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Veröffentlicht am 13.11.2025

Mehr als nur ein Buch über Schachspielen - vielschichtiger Roman über ein großes Talent, das mit ihren Dämonen zu kämpfen hat

Das Damengambit
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Beth Harmon wächst nach dem Tod ihrer Eltern in den 1950er-Jahren in einem Waisenhaus in Kentucky auf. Sie ist ein intelligentes, in sich gekehrtes Mädchen, das sich zu sehr an die Beruhigungspillen gewöhnt, ...

Beth Harmon wächst nach dem Tod ihrer Eltern in den 1950er-Jahren in einem Waisenhaus in Kentucky auf. Sie ist ein intelligentes, in sich gekehrtes Mädchen, das sich zu sehr an die Beruhigungspillen gewöhnt, die ihr mit acht Jahren verabreicht werden. Bevor sie mit zwölf Jahren von einem kinderlosen Paar adoptiert wird, wird sie durch den Hausmeister im Keller auf Schach aufmerksam und entwickelt eine Faszination für das Spiel, das sie sich in schlaflosen Nächten aneignet.
Mit der Unterstützung ihrer Adoptivmutter gewinnt sie in Amerika Schachturniere, wird finanziell unabhängig und ist bald auch international erfolgreich. Als Mädchen in einem männerdominierten Sport ist Beth trotz einiger Förderer einsam und droht sich in einem gefährlichen Mix aus Pillen und Alkohol zu verlieren und damit auch ihr Talent und ihre aussichtsreiche Karriere aufs Spiel zu setzen.

Nachdem ich die gleichnamige Netflix-Serie mit Begeisterung angesehen habe, bin ich neugierig auf die Romanvorlage geworden, die bereits 1983 in den USA erschienen ist und erst sehr viel später ins Deutsche übersetzt wurde. Die Serie bleibt sehr nah am Buch und auch wenn ich die Entwicklung von Beth schon kannte, fesselt der Roman mit einem noch tieferen Verständnis für die Gemütslage der Hauptfigur.

Der Roman handelt von Schach, was ich selbst noch nie gespielt habe, aber es ist auch nicht nötig, die exakten Regeln zu kennen und Spielzüge nachvollziehen zu können. Die Schilderungen der Spiele, der Turniere und der Vorbereitungen darauf nehmen viel Raum ein. Daneben geht es jedoch um ganz universelle, zeitlose Themen wie Einsamkeit, Suchtverhalten, Rassismus und patriarchale Strukturen.

Beth entwickelt sich von einem Wunderkind zum gefeierten Star der Schachszene. Sie ist intelligent und ehrgeizig, fleißig und zielgerichtet und kann sich deshalb schon in jungen Jahren gegen Großmeister durchsetzen. Lebendig und eindrücklich ist geschildert, wie viel Arbeit und Durchhaltevermögen es erfordert, in so einer Disziplin bestehen zu können.
Beth muss nicht nur lernen mit Niederlagen, sondern auch mit Verlusten umzugehen. Von früher Kindheit an geprägt, greift Beth routiniert zu Beruhigungspillen, um sich zu entspannen und greift wenig später unkontrolliert zum Alkohol. Der Drogenmix lässt sie die Einsamkeit vergessen.
Mit ihrem Hang zur Selbstzerstörung droht Beth ihren Erfolg zu sabotieren, hat jedoch in den schwersten Stunden Menschen an ihrer Seite, die sie wieder auffangen.

"Das Damengambit" ist mehr als nur ein Buch über Schachspielen. Es ist ein vielschichtiger Roman über ein großes Talent, das mit seinen eigenen Dämonen zu kämpfen hat und sich mit Alkohol und Medikamenten betäubt und antreibt. Angesiedelt in den 1950er- und 1960er-Jahren kommt neben dem Ost-West-Konflikt und Kaltem Krieg auch das Leben und der Wunsch nach Selbstbestimmung in patriarchalen Strukturen zum Tragen. Selbst wenn man kein großes Interesse für Schach haben sollte, bewegt das persönliche Schicksal der besonderen Hauptfigur, wobei man mit Spannung verfolgt, ob sie ihr großes Ziel, den amtierenden Schachweltmeister zu schlagen, mit nur 18 Jahren erreichen kann, ohne an ihren eigenen Ambitionen zugrunde zu gehen.

