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Veröffentlicht am 09.12.2019

Charmant, witzig, ehrlich - aber leider mit einigen Schwächen!

Lizzy Carbon und der Klub der Verlierer - Band 1
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Wer sich vielleicht wundert, warum ich in letzter Zeit so viele Kinder-/Jugendromane lese - ich habe beim SuB-Abbauen noch ein tolles Paket vom Magellan Verlag gefunden, das mir (2016!!!!) drei Jugendromane ...

Wer sich vielleicht wundert, warum ich in letzter Zeit so viele Kinder-/Jugendromane lese - ich habe beim SuB-Abbauen noch ein tolles Paket vom Magellan Verlag gefunden, das mir (2016!!!!) drei Jugendromane eingebracht hat. Jetzt entspreche ich natürlich leider nicht mehr ganz der Zielgruppe (dank galaktisch langer Gammelzeit auf meinem SuB), musste mich den süßen Geschichten aber trotzdem unbedingt noch annehmen. Mein Fazit zu dieser Geschichte: charmant, witzig und ehrlich - wird aber den eigenen Ansprüchen nicht ganz gerecht.

Das Cover ist wie immer aus dem Magellan Verlag sehr aufwändig, liebevoll und süß gestaltet. In rosa und blau gehalten sind Tagebuchmotive, verspielte Kringel und Ranken zu sehen, was einen bunten Blickfang ergibt. Auch der Titel macht neugierig und deutet schon an, dass es wahrscheinlich eine Reihe wird. Durch verschiedene Schriftarten werden Lizzys Tagebucheinträge und ihre Erzählungen aus der Ich-Perspektive visuell voneinander abgegrenzt. Der kleine Countdown, der den Kapitelüberschriften angefügt ist, gibt an, wie viele Tage noch bis zum Schulfest verbleiben, bei dem Lizzy und ihr neu gegründeter Klub der Verlierer ihre Ergebnisse vorstellen müssen. Insgesamt eine runde, nette Gestaltung, die der Zielgruppe (Mädchen im Alter von 11 bis 15 Jahren) angemessen ist.

Wir steigen durch einen ersten Tagebucheintrag Lizzys in die Geschichte ein und lernen, dass sie und ihre Freundin Krissi in der Nahrungskette der Mittelstufe ganz unten stehen, dass sie sich von ihren Eltern, ihrem Körper und ihrem ganzen Leben verraten fühlt - die üblichen Teeanger-Probleme eben. Als sie bei einer Assembly der Schule über die Verteilung von Ämtern in Projektgruppen ihren Unmut äußert ist es rum mit ihrem unsichtbaren, gemächlichen Außenseiterleben - sie soll ihre eigene Projektgruppe mit all denen gründen, die in ihren Gruppen gemobbt werden - ihren eigenen Klub der Verlierer. Doch ist das wirklich nur neue Art der Erniedrigung, ein weiteres Kapitel der Schande oder ist das endlich ihre Chance, allen zu beweisen, dass auch Außenseiter etwas können?


"Und deswegen sind wir das, was wir sind", sagte Carsten, während er die Hand an seinem gestreiften Pulli abwischte. "Man sieht bei uns das, was man bei sich selbst verheimlicht."


Im Klub der Verlierer lässt der Autor unsere impulsive, spontane, etwas verpeilte Protagonistin zusammen mit ihrer opportunistischen besten Freundin Krissi auf eine übergewichtige Frustesserin, einen popelessenden Nerd, eine stille Zeugin Jehovas, einen türkischen Sohn eines Imbissbesitzers und einen schüchternen Jasager treffen. Was diese Kombination aus liebenswerten, am Klischee vorbeigeschriebenen Außenseitern alles auf die Beine stellen kann, lässt nicht nur Lizzys Eltern, ihre Lehrer und Mitschüler sondern auch den Leser staunen. Mit originellen Ideen und einer sensiblen Befassung mit den ernsten Themen wie Mobbing, Ausgrenzung und Mut zum Anderssein lässt der Autor die 240 Seiten wie im Flug vergehen. Mit charmantem, lockerem Erzählstil und vielen Witzen schildert er die schulischen Abenteuer, persönlichen Katerstrophen, Gedanken und Gefühle aus dem Leben eines ganz normalen Teeangers, der vor allem eins will: endlich dazuzugehören. Die jugendliche Erzählerin macht Mut für alle Außenseiter, die sich (scheinbar auf sich alleine gestellt) durch die Irrungen und Wirrungen der Pubertät kämpfen.


Leider kann die Geschichte, den ernsten, wichtigen Themen, die sich der Autor vornimmt, nicht ganz gerecht werden. Wir erleben ehr Slapstick als cleveren Dialogwitz, die einzelnen Figuren wirken eher wie eine Parodie ihres zugrundeliegenden Klischees anstatt echten Tiefgang aufzubauen und der Humor geht oft auf die Kosten der Protagonisten. Hauptziel für die Witze des Autors ist die Protagonistin Lizzy, die leider etwas blass bleibt und mit der ich mich (vielleicht aufgrund des Alters?) nicht identifizieren konnte, da sie stellenweise widersprüchlich und unglaubwürdig wirkt. Ihre Ausdruckweise und ihr Hintergrundwissen passen oftmals nicht damit zusammen, wie sie sich benimmt, sich selbst sieht und wie sie auch durch ihre schulischen Noten beschrieben wird. Da sie aber erst am Anfang der Pubertät steht und noch viel Entwicklung, viele Probleme, Katastrophen, Glücksmomente und Offenbarungen vor sich hat, wird wohl auch viel ihrer Charakterisierung auf die zwei folgenden Teile verschoben.
Außerdem zieht sich der Mittelteil trotz der geringen Seitenanzahl ein bisschen, da zeitweise nicht viel Neues passiert und das Ende, das interessante Ideen und eine Wendung, die man nicht kommen sieht, beinhaltet, gerät dagegen etwas kurz. Die N-Experience hätte ich mir etwas ausführlicher gewünscht - so dahingestellt wirkt da Ende einfach nicht ganz rund und teilweise fragwürdig.




