Profilbild von Wordworld_Sophia

Wordworld_Sophia

Lesejury Star
offline

Wordworld_Sophia ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Wordworld_Sophia über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.10.2021

Gleichzeitig eine epische Liebesgeschichte, ein Familiendrama und ein Gruselkrimi...

Layla
0

Colleen Hoover ist die Autorin, von der ich am meisten Bücher gelesen habe. Um genau zu sein sind es inklusive "Layla" genau 20 Bücher. Und dennoch schafft sie es immer wieder, mich zu überraschen und ...

Colleen Hoover ist die Autorin, von der ich am meisten Bücher gelesen habe. Um genau zu sein sind es inklusive "Layla" genau 20 Bücher. Und dennoch schafft sie es immer wieder, mich zu überraschen und eine ganz neue Richtung einzuschlagen. Zuletzt wagte die "Queen-of-Hearts" mit "Verity" einen Ausflug ins Genre Psychothriller, welcher mich gleichzeitig fasziniert und verstört zurückließ. Nun entdeckt sie mit ihrem neusten Meisterwerk die Paranormal Romance für sich. Meine anfängliche Skepsis verwandelte sich innerhalb kürzester Zeit in wilde Begeisterung und so habe ich die Geschichte wie in einem Rausch in wenigen Stunden von der ersten bis zur letzten Seite durchgelesen, nur um mit Sicherheit sagen zu können: "Layla" ist die wohl mit Abstand außergewöhnlichste und wendungsreichste Liebesgeschichte, die ich seit Langem gelesen habe!

Das Cover ist in Gestaltung und Konzept stark an "Verity" angelehnt und weicht somit schon optisch ein wenig von den typischen Colleen-Hoover-meets-dtv-Covers ab. Zu sehen ist ebenfalls ein Himmel, nur dass jener dieses Mal einen düsteren Gewitterhimmel bei Nacht zeigt. Mit den starken Kontrasten, den starken Farben und dem großen, hervorstechenden Titel ist die Gestaltung angemessen mystisch, geheimnisvoll und düster und passt ganz hervorragend zur Geschichte. Auch der Titel an sich ist genau wie bei "Verity" der Name der Frau, die Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist. Beachtet man, dass "Layla" übersetzt so viel wie "dunkle Schönheit" und "Nacht" bedeutet, bekommt auch gleich das Covermotiv eine andere Bedeutung. Bei diesem Cover kann ich also eindeutig sagen, dass ich es absolut gelungen finde und mir kein besseres (auch nicht das Originalcover) vorstellen könnte.

Schon der Beginn des ersten Kapitels wird alle verstören, die hier ganz nach Colleen Hoovers sonstigen Mustern eine seichte Liebesgeschichte erwarten:

Erster Satz: "Bevor ich runtergegangen bin, habe ich Layla mit zwei Schichten Gaffa-Tape den Mund verklebt; trotzdem sind ihre gedämpften Schreie immer noch zu hören, als ich mich mit dem Mann an den Küchentisch setze."

Mit diesem Satz beginnt die Geschichte um Layla und Reeds und ich war sofort absolut ratlos, in welche Richtung wir uns in den nächsten 380 Seiten bewegen würden. Ist Leeds vielleicht ein Psychopath? Weshalb hält er Layla gefangen? Wer ist der geheimnisvolle Mann? Und vor allem: was zur Hölle hat sich diese Autorin jetzt schon wieder ausgedacht? Ich hatte also schon nach dem ersten Satz eine ganze Menge Fragen, was bei einem Romance Buch eine ganz neue und interessante Erfahrung war und die Spannung von Null auf Hundert hochgesetzt hat. Um dieses Spannungsniveau zu halten, erzählt Colleen Hoover ihren Roman nicht rein chronologisch, sondern schiebt immer wieder kurze Dialogfragmente aus der "Befragung" ein, in der Leeds seine Beziehung zu Layla ausgehend vom Tag ihrer ersten Begegnung bis hin zum aktuellen Desaster erklärt. Die Autorin beantwortet zunächst also erstmal keine brennenden Fragen, sondern widmet sich der romantischen Kennenlerngeschichte des jungen Paares, die zwar sehr schön zu lesen ist, aber permanent die Frage aufwirft, wie die beiden bloß in diese verfahrenen Situation geraten sind, in der Leeds eine völlig neben sich stehende Layla ans Bett fesselt und einem völlig Fremden seine Geschichte erzählt. Was ist zwischen dem ersten Tanz auf der Hochzeit von Laylas Schwester in einem Bed and Breakfast im buchstäblichen Herzen der USA und der absoluten Eskalation schiefgelaufen?

Leider kann ich Euch nicht viel über den Verlauf der Handlung erzählen, weil ich sonst Wichtiges vorwegnehmen müsste und die Story vor allem vom Verborgenen, Geheimnisvollen lebt. Fest steht nur, dass diese Geschichte ganz anders aufgezogen ist als die emotionalen Liebesromane, die wir sonst von Colleen Hoover kennen. Obwohl ich anfangs skeptisch war, wie gut die Autorin sich den Mystery-Anteil zu eigen machen kann, wurde ich positiv überrascht von der stimmungsvoll-gruseligen Umsetzung. "Layla" ist alles andere als ein Horrorbuch, dennoch baut sich hier Seite um Seite eine ungute, flirrende Atmosphäre auf. Auch wenn auf der reinen Handlungsebene nicht viel passiert - eigentlich erzählt Leeds nur vom Alltag mit Layla im Bed und Breakfast - steigt die Spannung mit jedem Kapitel mehr an. Während der Gruselfaktor zunimmt, nimmt die Sympathie für Leeds ab und Argwohn und Vorsicht werden zum vorherrschenden Gefühl beim Lesen, da man schlecht einschätzen kann, was hier wirklich vor sich geht. Ein beinahe leeres Geisterhaus, eine verwirrte Frau, unerklärliche Ereignisse und ein dunkles Geheimnis, das Stück für Stück gelüftet wird - Colleen Hoover weiß ganz genau, wie sie den Leser durch geschickt platzierte Häppchen, neue Wendungen und schockierende Geheimnissen bei Stange halten muss und so ist es kein Wunder, dass ich den Roman an einem Mittag verschlungen habe. Sobald man mit dem Lesen begonnen hat, will man unbedingt hinter die Wahrheit kommen und verspürt genau wie Leeds auch eine Neugier und Faszination für die Geschehnisse, die wir Kapitel für Kapitel beobachten und die Wahrheit, der wir Stück für Stück näherkommen.

