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Veröffentlicht am 19.05.2026

Frauenfreundschaften

Das Gras auf unserer Seite
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In diesem Buch begegnen wir drei Frauen um die 40: Kessie, Grit und Charly. Sie alle leben ein im Grunde glückliches Leben, alle ohne wirklich festen Lebenspartner und ohne Kinder. Doch dann passieren ...

In diesem Buch begegnen wir drei Frauen um die 40: Kessie, Grit und Charly. Sie alle leben ein im Grunde glückliches Leben, alle ohne wirklich festen Lebenspartner und ohne Kinder. Doch dann passieren in jedem der drei Leben Dinge, die sie aus dem Gleichgewicht bringen.

Charly ist eine Schauspielerin, die jedoch schon lange kein Angebot mehr erhalten hat und der die Agentur für Arbeit langsam Druck macht. Dann erhält sie plötzlich doch ein Angebot, findet aber gleichzeitig heaus, dass sie schwanger ist. Wer der Vater ist, weiß sie nicht und dies wird im Buch auch nicht großartig beleuchtet. Generell wurde mir ihre Situation viel zu oberflächlich behandelt. Man bekam das Gefühl, dass sie generell eine oberflächliche Person ist und dass es daher nicht viel Gutes über sie zu sagen gibt. Auch wie ihre Situation am Ende ausging, hätte ich so nicht erwartet und es war mir alles zu grundlos, zu wenig durchdacht, ein einfaches "einfach so" - was sogar in einem Gespräch am Ende so fiel. Das ich keinen Zugang zu ihr gefunden haben, hat mich daher nicht überrascht.

In Grit konnte ich mich besser hineindenken. Sie lebt in einer Partnerschaft, möchte aber keine gemeinsame Wohnung; zurzeit ist sie jedoch gezwungen mit ihrem Partner zusammenzuleben. Zeitgleich ist ihre hochschwangere, ihre Hochzeit plannende Schwester mit Verlobtem und den zwei kleinen Kinder zu Gast - was die Wohnsituation extrem beengt. Sie entscheidet sich daher im Schrebergarten der Eltern ihres Partners zu schlafen und diesen aufzuhübschen, um ihn evtl. kaufen zu können - das Geld dafür hat sie jedoch nicht, auch keine Ahnung vom Gärtnern und eigentlich ist der Garten auch schon anderweitig vergeben. Obwohl ich ihren Wunsch nach Selbstständigkeit und Unabhängigkeit trotz Partnerschaft gut nachvollziehen konnte, fand ich sie in ihrem Verhalten in Bezug auf den Garten sehr kindisch und auch bei anderen Entscheidungen zeigte sie wenig Reife. Das hat mich regelmäßig genervt. Ihr Ende der Geschichte fand ich aber grundsätzlich ganz schön, da es zeigte, wie wichtig Freundschaften sind, wenn man nicht den besten Draht zu seiner Familie hat und dass auch Freunde Familie sein können.

Generell war dieser Aspekt in dem Buch gut ausgearbeitet: Freunde können auch Familie sein. Sie können unterstützen, wo die Familie es vielleicht nicht kann oder auch nicht will. Oder wenn diese sich einfach ein anderes Leben für die Tochter vorgestellt hat bzw. noch ein sehr traditionelles Lebensbild pflegt, in das eine kinderlose, unverheiratete Frau schlecht hineinpasst.

Kessie fand ich lange Zeit am sympathischsten. Zu Beginn des Buches lag ihre Mutter im Krankenhaus und es wurde festgestellt, dass sie nicht mehr alleine leben darf. Kessie kümmerte sich um alles, einen Platz in einem Pflegeheim, die Gesundheit der Mutter, dass diese sich dort Wohlfühlt sowie das Auflösen der Wohnung. Dann trifft sie auf dem Gelände des Pflegeheims zufällig ihre Jugendliebe und dessen Tochter. Auch wie sich diese Beziehung entwickelte, hat mir lange Zeit gut gefallen. Ich fand sie durchaus erwachsen, angemessen und nachvollziehbar. Erst das Ende mochte ich dann nicht. Wie Kessie sich am Ende entschied, ihre Beweggründe, waren für mich überhaupt nicht nachvollziehbar - wurden aber, wie ich finde, auch nicht wirklich erklärt. Auch das war wieder so eine "einfach so" Situation.

Die Kapitel über die einzelnen Freundinnen wechselten sich ab und wurden immer wieder durch den Chat-Verlauf der Drei aufgelockert. Dieses stilistische Mittel hat mir richtig gut gefallen, jedoch hat mir die Wortwahl innerhalb des Chats gar nicht zugesagt. Sie war sehr vulgär, passte teilweise aber nicht zu anderen Formulierungen und war alles in allem einfach gar nicht meins.

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Veröffentlicht am 19.05.2026

Ortskenntnisse sind von Vorteil

Nacht der Ruinen
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Das Buch startet mit einem Kapitel aus der Teenagerzeit des Protagonisten Joeseph Salomon alias Joe Salmon. Man lernt ihn, einen Juden, seinen ebenso jüdischen Kumpel Jakub sowie ihre deutsche Freundin ...

Das Buch startet mit einem Kapitel aus der Teenagerzeit des Protagonisten Joeseph Salomon alias Joe Salmon. Man lernt ihn, einen Juden, seinen ebenso jüdischen Kumpel Jakub sowie ihre deutsche Freundin Hilda und ihren Bruder Paul kennen. Paul ist auf seine Schwester angewiesen, was sehr deutlich wird, auch wenn der Autor nicht näher darauf eingeht, ob es eine geistige Behinderung, etwas aus dem Autismus-Spektrum oder etwas anderes ist, das ihm ein eigenständiges Leben nicht ermöglicht. Der Schreibstil in diesem Kapitel war großartig! Es hat mich sofort in seinen Bann gezogen und ich hatte mich auf ein politisch kritisches, aber leicht geschriebenes Buch gefreut.

Leider änderte sich dies direkt im folgenden Kapitel. Dieses spielt sieben Jahre später, Anfang März 1945, nur Tage bevor die Amerikaner das linksrheinische Köln befreiten und die Nazis alle Brücken ans andere Ufer sprengten. Wir lesen über einen amerikanischen Luftangriff und den Abschuss eines der Flugzeuge. Es waren für mich unendlich viele Fachbegriffe, Bezeichnungen der Flugzeuge, der Bomben und allem möglichen anderen. Es fiel mir sehr schwer aus diesem Kapitel irgendetwas mitzunehmen. Zum Glück wurde es danach wieder etwas einfacher.

Trotzdem bin ich bis zum Schluss mit dem Schreibstil des Autors nicht gut zurecht gekommen. Zwar waren alle folgenden Kapitel nun mit weniger Fachbegriffen gespickt, jedoch war es zum Teil sehr detailliert. Wenn ich mich in Köln nicht wenigstens ein wenig ausgekannt hätte, die großen Plätze und Straßen, dann hätte ich noch mehr Abschnitten nur quer gelesen als ich es irgendwann eh schon getan habe. Bei jeder Fahrt wird ganz genau erzählt, durch welche Straßen gefahren wird, welche Straße wo abgeht, was dort früher stand, wie es dort jetzt aussieht. Es war ein wenig wie ein kommentierter Stadtplan. Im Nachwort erläutert der Autor, dass er mit einem detailliertenStadtplan aus den Jahren gearbeitet hat. Dies finde ich großartig, da es mir zeigt, wie sehr er sich in die Thematik hineingearbeitet hat und wirklich auf Details geachtet hat; jedoch hat er mir von diesen zu viele eingebracht.

Im dritten Kapitel kehrt Joseph Salomon nun als amerikanischer Soldat Joe Salmon in sein Köln zurück. Er soll dort für seinen Vorgesetzten einen mit einem Fallschirm abgesprungenen amerikanischen Soldaten aus dem letzten Fliegerangriff finden. Zusätzlich zu dieser Suche macht Joe sich jedoch privat auf die Suche nach seinen Freunden Jakub und Hilda. Unterstützt wird er dabei von George Orwell, der damals noch nicht der bekannte Schriftsteller war, den wir kennen, sondern als Kriegsjournalist in Deutschland unterwegs. Auch dieses Detail sowie einige andere Personen und Geschehennisse hat der Autor akribisch recherchiert, was mir sehr gut gefällt. Manches hat er im Kontext des Romans angepasst - geschichtlich sehr gut bewanderten Leser:innen wird dies auffallen, den meisten von uns eher nicht. Für mich passt das so. Orwell empfand ich, wie eigentlich die meisten nicht-Nazi Charaktere des Buches, als sehr sympathisch. Hier kam dem Autor seine offensichtliche Liebe zum Detail sehr entgegen, da die Charaktere für mich alle vielschichtig, glaubwürdig und meist sympathisch dargestellt waren. Ich konnte mich meist in sie reindenken oder fühlen oder zumindest in Angesicht der Situation einigermaßen nachvollziehen, warum sie wie wann gehandelt haben.

Beide Suchen gestalten sich für Joe sehr kompliziert. Niemand hat wirklich etwas gesehen, gehört oder will einfach niemanden an die Amerikaner verraten. Der Argwohn ist groß. Vor allem bei der Suche nach seinem jüdischen Freund kommt Joe oft wenig voran. Wobei mir irgendwann klar war, was passiert sein muss und ich behielt hiermit auch recht. Trotzdem hat der Autor es gut aufgezogen, sodass ich mir bis zur Auflösung nicht ganz sicher sein konnte - offensichtlich war es irgendwie trotzdem. Die Entwicklung um den verschwundenen Soldaten war für mich weniger zu durchschauen, am Ende jedoch auch schlüssig und zeigte mal wieder wie eine Hand die andere wäscht.

Alles in allem haben mir sowohl die Charaktere als auch die Idee zur Geschichte sehr gefallen. Jedoch war das Tempo wirklich langsam und die vielen Details, vor allem jedes Mal bei den Fahrten von A nach B so langatmig und zäh, dass ich irgendwann begonnen hatte Abschnitte nur noch zu überfliegen. Schade. Auch wurde es dadurch für mich nie wirklich spannend, obwohl das Buch dafür doch reichlich Potential gehabt hätte. Man erkennt es auch daran, dass ich für das Buch insgesamt zwei Wochen gebraucht habe und nie den Punkt erreicht habe, wo es mich in seinen Bann ziehen konnte.

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Veröffentlicht am 19.05.2026

Meisterwerk!

Der letzte Mord am Ende der Welt
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Dieses Buch zu rezensieren, ist gar nicht so leicht. Stuart Turton schreibt andere Bücher; Bücher, auf die man sich voll und ganz einlassen muss, die man nicht einfach so nebenbei lesen kann. Sein Schreibstil ...

Dieses Buch zu rezensieren, ist gar nicht so leicht. Stuart Turton schreibt andere Bücher; Bücher, auf die man sich voll und ganz einlassen muss, die man nicht einfach so nebenbei lesen kann. Sein Schreibstil ist für mich etwas ganz Besonderes. Seine drei bisherigen Bücher hatte alle das Genre "Kriminalroman" auf dem Cover stehen, was natürlich auch stimmt. Es wird gemordet, es wird ermittelt, es ist auf unterschiedliche Art spannend. Aber ansonsten sind seine Bücher von Grund auf verschieden und genau das ist sein Ziel, wie er uns Leserinnen und Lesern in "eine besondere Danksagung" am Ende dieses aktuellen Buches erklärt. Dieses Buch ist beispielsweise ein Kriminalroman mit erheblichem Science-Fiction Anteil und einer apokalyptischen Darstellung im Sinne eines Weltuntergangsszenarios ohne religiöse Bestandteile. Sehr wahrscheinlich hätte ich dies von fast keinem/r anderen Autor bzw. Autorin gelesen, da es grundsätzlich kein Inhalt ist, der mich großartig anspricht. Bei Stuart Turton warf ich diese Bedenken aufgrund der positiven Eindrücke der ersten beiden Bücher über Board und wurde auf eine atemberaubende Art belohnt. Mit diesem Buch, das mich fernab meiner Wohlfühlzone abgeholt und so gut unterhalten hat, hat er sich bei mir einen Freifahrtschein erschrieben. Ich werde zukünftig sicherlich alle seine weiteren Bücher ganz bedenkenlos und voller Vorfreude lesen.

So, aber worum geht es denn nun in "Der letzte Mord am Ende der Welt"? Wir befinden uns auf einer kleinen griechischen Insel, die nicht konkreter benannt oder lokalisiert wird und von der wir nur einen Bruchteil im Laufe des Buches kennenlernen. Von der Spezies "Mensch" existieren nur noch drei Personen, die die "Ältesten" darstellen und alle über 100 Jahre alt sind. Alle anderen menschlichen Charaktere auf der Inseln sind, wie man nach und nach erfährt, menschenähnlich gezüchtet. Eine künstliche Intelligenz steuert ihre Leben aus der Ferne. Diese Kreaturen sind theoretisch so gezüchtet, dass sie ausschließlich friedlich leben können; da die menschliche Spezies die Welt durch Kriege, persönliche Auseinandersetzungen und ihren Lebensstil zerstört und schlussendlich eine chemische Reaktion provoziert hat, einen Nebel, der bisher die restliche Welt abseits der Insel verschlungen hat. Die Menschheit hatte sich auf diese Insel evakuiert, verblieben sind nun aber nur noch drei. Und nun geschieht ein Mord an einem dieser drei letzten Menschen. Doch wie konnte dieser überhaupt geschehen, wenn es nur noch drei Menschen gab und die übrigen Wesen friedlich gezüchtet wurden? Und wer hat ein Interesse daran, diesen Mord überhaupt aufzuklären bzw. cwer hat überhaupt die Kompetenzen zu ermitteln? Es findet sich ein weibliches Wesen, das bisher keine Aufgabe zum Gemeinwohl der Gruppe gefunden hat, da es offensichtlich nichts besonders gut kann - außer Fragen stellen, die die anderen ihr nicht beantworten wollen oder können. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, denn mit dem Tod dieses Menschen kommt der Nebel nun auch der Insel immer näher und droht sie zu verschlingen.

Stuart Turton erfindet hier eine kleine Welt, die er bis ins Detail beschreibt, dies aber nicht auf langatmige Weise, sondern nach und nach im Laufe der Geschichte. Wir lernen das Dorf kennen und Orte außerhalb der Mauern. Lernen peu à peu die verschiedenen Charaktere kennen, ihre Vergangenheit und wie ihr Leben im Dorf aussieht. Der Autor beschreibt Feste und begründet Lebenserwartungen. Lässt uns langsam in dieses uns doch unbekannte Leben eintauchen und machte es für mich auf diese Art und Weise sehr gut möglich mich hineinzufühlen und die Entscheidungen und das Verhalten der einzelnen Personen nachzuvollziehen.

Unterschwellig und doch immer präsent sind Bezüge zu unserer wahren Welt, der Welt wie wir Leserinnen und Leser sie kennen. Wie die damaligen Menschen durch ihre fortschrittliche Entwicklung - denn die Menschen vor dem Nebel waren unserer Gegenwart noch etliche Jahre voraus - sich ihr eigenes Leben so bequem wie möglich gestaltet haben, dabei aber sehr egoistisch vorgegangen sind und weder auf ihre Mitmenschen noch auf die Umwelt und den Planeten geachtet haben. Wie sie durch Wut, Neid und Missgunst körperliche Auseinandersetzungen und Kriege angezettelt haben, bis hin zu dem Moment als sie einen zerstörerischen Nebel in die Welt gesetzt haben, vor dem sie sich dann nicht mehr retten konnten - ähnlich der letzten weltweiten Pandemie, nur noch um einiges schlimmer und ohne Mittel und Wege zur Rettung der Menschheit.

Das Buch hat mich von Beginn an fasziniert und immer wieder in seinen Bann gezogen.

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Veröffentlicht am 19.05.2026

habe mehr erwartet

Frühjahrskollektion
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Diese Geschichte ist in den 60er Jahren in Westdeutschland angesiedelt und erzählt das Leben einer kleinen Familie: Vater, Mutter und junge, erwachsene Tochter. Die Mutter hat im Dritten Reich fürs Regime ...

Diese Geschichte ist in den 60er Jahren in Westdeutschland angesiedelt und erzählt das Leben einer kleinen Familie: Vater, Mutter und junge, erwachsene Tochter. Die Mutter hat im Dritten Reich fürs Regime gearbeitet, sieht darin bis heute jedoch kein Fehlverhalten. Der Vater wurde, wie man nach und nach erfährt, in sein Leben hineingesetzt; viel selbst entschieden hat er dabei nicht. Anfangs wirkt er noch selbstbestimmt, als er jedoch von seiner Frau einen neuen Job vermittelt bekommt, wird schnell klar, wie sehr er unter ihrem Pantoffel steht. Trotzdem war er mir der sympathischste in der ganze Geschichte. Er steht voll und ganz zu seiner Tochter, will nur ihr Bestes und lässt sie dabei aber sie selbst sein und eigene Entscheidungen treffen. Die Mutter dagegen versucht alles zu tun, um ihren guten Ruf zu wahren, was auch die Partnerwahl ihrer Tochter betrifft sowie viele andere wichtige Entscheidungen in ihrem Leben. Dabei ist die Mutter selbst immer noch eine Marionette des damaligen Regimes.

Die Autorin zeigt in diesem Buch sehr deutlich, wie schwierig der Neuanfang für das damaligen Deutschland gewesen ist. Viele Positionen mussten wieder besetzt werden, jedoch gab es kaum Menschen ohne verfängliche Vergangenheit. So wurden manche wieder eingesetzt, andere kauften sich sauber oder versuchten ihre Vergangenheit so gut es ging zu verschleiern. Als in den 60er Jahren die ersten Prozesse gegen Beteiligte begannen, war es manchen Menschen um so wichtiger ihre Vergangenheit zu verschleiern und Mitwissende verstummen zu lassen. Anhand dem Leben der Mutter wird dies hier sehr gut veranschaulicht.

Wie die Generation der Kinder mit der neuen Situation umging, ist am Leben der Tochter auch interessant gezeigt. Diese wirkt eher naiv und erfährt es am Ende des Buches mehr über die Vergangenheit des Landes, in dem sie lebt, ebenso über das Leben ihrer Eltern vor ihrer Geburt. Sie scheint sich aber bis dahin auch wenig damit beschäftigt oder dafür interessiert zu haben. Erst als sie zufällig auf genau den gegenteiligen Typ ihrer Generation trifft, die die aufarbeiten und hinterfragen wollen, fängt sie an Fragen zu stellen und wie es scheint, selbst zu denken. Woraufhin sie sich sogar teilweise gegen ihre Mutter stellt. Die Veränderung der Tochter hat mir wirklicht gut gefallen. Aus einem naiven Püppchen wurde immer mehr eine junge Frau, die ihr Leben selbst in die Hand nimmt.

Außer diesen drei Charakteren treffen wir im Buch jedoch noch auf viele weitere Personen - für meinen Geschmack definitiv zu viele. Es hat mich sehr lange gekostet, bis ich gemerkt habe, dass die Geschichte eigentlich nur drei Hauptcharaktere hat und die anderen lediglich Nebendarstellende sind. Das hat mich beim Lesen am Anfang doch verwirrt und es war nicht einfach alle auseinander zu halten. Generell ist mir der Schreibstil der Autorin schwer gefallen und ich bin nicht flüssig voran gekommen.

Das Ende des Buches hat mir gut gefallen. Dort wurde das eine oder andere aufgedeckt und die Charaktere bekamen zum Teil noch einmal einen letzten Feinschliff - vor allem die Tochter und der Vater.

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Veröffentlicht am 19.05.2026

sehr spannende Fortsetzung

Die Nacht
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Im dritten Band um den Ermittler Art Meyer und seine Kollegin Nele Tschaikowski wird es persönlich. Obwohl ich alle drei Bände sehr gemocht habe, bin ich verleitet zu sagen, dass mir dieser Band bisher ...

Im dritten Band um den Ermittler Art Meyer und seine Kollegin Nele Tschaikowski wird es persönlich. Obwohl ich alle drei Bände sehr gemocht habe, bin ich verleitet zu sagen, dass mir dieser Band bisher am besten gefallen hat! Nun kennen wir Art und Nele bereits besser, sie sich gegenseitig auch und so sind sie ein stimmiges Team. Nele ist eigentlich noch in Elternzeit (im Buch heißt es Mutterschutz, gleichzeitig wird aber gesagt, dass das Baby mehrere Monate alt ist - von daher glaube ich, dass es Elternzeit sein müsste), hält es zu Hause und nur mit dem Kind und einem Mann, der sie eh immer schon am liebsten als Mutter und Hausfrau sehen würde, nicht aus und flüchtet sich in den Fall, der offiziell auch schon bald Art entzogen wird, da er als befangen gilt. Ich mag die zwei als Team unheimlich gerne. Sie haben beide unheimlich viele Ecke und Kanten und sind dadurch irgendwie so schön normal. Dass Art Neles Handlen nicht hinterfragt und einfach für sie da ist und sie so nimmt wie sie ist, finde ich großartig.

Schon in den letzten Bänden haben wir auch Milla kennengelernt, eine Achtjährige, die mit ihrer dementen Oma eine Etage unter Art wohnt und deren Mutter vor eineinhalb Jahren plötzlich spurlos verschwunden ist. Die Kleine ist sehr forsch und hat sich beim ehemaligen Heimkind Art ins Herz geschlichen. Nun geht es in diesem Band ganz offiziell und inoffiziell um die Suche nach Millas Mutter. Dabei steht jedoch ein Mordfall an einem Richter im Mittelpunkt und nur nach und nach ergibt sich daraus die Rolle, die Millas Mutter eventuell darin spielen könnte bzw. wie sie darin verwickelt sein könnte.

Der Autor baut die Geschichte gekonnt auf und macht es von Beginn an sehr spannend. Zu den Kapiteln in der Gegenwart, die überwiegen, kommen regelmäßig Kapitel aus der Vergangenheit, die aus Sicht von Millas Mutter geschrieben sind. Sie war damals ein Teenager und lebte in einem Wohnwagen in einer Wohnwagensiedlung. Die Vergangenheit soll etwas Licht in die Gegenwart werfen, ist jedoch schon allein für sich spannend und vielschichtig, da nicht alles klar ausgedrückt wird und manche Menschen nicht so zu sein scheinen, wie sie vorgeben.

Das Ende ist dann rund und lässt eigentlich keine Fragen mehr offen, aber Arts Verhalten lässt mich vermuten, wie es im vierten Band weitergehen würde - denn vielleicht ist es ja doch nicht, wie es scheint?

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