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Veröffentlicht am 20.06.2018

Fantastische, unterhaltsame und anrührende Geschichte die zeigt, dass der Mensch kein Einzelkämpfe ist

Miss Gladys und ihr Astronaut
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Die British Space Agency hat die Vorbereitungen für die erste Marsmission abgeschlossen, als der für die Reise ausgebildete Astronaut an einem Herzinfarkt stirbt. Als Ersatz wird Thomas Major auserkoren, ...

Die British Space Agency hat die Vorbereitungen für die erste Marsmission abgeschlossen, als der für die Reise ausgebildete Astronaut an einem Herzinfarkt stirbt. Als Ersatz wird Thomas Major auserkoren, der aufgrund seiner Unzufriedenheit mit seinem Leben kein Problem mit der einsamen Reise ohne Wiederkehr hat.
Zwei Wochen vor Abflug sitzt er allein in seine Raumsonde, beschäftigt sich mit Kreuzworträtseln und hat nur noch Kontakt zur Bodenstation. Als er ein letztes Mal mit seiner Exfrau Janet sprechen möchte, hat diese bereits ihre Telefonnummer geändert, weshalb "Major Tom" versehentlich Miss Gladys anruft., Die ältere Frau leidet an Dement und lebt zusammen mit ihren minderjährigen Enkeln Ellie und James. Die 15-jährige Ellie trägt die Verantwortung für die Familie, nachdem der Vater seit einigen Monaten inhaftiert ist. Aus Angst davor, getrennt in Pflegeeinrichtungen untergebracht zu werden, bemühen sie sich nicht um staatliche Unterstützung, bis der Gerichtsvollzieher vor der Tür steht. James, der davon träumt, Wissenschaftler zu werden und an einem Talentwettbewerb teilnehmen kann, bittet Major Tom aus der Entfernung um Hilfe. Zögerlich willigt der griesgrämige Astronaut, der die Welt eigentlich auf Abstand halten wollte ein, hat aber nicht mit der BriSpA gerechnet, die die Situation der Familie für die Aufbesserung von Thomas Majors Image ausnutzen möchte.

"Miss Gladys und ihr Astronaut" ist ein herrlich absurder Roman mit einer tragikomischen Geschichte und Skurrilen Charakteren. Die kurzen Kapitel wechseln von All zu Erde und von Gegenwart zu Rückblenden in die Vergangenheit, so dass der Roman temporeich und lebendig geschrieben ist. Die Handlung ist stellenweise ein wenig überzogen, was aber zu den eigenwilligen Protagonisten passt und dem Roman einen besonderen Charme gibt.

Gespannt verfolgt man wie Miss Gladys und ihre Enkel für den Zusammenhalt ihrer Familie kämpfen und welche Idee James zusammen mit Thomas entwickeln kann, um den mit 5.000 Pfund dotierten Wettbewerb für Nachwuchswissenschaftler zu gewinnen. Dabei ist interessant zu erfahren, mit welchen Geistern der Vergangenheit Thomas zu kämpfen hat und ob es für ihn einen versöhnlichen Abschied von der Erde gibt bzw. ob die Marsmission, für die er alles andere als geeignet erscheint, überhaupt erfolgreich sein wird.

Der Autor setzt ernste Themen wie Einsamkeit und Demenz in einen sehr humorvollen Kontext, ohne dass die - zugegebenermaßen sehr konstruierte - Geschichte zu sehr an Ernsthaftigkeit verliert oder albern wird.
Mir haben vor allem der trockene Humor von Thomas, aber auch der ambitionierte Einsatz der Geschwister für ihre Familie, der versehentlich immer wieder von den absurden Aktionen der dementen Großmutter torpediert wird, gut gefallen.

"Miss Gladys und ihr Astronaut" ist eine unterhaltsame und anrührende Geschichte die zeigt, dass der Mensch kein Einzelkämpfe ist, sondern dass man vor allem durch gegenseitige Unterstützung, Zusammenhalt und Freundschaft weiterkommt und selbst in ausweglosen Situationen nie das Ziel vor Augen verlieren darf und mit einer zündenden Idee noch über sich hinauswachsen kann.

Veröffentlicht am 18.06.2018

Tiefgründiger Roman, der trotz aller Komplexität der Gehirnforschung durch die tragikomischen Momente unterhält und bewegt

Der Mann ohne Schatten
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Elihu Hoopes erkrankt im Sommer 1964 an einer Herpesinfektion, die zu einer Entzündung seines Gehirns führt. Teile seines Gehirns sind danach so geschädigt, dass er einen Gedächtnisverlust erleidet und ...

Elihu Hoopes erkrankt im Sommer 1964 an einer Herpesinfektion, die zu einer Entzündung seines Gehirns führt. Teile seines Gehirns sind danach so geschädigt, dass er einen Gedächtnisverlust erleidet und sich Dinge nicht mehr länger als 70 Sekunden merken kann. Eine Chance auf Heilung besteht nicht.

Für die Wissenschaft wird Elihu Hoopes aufgrund seiner partiellen retrograden und seiner totalen anterograden Amnesie zu einem interessanten Forschungsobjekt. 31 Jahre lang untersuchen und testen ihn Wissenschaftler im Rahmen des Projekts, dass zu Beginn von Milton Ferris geleitet wird. Seine Doktorandin Margot Sharpe beschäftigt sich als Neurowissenschaftlerin eingehend mit Eli. Im Rahmen der täglichen Arbeit im Gedächtnislabor entwickelt sie Gefühle für den 14 Jahre älteren, charismatischen Mann, der für sich ein Leben lang 37 Jahre alt sein wird. Er wird sich allerdings nie an sie erinnern können. Jeden Tag aufs Neue stellt sie sich ihm als seine Neuropsychologin vor und kann nur im Heimlichen die Beziehung zwischen den beiden losgelöst von den Testreihen intensivieren.


Rätselhaft sind dabei die Erinnerungen Elis aus seiner Kindheit, an ein ertrunkenes Mädchen, die er in Zeichnungen artikuliert.

Margot Sharpe lebt für die Forschung und übernimmt im Laufe der Jahre die Leitung des Forschungsobjekts, nachdem sich Milton Ferris in Veröffentlichungen ohnehin ihre Studien zu eigen gemacht hatte und ihr Abhängigkeitsverhältnis als junge Doktorandin mit einer Affäre ausnutzte. Sie erntet allerdings öffentlich Kritik an ihrer Arbeit, wird beschuldigt, den Mensch Elihu Hoopes in seiner Hilflosigkeit als Projekt der Gedächtnisforschung auszubeuten.

Das Buch ist eine Mischung aus wissenschaftlicher Langzeitstudie und Roman über eine Liebe, die nicht sein kann und darf. Denn Elihu Hoopes ist "in ewiger Gegenwart gefangen [...]. Wie jemand, der im Halbdunkel der Wälder im Kreis herumläuft - ein Mann ohne Schatten."

Mit vielen medizinischen Fachbegriffen, aber dennoch feinfühlig, beschreibt die Autorin wie sich aus der anfangs sachlichen, wissenschaftlichen Arbeit eine fragwürdige und für Margot selbstzerstörerische Beziehung zwischen Wissenschaftlerin und Versuchsperson entwickelt. Dabei erscheint nur logisch, dass Margot aufgrund der mangelnden Distanz ihre Objektivität verliert und damit das Projekt in Gefahr bringt.

Auch die Ausweglosigkeit Elihu Hoopes ist anrührend dargestellt, der (zum Glück) nicht begreift, dass sein Leben nur noch der Forschung dienlich zu sein scheint, nachdem sich Freunde und Verwandte bis auf eine Tante aufgrund seiner Wesensveränderung von ihm abgewandt haben. Jahre später wird er nicht einmal mehr die Gesichter seiner Geschwister erkennen können.

Margot sucht die Nähe zu Eli und verliert sich schon fast in einer wahnhaften Vorstellung mit Eli eine Beziehung zu führen. Selbst Eli meint sich an Margot als seine Ehefrau zu erinnern, obwohl er selbst nie verheiratet gewesen ist. Ganz klar wird dabei nicht, ob es sich um eine reine Wunschvorstellung handelt, in der Hoffnung, tatsächlich eine Zukunft zu haben, oder ob er sie tatsächlich liebt.

