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Veröffentlicht am 11.10.2021

Wie soll man dieses Buch am besten in Worte fassen?

Normale Menschen
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Anmerkung: Ich habe dieses Buch auf Englisch gelesen.

"Life ist the thing you bring with you inside your own head.“ (S. 201)

Sally Rooney war überall. Sie wurde gelobt; insbesondere ihre Art und Weise ...

Anmerkung: Ich habe dieses Buch auf Englisch gelesen.

"Life ist the thing you bring with you inside your own head.“ (S. 201)

Sally Rooney war überall. Sie wurde gelobt; insbesondere ihre Art und Weise alltägliche Situationen zu beschreiben. Letzteres kann ich nur bestätigen. Jedes Mal aufs Neue war ich erstaunt, wie greifbar Sally Rooney Gespräche und Situationen in Worte verpacken konnte. Es war beinahe als wäre ich direkt im Raum anwesend und würde alles aus nächster Nähe miterleben. Dieses Buch ist etwas Besonderes und dabei eines der ruhigeren Töne.

Das Cover: Auf dem englischen Cover ist eine flache Konservendose auf einem orangenen Untergrund abgebildet, in welcher eine Frau und ein Mann eng umschlungen liegen. Mir ist das Motiv jedoch erst bei genauerem Hinsehen richtig deutlich geworden und ich musste sogleich über dessen Bedeutung nachdenken. Das ausgewählte Motiv ist durchaus spannend!

Die Handlung: Connell und Marianne kennen sich bereits aus der Schule. Beide von Grund auf verschieden – Connell sehr beliebt, während Marianne keinen Anschluss findet. Nur Connell scheint Zeit mit ihr verbringen zu wollen, jedoch im Geheimen, bis sie eines Tages getrennte Wege gehen. Jahre später treffen sie sich wieder – diesmal mit vertauschten Rollen: Marianne die Beliebte, und Connell, der sich eher als Außenseiter sieht. Beide nähern sich wieder an, doch das Leben fällt manchmal mit der Tür ins Haus…

Meine Meinung: Diese Geschichte hat mich sehr zum Nachdenken gebracht. Sie hat sich in meine Gedanken tätowiert und wird dort wohl noch eine Weile bleiben. Aufgrund des recht allgemeinen Klappentextes konnte ich mir nicht allzu viel unter der Geschichte vorstellen, umso überraschter war ich, welche ernsten Untertöne "Normal People“ anschlagen würde. Es war teilweise nicht leicht zu lesen. Umso mehr konnte es mich an vielen Stellen berühren. Während des Lesens habe ich mich immer wieder gewundert, was mich denn nun an dem Buch so sehr packte. War es die Handlung, obwohl man eigentlich „nur“ zwei Menschen durch ihren Alltag begleitet? Letzteres stimmt, doch Sally Rooney schafft es mit ihren Worten, dass man einfach wissen muss, wie es mit Connell und Marianne weitergeht. Auch wenn ich an einigen Stellen nicht völlig Zugang zur Geschichte finden konnte, so konnte sie mich trotzdem überzeugen. Ich könnte mir jedoch vorstellen, dass sie nicht für jede/n etwas ist, da sie so besonders und eigen ist.

Die Charaktere: Für mich das, was sich am schwierigsten beschreiben lässt. Wann immer ich das Gefühl hatte, dass ich sie durchschaut hätte, machten sie mir einen Strich durch die Rechnung. Marianne musste in ihrem Leben bereits viel durchmachen. Ihr Selbsthass frisst sie auf und sie scheint sich immer mit den falschen Menschen einzulassen. Zu ihr einen Zugang zu finden war sehr, sehr schwierig. Trotzdem konnte sie mich auf irgendeine Art und Weise überzeugen, nur lässt sich das nicht ganz in Worte fassen. Connell war deutlich greifbarer. Ihn mochte ich ausgesprochen gerne, auch wenn es etwas länger gedauert hat. Ich vermute jedoch, dass es nicht unbedingt die Absicht der Autorin war die sympathischsten Charaktere zu erschaffen, sondern zwei Menschen, die ihre eckigsten Kanten haben und so auch im Bekanntenkreis bestehen könnten.

Fazit: Ein eindrucksvolles Buch, welches ich immer noch nicht recht verarbeitet habe. Es war berührend, unfassbar authentisch geschrieben und etwas anders. Ich kann durchaus verstehen, warum es so beliebt ist, und werde in Zukunft noch weitere Bücher von der Autorin lesen. Von mir gibt es hier 4/5, da mir trotzdem die Nähe zu den Charakteren gefehlt hatte und ich nicht an allen Stellen völlig eintauchen konnte.

"All of life is an artistic technique.“ (S. 198)

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.10.2021

Nachdenkliche Science-Fiction mit eindrucksvollem Schreibstil

Erde 0
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Anmerkung: Ich habe das Buch auf Englisch gelesen.

"Of course, humanity couldn’t just look. We had to enter. We had to touch and taste and take. But the universe said no.“ (S. 7)

Dieser Science-Fiction ...

Anmerkung: Ich habe das Buch auf Englisch gelesen.

"Of course, humanity couldn’t just look. We had to enter. We had to touch and taste and take. But the universe said no.“ (S. 7)

Dieser Science-Fiction Roman entfaltete sich ganz anders als ich anfangs angenommen hatte. Er brauchte ein wenig, bis man Mitfiebern konnte. Dafür wurde man mit einem wundervollen Schreibstil belohnt, bei welchem manche Zitate so poetisch schön geschrieben wurden, dass ich sie mehrmals lesen musste.

Das Cover: Hier gibt es mehrere Exemplare. Das deutsche Cover finde ich von vorne zwar eher schlicht und unscheinbar, dafür gefällt es mir auf der Rückseite. Ich würde jedoch trotzdem das englische Cover vorziehen. Auf diesem ist das Gesicht der Protagonistin im Profil vor einem schwarzen Untergrund zu sehen. Verziert wird das ganze bei meiner Edition mit durchlaufenden, hauchdünnen Linien, die in einem kräftigen Pink hervorstechen. In der regulären Ausgabe werden diese mit Punkten ersetzt. Die Kombination des dunklen Untergrunds, dem knalligen Pink, und dem angedeuteten Gesicht ist in meinen Augen gelungen.

"Once he does, once his eyes flick from the pages to me, I want to run. I have the heart of a coyote but he has the eye of a mountain lion, a creature who doesn’t need tricks because his teeth are real.“ (S. 84)

Die Handlung: Unsere Erde in der Zukunft: Der Wissenschaftler Adam Bosch hat das Reisen in Parallelwelten möglich gemacht und sucht dafür sogenannte Weltenspringende, die in diese Welten eintauchen können. Bedingung ist jedoch, dass man in dieser bestimmten Parallelwelt bereits gestorben ist. Cara ist eine solche Weltenspringerin, die für Adam möglichst viele Informationen über diese Welten beschaffen soll. In einer Parallelwelt macht sie jedoch eine erschreckende Entdeckung: In dieser ist Adam Bosch als despotischer Herrscher an die Macht gekommen und unterdrückt den gesamten Planeten. Misstrauen macht sich in Cara breit, was dazu führt, dass sie das gesamte System hinterfragt…

Meine Meinung: Dieses Buch musste sich erst entwickeln. Wo ich anfangs etwas brauchte, um in der Geschichte anzukommen, hat es mich am Ende doch noch fesseln können. Besonders der Schreibstil hat dabei für mich immer positiv herausgestochen. Micaiah Johnson schreibt sehr nachdenklich und teilweise auch etwas poetisch mit bildlichen und schönen Vergleichen. In meinen Augen das Eindrucksvollste an der Geschichte! Teilweise hätte ich mir jedoch gewünscht, dass die Handlung noch etwas atmosphärischer wäre, das hat mir teilweise etwas gefehlt.

Die Charaktere: Besonders zugesagt hat mir, wie vielfältig die einzelnen Personen in dieser Geschichte waren! Cara ist eine kämpferische Protagonistin, die bereits Einiges in ihren verschiedenen Leben durchmachen musste. Trotzdem hat mir der Draht zu ihr etwas gefehlt. Letzteres galt leider auch für andere Charaktere, dafür muss ich positiv hervorheben, dass bei einigen nicht ganz deutlich war, ob man ihnen vertrauen konnte. Das hat eindeutig Spannung erzeugt.

Fazit: Die Geschichte hat sich im Laufe wirklich gesteigert, auch wenn mir ein paar Kleinigkeiten aufgefallen sind und ich vor allem die Nähe zu den Charakteren vermisste, so kann ich trotzdem eine Leseempfehlung aussprechen, auch wenn ich mir vorstellen könnte, dass es nicht für jeden und jede etwas ist. Von mir gibt es 3,5/5 Sternen.

"She never looked more beautiful, and we've never looked more impossible.“ (S. 299)

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Veröffentlicht am 04.10.2021

Die Ereignisse spitzen sich gewaltig zu!

Die Krone der Dunkelheit
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„Schließe deine Augen, finde den Weg.

​Hinab in die Höhle, wo dein Herz schlägt.

​Tief, tief im Dunkel von Wurzeln durchwebt.

​Ist es gefangen..." (Auszug eines Liedes, S.55)

Viel zu lange stand die ...

„Schließe deine Augen, finde den Weg.

​Hinab in die Höhle, wo dein Herz schlägt.

​Tief, tief im Dunkel von Wurzeln durchwebt.

​Ist es gefangen..."
(Auszug eines Liedes, S.55)

Viel zu lange stand die Fortsetzung nun in meinem Schrank. Beinahe zwei Jahre sind vergangen, seit ich den ersten Band gelesen hatte - dabei gefiel mir der Auftakt sehr gut. Gleichzeitig muss ich nun nicht mehr allzu lange auf das Finale warten, denn nach diesem Ende sollte man dringend den nächsten Band in erreichbarer Nähe haben!

Das Cover: Dieses ähnelt dem ersten sehr, nur dominieren hier goldene Elemente. Das Konstrukt und besonders die Umsetzung des Titels sagen mir sehr zu, nur muss ich sagen, dass es mir ein wenig zu golden ist. Es würde etwas dynamischer und stimmiger wirken, wenn der Schlüssel eine andere Farbe hätte und somit einen Kontrast erzeugt hätte. Aber das ist nur eine Anmerkung am Rand.

Die Handlung: Freya konnte zwar das Geheimnis um ihren Bruder lüften, doch musste sie ihn schon innerhalb kürzester Zeit wieder verlassen und nach Thobria zurückkehren, um ihrer Rolle als zukünftige Königin gerecht zu werden. Eingesperrt im Palast mit allem, was man sich wünschen könnte, seht sich Freya nach Unabhängigkeit, ihrer Magie und dem unsterblichen Wächter Larkin. Letzterer ist immer noch auf der Flucht vor den Wachen des Königs. Zur selben Zeit steht Kheeran unter enormen Druck: Als König wird er nicht geachtet und nach dem gescheiterten Attentat werden die Stimmen gegen ihn immer lauter. Ceylan sitzt währenddessen unschuldig im Verlies des Fae-Palastes, während Leigh versucht den wahren Mörder der Königin zum Sprechen zu bringen - doch dieser befindet sich genau in der Zelle gegenüber von Ceylan und schweigt beharrlich...

Meine Meinung: Auch wenn der erste Band schon eine Weile zurückliegt, so konnte ich mich noch an erstaunlich viel erinnern. Der Einstieg fiel mir demnach sehr leicht und ich konnte es ab Seite 1 nicht aus der Hand legen. Beinahe hatte es sich wie das Schauen einer packenden Serie angefühlt, bei welcher man nach jeder Folge auf „Weiter" drückt, um die Nächste zu schauen. Nur erging es mir hier so bei den Kapiteln. Wollte ich Pausen einlegen, so konnte ich mich erst fünf Kapitel später losreißen als geplant. Dann kam das letzte Drittel und für mich zeichneten sich doch die deutlich spannenderen Erzählstränge heraus. Freyas Entwicklung hat mir gut gefallen, nur empfand ich andere Perspektiven diesmal deutlich interessanter. Besonders bei Larkins Perspektive habe ich Längen verspürt. Zum Glück wurden alle Kapitel recht kurzgehalten und immer abwechselnd erzählt, sodass die Dynamik nicht arg ausgebremst wurde.

Die Charaktere: Hier wird es einige Überraschungen geben! Leigh mochte ich im ersten Band bereits sehr gerne, doch hier entwickelte er sich, neben Ceylan, zu meinem Lieblingscharakter! Auch von Weylin bekam man mehr Facetten aufgezeigt und ich bin gespannt, wie es mit ihm weitergehen wird. Elroy ist immer noch sehr undurchschaubar und ich muss zugeben, dass ich nun deutlich weniger mit ihm sympathisiere, gerade in Bezug auf seine letzte Äußerung über Freya. Larkin war für mich leider sehr blass in diesem Band und von seinem Charakter blickte nicht viel durch. Ich hatte während des Lesens überlegt, warum mir die Charaktere im ersten Band ein wenig mehr zusagten und ich vermute, dass es daran liegen könnte, dass die Charaktere in diesem Band viel allein unterwegs sind. Wo die meisten von ihnen im Auftakt in Gruppen oder mit Begleitung unterwegs waren, so waren sie hier Einzelgänger und Einzelgängerinnen. Das büßte an manchen Stellen etwas Dynamik ein, gleichzeitig lernte man auch neue Facetten von ihnen kennen.

Fazit: Mich konnte auch dieser Band sehr gut unterhalten, nur mit kleinen Abstrichen. Insgesamt gefiel mir der erste Band minimal besser, aber nur so wenig, dass ich weder einen - noch einen halben Stern abziehen würde. Daher vergebe ich hier wieder 4/5 Sternen und eine Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 03.10.2021

Ein gelungener Auftakt, der eine vielversprechende Reihe einleitet!

Die Krone der Dunkelheit
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„Aber in der Stadt der Unseelie musste er nicht zum Schatten werden, sondern sich in Licht verwandeln.“ (S. 423)

Laura Kneidls Bücher begleiten mich schon seit vielen Jahren, alles fing damals bei Light ...

„Aber in der Stadt der Unseelie musste er nicht zum Schatten werden, sondern sich in Licht verwandeln.“ (S. 423)

Laura Kneidls Bücher begleiten mich schon seit vielen Jahren, alles fing damals bei Light & Darkness an und seither konnten mich ihre Geschichten immer wieder auf Neue einnehmen und in andere Welten entführen. Besonders gespannt war ich demnach auf ihr erstes High-Fantasy-Projekt und ich wurde definitiv nicht enttäuscht.
Das Cover: Simpel, aber sehr ansprechend. Besonders der Titel wurde gekonnt mit dem Motiv verwoben und macht es zu einem Hingucker. Trotzdem fehlt mir irgendeine warme Komponente, die noch einen kleinen Kontrast geschaffen hätte.

Die Handlung: Prinzessin Freya besitzt magische Kräfte - nur ist Magie in Thobria verboten, weshalb sie diese nur heimlich ausüben kann. Doch dies ist nicht ihr einziges Problem: Ihr Bruder ist verschwunden und das bereits seit Jahren. Als ihr endlich ein Suchzauber den Aufenthaltsort verrät, macht sie sich gemeinsam mit Larkin, dem unsterblichen Wächter, auf, um ihren Bruder zu finden. Doch die Reise verspricht viele Gefahren, denn in Melidiran, wo sich ihr Bruder befinden soll, leben magische Wesen. Parallel kämpft die rebellische Ceylan darum, bei den Wächtern aufgenommen zu werden. Diese bewachen die Grenze zwischen Thobria und Melidiran. Ceylan sinnt auf Rache, da Kreaturen aus Melidiran einst ihr gesamtes Dorf auslöschten und nun sieht sie ihre Chance gekommen.

Meine Meinung: Diese Geschichte konnte mich wirklich gut unterhalten. Trotz der vielen Perspektiven wurde man nicht verwirrt, da jeder einzelne Erzählstrang so individuell erzählt wurde, dass man nicht durcheinanderkam. Auch sollte man sich nicht von der relativ hohen Seitenanzahl abschrecken lassen, da diese Geschichte wirklich so einnehmend und spannend erzählt wird, dass man das Buch am liebsten nicht zur Seite legen möchte. Ich habe wenig anzumerken außer, dass ich mir teilweise ein Alleinstellungsmerkmal gewünscht hätte. Das Fantasy-Genre lässt sich nicht mehr neu erfinden, doch wurde ich beim Weltenaufbau und bei den Wesen nicht mehr allzu sehr überrascht. Mir fehlte noch das gewisse Etwas, das ich nicht ganz fassen konnte. Nichtsdestotrotz merkt man der Geschichte an, wie viel Mühe und Arbeit in ihr steckt, da die verschiedenen Erzählstränge sehr logisch und verständlich miteinander verknüpft wurden.

Die Charaktere: Ceylan ist meine Heldin! Sie ist stur und rebellisch, schlägt dabei auch manchmal über die Stränge, aber gerade das macht sie so authentisch! Ich habe immer am liebsten aus ihrer Perspektive gelesen. Auch Freya und Larkin habe ich gerne auf ihre Mission begleitet, auch wenn ich zugeben muss, dass ich zu Larkin noch keinen Draht aufbauen konnte. Aus Kheeran wurde ich bisher auch noch nicht allzu schlau, jedoch erhoffe ich mir da in der Fortsetzung ein eindeutigeres Bild. Auch Weylin verspricht auf alle Fälle noch eine interessante Entwicklung. Elroy und Leigh konnten mich ebenfalls begeistern! Besonders bei Ersteren bin ich gespannt, inwiefern sich seine Handlung fortsetzen wird.

Fazit: Ein wirklich gelungener Auftakt, bei welchem ich mitgefiebert habe und von facettenreichen Charakteren umgeben war. Von mir gibt es hier 4/5 Sternen und eine Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 30.09.2021

Überzeugende Nebencharaktere, dafür vermisste ich die Dynamik

Arya & Finn
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„Eine Gabe ist wie ein Messer. Entweder du teilst mit seiner Hilfe das Brot mit anderen, oder du tötest andere und machst dir ihr Brot zu eigen […].“ (S. 127)

Lisa Rosenbeckers Geschichten versprühen ...

„Eine Gabe ist wie ein Messer. Entweder du teilst mit seiner Hilfe das Brot mit anderen, oder du tötest andere und machst dir ihr Brot zu eigen […].“ (S. 127)

Lisa Rosenbeckers Geschichten versprühen ihren ganz eigenen Charme. Besonders „Magie aus Gift und Silber“ konnte mich begeistern und zählte vor zwei Jahren zu meinen Jahreshighlights. Auch dessen Fortsetzung und Litersum konnten mich gut unterhalten. Umso gespannter war ich also auf Lisas erstes Buch aus dem Drachenmond Verlag. Leider muss ich sagen, dass bei mir hier der Funke nicht ganz übergesprungen ist und ich doch etwas enttäuscht wurde.

Das Cover: Dieses ist wunderschön. Der dunkle, florale Untergrund erinnert beinahe an eine elegante Zimmertapete, die ovale Hervorhebung an einen Anhänger eines Amuletts. Die Farbwahl ist sehr angenehm und mir stach es gleich ins Auge. Da hat Alexander Kopainski erneut große Arbeit geleistet!

Die Handlung: Arya ist die Leibwächterin ihrer besten Freundin: Prinzessin Elena. Seit Jahren wird sie darauf vorbereitet, auch wenn sie dafür ständig mit ihrer ungeliebten Gabe konfrontiert wird, von welcher Elena jedoch nichts weiß. Um Elena nicht vor den Kopf zu stoßen, stimmt sie einer Reise mit unbekannten Gefährten zu, bei welcher sie nicht nur mehr über ihre Vergangenheit erfährt, sondern es auch gilt eine nahende Bedrohung zu verhindern, die das gesamte Königreich in den Ruin stürzen könnte…

Meine Meinung: Diese Geschichte startete gut und wurde dann leider immer schwächer. Anfangs versprach ich mir eine aufregende Reise mit einer Gruppe von facettenreichen Charakteren, doch leider wurde ich in dieser Hinsicht enttäuscht. Ich hätte mir gerne dynamischere Elemente während des Weges gewünscht, denn die Ereignisse, die die Freunde und Freundinnen bewältigen müssen, waren doch recht simpel gehalten. Auch bemerkte ich beim Schreibstil kleinere Unstimmigkeiten. Mich freut es sehr zu sehen, dass die Autorin sich diesbezüglich sehr gesteigert hat, da ihre neueren Werke von einem flüssigen und angenehmen Schreibstil geprägt sind, doch hier fand ich manche Gespräche etwas hölzern. Gerade die Monologe des Feindes waren eigentümlich formuliert und ich fragte mich, ob denn wirklich jemand so sprechen würde. Auch haben mir die Gegenspielenden deutlich zu viel geredet und zu wenig gehandelt. Ebenso wurde mir der Showdown leider zu schnell abgehandelt. Was mich jedoch am meisten störte, waren die teilweise sexistischen Aussagen von Finn und dessen toxische Männlichkeit. Finn sollte einen humorvollen Charakter darstellen, nur leider bestand sein Humor meistens daraus, Elena und Arya auf ihr Geschlecht zu reduzieren und sie in seinem Kopf immer nur „die Mädchen“ zu nennen. Hier ein paar Beispiele:

„Sie würden sich noch wundern, wie anstrengend Frauen auf Reisen sein konnten.“ (Finn, S. 39)
-> Diesen Kommentar gab es oft von Finn. Mich ärgerte es, dass er es generalisierte und alle Frauen als anstrengend einstufte. Das ist sehr herablassend.

„Besser eine Frau im Bett haben, als selbst wie eine zu sein […]. Na, wer von uns beiden kocht denn immer und räumt auf und dieser ganze Frauenkram?“ Es war nicht gerecht, das wusste ich, aber ich konnte es mir nicht verkneifen.(Finn, S. 66)
-> Ich möchte nichts sagen, aber Finn würde sich bestimmt umschauen, wenn seine Wohnung plötzlich im Dreck ertrinkt und er nie eine warme Mahlzeit zu sich nehmen könnte. Sein toxisches Verhalten gegenüber seines besten Freundes, welcher gerne und leidenschaftlich kocht, fand ich einfach unmöglich. Ja, er merkt in Gedanken an, dass dieses Denken nicht ganz fair ist, aber ich kann ihm diese Aussage nicht ganz abnehmen, da er mehrere solcher Gedanken im Laufe der Geschichte hat.

„Aber ich bekomme das schon hin. Das ist so ein Männerding, weißt du. Wir reden nicht gerne über Gefühle. Schon gar nicht mit Frauen. Die verstehen immer alles falsch.“ (Finn, S. 233)
-> Doch, auch Männer dürfen über Gefühle reden und diese zulassen! Sein toxisches Denken gefiel mir einfach im Laufe des Buches absolut nicht. Er verbessert sich diesbezüglich minimal, je mehr Zeit er mit Arya und Elena verbringt und lässt in einer Szene auch Gefühle zu, aber trotzdem hat es mein Leseerlebnis sehr getrübt, wenn regelmäßig solche Aussagen von ihm fielen und von allen immer als sein „Humor“ entschuldigt wurden. Doch auch Arya hatte zweimal im Buch Ausrufe wie „Männer“ geäußert und somit ebenfalls von einem Mann auf alle geschlossen.

Die Charaktere: Arya hat mir gut gefallen. Sie war eine starke Protagonistin, die Finn auch die Stirn bei seinen unangebrachten Kommentaren geboten hat. Trotzdem fehlten mir bei ihr die Facetten, ich hatte das Gefühl, dass man immer nur eine Seite von ihr sah. Auf Finn gehe ich hier nicht noch einmal ein, dafür auf Elena. Letztere hat mir mit ihrer herzlichen Art ausgesprochen gut gefallen und auch Bero war sympathisch. Das Highlight stellte jedoch Ilias dar. Dieser hat die gesamte Geschichte aufgelockert und für ein paar schöne Interaktionen in der Gruppe gesorgt.

Fazit: Leider, leider entsprach das Buch nicht meinem Geschmack. Zum Glück kann ich es mit weiteren Werken der Autorin vergleichen und auch sagen, dass diese sexistischen Untertöne in späteren Werken nicht mehr auftauchen und sich auch der Schreibstil sehr gesteigert hat. Man merkt in meinen Augen, dass es eines ihrer ersten Werke ist, es ist immerhin schon sechs Jahre alt. Aber es ist auch schön, eine Entwicklung zu sehen. Von mir gibt es hier leider nur 2/5 Sternen, aber ich empfehle dafür „Magie aus Gift und Silber“!

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