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Veröffentlicht am 26.04.2025

Thriller um die Aufdeckung eines Terrornetzwerks - spannend und unterhaltsam durch einen skurril anmutenden zweiten Erzählstrang. Für mich der beste Band der Reihe mit dem besonderen Charme von Maarten S. Sneijder

Todesspur
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In Deutschland kommt es im Mai innerhalb von kurzen Abständen in verschiedenen Großstädten zu mehreren Anschlägen und alles deutet daraufhin, dass es sich bei den Attentätern um die vierte Generation der ...

In Deutschland kommt es im Mai innerhalb von kurzen Abständen in verschiedenen Großstädten zu mehreren Anschlägen und alles deutet daraufhin, dass es sich bei den Attentätern um die vierte Generation der RAF handelt. Das BKA um den Profiler und Chefermittler Maarten S. Sneijder konnte einen vermeintlichen Kopf und Ideengeber, Dr. Conrad, der neu formierten Terrorgruppe aufspüren und mit einer groß angelegten Aktion, an der auch der BND beteiligt war, festnehmen. Unter Zeitdruck wird Conrad verhört und schweigt beharrlich. Nachdem ein Flugticket nach Mallorca bei ihm gefunden wird, machen sich Sneijder und seine jüngere Kollegin Sabine Nemez für einen Undercover-Einsatz auf der Urlaubsinsel bereit, in der Hoffnung weitere Teile der Gruppe zu identifizieren und geplante Anschläge zu verhindern. Aufgrund der wenigen Erkenntnisse über die "R4F" ist es schwierig die Übersicht über die möglichen Beteiligten zu gewinnen, als es in dem Luxushotel auf Mallorca, wo Sneijder und Nemez untergebracht sind, zu ersten Todesfällen kommt.

"Todesspur" ist der achte Band der "Todesreihe" um den charismatischen niederländischen BKA-Profiler Maarten S. Sneijder. Grundsätzlich handeln die Bände von in sich abgeschlossenen Kriminalfällen, so dass die Einzelbände unabhängig voneinander lesbar sind. Zum besseren Verständnis der wiederkehrenden Hauptfiguren, ihrer (liebenswerten) Eigenarten und der Beziehungen untereinander ist es jedoch empfehlenswert, die Reihe chronologisch zu verfolgen.

"Todesspur" baut auf zwei Erzählsträngen auf, die zunächst keine Verbindung aufweisen und auf Mallorca zusammengeführt werden. Der Roman handelt einerseits von den Ermittlungen des BKA, um die vierte Generation der RAF zu entlarven und die angekündigte Terrorwelle gegen Staatsvertreter, Wirtschaftsgrößen und kritische Infrastruktur zu stoppen. Andererseits handelt der Roman von der ehemaligen Polizistin Lea Fuchs, die eine eigene Sicherheitsfirma in Tirol aufgebaut hat und nach einem Unfall und unter dem Einfluss der Stimme ihrer toten Zwillingsschwester mehrere falsche Entscheidungen trifft, die eine blutige Spur nach sich ziehen.
Ungeahnt gibt es darüber hinaus eine Verbindung von ihr zu Angehörigen der vierten Generation der RAF.

Durch die ungewöhnlichen Ermittlungsmethoden und des zweiten, etwas skurril anmutenden Erzählstrangs ist der achte Band sehr unterhaltsam und vor dem Hintergrund des aufkommenden Terrors in Deutschland spannend geschildert. Der originelle Plot ist mit der Verknüpfung von Terrorismusbekämpfung und der Eskalation der Vertuschung einer Tat schon fast aberwitzig aufgebaut, ohne dass Zweifel an der Authentizität des Szenarios geweckt werden. Das Konstrukt ist plausibel und die kurzen Kapitel lassen einen geradezu durch den Roman fliegen.

Trotz der stockenden Ermittlungen ist die Geschichte temporeich und dynamisch. Der Thriller entwickelt sich unvorhersehbar und Sneijder muss in diesem Fall mit seinem Team besonders kreativ sein, um Schlimmeres zu verhindern. Der sehr von sich überzeugte, dauerkiffende Kriminalpsychologe bleibt seiner eigenwilligen, unverwechselbaren Art treu und hat Kollegen, die er antreibt und die ihm Paroli bieten können.

Der politische Hintergrund des Kriminalfalls bleibt nur oberflächlich. Im Vordergrund des fesselnden Thrillers stehen die polizeilichen Ermittlungen und die bekannten, sehr besonderen Charakteren, die ein Terrornetzwerk aufdecken müssen, ohne sich von fast schon beiläufig erledigten Morden ablenken zu lassen, die ihre Wege zufällig kreuzen.

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Veröffentlicht am 24.04.2025

Wortgewandte, unterhaltsame RomCom mit spritzigen Dialogen, in der die Romantik etwas kurz kommt

Book Lovers - Die Liebe steckt zwischen den Zeilen
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Nora Stephens ist ein wahrer Workaholic und gibt in ihrem Job als Literaturagentin alles. In der Liebe ist sie hingegen weniger erfolgreich. Die Männer an ihrer Seite verlassen sie für alles, wofür die ...

Nora Stephens ist ein wahrer Workaholic und gibt in ihrem Job als Literaturagentin alles. In der Liebe ist sie hingegen weniger erfolgreich. Die Männer an ihrer Seite verlassen sie für alles, wofür die streng organisierte Großstädterin nicht steht. Für ihre jüngere Schwester Libby würde sie jedoch alles geben, fühlt sie sich doch seit dem Tod ihrer Mutter verantwortlich für sie. Ihr zuliebe stimmt sie deshalb einem gemeinsamen Urlaub in einer Kleinstadt zu, die der Schauplatz von Libbys Lieblingsroman ist. Dort trifft Nora ausgerechnet auf Charlie Lastra, einem Lektor, mit dem sie sich zuletzt über ein Manuskript gestritten hatte.
Während sich in Sunshine Falls ihre Wege unweigerlich immer wieder kreuzen, macht sich Nora Sorgen um ihre Schwester, die ihr etwas verschweigt.

"Book Lovers" nimmt bereits im Prolog treffsicher und unheimlich witzig die Stereotypen von Kleinstadtromanzen auf die Schippe Geschichten, in denen die Hauptfigur Nora nie eine Heldin sein könnte. Gleichzeitig bedient der Roman selbst Klischees von typischen Enemies-to-Lovers-Geschichten, was sie jedoch nicht weniger glaubwürdig macht.

Natürlich ist die Liebesgeschichte in ihren Grundzügen vorhersehbar und genau das wird ja auch erwartet. Das Buch handelt jedoch nicht nur von der Annäherung von Nora und Charlie, die erst auf den zweiten Blick erkennen, dass sie sowohl beruflich als auch privat sehr wohl zusammenpassen. Es geht auch um die innige Schwesternbindung von Nora und Libby, um Verlustängste und die Angst, nicht dazuzugehören oder zu genügen sowie trotz der Verantwortung und der Liebe für andere auf die eigenen Bedürfnisse zu hören und den richtigen Lebensweg für sich zu wählen.

"Book Lovers" ist voller wortgewandter, spritziger Interaktionen der Hauptfiguren, macht aus jedem Aufeinandertreffen von Nora und Charlie einen charmanten und humorvollen Schlagabtausch und trifft auch bei den ernsteren Themen den richtigen Ton. Ohne übertriebene Dramen oder inszenierte Missverständnisse bietet der Roman eine sommerliche Unterhaltung im Umfeld des Verlagswesens.
Als sich die Figuren über ihre Gefühle im Klaren sind, verliert sich leider der Witz und zieht den Roman am Ende etwas in die Länge.
Der Besondere der Geschichte sind die spitzzüngigen, frechen Dialoge. Die Nebenstränge der Handlung wie das Abarbeiten der Bucketlist, das Kleinstadtsetting sowie die romantischen Gefühle kommen dagegen etwas kurz.

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Veröffentlicht am 21.04.2025

Spannende, wendungsreiche Geschichte um einen komplexen Cold Case. Aber nicht der beste Teil der Reihe: zu dramatisch und etwas konstruiert

Dunkles Wasser
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Vor 15 Jahren wurden im Sommer in Schottland mehrere Urlauber beim Zelten kaltblütig ermordet. Überlebt hat nur die 16-jährige Iris, die sich vor den Tätern verstecken konnte.
Iris ist traumatisiert und ...

Vor 15 Jahren wurden im Sommer in Schottland mehrere Urlauber beim Zelten kaltblütig ermordet. Überlebt hat nur die 16-jährige Iris, die sich vor den Tätern verstecken konnte.
Iris ist traumatisiert und nach wie vor in psychotherapeutischer Behandlung. Zudem wird sie seit kurzem von einem anonymen Stalker bedroht. Als sie mit ihrer Freundin in Frankreich im Urlaub ist, ist die Stimmung gedrückt und ihre Wege trennen sich durch die Verwicklung unglücklicher Umstände. Auf sich allein gestellt, trifft Iris auf Caleb Hale, der selbst in Frankreich im Urlaub ist und der attraktiven Frau helfen möchte. Auf der Suche nach ihrer Freundin sieht sich der ehemalige Polizist an seine Berufung erinnert. Die Ereignisse überschlagen sich, als sich herausstellt, dass Iris tatsächlich in unmittelbarer Gefahr ist und einer der Täter von damals die Zeugin offenbar eliminieren möchte.
Kate Linville, die zum Inspector befördert worden ist und unglücklich von einem aktuellen Entführungsfall abgezogen wurde, ist plötzlich für Iris Shaw zuständig und versucht alles, um den Cold Case zu lösen und deckt dabei so manche Ungereimtheit auf.

"Dunkles Wasser" ist der fünfte Band der "Kate-Linville"-Reihe, der sich bezogen auf den Kriminalfall unabhängig von den Teilen davor lesen lässt. Im Hinblick auf die handelnden Personen ist es jedoch aufschlussreich die Reihe chronologisch zu lesen.

Der Roman handelt von zwei unterschiedlichen Kriminalfällen, wobei der aktuelle Fall der Entführung einer Jugendlichen in den Hintergrund tritt und nachrangig ist. Er hat jedoch zur Folge, dass Kate freie Kapazitäten hat und deshalb bereitwillig ihren Freund Caleb unterstützt, für den sie immer noch mehr empfindet. Beide beißen sich im weiteren Verlauf aus unterschiedlichen Gründen an dem Cold Case fest, der eine Bedrohung für die einzig überlebende Zeugin Iris ist. Kate ist überzeugt, dass ihr Verfolger nur mit Hilfe der Aufklärung des alten Falls gelöst werden kann.

Die Geschichte ist spannend und wendungsreich und durch die Sicht des Täters im Jahr 2008 brutal. Auf diese Weise hat der Leser gegenüber den Ermittlern einen Wissensvorsprung, was die Spannung allerdings nur geringfügig mindert. Der Fall ist komplex, weshalb es dauert, bis sich alle Zusammenhänge zwischen Gegenwart und Vergangenheit, Opfern und Tätern offenbaren.

Die Ermittlungen sind dabei sehr von Kates Hartnäckigkeit und ihrem Instinkt und weniger von konkreten Spuren geleitet. Zudem erscheinen durch den langen Zeitraum nach 15 Jahren die Motive nicht immer ganz schlüssig und nachvollziehbar. Die Offenbarung am Ende ist überraschend, aber weniger raffiniert als vielmehr weit hergeholt.
Die Atmosphäre ist hingegen durchgehend authentisch beschrieben. Die Stimmung ist trotz des Sommers düster und wechselt zwischen Starkregen und unerträglicher Hitze.
Wie gewohnt hat Kate immer noch mit ihren inneren Dämonen zu kämpfen, die weiterhin die Nerven des Lesers strapazieren. Auch Caleb ist mit seiner blinden Verliebtheit in diesem Band neben der Spur.

"Dunkles Wasser" ist durch den undurchsichtigen Zusammenhang zwischen Vergangenheit und Gegenwart spannend und durch immer neue Hinweise wendungsreich. Das Szenario um das Gewaltverbrechen als eine Folge von sozialer Ungleichheit, Rachegelüsten und einem Gewaltexzess und die späten Folgen ist nicht abwegig, aber für die Dramaturgie in vieler Hinsicht konstruiert. Für mich deshalb nicht der beste Teil der Reihe.

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Veröffentlicht am 19.04.2025

Die fiktive Geschichte einer deutschen Industriellenfamilie, verbunden mit der historischen Wahrheit: ein belastetes Erbe - aufwühlend und dramatisch

Die Erbin
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Cosima Liefenstein ist eine der Nachfahren von Wilhelm Liefenstein, der das Unternehmen Liefenstein gegründet hatte, das mit der Herstellung von Batterien groß geworden ist und sich auch in der Stahlindustrie ...

Cosima Liefenstein ist eine der Nachfahren von Wilhelm Liefenstein, der das Unternehmen Liefenstein gegründet hatte, das mit der Herstellung von Batterien groß geworden ist und sich auch in der Stahlindustrie einen Namen gemacht hat. Sein Sohn Theodor, der Onkel von Cosima, führt das Unternehmen in seinem Sinne weiter. Cosima hat ein enges Verhältnis zu ihrem Onkel, nachdem ihr Vater verstorben ist, als sie noch ein junges Mädchen war.
Sie selbst hatte vor Kurzem einen Reitunfall und hat nach einer Begegnung mit einer jungen, verwitweten Mutter eine Stiftung für bedürftige Frauen gegründet. Während ihr Verlobter Alexander ihr Engagement als nicht angemessen erachtet, interessiert sich der Journalist Leo Marktgraf für ihre Tätigkeit. Er hat jedoch noch ein ganz eigenes Interesse an ihrer Familie, nachdem sein Freund und Anwalt Walter Weber nach einer Anschuldigung der Liefensteins unter seltsamen Umständen ums Leben gekommen ist.
Auch bei Cosima ist das Interesse an der Geschichte ihrer Familie geweckt, nachdem sie auf dem Dachboden Fotos gefunden hat, die eine enge Verbindung der Liefensteins zur SS im Dritten Reich belegen.

Der Roman handelt auf zwei Zeitebenen und rückt in der Gegenwart im Jahr 1957 den Fokus auf die junge Erbin Cosima Liefenstein, die den Einfluss ihrer Familie für soziale Zwecke nutzen möchte und sich damit nicht nur Freunde macht.
Die Vergangenheit erzählt beginnend ab dem Jahr 1929 die Geschichte der Industriellenfamilie Liefenstein, wobei der Fokus dabei einerseits auf die junge Hausangestellte Elisa Kopper und andererseits auf einzelne Mitglieder der Familie Liefenstein gerichtet ist, im Besonderen Cosimas Vater Edmund, der die zunehmend engeren Beziehungen zu den Nationalsozialisten missbilligt.

Die Vergangenheit bildet damit den Hintergrund zudem, was Cosima in der Gegenwart aufdeckt. Mit Fortlauf der Geschichte nähern sich die Erzählebenen zeitlich und inhaltlich immer weiter an.
Die Personenübersicht der Familie und weiterer handelnder Personen ist zum Einstieg in die Geschichte hilfreich. Durch die wechselnden Perspektiven und Einblicke in ihr Denken und Handeln entstehen nahbare Charaktere, so dass trotz der Vielzahl der Personen der Entwicklung leicht zu folgen ist.

"Die Erbin" ist erneut ein vielschichtiger Roman von Claire Winter über die Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte. Anhand der fiktiven Familie Liefenstein wird deutlich, wie eng Politik und Wirtschaft, Macht und Geld, zur damaligen Zeit verknüpft waren und auf welche Weise frühzeitig Vorbereitungen für einen Krieg getroffen, die Aufrüstung unterstützt und von der Arisierung und Ausbeutung finanziell profitiert wurde.

Es ist eine lebendige Zeitgeschichte über eine wohlsituierte Familie und ihren Beziehungen untereinander, bei der auch die Unterschiede zwischen Arm und Reich und der innere Kampf gegen Konventionen deutlich werden. Sie handelt von Enthüllungen und dunklen Geheimnissen, die Emotionen wecken und entwickelt durch die Aufklärung der Rolle des Unternehmens Liefenstein im Dritten Reich und den Nachforschungen dazu einen spannenden Krimianteil. Die Geschichte entwickelt sich dabei zunehmend dramatisch gibt einem Bösewicht eine zu dominante Rolle.
Es geht um die Schuld vorangegangener Generationen und die Last eines Erbes - eine Geschichte, die als historischer Roman nicht neu ist, aber so bildhaft und empathisch erzählt wird, dass der 600-Seiten-Epos nie langweilig wird und anhand der fiktiven Geschichte beispielhaft Erschütterndes zutage treten lässt, was durch das Nachwort der Autorin nochmals deutlich wird.

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Veröffentlicht am 16.04.2025

Familiengeschichte mit einer belasteten Vergangenheit, interessanten Frauenfiguren und dramatischer Spannung

Die Garnett Girls
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Margo hat gegen den Willen ihrer Eltern früh ihre große Liebe Richard geheiratet, einen Poet mit Hang zum Alkohol. Die drei gemeinsamen Kinder konnten dabei auch nichts daran ändern, dass Richard immer ...

Margo hat gegen den Willen ihrer Eltern früh ihre große Liebe Richard geheiratet, einen Poet mit Hang zum Alkohol. Die drei gemeinsamen Kinder konnten dabei auch nichts daran ändern, dass Richard immer weiter dem Alkohol verfallen ist und Margo schließlich verlassen hat. Depressiv hat Margo ihre Kinder sich selbst überlassen und die älteste Rachel hat sich um ihre Geschwister Imogen und Sasha gekümmert.
Jahre später wohnt Rachel mit ihrem Ehemann Gabriel und zwei Kindern in ihrem Elternhaus auf der Isle of Wight, das Margo immer noch nutzt, um dort ihre ausschweifenden Partys zu feiern. Rachel lebt nur noch ihren Kindern zu Liebe auf der Insel und würde lieber in London leben. Imogen wohnt wie Sasha in London und sieht sich unter Druck gesetzt, ihren Freund William zu heiraten, der ihr einen Heiratsantrag gemacht hat. Die jüngste Sasha hingegen ist verheiratet, mit ihrem Mann Phil jedoch nicht mehr glücklich, der zunehmend jähzornig und kontrollierend ist.
Alle drei Töchter leiden auf unterschiedliche Weise unter dem Verlust des Vaters, der auch zu einem ambivalenten Verhältnis zur Mutter geführt hat.

Das Leben der Garnett Girls ist von der Abwesenheit des Vaters bestimmt. Für Mutter Margo ist Richard ein Tabuthema. Selbst mit ihren erwachsenen Töchtern spricht sie nicht über ihre große Liebe. Sie möchte nur das Beste für ihre Mädchen, vor allem verlässliche Ehemänner.
Ihre Töchter stehen unter Druck und möchten es ihrer dominanten Mutter stets recht machen, sehnen sich jedoch nach der leidenschaftlichen Liebe wie Margo und Richard sie hatten.
Je mehr sie ihre eigenen Bedürfnisse hinter dem Berg halten und ihre eigenen Geheimnisse hüten, desto weiter steigt das Konfliktpotential innerhalb der Familie.
Trotz der vielen unausgesprochenen Wahrheiten, trifft man sich regelmäßig in der Strandvilla Sandcove, feiert Partys mit zu viel Alkohol und hält an alten Traditionen fest.

Durch die Schilderungen aus wechselnden Perspektiven ist die Geschichte, die in London und der Isle of Wight handelt, abwechslungsreich und gibt Einblicke in die Leben aller Garnett-Frauen. Diese sind sich grundsätzlich ähnlich, aber im Detail doch verschieden. Der enge Zusammenhalt der drei Schwestern ist spürbar, jedoch auch die Verbundenheit mit der Mutter, die zu viel Raum einnimmt.

Es spielen sich größere und kleinere Dramen ab, Affären, Lügen und Geheimnisse, die zu einer seifenopernartigen Melodramatik führen, aber durch die vermittelten Hintergründe zu den Charakteren und ihren inneren Konflikten, die sie steuern, plausibel sind.
Das Schweigen über die Vergangenheit ist eine Belastung, die schwer über allen schwebt und während die jüngste Schwester schon rebelliert und ein Tabu bricht, ist es letztlich auch Margo, die lernt, dass ein Abschluss mit der Vergangenheit nötig ist und sie für ihre Töchter über ihren Schatten springen muss.

"Die Garnett Girls" ist eine Familiengeschichte mit interessanten Frauenfiguren, in der die Beziehungen untereinander in den Mittelpunkt rücken. Der Roman zeigt einen engen Zusammenhalt, der für Verlässlichkeit sorgt, aber auch die Notwendigkeit, sich abzunabeln und eigene Entscheidungen zu treffen, um sein persönliches Glück zu finden. Durch die schwelenden Geheimnisse und drohenden Konflikte entsteht eine dramatische Spannung, die einen Lesesog entwickelt. Zudem kann eine authentische Entwicklung der Charaktere nachvollzogen werden.

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