Die Beziehung des "Paares" entwickelt sich nicht weiter, kann es auch gar nicht. Wie soll eine Liebe zu einem Mann, der in der Gegenwart gefangen ist, eine Zukunft haben? Mitgefühl entwickelt man als Leser für beide Protagonisten: Elihu Hoopes, dessen Biographie sich nicht weiterentwickeln kann und der nicht begreift, was mit ihm in dem Labor Tag für Tag passiert und Margot Sharpe, die für die Forschung und für ihre zum Scheitern verurteilte Liebe lebt und dabei eine krankhafte Obsession entwickelt. Beide Leben erscheinen erschreckend trostlos.

Der Roman dreht sich um die Frage, wie weit eine Forscherin gehen darf und wie viel Zwischenmenschlichkeit in der Wissenschaft erlaubt ist. Unabhängig von Margots Liebe zu ihrem Probanden wird Kritik an dem unmenschlichen Umgang der Forscher geübt, die Hoopes zu einem Forschungsobjekt degradieren.
Spannung wird dem Roman durch das Rätsel um das ertrunkene Mädchen verliehen, eine Erinnerung, die Elihu Hoopes vor seine Erkrankung verdrängt haben muss.

"Der Mann ohne Schatten" ist ein tiefgründiger Roman mit hohem Anspruch, der trotz aller Komplexität der Gehirnforschung durch die tragikomischen Momente unterhält und aufgrund der Ausweglosigkeit von Elihu Hoopes Schicksal bewegt.

Veröffentlicht am 15.06.2018

Wenig überraschendes Geheimnis, viel Dramatik und ein für mich sehr enttäuschendes Ende

Der Sommer der blauen Nächte
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Jule ist Verhaltenstherapeutin in München und wird durch den Tod ihrer Mutter Marie, einer Künstlerin, völlig aus der Bahn geworfen. Kurz zuvor war ihre langjährige Beziehung zu Hannes in die Brüche gegangen ...

Jule ist Verhaltenstherapeutin in München und wird durch den Tod ihrer Mutter Marie, einer Künstlerin, völlig aus der Bahn geworfen. Kurz zuvor war ihre langjährige Beziehung zu Hannes in die Brüche gegangen und auch ihren Vater hat sie bereits verloren, weshalb sich Jule einsam und allein fühlt. Ihr Bruder Thomas hat eine eigene Familie und ist ihr bei der Trauerbewältigung kaum eine Stütze.
Als Jule im Nachlass der Mutter auf Fotos eines fremden Mannes stößt, der offensichtlich auch dort seinen Urlaub verbracht hat, wo Jules Familie mehrmals in den Ferien war, und die Gemälde der Mutter, die für Marie stets unverkäuflich waren, lassen ihr diese Ungereimtheiten keine Ruhe. Sie beginnt mit Nachforschungen in Bezug auf die Vergangenheit und reist zunächst nach Manarola in Norditalien und später nach Roussillon in Frankreich, in die Ort, wo Maries schönste Bilder entstanden sind. Fort kommen Erinnerungen in ihr auf, an eine Mutter, die im Urlaub unbeschwert und glücklich war, aber auch an die Mutter im Alltag, die oft in sich gekehrt und nachdenklich bis fast schwermütig war.
Die Bewohner des Ortes erinnern sich an die Künstlerin mit ihrer einnehmenden Persönlichkeit. Vor allem die Männer schwärmen noch heute von Marie, die sie wie eine Göttin verehrten. Jule ist zutiefst irritiert und erschütter, da sie ihre Muttert so nicht in Erinnerung hatte. Sie fragt sich, was ihre Mutter noch vor ihr verborgen hat.

Jule nimmt aber auch selbst Veränderungen an sie wahr. So verliebt sie sich Hals über Kopf in den Architekten Ben, der mit seiner spontane und unbeschwerten Art gar nicht ihren Idealvorstellungen eines Mannes entspricht.

Jule scheint in ihrer Trauer gefangen. Sie vermisst ihre Mutter, zu der sie eine sehr innige Beziehung hatte und umso schlimmer ist es für sie, als sie aufgrund ihrer Nachforschungen am Charakter ihrer Mutter zu zweifeln beginnt und sie glaubt, ihre Mutter gar nicht richtig gekannt zu haben. Jule fühlt sich von ihr betrogen, obwohl sie stets Liebe und Fürsorge von ihr erfahren hatte. Ihre Suche nach der Wahrheit ist deshalb von Melancholie und Selbstmitleid geprägt, was für mich nicht so recht zu einer studierten Psychologien passen wollte.

Der Roman ist überwiegend aus der Sicht von Jule geschrieben, einzelne sehr kurze Kapitel zeigen die Perspektive anderer handelnder Personen und geben mitunter Rückblicke in die Vergangenheit. Die Abschnitte waren allerdings so kurz, dass sie mir die junge Marie nicht näher brachten.

Maries Geheimnis ist letztlich wenig überraschend und so dreht sich die Geschichte nur noch um Jule, die nicht weiß, wie sie mit ihrer Entdeckung umgehen soll.
Statt sich tief gehender mit der Beziehung zwischen Vater und Mutter oder dem Leben Maries als Künstlerin zu befassen, wurde der Roman mit Nebenschauplätzen gefüllt, die die Geschichte unglaubwürdig machten und künstlich für Dramatik sorgten.
Die einfallslose, vom Schicksal erzwungene, Entwicklung am Ende, die unweigerlich zur Überwindung von Jules Bindungsängsten führen musste, fand ich enttäuschend, langweilig und unnötig überzeichnet. Das auch mich fast schon lieblos wirkende letzte Drittel des Romans passte nicht zu dem interessanten Beginn und dem kreativen Aufbau nach Farben und Orten, die für die Künstlerin Marie prägend waren.

Veröffentlicht am 13.06.2018

Mäßig spannender Roman mit farblosen Charakteren über ein Familiengeheimnis, das zu schnell offenbart wird

Sommersturm über Cornwall
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Nina ist gerade mit den Vorbereitungen für ihre perfekte Hochzeit mit ihrem Verlobten, dem Investmentbanker Jake beschäftigt, als sie vom Tod ihres Vaters erfährt, zu dem sie seit Jahren keinen Kontakt ...

Nina ist gerade mit den Vorbereitungen für ihre perfekte Hochzeit mit ihrem Verlobten, dem Investmentbanker Jake beschäftigt, als sie vom Tod ihres Vaters erfährt, zu dem sie seit Jahren keinen Kontakt mehr hatte. Überraschend erbt sie von ihm ein Strandhaus in Cornwall, das sie direkt aufsucht. "Snare Cove" muss der Ort gewesen sein, an dem sich ihre Mutter, die bereits verstorben ist, als Nina zehn Jahre alt war, wohlgefühlt hat. Erinnerungen komm in Nina auf an glückliche Tage am Strand, aber auch an einen gewalttätigen Vater.

Nina spürt, das sie in dem Strandhaus mehr über die Vergangenheit und vor allem über den Tod ihrer Mutter erfahren kann. Irgendjemand scheint ihre Nachforschungen jedoch unterbinden zu wollen oder kann es tatsächlich in dem heruntergekommen Cottage spuken? Und kann sie dem Freigeist und Künstler Danny trauen, der am Hafen wohnt und ihr angeblich helfen möchte?
Nina ist eine unsichere junge Frau, die nicht weiß, was sie selbst möchte, da sie sich immerzu von anderen Menschen formen lässt. Insbesondere ihr Verlobter Jake, mit dem sie seit Schulzeiten zusammen ist, hat hohe Ansprüche an ein regelkonformes Leben und hat bisher erreicht, dass sich Nina ganz nach seinen Vorstellungen verhält. Ihre Reise nach Cornwall und die stetige Verlängerung ihres Aufenthalts dort kann Jake weder verstehen, noch gutheißen. Er zeigt aber auch kein Interesse daran, mit ihr zusammen die Vergangenheit aufzuklären. So nähert sich Nina unweigerlich Danny an, der zwar ganz anders als Jake ist, aber auch wieder leicht über sie bestimmen kann.

Das Strandhaus und das gesamte Setting im verregneten, kühlen Cornwall mutet mystisch an und auch Nina gruselt sich so in dem Cottage, dass sie dort nicht übernachten kann. Sie ist sich nicht sicher, ob der Geist ihrer Mutter zurückgekehrt ist und ob es dort spukt, oder ob absichtlich jemand verhindern möchte, dass sich Nina dort aufhält.
Offensichtlich birgt "Snare Cove" ein Geheimnis, das die Bewohner des Ortes, die noch ihre Mutter und ihren Vater kannten, hüten wollen.

Trotz der Mystik und der Nachforschungen von Nina ist die Handlung nur mäßig spannend. Die Charaktere, seien es Nina, Jake und Danny, aber auch die Bewohner des Ortes sowie Ninas Eltern bleiben allesamt etwas farblos, ihre Charaktereigenschaften zu oberflächlich beschrieben und ihr Verhalten deshalb nicht immer nachvollziehbar.
Nina ist mir zu wankelmütig und bei der Aufklärung des Familiengeheimnisses zu passiv, schafft es aber dennoch sich ständig unüberlegt in Gefahr zu bringen.
Ihre Einsicht in Bezug auf Jake und dass sie in Cornwall beginnt, ihr ganzes luxuriöses Leben in Frage zu stellen, empfand ich als zu abrupt.

"Sommersturm über Cornwall" wirbelt Ninas Leben durcheinander, konnte mich am Ende aber nicht fesseln, da mir die Charaktere zu gleichgültig blieben und auch das Familiengeheimnis um den Tod der Mutter zu früh offenbar war und die Klärung der Schuldfrage letztlich nicht genügend Spannung erzeugte.

Veröffentlicht am 11.06.2018

Wohlfühlbuch über eine Frau, die lernt ihren Weg zu gehen und sich ihren Ängsten zu stellen - Heimatidylle mit Happy End-Garantie

Barfuß im Sommerregen
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Romy ist alleinerziehende Mutter eines vierjährigen Sohnes, die seit der Geburt von Tommi mit Singlemama Teresa in einer WG in München zusammengewohnt hat. Als diese zu ihrem neuen Freund nach Wien zieht, ...

Romy ist alleinerziehende Mutter eines vierjährigen Sohnes, die seit der Geburt von Tommi mit Singlemama Teresa in einer WG in München zusammengewohnt hat. Als diese zu ihrem neuen Freund nach Wien zieht, begibt sich die arbeitslose Romy auf die Suche nach einem Teilzeitjob und einer bezahlbaren Wohnung. In einem Supermarkt stößt sie zufällig auf einen Aushang, mit welchem eine Haushaltshilfe für "Onkel Alfred" auf einem Bauernhof bei Passau gesucht wird. Seine Nichte Helga macht sich Sorgen um den knapp 70-Jährigen, der Zeit seines Lebens den Hof allein bewirtschaftet hat. Nach anfänglichem Widerstreben lässt sich Alfred auf die Hilfe von Romy ein, die selbst schnell Anschluss im Dorf findet und sich mit Tommi auf dem Bauernhof wohlfühlt.
Selbst für eine neue Liebe scheint sich Romy langsam öffnen zu können, bis sie plötzlich von ihrer Vergangenheit eingeholt wird und ihre Ängste, die sie von Bindungen abgehalten haben, wieder gegenwärtig sind und ihrem Glück im Wege stehen.

"Barfuß im Sommerregen ist ein typisches Wohlfühlbuch. Auf dem Land in Niederbayern ist die Welt noch in Ordnung. Hier bekommt das Kind noch ein Scheibchen Gelbwurst beim örtlichen Metzger geschenkt, man kennt sich untereinander seit Geburt und hilft sich nachbarschaftlich in der Gemeinschaft auch spontan aus, wenn ein Einzelner in Not gerät.

Mich hat dieser unbeschwerte Roman mit Happy End-Garantie, der dank des eingängigen Schreibstils der Autorin federleicht zu lesen ist, gut unterhalten. Es ist ein Roman, der sich wie ein Kurzurlaub auf dem Land liest, ein Stück heile Welt, das einem vermittelt wird. Denn trotz auftretender Probleme für die zentralen Protagonisten Romy und Alfred, die sich beide noch den Geistern der Vergangenheit stellen müssen, um ihr persönliches Glück zu finden, weiß man, dass am Ende alles gut werden wird. So lernt die sympathische Romy in diesem Sommer ihre Ängste zu überwinden und positive Veränderungen zuzulassen, ohne einen nächsten Schicksalsschlag zu befürchten. Und auch der anfänglich mürrisch wirkende Alfred kann am Ende ein jahrzehntealtes Missverständnis aus dem Weg räumen.

Der Roman liest sich flüssig, beschreibt aber auch jeden einzelnen beiläufigen Handlungsschritt der Protagonisten vom Gemüseschnippeln bis zum Toilettengang des Kindes ins kleinste Detail. Diesen ausführlichen Stil muss man mögen, genauso wie die ländliche Idylle, die manchmal etwas klischeehaft und bieder wirkt.