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Veröffentlicht am 18.02.2025

Der schwächste Band der Reihe - mäßig spannend, in der Gegenwart seichte Erzählung mit einer enttäuschend lapidaren Auflösung der Trilogie um das Ende der Freundschaft

Die Glücksfrauen – Das Geheimnis der Rosen
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Als Waise ohne Familie, nachdem ihre Freundin Luise nach Amerika geflohen ist und sich ihre Freundin Maria als Jüdin zunehmend mit den Schikanen der Nationalsozialisten konfrontiert sieht, ist Anni einsam ...

Als Waise ohne Familie, nachdem ihre Freundin Luise nach Amerika geflohen ist und sich ihre Freundin Maria als Jüdin zunehmend mit den Schikanen der Nationalsozialisten konfrontiert sieht, ist Anni einsam und sehnt sich dem Heiratsantrag von Siegfried entgegen. Dieser hat jedoch immer weniger Zeit für Anni und geht immer mehr in seiner Tätigkeit für die Gestapo auf. Naiv unterstützt ihn Anni bald sogar, bevor sie sich verletzt abwendet und ihrerseits die Flucht aus Deutschland ergreift. Dabei trifft sie auf einen britischen Agenten, der ihr Potenzial erkennt.
Jahrzehnte später suchen die Enkelinnen von Luise und Maria Annis Enkelin Wendy in Tansania auf, um die letzten Rätsel der Vergangenheit zu klären und das gemeinsame Erbe in New York antreten zu können. Wendy führt die von Anni gegründete Rosenfarm, der mit den Fragen von June und Sandra bewusst wird, wie wenig sie über den Lebensweg ihrer Großmutter weiß. Von einer Massai erhalten die drei Frauen einen entscheidenden Hinweis, der sie in ihrer Recherche weiterführt.

"Das Geheimnis der Rosen" ist nach Band 1 "Der Geschmack von Freiheit" und Band 2 "Die Kraft der Bücher" der dritte und abschließende Band der "Die Glücksfrauen-Saga".

Erneut wird die Geschichte der Großmutter und der Enkelin auf zwei Zeitebenen erzählt. Während die Vergangenheit Erschütterndes zutage bringt, was die lange sehr naive Anni erlebt hat und wieviel Mut sie dennoch entfaltet hat, um sich gegen die Nationalsozialisten und für ein Ende des Krieges einzusetzen, ist die Erzählung um Wendy in der Gegenwart wenig ergiebig. Sehr bildhaft und lebendig sind jedoch die Eindrücke, die man von Tansania und dem Leben vor Ort erfährt.

Durch die Berichterstattung von June und Sandra über ihre Großmütter und das, was sie gemeinsam schon erreicht haben, um sich der Vergangenheit zu nähern, werden auch dem Leser Details aus den vorangegangen Bänden in Erinnerung gerufen, so dass man sofort in der Story drin ist, auch wenn die Lektüre schon Monate zurückliegt.

Die drei Teile der Trilogie sind stringent, aber damit auch etwas eintönig und vorhersehbar aufgebaut. Die Enkelinnen bereisen fremde Länder, lernen sich kennen, sind sich auf Anhieb sympathisch und helfen sich gegenseitig bei gegenwärtigen Problemen. Ganz nebenbei finden alle drei so auch noch eine neue Liebe.
Im dritten Band wird mit Anni als Agentin, den Machenschaften der Gestapo und Tansania als ehemaligem Kolonialstaat sehr viel in die Geschichte gepackt, was inhaltlich nicht in die Tiefe gehen kann.
Die Dialoge sind häufig seicht, der Erzählstil blumig und verträumt und die Gedanken der Frauen im Hinblick auf die Männer von wiederholter Bewunderung und Anhimmeln geprägt.
Die Hürden zur Aufklärung von Annis Vergangenheit werden simpel bewältigt. Wieder sind es gefundene Briefe, die Auskunft geben, aber auch die Nacherzählung ihres Lebens durch eine dritte Person.

Der Roman hat aber auch nicht den Anspruch an eine Spannungslektüre, sondern zeigt vielmehr die Bedeutung von Freundschaft, Loyalität, Frauensolidarität und Zivilcourage. Durch die steigende Dramatik wird in jedem Band eindrücklich deutlich, welche Gräueltaten im Dritten Reich verübt wurden - ob gegen Widerständler oder das jüdische Volk - und welche mutigen Menschen es gab, die ihr Leben aufs Spiel setzten, um sich dem zu widersetzen.

Enttäuschend ist dennoch die Auflösung von Luises Geheimnis und des Verrats, der sich seit Band 1 so rätselhaft durch die Trilogie zog und schließlich marginal verpuffte, auch wenn von vornherein ersichtlich war, dass die gute Luise mit Sicherheit nicht absichtlich etwas Böses getan haben konnte. Durch die lückenhafte Erzählung blieben für mich am Ende in Bezug auf die Vergangenheit zudem Fragen offen.

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Veröffentlicht am 15.02.2025

Drei Frauen gefangen in ihren Ehen - spannende Geschichte mit steigender Dramatik in einer klaustrophobischen Kleinstadt in Irland Mitte der 1990er-Jahre

Coast Road
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Colette Crowley kehrt im Herbst 1994 in ihren Heimatort Ardglas in der Grafschaft Donegal in Irland zurück. Die Lyrikerin hatte ihren Ehemann und ihre Kinder für eine Affäre in Dublin verlassen. Getrennt ...

Colette Crowley kehrt im Herbst 1994 in ihren Heimatort Ardglas in der Grafschaft Donegal in Irland zurück. Die Lyrikerin hatte ihren Ehemann und ihre Kinder für eine Affäre in Dublin verlassen. Getrennt von dem Mann möchte sie nun die Beziehung zu ihren Kindern, insbesondere dem jüngsten Sohn, intensivieren. Die Familie Mullen vermietet ihr ein Cottage in der Coast Road, da sie ein viertes Kind erwartet und die Mieteinnahmen finanziell gut gebrauchen können.
Um selbst etwas zu verdienen, bietet Colette einen Schreibkurs an, zu dem sich auch Izzy Keaveney anmeldet, die permanent im Clinch mit ihrem Ehemann ist. Sie genießt deshalb die Gespräche mit Pfarrer Brian Dempsey, der sie mehr zu verstehen scheint. Nachdem sie sich Colette angenähert hat, hilft sie ihr dabei, ihren Sohn zu treffen, zu dem ihr ihr Mann Shaun den Zugang verweigert.
Während in dem kleinen Ort sowohl über die verruchte Colette als auch über Izzys Beziehung zu dem Pfarrer getratscht wird, ist ein Referendum in Vorbereitung, dass die Möglichkeit einer Scheidung legalisieren soll.

"Coast Road" handelt in den Jahren 1994/ 1995 in Irland, einem katholisch geprägten Land, in dem das Sakrament der Ehe so hochgehalten wurde, dass noch vor 30 Jahren eine Scheidung unmöglich war.
Schon der Prolog deutet darauf hin, dass es in der Kleinstadt brodelt und die Situationen eskalieren und in Gewalt umschlagen wird. Sodann wird ein Blick zurück geworfen auf die Ankunft Colettes in Ardglas. In den Fokus der Geschichte rücken neben Colette, die von ihrem Mann getrennt lebt, zwei weitere Frauen, die unglücklich verheiratet sind. Izzy fühlt sich von ihrem Mann gegängelt, seitdem sie nicht mehr arbeiten darf und Dolores Mullen muss zusehen, wie ihr Mann sie vor aller Augen betrügt.

Der Roman ist aus wechselnden Perspektiven verschiedener Bewohner der Kleinstadt geschildert, so dass ein Einblick in die einzelnen Haushalte, aber vor allem auch in die Gefühlswelt der Charaktere möglich ist. Die Figuren sind vielschichtig angelegt, keiner ist nur gut oder böse.

"Coast Road" ist eine spannende Zeitreise in die 1990er-Jahre. Die Geschichte erweckt eine fiktive Kleistadt mit 1.000 Einwohnern lebendig zum Leben, in der Ort und die Personen leicht vorstellbar werden. Es zeigt eindringlich, wie Frauen, aber auch Männer, in unglücklichen Ehen gefangen sind, wobei den Frauen, die finanziell und gesellschaftlich von ihren Männern abhängig sind, die größere Not zukommt. Erschreckend ist zu sehen, dass neben der körperlichen Überlegenheit auch Kinder als Druckmittel eingesetzt werden.

Mit feiner Beobachtungsgabe zeichnet der Autor ein Sittengemälde und entwickelt mit der steigenden Dramatik, mit Intrigen und Verzweiflung eine spannende authentische Geschichte passend zum Zeitgeist. Es zeigt die Konsequenzen auf, wenn man gegen den Strom schwimmt, zeichnet einen mutigen Weg der Selbstfindung und bekräftigt die Bedeutung von Frauensolidarität.

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Veröffentlicht am 13.02.2025

Spannende Mischung aus Krimihandlung und emotionalen Themen von Verlust, Trauer, Liebe und Versöhnung mit atmosphärischem Setting

Middletide – Was die Gezeiten verbergen
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Elijah kehrt nach elf Jahren Abwesenheit in seinen Heimatort Point Orchards im Westen der USA zurück, den er mit achtzehn Jahren verlassen hatte, um seinen Traum wahr werden zu lassen, ein Buch zu schreiben. ...

Elijah kehrt nach elf Jahren Abwesenheit in seinen Heimatort Point Orchards im Westen der USA zurück, den er mit achtzehn Jahren verlassen hatte, um seinen Traum wahr werden zu lassen, ein Buch zu schreiben. Nachdem ein Kritiker sein Buch zerrissen hatte, ist dies gefloppt und Elijah war dann nicht einmal in der Lage gewesen, das Versprechen einzulösen, zu seiner Freundin Nakita zurückzukommen. Doch das Geld ist knapp und sein Vater gestorben, weshalb er wieder in sein Elternhaus zieht und sich als Selbstversorger über Wasser hält.
Als Elijah Jahre später wieder Fuß gefasst hat und er beruflich und privat glücklich ist, wird auf seinem Grundstück eine Leiche gefunden. Die Frau wurde so getötet, wie es Elijah in seinem Thriller beschrieben hatte und er gerät unter Mordverdacht.

"Middletide" beginnt unmittelbar mit dem Leichenfund im Januar 1994 in einem Ort, wo sich sonst nur Bagatelldelikte ereignen. In der Gegenwart ermitteln Sheriff und Hilfssheriff so gut sie können, während in der Vergangenheit Elijahs Geschichte beginnend mit seinem Abschied im Jahr 1977, über seine Rückkehr im Jahr 1988 bis zu seiner Verhaftung 1994 erzählt wird.

Die Geschichte ist, geprägt von mehreren tragischen Todesfällen, die die Protagonisten auf unterschiedliche Art erschüttern, von Melancholie geprägt. Gleichzeitig ist sie aufgrund der Naturbeschreibungen und wie Elijah sein Anwesen bewirtschaftet, atmosphärisch beschrieben.

Auch wenn es sich nicht um einen klassischen Kriminalroman handelt, ist die Geschichte spannend. Es gibt nur eine Handvoll Protagonisten, weshalb auch nicht viele Täter in Frage kommen und dennoch ist es lange ungewiss, wer die junge Ärztin auf diese Weise getötet haben könnte. Mit ihrem Tagebuch drängt sich ein unglaublicher Verdacht auf, der im Rahmen des Gerichtsverfahrens seine Bestätigung findet und eine schlüssige Auflösung bietet.