Fazit:

Mit charmantem, lockerem Erzählstil und vielen Witzen schildert er die schulischen Abenteuer, persönlichen Katerstrophen, Gedanken und Gefühle aus dem Leben eines ganz normalen Teeangers, der vor allem eins will: endlich dazuzugehören. Die jugendliche Erzählerin macht Mut für alle Außenseiter, die sich (scheinbar auf sich alleine gestellt) durch die Irrungen und Wirrungen der Pubertät kämpfen.

Leider störten mich aber Widersprüche, fehlender Tiefgang und Schwächen in der Handlungskonzeption zu sehr, um ein wirklicher Fan der Geschichte zu werden.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.12.2019

Charmant, witzig, ehrlich - aber leider mit einigen Schwächen!

Lizzy Carbon und der Klub der Verlierer - Band 1
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Wer sich vielleicht wundert, warum ich in letzter Zeit so viele Kinder-/Jugendromane lese - ich habe beim SuB-Abbauen noch ein tolles Paket vom Magellan Verlag gefunden, das mir (2016!!!!) drei Jugendromane ...

Wer sich vielleicht wundert, warum ich in letzter Zeit so viele Kinder-/Jugendromane lese - ich habe beim SuB-Abbauen noch ein tolles Paket vom Magellan Verlag gefunden, das mir (2016!!!!) drei Jugendromane eingebracht hat. Jetzt entspreche ich natürlich leider nicht mehr ganz der Zielgruppe (dank galaktisch langer Gammelzeit auf meinem SuB), musste mich den süßen Geschichten aber trotzdem unbedingt noch annehmen. Mein Fazit zu dieser Geschichte: charmant, witzig und ehrlich - wird aber den eigenen Ansprüchen nicht ganz gerecht.

Das Cover ist wie immer aus dem Magellan Verlag sehr aufwändig, liebevoll und süß gestaltet. In rosa und blau gehalten sind Tagebuchmotive, verspielte Kringel und Ranken zu sehen, was einen bunten Blickfang ergibt. Auch der Titel macht neugierig und deutet schon an, dass es wahrscheinlich eine Reihe wird. Durch verschiedene Schriftarten werden Lizzys Tagebucheinträge und ihre Erzählungen aus der Ich-Perspektive visuell voneinander abgegrenzt. Der kleine Countdown, der den Kapitelüberschriften angefügt ist, gibt an, wie viele Tage noch bis zum Schulfest verbleiben, bei dem Lizzy und ihr neu gegründeter Klub der Verlierer ihre Ergebnisse vorstellen müssen. Insgesamt eine runde, nette Gestaltung, die der Zielgruppe (Mädchen im Alter von 11 bis 15 Jahren) angemessen ist.

Wir steigen durch einen ersten Tagebucheintrag Lizzys in die Geschichte ein und lernen, dass sie und ihre Freundin Krissi in der Nahrungskette der Mittelstufe ganz unten stehen, dass sie sich von ihren Eltern, ihrem Körper und ihrem ganzen Leben verraten fühlt - die üblichen Teeanger-Probleme eben. Als sie bei einer Assembly der Schule über die Verteilung von Ämtern in Projektgruppen ihren Unmut äußert ist es rum mit ihrem unsichtbaren, gemächlichen Außenseiterleben - sie soll ihre eigene Projektgruppe mit all denen gründen, die in ihren Gruppen gemobbt werden - ihren eigenen Klub der Verlierer. Doch ist das wirklich nur neue Art der Erniedrigung, ein weiteres Kapitel der Schande oder ist das endlich ihre Chance, allen zu beweisen, dass auch Außenseiter etwas können?


"Und deswegen sind wir das, was wir sind", sagte Carsten, während er die Hand an seinem gestreiften Pulli abwischte. "Man sieht bei uns das, was man bei sich selbst verheimlicht."


Im Klub der Verlierer lässt der Autor unsere impulsive, spontane, etwas verpeilte Protagonistin zusammen mit ihrer opportunistischen besten Freundin Krissi auf eine übergewichtige Frustesserin, einen popelessenden Nerd, eine stille Zeugin Jehovas, einen türkischen Sohn eines Imbissbesitzers und einen schüchternen Jasager treffen. Was diese Kombination aus liebenswerten, am Klischee vorbeigeschriebenen Außenseitern alles auf die Beine stellen kann, lässt nicht nur Lizzys Eltern, ihre Lehrer und Mitschüler sondern auch den Leser staunen. Mit originellen Ideen und einer sensiblen Befassung mit den ernsten Themen wie Mobbing, Ausgrenzung und Mut zum Anderssein lässt der Autor die 240 Seiten wie im Flug vergehen. Mit charmantem, lockerem Erzählstil und vielen Witzen schildert er die schulischen Abenteuer, persönlichen Katerstrophen, Gedanken und Gefühle aus dem Leben eines ganz normalen Teeangers, der vor allem eins will: endlich dazuzugehören. Die jugendliche Erzählerin macht Mut für alle Außenseiter, die sich (scheinbar auf sich alleine gestellt) durch die Irrungen und Wirrungen der Pubertät kämpfen.


Leider kann die Geschichte, den ernsten, wichtigen Themen, die sich der Autor vornimmt, nicht ganz gerecht werden. Wir erleben ehr Slapstick als cleveren Dialogwitz, die einzelnen Figuren wirken eher wie eine Parodie ihres zugrundeliegenden Klischees anstatt echten Tiefgang aufzubauen und der Humor geht oft auf die Kosten der Protagonisten. Hauptziel für die Witze des Autors ist die Protagonistin Lizzy, die leider etwas blass bleibt und mit der ich mich (vielleicht aufgrund des Alters?) nicht identifizieren konnte, da sie stellenweise widersprüchlich und unglaubwürdig wirkt. Ihre Ausdruckweise und ihr Hintergrundwissen passen oftmals nicht damit zusammen, wie sie sich benimmt, sich selbst sieht und wie sie auch durch ihre schulischen Noten beschrieben wird. Da sie aber erst am Anfang der Pubertät steht und noch viel Entwicklung, viele Probleme, Katastrophen, Glücksmomente und Offenbarungen vor sich hat, wird wohl auch viel ihrer Charakterisierung auf die zwei folgenden Teile verschoben.
Außerdem zieht sich der Mittelteil trotz der geringen Seitenanzahl ein bisschen, da zeitweise nicht viel Neues passiert und das Ende, das interessante Ideen und eine Wendung, die man nicht kommen sieht, beinhaltet, gerät dagegen etwas kurz. Die N-Experience hätte ich mir etwas ausführlicher gewünscht - so dahingestellt wirkt da Ende einfach nicht ganz rund und teilweise fragwürdig.




Fazit:

Mit charmantem, lockerem Erzählstil und vielen Witzen schildert er die schulischen Abenteuer, persönlichen Katerstrophen, Gedanken und Gefühle aus dem Leben eines ganz normalen Teeangers, der vor allem eins will: endlich dazuzugehören. Die jugendliche Erzählerin macht Mut für alle Außenseiter, die sich (scheinbar auf sich alleine gestellt) durch die Irrungen und Wirrungen der Pubertät kämpfen.

Leider störten mich aber Widersprüche, fehlender Tiefgang und Schwächen in der Handlungskonzeption zu sehr, um ein wirklicher Fan der Geschichte zu werden.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.12.2019

Authentisch, witzig, bunt und einfallsreich - ein herzerwärmender Ausflug ins Comic-Universum!

Die (beinahe) größte Liebesgeschichte des Universums
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"Die (beinahe) größte Liebesgeschichte des Universums" - eine Geschichte mit sperrigem Titel, irreführendem Cover und total überraschendem Inhalt, die leider viel zu lange auf meinem SuB versauert ist ...

"Die (beinahe) größte Liebesgeschichte des Universums" - eine Geschichte mit sperrigem Titel, irreführendem Cover und total überraschendem Inhalt, die leider viel zu lange auf meinem SuB versauert ist und es erst vor einigen Tagen in meine Aufmerksamkeit geschafft hat. Erwartet hat mich ein herzerwärmender Ausflug ins Comic-Universum, der mit viel Witz und Anspielungen das Nerdherz erfreut und gut unterhält.

Das Cover zeigt auf dunklem Grund verschiedene, liebevoll gezeichnete Elemente aus der Raumfahrt - eine Herzchen-Rakete, zwei Astronauten, Planeten und einige Sterne. Auch der Titel kommt durch weiße und rote Akzente auf dem schwarzen Grund gut zur Geltung. Insgesamt also eine wirklich schöne Gestaltung, die aber - und ja, es gibt ein großes ABER - für mich leider überhaupt nicht zu der witzigen Comic-Geschichte passt, die uns innerhalb der Buchdeckel erwartet. Schaut man sich das comicartige, klare Originalcover mit dem Jungen im Superman-Kostüm und roten Chucks vor der Skyline von New York an, könnte die verspielte, niedliche Gestaltung der deutschen Ausgabe mit den vielen Herzchen kaum unpassender sein und somit wohl vor allem männliche Teenager davon abhalten, zu dieser Geschichte zu greifen. Auch der Titel verliert durch die Übersetzung meiner Meinung nach den Pepp und Wiedererkennungswert des Originaltitels - "The Geek's Guide to Unrequited Love" (wörtlich übersetzt: "Die Streberanleitung zur unerwiderten Liebe"). Sehr nett sind zwar die illustrierten Kapitelanfänge, die die Gestaltung abrunden - leider können die Überschriften jedoch nicht mit den Comic-Fonds des Originals mithalten.


Erster Satz: "Ich weiß, wir sind schon ewig befreundet, Roxana."



So beginnt diese witzige, herzerwärmende Comic-Geschichte - indem uns der Ich-Erzähler Graham seine unsterbliche Liebe zu seiner besten Freundin und Comic-Partnerin gesteht. Um ihr endlich seine grenzenlose, epische Liebe zu gestehen und mit ihr zusammen in den Sonnenuntergang zu reiten, hat er sich einen ausgefeilten Plan zurecht gelegt: auf der diesjährigen NewYorker Comic Convention, die ihr gemeinsamer Lieblingsautor und Zeichner Robert Zinc besuchen wird, will er ihr durch die ultimative, perfekte Geste klarmachen, dass sie zusammengehören - nicht nur als Freunde. Was alles schief gehen kann, wenn ein nerdiger Teenager seine Liebe beweisen will, sichert uns Lesern ein unterhaltsames Lesevergnügen.



"Manchmal ist alles, was uns bleibt, das Wissen, dass in diesem Universum etwas Großartiges existiert, auch wenn es uns selbst verwehrt bleibt. Manchmal muss das genug sein"


Mit Graham haben wir einen typischen Geek, Nerd oder Freak als Hauptprotagonisten, der so herrlich unnormal normal ist, dass er jede Menge Identifizierungspotential für jugendliche Leser bereithält. Denn mal ehrlich - in jedem von uns steckt ja gewisser Maßen ein Fangirl/Fanboy und Sonderling. In Verbindung mit dem liebenswerten Objekt von Grahams Begierde Roxy, seinem genauso nerdigen, besten Streberfreund Casey, der perfekten Streberin Felicia und dem viel zu gutaussehenden Englänger Devin, haben wir einen diversen, bunten Strauß an Protagonisten, der uns viel Spaß verspricht. Besonders toll ist, dass die Autorin bei der Erstellung ihrer Protagonisten nicht nur extra an typischen Klischees vorbei schreibt, sondern diese auch aktiv aufs Korn nimmt und somit auch jedem Kitsch-Faktor gekonnt aus dem Weg geht.




"Alle hier - ob nun als Aliens, Zauberer, Zombies oder Superhelden verkleidet - wünschen sic doch mehr als alles andere, in einer solchen Geschichte zu landen, Teil von etwas Logischerem und Bedeutungsvollerem zu sein, als das wahre Leben es zu sein scheint. Denn selbst Welten, in denen es Drachen und Zeitmaschinen gibt, kommen einem manchmal geordneter vor als unsere eigene."






Etwas schade ist, dass die Geschichte fast den gesamten Zeitraum der Comic-Con abdeckt und es verpasst, die vier Tage Geschehnisse zu raffen. So wiederholen sich viele Erlebnisse der allgemein nicht sehr kompliziert gestrickten Handlung und auch das Ende ist recht vorhersehbar. Die Stärke
der Geschichte ist also weniger die Spannung sondern mehr der Humor und die erzählerische Leichtigkeit. Angesichts der vielen Wortwitze, der Situationskomik und des subtilen Humors, der die Ausschnitte aus Grahams Teenagerleben auflockern, kann man recht gut über die fehlende Tiefe hinwegsehen und sich gut amüsieren. Mit etlichen gekonnt platzierten Anspielungen auf Filme, Schauspieler, Superhelden, Serien, Comics und Bücher huldigt Sarvenaz Tash den Fankult und erfreut mein eigenes Nerd-Herz. Man muss aber schon ein bisschen Comic-/ Marvel-/ Fantasy-/ Science-Fiction-Fan sein um viele der Anspielungen verstehen zu können. Wie sehr der Autorin das Thema am Herzen liegt merkt man auch daran, dass sie sich für ihre Geschichte neue Künstler und eine komplette fiktive Comic-Serie ausgedacht hat, die als Mittelpunkt und Insiderwitz des Romans fungiert. Trotz dass ich noch nie auf einer Comic Convention war - schon gar nicht in New York -, konnte ich mich gut in die Situation einfühlen und wurde durch endloses Schlangenstehen, Fangespräche, Fanfiktion, Signierstunden, Workshops, überfüllte Hallen, Vorträge und Interviews sehr an meine Erfahrungen auf diversen Buchmessen erinnert.


Das Ende empfand ich als etwas kurz, abgewürgt und zu offen. Zwar passt es definitiv gut auf die Geschichte, ich hätte mir aber nach dem ganzen Aufblasen des Roxy-ewige-Liebe-Problems ein bisschen mehr Tiefe am Ende gewünscht. Nichtdestotrotz kann ich diese authentische, witzige, bunte, einfallsreiche Geschichte nur allen Jugendlichen auf der Suche nach einem netten, unterhaltsamen Zeitvertreib empfehlen!




Fazit:

Ein herzerwärmender Ausflug ins Comic-Universum, der mit viel Witz und Anspielungen das Nerdherz erfreut und gut unterhält. Authentisch, witzig, bunt und einfallsreich!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.12.2019

Der Traum geht weiter - bunter, intensiver, schöner und magischer als je zuvor!

Strange the Dreamer - Ein Traum von Liebe
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Laini Taylor träumte schon in "Strange the Dreamer - Der Junge der träumte" eine wundervolle Welt voller legendärer Mysterien über wütende Götter, gestohlenen Wörtern, verschwindenden Namen, unzerstörbarer ...

Laini Taylor träumte schon in "Strange the Dreamer - Der Junge der träumte" eine wundervolle Welt voller legendärer Mysterien über wütende Götter, gestohlenen Wörtern, verschwindenden Namen, unzerstörbarer Metalle, schrecklicher Albträume, gequälten Geistern, gefallenen Engeln, wunderschönen Monstern, gewiefter Alchemie und unglaublicher Magie herbei, sodass ich es kaum erwarten konnte, mit der Fortsetzung nach "Weep" zurückzukehren. Nun ging der Traum endlich weiter - bunter, intensiver, schöner und magischer als je zuvor!


"Du bist märchenhaft. Du bist magisch, mutig und wundervoll. Und...", fuhr er mit plötzlicher Schüchternheit fort, denn nur in einem Traum konnte er solche gewagten Worte überhaupt aussprechen: "... ich hoffe, du lässt mich Teil deiner Geschichte sein."


Vielleicht ist euch schon aufgefallen, dass die Geschichte, die im Original nur zwei Teile ("Strange the Dreamer" und "Muse of Nightmares") hat, im deutschen in vier Teile aufgeteilt wurde. Dieses Buch ist also die zweite Hälfte von "Strange the Dreamer" und die Reihe wird im nächsten Sommer durch die beiden Hälften von "Muse of Nightmares" fortgesetzt. Meiner Meinung nach wäre diese Trennung schlicht nicht nötig gewesen. Bei Fantasy-Reihen ist ein Buch mit über 600 Seiten absolut kein Problem und so sind die zwei Teile der Geschichte wirklich sehr dünn und wirken außerdem alleinstehend unvollständig abgewürgt. Die Handlung am Ende von Teil 1 bricht ohne Vorwarnung ab und lässt den Leser in der Luft hängen. So bin ich nun wirklich froh, mit dieser zweiten Hälfte den kompletten ersten Part der Geschichte vorliegen zu haben.

Abgesehen von der fragwürdigen Aufspaltung finde ich die sonstige Gestaltung einfach wunderschön! Das Cover ist dieses Mal glänzend golden und wieder von helleren Lichtbahnen durchzogen, die einen Hauch von Wissenschaft und Symmetrie hinzufügen. Im Mittelpunkt steht die blaue Form einer Motte, die in der Geschichte ein zentrales Motiv darstellt und die durch geometrische Muster aufgepeppt wurde. Wer die Gestaltung von Teil 1 und 2 vergleicht, wird also feststellen, dass die Farbgebung von Hintergrund und Highlights genau konträr ist, sich die Designs also wunderbar ergänzen. Sehr schön ist auch die ausgestaltete Titelseite, die durch fünf gezeichnete Motten geziert wird, deren Flügelmuster bei genauerem Hinsehen ein Gesicht ergeben. Die Kapitelanfänge werden ebenfalls durch die Motte geziert und die fantasievollen Überschriften zeigen auf, in welche Richtung sich die Geschichte bewegen wird. "Vipern und Engel", "Eine stille Apokalypse" oder "Pflaumengroße Wut" verbinden die beiden Polaritäten, die sich in meiner Lieblingsüberschrift widerspiegeln: "Wunderschön und voller Monster". Eine Protagonistin sagt an einer Stelle der Geschichte, alle wahren Geschichten seien wunderschön und voller Monster und Lazlo solle ihr etwas Wildes und Unglaubliches erträumen. Das hat sich die Autorin wohl auch als Maßstab gesetzt, denn die Geschichte, die Welt die sie für uns herbeiträumt wirkt wirklich wunderschön, monströs, morbide, sanft, farbenfroh und einfach - alles zugleich.


"Sie konnte die Wärme seiner Haut spüren. Eine aufflammende Verbindung, nein, eine Kollision. Als wären sie schon eine Ewigkeit durch dasselbe Labyrinth geirrt und hätten endlich eine Ecke umrundet, die sie aufeinandertreffen ließ. Eben noch war sie allein und verloren gewesen, jetzt nicht mehr."



Im ersten Abschnitt der Geschichte haben wir den jungen Träumer Lazlo kennengelernt, der durch eine schicksalhafte Fügung zum Ort seiner Träume - die verborgene Stadt Weep - aufbrechen kann, der durch die Mesarthim jahrzehntelang ihr Himmel, ihre Jugend, ihr Name und ihre Hoffnung gestohlen wurde. Nun in Weep angekommen muss er sich bald fragen, weshalb ihn sein Schicksal in die Stadt seiner Träume geführt hat und wie ausgerechnet er - der blasse Bibliothekar - die Stadt retten soll. Erst als ihm Sarai jede Nacht im Traum erscheint, beginnt er zu begreifen, wie tief verwurzelt der Hass zwischen Menschen und Mesarthim ist und was es kosten wird, diese Feindschaft zu überwinden. Auch Sarai, die hoch über der verfluchten Stadt in der verlassenen Zitadelle der Götter lebt und die Menschen von Weep jede Nacht in ihren Träumen besucht, steht vor einer wichtigen Entscheidung: will sie weiterhin ein Teil von Minyas Racheplan sein oder glaubt sie an das Gute in den Menschen? Mit der ersten wirklichen Begegnung von Sarai und Lazlo in ihren Träumen startet eine der schönsten Liebesgeschichten, die ich jemals verfolgen durfte - eingebettet ist ein magisches Setting und die Gewissheit, dass ihre Beziehung nicht gut gehen wird...


"Meine Vipern, meine Engel", nannte Ellen die Große sie gerne mit Kosenamen. Passend, denn sie waren beides gleichzeitig. Sie waren Geschöpfe aus Fleisch und Seele, aus Magie und aus Hunger, und ja... Spucke, alle auf engstem Raum eingeschlossen, ohne Ausweg. Ein Massaker lag hinter ihnen, ein weiteres stand ihnen bevor, und überall waren die Geister der Toten."


Wir starten eher gemächlich in die zweite Runde der Geschichte und konzentrieren uns vor allem auf die Beziehung zwischen Sarai und Lazlo. Während im ersten Teil eher die Abenteuerkomponente von Lazlos Reise und die Magie des Ergründens des Geheimnisses von Weep im Vordergrund standen, ist der zweite Teil eher eine Liebesgeschichte, die in einem spektakulären Showdown gipfelt. Der Titel "Ein Traum von Liebe" wird hier also definitiv Programm. Dabei wird die Erzählweise gleichzeitig süßer und ernster. Durch den Fokus auf Lazlo und Sarai ergreift eine zarte Sehnsucht, süße Hoffnung und Zärtlichkeit von der Handlung besitzt, auf der anderen Seite wird aber immer deutlicher, wie tief verwurzelt Hass und Rachedurst auf den beiden Seiten sind und wie verfahren die Situation ist. Dadurch ist dem Leser die fragile Zerbrechlichkeit der vielen kurzen Glücksmomente bewusst und die Angst vor dem Ausgang, der im Prolog in Band 1 schon angedeutet wurde, sorgt für eine intensive Hintergrundspannung. Dabei scheinen Laini Taylor Genregrenzen und Erzählgrundsätze nicht besonders wichtig zu sein, denn sie tanzt zwischen verschiedenen Genres und schildert unglaubliche Situationen, durch die die Geschichte wie ein einziger skurriler, kunterbunter, wunderschöner Traum, aus dem man gar nicht mehr erwachen will.



"Sie hatte das Gefühl, sich selbst ganz neu zu entdecken - kein unnatürliches Geschöpf, vor dem selbst Geister zurückschrecken, sondern ein Märchenwesen. Ein Gedicht. Solange der Traum nachwirkte, erschien alles möglich. Sogar Freiheit.
Sogar Liebe."


Laini Taylors unfassbarer Schreibstil, der zu den schönsten gehört, die ich jemals kosten durfte, trägt zur Schaffung dieses Gesamtbildes natürlich auch nicht unwesentlich bei. Legendäre Mysterien über wütende Götter, gestohlenen Wörtern, verschwindenden Namen, unzerstörbare Metalle, schreckliche Albträume, gequälte Geister, gefallene Engel, wunderschöne Monster, gewiefte Alchemie und unglaubliche Magie - sanft und poetisch, eindringlich und voll träumerischer Süße nimmt sie uns mit auf eine ereignisreiche Reise und entführt in die sagenumwobene Stadt Weep. Im Großen wie im Kleinen findet sie dabei großartige und manchmal auch absurde Sprachbilder, die uns ihr Setting oder die Gefühle der Protagonisten näher bringen und als weiteres Alleinstellungsmerkmal hervorstechen. Sie erzählt die Geschichte von zwei Liebenden in einer verfluchten Stadt geschickt gerafft in 348 Seiten und vermittelt dem Leser trotz Zeit- und Ortssprüngen das Gefühl von Ruhe und Gemächlichkeit. Dabei kommen auch detailreiche, bildhafte Ausschmückungen nicht zu kurz, sodass eine magische Atmosphäre entsteht, die dank der fabelhaften Übersetzung Ulrike Raimer-Noltes nicht leidet. Falls das überhaupt möglich sein sollte, wird ihr Schreibstil hier noch besser - denn diese Geschichte besteht praktisch nur aus diesem gewissen, magischen Etwas, dem fantastischen Prickeln, das man nur in wenigen Büchern findet.


"Sie sprach von einer Liebe, die die Seele aufblühen lässt wie der Frühling und reifen lässt wie der Sommer. Eine Liebe, wie sie kaum in der Wirklichkeit existierte, als habe ein meisterhafter Alchemist alle Unreinheiten, Enttäuschungen, Alltäglichkeiten und unwürdigen Gedanken herausgeköchelt, um ein perfektes Elixier zu erschaffen, zuckersüß, vielschichtig und verzehrend."



Fast noch wichtiger als Setting und Schreibstil sind die zwei wundervollen Protagonisten, die wir hier in vollkommen neuem Licht kennenlernen können. Mit feinfühligen Beschreibungen hebt Laini Taylor ihre beiden Protagonisten aus dem bunten Meer aus Träumereien, Göttern, Monstern und Geistern hervor und lässt sie lebendig werden. Dabei ist vor allem Lazlo fern ab von jeglichem Klischee konstruiert und unterscheidet sich drastisch von üblichen oder gar durchschnittlichen Protagonisten einer Fantasy-Serie. Der unscheinbare, unansehnliche Junge besitzt nichts als seine Geschichten, seine Träume, seine Fantasie, welche er tief im Herzen als seinen größten Schatz verwahrt und doch macht ihn das zur reichsten Person des ganzen Landes. Seine kindliche Ehrfurcht, die neugierige Begeisterung und die demütige Höflichkeit, mit der er der Welt begegnet nehmen den Leser sofort für diesen sanftmütigen, jungen Mann ein und garantieren, dass man mit ihm mitfiebert und dieser Figur von Herzen das Beste wünscht.


"Ich bin kein Traum", sagte Sarai. Ihre Stimme klang bitter. "Ich bin ein Albtraum."


Auch Sarai scheint nicht in die Welt zu passen, in der sie lebt - eingesperrt mit Monstern, die ihre Familie sind, in einem Schloss hoch über den Wolken. Genauso sehr wie sich Lazlo nach dem Absonderlichen und Wunderbaren streckt, sehnt sich danach, einfach normal zu sein und dazuzugehören. Durch die täglichen Besuche in den Träumen der Bewohner von Weep hat sie etwas gefunden, dass den schwelenden Hass, der in den Herzen der Götterkinder auch nach Jahren noch glüht, abgekühlt hat: Mitgefühl und Verständnis. Trotz des vielen Leids, Unverständnisses und Schams, von denen ihr Dasein geprägt ist, ist sie in der Lage, mit den Menschen mitzufühlen, die Minya gerne zu ihren Feinden erklärt und so wird auch sie zur zerrissenen, tragischen Heldin, die wie Lazlo auch einfach nur dazugehören will. Was passiert, als die beiden aufeinander treffen - lest selbst...


"Für Lazlo hatte es sich angefühlt, als hätte er ein Buch im Inneren eines anderen Buches entdeckt. Eine kleine, kostbare Rarität, die in einem gewöhnlichen Wälzer steckte. Zaubersprüche, geschrieben auf Libellenflügeln, verborgen in einem Kochbuch zwischen Rezepten für Kohlköpfe und Maiskolben. Für Lazlo stand fest: Ein Kuss, selbst der allerkürzeste, war ein kleiner Moment der Magie, eine Geschichte voller Zauber, eine wundersame Unterbrechung des Alltags."


Das Ende … ja das Ende ist nochmal eine Kategorie für sich. Wie auch der Rest der Geschichte begeistert es mit fantastischem Ideenreichtum, wortgewaltiger Sprache und tragischer Intensität. Anders als der träumerisch-süße Beginn es aber vermuten ließe, lassen und die Enthüllungen und Geschehnisse der letzten Seiten schockiert und hilflos zurück, sodass das Warten auf den nächsten Teil ("Muse of Nightmares - Das Geheimnis des Träumers" (29.06.2020)) mir jetzt schon unendlich lange erscheint.



Fazit:


Der Traum geht weiter - bunter, intensiver, schöner und magischer als je zuvor! Laini Taylor überzeugt mit fantastischem Ideenreichtum, wortgewaltiger Sprache, tragischer Intensität und zwei lebendigen Protagonisten, die ihresgleichen suchen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.12.2019

Der Traum geht weiter - bunter, intensiver, schöner und magischer als je zuvor!

Strange the Dreamer - Ein Traum von Liebe
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Laini Taylor träumte schon in "Strange the Dreamer - Der Junge der träumte" eine wundervolle Welt voller legendärer Mysterien über wütende Götter, gestohlenen Wörtern, verschwindenden Namen, unzerstörbarer ...

Laini Taylor träumte schon in "Strange the Dreamer - Der Junge der träumte" eine wundervolle Welt voller legendärer Mysterien über wütende Götter, gestohlenen Wörtern, verschwindenden Namen, unzerstörbarer Metalle, schrecklicher Albträume, gequälten Geistern, gefallenen Engeln, wunderschönen Monstern, gewiefter Alchemie und unglaublicher Magie herbei, sodass ich es kaum erwarten konnte, mit der Fortsetzung nach "Weep" zurückzukehren. Nun ging der Traum endlich weiter - bunter, intensiver, schöner und magischer als je zuvor!


"Du bist märchenhaft. Du bist magisch, mutig und wundervoll. Und...", fuhr er mit plötzlicher Schüchternheit fort, denn nur in einem Traum konnte er solche gewagten Worte überhaupt aussprechen: "... ich hoffe, du lässt mich Teil deiner Geschichte sein."


Vielleicht ist euch schon aufgefallen, dass die Geschichte, die im Original nur zwei Teile ("Strange the Dreamer" und "Muse of Nightmares") hat, im deutschen in vier Teile aufgeteilt wurde. Dieses Buch ist also die zweite Hälfte von "Strange the Dreamer" und die Reihe wird im nächsten Sommer durch die beiden Hälften von "Muse of Nightmares" fortgesetzt. Meiner Meinung nach wäre diese Trennung schlicht nicht nötig gewesen. Bei Fantasy-Reihen ist ein Buch mit über 600 Seiten absolut kein Problem und so sind die zwei Teile der Geschichte wirklich sehr dünn und wirken außerdem alleinstehend unvollständig abgewürgt. Die Handlung am Ende von Teil 1 bricht ohne Vorwarnung ab und lässt den Leser in der Luft hängen. So bin ich nun wirklich froh, mit dieser zweiten Hälfte den kompletten ersten Part der Geschichte vorliegen zu haben.

Abgesehen von der fragwürdigen Aufspaltung finde ich die sonstige Gestaltung einfach wunderschön! Das Cover ist dieses Mal glänzend golden und wieder von helleren Lichtbahnen durchzogen, die einen Hauch von Wissenschaft und Symmetrie hinzufügen. Im Mittelpunkt steht die blaue Form einer Motte, die in der Geschichte ein zentrales Motiv darstellt und die durch geometrische Muster aufgepeppt wurde. Wer die Gestaltung von Teil 1 und 2 vergleicht, wird also feststellen, dass die Farbgebung von Hintergrund und Highlights genau konträr ist, sich die Designs also wunderbar ergänzen. Sehr schön ist auch die ausgestaltete Titelseite, die durch fünf gezeichnete Motten geziert wird, deren Flügelmuster bei genauerem Hinsehen ein Gesicht ergeben. Die Kapitelanfänge werden ebenfalls durch die Motte geziert und die fantasievollen Überschriften zeigen auf, in welche Richtung sich die Geschichte bewegen wird. "Vipern und Engel", "Eine stille Apokalypse" oder "Pflaumengroße Wut" verbinden die beiden Polaritäten, die sich in meiner Lieblingsüberschrift widerspiegeln: "Wunderschön und voller Monster". Eine Protagonistin sagt an einer Stelle der Geschichte, alle wahren Geschichten seien wunderschön und voller Monster und Lazlo solle ihr etwas Wildes und Unglaubliches erträumen. Das hat sich die Autorin wohl auch als Maßstab gesetzt, denn die Geschichte, die Welt die sie für uns herbeiträumt wirkt wirklich wunderschön, monströs, morbide, sanft, farbenfroh und einfach - alles zugleich.


"Sie konnte die Wärme seiner Haut spüren. Eine aufflammende Verbindung, nein, eine Kollision. Als wären sie schon eine Ewigkeit durch dasselbe Labyrinth geirrt und hätten endlich eine Ecke umrundet, die sie aufeinandertreffen ließ. Eben noch war sie allein und verloren gewesen, jetzt nicht mehr."



Im ersten Abschnitt der Geschichte haben wir den jungen Träumer Lazlo kennengelernt, der durch eine schicksalhafte Fügung zum Ort seiner Träume - die verborgene Stadt Weep - aufbrechen kann, der durch die Mesarthim jahrzehntelang ihr Himmel, ihre Jugend, ihr Name und ihre Hoffnung gestohlen wurde. Nun in Weep angekommen muss er sich bald fragen, weshalb ihn sein Schicksal in die Stadt seiner Träume geführt hat und wie ausgerechnet er - der blasse Bibliothekar - die Stadt retten soll. Erst als ihm Sarai jede Nacht im Traum erscheint, beginnt er zu begreifen, wie tief verwurzelt der Hass zwischen Menschen und Mesarthim ist und was es kosten wird, diese Feindschaft zu überwinden. Auch Sarai, die hoch über der verfluchten Stadt in der verlassenen Zitadelle der Götter lebt und die Menschen von Weep jede Nacht in ihren Träumen besucht, steht vor einer wichtigen Entscheidung: will sie weiterhin ein Teil von Minyas Racheplan sein oder glaubt sie an das Gute in den Menschen? Mit der ersten wirklichen Begegnung von Sarai und Lazlo in ihren Träumen startet eine der schönsten Liebesgeschichten, die ich jemals verfolgen durfte - eingebettet ist ein magisches Setting und die Gewissheit, dass ihre Beziehung nicht gut gehen wird...


"Meine Vipern, meine Engel", nannte Ellen die Große sie gerne mit Kosenamen. Passend, denn sie waren beides gleichzeitig. Sie waren Geschöpfe aus Fleisch und Seele, aus Magie und aus Hunger, und ja... Spucke, alle auf engstem Raum eingeschlossen, ohne Ausweg. Ein Massaker lag hinter ihnen, ein weiteres stand ihnen bevor, und überall waren die Geister der Toten."


Wir starten eher gemächlich in die zweite Runde der Geschichte und konzentrieren uns vor allem auf die Beziehung zwischen Sarai und Lazlo. Während im ersten Teil eher die Abenteuerkomponente von Lazlos Reise und die Magie des Ergründens des Geheimnisses von Weep im Vordergrund standen, ist der zweite Teil eher eine Liebesgeschichte, die in einem spektakulären Showdown gipfelt. Der Titel "Ein Traum von Liebe" wird hier also definitiv Programm. Dabei wird die Erzählweise gleichzeitig süßer und ernster. Durch den Fokus auf Lazlo und Sarai ergreift eine zarte Sehnsucht, süße Hoffnung und Zärtlichkeit von der Handlung besitzt, auf der anderen Seite wird aber immer deutlicher, wie tief verwurzelt Hass und Rachedurst auf den beiden Seiten sind und wie verfahren die Situation ist. Dadurch ist dem Leser die fragile Zerbrechlichkeit der vielen kurzen Glücksmomente bewusst und die Angst vor dem Ausgang, der im Prolog in Band 1 schon angedeutet wurde, sorgt für eine intensive Hintergrundspannung. Dabei scheinen Laini Taylor Genregrenzen und Erzählgrundsätze nicht besonders wichtig zu sein, denn sie tanzt zwischen verschiedenen Genres und schildert unglaubliche Situationen, durch die die Geschichte wie ein einziger skurriler, kunterbunter, wunderschöner Traum, aus dem man gar nicht mehr erwachen will.



"Sie hatte das Gefühl, sich selbst ganz neu zu entdecken - kein unnatürliches Geschöpf, vor dem selbst Geister zurückschrecken, sondern ein Märchenwesen. Ein Gedicht. Solange der Traum nachwirkte, erschien alles möglich. Sogar Freiheit.
Sogar Liebe."


Laini Taylors unfassbarer Schreibstil, der zu den schönsten gehört, die ich jemals kosten durfte, trägt zur Schaffung dieses Gesamtbildes natürlich auch nicht unwesentlich bei. Legendäre Mysterien über wütende Götter, gestohlenen Wörtern, verschwindenden Namen, unzerstörbare Metalle, schreckliche Albträume, gequälte Geister, gefallene Engel, wunderschöne Monster, gewiefte Alchemie und unglaubliche Magie - sanft und poetisch, eindringlich und voll träumerischer Süße nimmt sie uns mit auf eine ereignisreiche Reise und entführt in die sagenumwobene Stadt Weep. Im Großen wie im Kleinen findet sie dabei großartige und manchmal auch absurde Sprachbilder, die uns ihr Setting oder die Gefühle der Protagonisten näher bringen und als weiteres Alleinstellungsmerkmal hervorstechen. Sie erzählt die Geschichte von zwei Liebenden in einer verfluchten Stadt geschickt gerafft in 348 Seiten und vermittelt dem Leser trotz Zeit- und Ortssprüngen das Gefühl von Ruhe und Gemächlichkeit. Dabei kommen auch detailreiche, bildhafte Ausschmückungen nicht zu kurz, sodass eine magische Atmosphäre entsteht, die dank der fabelhaften Übersetzung Ulrike Raimer-Noltes nicht leidet. Falls das überhaupt möglich sein sollte, wird ihr Schreibstil hier noch besser - denn diese Geschichte besteht praktisch nur aus diesem gewissen, magischen Etwas, dem fantastischen Prickeln, das man nur in wenigen Büchern findet.


"Sie sprach von einer Liebe, die die Seele aufblühen lässt wie der Frühling und reifen lässt wie der Sommer. Eine Liebe, wie sie kaum in der Wirklichkeit existierte, als habe ein meisterhafter Alchemist alle Unreinheiten, Enttäuschungen, Alltäglichkeiten und unwürdigen Gedanken herausgeköchelt, um ein perfektes Elixier zu erschaffen, zuckersüß, vielschichtig und verzehrend."



Fast noch wichtiger als Setting und Schreibstil sind die zwei wundervollen Protagonisten, die wir hier in vollkommen neuem Licht kennenlernen können. Mit feinfühligen Beschreibungen hebt Laini Taylor ihre beiden Protagonisten aus dem bunten Meer aus Träumereien, Göttern, Monstern und Geistern hervor und lässt sie lebendig werden. Dabei ist vor allem Lazlo fern ab von jeglichem Klischee konstruiert und unterscheidet sich drastisch von üblichen oder gar durchschnittlichen Protagonisten einer Fantasy-Serie. Der unscheinbare, unansehnliche Junge besitzt nichts als seine Geschichten, seine Träume, seine Fantasie, welche er tief im Herzen als seinen größten Schatz verwahrt und doch macht ihn das zur reichsten Person des ganzen Landes. Seine kindliche Ehrfurcht, die neugierige Begeisterung und die demütige Höflichkeit, mit der er der Welt begegnet nehmen den Leser sofort für diesen sanftmütigen, jungen Mann ein und garantieren, dass man mit ihm mitfiebert und dieser Figur von Herzen das Beste wünscht.


"Ich bin kein Traum", sagte Sarai. Ihre Stimme klang bitter. "Ich bin ein Albtraum."


Auch Sarai scheint nicht in die Welt zu passen, in der sie lebt - eingesperrt mit Monstern, die ihre Familie sind, in einem Schloss hoch über den Wolken. Genauso sehr wie sich Lazlo nach dem Absonderlichen und Wunderbaren streckt, sehnt sich danach, einfach normal zu sein und dazuzugehören. Durch die täglichen Besuche in den Träumen der Bewohner von Weep hat sie etwas gefunden, dass den schwelenden Hass, der in den Herzen der Götterkinder auch nach Jahren noch glüht, abgekühlt hat: Mitgefühl und Verständnis. Trotz des vielen Leids, Unverständnisses und Schams, von denen ihr Dasein geprägt ist, ist sie in der Lage, mit den Menschen mitzufühlen, die Minya gerne zu ihren Feinden erklärt und so wird auch sie zur zerrissenen, tragischen Heldin, die wie Lazlo auch einfach nur dazugehören will. Was passiert, als die beiden aufeinander treffen - lest selbst...


"Für Lazlo hatte es sich angefühlt, als hätte er ein Buch im Inneren eines anderen Buches entdeckt. Eine kleine, kostbare Rarität, die in einem gewöhnlichen Wälzer steckte. Zaubersprüche, geschrieben auf Libellenflügeln, verborgen in einem Kochbuch zwischen Rezepten für Kohlköpfe und Maiskolben. Für Lazlo stand fest: Ein Kuss, selbst der allerkürzeste, war ein kleiner Moment der Magie, eine Geschichte voller Zauber, eine wundersame Unterbrechung des Alltags."


Das Ende … ja das Ende ist nochmal eine Kategorie für sich. Wie auch der Rest der Geschichte begeistert es mit fantastischem Ideenreichtum, wortgewaltiger Sprache und tragischer Intensität. Anders als der träumerisch-süße Beginn es aber vermuten ließe, lassen und die Enthüllungen und Geschehnisse der letzten Seiten schockiert und hilflos zurück, sodass das Warten auf den nächsten Teil ("Muse of Nightmares - Das Geheimnis des Träumers" (29.06.2020)) mir jetzt schon unendlich lange erscheint.



Fazit:


Der Traum geht weiter - bunter, intensiver, schöner und magischer als je zuvor! Laini Taylor überzeugt mit fantastischem Ideenreichtum, wortgewaltiger Sprache, tragischer Intensität und zwei lebendigen Protagonisten, die ihresgleichen suchen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere