Mit acht entdeckt Beth Harmon im Waisenhaus zwei Möglichkeiten, der harten Realität zu entfliehen: die grünen Beruhigungspillen, die den Kindern täglich verabreicht werden. Und Schach. Das Mädchen ist ein Ausnahmetalent und gewinnt Turnier um Turnier, mit 16 spielt sie gegen lauter erwachsene Männer um die US-Meisterschaft. Ihr Weg führt steil nach oben, doch bei jedem Schritt droht der Abgrund von Sucht und Selbstzerstörung. Denn für Beth steht viel mehr auf dem Spiel als Sieg und Niederlage.
Ich spiele kein Schach, habe aber trotzdem zu diesem Buch gegriffen weil ich soviel gutes gehört habe. Und ich bin vollkommen begeistert davon und verstehe total den Hype. Es kann einem langweilig erscheinen, ...
Ich spiele kein Schach, habe aber trotzdem zu diesem Buch gegriffen weil ich soviel gutes gehört habe. Und ich bin vollkommen begeistert davon und verstehe total den Hype. Es kann einem langweilig erscheinen, oder emotionslos - aber was hinter diesem Buch steck ist einfach nur WOW.
Die Geschichte ist super durchdacht, das arme Waisenmädchen mit einer Gabe für Schach und einigen charakterlichen Schwächen. Ihr Werdegang sowie die Turniere welche sie spielt werden so so gut und spannend beschrieben, ich war richtig gefesselt davon. Auch wenn ich null verstehe, was die verschiedenen Varianten bedeuten, habe ich so einiges daraus gelernt. Ein wundervolles, interessantes und spannendes Buch. Und auch hier muss ich dem Autor ein riesengrosses Lob aussprechen: wie kann man ein "trockenes" Thema und eine fragwürdige Prota so dermassen gut beschreiben?
Ebenfalls habe ich mir sogleich die Serie auf Netflix angeschaut und bin hier vollkommen begeistert, bis auf ein paar Änderungen ist sie sehr nah am Buch.
Beth Harmon wächst nach dem Tod ihrer Eltern in den 1950er-Jahren in einem Waisenhaus in Kentucky auf. Sie ist ein intelligentes, in sich gekehrtes Mädchen, das sich zu sehr an die Beruhigungspillen gewöhnt, ...
Beth Harmon wächst nach dem Tod ihrer Eltern in den 1950er-Jahren in einem Waisenhaus in Kentucky auf. Sie ist ein intelligentes, in sich gekehrtes Mädchen, das sich zu sehr an die Beruhigungspillen gewöhnt, die ihr mit acht Jahren verabreicht werden. Bevor sie mit zwölf Jahren von einem kinderlosen Paar adoptiert wird, wird sie durch den Hausmeister im Keller auf Schach aufmerksam und entwickelt eine Faszination für das Spiel, das sie sich in schlaflosen Nächten aneignet.
Mit der Unterstützung ihrer Adoptivmutter gewinnt sie in Amerika Schachturniere, wird finanziell unabhängig und ist bald auch international erfolgreich. Als Mädchen in einem männerdominierten Sport ist Beth trotz einiger Förderer einsam und droht sich in einem gefährlichen Mix aus Pillen und Alkohol zu verlieren und damit auch ihr Talent und ihre aussichtsreiche Karriere aufs Spiel zu setzen.
Nachdem ich die gleichnamige Netflix-Serie mit Begeisterung angesehen habe, bin ich neugierig auf die Romanvorlage geworden, die bereits 1983 in den USA erschienen ist und erst sehr viel später ins Deutsche übersetzt wurde. Die Serie bleibt sehr nah am Buch und auch wenn ich die Entwicklung von Beth schon kannte, fesselt der Roman mit einem noch tieferen Verständnis für die Gemütslage der Hauptfigur.
Der Roman handelt von Schach, was ich selbst noch nie gespielt habe, aber es ist auch nicht nötig, die exakten Regeln zu kennen und Spielzüge nachvollziehen zu können. Die Schilderungen der Spiele, der Turniere und der Vorbereitungen darauf nehmen viel Raum ein. Daneben geht es jedoch um ganz universelle, zeitlose Themen wie Einsamkeit, Suchtverhalten, Rassismus und patriarchale Strukturen.
Beth entwickelt sich von einem Wunderkind zum gefeierten Star der Schachszene. Sie ist intelligent und ehrgeizig, fleißig und zielgerichtet und kann sich deshalb schon in jungen Jahren gegen Großmeister durchsetzen. Lebendig und eindrücklich ist geschildert, wie viel Arbeit und Durchhaltevermögen es erfordert, in so einer Disziplin bestehen zu können.
Beth muss nicht nur lernen mit Niederlagen, sondern auch mit Verlusten umzugehen. Von früher Kindheit an geprägt, greift Beth routiniert zu Beruhigungspillen, um sich zu entspannen und greift wenig später unkontrolliert zum Alkohol. Der Drogenmix lässt sie die Einsamkeit vergessen.
Mit ihrem Hang zur Selbstzerstörung droht Beth ihren Erfolg zu sabotieren, hat jedoch in den schwersten Stunden Menschen an ihrer Seite, die sie wieder auffangen.
"Das Damengambit" ist mehr als nur ein Buch über Schachspielen. Es ist ein vielschichtiger Roman über ein großes Talent, das mit seinen eigenen Dämonen zu kämpfen hat und sich mit Alkohol und Medikamenten betäubt und antreibt. Angesiedelt in den 1950er- und 1960er-Jahren kommt neben dem Ost-West-Konflikt und Kaltem Krieg auch das Leben und der Wunsch nach Selbstbestimmung in patriarchalen Strukturen zum Tragen. Selbst wenn man kein großes Interesse für Schach haben sollte, bewegt das persönliche Schicksal der besonderen Hauptfigur, wobei man mit Spannung verfolgt, ob sie ihr großes Ziel, den amtierenden Schachweltmeister zu schlagen, mit nur 18 Jahren erreichen kann, ohne an ihren eigenen Ambitionen zugrunde zu gehen.
"Das Damengambit" hat mich sofort auf den ersten Seiten gepackt. Es erzählt die fesselnde Geschichte von Beth Harmon, einem Waisenmädchen, das in den 1950er- und 1960er-Jahren in den USA aufwächst. Nachdem ...
"Das Damengambit" hat mich sofort auf den ersten Seiten gepackt. Es erzählt die fesselnde Geschichte von Beth Harmon, einem Waisenmädchen, das in den 1950er- und 1960er-Jahren in den USA aufwächst. Nachdem Beth das Schachspiel im Keller ihres Waisenhauses entdeckt, zeigt sie außergewöhnliches Talent für das Spiel. Sie wird von ihrem Lehrer, Hausmeister Mr. Shaibel, gefördert und entwickelt sich zu einer beeindruckenden Schachspielerin.
Beth muss sich jedoch nicht nur mit den Herausforderungen des Schachs auseinandersetzen, sondern auch mit persönlichen Schwierigkeiten, darunter Suchtprobleme und emotionale Belastungen. Die Geschichte erzählt von Beths Aufstieg in der Schachwelt, ihre Beziehungen zu anderen Spielern und ihre persönliche Reise der Selbstfindung in ihren Teenager-Jahren.
Ich habe besonders auf den letzten 100 Seiten richtig mitgefiebert. Trotz zahlreicher Hindernisse und Vorurteile aufgrund ihres Geschlechts setzt Beth ihren Weg fort und kämpft darum, in einer von Männern dominierten Umgebung respektiert zu werden.
Autor Walter Tevis hat dieses Meisterwerk bereits 1983 veröffentlicht und lohnt sich heute noch gelesen zu werden.
Das ist die Geschichte über das Leben, Herausforderungen und Triumph. Die Protagonistin ist zielstrebig und hartnäckig, gleichzeitig aber auch einsam. Für Beth ist das Schach nicht nur ein bloßes Hobby, ...
Das ist die Geschichte über das Leben, Herausforderungen und Triumph. Die Protagonistin ist zielstrebig und hartnäckig, gleichzeitig aber auch einsam. Für Beth ist das Schach nicht nur ein bloßes Hobby, es ist ihre Sucht, ihr Lebensziel. Der Autor zeigt uns das psychologisches Bild von Beth in kleinen Details. Ja, sie ist im Schachspiel erfolgreich und verdient genug fürs Leben. Aber auf der anderen Seite hat sie keinen Menschen, der für sie da gewesen wäre. Sie tut mir auch ein wenig leid. Und die ganzen Probleme mit Alkohol und Pillen helfen ihr nicht, sondern stoßen sie nur tiefer und tiefer.
In diesem Roman haben mir leider die Emotionen gefehlt. Die Story ist prima aufgebaut, aber irgendwie kalt erzählt. Trotzdem hat mir dieses inspirierende Buch über Leidenschaft und Erreichung gesetzter Ziele ganz gut gefallen.
Handlung: Nachdem ich letztes Jahr im Sommer die Netflix-Miniserie "The Queen´s Gambit" begeistert verschlungen habe, stand für mich fest, dass ich auch die Buchvorlage dringend lesen muss. Schon nach ...
Handlung: Nachdem ich letztes Jahr im Sommer die Netflix-Miniserie "The Queen´s Gambit" begeistert verschlungen habe, stand für mich fest, dass ich auch die Buchvorlage dringend lesen muss. Schon nach wenigen Kapiteln habe ich bemerkt, dass die Serie nur ganz leichte Abweichungen der Handlung vorgenommen hat und ich deshalb bei beinahe jeder Szene sofort ein getreues Abbild aus der Serie vor Augen hatte. So bot der erneute Gang durch Beths Leben zwar nur wenige Überraschungen, ich wurde aber umso mehr zurück in die fesselnde Atmosphäre gesogen, die die Serie bereits aufgebaut hatte.
Schreibstil: Walter Tevis schreibt sehr nüchtern und beinahe emotionslos, sodass sich dieser Roman mehr wie eine Aneinanderreihung von Geschehnissen wirkt als eine lebendige Erzählung. In Kombination mit den häufig seitenweisen Schachbeschreibungen, über die ich als Laiin nur grob hinweggelesen habe, hätte mich die Geschichte also eigentlich nicht besonders fesseln sollen. Allerdings entwickelt die Geschichte egal ob im Buch oder in der Serie durch subtile Andeutungen und raffinierte Zeitsprünge dennoch eine Sogwirkung, die selbst nicht-Schach-Fans mitfiebern lässt. Die Besessenheit der Figur mit diesem Spiel, die Herangehensweise des Lernens, das Spielen im Kopf und die Rolle als Rettungsanker in einem ansonsten von derben Rückschlägen geprägten Leben hat mich inhaltlich an Stefan Zweigs "Schachnovelle" erinnert, welche mich damals beim Lesen ebenfalls sehr fasziniert hat. Dabei erzählt der Roman genau wie die Serie trotz des Settings in den 60er Jahren eine feministische und moderne Geschichte einer Frau, die sich trotz schlechter Startvoraussetzungen, Kindheitstraumata und Substanzabhängigkeit an die Spitze einer männerdominierten Domäne kämpft. Dennoch merkt man am Umgang mit einigen Themen sowie vereinzelten Formulierungen, dass der Roman bereits 1983 veröffentlicht wurde. Denn hin und wieder scheinen klassische Rollenbilder und internalisierter Rassismus leicht durch und zusätzlich gibt es eine fragwürdige Szene, die scheinbar ohne Grund zu Beginn auftaucht und nie aufgearbeitet wird, welche in einer Neuveröffentlichung wohl nicht vorkommen würde und auch in der Serie gestrichen wurde.
Figuren: In der Serie habe ich bereits sehr großen Gefallen an der Hauptfigur Beth Harmon gefunden, die erstklassig von Anya Taylor-Joy verkörpert wird. Die Darstellerin vermochte es nuanciert die Höhen und Tiefen in der Entwicklung und Erfolgsgeschichte ihrer Figur darzustellen und Beth zu einer komplexen Figur mit einer faszinierenden Mischung aus Verletzlichkeit, Intelligenz und Ehrgeiz zu machen. Auch im Roman werden die vielen Facetten von Beths Charakter großartig gegenübergestellt: die Dämonen der Figur, die sich in Alkohol- und Drogensucht äußern und dem Rausch des Sieges einen bitteren Beigeschmack verleihen, der schmale Grat zwischen Genie und Wahnsinn und zuletzt die Beziehungen zu den Nebenfiguren, die das langsame Erwachsenwerden der Figur begleiten. Allerdings hat mir hier an einigen Stellen etwas Tiefe gefehlt, da der Autor mit seiner nüchternen Erzählweise über viele emotional schwierige Szenen in Beths Leben ziemlich schnell hinweggeht. Beths Emotionen und Gedanken bei tiefen Einschnitten in ihrem Leben wurden für mich in der Serie deutlicher als im Roman, weshalb ich mir nicht sicher bin, ob die Geschichte auf mich einen ebenso großen Eindruck hinterlassen hätte, wenn ich die Serie zuvor nicht bereits gesehen hätte. So konnte ich gedanklich Leerstellen mit meiner Erinnerung aus der Serie füllen und die Geschichte trotzdem vollends genießen.
Die Zitate
“It's an entire world of just 64 squares. I feel safe in it. I can control it; I can dominate it. And it's predictable. So, if I get hurt, I only have myself to blame.”
“She was alone, and she liked it. It was the way she had learned everything important in her life.”
“My experience has taught me that what you know isn’t always important.” “What is important?”
“Living and growing,” Mrs. Wheatley said with finality. “Living your life.”
“And what did being women have to do with it? She was better than any male player in America. She remembered the Life interviewer and the questions about her being a woman in a man's world. To hell with her; it wouldn't be a man's world when she finished with it.”
Das Urteil:
"Das Damengambit" ist eine facettenreiche und fesselnde Charakterstudie über den Werdegang des fiktiven Schachgenies Beth Harmon, dessen nüchterner Schreibstil man allerdings mögen muss. Fans der Serie werden hier voll auf ihre Kosten kommen, andere könnten sich womöglich am nicht ganz zeitgemäßen Umgang mit einzelnen Themen sowie fehlender Tiefe in ausgewählten Szenen stören. Für mich handelt es sich hier also um einen der wenigen Fällen, in dem die Verfilmung tatsächlich besser gelungen ist als die Buchvorlage!