Sobald "Willow" das erste Mal auftaucht, hatte ich dann aber schnell verschiedene Ideen und Theorien im Kopf, von denen sich dann auch schlussendlich eine bewahrheitet hat. Ein so unvorhersehbares Rätsel wie in "Verity" hat die Autorin hier also nicht geschaffen. Ordentlich punkten kann sie aber durch ihren Schreibstil, der es mal wieder schaffte, dass ich in einem Wechselbad der Gefühle gefangen war. Da die Autorin hier gleichzeitig eine epische Liebesgeschichte, ein Gruselkrimi und ein Drama erzählt (ich dachte auch nicht, dass das möglich ist, aber "Layla" ist der offensichtliche Beweis, dass diese Mischung funktioniert) wechseln sich hier regelmäßig Liebe, Fürsorge und Mitgefühl mit Fassungslosigkeit, Entsetzen und Schock ab. Die Folge davon ist, dass man nie so genau weiß, was man jetzt gegenüber den beiden Hauptfiguren und deren Handlungen genau fühlen soll.

Diese Ambivalenz und Unsicherheit übertragen sich auch auf die Figuren. Auch wenn Layla wie der Titel schon verrät das Kernstück der Geschichte ist und ein Großteil der Anziehungskraft des Romans von ihrer spannenden aber auch wahnsinnig verwirrenden und teilweise widersprüchlichen Charakterzeichnung ausgeht, ist sie diesmal nicht die Erzählerin. Stattdessen hat sich Colleen Hoover dafür entschieden, ihren Lebensgefährten Leeds als Ich-Erzähler einzusetzen. Das ist insofern spannend, da sich die Lesermeinung zu dieser Figur über die Geschichte hinweg mehrere Male ändert. War ich mir zu Beginn nicht sicher, ihm trauen zu können, haben meine Gefühle zwischendurch zwischen Verachtung und Bewunderung changiert, nur um am Ende festzustellen, dass er weder ein Psychopath noch ein Verrückter, sondern einfach nur verliebt war... "Layla" ist also alles in allem nichts anderes als eine auf Abwegen geratene Liebesgeschichte - bloß ein bisschen intensiver, abgefahrener und vielschichtiger als gewöhnlich.

Rückblickend hätte ich mir "Layla" ein bisschen mehr einteilen sollen, da erst am 1. Februar 2022 mit "Für immer ein Teil von dir" wieder Nachschub von Colleen Hoover erscheint. Gegen den Sog, den die Geschichte aus mich ausgeübt hat, war ich aber leider machtlos und so bekommt Ihr wenigstens schon zum Erscheinungstermin meine Rezension.



Fazit:


Colleen Hoover erzählt mit "Layla" gleichzeitig eine epische Liebesgeschichte, ein Familiendrama und ein Gruselkrimi. So unvorhersehbar und schockierend wie "Verity" ist ihr neuster Roman zwar nicht, dafür kann sie ordentlich mit vielschichtigen Figuren, einer intensiven Atmosphäre, der ambivalenten Beziehung von Layla und Leeds, vielen originellen Ideen und einer hochspannenden Erzählweise punkten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.10.2021

Gleichzeitig eine epische Liebesgeschichte, ein Familiendrama und ein Gruselkrimi.

Layla
0

Colleen Hoover ist die Autorin, von der ich am meisten Bücher gelesen habe. Um genau zu sein sind es inklusive "Layla" genau 20 Bücher. Und dennoch schafft sie es immer wieder, mich zu überraschen und ...

Colleen Hoover ist die Autorin, von der ich am meisten Bücher gelesen habe. Um genau zu sein sind es inklusive "Layla" genau 20 Bücher. Und dennoch schafft sie es immer wieder, mich zu überraschen und eine ganz neue Richtung einzuschlagen. Zuletzt wagte die "Queen-of-Hearts" mit "Verity" einen Ausflug ins Genre Psychothriller, welcher mich gleichzeitig fasziniert und verstört zurückließ. Nun entdeckt sie mit ihrem neusten Meisterwerk die Paranormal Romance für sich. Meine anfängliche Skepsis verwandelte sich innerhalb kürzester Zeit in wilde Begeisterung und so habe ich die Geschichte wie in einem Rausch in wenigen Stunden von der ersten bis zur letzten Seite durchgelesen, nur um mit Sicherheit sagen zu können: "Layla" ist die wohl mit Abstand außergewöhnlichste und wendungsreichste Liebesgeschichte, die ich seit Langem gelesen habe!

Das Cover ist in Gestaltung und Konzept stark an "Verity" angelehnt und weicht somit schon optisch ein wenig von den typischen Colleen-Hoover-meets-dtv-Covers ab. Zu sehen ist ebenfalls ein Himmel, nur dass jener dieses Mal einen düsteren Gewitterhimmel bei Nacht zeigt. Mit den starken Kontrasten, den starken Farben und dem großen, hervorstechenden Titel ist die Gestaltung angemessen mystisch, geheimnisvoll und düster und passt ganz hervorragend zur Geschichte. Auch der Titel an sich ist genau wie bei "Verity" der Name der Frau, die Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist. Beachtet man, dass "Layla" übersetzt so viel wie "dunkle Schönheit" und "Nacht" bedeutet, bekommt auch gleich das Covermotiv eine andere Bedeutung. Bei diesem Cover kann ich also eindeutig sagen, dass ich es absolut gelungen finde und mir kein besseres (auch nicht das Originalcover) vorstellen könnte.

Schon der Beginn des ersten Kapitels wird alle verstören, die hier ganz nach Colleen Hoovers sonstigen Mustern eine seichte Liebesgeschichte erwarten:

Erster Satz: "Bevor ich runtergegangen bin, habe ich Layla mit zwei Schichten Gaffa-Tape den Mund verklebt; trotzdem sind ihre gedämpften Schreie immer noch zu hören, als ich mich mit dem Mann an den Küchentisch setze."

Mit diesem Satz beginnt die Geschichte um Layla und Reeds und ich war sofort absolut ratlos, in welche Richtung wir uns in den nächsten 380 Seiten bewegen würden. Ist Leeds vielleicht ein Psychopath? Weshalb hält er Layla gefangen? Wer ist der geheimnisvolle Mann? Und vor allem: was zur Hölle hat sich diese Autorin jetzt schon wieder ausgedacht? Ich hatte also schon nach dem ersten Satz eine ganze Menge Fragen, was bei einem Romance Buch eine ganz neue und interessante Erfahrung war und die Spannung von Null auf Hundert hochgesetzt hat. Um dieses Spannungsniveau zu halten, erzählt Colleen Hoover ihren Roman nicht rein chronologisch, sondern schiebt immer wieder kurze Dialogfragmente aus der "Befragung" ein, in der Leeds seine Beziehung zu Layla ausgehend vom Tag ihrer ersten Begegnung bis hin zum aktuellen Desaster erklärt. Die Autorin beantwortet zunächst also erstmal keine brennenden Fragen, sondern widmet sich der romantischen Kennenlerngeschichte des jungen Paares, die zwar sehr schön zu lesen ist, aber permanent die Frage aufwirft, wie die beiden bloß in diese verfahrenen Situation geraten sind, in der Leeds eine völlig neben sich stehende Layla ans Bett fesselt und einem völlig Fremden seine Geschichte erzählt. Was ist zwischen dem ersten Tanz auf der Hochzeit von Laylas Schwester in einem Bed and Breakfast im buchstäblichen Herzen der USA und der absoluten Eskalation schiefgelaufen?

Leider kann ich Euch nicht viel über den Verlauf der Handlung erzählen, weil ich sonst Wichtiges vorwegnehmen müsste und die Story vor allem vom Verborgenen, Geheimnisvollen lebt. Fest steht nur, dass diese Geschichte ganz anders aufgezogen ist als die emotionalen Liebesromane, die wir sonst von Colleen Hoover kennen. Obwohl ich anfangs skeptisch war, wie gut die Autorin sich den Mystery-Anteil zu eigen machen kann, wurde ich positiv überrascht von der stimmungsvoll-gruseligen Umsetzung. "Layla" ist alles andere als ein Horrorbuch, dennoch baut sich hier Seite um Seite eine ungute, flirrende Atmosphäre auf. Auch wenn auf der reinen Handlungsebene nicht viel passiert - eigentlich erzählt Leeds nur vom Alltag mit Layla im Bed und Breakfast - steigt die Spannung mit jedem Kapitel mehr an. Während der Gruselfaktor zunimmt, nimmt die Sympathie für Leeds ab und Argwohn und Vorsicht werden zum vorherrschenden Gefühl beim Lesen, da man schlecht einschätzen kann, was hier wirklich vor sich geht. Ein beinahe leeres Geisterhaus, eine verwirrte Frau, unerklärliche Ereignisse und ein dunkles Geheimnis, das Stück für Stück gelüftet wird - Colleen Hoover weiß ganz genau, wie sie den Leser durch geschickt platzierte Häppchen, neue Wendungen und schockierende Geheimnissen bei Stange halten muss und so ist es kein Wunder, dass ich den Roman an einem Mittag verschlungen habe. Sobald man mit dem Lesen begonnen hat, will man unbedingt hinter die Wahrheit kommen und verspürt genau wie Leeds auch eine Neugier und Faszination für die Geschehnisse, die wir Kapitel für Kapitel beobachten und die Wahrheit, der wir Stück für Stück näherkommen.

Sobald "Willow" das erste Mal auftaucht, hatte ich dann aber schnell verschiedene Ideen und Theorien im Kopf, von denen sich dann auch schlussendlich eine bewahrheitet hat. Ein so unvorhersehbares Rätsel wie in "Verity" hat die Autorin hier also nicht geschaffen. Ordentlich punkten kann sie aber durch ihren Schreibstil, der es mal wieder schaffte, dass ich in einem Wechselbad der Gefühle gefangen war. Da die Autorin hier gleichzeitig eine epische Liebesgeschichte, ein Gruselkrimi und ein Drama erzählt (ich dachte auch nicht, dass das möglich ist, aber "Layla" ist der offensichtliche Beweis, dass diese Mischung funktioniert) wechseln sich hier regelmäßig Liebe, Fürsorge und Mitgefühl mit Fassungslosigkeit, Entsetzen und Schock ab. Die Folge davon ist, dass man nie so genau weiß, was man jetzt gegenüber den beiden Hauptfiguren und deren Handlungen genau fühlen soll.

Diese Ambivalenz und Unsicherheit übertragen sich auch auf die Figuren. Auch wenn Layla wie der Titel schon verrät das Kernstück der Geschichte ist und ein Großteil der Anziehungskraft des Romans von ihrer spannenden aber auch wahnsinnig verwirrenden und teilweise widersprüchlichen Charakterzeichnung ausgeht, ist sie diesmal nicht die Erzählerin. Stattdessen hat sich Colleen Hoover dafür entschieden, ihren Lebensgefährten Leeds als Ich-Erzähler einzusetzen. Das ist insofern spannend, da sich die Lesermeinung zu dieser Figur über die Geschichte hinweg mehrere Male ändert. War ich mir zu Beginn nicht sicher, ihm trauen zu können, haben meine Gefühle zwischendurch zwischen Verachtung und Bewunderung changiert, nur um am Ende festzustellen, dass er weder ein Psychopath noch ein Verrückter, sondern einfach nur verliebt war... "Layla" ist also alles in allem nichts anderes als eine auf Abwegen geratene Liebesgeschichte - bloß ein bisschen intensiver, abgefahrener und vielschichtiger als gewöhnlich.

Rückblickend hätte ich mir "Layla" ein bisschen mehr einteilen sollen, da erst am 1. Februar 2022 mit "Für immer ein Teil von dir" wieder Nachschub von Colleen Hoover erscheint. Gegen den Sog, den die Geschichte aus mich ausgeübt hat, war ich aber leider machtlos und so bekommt Ihr wenigstens schon zum Erscheinungstermin meine Rezension.



Fazit:


Colleen Hoover erzählt mit "Layla" gleichzeitig eine epische Liebesgeschichte, ein Familiendrama und ein Gruselkrimi. So unvorhersehbar und schockierend wie "Verity" ist ihr neuster Roman zwar nicht, dafür kann sie ordentlich mit vielschichtigen Figuren, einer intensiven Atmosphäre, der ambivalenten Beziehung von Layla und Leeds, vielen originellen Ideen und einer hochspannenden Erzählweise punkten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.10.2021

Eine prickelnde Liebesgeschichte mit mehr Tiefe als erwartet!

Regenglanz
0

"Regenglanz" ist Anya Omahs erstes Verlagsbuch und auch meine erste Begegnung mit der New-Adult-Autorin. Schon die wunderschöne Gestaltung hat mich auf den ersten Blick für sich eingenommen, schlussendlich ...

"Regenglanz" ist Anya Omahs erstes Verlagsbuch und auch meine erste Begegnung mit der New-Adult-Autorin. Schon die wunderschöne Gestaltung hat mich auf den ersten Blick für sich eingenommen, schlussendlich angefragt habe ich die Geschichte aber wegen des Klapptextes, der eine aufregende, prickelnde Liebesgeschichte versprach. Geliefert hat die Autorin auch genau das - und noch mehr: "Regenglanz" startet als lebensfrohe Romanze in deutschem Setting und entwickelt über die 512 Seiten mehr Dramatik und Tiefe, als ich es der Geschichte zugetraut hätte.

Die Sturm-Trilogie, zu der "Regenglanz" den Auftakt bildet, sticht geschlossen durch die wunderschöne Gestaltung hervor. Abgebildet auf den drei Bänden ist immer ein ähnliches geometrisches Motiv, welches die drei Freundinnen Calla, Leo und Alissa als Symbol ihrer Freundschaft als Tattoo über dem Herzen tragen. Variiert wird die Gestaltung durch einen anderen Hintergrund und unterschiedliche Farbgebungen. Auf "Regenglanz" ist ganz nach dem Titel ein wolkenverhangener Himmel das Hauptmotiv und hinter Titel und Tattoo tropft Regen gegen eine grünliche Scheibe. Abgerundet wird dieses stimmungsvolle Gesamtbild durch den grünen Buchschnitt, der die erste Ausgabe verziert. Geht also unbedingt bald los, um Euch noch ein Exemplar der ersten Ausgabe zu sichern!

Die Geschichte beginnt ohne große Umschweife mit Alissas und Simons erster Begegnung im INKnovation, dem Tattoostudio, in dem die Kunststudentin nebenher arbeitet und welches Simon von dessen Mitbewohner empfohlen wurde, um sein peinliches Liebestattoo covern zu lassen. Da jenes Tattoo, das unteranderem ein leicht übergewichtiges Einhorn beinhaltet, im betrunkenen Zustand entstanden ist, will Simon es auf keinen Fall der heißen Tätowiererin zeigen, von der er sich auf den ersten Blick angezogen fühlt. Alissa interpretiert sein Zögern aber als Sexismus und stempelt den gutaussehenden Sportstudenten gleich als Arschloch ab. Kein besonders guter Start also für eine epische Liebesgeschichte. Nachdem die beiden das anfängliche Missverständnis aber aus dem Weg geräumt haben, fliegen schon bald die Funken. Da sich Alissa wegen schlechten Vorerfahrungen nicht auf einen Kunden einlassen will, gehen die beiden es aber erstmal langsam an - bis es schon fast zu spät ist...


"Ich bin so froh, dass du bei mir bist." Simons Arme legen sich noch etwas fester um mich. Und als er sein Kinn auf meinen Kopf legt, habe ich das Gefühl, noch nie so perfekt in die Arme eines anderen Menschen gepasst zu haben."


Obwohl von der ersten Seite an eine eindeutige Anziehungskraft zwischen den beiden zu spüren ist, lässt sich Anya Omah eine Menge Zeit für die langsame Annäherung von Simon und Alissa. Ein bisschen WG-Alltag, zwei Ausflüge zu Aussichtstürmen, eine magische Partynacht in Hamburg, ein Wasserrohrbruch und natürlich ein paar Tattoo-Sessions später erfahren wir dann auch, weshalb die beiden sich nicht Hals über Kopf in eine neue Beziehung gestürzt haben... Im letzten Drittel kommen immer mehr Päckchen aus der Vergangenheit ans Licht und die neue Liebe wird von toxischen Familienkonstellationen, Schuldgefühlen, Manipulation und Unsicherheit auf die Probe gestellt. Natürlich bringen beide wie im New Adult Genre üblich eine Menge Altlasten mit, die zwei haben aber auch eine überraschende Verbindung, von der sie niemals geahnt hätten. Für den aufmerksamen Leser ist diese Wendung in der Handlung zwar nicht komplett unvorhersehbar, verändert die Dynamik in der Liebesgeschichte aber nochmal stark und lässt die Geschichte in eine Richtung verlaufen, die man zu Beginn noch nicht geahnt hätte. Für meinen Geschmack war das Drama, in das sich Alissa und Simon gegen Ende verstricken nach dem sehr leichtfüßigen Beginn eine Spur zu viel. Da die Autorin den Konflikt aber (nicht zuletzt auch durch die umfangreiche Seitenzahl) solide vorbereitet, konnte mich das Ende trotzdem abholen und mitreißen.


"Wenn wir zusammen sind - in welcher Form auch immer -, kannst du sein, wer, was und wie du willst. Du brauchst dich niemals zu verstellen, okay?"


Spannend ist auch, dass man der Geschichte, dem Hauptkonflikt und den Figuren definitiv anmerkt, dass die Autorin Psychologin ist. Nicht nur, dass immer wieder einige Stichworte oder Theorien auftauchen, bei der sofort mein "Psychologie"-Detektor aufleuchtet - auch die Plausibilität und Tiefe, mit der die Probleme, Konflikte und zum Teil auch Störungen der Haupt- und Nebenfiguren geschildert sind sprechen für die fachliche Kompetenz der Autorin. Das sage ich leider immer wieder, aber im New Adult Genre, in dem es ja mittlerweile üblich ist, dass mindestens einer der Hauptprotagonisten einen mentalen Knacks in Form einer traumatischen Vergangenheit, einer Beziehungsstörung oder einem zerrütteten Familienverhältnis hat, ist es nicht selbstverständlich, dass diese Themen auch realistisch bearbeitet werden. Auch ganz von den Problemen abgesehen sind die Figuren sehr vielschichtig gestaltet und wachsen beim Lesen schnell ans Herz. Vor allem Simons Oma Lotte ist wohl der heimliche Star des Buches, aber auch auf die weiteren Entwicklungen rund um Alissas Freundinnen in den beiden Folgebänden bin ich schon sehr gespannt. Von mir gibt´s also schon allein für die unerwartete Tiefe eine Leseempfehlung!


„Es ist okay, wenn du mal nicht okay bist. Dafür musst du dich niemals entschuldigen. Denn auch das bist du, und ich mag jede Version von dir. Jede einzelne Seite. Wenn du ein Buch wärst, würde ich keine einzige Seite überblättern. Ich würde jedes verdammte Kapitel verschlingen. Weil ich dich genauso will, wie du bist. Mit all deinen Gegensätzen. Lachend und weinend. Stark und verletzlich. Laut und leise. Verspielt und ernst. Sexy und süß. Wobei du ziemlich oft beides gleichzeitig bist.“


Sehr begeistert war ich von Anya Omahs Schreibstil. Dieser wirkt auf den ersten Blick gar nicht mal so spektakulär und fällt nicht durch Besonderheiten, sprachliche Kniffe oder andere Auffälligkeiten des Ausdrucks aus der Reihe. Bemerkenswert ist stattdessen, wie effizient sie ihrem Roman Leben einhaucht und man schon nach wenigen Sätzen Zugang zu der Geschichte und den Figuren findet. Egal ob in nie endenden Nächten, in denen alles möglich scheint, in stillen, freundschaftlichen Momenten in der WG Küche, oder in den lauten, schmerzhaften Konfrontationen gegen Ende - man ist einfach ohne große Umschweife dabei und lebt, fühlt und fiebert mit. Toll fand ich auch den Schauplatz in Hamburg, den ich nicht zuletzt da ich erst vor kurzem diese wunderschöne Stadt besucht habe, sehr genossen habe. Anya Omah zeigt mit ihrer Settingwahl mal wieder, dass man als deutsche AutorIn die eigene Geschichte nicht an ferne, exotische Orte verlegen muss, um eine Atmosphäre von Urlaub, Entdeckung und Zuhause zu schaffen und auch deutsche Schauplätze ihren Charme haben! Nach den etlichen Geschichten, die in den USA oder Großbritannien spielen, bot "Regenglanz" also mal eine tolle Abwechslung!



Fazit:

Anya Omah erzählt in ihrem Verlagsdebüt "Regenglanz" eine prickelnde Liebesgeschichte mit mehr Tiefe als erwartet und kreiert mit ihrem lebendigen Schreibstil ein abwechslungsreiches Setting, in dem alles möglich scheint. Abzug gibt´s nur für die recht vorhersehbare Wendung und das gegen Ende im Vergleich zum sehr leichtfüßigen Beginn etwas überhandnehmenden Drama.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.10.2021

Eine prickelnde Liebesgeschichte mit mehr Tiefe als erwartet!

Regenglanz
0

"Regenglanz" ist Anya Omahs erstes Verlagsbuch und auch meine erste Begegnung mit der New-Adult-Autorin. Schon die wunderschöne Gestaltung hat mich auf den ersten Blick für sich eingenommen, schlussendlich ...

"Regenglanz" ist Anya Omahs erstes Verlagsbuch und auch meine erste Begegnung mit der New-Adult-Autorin. Schon die wunderschöne Gestaltung hat mich auf den ersten Blick für sich eingenommen, schlussendlich angefragt habe ich die Geschichte aber wegen des Klapptextes, der eine aufregende, prickelnde Liebesgeschichte versprach. Geliefert hat die Autorin auch genau das - und noch mehr: "Regenglanz" startet als lebensfrohe Romanze in deutschem Setting und entwickelt über die 512 Seiten mehr Dramatik und Tiefe, als ich es der Geschichte zugetraut hätte.

Die Sturm-Trilogie, zu der "Regenglanz" den Auftakt bildet, sticht geschlossen durch die wunderschöne Gestaltung hervor. Abgebildet auf den drei Bänden ist immer ein ähnliches geometrisches Motiv, welches die drei Freundinnen Calla, Leo und Alissa als Symbol ihrer Freundschaft als Tattoo über dem Herzen tragen. Variiert wird die Gestaltung durch einen anderen Hintergrund und unterschiedliche Farbgebungen. Auf "Regenglanz" ist ganz nach dem Titel ein wolkenverhangener Himmel das Hauptmotiv und hinter Titel und Tattoo tropft Regen gegen eine grünliche Scheibe. Abgerundet wird dieses stimmungsvolle Gesamtbild durch den grünen Buchschnitt, der die erste Ausgabe verziert. Geht also unbedingt bald los, um Euch noch ein Exemplar der ersten Ausgabe zu sichern!

Die Geschichte beginnt ohne große Umschweife mit Alissas und Simons erster Begegnung im INKnovation, dem Tattoostudio, in dem die Kunststudentin nebenher arbeitet und welches Simon von dessen Mitbewohner empfohlen wurde, um sein peinliches Liebestattoo covern zu lassen. Da jenes Tattoo, das unteranderem ein leicht übergewichtiges Einhorn beinhaltet, im betrunkenen Zustand entstanden ist, will Simon es auf keinen Fall der heißen Tätowiererin zeigen, von der er sich auf den ersten Blick angezogen fühlt. Alissa interpretiert sein Zögern aber als Sexismus und stempelt den gutaussehenden Sportstudenten gleich als Arschloch ab. Kein besonders guter Start also für eine epische Liebesgeschichte. Nachdem die beiden das anfängliche Missverständnis aber aus dem Weg geräumt haben, fliegen schon bald die Funken. Da sich Alissa wegen schlechten Vorerfahrungen nicht auf einen Kunden einlassen will, gehen die beiden es aber erstmal langsam an - bis es schon fast zu spät ist...


"Ich bin so froh, dass du bei mir bist." Simons Arme legen sich noch etwas fester um mich. Und als er sein Kinn auf meinen Kopf legt, habe ich das Gefühl, noch nie so perfekt in die Arme eines anderen Menschen gepasst zu haben."


Obwohl von der ersten Seite an eine eindeutige Anziehungskraft zwischen den beiden zu spüren ist, lässt sich Anya Omah eine Menge Zeit für die langsame Annäherung von Simon und Alissa. Ein bisschen WG-Alltag, zwei Ausflüge zu Aussichtstürmen, eine magische Partynacht in Hamburg, ein Wasserrohrbruch und natürlich ein paar Tattoo-Sessions später erfahren wir dann auch, weshalb die beiden sich nicht Hals über Kopf in eine neue Beziehung gestürzt haben... Im letzten Drittel kommen immer mehr Päckchen aus der Vergangenheit ans Licht und die neue Liebe wird von toxischen Familienkonstellationen, Schuldgefühlen, Manipulation und Unsicherheit auf die Probe gestellt. Natürlich bringen beide wie im New Adult Genre üblich eine Menge Altlasten mit, die zwei haben aber auch eine überraschende Verbindung, von der sie niemals geahnt hätten. Für den aufmerksamen Leser ist diese Wendung in der Handlung zwar nicht komplett unvorhersehbar, verändert die Dynamik in der Liebesgeschichte aber nochmal stark und lässt die Geschichte in eine Richtung verlaufen, die man zu Beginn noch nicht geahnt hätte. Für meinen Geschmack war das Drama, in das sich Alissa und Simon gegen Ende verstricken nach dem sehr leichtfüßigen Beginn eine Spur zu viel. Da die Autorin den Konflikt aber (nicht zuletzt auch durch die umfangreiche Seitenzahl) solide vorbereitet, konnte mich das Ende trotzdem abholen und mitreißen.


"Wenn wir zusammen sind - in welcher Form auch immer -, kannst du sein, wer, was und wie du willst. Du brauchst dich niemals zu verstellen, okay?"


Spannend ist auch, dass man der Geschichte, dem Hauptkonflikt und den Figuren definitiv anmerkt, dass die Autorin Psychologin ist. Nicht nur, dass immer wieder einige Stichworte oder Theorien auftauchen, bei der sofort mein "Psychologie"-Detektor aufleuchtet - auch die Plausibilität und Tiefe, mit der die Probleme, Konflikte und zum Teil auch Störungen der Haupt- und Nebenfiguren geschildert sind sprechen für die fachliche Kompetenz der Autorin. Das sage ich leider immer wieder, aber im New Adult Genre, in dem es ja mittlerweile üblich ist, dass mindestens einer der Hauptprotagonisten einen mentalen Knacks in Form einer traumatischen Vergangenheit, einer Beziehungsstörung oder einem zerrütteten Familienverhältnis hat, ist es nicht selbstverständlich, dass diese Themen auch realistisch bearbeitet werden. Auch ganz von den Problemen abgesehen sind die Figuren sehr vielschichtig gestaltet und wachsen beim Lesen schnell ans Herz. Vor allem Simons Oma Lotte ist wohl der heimliche Star des Buches, aber auch auf die weiteren Entwicklungen rund um Alissas Freundinnen in den beiden Folgebänden bin ich schon sehr gespannt. Von mir gibt´s also schon allein für die unerwartete Tiefe eine Leseempfehlung!


