Profilbild von satzliebe

satzliebe

Lesejury Star
offline

satzliebe ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit satzliebe über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.08.2026

Der französische Hof zu Beginn des 16. Jahrhunderts

Der Gesang des Falken
0

Lea Gerstenberger nimmt uns in ihrem historischen Roman “Der Gesang des Falken” mit nach Frankreich in das 16. Jahrhundert und lässt uns teilhaben am Leben am Hof von König Francois.

Der Schreibstil ist ...

Lea Gerstenberger nimmt uns in ihrem historischen Roman “Der Gesang des Falken” mit nach Frankreich in das 16. Jahrhundert und lässt uns teilhaben am Leben am Hof von König Francois.

Der Schreibstil ist flüssig und lässt sich sehr gut lesen. Die Handlungen der Protagonisten sind für mich glaubwürdig und nachvollziehbar. Die Gefühle und Emotionen hat die Autorin authentische wiedergegegen. Vor unseren Augen entsteht das Bild der höfischen Gesellschaft, die allen Prunk entfaltet; doch nach einem Blick hinter die Kulissen wird schnell klar, dass hier auch Missgunst, Neid und Intrigen herrschen. Besonders gut gefallen haben mir Jean und Marcelle. Er der Sohn des Großfalkners und sie die nichteheliche Tochter es Großstallmeisters. Marcelle ist eine junge unkonventionelle Frau, die sich den am Hof herrschenden Regeln nur widerwillig unterwirft und in Jean einen wahren Freund findet. In der Engländerin, Anne Boleyn, Außenseiterin wie sie selbst, findet sie eine gute Freundin und Verbündete. Mit anderen Frauen am Hof versuchen Marcelle und Anne ihr Schicksal in die eigene Hand zu nehmen und das zu einer Zeit, in der die Männer sas Sagen hatten.

Der Klappentext auf der Rückseite des Buches könnte den Leser Glauben lassen, dass es sich bei diesem Roman in erster Linie um die Geschichte von Anne Boleyn handelt, was Mitnichten der Fall ist. Sie ist zwar die Freundin von Marcelle, aber auf keinen Fall die Hauptprotagonistin. Da könnten sich Leser getäuscht fühlen.

Der Autorin ist mit diesem Buch ein solider Roman gelungen. Nicht mehr und auch nicht weniger. Obwohl ich etwas anderes erwartet hatte, hat sie mich gut unterhalten.

Veröffentlicht am 06.08.2026

Auf der Flucht vor Unterdrückung

Sturmland
0

Miriam Georg nimmt uns im ersten Teil ihrer historischen “Sturmland”-Saga mit nach Hamburg und auf die ostfriesischen Inseln Norderney und Borkum in das Jahr 1860 und lässt uns teilhaben am Leben der besseren ...

Miriam Georg nimmt uns im ersten Teil ihrer historischen “Sturmland”-Saga mit nach Hamburg und auf die ostfriesischen Inseln Norderney und Borkum in das Jahr 1860 und lässt uns teilhaben am Leben der besseren Hamburger Gesellschaft und der Inselbewohner sowie deren Kurgästen.

Der Schreibstil ist flüssig und lässt sich sehr gut lesen. Die Handlungen der Protagonisten sind für mich glaubhaft und nachvollziehbar. Die Gefühle und Emotionen hat die Autorin authentisch wiedergegeben.

Cora bricht aus ihrem Leben in Hamburg aus, nicht willens, in einer lieblosen Ehe gefangen zu bleiben, in der ihr alles verwehrt wird, was ihr wichtig ist und wo alles, wonach sie immer gestrebt hat, plötzlich ohne Wert ist. Miriam Georg schildert das Dilemma der gebildeten Frau, deren Bildung mit der Eheschließung nicht mehr relevant ist, da ab diesem Zeitpunkt ausschließlich der Ehemann das Sagen hat.

Auf Norderney begegnet sie Onnen, einem Tagelöhner, der auf der Flucht vor der Vergangenheit ist. Zwei Menschen, die nicht unterschiedlicher sein könnten, aber jeder ein Geheimnis haben. Nach und nach nähern sie sich an und beginnen Gefühle füreinander zu entwickeln, wohl wissend, dass es keine gemeinsame Zukunft geben kann.

Die Autorin erzählt vom beschwerlichen Leben auf den Inseln und beleuchtet den aufkommenden Tourismus und die damit einhergehenden Folgen für die dort lebenden Einheimischen. Sie weist auf die Missstände hin, die das Leben auf einer ostfriesischen Insel mit sich bringt, ist man doch den Naturgewalten von Wind und Wasser schutzlos ausgeliefert, da es zu dieser Zeit noch keine verpflichtende Seenotrettung gab.

Miriam Georg hat mich mit diesem Roman von der ersten Seite an sehr gut unterhalten und auch tief berührt. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, wollte ich doch wissen, wie die Geschichte weitergeht. Nun bin ich schon sehr gespannt, wie die Erzählung endet und fiebere der Fortsetzung entgegen.

Das Cover finde ich sehr ansprechend. Es zeigt eine junge Frau am Stand, die ihren Blick in die Ferne schweifen lässt. Es soll sicher Cora zeigen, die in der Unendlichkeit der Nordsee ihre Freiheit sucht.

Da in diesem Buch sehr viele Personen an unterschiedlichen Orten handeln, hätte ich es schön gefunden, ein Personenverzeichnis zu haben.

Veröffentlicht am 14.05.2026

Auf der Suche nach Antworten

Du musst mich vergessen
0

Rosie Walsh nimmt uns in ihrem Roman “Du musst mich vergessen” mit nach Devon in England und lässt uns teilhaben am Leben von Carrie, einer Zwillingsmutter und Chirurgin, die nach der Verhaftung ihres ...

Rosie Walsh nimmt uns in ihrem Roman “Du musst mich vergessen” mit nach Devon in England und lässt uns teilhaben am Leben von Carrie, einer Zwillingsmutter und Chirurgin, die nach der Verhaftung ihres ersten Mannes in Thailand fast zerbrochen wäre. In zweiter Ehe hat sie Zwillinge, für die sie ihren Beruf aufgegeben hat und erlebt nun das ganz normale Chaos, das das Familienleben mit sich bringt. Durch Zufall erfährt sie, dass ihr erster Mann aus thailändischer Haft schon vor Jahren entlassen wurde, sich aber nicht bei ihr gemeldet hat. Diese Tatsache stürzt sie in einen Gewissenskonflikt, doch sie will Antworten.
Der Schreibstil ist flüssig und lässt sich sehr gut lesen. Die Handlungen der Protagonistin sind für mich glaubhaft und nachvollziehbar. Die Gefühle und Emotionen hat die Autorin authentisch wiedergegeben, auch als es zu einer überraschenden Entwicklung kommt.
Carrie stellt sich ihrer Vergangenheit und weiß bald nicht mehr, wem sie glauben und vertrauen kann. Wer ist Gut und wer ist Böse. Alle Menschen in ihrem Umfeld wollen nur ihr Bestes, vergessen dabei aber, dass sie über ihren Kopf hinweg handeln und sie dadurch bevormunden und ihr die Möglichkeit nehmen, mit diesem Kapitel ihres Lebens abzuschließen. Ein Kapitel, das sie bisher nicht abschließend verarbeitet und ihre berufliche Tätigkeit beeinflusst hat.
Die Auflösung der Vorgänge in Thailand habe ich so nicht kommen sehen und hat der Geschichte eine unglaubliche Wendung gegeben; da ist der Autorin ein toller Twist gelungen.
Rosie Walsh hat mich mit diesem Roman von der ersten Seite an sehr gut unterhalten. Er ist sehr viel mehr als nur eine Liebesgeschichte, fast schon ein Krimi. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, wollte ich doch wissen, wie die Geschichte endet.

Veröffentlicht am 02.04.2026

Zum Neuanfang nach Seppenrade

Tage des Wandels
0

Im zweiten Teil der “Hof Kalmule-Reihe" mit dem Titel “Tage des Wandels” nimmt uns die Autorin Ulrike Renk wieder mit in das 16. Jahrhundert ins Münsterland.

Der Schreibstil ist flüssig und lässt sich ...

Im zweiten Teil der “Hof Kalmule-Reihe" mit dem Titel “Tage des Wandels” nimmt uns die Autorin Ulrike Renk wieder mit in das 16. Jahrhundert ins Münsterland.

Der Schreibstil ist flüssig und lässt sich sehr gut lesen. Die Handlungen der Protagonisten sind glaubhaft und nachvollziehbar.

Die Autorin beschreibt das Leben der Menschen sowohl auf dem Lande als auch in der Stadt. Das Leben auf dem Kalmule Hof nimmt in diesem Roman nur einen kleinen Teil ein, da die Protagonistin Eva den Hof verlässt, nachdem sie den Platz in der Erbfolge mit ihrem Zwillingsbruder Adam - nicht ganz freiwillig - getauscht hat und sich auf dem Hof ins Abseits gedrängt fühlt. Sie geht zu ihrer Patin nach Seppenrade und wird im dortigen Pfarrhaushalt Haushälterin. Nachdem es dort zu einem Wechsel kommt, begegnet sie dem neuen Pfarrer auf Augenhöhe und entwickelt nach und nach auch Gefühle für diesen. Aus dem “Opfer” Eva wird eine selbstbewusste junge Frau, die sich in Seppenrade gut einlebt und wegen ihrer Hilfsbereitschaft sehr geschätzt wird. Sie kämpft für ihre Liebe und erlebt eine Zeit mit Höhen und Tiefen.

Die Weiterentwicklung ihres Charakters ist der Autorin sehr gut gelungen.

Die zu dieser Zeit stattfindende Hexenverfolgung beschreibt die Autorin sachlich, ohne auf Einzelheiten der Folter, die zu entsprechenden Geständnissen führte, einzugehen.

In diesem Roman ist es Ulrike Renk besser gelungen, bei mir Emotionen zu wecken, so dass ich mich der Protagonistin nahe gefühlt und mit ihr gehofft und gebangt habe.

Die Geschichte ist in meinen Augen etwas langatmig und hätte an der einen oder anderen Stelle gekürzt werden können. Besonders gegen Ende liest sich der Roman wie ein Geschichtsbuch, wenn es um die Truppenbewegungen geht.

Gut gefallen hat mir das Personenverzeichnis am Ende des Buches sowie das Glossar. Schön wäre auch eine Karte gewesen, auf der die verschiedenen Orte verzeichnet sind, die in dieser Geschichte eine Rolle spielen.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 24.02.2026

Ein neuer Mordfall für Hulda Gold

Fräulein Gold: Nacht über der Havel
0

Im nunmehr siebten Fall der Fräulein Gold-Reihe "Nacht über der Havel" nimmt uns die Autorin Anne Stern wieder mit nach Berlin, diesmal in das Jahr 1930 und lässt uns teilhaben am Leben der Hebamme Hulda ...

Im nunmehr siebten Fall der Fräulein Gold-Reihe "Nacht über der Havel" nimmt uns die Autorin Anne Stern wieder mit nach Berlin, diesmal in das Jahr 1930 und lässt uns teilhaben am Leben der Hebamme Hulda Gold und ihrer Freunde und Nachbarn. Der Schreibstil ist flüssig und lässt sich sehr lesen. Die Hanndlungen der Protagonistin sind stimmig und nachvollziehbar Dieser Roman kann auch gelesen werden, wenn man die anderen Bücher nicht kennt. Zum besseren Verständnis würde ich jedoch mit dem ersten Teil beginnen.

Die Autorin fängt den Zeitgeist vorherragend ein. Sie schildert die Perspektivlosigkeit in Zeiten einer Wirtschaftskrise und die Gründe für das Erstarken des Nationalsozialismus und den Beginn des Antisemitismus authentisch.

An der Figur der Hebamme Hulda Gold schildert sie das Leben einer alleinerziehenden Frau und die damit verbundenen Schwierigkeiten und Vorurteile. Diese ist in einer beruflichen Situation gefangen, die sie frustriert, der sie aber nicht entkommen kann, da sie für sich und ihr Kind sorgen muss und sich finanziell .nicht von anderen abhängig machen will. Immer wieder muss sie sich rechtfertigen und hat oft selbst das Gefühl, ihrem Kind, nicht vollumfänglich gerecht werden zu können.
Der neue Partner tut zwar alles, um ihr zu helfen, aber doch bleiben Zweifel, ob er der richtige Mann für sie ist. Auch er trägt Altlasten aus einer früheren Ehe mit sich herum.
Über ihn lernt sie eine Familie kennen und stolpert so in einen Mordfall. Im Rahmen ihrer "Ermittlungen" kommt sie in Kontakt mit der Hitler Jugend und deren fragwürdiger Rekrutierung neuer Mitglieder und die Einschüchterung anders denkender. Dieser Teil der Geschichte ist gut in den Roman eingebunden.
Mich hat die Autorin gut unterhalten und kann ich den Roman sehr empfehlen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere