Profilbild von raschke64

raschke64

Lesejury Star
offline

raschke64 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit raschke64 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.10.2024

Barrakuda

Barrakuda
0

„Barrakuda“ erzählt die Geschichte von Daniel. Sein Vater ist Fernfahrer, seine Mutter Frisöse, er hat 2 jüngere Geschwister. Eine ganz normale einfache Familie. Daniel wird Danny gerufen. Er geht auf ...

„Barrakuda“ erzählt die Geschichte von Daniel. Sein Vater ist Fernfahrer, seine Mutter Frisöse, er hat 2 jüngere Geschwister. Eine ganz normale einfache Familie. Daniel wird Danny gerufen. Er geht auf eine normale Schule, hat Freunde. Doch er ist etwas Besonderes. Er schwimmt, und dass sehr gut. So wird er entdeckt und kommt mit 13 Jahren auf eine spezielle Schule. Sie ist teuer und nur mit einem Stipendium kann er überhaupt dort lernen. Doch er hat es schwer – in den Augen der reichen Mitschüler ist er nicht nur arm und ein Außenseiter, er ist auch noch schwul und wird entsprechend gehänselt und unterdrückt. Einzig sein Schwimmtrainer ist in der ersten Zeit ein Trost. Er rät Danny, im Schwimmen der beste zu werden und ansonsten „zurückzuschlagen“, sich zu wehren, sich nichts gefallen zu lassen. Nach einiger Zeit beherzigt Danny das. Er erkämpft sich Respekt. In erster Linie durch seinen unbändigen Kampfgeist, durch enormes Training und den Willen, der Beste zu sein. Und nur der Beste zählt. Bald hat er den Spitznamen „Barrakuda“. Alles wird dem Schwimmen untergeordnet und dem Ziel, der erste zu sein, irgendwann an der Olympiade teilzunehmen. Doch bei einem Wettkampf wird er nur 5. Er bricht weinend zusammen – in seinen Augen das totale Versagen. Er hört mit dem Schwimmen auf und sein Leben nimmt eine völlig andere Wendung …
Ich las das Buch während der Olympiade. Während einige Sportler Medaillen „verloren“, sie wurden „nur“ 4. Die Presse stempelte auch sie zu „Versagern“. Und das hat mich erschreckt. Ist ein Mensch/Sportler nur etwas wert, wenn er eine Medaille gewinnt. Ist das wirklich so wichtig, um damit seine gesamte Familie, sein soziales Umfeld dem unterzuordnen. Ist ein 4. oder 5. Platz schon ein Versagen?
Das Buch findet seine eigenen Antworten auf diese Fragen. Danny wird erwachsen, wird Dan und Daniel. Trifft falsche Entscheidungen, trifft später aber auch richtige. Man kann dieses Erwachsenwerden wunderbar verfolgen. Und dazu liest sich das Buch auch noch sehr gut. Nur zum Ende hin wurde es mir zu sehr philosophisch und weit weg vom eigentlichen Leben von Dan. Und einige der ausführlich beschriebenen Sexszenen fand ich unpassend und dem Fortgang der Handlung nicht wirklich dienlich.
Doch alles in allem ein Buch, das das Lesen wirklich lohnt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.10.2024

Ernster als sonst

Frühstück am Rande der Apokalypse
0

Das Buch spielt zeitlich am Ende der Corona-Pandemie und mit dem Beginn des Ukraine-Krieges. Wie immer ist Wladimir Kaminer ein aufmerksamer Beobachter des Zeitgeschehens. In diesem Buch natürlich besonders, ...

Das Buch spielt zeitlich am Ende der Corona-Pandemie und mit dem Beginn des Ukraine-Krieges. Wie immer ist Wladimir Kaminer ein aufmerksamer Beobachter des Zeitgeschehens. In diesem Buch natürlich besonders, was den Krieg zwischen Russland und der Ukraine angeht. Als gebürtiger Russe ist er sicherlich sehr oft zu dem Thema befragt worden. Und das ist ein Thema, wo einem das Lachen eher im Hals stecken bleibt. Und so sind die Geschichten um einiges ernster als die sonstigen Bücher. Das macht das Buch nicht weniger lesenswert, denn hier schreibt ein Insider, der über seine Kontakte nach Russland mehr erfährt als der Durchschnittsbürger.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.10.2024

Fand keinen Zugang

Das Parfüm des Todes
0

Tatortreinigerin Yang Ning ist als einzige im Büro, als sie einen Anruf erhält und sofort eine Wohnung gründlich reinigen soll. Das tut sie auch. Doch Wochen später sucht sie die Polizei und verdächtigt ...

