Profilbild von schnaeppchenjaegerin

schnaeppchenjaegerin

Lesejury Star
offline

schnaeppchenjaegerin ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit schnaeppchenjaegerin über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.08.2019

Kurze Kapitel, dynamische Szenenwechsel und ein raffinierter Plot sorgen für spannende Unterhaltung, auch wenn das Ende ein wenig schwächelt

Rotkäppchens Traum
0

Annie Friedmann erwacht morgens orientierungslos im Wald. Sie weiß weder wie sie an diesen Ort gekommen, noch warum Blut und Knochensplitter an ihr haften. Sie hat massive Erinnerungslücken und kann sich ...

Annie Friedmann erwacht morgens orientierungslos im Wald. Sie weiß weder wie sie an diesen Ort gekommen, noch warum Blut und Knochensplitter an ihr haften. Sie hat massive Erinnerungslücken und kann sich zunächst nur an ihren Namen erinnern. Sie hat Angst, möchte aber nicht zur Polizei gehen, da sie weiß, dass es nicht ihr Blut ist, denn so massiv sind ihre Verletzungen nicht. Auch ist ihr die Gegend rund um Ulm fremd. Als Annie wieder einfällt, dass sie in Berlin eine Wohnung hat, kehrt sie zurück und sucht sich Hilfe bei Ben, den sie wenige Wochen zuvor über eine Partnerschaftsbörse kennengelernt hatte. Er deckt auf, dass sie ihm vor ihrem Verschwinden etwas vorgemacht hat und ihre Angaben auf der Website nicht der Realität entsprechen. Annie ist hilflos und verzweifelt. Ist sie einem Verbrechen zum Opfer gefallen? Hat sie selbst ein Verbrechen begangen? Sie muss sich auf die Suche nach der Wahrheit machen und fährt in Richtung Ulm zurück - in der Hoffnung, sich dort wieder zu erinnern.

Der Thriller ist überwiegend aus der Perspektive von Annie geschrieben, auf deren Einschätzung der Lage man sich aufgrund ihrer Amnesie jedoch nicht verlassen kann. Auch wenn sie sich sukzessive an Details und Situationen aus der Vergangenheit erinnert, weiß man nicht genau, welche Person man eigentlich vor sich hat bzw. ob Annie krank ist und an einer dissoziativen Störung leidet. Offensichtlich blendet sie belastende Ereignisse aus oder deutet sie um.
Mit Ben erhält man eine zweite Perspektive, dem Annie zunehmend unheimlich wird. Einerseits möchte er ihr helfen, andererseits traut er ihr nicht über den Weg.
Es ist ein Psychothriller, der den Leser von Anbeginn fesselt, da sich vom ersten Moment an viele Fragen auftun, die nur langsam und mit einem längeren Rückblick in die Vergangenheit vor sieben Jahren aufgeklärt werden. Dabei wird die Spannung lange durchweg hoch gehalten, der Leser immer wieder auf falsche Fährten gebracht und durch Wendungen überrascht. Die Protagonistin ist ein Unsicherheitsfaktor, die irritiert und deren Urteilsfähigkeit fortlaufend in Frage zu stellen ist. Selbst als ihre Rolle klar zu sein scheint, ist noch lange nicht geklärt, wer Rotkäppchen und wer Wolf ist.

Kurze Kapitel, dynamische Szenenwechsel und ein raffinierter Plot sorgen für spannende Unterhaltung, auch wenn das Ende ein wenig schwächelt.

Veröffentlicht am 12.08.2019

Geschichte über einen Neuanfang, die etwas sprunghaft geschrieben ist und am Ende einfach zu vieles offen und im Unklaren lässt

Mit Schirm, Charme und Keksen
0

Felicity ist bei ihrer alleinerziehenden Mutter aufgewachsen und fühlt sich ihr eng verbunden. Seit einem Unfall der Mutter arbeitet sie auch bei ihr in der Babyboutique und schafft es nicht, ihr zu sagen, ...

Felicity ist bei ihrer alleinerziehenden Mutter aufgewachsen und fühlt sich ihr eng verbunden. Seit einem Unfall der Mutter arbeitet sie auch bei ihr in der Babyboutique und schafft es nicht, ihr zu sagen, dass sie eigentlich eine andere Vorstellung vom Leben hat. Dann zieht auch noch ihre beste Freundin weg, von der Felicity zum Abschied selbst gebackene Glückskekse erhält, die ihr den Weg weisen sollen. Auch eine Weissagung zu Silvester unterstützte ihre Absicht, etwas in ihrem Leben zu ändern. Nach einem Streit mit der Mutter, die sich weigert, die Identität von Felicitys Vater preiszugeben, reist Felicity nach Schottland, um dort nach ihren Wurzeln zu suchen.
Nach einer Autopanne landet sie dann jedoch zunächst bei den Highland Games, bevor sie Hinweisen nach ihrem Vater nachgehen kann.

Die Geschichte dreht sich um einen Neuanfang und darum, den Mut zu finden, seine eigenen Träume zu leben. Es ist Felicitys persönliche Suche nach dem Glück, die wie das fröhlich-bunte Cover schon andeutet, humorvoll erzählt wird. Egal ob beim Speeddating, beim Pferderennen in Ascot oder bei den Highland Games in Schottland - Felicity gerät durch die skurrilen Männer, die ihr begegnen, in verschiedene absurde Situationen.

Ich empfand die Übergänge dazu etwas sprunghaft und fand mich immerzu abrupt in anderen Situationen wieder. Letztlich wurde auch nicht wirklich klar, welchen Neubeginn Felicity eigentlich anstrebte: die Abnabelung von ihrer Mutter und ein Berufswechsel? Die Suche nach einer neuen Liebe? Das Finden ihrer Wurzeln? Verschiedene Erzählstränge deuten darauf hin, werden jedoch nicht fortgeführt.

Das Ende des Romans erfolgt zudem sehr abrupt und lässt nahezu alles offen. Für ein befriedigendes Ende hätte Felicitys Reise in Schottland unbedingt fortgesetzt werden müssen, um dem Leser eine abschließende Erklärung geben zu können. So fragt man sich unweigerlich, ob der Roman auf eine Fortsetzung angelegt ist, was jedoch bei dem geringen Umfang des Romans nicht notwendig ist. 50 bis 100 Seiten mehr und ein runder Abschluss zumindest für einen der drei Erzählstränge hätten der Geschichte gutgetan.

Veröffentlicht am 10.08.2019

Roman über einen Neuanfang, bei dem mir bei Schlüsselereignissen die Emotionen fehlten. Auch der Bezug zum Meer kam mir etwas zu kurz.

Man sitzt insgesamt viel zu wenig am Meer
0

Nach überstandener Erkrankung hat Charlotte die Chance auf einen Neuanfang erhalten. Während ihre Eltern sie mit ihrer Fürsorge erdrücken, nimmt sich Charlotte eine Auszeit am Meer und fährt in das Ferienhaus ...

Nach überstandener Erkrankung hat Charlotte die Chance auf einen Neuanfang erhalten. Während ihre Eltern sie mit ihrer Fürsorge erdrücken, nimmt sich Charlotte eine Auszeit am Meer und fährt in das Ferienhaus ihrer Oma. Dort möchte sie zur Ruhe kommen und einfach nur an sich selbst denken. Dieser Plan geht aber nicht so richtig auf. Neben ihrem besten Freund Daniel, der in dem kleinen Küstenort Inhaber einer Kneipe ist, trifft sie auf einen Jogger, der ihre irritierende Blicke zuwirft und auf Daniels Koch Jan, der unverhohlen mit ihr flirtet. Plötzlich befindet sich Charlotte mitten in einem Gefühlschaos, so dass ihre Erkrankung fast schon in Vergessenheit gerät.

"Man sitzt insgesamt viel zu wenig am Meer" ist ein Motto, das sich Charlotte zu Herzen genommen hat. Die Symbolik des Meeres, das für Loslassen, Abschalten, ein Gefühl von Freiheit und Grenzenlosigkeit steht und dazu der Wind, der den Kopf leer pustet, fand ich sehr treffend formuliert und war ein schöner Einstieg in den Roman.
Als Charlotte von mehreren Männern gleichzeitig umgarnt wird, geriet dieser Aspekt etwas in Vergessenheit. Statt den Kopf frei zu bekommen, sind Charlottes Gedanken von den drei unterschiedlichen Männern bestimmt. Dieses Hin und Her fand ich etwas unglücklich, vor allem da nicht so ganz klar wurde, wer hier was von wem möchte.

Ein tragisches Ereignis in der Geschichte wurde mir zu kurz und emotionslos abgehandelt. An dieser Stelle wäre die Geschichte ausbaufähiger gewesen und auch Charlottes Absicht, für einen Neuanfang ans Meer zu fahren, verlor sich im Verlauf der Geschichte ein wenig. Gerade aufgrund des Titels hätte ich mir das Meer als roten Faden und bis zum Ende einen engeren Bezug zum Meer gewünscht.

Die Geschichte wird leichtgängig erzählt und ich konnte mich größtenteils gut in Charlotte hineinversetzen, dennoch war mir die Geschichte an manchen Stellen zu kurz gefasst, während andere meiner Meinung nach für die Entwicklung der Geschichte unnötige "Füller" eingebaut wurden, die keinen Mehrwert hatten. Der Roman wäre gerade im Hinblick auf die Gefühls- und Gedankenwelt von Charlotte noch ausbaufähig gewesen und hätten der bedeutsamen Thematik mehr Tiefgang verleihen können.
Für einen Abend hatte ich mit dem Kurzroman aufgrund des angenehmen und eingängigen Schreibstils trotz mancher Kritikpunkte für das Debüt der Autorin aber schöne Lesestunden.

Veröffentlicht am 09.08.2019

Unterhaltsamer Roman über die Liebe, über Freundschaft und die Leidenschaft für Bücher, der geistreich und lebendig erzählt ist.

Buchstäblich Liebe
0

Frankie Rose hatte als Schriftstellerin mit ihrem zweiten Roman keinen Erfolg mehr und wurde daraufhin auch noch von ihrem Freund verlassen. Seitdem arbeitet sie in der Buchhandlung ihrer besten Freundin ...

Frankie Rose hatte als Schriftstellerin mit ihrem zweiten Roman keinen Erfolg mehr und wurde daraufhin auch noch von ihrem Freund verlassen. Seitdem arbeitet sie in der Buchhandlung ihrer besten Freundin Cat.
Sie sehnt sich nach einer Beziehung zu einem Mann, der allerdings auch ihren Buchgeschmack teilen sollte, weshalb sie zusammen mit Cat eine neue Strategie zum Kennenlernen eines adäquaten Partners entwickelt. Frankie verteilt sukzessive ihre Lieblingsbücher - von Jane Austen über Donna Tartt bis zu Liane Moriarty - in U-Bahnen und Zügen, wobei sie auf einer der letzten Seiten der Romane ihre Kontaktdaten hinterlässt. Auf diese Weise melden sich eine Reihe von Männern bei ihr, die sie datet. Ihre Erlebnisse beschreibt sie in ihrem Online-Blog.
Daneben trifft sie sich immer häufiger mit einem Kunden, von dem sie sich angezogen fühlt, den sie allerdings aufgrund seiner bevorzugten Lektüre bisher nicht ernsthaft als Freund in Betracht ziehen wollte.

"Buchstäblich Liebe" ist ein sehr unterhaltsamer Roman über das Suchen und Finden der Liebe, der herzerfrischend und humorvoll geschrieben und weit mehr als nur eine Aneinanderreihung von Blind Dates ist.

Frankie ist eine liebenswerte Protagonistin, die zwar auf der Suche, aber keinesfalls verzweifelt ist. Sie ist schlagfertig und beschreibt ihre Date Erlebnisse ironisch in ihrem Blog, der den Roman zusätzlich auflockert und für Abwechslung sorgt. Es ist schön zu lesen, wie Frankie durch den Erfolg ihres Blogs zu neuem Selbstbewusstsein findet und auch wieder Vertrauen zu einem Mann fassen kann. Bis es jedoch soweit ist, läuft Frankie Gefahr ihre neu gefundene Liebe zu verlieren und auch ihre Freundin Cat sorgt ihrerseits für Beziehungschaos.
Der Bezug zu bekannten Buchklassikern und Bestsellern der letzten Jahre ist nicht nur für Buchliebhaber reizvoll, da es sich um Romane handelt, die allen interessierten Lesern bekannt sein dürften, ohne dass man das Gefühl haben müsste, Anglistik oder Literaturwissenschaften studiert zu haben.

Es ist ein Buch über die Liebe, über Freundschaft und die Leidenschaft für Bücher, der geistreich und lebendig erzählt ist. Es ist eine charmante romantische Komödie, die durch einen erfrischenden, spritzigen Schreibstil begeistert und durch überraschende Entwicklungen auch ausreichend Spannung und eine gehörige Portion Drama beinhaltet.

Veröffentlicht am 07.08.2019

Bezaubernder Roman über Familie, Verlust, Versöhnung, die Kraft der Liebe und eines Neuanfangs vor dem Hintergrund der Symbolik der Blumen

Die verlorenen Blumen der Alice Hart
0

Mit neun Jahren wird Alice Hart nach einem Brand zur Vollwaise und von ihrer Großmutter June, die sie bisher nicht kannte auf ihrer Blumenfarm Thornfield aufgenommen. June macht sich Vorwürfe, dass sie ...

Mit neun Jahren wird Alice Hart nach einem Brand zur Vollwaise und von ihrer Großmutter June, die sie bisher nicht kannte auf ihrer Blumenfarm Thornfield aufgenommen. June macht sich Vorwürfe, dass sie vor Jahren im Streit mit ihrem Sohn Clem auseinandergegangen ist, der sich daraufhin zu einem jähzornigen und gewalttätigen Ehemann und Vater entwickelt hat.
Die traumatisierte Alice wächst wohlbehütet bei June und ihren Blumenmädchen auf und lernt von ihrer Großmutter durch Blumen zu sprechen. Jede Blume hat eine eigene Bedeutung und kann bei der Kommunikation helfen, um Dinge auszudrücken, die zu schwer zu sagen sind. June möchte verhindern, dass Alice das selbe Schicksal erleidet wie ihre Schwiegertochter Agnes, weshalb sie Alice Wesentliches aus der Vergangenheit aus Fürsorgegründen verschweigt und Alices erste Liebe sabotiert. Diese fühlt sich verraten und verlässt Thornfield, um in die australische Wüste zu fliehen und neu als Ranger in einem Nationalpark zu beginnen. Doch der Fluch der Thornfield-Frauen scheint sie dort einzuholen.

Der Roman ist von Anbeginn packend, da das Schicksal der neunjährigen Alice, die in der permanenten Erwartung der Wutausbrüche ihres Vaters und mit der Angst um ihre Mutter isoliert aufwächst, sehr eindringlich und berührend beschrieben ist. Bei der Großmutter wächst sie anschließend überbehütet auf, so dass sie zunächst sprichwörtlich aufblüht, ihr aber unbewusst erneut eigene Entscheidungen verwehrt und somit Unabhängigkeit und Freiheit genommen werden.

Jedes Kapitel beginnt einleitend mit der Beschreibung einer Pflanze und ihrer Bedeutung, die zudem noch grafisch dargestellt wird, wodurch sich die Sprache der Blumen wie ein roter Faden durch den Roman zieht. Auf der Blumenfarm ist die Atmosphäre von Liebe und Geborgenheit spürbar, denn viele Frauen haben auf der Farm nicht nur Arbeit, sondern auch eine Zuflucht gefunden. In der zweiten Hälfte des Romans, die viel weiter im Westen Australiens, abseits vom Meer in der kargen Wüstenlandschaft handelt, empfand ich die Symbolik der Blumen vordergründiger und die Beschreibungen der Flora und Landschaft Australiens noch anschaulicher.

Alice ist ein kluges und starkes Mädchen, das sich zu einer sensiblen jungen Frau entwickelt. Sie erkennt, dass sie sich von ihrer Großmutter, die es zwar gut mit ihr meint, aber übermächtig ist, abnabeln muss, um ein eigenständiges Leben ohne Beeinflussung führen zu können. Die Intention von June, durch ihr beherztes, aber übergriffiges Eingreifen die Muster der Vergangenheit zu durchbrechen, um zu verhindern, dass ihre Enkelin im Gegensatz zu den vorangegangen Generationen von Frauen davon verschont bleibt, einem missbräuchlichen, gewalttätigen Mann zu verfallen, ist damit zum Scheitern verurteilt.
Es scheint tatsächlich ein Fluch auf den Frauen dieser Familie zu lasten, denn auch Alice scheint einem gefährlichen Mann zu verfallen.

"Die verlorenen Blumen der Alice Hart" ist ein bezaubernder Coming-of-Age-Roman über Familie, Verlust, Versöhnung und die Kraft der Liebe und eines Neuanfangs vor dem Hintergrund der Symbolik der Blumen, der metaphorisch erzählt wird. Die Schicksale der Frauen berühren und es ist spannend zu lesen, wie es Alice schaffen soll, den Bann zu durchbrechen, der vorangegangene Generationen in den Abgrund gezogen hat. Dabei zeigt sich eindringlich, welche Fehler Menschen begehen, um ihre Liebe und ihre Familie zu schützen und damit genau das Gegenteil erreichen.

Da der Roman nicht nur aus der Perspektive von Alice geschrieben ist, sondern zumindest auch abschnittsweise aus der Sicht der Frauen auf der Farm oder im Nationalpark, hätte ich mir auch mehr Hintergründe zu ihren Geschichten gewünscht. Für meinen Geschmack endete der Roman zu abrupt und hätte in Bezug auf mehrere Handlungsstränge noch Potential für weitere Seiten gehabt.
Es ist ein bildgewaltiger Roman, durch den man sehr viel über die Pflanzenwelt Australiens erfahren kann.