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riraraffi

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.04.2026

Stark erzählt – mit kleinen Kitschmomenten

Copenhagen Cinnamon 1. Delicate
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Jonna ist auf der Suche: nach sich selbst, nach einer Arbeit, die sie erfüllt, und nach dem Sinn ihres Lebens. Da ihr Vater mit ihren Plänen nicht einverstanden ist, sucht sie außerdem nach einer neuen ...

Jonna ist auf der Suche: nach sich selbst, nach einer Arbeit, die sie erfüllt, und nach dem Sinn ihres Lebens. Da ihr Vater mit ihren Plänen nicht einverstanden ist, sucht sie außerdem nach einer neuen Geldquelle. Was sie hingegen gerade nicht aktiv sucht, ist die Liebe. Doch als sie das gehypte „Copenhagen Cinnamon“ betritt, findet sie zwar keinen geliebten Pumpkin Spice Latte, dafür aber den sympathischen Mads. Und irgendwie ist da etwas zwischen den beiden, auch wenn beide ihr eigenes Päckchen zu tragen haben.
Besonders gefallen hat mir, dass zu Beginn noch ein weiteres mögliches Love Interest für Mads angedeutet wird. Es wirkt oft unrealistisch, wenn all diese attraktiven und charakterlich bewundernswerten Figuren scheinbar keinerlei Kontakt zum anderen Geschlecht haben. Das wurde hier angenehm anders gelöst.
Die Atmosphäre im Café und generell im Roman ist unglaublich gemütlich. Ich mochte beide Hauptfiguren sehr und vor allem ihre Verbindung zueinander. Es gibt durchaus Konflikte, aber sie werden nicht durch unrealistisches Schweigen künstlich aufgebläht, noch wird die Beziehung als plötzliche Lösung für alle Probleme dargestellt. Stattdessen entwickeln sich die Figuren gemeinsam weiter, Jonnas Intelligenz wird sinnvoll eingebracht und Mads’ schwierige Situation wird zusammen angegangen. Genau so stelle ich mir einen gelungenen Slow-Burn-Trope vor.
Das Einzige, was mich etwas gestört hat, war die wiederholte, für mich etwas kitschig wirkende Rede von einem „Funkeln“, das wiederentdeckt werden soll. Vielleicht war das als Leitmotiv gedacht, aber für mich hat es nicht ganz funktioniert, zumal der Roman auch ohne dieses Stilmittel stark genug ist.
Der unaufgeregte Schreibstil und die überzeugende Entwicklung der Beziehung sorgen dennoch für einen hohen Wiedererkennungswert. Ich freue mich auf jeden Fall schon auf den zweiten Teil!

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Veröffentlicht am 30.03.2026

Hatte mehr erhofft

Zwei in einem Bild
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Nach dem wunderschönen Cover und dem vielversprechenden Klappentext hatte ich mir eine Geschichte erhofft, die gerade aufgrund ihres geringen Realitätsanspruchs vielleicht sogar surrealistische ...

Nach dem wunderschönen Cover und dem vielversprechenden Klappentext hatte ich mir eine Geschichte erhofft, die gerade aufgrund ihres geringen Realitätsanspruchs vielleicht sogar surrealistische Elemente oder zumindest eine besondere Form von Tiefe entfaltet.
Diese Erwartung wurde jedoch nicht erfüllt. Von Beginn an hat mich der kindlich wirkende, stark monologische Stil gestört. Wie in einer Art schlichtem Tagebuch sollen wir als Lesende die Hintergründe der Figuren über ihre Selbstbefragungen erschließen. Diese wirken jedoch oft plump und wenig subtil, etwa in Fragen wie: „Hatte ich vielleicht Vertrauensprobleme, weil ich von meinem Exfreund so enttäuscht wurde, als er XY gemacht hat?“
Auch die Protagonistin verbleibt auf dieser oberflächlichen Ebene, wodurch die dargestellte Liebesbeziehung wenig glaubwürdig erscheint. Keine der Figuren gewinnt an Tiefe oder Individualität, und auch eine wirkliche Handlung ist kaum erkennbar. Stattdessen wirkt der Text wie ein direktes, konstruiertes Hinführen zum Kennenlernen und Verlieben, als müsse es einfach so passieren.
Besonders enttäuschend ist zudem der Umgang mit dem Themenfeld der Kunst. Trotz Bezügen zu realhistorischen Persönlichkeiten bleibt die Darstellung erstaunlich oberflächlich und schöpft ihr Potenzial nicht aus. Dabei erscheint es fast, als sei diese Art des Schreibens komplizierter inszeniert, als tatsächlich inhaltliche Tiefe zu entwickeln.
Eine schöne Idee, aber eine enttäuschende Umsetzung.

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Veröffentlicht am 07.03.2026

Alle brauchen so eine Freundschaft (und so ein Huhn)

Ein Huhn kommt selten allein
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Das Huhn, das irgendwie eine Veränderung in Romeos Leben markiert, nennt er Tock. Eines Abends sitzt es plötzlich auf seinem Balkon, genau zu dem Zeitpunkt, an dem Romeo ein wenig Trost gut gebrauchen ...

Das Huhn, das irgendwie eine Veränderung in Romeos Leben markiert, nennt er Tock. Eines Abends sitzt es plötzlich auf seinem Balkon, genau zu dem Zeitpunkt, an dem Romeo ein wenig Trost gut gebrauchen kann. Denn sein Vater ist schwer krank, seine Mutter kocht streng riechendes „gesundes“ Essen und auch die Jungs in der Schule gehen ihm auf die Nerven.
Tock gehört zu den neuen Nachbarn, die ein Zentrum für Wachstum und Entwicklung betreiben. Am nächsten Tag lernt Romeo im Unterricht deren Tochter Jessi kennen. Ohne große Scheu erzählt sie von sich und sogar von ihrer verstorbenen Mutter.
Jessi wird genau die Freundin, die Romeo in dieser Zeit braucht. Während er verzweifelt versucht, an seinem Vater festzuhalten, noch Dinge mit ihm zu erleben und gleichzeitig Schwierigkeiten hat, über seine Gefühle zu sprechen, ist Jessi da. Mit ihrer direkten und intensiven Art gibt sie Romeo genau das, was er in dieser Phase braucht – auch wenn er selbst das zunächst gar nicht erkennt.
Ich glaube, jede und jeder braucht in schwierigen Zeiten eine Freundin wie Jessi und generell Menschen, die einfach da sind.
Besonders berührend ist die Darstellung von Romeos Trauerprozess: sich von jemandem verabschieden zu müssen, der eigentlich noch da ist, aber nicht mehr derselbe wie früher; zu wenig Zeit zu haben; und als Kind kaum Möglichkeiten zu finden, mit dieser Situation umzugehen. Das wird in der Geschichte sehr einfühlsam und bewegend erzählt.
Ich habe jede einzelne Figur (und jedes einzelne Huhn) ins Herz geschlossen. Für mich bietet diese Geschichte einen sehr empathischen Zugang zum Thema Tod: Sie bringt eine gewisse Leichtigkeit hinein, ohne die Schwere des Themas kleinzureden.

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Veröffentlicht am 21.02.2026

Die leisen Risse im Familiengefüge

Alle glücklich
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Bei Tolstoi heißt es: „Alle glücklichen Familien sind einander ähnlich, jede unglückliche Familie ist unglücklich auf ihre Weise.“
Kira Mohn lässt uns selbst prüfen, ob in dieser Familie tatsächlich alle ...

Bei Tolstoi heißt es: „Alle glücklichen Familien sind einander ähnlich, jede unglückliche Familie ist unglücklich auf ihre Weise.“
Kira Mohn lässt uns selbst prüfen, ob in dieser Familie tatsächlich alle glücklich sind.
Indem sie uns die Perspektiven aller vier Familienmitglieder eröffnet, entsteht eine besondere Dynamik: Während des Lesens tendierte ich immer dazu, mich auf die Seite derjenigen Figur zu schlagen, deren Kapitel ich gerade vor mir hatte. Jede Sichtweise wirkt in sich schlüssig.
Was zunächst wie alltägliche Reibereien erscheint, entwickelt sich zunehmend zu größeren individuellen, aber auch familiären Konflikten. Rückblickend erkennt man: Die Anzeichen waren von Anfang an da.
Auch wenn Tolstoi sagt, jede Familie sei auf ihre eigene Weise unglücklich, hatte ich beim Lesen das Gefühl, dass bestimmte Strukturen universell sind: Wenn Bedürfnisse nicht ausgesprochen werden, wenn jede*r vor allem um sich selbst kreist und kein Raum für wirklichen Austausch und gegenseitige Wertschätzung bleibt, entstehen Risse – leise zuerst, dann unübersehbar.
Das Ende mochte ich sehr. Eine einfache, vollständig aufgelöste Harmonie hätte nicht zu den fein ausgearbeiteten Entwicklungen gepasst, die Schritt für Schritt in die Katastrophe führen. Stattdessen rückt eine Figur noch einmal in ein neues Licht und genau das wirkt stimmig.
Der Schreibstil ist dabei durchgehend einnehmend. Man merkt, dass hier jemand schreibt, der seine Charaktere kennt und ernst nimmt. Ich bin wirklich begeistert.

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Veröffentlicht am 13.12.2025

Wichtiges Thema, zu gewollt erzählt

Please unfollow
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Sherry ist eine rebellisch wirkende Teenagerin, die auf dem Weg in ein Camp für Jugendliche mit Problemen heimlich ihre Haare grün färbt, ein Versuch, unkenntlich zu werden. Denn Sherry lebt auch als Sherezade ...

Sherry ist eine rebellisch wirkende Teenagerin, die auf dem Weg in ein Camp für Jugendliche mit Problemen heimlich ihre Haare grün färbt, ein Versuch, unkenntlich zu werden. Denn Sherry lebt auch als Sherezade Weiß, dem „Star“ des Familien-YouTube-Kanals Familie Weiß. Seit ihrer Adoption haben ihre Eltern ihr gesamtes Leben öffentlich gemacht und monetarisiert.
Der Roman erzählt auf zwei Ebenen: Sherezades Zeit im Camp, wo sie neue Freundschaften schließt und ihr Geheimnis bewahrt, und Rückblicke in Form von Transkripten der YouTube-Videos samt Kommentaren. Besonders diese Einblicke fand ich sehr stark und zugleich erschütternd, weil sie zeigen, wie schamlos das Privatleben eines Kindes für Profit ausgeschlachtet wird. Auch die Kommentare wirken authentisch, von treuen Fans bis hin zu Menschen mit eindeutig problematischem Interesse.
Allerdings nehmen diese Kommentare den Lesenden viel Interpretationsarbeit ab, hier hätte ich mir mehr Mut zur Lücke gewünscht.
Generell hatte ich den Eindruck, dass den Lesenden wenig zugetraut wird. Die Eltern werden sehr stark antagonisiert, meiner Ansicht nach hätte es diese „in-your-face“-Botschaft von den bösen Social-Media-Eltern nicht in dieser Konsequenz gebraucht.
Der Schreibstil wirkt stellenweise etwas anspruchslos, etwa wenn von einer „metaphorischen Frage“ statt einer „rhetorischen“ die Rede ist. Das mag pingelig erscheinen, hinterlässt für mich aber den Eindruck sprachlicher Ungenauigkeit.
Trotzdem gelingt es dem Buch eindrücklich, die Folgen totaler Transparenz auf Identität und Selbstbild einzufangen. Für Leser*innen, die sich bisher nicht mit Kindern auf Social Media beschäftigt haben, ist der Roman ein gut zugänglicher Einstieg in das Thema.

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