Tatortreinigerin Yang Ning ist als einzige im Büro, als sie einen Anruf erhält und sofort eine Wohnung gründlich reinigen soll. Das tut sie auch. Doch Wochen später sucht sie die Polizei und verdächtigt sie, eine Mörderin zu sein. Yang Ning dämmert es langsam, dass ihr eine Falle gestellt wurde. Um sich zu entlasten, begibt sie sich selbst auf die Suche nach dem Täter.

Die Beurteilung des Buches fällt mir extrem schwer, weil ich zum Inhalt und zur Hauptperson so überhaupt keinen Zugang fand. Ich habe mich mit den Namen sehr schwer getan. Da ich das Buch von vorne gelesen habe, habe ich erst am Ende gemerkt, dass es zum Schluss ein Namensverzeichnis gibt. Dies hätte mir am Anfang des Buches mehr geholfen. Die vor allem am Anfang drastischen Schilderungen der Tatorte haben mich nicht gestört, da ich durch einen Vortrag von einem echten Tatortreiniger vieles davon schon kannte. Ansonsten fand ich das Buch über größere Strecken langatmig und zum Teil auch langweilig. Nicht durchweg, aber insgesamt konnte es mich nicht fesseln.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.10.2024

Der Stalker

Der Stalker (Ein Marina-Esposito-Thriller 2)
0

Eine junge Frau liegt im Bett und hat einen Alptraum. Ein grässlicher Mann steht vor hier, zieht ihr das Hemd hoch, berührt sie überall. Sie hat Todesangst. Doch es ist ja nur ein Alptraum. Als sie am ...

Eine junge Frau liegt im Bett und hat einen Alptraum. Ein grässlicher Mann steht vor hier, zieht ihr das Hemd hoch, berührt sie überall. Sie hat Todesangst. Doch es ist ja nur ein Alptraum. Als sie am nächsten Morgen erwacht, findet sie am Fenster ein Foto von sich mit einer Widmung. Es war kein Alptraum, sondern brutale Realität. Sie geht zur Polizei. Doch bei der üblichen Überprüfung wird festgestellt, dass sie früher bereits einen Anzeige gegen einen Stalker – ihren Unilehrer – gemacht hat. Aber damals konnte nichts nachgewiesen werden. Lügt sie jetzt? Bildet sie sich das alles ein?
Ihre Freundin übernachtet bei ihr und die Nacht endet schrecklich. Ihre Freundin wird ermordet, sie selbst entführt.
Gleichzeitig ist Kommissar Phil Brennan mit einem anderen Fall beschäftigt. Eine junge Frau wird ermordet auf einem Boot gefunden. Sie kommen nicht richtig in dem Fall weiter. Denn auch Phil ist nicht völlig auf der Höhe der Aufgaben. Seine Beziehung ist nicht in Ordnung, ohne dass er den Grund weiß. Dann verlässt ihn seine Freundin mit seiner Tochter plötzlich und sein Schmerz darüber lässt ihn nicht immer konzentriert an seine dienstlichen Aufgaben gehen. Dazu kommt noch, dass er mehr als nur ein kleines Problem mit seinem dienstlichen Vorgesetzten hat, eine für ihn völlig unfähige Profilerin vor die Nase gesetzt bekommt und eine seine Untergebenen ein Verhältnis mit seinem Chef hat. Keine guten Voraussetzungen für vernünftige Ermittlungen.
Und es kommt noch schlimmer, denn die erste Leiche bleibt nicht die einzige …
Tania Carver ist mit „Der Stalker“ wieder ein sehr spannender Thriller gelungen. Man bekommt sehr schnell die Information, was der „Täter“ denkt. Doch die Hintergründe erfährt man dann erst im letzten Viertel des bis dahin sehr spannenden Buches. Die Vermischung von Dienst- und Privatleben der Ermittler ist glaubhaft und gut gelungen, ohne allzu sehr im Vordergrund zu sein. Die Figuren sind nicht nur einfach schwarz oder weiß, sondern haben oft Zwischentöne. Gerade bei den Ermittlern wirkt das sehr menschlich. Auch die Nebenfiguren sind sehr gut beschrieben. Insgesamt gelingt es über die ganze Zeit, die Spannung sehr hoch zu halten. Auf eine zu detaillierte Beschreibung der Ermittlungen wird verzichtet, man kann dem ganzen aber problemlos folgen. Das Ende ist dann interessant gelöst.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.10.2024