„Es ist okay, wenn du mal nicht okay bist. Dafür musst du dich niemals entschuldigen. Denn auch das bist du, und ich mag jede Version von dir. Jede einzelne Seite. Wenn du ein Buch wärst, würde ich keine einzige Seite überblättern. Ich würde jedes verdammte Kapitel verschlingen. Weil ich dich genauso will, wie du bist. Mit all deinen Gegensätzen. Lachend und weinend. Stark und verletzlich. Laut und leise. Verspielt und ernst. Sexy und süß. Wobei du ziemlich oft beides gleichzeitig bist.“


Sehr begeistert war ich von Anya Omahs Schreibstil. Dieser wirkt auf den ersten Blick gar nicht mal so spektakulär und fällt nicht durch Besonderheiten, sprachliche Kniffe oder andere Auffälligkeiten des Ausdrucks aus der Reihe. Bemerkenswert ist stattdessen, wie effizient sie ihrem Roman Leben einhaucht und man schon nach wenigen Sätzen Zugang zu der Geschichte und den Figuren findet. Egal ob in nie endenden Nächten, in denen alles möglich scheint, in stillen, freundschaftlichen Momenten in der WG Küche, oder in den lauten, schmerzhaften Konfrontationen gegen Ende - man ist einfach ohne große Umschweife dabei und lebt, fühlt und fiebert mit. Toll fand ich auch den Schauplatz in Hamburg, den ich nicht zuletzt da ich erst vor kurzem diese wunderschöne Stadt besucht habe, sehr genossen habe. Anya Omah zeigt mit ihrer Settingwahl mal wieder, dass man als deutsche AutorIn die eigene Geschichte nicht an ferne, exotische Orte verlegen muss, um eine Atmosphäre von Urlaub, Entdeckung und Zuhause zu schaffen und auch deutsche Schauplätze ihren Charme haben! Nach den etlichen Geschichten, die in den USA oder Großbritannien spielen, bot "Regenglanz" also mal eine tolle Abwechslung!



Fazit:

Anya Omah erzählt in ihrem Verlagsdebüt "Regenglanz" eine prickelnde Liebesgeschichte mit mehr Tiefe als erwartet und kreiert mit ihrem lebendigen Schreibstil ein abwechslungsreiches Setting, in dem alles möglich scheint. Abzug gibt´s nur für die recht vorhersehbare Wendung und das gegen Ende im Vergleich zum sehr leichtfüßigen Beginn etwas überhandnehmenden Drama.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.10.2021

Eine prickelnde Liebesgeschichte mit mehr Tiefe als erwartet

Regenglanz
0

"Regenglanz" ist Anya Omahs erstes Verlagsbuch und auch meine erste Begegnung mit der New-Adult-Autorin. Schon die wunderschöne Gestaltung hat mich auf den ersten Blick für sich eingenommen, schlussendlich ...

"Regenglanz" ist Anya Omahs erstes Verlagsbuch und auch meine erste Begegnung mit der New-Adult-Autorin. Schon die wunderschöne Gestaltung hat mich auf den ersten Blick für sich eingenommen, schlussendlich angefragt habe ich die Geschichte aber wegen des Klapptextes, der eine aufregende, prickelnde Liebesgeschichte versprach. Geliefert hat die Autorin auch genau das - und noch mehr: "Regenglanz" startet als lebensfrohe Romanze in deutschem Setting und entwickelt über die 512 Seiten mehr Dramatik und Tiefe, als ich es der Geschichte zugetraut hätte.

Die Sturm-Trilogie, zu der "Regenglanz" den Auftakt bildet, sticht geschlossen durch die wunderschöne Gestaltung hervor. Abgebildet auf den drei Bänden ist immer ein ähnliches geometrisches Motiv, welches die drei Freundinnen Calla, Leo und Alissa als Symbol ihrer Freundschaft als Tattoo über dem Herzen tragen. Variiert wird die Gestaltung durch einen anderen Hintergrund und unterschiedliche Farbgebungen. Auf "Regenglanz" ist ganz nach dem Titel ein wolkenverhangener Himmel das Hauptmotiv und hinter Titel und Tattoo tropft Regen gegen eine grünliche Scheibe. Abgerundet wird dieses stimmungsvolle Gesamtbild durch den grünen Buchschnitt, der die erste Ausgabe verziert. Geht also unbedingt bald los, um Euch noch ein Exemplar der ersten Ausgabe zu sichern!

Die Geschichte beginnt ohne große Umschweife mit Alissas und Simons erster Begegnung im INKnovation, dem Tattoostudio, in dem die Kunststudentin nebenher arbeitet und welches Simon von dessen Mitbewohner empfohlen wurde, um sein peinliches Liebestattoo covern zu lassen. Da jenes Tattoo, das unteranderem ein leicht übergewichtiges Einhorn beinhaltet, im betrunkenen Zustand entstanden ist, will Simon es auf keinen Fall der heißen Tätowiererin zeigen, von der er sich auf den ersten Blick angezogen fühlt. Alissa interpretiert sein Zögern aber als Sexismus und stempelt den gutaussehenden Sportstudenten gleich als Arschloch ab. Kein besonders guter Start also für eine epische Liebesgeschichte. Nachdem die beiden das anfängliche Missverständnis aber aus dem Weg geräumt haben, fliegen schon bald die Funken. Da sich Alissa wegen schlechten Vorerfahrungen nicht auf einen Kunden einlassen will, gehen die beiden es aber erstmal langsam an - bis es schon fast zu spät ist...


"Ich bin so froh, dass du bei mir bist." Simons Arme legen sich noch etwas fester um mich. Und als er sein Kinn auf meinen Kopf legt, habe ich das Gefühl, noch nie so perfekt in die Arme eines anderen Menschen gepasst zu haben."


Obwohl von der ersten Seite an eine eindeutige Anziehungskraft zwischen den beiden zu spüren ist, lässt sich Anya Omah eine Menge Zeit für die langsame Annäherung von Simon und Alissa. Ein bisschen WG-Alltag, zwei Ausflüge zu Aussichtstürmen, eine magische Partynacht in Hamburg, ein Wasserrohrbruch und natürlich ein paar Tattoo-Sessions später erfahren wir dann auch, weshalb die beiden sich nicht Hals über Kopf in eine neue Beziehung gestürzt haben... Im letzten Drittel kommen immer mehr Päckchen aus der Vergangenheit ans Licht und die neue Liebe wird von toxischen Familienkonstellationen, Schuldgefühlen, Manipulation und Unsicherheit auf die Probe gestellt. Natürlich bringen beide wie im New Adult Genre üblich eine Menge Altlasten mit, die zwei haben aber auch eine überraschende Verbindung, von der sie niemals geahnt hätten. Für den aufmerksamen Leser ist diese Wendung in der Handlung zwar nicht komplett unvorhersehbar, verändert die Dynamik in der Liebesgeschichte aber nochmal stark und lässt die Geschichte in eine Richtung verlaufen, die man zu Beginn noch nicht geahnt hätte. Für meinen Geschmack war das Drama, in das sich Alissa und Simon gegen Ende verstricken nach dem sehr leichtfüßigen Beginn eine Spur zu viel. Da die Autorin den Konflikt aber (nicht zuletzt auch durch die umfangreiche Seitenzahl) solide vorbereitet, konnte mich das Ende trotzdem abholen und mitreißen.


"Wenn wir zusammen sind - in welcher Form auch immer -, kannst du sein, wer, was und wie du willst. Du brauchst dich niemals zu verstellen, okay?"


Spannend ist auch, dass man der Geschichte, dem Hauptkonflikt und den Figuren definitiv anmerkt, dass die Autorin Psychologin ist. Nicht nur, dass immer wieder einige Stichworte oder Theorien auftauchen, bei der sofort mein "Psychologie"-Detektor aufleuchtet - auch die Plausibilität und Tiefe, mit der die Probleme, Konflikte und zum Teil auch Störungen der Haupt- und Nebenfiguren geschildert sind sprechen für die fachliche Kompetenz der Autorin. Das sage ich leider immer wieder, aber im New Adult Genre, in dem es ja mittlerweile üblich ist, dass mindestens einer der Hauptprotagonisten einen mentalen Knacks in Form einer traumatischen Vergangenheit, einer Beziehungsstörung oder einem zerrütteten Familienverhältnis hat, ist es nicht selbstverständlich, dass diese Themen auch realistisch bearbeitet werden. Auch ganz von den Problemen abgesehen sind die Figuren sehr vielschichtig gestaltet und wachsen beim Lesen schnell ans Herz. Vor allem Simons Oma Lotte ist wohl der heimliche Star des Buches, aber auch auf die weiteren Entwicklungen rund um Alissas Freundinnen in den beiden Folgebänden bin ich schon sehr gespannt. Von mir gibt´s also schon allein für die unerwartete Tiefe eine Leseempfehlung!


„Es ist okay, wenn du mal nicht okay bist. Dafür musst du dich niemals entschuldigen. Denn auch das bist du, und ich mag jede Version von dir. Jede einzelne Seite. Wenn du ein Buch wärst, würde ich keine einzige Seite überblättern. Ich würde jedes verdammte Kapitel verschlingen. Weil ich dich genauso will, wie du bist. Mit all deinen Gegensätzen. Lachend und weinend. Stark und verletzlich. Laut und leise. Verspielt und ernst. Sexy und süß. Wobei du ziemlich oft beides gleichzeitig bist.“


Sehr begeistert war ich von Anya Omahs Schreibstil. Dieser wirkt auf den ersten Blick gar nicht mal so spektakulär und fällt nicht durch Besonderheiten, sprachliche Kniffe oder andere Auffälligkeiten des Ausdrucks aus der Reihe. Bemerkenswert ist stattdessen, wie effizient sie ihrem Roman Leben einhaucht und man schon nach wenigen Sätzen Zugang zu der Geschichte und den Figuren findet. Egal ob in nie endenden Nächten, in denen alles möglich scheint, in stillen, freundschaftlichen Momenten in der WG Küche, oder in den lauten, schmerzhaften Konfrontationen gegen Ende - man ist einfach ohne große Umschweife dabei und lebt, fühlt und fiebert mit. Toll fand ich auch den Schauplatz in Hamburg, den ich nicht zuletzt da ich erst vor kurzem diese wunderschöne Stadt besucht habe, sehr genossen habe. Anya Omah zeigt mit ihrer Settingwahl mal wieder, dass man als deutsche AutorIn die eigene Geschichte nicht an ferne, exotische Orte verlegen muss, um eine Atmosphäre von Urlaub, Entdeckung und Zuhause zu schaffen und auch deutsche Schauplätze ihren Charme haben! Nach den etlichen Geschichten, die in den USA oder Großbritannien spielen, bot "Regenglanz" also mal eine tolle Abwechslung!



Fazit:

Anya Omah erzählt in ihrem Verlagsdebüt "Regenglanz" eine prickelnde Liebesgeschichte mit mehr Tiefe als erwartet und kreiert mit ihrem lebendigen Schreibstil ein abwechslungsreiches Setting, in dem alles möglich scheint. Abzug gibt´s nur für die recht vorhersehbare Wendung und das gegen Ende im Vergleich zum sehr leichtfüßigen Beginn etwas überhandnehmenden Drama.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere