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Veröffentlicht am 12.07.2021

positive Gedanken für Zwischendurch

The Comfort Book - Gedanken, die mir Hoffnung machen
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Zum Cover:
Dieses wunderschöne Cover war das erste, was meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat, noch bevor ich gesehen hatte, wer der Autor ist oder wovon das Buch handelt. Die verschiedenen Farben ...

Zum Cover:
Dieses wunderschöne Cover war das erste, was meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat, noch bevor ich gesehen hatte, wer der Autor ist oder wovon das Buch handelt. Die verschiedenen Farben und der gelbe Halbkreis, der wie eine aufgehende Sonne aussieht, verbreiten einen fröhlichen Eindruck und passen zum Untertitel "Gedanken, die mir Hoffnung machen".

Zum Buch:

Dieses Buch ist eine bunte Sammlung kurzer Texte, die der Autor wohl so oder so ähnlich vor, während oder nach seiner depressiven Phase notiert hat. Es sind Gedanken, die ihm persönlich Hoffnung gegeben haben und nun sollen sie ähnlich auf seine Leserschaft wirken. Zu Beginn des Buches gibt es ein paar erläuternde Worte, dass man das Buch nicht unbedingt stringent von vorne nach hinten lesen muss, sondern es auch einfach irgendwo aufschlagen könnte. Ich habe es trotzdem vom Anfang zum Ende gelesen. Es ist in vier Teile gegliedert, die jedoch keine Überschriften tragen außer "Teil eins" usw.

Mein Eindruck ist, dass Teil eins davon handelt, der/dem Leser:in zu vermitteln "Du bist genug" und den Gedanken zu wecken einen Schritt nach dem anderen zu tun. Außerdem geht es dort viel um Selbstfürsorge. In diesem Teil habe ich mir einige Dinge markiert, vor allem schlagkräftige Sätze zu denen man immer mal wieder zurückkommen kann. Teil zwei beschäftigt sich mehr mit den anderen Menschen. Es handelt davon, dass man erkennt, dass man nicht selbst die schlechten Gefühle ist, die man gerade fühlt. Gut gefallen haben mir hier die Tipps wie man einen schlechten Tag besser machen kann. Teil drei schien mir eine Zusammenführung der ersten beiden Teile zu sein. Es ging um Anpassung und um Begegnungen mit anderen Menschen. Der vierte Teil konnte mir dann am wenigsten geben. Dort ging es für mich eher philosophisch zu und ich konnte wenig finden, das ich für den Alltag nutzen könnte.

Alles in allem lässt sich das Buch sehr gut lesen und auch, wie vom Autor zu Beginn angemerkt, immer mal wieder für ein paar Seiten zur Hand nehmen. Abgesehen von kurzen Texten, die zwei bis drei Seiten umfassen, findet man dort viele kurze Gedanken, die nur ein paar Zeilen lang sind oder Listen mit Filmen, Liedern oder anderen Gedanken, die Mut machen sollen. Auch ein Rezept für Soul-Food hat der Autor notiert, welches ich auf jeden Fall einmal ausprobieren werde.

Fazit:
Ein sehr entspanntes Buch zu einem eigentlich sehr ernsten Thema. Ein Buch, das man sicherlich immer mal wieder zur Hand nehmen kann, auch um sich daran zu erinnern, dass man selbst wieder aus einem neuen Loch herauskommen wird.

Leseempfehlung:
Das Buch ist definitiv lesenswert, obwohl es bestimmt inhaltlich tiefgründige Bücher zu diesem Thema geben wird. Aber für Zwischendurch und um sich in Erinnerung zu rufen, dass man selbst gut genug ist, ist es sicherlich gut geeignet.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.06.2021

Wo bleibt die Triggerwarnung?

Geiger
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Ich bin unfassbar geschockt über dieses Buch. Ich sage vorab: Das einzige, was mir hier gefallen hat, war die grundsätzliche Idee hinter dem Spionage und DDR-Teil. Das hätte ich wirklich gerne gelesen ...

Ich bin unfassbar geschockt über dieses Buch. Ich sage vorab: Das einzige, was mir hier gefallen hat, war die grundsätzliche Idee hinter dem Spionage und DDR-Teil. Das hätte ich wirklich gerne gelesen und mitgerätselt. Leider war das Buch überladen vobn sexuellem Missbrauch, Prostitution und Kindesmissbrauch, für welche es an keiner Stelle eine Triggerwarnung gab. Auch wurde dieser enorme Teil des Buches im Klappentext einfach verschwiegen. Ich frage mich, wie ein Großverlag so etwas überhaupt auf diese Weise veröffentlichen kann. Ansonsten waren mir alle Charaktere unsympathisch, das Buch war gespikt von Lügen an allen möglichen Ecken und Enden. Es wurden so viele lose Fäden aufgegriffen und dann hängen lassen, dass ich zwischendurch nicht wusste, warum man diesen Teil nicht einfach weggelassen hat und was denn nun relevant ist und was nicht. Ich kann nur abraten dieses Buch zu lesen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.06.2021

Blick hinter die Kulisse "Mensche"

Der Algorithmus der Menschlichkeit
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Zum Cover:
Das Cover ist sehr schlicht gehalten in einem beige Ton mit Akzenten in hellen Farben. Zu sehen sind die Umrisse einer gezeichneten Frau und eines Mannes. Meine Aufmerksamkeit hat das Cover ...

Zum Cover:
Das Cover ist sehr schlicht gehalten in einem beige Ton mit Akzenten in hellen Farben. Zu sehen sind die Umrisse einer gezeichneten Frau und eines Mannes. Meine Aufmerksamkeit hat das Cover so nicht auf sich gezogen. Erst der Klappentext machte es für mich interessant. Danach fand ich auch das Cover ganz hübsch.

Zum Buch:
Zu Beginn des Buches finden wir uns in so einer Art Nachtclub mit angeschlossenem Bordell wieder. Außer der Chefin arbeiten dort offensichtlich ausschließlich Fembots und ein männliches Exemplar dieser künstlichen Intelligenzen. Es wird beschrieben, welche Möglichkeiten sie haben und wie selbstständig sie sind. Dabei wird schnell deutlich, dass der Fembot Mari sich mit Abstand von den anderen unterscheidet, da sie sich selbstständig bewegen und mit den ihr implementierten Regeln so etwas wie Entscheidungen treffen kann. Als ein neuer Fembot angeliefert wird, der jedoch eher einem Kind als einer erwachsenen Person gleicht, gerät die Situation aus den Fugen, da eine von Maris Regeln besagt, dass Kinder das Wichtigste sind und diesen nichts angetan werden darf.

Im Laufe der Geschichte entwickeln sich einige der ehemaligen Kund:innen zu Maris Freunden und helfen ihr, sich vor der Polizei zu verstecken. Mari macht in der neuen Welt zudem einige neue Erfahrungen, lernt sich eher wie ein Mensch zu bewegen und gewinnt immer mehr Einblicke in das Denken, Handeln und Fühlen der Menschen. Sie bemerkt schnell, das die Menschen von irrationalen Emotionen geleitet werden und sie diese nicht einschätzen kann, da die Menschen sie selbst nicht wirklich erklären können. In all diesen Phasen, in denen man Einblicke in Maris Sichtweise und Verwirrungen über uns Menschen bekommt, ist es wie so eine Art Metaperspektive auf uns selbst. Man kann, wenn man sich drauf einlässt, gewisse Handlungen und Gedankengänge reflektieren und hinterfragen und auch auf sich selbst beziehen. Diese Passagen haben mir sehr gut gefallen.

Maris ehemalige Kund:innen bzw. neue Freunde sind emotional sehr launisch und teils depressiv. Ihr Verhalten, ihr Streiten und ihre Handlungen konnte ich nicht immer nachvollziehen. Diese Passagen hätten für mich kürzer und dafür die Teile mit Mari länger sein können. Generell hätte es mir etwas besser gefallen, wenn man mehr aus Maris sicht erlebt hätte und weniger aus der der Menschen, denn es ist Mari die dieses Buch zu etwas anderem macht und teils waren die Passagen aus ihrer Sicht sehr kurz oder über mehrere Seiten kaum vorhanden.

Durch eine weitere Entwicklung der Fembots bekommt Mari dann ihre finiten Einsichten in uns Menschen, unsere Emotionen und was uns im Leben antreibt. Sie zieht dadurch Schlüsse über uns Menschen und trifft eine folgenschwere Entscheidung. Diesen abschließenden Blick auf uns Menschen fand ich wieder sehr interessant.

Fazit:
Das war mal eine andere Geschichte, die ich so noch nicht gelesen habe. Man bekommt einen Blick hinter die Kulisse "Mensch" und somit ist das Buch in Teilen wie eine Metaperspektive auf uns selbst. Ich hätte mir jedoch gewünscht, dass man noch mehr in die Gedankenwelt der Mari eintaucht, dass man noch einen stärkeren Blick auf uns Menschen erhält und dass weniger aus der Sicht der menschlichen Charaktere geschrieben wird.

Leseempfehlung:
An diesem Buch werden sicherlich einige Menschen Freude finden. Diejenigen, die sich für künstliche Intelligenz interessieren, aber auch diejenigen, die einfach nur einen angenehmen Roman lesen möchte, etwas Leichtes, das einen abschalten lässt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.06.2021

Spannender Reihenauftakt

DUNKELKAMMER
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Zum Autor:
Bernhard Aichner ist Schriftsteller und Fotograf. Er schreibt Romane, Hörspiele und Theaterstücke und wurde für seine Arbeit bereits mehrfach ausgezeichnet. Seine "Totenfrau"-Thriller-Trilogie ...

Zum Autor:
Bernhard Aichner ist Schriftsteller und Fotograf. Er schreibt Romane, Hörspiele und Theaterstücke und wurde für seine Arbeit bereits mehrfach ausgezeichnet. Seine "Totenfrau"-Thriller-Trilogie stand monatelang an der Spitze der Bestsellerliste und wurde in 16 Ländern verkauft. [Vergleiche: https://www.penguinrandomhouse.de/Autor/Bernhard-Aichner/p535912.rhd, 16.05.2021, 19:40 Uhr]

Zum Cover:
Dieses Cover hat zusammen mit dem Titel direkt meine Aufmerksamkeit erregt. Es scheint schlicht zu sein, aber die Thematik rund ums Fotografieren hat mich angesprochen. Als ich das Buch dann in der Hand hielt, gefiel es mir sogar noch besser, da die Linse sowie das eingefangene Spiegelbild wirklich hervortreten und auch haptisch schön umgesetzt sind. Man spürt sowohl das Objektiv als auch die glatte Linse. Sehr schön!

Zum Buch:

Mein erster Aichner! Ich wollte es auch einmal versuchen, nachdem ich schon viel Gutes über den Autor gehört habe. Bei diesem Buch handelt es sich um einen Krimi, keinen Thriller, wie man vielleicht von früheren Werken gewohnt sein könnte.

Der Schreibstil in diesem Krimi war sehr angenehm zu lesen und ich kam flüssig durch die Kapitel. Zu Beginn musste ich mich etwas an die Kapitel, die nur wörtliche Rede enthielten, welche mit Bindestrichen eingeleitet wurde, gewöhnen, jedoch war auch dies danach kein Problem mehr. Ob mir diese Art der wörtlichen Rede jedoch gefällt, bin ich mir noch nicht sicher. Ich tendiere aber dazu, dass mir die eingebaute wörtliche Rede besser gefällt.

Die Geschichte beginnt damit, dass ein Obdachloser in eine Wohnung einbricht und dort eine mumifizierte Leiche findet. Da er früher Pressefotograf gewesen ist, ruft er einen alten Bekannten an und versucht ihm die Leiche als top story zu verkaufen. Sein Bekannter, David Bronski, springt darauf an und somit nimmt die Geschichte seinen Lauf. Man erfährt sehr schnell von der Vergangenheit Bronskis und der erste Verdacht kommt auf, dass seine eigene Vergangenheit mit dieser Leiche zusammenhängen könnte. Außerdem lernt man eine seiner Kolleginnen sowie seine Schwester, die Privatdetektivin ist, kennen. Die drei arbeiten in diesem Fall mehr oder minder zusammen, wobei das Verhältnis zwischen Bronski und seiner Kollegin im Laufe der Zeit eine starke Wendung nimmt.

Die Hauptcharaktere Bronski, Svenja und Anna, Bronskis Schwester, waren alle drei ordentlich. Vor allem Bronski, aber auch Svenja haben ihre Päckchen zu tragen und sind nicht die einfachsten Menschen. Trotzdem versuchen sie in ihrem Job professionell zu sein und lassen sich auf eine Zusammenarbeit ein, wenn auch anfangs eher widerwillig. Anna spielt die starke Frau, die durch ihre Privatdetektei immer wieder mit bösen Kerlen zu tun hat und in diesem Fall versucht ihren kleinen Bruder zu schützen und alles in ihrer Macht stehende zu tun, um ihm zu helfen. Sie bleibt alles in allem etwas blass, obwohl es viel Kapitel gibt, in denen sie zugegen ist.

Je weiter sich die Geschichte entwickelte, desto mehr Sinn ergaben die verschiedenen Details, die man immer wieder bekommt. Manches machte anfangs weniger Sinn und Geschichten, die von Beteiligten erzählt wurden, klangen abwegig und wie aus der Luft gegriffen, jedoch kristalliesierte sich nach und nach ein schlüssiges Bild heraus, was mir gut gefallen hat. Somit war es nicht immer direkt klar, was eigentlich wahr und was von den jeweiligen Personen erfunden war. Die Leser:innen können somit miträtseln, wer hier aus welchem Grund mit welchem der diversen Verbrechen zu tun hat. Dabei waren es aber nie so viele Handlungsstränge gleichzeitig, dass sie mich verwirrt hätten. Auch die Auflösung des Gesamtkonflikts am Ende klang schlüssig und war durchaus aus den diversen Blickwinkeln nachvollziehbar.

Es gibt jedoch eine Sache, die ich eher unrealistisch finde, auf der aber die ganze Geschichte aufbaut: Zu Beginn erfährt man, dass Bronskis Frau vor vielen Jahren ihren Säugling an einem Bahnhof völlig überfordert einer anderen Frau in die Arme gedrückt hat, wodurch die in dem Buch geschilderte Kettenreaktion ausgelöst wurde. Diese Handlung empfinde ich persönlich als absolut unrealistisch. Egal wie überfordert eine junge Frau sein mag, die aller wenigsten würden wohl ihren Säugling einer völlig Fremden in die Arme drücken und dann auch noch so reaktionslos sein, dass diese Frau mit dem Kind verschwinden kann. Dies weckt in mir einfach mehr als nur ein Kopfschütteln. Ich selbst würde nicht einmal mein Gepäck oder eine Jacke am Bahnhof einer fremden Person in die Hand drücken, geschweige denn mein Kind!

Fazit:
Ein angenehmer Krimi, der ohne viel Schnickschnack auskommt. Weder die Idee noch die Umsetzung sind neu, aber alles in allem ist es ein solides Buch, das mir angenehme Lesestunden bereitet hat.

Leseempfehlung:
Für Krimi-Fans ist dieses Buch sicher keine schlechte Wahl. Es ist sinnig und leicht zu lesen. Wer jedoch etwas Besonderes erwartet, das er/sie noch nicht häufig gelesen hat, wird wohl eher enttäuscht sein.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.06.2021

im Schatten des Bruders

Fräulein Mozart und der Klang der Liebe
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Zur Autorin:
Beate Maly ist in Wien geboren und hat dort mit Kindern gearbeitet. Seit 20 Jahren schreibt sie außerdem Bücher, was in den letzten Jahren immer umfangreicher geworden ist. Sie hat zahlreiche ...

Zur Autorin:
Beate Maly ist in Wien geboren und hat dort mit Kindern gearbeitet. Seit 20 Jahren schreibt sie außerdem Bücher, was in den letzten Jahren immer umfangreicher geworden ist. Sie hat zahlreiche historische Romane, Kinderbücher und Sachbücher geschrieben. Seit kurzem schreibt sie zudem unter dem offenen Pseudonym "Laura Baldini" [Vergleiche: https://www.beatemaly.com/, 04.06.2021, 17:34 Uhr]

Zum Cover:
Dieses Cover passt zum 18. Jahrhundert, in dem das Buch spielt. Man sieht eine Frau im Vordergrund und eine Stadt, die wohl Salzburg sein soll, im Hintergrund. Die Farben sind eher dezent und alles in allem gesellt sich das Buch in die typischen Cover dieses Genres.

Zum Buch:
Bei diesem Buch handelt es sich um eine historische Romanbiographie, ein Genre, das ich im Moment sehr gerne lese und das man über diverse Frauen momentan auch zahlreich findet. Im Ullstein Verlag erscheint dazu die Reihe "Ikonen ihrer Zeit". Die Bücher können jedoch alle unabhängig voneinander gelesen werde, da jedes eine andere Persönlichkeit beleuchtet und nicht mit den anderen zusammenhängt.

In diesem Buch geht es um Maria Anna 'Nannerl' Mozart, die Schwester des Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart. Es spielt Ende des 18. Jahrhunderts in Salzburg.

Das Buch beginnt in Nannerls Kindheit, in der sie noch gemeinsam mit ihrem Bruder auftreten durften, schnell geht es dann zu ihrer frühen Jugend über, in der sie immer seltener bis gar nicht mehr gemeinsam mit ihrem Bruder oder generell Klavierkonzerte geben durfte. Die Autorin macht an diesen Stellen sehr deutlich, dass Frauen und Mädchen Ende des 18. Jahrhunderts die Rolle der Hausfrau und Mutter hatten und nicht für eigenen Karrieren oder Selbstbestimmung gedacht waren. Man merkt zwar deutlich, dass Nannerl sich darüber ärgert, dass sie nicht mehr auftreten darf, rebelliert jedoch nicht, da sie es nicht anders kennt und sich der Gesellschaft fügt. Sie gibt zwar etwas später Klavierunterricht, um sich ein wenig eigenes Geld anzusparen, gibt das aber dann doch immer wieder an den Vater ab, da die Familie durch die vielen Reisen des Bruders große Geldsorgen hat. Diese Geldsorgen führen sie schlussendlich sogar in eine arrangierte Ehe, gegen die sie sich anfangs standhaft wehrt.

An ihrer Haltung zur arrangierten Ehe und der Rolle der Frau ausschließlich als Hausfrau und Mutter merkt man immer wieder, dass Nannerl eine starke Frau gewesen ist mit eigenem Willen und einer anderen Vorstellung von der Zukunft als es in dieser Zeit üblich war. Auch ihre beste Freundin dachte ähnlich. Jedoch macht die Autorin anhand vieler anderer Beispiele deutlich, dass die meisten Frauen sich ihrer Rolle anstandslos fügten. Somit schafft es Beate Maly ein klares Bild der damaligen Zeit zu zeichnen. Ich hatte keine Probleme mich in die Frauen hineinzuversetzen und mir das Leben damals vorzustellen.

Nannerls Vater scheint lange Zeit jemand zu sein, dem seine Tochter eher weniger wichtig ist und der seinen Blick hauptsächlich auf den talentierten Sohn legt. Jedoch merkt man im Laufe des Buches immer wieder, dass er doch auch versucht nicht gegen den Willen seiner Tochter zu handeln, wenn es um ihre Zukunft als Ehefrau geht. Das machte ihn doch wieder etwas sympatischer als ich ihn zu Anfang fand.

Der berühmte Wolfgang Amadeus Mozart wurde mir aber je älter er wurde immer unsympathischer. Als Kind war er einfach ein kleiner Rebell, ein Genie, das sich nicht um Regeln kümmerte. Jedoch warf er auch als junger Erwachsener das Geld der Familie aus dem Fenster, ohne sich um die Folgen für seinen Vater und seine Schwester zu kümmern. Sein Verhalten war es auch, dass seine Schwester am Ende doch ncoh in eine arrangierte Ehe führte. Dadurch konnte ich nur den Kopf schütteln wie Nannerl trotzdem weiterhin gerne seine Kompositionen spielte oder sich auch nach seinem Tod für sein Andenken einsetze. Aber ich denke auch das war der damaligen Gesellschaft geschuldet und dass sie sich in ihre Rolle fügte.

Fazit:
Eine gut recherchierte Romanbiographie in der man viel über die Familie Mozart und ihre Lebensumstände erfährt. Jedoch hätte sie für meinen Geschmack kürzer gefasst werden können, da das Leben der Nannerl Mozart einfach nicht viele Ereignisse umfasst. Man merkt sehr deutlich wie eingeschränkt sie durch die vorherrschende Gesellschaftsordnung gewesen ist und somit nicht mehr aus ihren Leben machen konnte. 250 bis 300 Seiten hätten mir hier sicherlich auch gereicht.

Leseempfehlung:
Dieses Buch ist sicherlich sehr interessant für Menschen, die selbst musizieren oder sich intensiver mit Mozart befassen bzw. die gerne über die Zeit um das 18. Jahrhundert herum lesen. Ein Highlight war das Buch für mich jedoch nicht.

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