Profilbild von Wordworld_Sophia

Wordworld_Sophia

Lesejury Star
offline

Wordworld_Sophia ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Wordworld_Sophia über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.02.2026

Ein queer-feministischer Denkanstoß und differenzierte Orientierungshilfe

Lesbisch werden in zehn Schritten
0

Mit "Lesbisch werden in zehn Schritten" legt Louise Morel weniger einen klassischen Ratgeber als vielmehr eine essayistische, hochpolitische Dekonstruktion von Heteronormativität vor. Hinter dem gezielt ...

Mit "Lesbisch werden in zehn Schritten" legt Louise Morel weniger einen klassischen Ratgeber als vielmehr eine essayistische, hochpolitische Dekonstruktion von Heteronormativität vor. Hinter dem gezielt provokanten, doch auch leicht irreführenden Titel verbergen sich nämlich weniger konkrete Anleitungen oder Ratschläge, sondern eine kluge Einführung in queer-feministische Denkweisen und den politischen Lesbianismus.

Dafür werden in zehn Überkapiteln autobiografische Erfahrungen der Autorin mit theoretischen Überlegungen verbunden, die dazu einladen, die eigene Sexualität und Identität, aber vor allem die Art und Weise, wie wir im Patriarchat Beziehungen gestalten zu hinterfragen. Louise Morel bietet uns also praktisch mit ihrer Liebeserklärung ans lesbische Leben den ultimativen Ausbruch aus dem Patriarchat an. Eine reizvolle Vorstellung, die jedoch an manchen Stellen durch eigene Erfahrungen etwas zu stark romantisiert wird. Auch stilistisch schwankt der Text zwischen Essay und Selbstbericht und ist gelegentlich etwas derb geraten. Manche etwas gewöhnungsbedürftige Formulierungen werden vermutlich der Übersetzung aus dem Französischen geschuldet sein.

Nichtsdestotrotz war es eine kurzweilige und hochinformative Lektüre. Besonders spannend finde ich ihre äußerst bedachte Auseinandersetzung mit der Frage, ob Sexualität als gegeben oder veränderbar verstanden werden sollte und welche Implikationen das in der aktuellen politischen Laga hat. Die "born this way"-Annahme wurde in den letzten Jahren nicht zuletzt wissenschaftlich widerlegt, was besonders im Zuge von zunehmender Queerfeindlichkeit einige Fragen aufwirft. Denn wenn man homosexuell "werden" kann, könnte man ja auch theoretisch heterosexuell werden, was die Tür für Konversionstherapien und problematische Narrative öffnet. Allerdings ist eine festes und unveränderliches Verständnis von Sexualität nun mal ebenfalls nicht haltbar.

Dieses Buch versucht in diesem Spannungsfeld Orientierung zu geben und den eigenen Horizont zu erweitern. Damit richtet es sich in erster Linie an Personen, die sich gerade in einem Queer Awakening befinden, liefert aber generell sinnvolle Denkanstöße und Inhalte für Hetero-Personen genau wie für Allies und Personen der LGBTQIA+-Community. Außerdem ist das Label "lesbisch" hier sehr weit definiert und bietet einen intersektionalen, trans- und bi/pan-inklusiven Blickwinkel, der undogmatisch jede Menge Raum für individuelle Deutungen und Lebensentwürfe lässt.

"Anstatt uns für die Kraft und Erfolge der anderen zu freuen, lernen wir, sie als Ansporn für ein Wetteifern zu begreifen. Auf die gleiche Weise wie der Kapitalismus Arbeiterinnen in die Konkurrenz treibt, um zu verhindern, dass sie sich auflehnen, sät das Patriarchat Zwietracht zwischen Frauen und FLINTAs, um die eigene Herrschaft zu sichern."


Fazit*

"Lesbisch werden in zehn Schritten" liest sich weniger als Ratgeber, sondern eher als queer-feministischer Denkanstoß, differenzierte Orientierungshilfe und Einladung, gewohnte Vorstellungen von Liebe und Begehren neu zu denken.

Veröffentlicht am 06.02.2026

Ein ermüdendes Leseerlebnis ohne wirklichen erzählerischen Mehrwert ...

Woman Down
0

"Woman Down" ist Colleen Hoovers erster Roman nachdem sie sich im Zuge des Shitstorms um "It ends with us" aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat. Um ehrlich zu sein habe ich dieses Buch mehr aus Neugierde ...

"Woman Down" ist Colleen Hoovers erster Roman nachdem sie sich im Zuge des Shitstorms um "It ends with us" aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat. Um ehrlich zu sein habe ich dieses Buch mehr aus Neugierde gelesen, als aus ehrlichem Interesse, was wohl der Autorin gegenüber auch nicht ganz fair ist, aber here we go.

Zunächst ist es wichtig zu wissen, dass "Woman Down" auf der Kurzgeschichte "Saint" basiert, die 2024 in der Sammlung "Nur noch wenige Tage" erschienen ist. Ich habe die Kurzgeschichte damals ebenfalls gehört und fand, dass sie durchaus das Potenzial für einen Roman in voller Länge hatte. Was die Autorin aus der Geschichte gemacht hat, kann ich trotz niedriger Erwartungen aber nicht wirklich weiterempfehlen... In ihrem Vorwort schreibt die Autorin, dass sie die bereits bekannte Geschichte soweit ergänzt und abgewandelt hat, sodass auch LeserInnen, die bereits "Saint" kennen, ihren Spaß haben werden. Vielleicht liegt es an meiner etwas verblassten Erinnerung, aber ich habe außer einigen Ausschmückungen und zusätzlichen Szenen leider keine besonders großen Änderungen entdeckt, sodass die Handlung für mich alles in allem ziemlich vorhersehbar war. Ich hatte eigentlich erwartet, dass der Handlung eine zusätzliche Dimension oder einen neuen Spin hinzugefügt werden würde. Denn was als Kurzgeschichte noch recht gut funktioniert hat - die aus dem Nichts kommenden Wendungen, die ungelösten Konflikte, das offene Ende - liest sich in Romanform einfach nur faul. Wer sich also vom Klapptext angesprochen gefühlt hat, dem kann ich eher zur Kurzgeschichte raten.

Auch der generelle Stil konnte mich leider nicht überzeugen. In "Woman Down" versucht Colleen Hoover gewollt abgründig zu sein, erzählt aber einen recht eindimensionalen Konflikt, der weitaus weniger komplex ist und deutlich weniger Durchschlagskraft hat als das beispielsweise in "Verity" der Fall war. Durchaus interessant ist allerdings, wie hier die Grenzen zwischen Fiktion und Realität hier verschwimmen. Sowohl zwischen Petra und deren Romanfigur Raya, deren Geschichte sie mit Saint als Rollenspiel auslebt, das immer mehr entgleist, als auch zwischen der Protagonistin und Colleen Hoover, die stark von ihren eigenen Erlebnissen, den Diskussionen um ihre letzte Buchverfilmung und den Shitstorm, inspiriert wurde, ist bald nicht mehr klar, was echt und was erfunden ist. Auch wenn die Autorin gleich vorweg klarstellt, dass wir die Parallelen zwischen ihr und Petra nicht überinterpretieren sollen, würde ich dieses Buch durchaus als Stellungnahme hinter vorgeschobener Fiktionalität betrachten, was ich eigentlich ganz clever finde. Unbedingt lesen muss man die Geschichte deshalb aber nicht.

"Die ganze Szene wirkt surreal, als wären wir in eine Parallelwelt versetzt worden, in der das hier unser Leben ist: gemeinsam Wein trinken, uns küssen, eine Geschichte spielen, die nicht unsere ist”

Das liegt auch an den Figuren: Petra ist keine Figur, die man ins Herz schließt und ich bin mir leider nicht sicher, ob das so gewollt war, oder nicht. Sie versucht im ersten Viertel stark die Sympathie der LeserInnen zu erringen und rechtfertigt ihr Verhalten auch im weiteren Verlauf immer wieder mit fadenscheinigen Argumenten, allerdings erscheint sie dadurch nur umso mehr wie eine wehleidige, scheinheilige Frau ohne gesunde Grenzen. Sie als "strong female character" zu promoten finde ich geradezu einen Hohn. Saint wiederum ist eine völlig uninteressante, eindimensionale Projektionsfigur für Petras dunkle Sehnsüchte. Die Beziehung zwischen den beiden wirkt eher befremdlich als elektrisierend und Grenzüberschreitungen werden regelmäßig romantisiert und bleiben trotz kurzer Ansätze unreflektiert. Ich bin ja nach wie vor kein Fan von Dark Romance - und als das würde ich das Buch definitiv einordnen, ein Thriller wie beworben ist es definitiv nicht -, aber hier wäre auch figurentechnisch mehr drin gewesen.

"Dass wir diese Dinge im wahren Leben so nicht erleben wollen, bedeutet nicht, dass wir es nicht genießen können, von solchen Fantasien zu lesen."



Fazit:


Problematische Figurenzeichnung, eine langweilige, redundante Handlung und eine künstlich aufgeblasene Story machen „Woman Down“ zu einem ermüdenden Leseerlebnis ohne wirklichen erzählerischen Mehrwert - besonders wenn man die Kurgeschichte "Saint" schon kennt. Für Dark Romance und Colleen Hoover Fans würde ich eher zur Kurzgeschichte raten, ansonsten kann man sich das Buch aus meiner Sicht mit gutem Gewissen sparen.

Veröffentlicht am 25.01.2026

Eine einfache, aber sehr süße und vor allem herrlich nerdige Wohlfühlgeschichte!

Dating & Dragons
0

Die dreibändige "Gaming & Romance" Reihe von Kristy Boyce ist für mich Dungeons & Dragons Fan geradezu eine Pflichtlektüre. Da mich der Klapptext von "Dating & Dragons" am meisten angesprochen hat und ...

Die dreibändige "Gaming & Romance" Reihe von Kristy Boyce ist für mich Dungeons & Dragons Fan geradezu eine Pflichtlektüre. Da mich der Klapptext von "Dating & Dragons" am meisten angesprochen hat und die Bände unabhängig voneinander gelesen werden können, habe ich mit diesem Teil begonnen, werde aber wahrscheinlich auch in "Dungeons & Drama" und "Rolls & Rivalry" reinlesen. Denn die Autorin erzählt hier eine gemütliche und herrlich nerdy Wohlfühlgeschichte, die man einfach lieben muss. Zwar ist die Handlung typisch YA-Romance und plätschert etwas auf ein vorhersehbares Happy End zu. Mit Quinns Start in die neue Schule, Ausflügen mit ihren neuen Freunden, etwas Familiendrama, einer süßen Romanze und natürlich der D&D-Kampagne ist auf den gut 300 Seiten aber trotzdem einiges los.

"I’m not sure how many more times I can sit across that D&D table from you and hold myself back from kissing you.”

Kristy Boyce verwendet ein entspanntes Erzähltempo, jugendliche Sprache und Themen, die sich vor allem an junge Nerdfans richtet. Mit D&D, dem Basteln von Schmuck, selbstgestrickten Mützen, alternativer Mode, Comic Con und Gruppenkostümen Kostüme ist hier alles vertreten, was das junge Nerdherz begehrt. Zwar hätte ich gerne noch mehr von den tatsächlichen D&D-Sessions gelesen, da diese meine Highlights des Buches waren, aber insgesamt hat es mir gut gefallen.

“All we can do is live it." She looks straight in my eyes, her expression almost stern. "Live your life, Quinn. Every minute of it. Don’t drift through it—live it”


Die Hauptfigur Quinn ist eine nachvollziehbare 16jährige, die die Schule, eine neue Freundesgruppe, die Beziehung zu ihrem Bruder und ihrer Oma jonglieren und gleichzeitig mit ihrer alten D&D-Gruppe abschließen muss. Mir hat gut gefallen, dass sie noch weitere Baustellen hat als nur die Romanze und außerdem auch recht reife Entscheidungen trifft für ihr Alter. Ihr Love Interest Logan ist sehr süß, bleibt aber als Figur ein wenig blass. Als Teil der kunterbunten, lebendigen D&D Gruppe hat er mir aber wunderbar gefallen - ich hätte am liebsten mitgespielt. Das wahre Highlight ist aber sowieso Quinns Oma Barbara, die alle in den Schatten stellt. Ich hoffe, ich bin mal genau wie sie, wenn ich auf die 70 zugehe!

"I miss having people who already know me well enough that I don’t have to explain anything about my life—they just get it."



Fazit


"Dating & Dragons" ist eine einfache, aber sehr süße und vor allem herrlich nerdige Wohlfühlgeschichte, die D&D-Fans sicherlich gefallen wird!

Veröffentlicht am 25.01.2026

Eine einfache, aber sehr süße und vor allem herrlich nerdige Wohlfühlgeschichte!

Dating & Dragons
0

Die dreibändige "Gaming & Romance" Reihe von Kristy Boyce ist für mich Dungeons & Dragons Fan geradezu eine Pflichtlektüre. Da mich der Klapptext von "Dating & Dragons" am meisten angesprochen hat und ...

Die dreibändige "Gaming & Romance" Reihe von Kristy Boyce ist für mich Dungeons & Dragons Fan geradezu eine Pflichtlektüre. Da mich der Klapptext von "Dating & Dragons" am meisten angesprochen hat und die Bände unabhängig voneinander gelesen werden können, habe ich mit diesem Teil begonnen, werde aber wahrscheinlich auch in "Dungeons & Drama" und "Rolls & Rivalry" reinlesen. Denn die Autorin erzählt hier eine gemütliche und herrlich nerdy Wohlfühlgeschichte, die man einfach lieben muss. Zwar ist die Handlung typisch YA-Romance und plätschert etwas auf ein vorhersehbares Happy End zu. Mit Quinns Start in die neue Schule, Ausflügen mit ihren neuen Freunden, etwas Familiendrama, einer süßen Romanze und natürlich der D&D-Kampagne ist auf den gut 300 Seiten aber trotzdem einiges los.

"I’m not sure how many more times I can sit across that D&D table from you and hold myself back from kissing you.”

Kristy Boyce verwendet ein entspanntes Erzähltempo, jugendliche Sprache und Themen, die sich vor allem an junge Nerdfans richtet. Mit D&D, dem Basteln von Schmuck, selbstgestrickten Mützen, alternativer Mode, Comic Con und Gruppenkostümen Kostüme ist hier alles vertreten, was das junge Nerdherz begehrt. Zwar hätte ich gerne noch mehr von den tatsächlichen D&D-Sessions gelesen, da diese meine Highlights des Buches waren, aber insgesamt hat es mir gut gefallen.

“All we can do is live it." She looks straight in my eyes, her expression almost stern. "Live your life, Quinn. Every minute of it. Don’t drift through it—live it”


Die Hauptfigur Quinn ist eine nachvollziehbare 16jährige, die die Schule, eine neue Freundesgruppe, die Beziehung zu ihrem Bruder und ihrer Oma jonglieren und gleichzeitig mit ihrer alten D&D-Gruppe abschließen muss. Mir hat gut gefallen, dass sie noch weitere Baustellen hat als nur die Romanze und außerdem auch recht reife Entscheidungen trifft für ihr Alter. Ihr Love Interest Logan ist sehr süß, bleibt aber als Figur ein wenig blass. Als Teil der kunterbunten, lebendigen D&D Gruppe hat er mir aber wunderbar gefallen - ich hätte am liebsten mitgespielt. Das wahre Highlight ist aber sowieso Quinns Oma Barbara, die alle in den Schatten stellt. Ich hoffe, ich bin mal genau wie sie, wenn ich auf die 70 zugehe!

"I miss having people who already know me well enough that I don’t have to explain anything about my life—they just get it."



Fazit


"Dating & Dragons" ist eine einfache, aber sehr süße und vor allem herrlich nerdige Wohlfühlgeschichte, die D&D-Fans sicherlich gefallen wird!

Veröffentlicht am 22.01.2026

Ein gut lesbares, anregendes Sachbuch über fanatische Sprache

Cultish. Fanatische Sprache und woran wir sie erkennen
0

In "Cultish: The Language of Fanaticism" erklärt Amanda Montell, wie Sprache eingesetzt wird, um Menschen emotional zu binden und fanatische Gruppenzugehörigkeit zu erzeugen. Die Grundidee, dass nicht ...

In "Cultish: The Language of Fanaticism" erklärt Amanda Montell, wie Sprache eingesetzt wird, um Menschen emotional zu binden und fanatische Gruppenzugehörigkeit zu erzeugen. Die Grundidee, dass nicht Ideologien allein, sondern vor allem sprachliche Mechanismen Fanatismus begünstigen, hat mich sofort angesprochen und ich habe mich gerne 309 Seiten lang mit der Autorin auf den Weg gemacht zu ergründen, wie dies geschieht.

"From the crafty redefinition of existing words (and the invention of new ones) to powerful euphemisms, secret codes, renamings, buzzwords, chants and mantras, ‘speaking in tongues,’ forced silence, even hashtags, language is the key means by which all degrees of cultlike influence occur.”


Im ersten Teil wird zunächst definiert, was unter „Kult“ überhaupt zu verstehen ist und wie sich die Bedeutung des ursprünglich neutralen Begriffs historisch von einer stark negativ konnotierten Bezeichnung bis hin zu einem heute oft ironisch oder popkulturell verwendeten Schlagwort gewandelt hat. Dafür greift die Autorin auch verschiedene bekannte, überwiegend amerikanische, Kulte auf. Einige, wie beispielsweise Scientology, waren mir bereits bekannt, von anderen hörte ich aber zum ersten Mal. Auch wenn sie diese Sekten-Vorstellungen als Grundlage für ihre Analysen nutzt, fand ich diese Abschnitte etwas lang geraten, da sie sich mehr nach effektheischender True-Crime-Dokumentation als nach linguistischem Sachbuch liest.

"That’s because language doesn’t work to manipulate people into believing things they don’t want to believe; instead, it gives them license to believe ideas they’re already open to. Language—both literal and figurative, well-intentioned and ill-intentioned, politically correct and politically incorrect—reshapes a person’s reality only if they are in an ideological place where that reshaping is welcome.”


Deutlich gewinnbringender fand ich hingegen die Abschnitte, in denen die Mechanismen kultischer Sprache auf andere gesellschaftliche Bereiche übertragen werden. Die Autorin arbeitet anhand von Beispielen aus Influencer-Kultur, CrossFit oder Pyramidensystemen heraus, dass fanatische Sprache nicht auf religiöse Kulte beschränkt ist, sondern ebenso in Marketing, Social Media, Politik, Sport, Lifestyle-Kults oder Multi-Level-Marketing-Strukturen eingesetzt wird. Eben in allen Bereichen, die das menschliche Verlangen nach einer starken Gruppenzugehörigkeit ausnutzen und Sprache subtil und gleichzeitig wirkungsvoll Sprache als Machtinstrument einsetzen, um Personen zu isolieren, Abgrenzung zu verstärken und Kritik zu delegitimieren.

"The biggest joke in religious studies is that cult + time = religion.”


Das ist denke ich der größte Gewinn des Buches: Es schärft die Aufmerksamkeit dafür, wie allgegenwärtig kultische Sprachmuster auch außerhalb offensichtlicher Extremfälle sind. Allerdings steht die kultische Sprache dabei nicht ganz so sehr im Mittelpunkt wie der Titel vermuten lässt. Eine systematische sprachwissenschaftliche Analyse findet kaum statt, stattdessen dominieren persönliche Anekdoten, Gespräche und eher lose Beobachtungen. Der Aufbau wirkt stellenweise unsystematisch und hätte von einer klareren Struktur und stärkeren Fokussierung profitiert. Trotz dieser Schwächen halte ich "Cultish" für ein gelungenes und wichtiges Buch zu kulturell-kritischer Bewusstseinsarbeit. Amanda Montell gelingt es, komplexe Mechanismen verständlich darzustellen und uns Leser:innen dafür zu sensibilisieren, wie Sprache Zugehörigkeit, Loyalität und Abhängigkeit erzeugen kann.


Fazit


Cultish ist ein gut lesbares, anregendes Sachbuch, das weniger durch sprachwissenschaftliche Tiefe als durch seine Fähigkeit überzeugt, gut zugänglich für die allgegenwärtige Macht manipulativer Sprache in Kulten und kultähnlichen Strukturen zu sensibilisieren.