Die Mischung aus Krimihandlung und emotionalen Themen von Verlust und Trauer, Liebe und Versöhnung, Schuld und Rache sowie Kleinstadtatmosphäre und Naturschaupiel ist gelungen und erzeugt eine Sogwirkung. Aufgrund der Atmosphäre, der Zurückgezogenheit der Hauptfigur und des mysteriösen Todesfalls erinnert der Roman unweigerlich an "Der Gesang der Flusskrebse", ist aber bei Weitem kein Abklatsch, sondern entwickelt seinen eigenen Charme und Originalität.

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Veröffentlicht am 11.02.2025

Sleepy Horlow - Spannender Thriller um eine grausame Verschwörung an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze

Kummersee
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Im Sommer 1990 kam Lenas älterer Bruder im Kummersee bei Horlow an der deutsch-deutschen Grenze unter mysteriösen Umständen ums Leben. Bis heute hat Lena Bilder im Kopf, die etwas anderes aussagen, als ...

Im Sommer 1990 kam Lenas älterer Bruder im Kummersee bei Horlow an der deutsch-deutschen Grenze unter mysteriösen Umständen ums Leben. Bis heute hat Lena Bilder im Kopf, die etwas anderes aussagen, als die Einstufung der Behörden als Badeunfall.
Über 30 Jahre später kehrt Lena als Polizistin an den Ort ihrer Kindheit zurück. Als Personenschützerin begleitet sie zusammen mit ihrem Kollegen Malik ein Vermessungsteam, das die Geeignetheit Horlows als Atommülllager prüfen soll. Als ehemalige Bewohnerin des Ortes gilt Lena als Verräterin und bekommt den Widerstand der Horlower zu spüren. Zudem campiert eine Gruppe militanter Umweltschützer am Kummersee, die das Endlager dort verhindern möchte.
Während Lena von Erinnerungen an den "Badeunfall" heimgesucht wird und sich noch immer Gruselgeschichten um den Kummersee ranken, kommt es zu ersten Todesfällen, die zeigen, dass die Monster des um Mythen umrankten Sees noch immer da sind.

"Sleepy Horlow" ist bezeichnend für das Dorf am Kummersee, in dem eine düstere und beklemmende Stimmung herrscht und Fremde nicht willkommen sind. Geprägt von den jahrhundertealten Mythen um den See und den mysteriösen Todesfällen, die sich dort ereignen, durchzieht sie Geschichte eine gruselige Atmosphäre. Etwas Tödliches schlummert im See, wobei Lena als erwachsener Frau bewusst ist, dass das Böse von den Menschen ausgeht und dass dort keine anderen Monster im Verborgenen lauern.

Durch Rückblenden in die Vergangenheit der 1990er wird deutlich, warum Lena den Ort so lange gemieden hat. Die Folgen des Traumas sind gegenwärtig, aber Lena ist entschlossen, sich ihren Ängsten zu stellen, um endlich eine Erklärung für den Tod ihres Bruders, aber auch die aktuelle Bedrohung, zu erhalten. Vor dem Hintergrund sind ihre Alleingänge als Polizistin und die Gefahr, in die sie sich begibt, erklärbar.

Die Geschichte ist spannend, denn es nicht zu erahnen, wo sie hinführen wird. Als Leser möchte man selbst unbedingt wissen, welches Geheimnis der See birgt und wer für dessen Bewahrung bereit ist, zu töten. Wie Lena wird man förmlich in den See gezogen, um Antworten zu finden. Die Aufklärung ist gewaltig und mit einer unfassbaren Skrupellosigkeit und Gewalt verbunden. Selbst als man denkt, das Ausmaß der Verschwörung erkannt zu haben, wird man mit einer weiteren Erschütterung überrascht.

"Kummersee" ist eine spannende Mischung aus Familientragödie und Mysterythriller, in der geschickt die deutsch-deutsche Geschichte mit zeitgemäßen Aspekten um Umweltschutz und Ökoterrorismus verbunden wird.

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Veröffentlicht am 10.02.2025

Spannender und wendungsreicher Psychothriller um einen perfiden Racheplan - zeitgemäße Thematik und besonders beängstigend, da jeder Opfer werden kann

Deep Fake
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Mira ist glücklich verheiratet und hat zwei Söhne. Sie lebt in Berlin, wo sie an einer multikulturellen Schule unterrichtet und sich sehr engagiert als Vertrauenslehrerin für ihre Schüler einsetzt. Als ...

Mira ist glücklich verheiratet und hat zwei Söhne. Sie lebt in Berlin, wo sie an einer multikulturellen Schule unterrichtet und sich sehr engagiert als Vertrauenslehrerin für ihre Schüler einsetzt. Als eine Schülerin ihr ein Video zeigt, ist sie entsetzt. Es zeigt Mira selbst in pornografischer Darstellung - nur dass es Mira nicht ist. Bei dem Video handelt es sich um ein professionelles Deepfake. Es verbreitet sich rasant und bewirkt, dass Mira umgehend vom Schuldienst suspendiert wird.

Die Anzeige bei der Polizei hat wenig Aussicht auf Erfolg, weshalb Mira selbst handeln muss. Ihre Suche nach dem Täter führt sie zurück an den Ort ihrer Kindheit im Bayerischen Wald und damit zu einer Vergangenheit, mit der sie sich nie wieder konfrontieren wollte. In Tannwinkel trifft sie überraschend auf ihre alten Freunde wieder, aber auch auf die unverhohlene Ablehnung der Dorfbewohner, die Mira schon immer als Luder bezeichnet haben.

Der Roman wird in der Gegenwart aus der Sicht von Mira geschildert. Daneben liest man die Tagebucheinträge von Kat, die im Jahr 2003 neu nach Tannwinkel gezogen ist und sich mit einer kleinen Gruppe gleichaltriger Jugendlicher anfreundete. In dem von ihr beschriebenen Sommer kam es nach Eifersucht und Verrat zu einem Bruch der Freundschaft, der in einer Katastrophe mündete.

Die Verbindung von Gegenwart und Vergangenheit wird mit der Ankunft von Mira in Tannwinkel offensichtlich. Diese hat mit Alpträumen und Schuldgefühlen zu kämpfen. Was sich in der Vergangenheit ereignet hat und ob das der Auslöser für die Diffamierung ist, wird erst allmählich klar.

Dabei ist die Geschichte wendungsreich geschildert und lässt Raum für Spekulationen für Täter und Motiv. Es handelt sich um einen ausgeklügelten Racheplan, der technisches Know-how und modernste Computer-Technologien voraussetzt. Erschreckend ist, was KI alles leisten und wie schnell eine ganze Existenz zerstört werden kann.

Die Spannung ist durchgehend hoch und steigert sich in der Gegenwart in eine Bedrohungslage, die von Misstrauen und Angst geprägt ist. Auch die Vergangenheit in dem abgelegenen, rückständigen Dorf fesselt, wo die Jugendlichen ihre Geheimnisse haben, die sie gegenseitig zerstören können. Was sich tatsächlich vor 20 Jahren ereignet hat, offenbart sich erst am Ende, selbst für die Beteiligten.

Der Psychothriller ist authentisch und besonders beängstigend, da grundsätzlich jeder von Deepfakes betroffen sein kann. Es fällt insofern leicht den Horror von Mira und ihren Freunden nachempfinden. Die Deepfakes sind jedoch nur ein Auslöser für den Horror, der sich nach Miras Rückkehr in Tannwinkel auftut. Die Geschichte ist noch auf den letzten Seiten so undurchsichtig und wendungsreich, dass fast jeder Protagonist kurzfristig als Täter in Frage kommt. Die Motive aus verletzten Gefühlen, Angst vor Entdeckung und Vergeltung sind logisch und folgerichtig. Aufgrund des komplexen Konstrukts muss man am Ende konzentriert lesen, um jede Wende und falsche Vermutung nachvollziehen zu können.

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