Die Frauen von Carcassone

Die Frauen von Carcassonne
0

„Die Frauen von Carcassonne“ ist eines der stärksten Bücher, das ich in der letzten Zeit gelesen habe – unfassbar beeindruckend.
Es beginnt 1942. Der 2. Weltkrieg ist in vollem Gang, Frankreich ist zur ...

„Die Frauen von Carcassonne“ ist eines der stärksten Bücher, das ich in der letzten Zeit gelesen habe – unfassbar beeindruckend.
Es beginnt 1942. Der 2. Weltkrieg ist in vollem Gang, Frankreich ist zur Hälfte von den Faschisten besetzt. Doch auch in der anderen Hälfte – in der die Stadt Carcassonne liegt – herrschen Willkür und Verrat. Sandrine ist 18 und lebt mit ihrer Schwester und einer Haushälterin zusammen. Ihr Vater starb und sie vermisst ihn unheimlich. Doch ansonsten ist sie eher naiv und unbeschwert. Als sie einen Mann im Fluss findet und ihn vor dem Ertrinken rettet, wird sie niedergeschlagen. Als sie wieder zu sich kommt, wird ihr von einem jungen Mann geholfen. Raoul, selbst im Widerstand tätig, kann nicht bei ihr bleiben. Einige Zeit später wird eine große Demonstration in Carcassonne geplant. Aber das Vorhaben wurde von Spitzeln verraten und die Nazis und auch die französischen Kolloraboteure wissen Bescheid. Sie erwarten die Menschen und verwenden auch Bomben und es gibt Tote. Das alles wird Raoul in die Schuhe geschoben und er wird steckbrieflich gesucht. Als er bei Sandrine und ihrer Familie Unterschlupf findet, verlieben sich die beiden. Doch ihrem Glück bleibt wenig Zeit. Raoul geht wieder in den aktiven Widerstand und Sandrine erkennt bald, dass ihre Schwester und ihre Freundinnen ebenfalls im Widerstand tätig sind. Bald wird auch sie diese unterstützen.
2 Jahre später ist Sandrine eine der Führerinnen des lokalen Widerstands von Carcassonne. Mittlerweile ist ganz Frankreich besetzt und es wird immer schwerer, unerkannt und unentdeckt zu bleiben. Für Liebe bleibt da wenig Zeit …
Der Autorin ist ein wunderbares Buch gelungen. Sie zeigt die starke Wandlung von Sandrine von einer eher naiven jungen Frau zu einer starken und entschlossenen Kämpferin. Trotzdem sie zur Heldin wird, ist sie keine übermächtige Heldin. Sie hat Angst, sorgt sich um Raoul, ihre Schwester, ihre Freundinnen. Trotzdem kämpft sie unter Einsatz ihres Lebens für die Freiheit ihrer Heimat. Und obwohl eine Reihe von Gräueltaten in dem Buch geschildert werden, gelingt es der Autorin immer, die Balance zu halten und eine unheimliche Spannung bis zum Ende.
Auch das Verweben alter Sagen von den frühen Christen über die Katharer bis zum Widerstand im 2. Weltkrieg zeigt den Kampfgeist der Menschen in diesem Teil Frankreichs für ihre Freiheit und für ihre Heimat. Und dabei auch immer wieder die Liebe zu den Menschen und zum Land. Ein Buch, dass man lesen MUSS. Ein Buch, das gut geeignet ist, jungen Menschen von heute über den 2. Weltkrieg lernen zu lassen und auch davon, was Nazis angerichtet haben.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere