung. Der Sonnenelfe Niva fällt es schwer, sich am lichtarmen Hof unter den verhassten Dunkelelfen zurechtzufinden. Zudem sind da noch die Rieden, die Geister Verstorbener, die mit der materiellen Welt interagieren können. Niva/Milena weiß wenig über sie und gerät immer wieder in Schwierigkeiten. Doch letztlich kann sie sich behaupten und das Vertrauen des attraktiven Königs erringen. So weit läuft alles nach Plan, nur Valerians zunehmende Anziehungskraft auf Niva stört. Und er ist so völlig anders als sie ihn sich vorgestellt hat. Hin- und hergerissen zwischen der Zuneigung zu Vale und ihrem lukrativen Auftrag gerät die Lichtwandlerin in eine gefährliche Lage. Das kostbare Artefakt, der magische Dolch Velantra, ist zum Greifen nah, aber da verlässt sie ihr Glück ...

Niva ist eine starke, zielstrebige Frau. Als Waise hat sie schnell gelernt, Rienne und sich zu schützen, da sie auf sich allein gestellt waren. Mittlerweile verfügen die beiden Schwestern über sehr verblüffende, unterschiedliche Fähigkeiten. Sie sind aber durch einen Treueschwur an Borwin gefesselt. Niva ist zu fast allem bereit, um Riennes und ihre Freiheit zu erlangen. Valerian ist eine faszinierende Persönlichkeit. Zunächst distanziert und abweisend, offenbart sich der Dunkelelf und Schattengänger im Lauf der Erzählung als facettenreicher Charakter. Auch die anderen Protagonisten überzeugen, verfügen aber nicht über die Tiefe von Niva und Vale. Der Riede Taren gefällt mir allerdings so gut, dass ich wünschte, er könnte ins Leben zurückkehren.

K. T. Steen erschafft ein spannendes Schattenreich, das düster und gleichzeitig faszinierend wirkt. Wie von ihr gewohnt, stattet die Autorin ihr Setting fantasievoll und originell aus. Mirilor wird gleich um drei Reiche, Emberfall, Nazca und Veloria, erweitert, die sich sehr unterscheiden. Mich fasziniert, mit wie viel märchenhaftem Ambiente und Magie K. T. Steen ihre Welt ausstattet und dabei stets für die passende Atmosphäre sorgt. Neben ihrem erzählerischen Talent verfügt die Autorin über ein besonderes Händchen für tierische Sidekicks, ob Schneeamsel, Drache oder hier das Seheräffchen Gimo. Ein Aspekt, der mir sehr entgegenkommt.

Den Leser erwartet romantische High Fantasy mit Magie, höfischen Intrigen und spannenden Wendungen. Ausgerechnet als die beiden misstrauischen und bindungsscheuen Hauptcharaktere beginnen sich zu öffnen, läuft das Geschehen komplett aus dem Ruder. Natürlich endet Teil eins mit einem fiesen Cliffhanger, der einen spannenden Showdown abschließt. Ich hätte liebend gern weitergelesen, wie es mit Niva, Vale, Taren, Gimo und den anderen weitergeht. So bleibt mir nichts Anderes übrig, als auf eine schnelle Fortsetzung zu hoffen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.03.2026

Ich suche meinen Mörder

Noch fünf Tage
0

Lis Castrop, eine Spitzenköchin, liegt im Sterben. Ihr Arbeitgeber, die Milliardärsfamilie Harman, wurde mit dem Essen vergiftet, das sie gekocht hat. Alle sind tot, nur sie hat noch eine Galgenfrist von ...

Lis Castrop, eine Spitzenköchin, liegt im Sterben. Ihr Arbeitgeber, die Milliardärsfamilie Harman, wurde mit dem Essen vergiftet, das sie gekocht hat. Alle sind tot, nur sie hat noch eine Galgenfrist von fünf Tagen. Die Schweizer Polizei hält die Köchin für die Täterin. Sie soll Familie Harman mit Polonium 210 vergiftet haben, obwohl sie selbst betroffen ist. Lis erkennt, dass ihr nur noch die Zukunft ihrer Tochter Cosima wichtig ist. Also beginnt sie von ihrem Sterbebett aus zu ermitteln. Es ist nachvollziehbar, dass Zeit hier die entscheidende Rolle spielt.

Die Autorin Helena Falke hat mit „Noch fünf Tage“ einen ungewöhnlichen wie spannenden Thriller geschrieben, der neben einem beeindruckenden Setting mit präziser, klarer Sprache überzeugt. Ich habe das Buch nur ungern aus der Hand gelegt.

Der ungewöhnliche Plot dieses Romans hat mich sofort getriggert. Wie reagiert ein Mordopfer, dessen Leben unaufhaltsam in 5 Tagen endet? Mit dem Schicksal hadern? In Selbstmitleid versinken? Den Nachlass regeln? Oder einfach resignieren? Alle diese Stadien durchläuft Lis und nur ihre Pflegerin Esme begleitet sie dabei. Wie in einem persönlichen Tagebuch werden Szenen aus ihrem Leben erzählt. Stationen ihrer Karriere und Erlebnisse mit den einzelnen Mitgliedern der Familie Harman. Wie mit Reeta, der Frau an der Seite des Milliardärs. Dank Lis überwindet sie ihre Unsicherheit und kann die Freundinnen gewinnen, die sie für passend hält. Doch wegen einer Kleinigkeit erniedrigt sie ihre Köchin. Lis erinnert sich: „Ich wurde noch nie so sehr gedemütigt in meinem Leben“. Alle Familienmitglieder Harman verfügen gleichermaßen über Potenzial und Abgründe. Es ist teilweise sehr desillusionierend in die Welt der Superreichen einzutauchen.

Mithilfe ihrer Recherchen will Lis dem Mörder auf die Spur kommen. Wer von den Harmans war das eigentliche Ziel? Wer nur Kollateralschaden? Unterbrochen werden diese Überlegungen nur von den Abläufen und wenigen Besuchern im Krankenzimmer. Ähnlich wie in einem Kammerstück treten nur vereinzelt Akteure persönlich in Erscheinung.

Lis aus deren Perspektive die ganze Geschichte erzählt wird, ist eine starke Persönlichkeit. Intelligent, kreativ, loyal, zielstrebig. Vielleicht etwas zu großzügig. Zu wenig egoistisch? Mir scheint, die Harmans nutzten sie skrupellos aus, weit über ihren Job hinaus. Über allem darf man Lis Leidenschaft für ihren Beruf nicht vergessen. Sie liebte es, köstliche Kreationen zu erschaffen, die mir immer wieder das Wasser im Mund zusammenlaufen ließen.

Im Verlauf ihres Sterbeprozesses gewinnt Lis eine beeindruckende Klarheit. Dazu tragen die ernsthaften Gespräche mit der Pflegerin Esme und der Sterbebegleiterin Chrissie bei. Die anderen Protagonisten verfügen nicht annähernd über ihre Tiefe. Hier wird Lis‘ Geschichte erzählt. Während der ganzen Zeit ist der Tod immer präsent.

Ich fand Lis Geschichte spannend und vielschichtig. Es hat mich beeindruckt, dass sie, den Ablauf ihres eigenen Countdowns ignorierend, recherchiert, Motive prüft, Ereignisse reflektiert und so stur ihren Plan verfolgt. Das wirkt mitunter kühl und distanziert, doch anders kann sie ihr Ziel nicht erreichen. Schließlich weiß Lis, dass sie in Kürze ihre geliebte Tochter für immer verlassen muss.

Die Erzählung nimmt einige Wendungen und wartet mit einer echten Überraschung auf. Schlussendlich erreicht Lis alle Ziele, die sie noch hatte. Sie deckt die Identität des Täters auf und erkennt das Motiv. Und sie kann Cosima eine gesicherte Zukunft hinterlassen.

"Noch fünf Tage" präsentiert ein Mordopfer, das noch am Leben ist, aber unweigerlich sterben wird. Daraus ergibt sich eine völlig ungewöhnliche Perspektive auf das Leben, den Tod, das Sterben und den ganzen Rest. Ich habe das Buch gern gelesen, obwohl es nicht immer einfach ist, die zum Tode verurteilte Lis zu begleiten. Die Endlichkeit bereitet Unbehagen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere