Profilbild von Wordworld_Sophia

Wordworld_Sophia

aktives Lesejury-Mitglied
offline

Wordworld_Sophia ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Wordworld_Sophia über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.09.2017

Leise Töne, außergewöhnliche Charaktere, atmosphärische Landschaften und eine seltsam-gute Stimmung

Die Schlange von Essex
1 0

Allgemeines:

Titel: Die Schlange von Essex
Autor: Sarah Perry
Verlag: Eichborn Verlag, Imprint der Bastei Lübbe AG (29. September 2017)
Genre: Historischer Roman
ISBN-10: 3847900307
ISBN-13: 978-3847900306
ASIN: ...

Allgemeines:

Titel: Die Schlange von Essex
Autor: Sarah Perry
Verlag: Eichborn Verlag, Imprint der Bastei Lübbe AG (29. September 2017)
Genre: Historischer Roman
ISBN-10: 3847900307
ISBN-13: 978-3847900306
ASIN: B07143NJZZ
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 16 Jahren
Originaltitel: The Essex Serpent
Seitenzahl: 496 Seiten
Preis: 24€ (gebundene Ausgabe)
17,99€ (Kindle-Edition)
Link: Hier klicken!
!Britischer Buchpreis für den besten Roman des Jahres 2016!



Inhalt:

London im Jahr 1893:

Nach dem Tod ihres Mannes verlässt Cora Seaborne die Hauptstadt und reist gemeinsam mit ihrem Sohn Francis in den Küstenort Aldwinter. Als Cora Seaborne vom Gerücht hört, der mythische Lindwurm von Essex sei zurückgekehrt und fordere die ersten Menschenleben, muss sie sich das unbedingt ansehen. Cora, eine Anhängerin der provokanten Thesen Charles Darwins, vermutet hinter dem Sagengeschöpf eine bislang unbekannte Tierart. Auch der Vikar von Aldwinter, William Ransome, glaubt den Gerüchten nicht, und versucht, seine Gemeinde zu beruhigen. Zwischen Cora und Will entspinnt sich eine besondere Beziehung und obwohl sie in rein gar nichts einer Meinung sind, fühlen sie sich unausweichlich zueinander hingezogen...


Bewertung:

DISCLAIMER: Vielen Dank an die Verlagsgruppe Lübbe für das Bereitstellen eines Vorableseexemplars!!!

Seltsam! Das war das Wort, das mir schon beim Betrachten des Covers durch den Kopf ging, sich während des Lesens des ersten Satzes bestätigt und mich durch das ganze Buch hinweg begleitet hat. Dabei wechselten sich gleichermaßen in positiven wie auch negativem Sinne interessant-seltsame, gruselig-seltsame sowie nervig-seltsame Situationen ab, die aber insgesamt ein so stimmiges und spezielles Gesamtbild ergeben, sodass ich nicht wirklich weiß, wie ich diesen Roman bewerten soll.

Denn dies ist absolut kein Buch, dass man einfach für Zwischendurch mal schnell lesen kann - teilweise ist das Vorrankommen schon fast Arbeit und ich habe auch über zwei Wochen an den gerade mal 500 Seiten gelesen, was für mich eine ellenlange Zeit ist. Um nicht den Anschluss in den poetischen, verschnörkelten Darstellungen zu verlieren, muss man ganz genau aufpassen, zwischen den Zeilen lesen und viel darüber nachdenken, wie etwas gemeint sein könnte. Dabei gehen schillernde Außergewöhnlichkeit und atmosphärische Widersprüche so einzigartig einher, dass man von all den Eindrücken geradezu erschlagen wird. Gerade dafür hat das englischsprachige Original den Preis für das beste Buch des Jahres bekommen und die deutsche Leserschaft erwartet die Veröffentlichung am heutigen Tag gespannt. Ich bin noch am Überlegen, ob ich dieses Werk nun wirklich genial und des Preises würdig sehen oder als mir persönlich zu seltsam abtun soll, doch Genialität und Verrücktheit liegen ja oft sehr nah beieinander...


Erster Satz: "Ein junger Mann geht unter dem kalten Vollmond am Ufer des Blackwaters spazieren."


Doch beginnen wir wie immer mit dem Cover, dass mit seinem wilden, einzigartigen und doch irgendwie friedlich wirkendem Muster perfekt ins Gesamtbild passt. Ich würde es nicht wirklich als schön bezeichnen - mit den orangenen Pflanzen und der grünen Schlange auf dem schwarzen Untergrund wirkt es mir irgendwie zu unruhig - doch es hat etwas hypnotisierendes, etwas einzigartiges, was auch das Buch an sich hat. Man fühlt sich sofort an die rauen Salzwiesen Aldwinters erinnert, an das Ungeheuer, das dort droht. Es ist dem englischen Original und allen anderen Übersetzungen sehr ähnlich gestaltet. Auch der Titel passt sehr gut und ist dem englischen direkt nachempfunden. Unter dem bedruckten Schutzumschlag der gebundenen Ausgabe findet man einen dunkelgrünen Buchdeckel mit geriffeltem Schlangenmuster zusehen, wenn man das buch in der Hand hält, kann man die einzelnen Schuppen spüren. Unterstrichen wird der Gesamteindruck dann noch durch das orangene Lesebändchen und die weißen Blumenranken auf orangenem Untergrund, die ähnlich denen auf dem Cover, die Innenseite des Buches verzieren. Eine wirklich wunderbar runde und besondere Gestaltung! Ob so etwas sein muss, damit das Buch dann 24€ kosten darf, ist eine andere Frage, über die man diskutieren könnte...

Ich gebe ganz offen zu, dass ich mich beim Anfragen dieses Buches auf meinen ersten Eindruck und auf den erhaltenen Preis verlassen habe und nach dem ersten Drittel recht enttäuscht war.
Die Geschichte von Cora, William und der Schlange von Essex beginnt sehr langsam und wird in sehr ruhigen und intensiven Tönen erzählt. Zuerst befasst ich die Autorin damit, uns ihre sehr speziellen und einzigartigen (man kann auch "seltsamen" sagen) Charaktere nahezubringen, ohne sie uns jemals durchschauen zu lassen. Auch wenn der Einstieg durchaus gut gemacht ist, habe ich sehr lange gebraucht, bis ich wirklich in der Geschichte angekommen bin. Wir werden der starrsinnigen Witwe Cora Seaborne zur Seite gestellt, die versucht, sich nach dem Tod ihres Mannes selbst zu verwirklichen. Zusammen mit ihrer sozialistisch überzeugten Freundin und Haushälterin Martha und ihrem leicht autistischen Sohn zieht es sie aufs Land hinaus, wo sie ihre neuen Freiheiten zu genießen versucht. Als überzeugte Hobby- Paläontologin entpuppt sich Essex, bald als Goldgrube, denn dort wird ein Volksmärchen anscheinend lebendig: im Blackwater soll eine gruselige Kreatur hausen, die Kinder klaut, Männer ertränkt und die Bewohner von Aldwinter für ihre Sünden büßen lassen soll - die Schlange von Essex. Ganz zum Leiden des Aldwinter Pfarrers William Ransome, der diese Geschichte für Unfug hält und Cora anhält, seine Gemeinde nicht mit solchen Spinnereien zu verunsichern. Aus einer ersten Meinungsverschiedenheit entwickelt sich bald eine Beziehung in der redegewandten Opposition und unausgesprochenen Anziehungskraft miteinander ringen...

Durchaus spannend geht es nach dem Einstieg weiter - dabei hat dieser historische Roman nichts von einem Abenteuer, mehr von einem leisen Selbstfindungsbuch einer Frau, die nicht in die Gesellschaft passen zu scheint. Eigentlich nicht so ganz mein Genre - etwas hat mich aber so fasziniert, dass ich es trotzdem spannend fand. Diese sonderbare Art und Weise des Feingefühls, mit dem die Autorin Szenen kreiert, sodass sie gleichzeitig sehr fremd und fern, wie auch vertraut und berührend wirken, ist wirklich einzigartig. Durch die eigenwillige Erzählweise, in der die Szenen ineinander übergehen, die Perspektiven so fließend wechseln, große Zeitspannen schnell überbrückt werden und die Handlung so schnell vorbeizieht, dass man es gar nicht bemerkt, ist es sehr schwierig mit dem Lesen aufzuhören und nicht zu vermeiden, dass man dann irgendwie doch hinabgezogen wird, in die Dunkelheit Aldwinters und die geheimnisvollen Tiefen des Blackwaters. Das Buch lebt nicht von der packenden Handlung, sondern viel mehr von den sehr speziellen und einzigartigen Charakteren, die Sarah Perry mit sehr viel Liebe, Kreativität und Engagement erschaffen hat. Sarah Perry hat keinen wilden, spannungsgeladenen „Page Turner“ geschrieben, sondern einen sehr atmosphärischen und bisweilen düsteren, ungewöhnlichen historischen Roman, der einem noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

Der Schreibstil der Autorin ist wirklich einmalig und ich denke im englischen Original viel eindrucksvoller. So sind einige Kleinigkeiten etwas seltsam übersetzt und man stockt ein wenig, wenn von "die Strand" die Rede ist, was dann eine Straße meint oder irgendwelche Zeitkugeln herunterfallen. Ansonsten werden vor allem Landschaften sehr atmosphärisch beschrieben und zeitweise verdichtete schon poetisch anmutende Formulierungen entführen uns in das kleine Städtchen Aldwinter.


"Wichtig ist nicht, was ich sehe, sondern was ich fühle. Ich kann den Äther nicht sehen, und doch spüre ich ihn bei jedem Atemzug und brauche ihn zum Leben. Ich fühle es, da kommt etwas auf uns zu, früher oder später; merken Sie sich meine Worte. Es war schon einmal hier, wie Sie selbst wissen, und es wird sich wieder zeigen - wenn nicht zu meinen Lebzeiten, dann zu Ihren, oder denen Ihrer Kinder oder Kindeskinder; und deshalb werde ich mich rüsten, Hochwürden, und ich würde Ihnen raten, es mir gleichzutun."


Das Geheimnis der Schlange in Essex nimmt leider nur eine gewisse Nebenrolle ein. Ich habe mich natürlich die ganze Zeit über gefragt, was es denn jetzt mit diesem mysteriösen Ungeheuer auf sich hat, das Cover, Titel und Klapptext so eindeutig beschreibt. Gibt es sie wirklich, oder ist sie nur ein Sinnbild für die Angst der Leute, die eine Erklärung für die Geschehnisse brauchen, die sie sich nicht erklären können. Seit der Entdeckung eines Ertrunkenen an Neujahr, fühlt sich das Dorf unsicher und unter Beobachtung. Warum ist die Schlange, die der Legende nach die Gegend schon 1669 mit seinen ledernen Flügeln und schnappendem Schnabel terrorisierte, nun zurückgekehrt? Was haben die Dorfbewohner falsch gemacht? Wo haben sie sich versündigt? An dieser Stelle nutzt Perry die symbolische Wirkung ihres Ungeheuers aus, um eine Gesellschaft zu zeichnen, die immer noch weit hinter der Aufklärung zurück hängt und charakterisiert durch die Reaktionen auf sie die Charaktere.

Für Cora, die gerne ein echtes Ungeheuer sehen würde, verkörpert die Schlange ein Wenig von der Überraschung, dem Entzücken, der Freiheit, der Entlassung aus der Welt, die nun durch den Tod ihres Mannes greifbar scheint. Für Will hingehen bedeutet die Schlange nur Ärger, ebenso wie die Wissenschaft. Menschen bräuchten die Sicherheit der Religion, oder sie beginnen, Dämonen zu erfinden - Geologie und Evolution seien nur in Mode, Theorien kommen und gehen, Gott bleibt. So ist es nicht verwunderlich, dass sie ständig aneinander geraten, der gläubige, gebildete Dorfpfarrer mit dem gesicherten Leben und die modern denkende Cora, die zwar reich und attraktiv ist, sich aber kleidet wie ein Mann und gerne im Dreck herumwühlt.

Ihre angeregten Konversationen und Diskussionen werden dem Leser zu einem großen Teil in Briefform präsentiert. Das verleiht der Handlung noch einmal einen sehr viel persönlicheren Charakter, und wir erfahren viel über Cora und ihre Person, da der Briefwechsel nicht nur zwischen William und ihr, sondern auch zwischen Cora und ihren anderen Freunden stattfindet. Dieser rege Briefwechsel ermöglicht es, größere Zeitspannen elegant zu überbrücken und zeigt außerdem, welchen Stellenwert Freundschaft einnehmen kann, wenn die Auffassungen grundverschieden sind. Denn trotz der vielen Diskussionen fliegen bald die Funken zwischen den beiden, wie wir natürlich von Anfang an geahnt hatten.


"Was suchen Sie hier?" "Das weiß ich noch nicht. Meine Freiheit vielleicht. Ich habe zu lange mit Hemmnissen gelebt. Sie fragen mich, warum ich im Schlamm wühle? Weil ich es aus meiner Kindheit kenne. Ich habe kaum jemals Schuhe getragen, ich habe Ginster für den Kräuterlikör gepflückt und Teiche gesehen, die vor Frösche brodelten. Aber dann kam Michael... (..) Aber jetzt bin ich frei!"


Gut gefallen hat mir, dass wir hier nicht die typische Liebesgeschichte präsentiert bekommen, denn Will ist glücklich verheiratet und auch Cora nicht gewillt eine Beziehung einzugehen - es ist von Anfang an klar, dass da nichts daraus werden kann.
In ihren verzweifelten Versuchen, die Anziehungskraft zwischen ihnen zu leugnen, bringen die beiden auch ihre Freunde durcheinander und immer wieder wird gezeigt, dass Liebe auch zerstören kann: Luke Garrett, Londons bester junger Chirurg, verliert in seiner verzweifelten Verliebtheit zu Cora seine operativen Fähigkeiten bei einem Unfall; George Spencer, der reiche Freund Lukes versucht, sich durch den Sozialismus Coras Begleiterin Martha zu nähern, deren Herz nur für die Gerechtigkeit schlägt; Williams schöne Ehefrau Stella, die an einer Krankheit sterbend die Herzen ihrer Familie bricht; Martha, die Cora auf eine gewisse Art liebt und Angst hat, sie als Freundin zu verlieren, Charles und Katherine Ambrose, die konservativen Freunde aus der High Society, die großzügig ihr Bestes tun, um ihren Freunden zu helfen und mitleiden müssen, Francis, Coras autistischer Sohn, der mit Liebe und Verständnis wenig anfangen kann und sich gerne mit seinen gesammelten Kostbarkeiten zurückzieht,... die verschiedenen Arten von Liebe, die hier in diesem Buch gezeigt werden sind vielfältig und haben doch alle etwas gemeinsam: sie verursachen viel Schmerz.

Im Mittelpunkt des Ganzen stehen also eindeutig Cora und ihre Beziehungen zu verschiedenen Leuten, die alle auf sehr verschiedene Art und Weisen intensiv sind. Cora an sich ist eine super Protagonistin - hier ein großes Lob an die Autorin, die es geschafft hat einen Charakter zu kreieren, der gleichzeitig echt, widersprüchlich, eigenwillig, liebenswert, seltsam, störrisch, schön, hässlich und einfach nur glaubwürdig erscheint. Ihre Vergangenheit ist höchst fragwürdig, es gibt einige Andeutungen, die aber nie ganz geklärt werden. Früh ist sie an einen älteren Mann geraten, der sie nach seinen Wünschen formen wollte und es sogar geschafft hat. Obwohl er Cora nicht gut behandelt hat, hat sie ihn auf ihre Art geliebt, was sie nicht davon abhält, eine gewisse Art der Erleichterung zu verspüren, als er verstirbt. Denn jetzt kann sie endlich sich selbst sein. Dass sie noch nicht so genau weiß, wer dieser neue Jemand sein soll, stellt man allzu bald fest, denn sich widerspricht ich ständig selbst, lässt sich nur von ihren Gefühlen leiten und bringt dadurch ihr ganzes Umfeld ganz schön durcheinander.

Auch die anderen Charaktere sind sehr gut und authentisch dargestellt, alle verkörpern ein kleines Stück der Mentalität dieser Zeit um 1893 herum - dem Viktorianischen Zeitalter. Immer wieder springt das Buch zwischen der Stadt London mit seinen zivilisierten Gesellschaftsregeln und Problemen und den Salzwiesen Aldwinters umher. Dabei wird medizinischer Fortschritt im Gegensatz zum Glauben thematisiert, Feminismus, aber auch die sozialistische Ideen, die nach der Industrialisierung entstanden. Man bekommt viele Armenviertel gezeigt, sieht dass die Beziehung zwischen Arbeiter und Unternehmer leidet, Wohnungen fehlen, hat aber auch einen Einblick in das Leben der reicheren und in ihre Gedanken. So redet zum Beispiel Charles Ambrose, der sonst ein anständiger Mann ist, von den niedrigen Wesen, die es zu nichts besserem gebracht haben, und eine andere Art behandelt zu werden gar nicht verdienen.


"Unvorstellbar, dass er jahrelang den ihm zugewiesenen Platz eingenommen und sich ohne zu Murren in die riesige malmende Maschinerie namens London eingefügt hatte. Wenn er heute um sich blickte, sah er einen kranken Körper in den letzten Fieberzuckungen - die Krankheit strömte durch Verkehrsadern zu Wasser und zu Lande, und in den Hallen und Fabriken sammelt sich das Gift. Nun war er aufgewacht."


Auch gesellschaftliche Strukturen, von denen Cora absolut kein Freund ist, werden thematisiert. Sehr interessant ist, dass Cora, die eigentlich offen gegen diese Strukturen und Rollenbilder rebelliert, indem sie unanständige Dinge tun, sich unweiblich kleidet, manchmal aber wieder davon eingeholt zu werden scheint und dann ein Seidenkleid trägt und Dinner Partys veranstaltet - sie also Anflüge von Scham empfindet, eben weil sie sich nicht verhält oder nicht so fühlt, wie von ihr erwartet wird. Und wie sie das wiederum dann so lächerlich findet, dass sie diese Gedanken wieder verwirft.

Insgesamt ergibt sich also ein vielfältiges Bild, die diese vergangene Zeit nicht nur als verklemmte und von Religion und Etikette versklavten Ära darstellt, sondern auch hervorhebt, dass es viele Menschen gab, die begonnen haben anders zu denken und einen Sinn für das Absonderliche entwickelt haben.

Und nur durch diesen Sinn für das Absonderliche muss ich schlussendlich auch sagen, dass ich das Buch doch faszinierend und empfehlenswert fand, auch wenn es wirklich seltsam ist. Gerade das sehr unkonventionelle Ende hat mir wieder sehr gut gefallen. Also zählt hier auch, was wir von den tausend komischen Schullektüren aus den vorherigen Jahrhunderten mitgenommen haben: Gute Literatur muss eben manchmal ein wenig abstrus sein!



Fazit:

Leise Töne, außergewöhnliche Charaktere, atmosphärische Landschaften und eine seltsam-gute Stimmung - eine etwas andere Darstellung des Viktorianischen Zeitalters, die ich nur jedem empfehlen kann!

Veröffentlicht am 19.10.2017

Die Liebe ihres Lebens - all ihrer Leben

Engelsflammen
0 0

Allgemeines:

Titel: Engelsflammen
Autor: Lauren Kate
Verlag: Heyne Verlag (10. Februar 2014)
Genre: Fantasy
ISBN-10: 3453314719
ISBN-13: 978-3453314719
ASIN: B0080KBKAG
Originaltitel: Passion
Seitenzahl: ...

Allgemeines:

Titel: Engelsflammen
Autor: Lauren Kate
Verlag: Heyne Verlag (10. Februar 2014)
Genre: Fantasy
ISBN-10: 3453314719
ISBN-13: 978-3453314719
ASIN: B0080KBKAG
Originaltitel: Passion
Seitenzahl: 432 Seiten
Preis: 7,99€ (Kindle-Edition)
8,99€ (Taschenbuch)
14,99€ (Gebundene Ausgabe)
Weitere Bände: "Engelsnacht", "Engelsmorgen", "Engelslicht"



Inhalt:

Luce würde für Daniel sterben. Und sie hat es getan, wieder und wieder: Seit einer Ewigkeit finden die beiden einander, nur um sich immer aufs Neue zu verlieren. Luce ist sich sicher, dass irgendwo in ihrer Vergangenheit der Schlüssel liegt, dem ewigen Fluch zu entkommen, der auf ihr und Daniel lastet. Und so reist sie zurück in ihre früheren Leben, um den Weg aus der Verdammnis zu finden. Luces Freunde brechen auf, um Luce auf ihrer Reise in die Vergangenheit zu folgen. Doch keiner sucht sie so verzweifelt wie Daniel – voller Angst, Luce könnte die Geschichte neu schreiben. Dann nämlich könnte ihre große Liebe in Flammen aufgehen ... für immer.


Bewertung:

DISCLAIMER: Achtung! Diese Rezension enthält große Spoiler für all jene, die die Vorgänger "Engelsnacht" und "Engelsmorgen" noch nicht gelesen haben! Solltest Du dazu gehören, rate ich Dir schleunigst mit dem Lesen dieser Rezension aufzuhören!

Nachdem "Engelsnacht" und "Engelsmorgen" sehr um meine Begeisterung kämpfen mussten und mich am Ende noch nicht ganz überzeugen konnten, flog mein Herz diesem hinreißenden dritten Teil geradewegs zu. Ich hatte nach den beiden doch sehr auf Urban Fantasy Art realistisch und alltäglich bleibenden ersten Teilen mit etwas ganz anderem gerechnet und wurde von einer wunderschönen, kunterbunten und quietschlebendigen Zeitreise-Mystik überrascht.

"Wir werden einander immer wiederfinden, einander immer lieben, ganz gleich, was geschieht", sagte Daniel. "Ich werde dich nie verlassen."
Luce verbarg das Gesicht in den Händen.
"Und wenn es keine Hoffnung gäbe, dass sich jemals etwas ändern wird?", fragte sie.
"Eines Tages wirst du es überleben." Er wischte mit dem Daumen ihre Tränen fort.
"Eines Tages wird unsere Liebe diesen dunklen Kreislauf besiegen. Das bedeutet mir alles."

Das Cover passt wieder perfekt in die Reihe, auch wenn ich es von den Vieren als das hässlichste beschreiben würde. Zwar ist wieder nicht das Gesicht des mystischen, schwarz gekleideten Mädchen gezeigt und auch durch die extremen Kontraste zwischen dem Dunklen Mädchen und Boden, die sich stark von dem helleren Himmel abheben, wird eine geheimnisvolle Atmosphäre geschaffen, doch der grau-violette Ton des Hintergrunds, gefällt mir nicht so gut. Er wirkt etwas künstlich, aufgesetzt und scheint zusammen mit der roten Rose nicht so recht in die dunklen, tristen Farben der Reihe zu passen. Schön fand ich aber, dass der Titel in meiner Taschenbuchausgabe hervorgehoben ist und in weichem Silber glänzt. Wieder werden zudem Kapitelanfang und Absatz durch zwei geschwungene Engelsflügel geziert. Neu ist, dass vor jedem Kapitel Ort und Zeit des Settings verraten wird, sodass man sich nicht in den verschiedenen Handlungsorten und Jahrhunderten, in denen das Buch herumspringt, verirrt. Insgesamt also wieder eine stimmige Mischung.

Erster Satz: "Ein Schuss krachte. Mit einem einzigen Knall öffnete sich die breite Front der Startboxen. Das Stampfen der Pferdehufe hallte über die Rennbahn wie fernes Donnergrollen."


Mit einem eher ruhigen Prolog über die verschollene Miss Sophia steigen wir in diese Geschichte ein, ohne dass später nochmal auf diesen vorangestellten Erzählhappen zurückgegriffen wird, dafür bekommen die Hintergründe für den Prolog des ersten Bandes geliefert. Und in dieser Manier geht es weiter. Es scheint als wolle dieser Band hinter den anderen beiden aufräumen, mitnehmen was an Antworten, Originalität und Spannung liegen geblieben ist und den lahmen Start in die Reihe wieder wett machen.

Nachdem ich Band 2 für die fehlende Dynamik der Handlung und das recht langweilige Setting kritisiert habe, bietet dieser Teil das genaue Gegenteil: eine spannende Zeitreise, auf der wir endlich Antworten finden über Luce und Daniels große Liebe. Denn was macht diese Liebe aus? Was verbindet sie, abgesehen von ihrer gemeinsamen Vergangenheit, von der Luce aber nichts weiß, miteinander? Würde sie ihn auch lieben, wenn es diese früheren Leben nicht gäbe? Luce hält diese Unwissenheit nicht mehr aus und reist kurzerhand durch einen Verkünder in ihre gemeinsame Vergangenheit, besucht sich selbst in ihren eigenen vergangenen Leben und versucht so herauszufinden, was es mit dem Fluch auf sich hat und wie man ihn vielleicht doch brechen kann. Ihre Freunde reisen ihr verzweifelt nach, denn die Vergangenheit hat so manche Tücken und auch Daniel sucht verzweifelt nach ihr. Während er zu verhindern versucht, dass Luce die Vergangenheit verändert und ihr gegenwärtiges Ich dabei womöglich auslöscht, treten noch andere Mächte auf den Plan, die mitmischen wollen und denen Luce und Daniels Liebe egal ist. Als alles auf dem Spiel steht, erwartet Luce die Entscheidung ihres Lebens...


"Du könntest ein Buch mit all den Dingen füllen, die du nicht weißt, Mädchen."


Es hat mir wirklich außerordentlich gut gefallen, mit Luce auf die Reise durch ihre Vergangenheit zu gehen, die aus vielen kleinen Schnipsel besteht, die alle sehr schön und historisch wirklich gut dargestellt sind. Von Moskau während des zweiten Weltkrieges über das Viktorianische Zeitalter, Frankreich im Rokoko, William Shakespeare in London, die alten Mayas bis hin ins alte Ägypten und noch viel weiter zurück führt sie ihre Reise. All diese Schauplätze werden mit höchster Sorgfalt geschildet und als Kulisse für das immer gleiche Schauspiel lebendig gemacht, Luces spektakulärer Tod durch das Zusammentreffen mit Daniel. Beobachtet Luce diese Szenen zu Anfang nur aus der Ferne, so lernt sie später sogar - mittels "3D" - in ihre früheren Ichs hineinzuschlüpfen und wie sie zu denken und zu fühlen.

Trotz dass jedes Mal grundsätzlich dasselbe passiert, bleibt Luces Suche hochspannend, da sie mit jedem Leben und jedem Tod der Wahrheit ein Stückchen näher kommt. Sie erfährt etwas über ihre vergangenen leben, über Daniels Bürde, seinen Schmerz, ihre vergangenen Ichs, die alle sind sehr unterschiedlich sind, obwohl sie immer die selbe Seele haben und schlussendlich auch über sich selbst, wie sie ist und fühlt. Durch diese Erkenntnisse gewinnt Luce an Stärke und wächst dem Leser mehr und mehr ans Herz, sodass man richtig mit ihr mit fiebert.


"So nah war sie einem Gefühl der Klarheit noch nie gekommen. Sie würde ihre Leben bis zum Ende verfolgen, eins nach dem anderen, bis sie in einem dieser Leben den genauen Grund herausfand, warum es geschah. Und dann würde sie diesen Fluch brechen!"


Die wenigen langatmigen Stellen, die durch die ständigen Wiederholungen des Grundprinzips aufkommen, werden durch die Kapitel aus Daniels Sicht wieder ausgebügelt. Besessen, seine Luce vor schlimmen Fehlern zu bewahren jagt er ihr hinterher und lernt auch mehr über sich selbst, seiner Vergangenheit und vor allem über Luce, sodass er seine Fehler einsieht und sie besser verstehen kann. Trotzdem verpasst er sie immer wieder knapp und gerät in die seltsamsten Situationen mit seinem jüngeren Ich. Nachdem ich in Band 2 wirklich sehr enttäuscht von ihm war, bekommt er hier eine ganz hervorstechende Rolle, in der er sich der Leserschaft erklären und wieder einige Sympathiepunkte zurückgewinnen kann. Ich bin jetzt sehr gespannt, wie er sich im Finalband weiterentwickeln kann.


"Er schlüpfte durch das zerbrochene Fenster. Seine Worte - gib die Hoffnung nicht auf - hallten in seinem Kopf wider, als er sich in den Himmel aufschwang, tief hinein in die Schatten der Nacht."


Neuen Schwung in die Geschichte bringt außerdem der kleine Gargoyle Bill, der Luce plötzlich in einem Verkünder erscheint und ihr auf ihrer Zeitreise nicht mehr von der Seite weicht. Nur durch seine hilfreichen Tipps, seine Aufmunterungen und sein Wissen über die alten Zeiten schafft es Luce, nicht komplett in alle Fettnäpfchen der Geschichte zu treten, indem sie beispielsweise in einer blutigen Schwesternuniform aus dem ersten Weltkrieg auf einem Ball im Versailler Spiegelsaal aufkreuzt. So wird Bill zum Kostümeuer, der ihr passende Kleidung des aktuellen Jahrhunderts beschafft, Helfer in der Not und vor allem ein liebgewonnener Freund. Umso schmerzvoller ist es, dass auch er ein Geheimnis birgt, das es ganz schön in sich hat...

Ein wenig schade fand ich, dass die vielen Nebendarsteller aus "Engelsnacht" und "Engelsmorgen" wie zum Beispiel Luces neue Nephilimfreunde Shelby und Miles, die schillernde Arriane oder auch der dämonische Cam, fast vollständig von der Bildfläche verschwinden und das Geschehen ganz Luce und Daniel überlassen. Einerseits hätte ich sehr gerne noch mehr über sie gelesen, vor allem da der Versuch, sie in die Handlung mit einzubauen keineswegs schlecht war, auf der anderen Seite konnte man sich so ganz auf das Liebespaar und ihre Probleme konzentrieren, sodass erstmals eine Romantik auftaucht, die ich zuvor nie gespürt habe.


"Daniels Liebe zu ihr war ein langer, ununterbrochener Strom. Es war die reinste Form der Liebe, die es gab, reiner noch als die Liebe, die Luce ihm zurückgab. Seien Liebe zu ihr zerbrach nicht und hörte nie auf. Während Luce´ Liebe mit jedem Tod verflogen war, wuchs Daniels Liebe im Laufe der Zeit, im Laufe der Ewigkeit. Wie ungeheuer stark musste diese Liebe inzwischen sein? Die Liebe aus Hunderten von Leben zusammengenommen?"

Dazu trägt auch der Schreibstil bei, der mir wieder gutgefallen hat und immer die richtigen Worte zur Beschreibung findet. Wieder war ich von den vielen Gänsehautsätzen begeistert, die uns durch alle Zeiten begleiten und ein roter Faden an romantischer Atmosphäre schaffen, der sich durch das Buch zieht, auch wenn sowohl Zeit, Ort, Situation als auch Atmosphäre sich ständig ändern. Wirklich super!

Das Ende war mir dann in seinem fast hastigen Versuch episch zu sein, ein wenig zu übertrieben und vor allem viel zu schnell. Die Entwicklung, die das Ganze nimmt, hat mir zwar sehr gut gefallen, ein wenig mehr Ruhe hätte gerade in diesem wichtigen Abschnitt aber bestimmt nicht geschadet. Trotzdem bin ich nun sehr gespannt auf den vierten und abschließenden Band.

Zum Schluss noch mein absolutes Lieblingszitat aus einem Gespräch von Luce und Daniel:

„Ich weiß nicht, wie du es ertragen kannst. Immer wieder die gleiche Traurigkeit...
Er hob sie hoch. "Die gleiche Ekstase..."
"Das gleiche Feuer, das alles tötet..."
"Die gleiche Leidenschaft, die alles wieder entfacht. Du kennst es nicht. Du kannst dich nicht daran erinnern, wie wunderbar...“
"Doch, ich kenne es. Ich habe es gesehen."


Fazit:

Eine spannende Hetzjagd durch die Zeit, die durch viele Details verzaubert, den Leser mitreißt, durch viele Entwicklungen auf Trab hält, aber dennoch ganz viel Platz für Luces und Daniels Liebe lässt, die man hier in ihrer ganzen Dramatik nachvollziehen kann. Für mich eindeutig der beste Teil der Reihe.

Veröffentlicht am 19.10.2017

Die Liebe ihres Lebens - all ihrer Leben

Engelsflammen
0 0

Allgemeines:

Titel: Engelsflammen
Autor: Lauren Kate
Verlag: Heyne Verlag (10. Februar 2014)
Genre: Fantasy
ISBN-10: 3453314719
ISBN-13: 978-3453314719
ASIN: B0080KBKAG
Originaltitel: Passion
Seitenzahl: ...

Allgemeines:

Titel: Engelsflammen
Autor: Lauren Kate
Verlag: Heyne Verlag (10. Februar 2014)
Genre: Fantasy
ISBN-10: 3453314719
ISBN-13: 978-3453314719
ASIN: B0080KBKAG
Originaltitel: Passion
Seitenzahl: 432 Seiten
Preis: 7,99€ (Kindle-Edition)
8,99€ (Taschenbuch)
14,99€ (Gebundene Ausgabe)
Weitere Bände: "Engelsnacht", "Engelsmorgen", "Engelslicht"



Inhalt:

Luce würde für Daniel sterben. Und sie hat es getan, wieder und wieder: Seit einer Ewigkeit finden die beiden einander, nur um sich immer aufs Neue zu verlieren. Luce ist sich sicher, dass irgendwo in ihrer Vergangenheit der Schlüssel liegt, dem ewigen Fluch zu entkommen, der auf ihr und Daniel lastet. Und so reist sie zurück in ihre früheren Leben, um den Weg aus der Verdammnis zu finden. Luces Freunde brechen auf, um Luce auf ihrer Reise in die Vergangenheit zu folgen. Doch keiner sucht sie so verzweifelt wie Daniel – voller Angst, Luce könnte die Geschichte neu schreiben. Dann nämlich könnte ihre große Liebe in Flammen aufgehen ... für immer.


Bewertung:

DISCLAIMER: Achtung! Diese Rezension enthält große Spoiler für all jene, die die Vorgänger "Engelsnacht" und "Engelsmorgen" noch nicht gelesen haben! Solltest Du dazu gehören, rate ich Dir schleunigst mit dem Lesen dieser Rezension aufzuhören!

Nachdem "Engelsnacht" und "Engelsmorgen" sehr um meine Begeisterung kämpfen mussten und mich am Ende noch nicht ganz überzeugen konnten, flog mein Herz diesem hinreißenden dritten Teil geradewegs zu. Ich hatte nach den beiden doch sehr auf Urban Fantasy Art realistisch und alltäglich bleibenden ersten Teilen mit etwas ganz anderem gerechnet und wurde von einer wunderschönen, kunterbunten und quietschlebendigen Zeitreise-Mystik überrascht.

"Wir werden einander immer wiederfinden, einander immer lieben, ganz gleich, was geschieht", sagte Daniel. "Ich werde dich nie verlassen."
Luce verbarg das Gesicht in den Händen.
"Und wenn es keine Hoffnung gäbe, dass sich jemals etwas ändern wird?", fragte sie.
"Eines Tages wirst du es überleben." Er wischte mit dem Daumen ihre Tränen fort.
"Eines Tages wird unsere Liebe diesen dunklen Kreislauf besiegen. Das bedeutet mir alles."

Das Cover passt wieder perfekt in die Reihe, auch wenn ich es von den Vieren als das hässlichste beschreiben würde. Zwar ist wieder nicht das Gesicht des mystischen, schwarz gekleideten Mädchen gezeigt und auch durch die extremen Kontraste zwischen dem Dunklen Mädchen und Boden, die sich stark von dem helleren Himmel abheben, wird eine geheimnisvolle Atmosphäre geschaffen, doch der grau-violette Ton des Hintergrunds, gefällt mir nicht so gut. Er wirkt etwas künstlich, aufgesetzt und scheint zusammen mit der roten Rose nicht so recht in die dunklen, tristen Farben der Reihe zu passen. Schön fand ich aber, dass der Titel in meiner Taschenbuchausgabe hervorgehoben ist und in weichem Silber glänzt. Wieder werden zudem Kapitelanfang und Absatz durch zwei geschwungene Engelsflügel geziert. Neu ist, dass vor jedem Kapitel Ort und Zeit des Settings verraten wird, sodass man sich nicht in den verschiedenen Handlungsorten und Jahrhunderten, in denen das Buch herumspringt, verirrt. Insgesamt also wieder eine stimmige Mischung.

Erster Satz: "Ein Schuss krachte. Mit einem einzigen Knall öffnete sich die breite Front der Startboxen. Das Stampfen der Pferdehufe hallte über die Rennbahn wie fernes Donnergrollen."


Mit einem eher ruhigen Prolog über die verschollene Miss Sophia steigen wir in diese Geschichte ein, ohne dass später nochmal auf diesen vorangestellten Erzählhappen zurückgegriffen wird, dafür bekommen die Hintergründe für den Prolog des ersten Bandes geliefert. Und in dieser Manier geht es weiter. Es scheint als wolle dieser Band hinter den anderen beiden aufräumen, mitnehmen was an Antworten, Originalität und Spannung liegen geblieben ist und den lahmen Start in die Reihe wieder wett machen.

Nachdem ich Band 2 für die fehlende Dynamik der Handlung und das recht langweilige Setting kritisiert habe, bietet dieser Teil das genaue Gegenteil: eine spannende Zeitreise, auf der wir endlich Antworten finden über Luce und Daniels große Liebe. Denn was macht diese Liebe aus? Was verbindet sie, abgesehen von ihrer gemeinsamen Vergangenheit, von der Luce aber nichts weiß, miteinander? Würde sie ihn auch lieben, wenn es diese früheren Leben nicht gäbe? Luce hält diese Unwissenheit nicht mehr aus und reist kurzerhand durch einen Verkünder in ihre gemeinsame Vergangenheit, besucht sich selbst in ihren eigenen vergangenen Leben und versucht so herauszufinden, was es mit dem Fluch auf sich hat und wie man ihn vielleicht doch brechen kann. Ihre Freunde reisen ihr verzweifelt nach, denn die Vergangenheit hat so manche Tücken und auch Daniel sucht verzweifelt nach ihr. Während er zu verhindern versucht, dass Luce die Vergangenheit verändert und ihr gegenwärtiges Ich dabei womöglich auslöscht, treten noch andere Mächte auf den Plan, die mitmischen wollen und denen Luce und Daniels Liebe egal ist. Als alles auf dem Spiel steht, erwartet Luce die Entscheidung ihres Lebens...


"Du könntest ein Buch mit all den Dingen füllen, die du nicht weißt, Mädchen."


Es hat mir wirklich außerordentlich gut gefallen, mit Luce auf die Reise durch ihre Vergangenheit zu gehen, die aus vielen kleinen Schnipsel besteht, die alle sehr schön und historisch wirklich gut dargestellt sind. Von Moskau während des zweiten Weltkrieges über das Viktorianische Zeitalter, Frankreich im Rokoko, William Shakespeare in London, die alten Mayas bis hin ins alte Ägypten und noch viel weiter zurück führt sie ihre Reise. All diese Schauplätze werden mit höchster Sorgfalt geschildet und als Kulisse für das immer gleiche Schauspiel lebendig gemacht, Luces spektakulärer Tod durch das Zusammentreffen mit Daniel. Beobachtet Luce diese Szenen zu Anfang nur aus der Ferne, so lernt sie später sogar - mittels "3D" - in ihre früheren Ichs hineinzuschlüpfen und wie sie zu denken und zu fühlen.

Trotz dass jedes Mal grundsätzlich dasselbe passiert, bleibt Luces Suche hochspannend, da sie mit jedem Leben und jedem Tod der Wahrheit ein Stückchen näher kommt. Sie erfährt etwas über ihre vergangenen leben, über Daniels Bürde, seinen Schmerz, ihre vergangenen Ichs, die alle sind sehr unterschiedlich sind, obwohl sie immer die selbe Seele haben und schlussendlich auch über sich selbst, wie sie ist und fühlt. Durch diese Erkenntnisse gewinnt Luce an Stärke und wächst dem Leser mehr und mehr ans Herz, sodass man richtig mit ihr mit fiebert.


"So nah war sie einem Gefühl der Klarheit noch nie gekommen. Sie würde ihre Leben bis zum Ende verfolgen, eins nach dem anderen, bis sie in einem dieser Leben den genauen Grund herausfand, warum es geschah. Und dann würde sie diesen Fluch brechen!"


Die wenigen langatmigen Stellen, die durch die ständigen Wiederholungen des Grundprinzips aufkommen, werden durch die Kapitel aus Daniels Sicht wieder ausgebügelt. Besessen, seine Luce vor schlimmen Fehlern zu bewahren jagt er ihr hinterher und lernt auch mehr über sich selbst, seiner Vergangenheit und vor allem über Luce, sodass er seine Fehler einsieht und sie besser verstehen kann. Trotzdem verpasst er sie immer wieder knapp und gerät in die seltsamsten Situationen mit seinem jüngeren Ich. Nachdem ich in Band 2 wirklich sehr enttäuscht von ihm war, bekommt er hier eine ganz hervorstechende Rolle, in der er sich der Leserschaft erklären und wieder einige Sympathiepunkte zurückgewinnen kann. Ich bin jetzt sehr gespannt, wie er sich im Finalband weiterentwickeln kann.


"Er schlüpfte durch das zerbrochene Fenster. Seine Worte - gib die Hoffnung nicht auf - hallten in seinem Kopf wider, als er sich in den Himmel aufschwang, tief hinein in die Schatten der Nacht."


Neuen Schwung in die Geschichte bringt außerdem der kleine Gargoyle Bill, der Luce plötzlich in einem Verkünder erscheint und ihr auf ihrer Zeitreise nicht mehr von der Seite weicht. Nur durch seine hilfreichen Tipps, seine Aufmunterungen und sein Wissen über die alten Zeiten schafft es Luce, nicht komplett in alle Fettnäpfchen der Geschichte zu treten, indem sie beispielsweise in einer blutigen Schwesternuniform aus dem ersten Weltkrieg auf einem Ball im Versailler Spiegelsaal aufkreuzt. So wird Bill zum Kostümeuer, der ihr passende Kleidung des aktuellen Jahrhunderts beschafft, Helfer in der Not und vor allem ein liebgewonnener Freund. Umso schmerzvoller ist es, dass auch er ein Geheimnis birgt, das es ganz schön in sich hat...

Ein wenig schade fand ich, dass die vielen Nebendarsteller aus "Engelsnacht" und "Engelsmorgen" wie zum Beispiel Luces neue Nephilimfreunde Shelby und Miles, die schillernde Arriane oder auch der dämonische Cam, fast vollständig von der Bildfläche verschwinden und das Geschehen ganz Luce und Daniel überlassen. Einerseits hätte ich sehr gerne noch mehr über sie gelesen, vor allem da der Versuch, sie in die Handlung mit einzubauen keineswegs schlecht war, auf der anderen Seite konnte man sich so ganz auf das Liebespaar und ihre Probleme konzentrieren, sodass erstmals eine Romantik auftaucht, die ich zuvor nie gespürt habe.


"Daniels Liebe zu ihr war ein langer, ununterbrochener Strom. Es war die reinste Form der Liebe, die es gab, reiner noch als die Liebe, die Luce ihm zurückgab. Seien Liebe zu ihr zerbrach nicht und hörte nie auf. Während Luce´ Liebe mit jedem Tod verflogen war, wuchs Daniels Liebe im Laufe der Zeit, im Laufe der Ewigkeit. Wie ungeheuer stark musste diese Liebe inzwischen sein? Die Liebe aus Hunderten von Leben zusammengenommen?"

Dazu trägt auch der Schreibstil bei, der mir wieder gutgefallen hat und immer die richtigen Worte zur Beschreibung findet. Wieder war ich von den vielen Gänsehautsätzen begeistert, die uns durch alle Zeiten begleiten und ein roter Faden an romantischer Atmosphäre schaffen, der sich durch das Buch zieht, auch wenn sowohl Zeit, Ort, Situation als auch Atmosphäre sich ständig ändern. Wirklich super!

Das Ende war mir dann in seinem fast hastigen Versuch episch zu sein, ein wenig zu übertrieben und vor allem viel zu schnell. Die Entwicklung, die das Ganze nimmt, hat mir zwar sehr gut gefallen, ein wenig mehr Ruhe hätte gerade in diesem wichtigen Abschnitt aber bestimmt nicht geschadet. Trotzdem bin ich nun sehr gespannt auf den vierten und abschließenden Band.

Zum Schluss noch mein absolutes Lieblingszitat aus einem Gespräch von Luce und Daniel:

„Ich weiß nicht, wie du es ertragen kannst. Immer wieder die gleiche Traurigkeit...
Er hob sie hoch. "Die gleiche Ekstase..."
"Das gleiche Feuer, das alles tötet..."
"Die gleiche Leidenschaft, die alles wieder entfacht. Du kennst es nicht. Du kannst dich nicht daran erinnern, wie wunderbar...“
"Doch, ich kenne es. Ich habe es gesehen."


Fazit:

Eine spannende Hetzjagd durch die Zeit, die durch viele Details verzaubert, den Leser mitreißt, durch viele Entwicklungen auf Trab hält, aber dennoch ganz viel Platz für Luces und Daniels Liebe lässt, die man hier in ihrer ganzen Dramatik nachvollziehen kann. Für mich eindeutig der beste Teil der Reihe.

Veröffentlicht am 17.10.2017

Liebe in der Vergangenheit, Gegenwart aber auch Zukunft?

Engelsmorgen
0 0

Allgemeines:

Titel: Engelsmorgen
Autor: Lauren Kate
Verlag: Heyne Verlag (10. Dezember 2012)
Genre: Fantasy
ISBN-10: 3453529863
ISBN-13: 978-3453529861
ASIN: B005MI6F1I
Seitenzahl: 464 Seiten
Vom Hersteller ...

Allgemeines:

Titel: Engelsmorgen
Autor: Lauren Kate
Verlag: Heyne Verlag (10. Dezember 2012)
Genre: Fantasy
ISBN-10: 3453529863
ISBN-13: 978-3453529861
ASIN: B005MI6F1I
Seitenzahl: 464 Seiten
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 13 - 16 Jahre
Originaltitel: Torment
Preis: 7,99€ (Kindle-Edition)
12,49€ (gebundene Ausgabe)
8,99€ (Taschenbuch)
Weitere Bände: " Engelsnacht", "Engelsflammen", "Engelslicht"



Inhalt:

Egal, wie viele Leben du hast: Der großen Liebe begegnest du nur einmal

Kaum hat Luce in dem gefallenen Engel Daniel ihre große Liebe gefunden, werden die beiden auch schon wieder getrennt: In Shoreline, einem Internat an der kalifornischen Küste, muss Luce sich verstecken, denn sie schwebt in höchster Gefahr. Während Daniel versucht, die Unsterblichen, die es auf sie abgesehen haben, zu besiegen, lernt Luce, in die Vergangenheit zu blicken. Doch je mehr sie über ihre und Daniels frühere Leben erfährt, desto mehr ahnt sie, dass er ein dunkles Geheimnis hütet – eines, das sie beide zu vernichten droht …


Bewertung:

DISCLAIMER: Achtung! Diese Rezension enthält große Spoiler für all jene, die "Engelsnacht" noch nicht gelesen haben! Solltest Du dazu gehören, rate ich Dir schleunigst mit dem Lesen dieser Rezension aufzuhören!

Nachdem die Reihe mit "Engelsnacht" einen Auftakt gefunden hatte, der mitreißt und Lust auf mehr macht, sein Potential jedoch nicht ganz ausschöpft, war ich wirklich sehr gespannt, was der zweiten Teil und habe mir gleich die ganze Reihe angeschafft. Zwischenzeitlich habe ich mich ernsthaft gefragt, ob das nicht vielleicht ein Fehler gewesen sein könnte, denn es schien mir, als würde das Buch nochmal komplett von vorne starten, kam einfach nicht vom Fleck und versank in Klischees. Im letzten Drittel konnte mich die Geschichte jedoch wieder mitreißen, weshalb ich die Reihe auf keinen Fall aufgeben werde.

Erstmal wieder einige Worte zur Covergestaltung. Wieder ist das deutsche Design dem amerikanischen Original sehr ähnlich - dieselben wunderschönen grau-silber-Töne sind zu sehen, die dasselbe mystische Mädchen porträtieren. Durch die dunklen, eigentlich tristen aber dennoch sanft leuchtenden Farben, wirkt die Atmosphäre eher dunkel und kalt, jedoch mit einem leichten, erhabenen Hoffnungsschimmer. Dazu passt das Mädchen in dem dunklen Kleid mit den langen schwarzen Haaren perfekt, das dem Leser den Rücken zudreht, und ihre Hände in den Haaren vergraben hat. Die kleinen Vögel und das Setting im Wald, das wieder übernommen wurde, geben dem Bild noch ein wenig mehr Mystik, sodass man es beim Ansehen kaum mehr erwarten kann, das Buch endlich zu lesen. Kritisieren würde ich nur, dass Luces Haare eigentlich kurz und zwischenzeitlich blond gefärbt sind, was deshalb nicht so ganz passt. Auch innerhalb der Buchdeckel ist das Buch wieder sehr hübsch gestaltet. Jeden Kapitelanfang und Absatz zieren zwei geschwungene Engelsflügel, das Buch ist in einer angenehmen Größe bedruckt.


"Schwingt Flügel dann auf Flügel sich, mein und dein,
Wird aus Bedrängnis meiner Seele Flug sich lösen."
-George Herbert, Easter Wings-


Der Roman knüpft direkt an den letzten Teil an: Nach den traumatischen Ereignissen im Internat "Sword & Cross" wird Luce nur allzu schnell in einem neuen Internat gebunkert- Shoreline, ein wunderschöner Fleck an der kalifornischen Küste. Allerdings handelt es sich bei Shoreline nicht um eine gewöhnliche Bildungseinrichtung, denn neben Menschen gehen dort viele Nephilim - Nachfahren von Engeln bzw. Dämonen - zur Schule und auch der Lehrkörper kann sowohl einen Engel als auch einen Dämon bieten. Dort soll sie sich versteckt halten und mit ihren Mitschülern ganz normal den Unterricht besuchen, denn trotz des 18-tägigen Waffenstillstandes, den Daniel und Cam ausgehandelt haben, gibt eine einige, die Luce nach dem Leben trachten. Um Jagd auf sie zu machen, lässt er seine "Große Liebe" allein dort zurück und für Luce beginnt Zeit voller Zweifel und Fragen nach ihrer Vergangenheit. Als sie dank der furchterregenden Schatten, die sie schon ihr ganzes Leben lang begleitet haben, Einblick in ihre vorherigen Leben erhält und neue Freundschaften schließt, ahnt sie, dass Daniel ihr nicht die ganze Wahrheit erzählt hat. Und so geht sie auf die gefährliche Suche...

Wo der erste Teil recht düster in "Swort & Cross" gespielt hat, bekommen wir hier in Engelsmorgen ein viel freundlicheres Setting geboten. Im sonnigen Kalifornien scheint nun endlich alles heller und einfacher zu sein, die neue hübsche Elite - Schule könnte sich gar nicht mehr von der tristen Anstalt unterscheiden, die Luce zuvor besuchen musste. Doch ansonsten scheint sich einfach alles in etwas anderer Gestalt zu wiederholen, ohne dass irgendeine Weiterentwicklung zu Band 1 erkennbar gewesen wäre. Zu Beginn ist Luce ziemlich deprimiert vor Sehnsucht und findet sich nicht wirklich in ihrer neuen Umgebung zurecht, bis sie sich neue Freunde sucht und beginnt anzupassen. Daniel taucht immer mal wieder als Lichtgestalt auf, nur um etwas verdammt Machohaftes zu sagen und dann wieder in den Sternen zu verschwinden, während Cam einen auf dämonisch macht und sogar noch ein weiterer Typ auftaucht - also eigentlich alles wie im ersten Teil, nur eben weniger düster. Weitergehend werden auch keine Fragen beantwortet und nach neuen Informationen kann man auch vergeblich suchen. Das hat mich dann schon ein wenig enttäuscht.


"Immer die Sieger schreiben die Geschichte. Alles eine Sache des Blickwinkels. Was du für böse hältst, naja, für mich und die Unsrigen ist böse nur so ein Adjektiv, wie gut aus."


Die Geschichte bleibt also erstmal auf dem Boden, macht bloß geheimnisvolle wie verwirrende Andeutungen nur um dann Luces Alltagsprobleme zu schildern. Wer sich also auf viel Aktion oder viele Paranormal-Romance-Elemente freut, wird erstmal enttäuscht. Weder Paranormal noch Romance kommen hier zum Zug. Erst im letzten Drittel schafft es der Plot endlich, die Müdigkeit eines Einführungsbandes abzustreifen und konkret zu werden. Nach und nach kommt zumindest ein wenig Licht ins Dunkel. Es sind zwar immer noch unzählige Fragen offen, aber die Autorin gibt dem Leser immerhin endlich Raum für Spekulationen. Das Ende hat mir dann nochmal richtig gut gefallen.

Wieder zieht sich die abgebildete Handlung nur über einen auffallend kurzen Zeitraum von 18 Tagen - 18 Tagen an denen Waffenstillstand herrscht und sich Luce ganz auf sich konzentrieren kann. Im Mittelpunkt steht hier also eindeutig Luces Charakter, ihre Gedanken und Gefühle, die hier viel Platz bekommen. Man lernt ihre Persönlichkeit durch einen personaler Erzähler in diesem Teil durch intensive Erlebnisse viel näher kennen lernt, wodurch man sich auch besser mit ihr identifizieren kann. Ihren Hang zum Leichtsinn und ihre naive Besessenheit von Daniel haben mich schon im ersten Teil etwas gestört, doch insgesamt fand ich sie immer authentisch und liebenswürdig dargestellt. Sobald sie einen Moment Ruhe hat, beginnt sie nachzudenken, bekommt Zweifel, will mehr erfahren und fühlt sich eingesperrt, was von einem starken, selbstständigen Charakter zeugt, den sie immer mehr ausbildet. Durch ihren Aufenthalt in Shoreline erkennt Luce, dass die Welt nicht nur schwarz/weiß ist, sondern auch aus etlichen Grautönen besteht. Sie kann nicht alle Engel in die Schublade "gut" und alle Dämonen in die Schublade "böse" stecken, wie sie es bisher angenommen hatte. Eine ganz wesentliche Entwicklung und ein Vorankommen in ihrer Unwissenheit hätte ich mir von diesem Teil ganz klar erwartet, aber immerhin beginnt sie kritisch nachzudenken.


"Wenn Daniel sie küsste, spürte Luce durch und durch, dass er ihre Vergangenheit war. Wenn er sie fest umschlungen in seinen Armen hielt, wollte sie mit jeder Faser, dass er ihre Gegenwart war. Aber sobald ihre Lippen auseinandergingen, war sie sich nicht mehr wirklich sicher, ob er auch ihre Zukunft war."


Während mir also Luce gerade ab der Mitte sehr gut gefallen hat, muss Daniel aber immens an Sympathie einbüßen. Als er beginnt, sich unfassbar machohaft und oberflächlich zu verhalten und sich in seinem männlichen Beschützertrip so sehr verirrt, dass es selbst mit der im ersten Drittel immer noch bewundernd zu ihrem Engel Daniel hochschauenden Luce, die alles mit sich machen lässt, noch Streit gibt, hat er mich ein wenig angekotzt. Es ist zwar durchaus verständlich, dass er Luce um jeden Preis beschützen will, nach dem er sie schon so oft hat sterben sehen, ohne etwas dagegen tun zu können, aber er kann nicht von Luce erwarten, dass sie ihm blind gehorcht und einfach alles was er befiehlt hinnimmt, ohne irgendwelche plausiblen Gründe dafür zu nennen. Dass Luce sich dann querstellt, als er sie wie ein Kind behandelt, sie auf eigene Faust nach Informationen über ihr Leben sucht, wenn er sie über alles in Unwissenheit lässt, sie ihm nicht mehr wirklich vertraut, wenn er sie belügt und ihr alles Mögliche verschweigt, kann man ihr nicht übel nehmen.
So fand ich es ein wichtiger Schritt, dass Luce endlich beginnt an Daniel zu zweifeln und sich fragt, ob er wirklich das Richtige für sie ist. Was weiß sie schon wirklich über ihn? Was verbindet sie, abgesehen von ihrer gemeinsamen Vergangenheit, von der Luce aber nichts weiß, miteinander? Würde sie ihn auch lieben, wenn es diese früheren Leben nicht gäbe? Ihre Begegnungen laufen zudem immer nach dem gleichen Schema ab, das ein Amazon-Kunde wirklich wunderbar, wenn auch leicht übertrieben dargestellt hat:

Daniel: "Warum hast du das gemacht? Das war gefährlich!"
Luce: "Schreibe mir nicht immer vor, was ich zu tun habe.
Warum erzählst du zur Abwechslung nicht einmal etwas über unsere Vergangenheit?
Ich habe manchmal das Gefühl, ich kenne dich gar nicht richtig. Wie sollen wir da eine Beziehung führen?"
Daniel: "Luce..." küsst sie
Luce: schmacht "Oh, Daniel ist so toll und seine Flügel sind so schön...
Alles andere ist egal, solange ich nur mit ihm zusammen sein kann."
Daniel: fliegt wieder davon
Luce: "Mist! Ich habe wieder nichts über meine früheren Leben erfahren..."

Bevor Daniel und Luce überhaupt zueinander finden konnten, entfernen sich die beiden immer mehr voneinander und Luce bemerkt, dass sie eigentlich gar nichts über ihn weiß, ihn nicht wirklich kennt, was sie angesichts der überdimensional großen Liebe, die die beiden empfinden etwas verstört. Auch für den Leser ist es höchst seltsam zu lesen, welch wunderbare himmlische Liebe die beiden verbindet, wo sie doch noch nicht mal ein normales Gespräch führen können und scheinbar nichts gemeinsam haben. Die Entwicklung der Liebesgeschichte fand ich also sehr interessant. Nachdem ich mich schon über die oberflächlichen Rollenbilder aufgeregt hatte, bekommt Luce die Kurve und das Ganze scheint nochmal interessant zu werden. Ich hoffe, das tut sie nicht bald wieder als Irrglaube ab und verwandelt sich wieder in das schmachtende Girly, sondern bleibt weiter kritisch. Wenn sich eine ähnliche Wendung vollziehen würde wie in zum Beispiel "Das Reich der sieben Höfe" oder "Kuss der Göttin", würde mich das durchaus freuen. Da aber auf den nächsten Klapptexten immer noch von der "großen Liebe" die Rede ist, bin ich eher skeptisch... Mal sehen, ob Daniel meine Sympathie in den nächsten Teilen noch zurückgewinnen kann, sonst sieht es leider schlecht aus.


"Alles in Ordnung", flüsterte Daniel mit weicher Stimme. Seine Lippen berührten sacht ihre Lippen. "Ja", sie spürte, wie seine Flügel schlugen. "Du hast mich aufgefangen." "Ich werde dich immer auffangen und halten, wenn du fällst."


So, jetzt habe ich mich aber lange genug über die beiden ausgelassen, die Geschichte kann schließlich noch mit einigen neuen Protagonisten aufwarten. Vor allem Luces neue Nephilim - Mitschüler Shelby und Miles, haben es mir angetan. Miles hat einen sehr liebenswerten Charakter und heißt Luce von Anfang an mit offenen Armen in dem Internat willkommen. Er ist ein toller Zuhörer und wird ihr ein richtig guter, aufrichtiger Freund. Das gilt auch für Shelby, allerdings dauert es bei ihr wesentlich länger, weil sie Luce gegenüber zunächst Vorurteile hat und sich sehr abweisend ihr gegenüber verhält. Mit der Zeit lernt sie ihre Mitbewohnerin aber besser kennen und trotz der anfänglichen Differenzen bauen die Beiden eine sehr enge Beziehung zueinander auf. Ich mochte sie sehr, auch wenn sie mir ein bisschen wie ein Penn-Ersatz wirkte...
Beide Figuren wachsen einem total ans Herz und sie werden hoffentlich auch im nächsten Band wieder eine so große Rolle spielen.

"Das war also nun ihre Familie: alle diese Menschen, Engel und Dämonen, oder was auch immer. Egal wie es nun weitergehen würde, durch Gut und Böse, wie kompliziert alles sein mochte, mit sämtlichen Hochs und Tiefs - und manchmal eben auch mit großem Spaß. Genau wie ihr Vater gesagt hatte: Das gehört zum Leben."


Der Schreibstil hat mir in diesem Buch auf der einen Seite viel besser, und auf der anderen Seite viel schlechter gefallen, wie auch immer das möglich ist. Wo ich ihn in meiner Rezi zu Teil 1 noch als "durchschnittlich und einfach gehalten" beschrieben habe, würde ich hier weiter gehen und mich über die vielen schönen Fantasy-Beschreibungen freuen und vor allem die vielen Gänsehautsäte anpreisen, die sich hier ständig wiederfinden, sodass irgendwann mein ganzes Buch mit Post-its vollgeklebt war, die mir ein schönes Zitat anzeigen sollten. Durch das eher sonnigere Setting und durch die Abwesenheit von ultraschrägen Gestalten, ist aber leider auch die dunkle, geheimnisvolle Gothic-Atmosphäre von "Swort & Cross", die ich wirklich super fand, verloren gegangen.


"Das alles war so voller Erinnerungen, schön und traurig, und Luce wusste im Moment noch gar nicht, welchen Sinn diese merkwürdigen Zufälle ergaben, oder ob überhaupt. Nur eines wusste sie: dass sie sich nicht mehr verstecken wollte, weder vor sich selbst noch vor ihren Eltern; nicht vor Daniel und auch nicht vor denen, die ihr Böses wollten. (...) Sie war wieder sie selbst. Jetzt konnte es nach Hause gehen."


Fazit:

Also was bleibt nach diesem Buch, zudem ich während des Lesens so oft die Meinung geändert habe? Auf jeden Fall das Gefühl, dass bei diesem doch recht ansehnlichen Übergangsbuch mehr drin gewesen wäre...
Würde ich diese Reihe weiterempfehlen?
Hmm, ich bin noch unentschieden: Mal sehen, was die anderen Bände so liefern...

Veröffentlicht am 17.10.2017

Liebe in der Vergangenheit, Gegenwart aber auch Zukunft?

Engelsmorgen
0 0

Allgemeines:

Titel: Engelsmorgen
Autor: Lauren Kate
Verlag: Heyne Verlag (10. Dezember 2012)
Genre: Fantasy
ISBN-10: 3453529863
ISBN-13: 978-3453529861
ASIN: B005MI6F1I
Seitenzahl: 464 Seiten
Vom Hersteller ...

Allgemeines:

Titel: Engelsmorgen
Autor: Lauren Kate
Verlag: Heyne Verlag (10. Dezember 2012)
Genre: Fantasy
ISBN-10: 3453529863
ISBN-13: 978-3453529861
ASIN: B005MI6F1I
Seitenzahl: 464 Seiten
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 13 - 16 Jahre
Originaltitel: Torment
Preis: 7,99€ (Kindle-Edition)
12,49€ (gebundene Ausgabe)
8,99€ (Taschenbuch)
Weitere Bände: " Engelsnacht", "Engelsflammen", "Engelslicht"



Inhalt:

Egal, wie viele Leben du hast: Der großen Liebe begegnest du nur einmal

Kaum hat Luce in dem gefallenen Engel Daniel ihre große Liebe gefunden, werden die beiden auch schon wieder getrennt: In Shoreline, einem Internat an der kalifornischen Küste, muss Luce sich verstecken, denn sie schwebt in höchster Gefahr. Während Daniel versucht, die Unsterblichen, die es auf sie abgesehen haben, zu besiegen, lernt Luce, in die Vergangenheit zu blicken. Doch je mehr sie über ihre und Daniels frühere Leben erfährt, desto mehr ahnt sie, dass er ein dunkles Geheimnis hütet – eines, das sie beide zu vernichten droht …


Bewertung:

DISCLAIMER: Achtung! Diese Rezension enthält große Spoiler für all jene, die "Engelsnacht" noch nicht gelesen haben! Solltest Du dazu gehören, rate ich Dir schleunigst mit dem Lesen dieser Rezension aufzuhören!

Nachdem die Reihe mit "Engelsnacht" einen Auftakt gefunden hatte, der mitreißt und Lust auf mehr macht, sein Potential jedoch nicht ganz ausschöpft, war ich wirklich sehr gespannt, was der zweiten Teil und habe mir gleich die ganze Reihe angeschafft. Zwischenzeitlich habe ich mich ernsthaft gefragt, ob das nicht vielleicht ein Fehler gewesen sein könnte, denn es schien mir, als würde das Buch nochmal komplett von vorne starten, kam einfach nicht vom Fleck und versank in Klischees. Im letzten Drittel konnte mich die Geschichte jedoch wieder mitreißen, weshalb ich die Reihe auf keinen Fall aufgeben werde.

Erstmal wieder einige Worte zur Covergestaltung. Wieder ist das deutsche Design dem amerikanischen Original sehr ähnlich - dieselben wunderschönen grau-silber-Töne sind zu sehen, die dasselbe mystische Mädchen porträtieren. Durch die dunklen, eigentlich tristen aber dennoch sanft leuchtenden Farben, wirkt die Atmosphäre eher dunkel und kalt, jedoch mit einem leichten, erhabenen Hoffnungsschimmer. Dazu passt das Mädchen in dem dunklen Kleid mit den langen schwarzen Haaren perfekt, das dem Leser den Rücken zudreht, und ihre Hände in den Haaren vergraben hat. Die kleinen Vögel und das Setting im Wald, das wieder übernommen wurde, geben dem Bild noch ein wenig mehr Mystik, sodass man es beim Ansehen kaum mehr erwarten kann, das Buch endlich zu lesen. Kritisieren würde ich nur, dass Luces Haare eigentlich kurz und zwischenzeitlich blond gefärbt sind, was deshalb nicht so ganz passt. Auch innerhalb der Buchdeckel ist das Buch wieder sehr hübsch gestaltet. Jeden Kapitelanfang und Absatz zieren zwei geschwungene Engelsflügel, das Buch ist in einer angenehmen Größe bedruckt.


"Schwingt Flügel dann auf Flügel sich, mein und dein,
Wird aus Bedrängnis meiner Seele Flug sich lösen."
-George Herbert, Easter Wings-


Der Roman knüpft direkt an den letzten Teil an: Nach den traumatischen Ereignissen im Internat "Sword & Cross" wird Luce nur allzu schnell in einem neuen Internat gebunkert- Shoreline, ein wunderschöner Fleck an der kalifornischen Küste. Allerdings handelt es sich bei Shoreline nicht um eine gewöhnliche Bildungseinrichtung, denn neben Menschen gehen dort viele Nephilim - Nachfahren von Engeln bzw. Dämonen - zur Schule und auch der Lehrkörper kann sowohl einen Engel als auch einen Dämon bieten. Dort soll sie sich versteckt halten und mit ihren Mitschülern ganz normal den Unterricht besuchen, denn trotz des 18-tägigen Waffenstillstandes, den Daniel und Cam ausgehandelt haben, gibt eine einige, die Luce nach dem Leben trachten. Um Jagd auf sie zu machen, lässt er seine "Große Liebe" allein dort zurück und für Luce beginnt Zeit voller Zweifel und Fragen nach ihrer Vergangenheit. Als sie dank der furchterregenden Schatten, die sie schon ihr ganzes Leben lang begleitet haben, Einblick in ihre vorherigen Leben erhält und neue Freundschaften schließt, ahnt sie, dass Daniel ihr nicht die ganze Wahrheit erzählt hat. Und so geht sie auf die gefährliche Suche...

Wo der erste Teil recht düster in "Swort & Cross" gespielt hat, bekommen wir hier in Engelsmorgen ein viel freundlicheres Setting geboten. Im sonnigen Kalifornien scheint nun endlich alles heller und einfacher zu sein, die neue hübsche Elite - Schule könnte sich gar nicht mehr von der tristen Anstalt unterscheiden, die Luce zuvor besuchen musste. Doch ansonsten scheint sich einfach alles in etwas anderer Gestalt zu wiederholen, ohne dass irgendeine Weiterentwicklung zu Band 1 erkennbar gewesen wäre. Zu Beginn ist Luce ziemlich deprimiert vor Sehnsucht und findet sich nicht wirklich in ihrer neuen Umgebung zurecht, bis sie sich neue Freunde sucht und beginnt anzupassen. Daniel taucht immer mal wieder als Lichtgestalt auf, nur um etwas verdammt Machohaftes zu sagen und dann wieder in den Sternen zu verschwinden, während Cam einen auf dämonisch macht und sogar noch ein weiterer Typ auftaucht - also eigentlich alles wie im ersten Teil, nur eben weniger düster. Weitergehend werden auch keine Fragen beantwortet und nach neuen Informationen kann man auch vergeblich suchen. Das hat mich dann schon ein wenig enttäuscht.


"Immer die Sieger schreiben die Geschichte. Alles eine Sache des Blickwinkels. Was du für böse hältst, naja, für mich und die Unsrigen ist böse nur so ein Adjektiv, wie gut aus."


Die Geschichte bleibt also erstmal auf dem Boden, macht bloß geheimnisvolle wie verwirrende Andeutungen nur um dann Luces Alltagsprobleme zu schildern. Wer sich also auf viel Aktion oder viele Paranormal-Romance-Elemente freut, wird erstmal enttäuscht. Weder Paranormal noch Romance kommen hier zum Zug. Erst im letzten Drittel schafft es der Plot endlich, die Müdigkeit eines Einführungsbandes abzustreifen und konkret zu werden. Nach und nach kommt zumindest ein wenig Licht ins Dunkel. Es sind zwar immer noch unzählige Fragen offen, aber die Autorin gibt dem Leser immerhin endlich Raum für Spekulationen. Das Ende hat mir dann nochmal richtig gut gefallen.

Wieder zieht sich die abgebildete Handlung nur über einen auffallend kurzen Zeitraum von 18 Tagen - 18 Tagen an denen Waffenstillstand herrscht und sich Luce ganz auf sich konzentrieren kann. Im Mittelpunkt steht hier also eindeutig Luces Charakter, ihre Gedanken und Gefühle, die hier viel Platz bekommen. Man lernt ihre Persönlichkeit durch einen personaler Erzähler in diesem Teil durch intensive Erlebnisse viel näher kennen lernt, wodurch man sich auch besser mit ihr identifizieren kann. Ihren Hang zum Leichtsinn und ihre naive Besessenheit von Daniel haben mich schon im ersten Teil etwas gestört, doch insgesamt fand ich sie immer authentisch und liebenswürdig dargestellt. Sobald sie einen Moment Ruhe hat, beginnt sie nachzudenken, bekommt Zweifel, will mehr erfahren und fühlt sich eingesperrt, was von einem starken, selbstständigen Charakter zeugt, den sie immer mehr ausbildet. Durch ihren Aufenthalt in Shoreline erkennt Luce, dass die Welt nicht nur schwarz/weiß ist, sondern auch aus etlichen Grautönen besteht. Sie kann nicht alle Engel in die Schublade "gut" und alle Dämonen in die Schublade "böse" stecken, wie sie es bisher angenommen hatte. Eine ganz wesentliche Entwicklung und ein Vorankommen in ihrer Unwissenheit hätte ich mir von diesem Teil ganz klar erwartet, aber immerhin beginnt sie kritisch nachzudenken.


"Wenn Daniel sie küsste, spürte Luce durch und durch, dass er ihre Vergangenheit war. Wenn er sie fest umschlungen in seinen Armen hielt, wollte sie mit jeder Faser, dass er ihre Gegenwart war. Aber sobald ihre Lippen auseinandergingen, war sie sich nicht mehr wirklich sicher, ob er auch ihre Zukunft war."


Während mir also Luce gerade ab der Mitte sehr gut gefallen hat, muss Daniel aber immens an Sympathie einbüßen. Als er beginnt, sich unfassbar machohaft und oberflächlich zu verhalten und sich in seinem männlichen Beschützertrip so sehr verirrt, dass es selbst mit der im ersten Drittel immer noch bewundernd zu ihrem Engel Daniel hochschauenden Luce, die alles mit sich machen lässt, noch Streit gibt, hat er mich ein wenig angekotzt. Es ist zwar durchaus verständlich, dass er Luce um jeden Preis beschützen will, nach dem er sie schon so oft hat sterben sehen, ohne etwas dagegen tun zu können, aber er kann nicht von Luce erwarten, dass sie ihm blind gehorcht und einfach alles was er befiehlt hinnimmt, ohne irgendwelche plausiblen Gründe dafür zu nennen. Dass Luce sich dann querstellt, als er sie wie ein Kind behandelt, sie auf eigene Faust nach Informationen über ihr Leben sucht, wenn er sie über alles in Unwissenheit lässt, sie ihm nicht mehr wirklich vertraut, wenn er sie belügt und ihr alles Mögliche verschweigt, kann man ihr nicht übel nehmen.
So fand ich es ein wichtiger Schritt, dass Luce endlich beginnt an Daniel zu zweifeln und sich fragt, ob er wirklich das Richtige für sie ist. Was weiß sie schon wirklich über ihn? Was verbindet sie, abgesehen von ihrer gemeinsamen Vergangenheit, von der Luce aber nichts weiß, miteinander? Würde sie ihn auch lieben, wenn es diese früheren Leben nicht gäbe? Ihre Begegnungen laufen zudem immer nach dem gleichen Schema ab, das ein Amazon-Kunde wirklich wunderbar, wenn auch leicht übertrieben dargestellt hat:

Daniel: "Warum hast du das gemacht? Das war gefährlich!"
Luce: "Schreibe mir nicht immer vor, was ich zu tun habe.
Warum erzählst du zur Abwechslung nicht einmal etwas über unsere Vergangenheit?
Ich habe manchmal das Gefühl, ich kenne dich gar nicht richtig. Wie sollen wir da eine Beziehung führen?"
Daniel: "Luce..." küsst sie
Luce: schmacht "Oh, Daniel ist so toll und seine Flügel sind so schön...
Alles andere ist egal, solange ich nur mit ihm zusammen sein kann."
Daniel: fliegt wieder davon
Luce: "Mist! Ich habe wieder nichts über meine früheren Leben erfahren..."

Bevor Daniel und Luce überhaupt zueinander finden konnten, entfernen sich die beiden immer mehr voneinander und Luce bemerkt, dass sie eigentlich gar nichts über ihn weiß, ihn nicht wirklich kennt, was sie angesichts der überdimensional großen Liebe, die die beiden empfinden etwas verstört. Auch für den Leser ist es höchst seltsam zu lesen, welch wunderbare himmlische Liebe die beiden verbindet, wo sie doch noch nicht mal ein normales Gespräch führen können und scheinbar nichts gemeinsam haben. Die Entwicklung der Liebesgeschichte fand ich also sehr interessant. Nachdem ich mich schon über die oberflächlichen Rollenbilder aufgeregt hatte, bekommt Luce die Kurve und das Ganze scheint nochmal interessant zu werden. Ich hoffe, das tut sie nicht bald wieder als Irrglaube ab und verwandelt sich wieder in das schmachtende Girly, sondern bleibt weiter kritisch. Wenn sich eine ähnliche Wendung vollziehen würde wie in zum Beispiel "Das Reich der sieben Höfe" oder "Kuss der Göttin", würde mich das durchaus freuen. Da aber auf den nächsten Klapptexten immer noch von der "großen Liebe" die Rede ist, bin ich eher skeptisch... Mal sehen, ob Daniel meine Sympathie in den nächsten Teilen noch zurückgewinnen kann, sonst sieht es leider schlecht aus.


"Alles in Ordnung", flüsterte Daniel mit weicher Stimme. Seine Lippen berührten sacht ihre Lippen. "Ja", sie spürte, wie seine Flügel schlugen. "Du hast mich aufgefangen." "Ich werde dich immer auffangen und halten, wenn du fällst."


So, jetzt habe ich mich aber lange genug über die beiden ausgelassen, die Geschichte kann schließlich noch mit einigen neuen Protagonisten aufwarten. Vor allem Luces neue Nephilim - Mitschüler Shelby und Miles, haben es mir angetan. Miles hat einen sehr liebenswerten Charakter und heißt Luce von Anfang an mit offenen Armen in dem Internat willkommen. Er ist ein toller Zuhörer und wird ihr ein richtig guter, aufrichtiger Freund. Das gilt auch für Shelby, allerdings dauert es bei ihr wesentlich länger, weil sie Luce gegenüber zunächst Vorurteile hat und sich sehr abweisend ihr gegenüber verhält. Mit der Zeit lernt sie ihre Mitbewohnerin aber besser kennen und trotz der anfänglichen Differenzen bauen die Beiden eine sehr enge Beziehung zueinander auf. Ich mochte sie sehr, auch wenn sie mir ein bisschen wie ein Penn-Ersatz wirkte...
Beide Figuren wachsen einem total ans Herz und sie werden hoffentlich auch im nächsten Band wieder eine so große Rolle spielen.

"Das war also nun ihre Familie: alle diese Menschen, Engel und Dämonen, oder was auch immer. Egal wie es nun weitergehen würde, durch Gut und Böse, wie kompliziert alles sein mochte, mit sämtlichen Hochs und Tiefs - und manchmal eben auch mit großem Spaß. Genau wie ihr Vater gesagt hatte: Das gehört zum Leben."


Der Schreibstil hat mir in diesem Buch auf der einen Seite viel besser, und auf der anderen Seite viel schlechter gefallen, wie auch immer das möglich ist. Wo ich ihn in meiner Rezi zu Teil 1 noch als "durchschnittlich und einfach gehalten" beschrieben habe, würde ich hier weiter gehen und mich über die vielen schönen Fantasy-Beschreibungen freuen und vor allem die vielen Gänsehautsäte anpreisen, die sich hier ständig wiederfinden, sodass irgendwann mein ganzes Buch mit Post-its vollgeklebt war, die mir ein schönes Zitat anzeigen sollten. Durch das eher sonnigere Setting und durch die Abwesenheit von ultraschrägen Gestalten, ist aber leider auch die dunkle, geheimnisvolle Gothic-Atmosphäre von "Swort & Cross", die ich wirklich super fand, verloren gegangen.


"Das alles war so voller Erinnerungen, schön und traurig, und Luce wusste im Moment noch gar nicht, welchen Sinn diese merkwürdigen Zufälle ergaben, oder ob überhaupt. Nur eines wusste sie: dass sie sich nicht mehr verstecken wollte, weder vor sich selbst noch vor ihren Eltern; nicht vor Daniel und auch nicht vor denen, die ihr Böses wollten. (...) Sie war wieder sie selbst. Jetzt konnte es nach Hause gehen."


Fazit:

Also was bleibt nach diesem Buch, zudem ich während des Lesens so oft die Meinung geändert habe? Auf jeden Fall das Gefühl, dass bei diesem doch recht ansehnlichen Übergangsbuch mehr drin gewesen wäre...
Würde ich diese Reihe weiterempfehlen?
Hmm, ich bin noch unentschieden: Mal sehen, was die anderen Bände so liefern...