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Veröffentlicht am 11.11.2025

Kampf um berufliche Gleichberechtigung in den 1960er-Jahren - simple Konfliktlösung und ein sehr seichter Ausgang

Bernadette Swifts Gespür für Bücher
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Bernadette Swift arbeitet 1963 als Lektorin bei dem Verlag Lenox & Park in New York, wo sie als Frau schon immer mehr leisten musste, als ihre männlichen Kollegen, um sich zu beweisen. Trotz Probleme mit ...

Bernadette Swift arbeitet 1963 als Lektorin bei dem Verlag Lenox & Park in New York, wo sie als Frau schon immer mehr leisten musste, als ihre männlichen Kollegen, um sich zu beweisen. Trotz Probleme mit ihrem direkten Vorgesetzten bewirbt sie sich für eine Beförderung und bekomm daraufhin noch mehr Gegenwind zu spüren. Unterstützung erhält sie von ihren Freundinnen aus dem Buchclub und ihrem Kollegen Graham, die hinter ihr stehen und Halt geben. Während sich die Beziehung zu Graham intensiviert und er bald schon mehr als nur ein verlässlicher Kollege ist, muss sich Bernadette entschieden gegen Ungerechtigkeiten und Anfeindungen am Arbeitsplatz zur Wehr setzen und scheut auch nicht davor zurück, ihren Kampf für mehr Gleichberechtigung für Frauen öffentlich zu machen.

Der Titel "Bernadettes Gespür für Bücher" ist ein wenig irreführend, denn tatsächlich geht es inhaltlich nicht um den Beruf der Hauptfigur als Lektorin oder das gemeinsame Lesen von Büchern in einem Buchclub, sondern um die misogynen Verhältnisse in ihrem Büro.
Bernadette bekommt von der Abwertung ihrer Arbeit bis hin zu sexuellen Übergriffen alles zu spüren, was frau sich an negativen Einflüssen im Beruf vorstellen kann. Doch die junge Frau setzt sich zur Wehr und organisiert sogar einen öffentlichen Protest, um auf die Ungleichbehandlung von Frauen am Arbeitsplatz hinzuweisen. Auch in ihrem Buchclub sind die alltäglichen Probleme der Frauen im Zusammenhang mit dem anderen Geschlecht, ein wichtiges Thema.
Neben den Problemen im Büro sorgt sie sich um ihren Bruder, der als Soldat in Vietnam ist und versucht sich nach früheren negativen Erfahrungen für eine Beziehung zu Graham zu öffnen, der ihr stets mit Rand und Tat zur Seite steht und ein offensichtliches Interesse an ihr zeigt.
Festen Halt gibt ihr auch ihre Riesendogge Frank, die in der Geschichte sogar eine eigene Perspektive erhält - für Hundefreude nett, aber ohne Mehrwert für die Handlung.

Die Geschichte prangert mit Mobbing am Arbeitsplatz, sexueller Belästigung, Diskriminierung von Frauen und Sabotierung ihrer Karrieren wichtige und ernsthafte Themen an, die schon im Jahr 1963 virulent waren, aber in Teilen (leider) nichts an ihrer Aktualität verloren haben.
Der Roman bleibt dabei jedoch oberflächlich und entwickelt sich nach der dramatischen Schilderung der verschiedenen Hürden, mit denen sich Bernadette konfrontiert sieht, am Ende rasend schnell. Nach einem kleinen Anstoß lösen sich alle Probleme wie ganz von allein und Bernadettes steiler Karriere steht plötzlich nichts mehr im Wege.

Die Geschichte ist zum Schluss unheimlich seicht und süßlich und stellt damit die Ernsthaftigkeit der vorangegangenen Probleme in Frage. Auch fehlt bis auf den Equal Pay Act ein konkreter Bezug zur damaligen Zeit und die Einflüsse einer etwaigen Frauenbewegung. Dass der Bruder der Hauptfigur in Vietnam stationiert ist, darüber hinaus der Vietnam-Krieg und die Proteste dagegen aber keinerlei Erwähnung finden, hinterlässt zusätzlich einen faden Beigeschmack und lässt die Geschichte etwas unwirklich und mangelhaft recherchiert wirken.

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Veröffentlicht am 09.11.2025

Der zweite Band mit dem Fokus auf die Entwicklung der Schokoladenmanufaktur Lindt - erneut ein Buch über große Träume, den Glauben an sich selbst und seine Ideen. Die Rivalität zu Sprüngli lässt mit Band 3 auf sich warten

Lindt & Sprüngli (Lindt & Sprüngli Saga 2)
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Nach einem schweren Schicksalsschlag wird Rudolf Lindt als Jugendlicher von seinen Eltern nach Lausanne geschickt, wo er bei seinem Großonkel Charles Amédée Kohler, Inhaber einer Schokoladenfabrik und ...

Nach einem schweren Schicksalsschlag wird Rudolf Lindt als Jugendlicher von seinen Eltern nach Lausanne geschickt, wo er bei seinem Großonkel Charles Amédée Kohler, Inhaber einer Schokoladenfabrik und Erfinder der Noisette, körperlich harte Arbeit lernt. Zurück in Bern beschließt er, in die Fußstapfen der Kohler-Chocolatiers zu treten und 1879 als Rodolphe Lindt fils seine eigene Schokoladenfabrik zu eröffnen. Von vielen belächelt, möchte Rodolphe die Schokoladenproduktion revolutionieren und die Schokolade noch feiner machen.
Währenddessen haben sich die Sprünglis auf dem Markt der Chocolatiers etabliert und führen ihren Betrieb in Zürich schon in der zweiten Generation.
"Lindt & Sprüngli - Zwei Rivalen, ein Traum" ist der zweite Band der "Lindt & Sprüngli"-Trilogie und setzt die Geschichte chronologisch dort fort, wo Band 1 endete, im Jahr 1863.
Band 1 handelte ausschließlich von der Entwicklung der Familie Sprüngli, Band 2 verliert diese nicht aus den Augen, legt den Fokus der Erzählung aber auf Rodolphe Lindt und seine Innovation des Conchierens.
Die Geschichte ist wieder aus vielen kurzen Kapiteln aufgebaut, die manchmal nicht mehr als drei bis vier Seiten umfassen. Gerade zu Beginn ist die Erzählweise damit sehr sprunghaft. Drei Familien (Sprüngli, Lindt, Kohler) an drei Orten (Zürich, Bern, Lausanne) sowie an die zehn verschiedene Perspektiven der handelnden Personen verhindern ein flüssiges Lesen und gestalten die Geschichte zunächst oberflächlich. Dazu kommt eine leichte Verwirrung aufgrund der Dopplung von Vornamen, da über Generationen hinweg in den Familien gleiche männliche Vornamen vererbt wurden.
Es wird zwar das ein oder andere Rippchen Schokolade genascht, die eigentlich interessante Handlung über Rodolphes Ehrgeiz, die Herstellung von Schokolade zu optimieren, um den Geschmack zu verfeinern, setzt aber erst nach 200 Seiten ein. Die Geschichte wird in der Folge nicht nur fokussierter, sondern auch fesselnder und schokoladiger.

Der Roman zeugt von einer aufwändigen Recherche und bringt der Leserin/ dem Leser durch eine geschickte Mischung aus Fakten und Fiktion das Conchieren und damit den Anfang des Siegeszugs der Lindt-Schokolade nahe. Die Autorin schafft es, ein Gefühl für die damalige Zeit zu vermitteln und beschreibt anschaulich die damals vorherrschenden patriarchalen Strukturen, die unterschiedlichen Rollen von Mann und Frau, die Arbeitsverhältnisse und die Ungleichheit zwischen Unter- und Oberschicht.
Wie schon Band 1 ist auch Band 2 eine Geschichte über große Träume, über den Glauben an sich selbst und seine Ideen sowie den Mut zur Selbstbestimmung, für Kreativität und Erfindungsreichtum. Die Rivalität zwischen Lindt und Sprüngli, die der Titel ankündigt, bleibt jedoch sehr verhalten und ist eher ein Teaser für den abschließenden dritten Band "Lindt & Sprüngli - Zwei Dynastien, ein Vermächtnis", der voraussichtlich im Herbst 2026 erscheinen wird.

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Veröffentlicht am 06.11.2025

Eine Frau zwischen zwei Kulturen, zwischen unverarbeiteten Traumata und dem Wunsch nach Selbstbestimmung

Evil Eye
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Yara stammt aus einer palästinensischen Familie und ist in New York aufgewachsen. Als sie 19 Jahre alt ist, arrangiert Ihr Vater eine Hochzeit mit dem Sohn eines guten Freundes, der in den Südstaaten lebt. ...

Yara stammt aus einer palästinensischen Familie und ist in New York aufgewachsen. Als sie 19 Jahre alt ist, arrangiert Ihr Vater eine Hochzeit mit dem Sohn eines guten Freundes, der in den Südstaaten lebt. Yara ist froh, ihrem Elternhaus mit einem dominanten Vater und einer unglücklichen Mutter entfliehen zu können.
Knapp zehn Jahre später unterrichtet Yara Kunst an der örtlichen Hochschule, kümmert sich um den Haushalt und die beiden Töchter und stellt ihrem Ehemann pünktlich das Abendessen auf den Tisch.
Offensichtlich geht es ihr so viel besser als ihrer Mutter, die sich um sechs Kinder kümmern musste und nie einen Beruf ergriffen hat und trotzdem ist Yara unzufrieden. Von ihrem Mann erntet sie nur Unverständnis und an ihrem Arbeitsplatz wird sie nach einer impulsiven Reaktion auf eine rassistische Beleidigung zu psychotherapeutischen Sitzungen verpflichtet. Nach anfänglicher Skepsis beginnt sich Yara zu öffnen und in sich hineinzuhören. Mit Hilfe eines Tagebuchs lässt sie die Erinnerungen an ihre Kindheit zu und setzt sich mit der Vergangenheit auseinander, um nicht in das gleiche Fahrwasser wie ihre Eltern zu geraten.

Yara ist arabische Amerikanerin und fühlt sich nirgendwo zugehörig. Das Land ihrer Eltern existiert nicht und in Amerika gilt sie auf ewig als Einwanderin. Selbst in der arabischen Gemeinde fühlt sie sich nicht wohl. Yara ist einsam und statt Dankbarkeit gegenüber ihrem Mann zu zeigen, der für die Familie sorgt und sie dennoch arbeiten lässt, kocht in Yara eine Wut, die ihr Leben immer mehr bestimmt und ihr intaktes Familienleben bedroht.

Yara erwartet mehr vom Leben. Sie hat Träume und wünscht sich, frei zu sein. Ihre Gefühle sind eindringlich geschildert. Es fällt leicht, sich in ihre Situation hineinzuversetzen und ihre Hoffnungen und Wünsche, aber auch ihre Hilflosigkeit und Wut nachzuvollziehen.
Erschütternd sind die Tagebucheinträge, die nicht nur Einblicke in die toxische Ehe ihrer Eltern liefern, sondern auch zeigen, welchem Druck Yara als kleines Mädchen ausgesetzt war und wie ein Geheimnis ihrer Mutter sie überforderte.

Der Roman handelt von Alltagsrassismus, patriarchalen Strukturen, kulturellem Druck und Traumata, die über Generationen weitergegeben werden. Es ist eine Geschichte über Selbstfindung, Vergangenheitsbewältigung und die Notwendigkeit, sich von den Erwartungen anderer zu befreien, um ein freies, selbstbestimmtes Leben zu führen.
Es ist kein ereignisreiches Buch, aber ein Buch, das sich intensiv mit der Psyche und der Gefühlswelt einer innerlich zerrissenen Frau auseinandersetzt. Vieles was Yara erleidet, kann einer Frau jeder Ethnie passieren. Hier kommt allerdings verschärfend hinzu, dass Yara und ihr Umfeld von einer Kultur geprägt ist, in der Männer die alleinige Macht und Kontrolle ausüben. Das Ende gleicht einem Befreiungsschlag, zieht sich über das letzte Drittel allerdings sehr in die Länge.

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Veröffentlicht am 03.11.2025

Ein Femizid und die Folgen für die Angehörigen - realitätsnahe Geschichte, die für das Thema häusliche Gewalt sensibilisiert

Da, wo ich dich sehen kann
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Emma Kopmann wurde in Hamburg von ihrem Ehemann Frank getötet. Die neunjährige Tochter Maja hatte ihre Mutter leblos aufgefunden und den Notruf verständigt. Doch für Emma kam jede Hilfe zu spät. Frank ...

Emma Kopmann wurde in Hamburg von ihrem Ehemann Frank getötet. Die neunjährige Tochter Maja hatte ihre Mutter leblos aufgefunden und den Notruf verständigt. Doch für Emma kam jede Hilfe zu spät. Frank Wolf wurde wegen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.
Maja wohnt nun bei ihren Großeltern mütterlicherseits, die sich liebevoll um ihre Enkelin kümmern. Noch Monate später sitzt der Schmerz tief. Trauer und Wut sind bei den Hinterbliebenen allgegenwärtig. Auch Emmas beste Freundin Liv leidet schwer unter dem Verlust. Alle, selbst die kleine Maja, machen sich Vorwürfe und haben mit Schuldgefühlen zu kämpfen. Jeder denkt darüber nach, ob der sinnlose Tod nicht hatte vermieden werden können, wenn sie mehr hingesehen oder mehr zugehört hatten.

"Da wo ich dich sehen kann” ist ein persönlich motivierter Roman und das ist auf jeder Seite zu spüren. Der Autorin ist es ein Anliegen, auf häusliche Gewalt und Femizide aufmerksam zu machen und stellt eindrücklich die Folgen für alle Beteiligten dar.

Der Roman ist in kurzen Kapiteln aus der Sicht von Emmas Hinterbliebenen, aber rückblickend in kurzen Abschnitten auch aus Emmas Sicht geschrieben. Die Gefühle aller Beteiligten sind nachvollziehbar und der Schmerz über den Verlust sowie die Wut auf den Mörder und die damit einhergehenden Schuldgefühle und Versagensgedanken spürbar. Originell sind die alternativen Realitäten, wenn die Figuren sich Gedanken machen, was passiert wäre, wenn sie an einem Punkt anders reagiert hatten.

Jeder von ihnen trauert anders, macht den Schmerz mit sich selbst aus oder Sucht sich Hilfe. Neben den seelischen Auswirkungen werden auch die körperlichen Folgen des Traumas beschrieben. Der Roman berührt, integriert aber auch Fakten und Sachinformationen zur Thematik. Zeitungsartikel zu häuslicher Gewalt und Tötung von Frauen sowie juristische Schreiben im Zusammenhang mit der Aushandlung des Sorgerechts über Maja unterstreichen die Authentizität des Romans.

Es ist eine fiktive Geschichte mit fiktiven Personen, die jedoch stark faktenbasiert ist. Der Roman entwickelt sich dabei wenig überraschend und verzichtet auf Dramatik, denn der Ausgangspunkt mit dem Mord an einer Ehefrau und Mutter durch den eigenen Mann ist bereits schlimm genug.
Spannung darf man insofern nicht erwarten. Auch kann die Geschichte aufgrund der Vielzahl an Perspektiven und darüberhinausgehenden Problemen, die angesprochen werden, nicht in die Tiefe gehen.

Der Roman muss vielmehr als Aufschrei verstanden werden, nicht wegzusehen und (sich) Hilfe zu holen. Es ist ein Appell an Politik und Gesellschaft mehr zu tun, um Frauen vor Unterdrückung, Erniedrigung und Gewalt zu schützen. Diesbezüglich werden am Ende des Romans zahlreiche Anlaufstellen und Ansprechpartner für Hilfe im deutschsprachigen Raum genannt.

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