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riraraffi

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.08.2025

Coole Idee, aber inhaltlich absehbar wie die Dauer der Beziehungen ...

Als ich dich traf
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Daphne lebt in der nicht immer schillernden Welt von Hollywood, in der man sich schnell eine kinoreife Romanze erträumen kann. Allerdings ist Daphne Single, ihr Dahinleben samt der Misserfolge ...

Daphne lebt in der nicht immer schillernden Welt von Hollywood, in der man sich schnell eine kinoreife Romanze erträumen kann. Allerdings ist Daphne Single, ihr Dahinleben samt der Misserfolge ist sehr reparable. (Ich habe eine Beschreibung vom Anfang meinen Freundinnen vorgelesen und heftiges Nicken erhalten.) Trotzdem ist ihr Leben Stoff für Hollywood, wegen einer ziemlichen Besonderheit: Daphne weiß, wie lange ihre "Beziehungen" dauern werden, denn sie erhält stets einen Zettel mit einer genauen Angabe. Seit ihrer Teenagerzeit weiß sie, dass ihre Beziehungen ein Ablaufdatum haben. Jetzt erhält sie einen Zettel, auf dem nichts steht ...

Die Idee finde ich wirklich cool und es wurde gut umgesetzt, nicht irgendwie mystifiziert, sondern einfach hingenommen in der Existenz. Das hätte auch nicht gepasst, das noch einmal tiefer zu hinterfragen. Obwohl diese Ablaufdaten ja durchaus Raum für tiefere Fragen lassen: Wer hat in der Hand, wie lange die Beziehungen gehen? Verhält Daphne sich mit dem Wissen vielleicht auch einfach entsprechend? Und: Haben die Beziehungen überhaupt die Chance, etwas anderes als die begrenzte Zeit zu erreichen?

Absehbar war für mich auch leider schnell, wie sich das noch entwickeln wird. Und irgendwie hat mir auch noch was gefehlt. Ich mochte Daphne zwar, aber so ganz ist mir ihre Persönlichkeit nicht durchgedrungen. So witzig wie ihr Gegenüber habe ich sie z.B. nicht empfunden.

Außerdem eine Kleinigkeit, die ich unfassbar nervig fand: Das Wort "Button-Down-Shirt" kam ungefähr alle zwei Seiten (!).

Coole Idee, aber das gewisse Etwas hat mir gefehlt, und es war für mich absehbar, wie es endet.

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Veröffentlicht am 04.08.2025

Ein ganz besonderer Guideline durch die literarische Welt

Einfach Literatur
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Klaus Willbrand ist nicht ohne Grund ein kleines TikTok- und Instagram-Phänomen, wie ich im Nachhinein feststellen durfte. Seine Art, über Literatur zu sprechen, strotzt nur so vor Fachwissen, bleibt dabei ...

Klaus Willbrand ist nicht ohne Grund ein kleines TikTok- und Instagram-Phänomen, wie ich im Nachhinein feststellen durfte. Seine Art, über Literatur zu sprechen, strotzt nur so vor Fachwissen, bleibt dabei aber stets zugänglich und nahbar. Dieses tiefe Wissen erklärt sich in seinem Buch auf beeindruckende Weise.

Seine Lesesozialisation unterscheidet sich deutlich von der heutigen. Schon früh wandte er sich von Jugendliteratur ab und widmete sein Leben der Welt der Bücher. Die Leselisten, die er präsentiert, sind nicht bloße Aufzählungen, sondern eingebettet in persönliche Erzählungen und Anekdoten: Begegnungen mit Literatur, die ihn geprägt haben. Dass er die Zeiten großer Schriftsteller*innen miterlebt hat, den Gründer von Kiepenheuer & Witsch persönlich kannte und sich beruflich wie privat ganz dem Lesen verschrieben hat, verschafft ihm natürlich einen einzigartigen Einblick in die literarische Welt. Besonders beeindruckt hat mich, wie er sich tageweise zurückzog, um sich ganz dem Lesen zu widmen, eine Hingabe, die tiefen Respekt verdient.

Sein Wissen ist in dieser Tiefe sicherlich nicht für jeden erreichbar, doch sollte man sich davon nicht einschüchtern lassen. Vielmehr sehe ich darin eine inspirierende, gut strukturierte Einladung, sich (wieder) der klassischen Literatur zu nähern.

Das Buch lässt sich wunderbar am Stück lesen, um einen chronologischen Einblick in Willbrands Leben und literarische Entwicklung zu bekommen. Ich persönlich werde künftig je nach Stimmung einzelne Kapitel zur Hand nehmen, um neue Lektüreinspirationen zu finden.

Eine liebevoll gestaltete Hommage an einen außergewöhnlichen Bücherliebhaber.

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Veröffentlicht am 31.07.2025

Starke Kinderstimmen – trotz sprachlicher Stolpersteine

Klub der seltsamen Kinder
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Wir befinden uns in Tschechien und begleiten vier sehr unterschiedliche Kinder auf ihrem Weg zueinander: zu einem gemeinsamen Ausbruch und zu einer entstehenden Freundschaft. Mila, die mit ihren Aussetzern ...

Wir befinden uns in Tschechien und begleiten vier sehr unterschiedliche Kinder auf ihrem Weg zueinander: zu einem gemeinsamen Ausbruch und zu einer entstehenden Freundschaft. Mila, die mit ihren Aussetzern und ihrer großen Tierliebe als „seltsam“ gilt, ist sich ihrer Andersartigkeit bewusst, ebenso wie Peter, der nachts noch Angst im Dunkeln hat. Katka, die Älteste, fühlt sich aufgrund ihres Übergewichts und ihres einsamen Hobbys, dem Lesen, oft ausgegrenzt. Franta, der später zur Gruppe stößt, hat eine körperliche Beeinträchtigung an den Beinen.
Anhand der Buchstaben erkennt man, wer gerade erzählt. Sehr schön umgesetzt, denn so spricht jedes Kind für sich selbst und gibt Einblick in seine ganz persönliche Sicht auf die Welt, samt der von außen zugeschriebenen Rolle als Außenseiterin.
Gut gelungen ist auch, dass die Kinder bei ihrem kleinen Abenteuer bewusst ihre Handys zu Hause lassen. Ohne Google Maps wird die Unternehmung zu einer echten Herausforderung und dadurch umso abenteuerlicher. Die Illustrationen fangen die jeweilige Stimmung feinfühlig ein und passen gut zum Inhalt.
Die kindliche Perspektive ist inhaltlich überzeugend dargestellt: Die Gewichtung der Probleme, Sorgen und Ängste entspricht tatsächlich der Erfahrungswelt von Kindern. Die Sprache hingegen wirkt an manchen Stellen wenig authentisch, möglicherweise ein Problem der Übersetzung. Ob der Stil im Original dem Tschechischen entspricht, lässt sich schwer beurteilen. Einige Ausdrücke erinnern eher an ein älteres Kinderbuch oder sind für die Zielgruppe untypisch. Ich wusste zum Beispiel in der 5. Klasse nicht, was „lallen“ im Zusammenhang mit Alkohol bedeutet. Oder wenn Katka ganz selbstverständlich „arg“ steigert oder „Würstel“ anbietet. Das klingt wenig kindgerecht. Auch die häufig sehr langen Sätze, die sich durch alle Erzählperspektiven ziehen, machen es schwer, die Figuren sprachlich voneinander zu unterscheiden.
Die Geschichte an sich ist durchaus schön, vor allem durch die bunt zusammengewürfelte Truppe. Zwischendurch zieht sie sich allerdings ein wenig. Ich würde das Buch daher eher älteren Leser
innen empfehlen, vielleicht ab der 6. Klasse.

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Veröffentlicht am 30.07.2025

Die Nacht der Nächte - eine intensive Geschichte

Engel der letzten Nacht
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Kester träumt aus unterschiedlichen Gründen von der Nacht der Nächte. Für ihn fühlt sich das Ende der Schulzeit nicht wie ein Neuanfang an, sondern wie ein letzter Höhepunkt. Erwachsenwerden? Klingt nach ...

Kester träumt aus unterschiedlichen Gründen von der Nacht der Nächte. Für ihn fühlt sich das Ende der Schulzeit nicht wie ein Neuanfang an, sondern wie ein letzter Höhepunkt. Erwachsenwerden? Klingt nach Enttäuschung. Und als beim Feiern des Abiturs eine Situation eskaliert, ist für Kester klar: Diese Nacht soll die letzte sein, ganz oder gar nicht.

Mit dieser radikalen Haltung stürzt er sich in das nächtliche Hamburg, begegnet Menschen, denen er im Alltag nie begegnet wäre, schillernden, verletzlichen, rätselhaften Figuren, die alle ihre eigene Geschichte mit sich tragen. Doch keine Begegnung, keine Version dieser Nacht erfüllt seinen Traum. Kester sucht weiter, fragt sich, wie sein Leben und sogar sein Tod aussehen soll. Vielleicht denkt er zu viel, vielleicht ist es Blanka, die ihn nicht loslässt. Klar ist: Eine Erzählweise reicht nicht. Die Nacht der Nächte braucht mehr.

Gerade darin liegt der Reiz dieses Romans: Er ist offen, vieldeutig, widersprüchlich und genau deshalb so nah dran an der Wirklichkeit junger Menschen im Umbruch. Der Roman fordert seine definitiv Leser*innen heraus. Er spricht wichtige Fragen an: Was kommt nach der Schule? Was macht das Leben lebenswert? Und wer rettet eigentlich wen? Der Freund, der Engel, oder eine fremde Gestalt in einer Sommernacht?

Der Roman ist nicht die leichteste Kost, aber ein intensives, atmosphärisches Leseerlebnis. Ein Buch für Jugendliche eher ab etwa 16, die Lust auf Tiefe, ehrliche Gefühle und ein bisschen Magie inmitten der Realität haben.

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Veröffentlicht am 17.07.2025

Macht Lust auf Sommer und Abenteuer

FREI – Bester Sommer (FREI 1)
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Ausgerechnet Rottloch: ein winziges Dorf, das von allem höchstens eins hat: eine Schule, ein Kiosk, ein Fußballplatz vielleicht. Das soll der Schauplatz für den „besten Sommer“ sein? Joshua, der schon ...

Ausgerechnet Rottloch: ein winziges Dorf, das von allem höchstens eins hat: eine Schule, ein Kiosk, ein Fußballplatz vielleicht. Das soll der Schauplatz für den „besten Sommer“ sein? Joshua, der schon viele Städte gesehen hat und weiß, dass kein Ort lange bleibt, zeigt sich anfangs wenig beeindruckt. Als Einzelgänger rechnet er nicht damit, hier irgendwen zu treffen, der ihn interessiert. Umso überraschender ist es für ihn, dass die lockige, lebenslustige Nina ihn sofort in ihren Bann zieht und auch der draufgängerische Nico ihm sofort offen und freundschaftlich begegnet.

Gerade rechtzeitig startet an der erstaunlich engagierten Schule ein ungewöhnliches Projekt: Die Achtklässler sollen ein paar Tage in Kleingruppen im Wald verbringen, ganz ohne Handy, ohne Erwachsene. Nur sie, die Natur und vielleicht ein paar neue Erkenntnisse über sich selbst.

Die Gruppenzusammensetzung (Joshua, Nina, Nico, Nasrin und Koray) wirkte auf mich zunächst etwas zu konstruiert. Immerhin begegnet Joshua diesen Personen direkt am ersten Tag, und es gibt bestimmt noch mehr Schülerinnen in seiner Stufe. Aber diese Skepsis verflog schnell: Die Gruppe ist genau richtig. Jeder bringt seine Eigenheiten und Ecken mit, auch Erzähler Joshua selbst.

Besonders gelungen finde ich den Erzählstil. Joshua erzählt unmittelbar, mit spürbarem Zögern, mit Gedanken, die sich überschlagen, mit genauem Hinhören und Zweifeln. Man ist ganz nah dran an seinen Überlegungen, als würde er einem direkt ins Ohr flüstern.
Ein Roman, der richtig Lust auf Sommer macht, auf Natur, Nähe, Freundschaft und das Ungeplante. Und der zeigt: Manchmal ist genau der Ort, von dem man nichts erwartet, der Anfang von etwas Großem