Profilbild von schnaeppchenjaegerin

schnaeppchenjaegerin

Lesejury Star
offline

schnaeppchenjaegerin ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit schnaeppchenjaegerin über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.06.2025

Ist es das Schicksal, dass das Leben bestimmt oder der freie Wille? Eine Geschichte über Liebe und Selbstfindung

Als ich dich traf
0

Seit der fünften Klasse erhält Daphne Zettel mit einem Namen und einer Zeitangabe. Begonnen hat es mit "Seth, acht Tage" und seitdem weiß sie, dass der Name des Mannes ihr nächster Partner werden und wie ...

Seit der fünften Klasse erhält Daphne Zettel mit einem Namen und einer Zeitangabe. Begonnen hat es mit "Seth, acht Tage" und seitdem weiß sie, dass der Name des Mannes ihr nächster Partner werden und wie lange die Beziehung dauern wird.
Als sie 33 Jahre alt ist und schon viele zeitlich begrenzte Beziehungen hinter sich hat, bekommt sie einen Zettel, auf dem nur der Name Jake steht. Mit ihrem besten Freund Hugo, mit dem sie drei Monate zusammen war und der einzige ist, der von den ominösen Zetteln weiß, beratschlagt sie, ob es mit Jake "für immer" sein könnte. Während sich ihre Beziehung schnell entfaltet und ernst wird, kommen Daphne Bedenken, weil sie vor Jake Geheimnisse hat und stellt die Bedeutung der Zettel in Frage.

Der Roman beginnt mit einer Wende in Daphnes Leben, denn endlich scheint sie das gefunden zu haben, wonach sie sich schon lange sehnt: eine Liebe ohne Verfallsdatum.
In einzelnen Rückblenden gibt es Einsichten in ihre früheren Beziehungen, die alle keine lange Zukunft haben sollten. Feste Konstante in ihrem Leben ist dabei neben Hund Murphy ihr bester Freund Hugo, der sie am besten kennt.

Für Daphne stellen die Zettel eine Sicherheit dar. Sie ist für ein Beziehungsende gewappnet und muss ihre Zukunft nicht weit im Voraus planen. Dass es dafür neben emotionalen Gründen noch einen weiteren Grund gibt, wird im weiteren Verlauf der Handlung deutlich und macht Daphnes Gefühle noch nachvollziehbarer.

Mit den Zetteln hat der Roman eine übernatürliche Komponente, die der Geschichte Originalität verleiht und die richtigen Fragen stellen lässt. Ist es das Schicksal, dass das Leben bestimmt oder der freie Wille? Helfen die Zettel dabei, den richtigen Partner zu finden oder handelt es sich schlicht um eine selbst erfüllende Prophezeiung? Sabotiert Daphne unbeabsichtigt selbst ihre Beziehungen?

"Als ich dich traf" ist eine Liebesgeschichte, die weniger magisch und romantisch ist, als gedacht. Sie handelt von der Suche nach Glück und davon, auf sein Herz zu hören, aber auch von Selbstfindung und den Mut zu finden, Entscheidungen zu treffen, selbst wenn es keine Sicherheit dafür gibt, die richtige Wahl zu finden.
Die Geschichte wird leise, undramatisch, aber dennoch mit viel Gefühl erzählt und auch wenn sie sich im Kern nicht überraschend entwickelt, kann sie mit Wendungen aufwarten, die ihr neue Impulse verleihen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.06.2025

Originelle Mischung aus Familientragödie und Kriminalroman auf mehreren Zeitebenen - ein cleveres Puzzlespiel um die Botschaft eines Gemäldes

Das geheime Bildnis
0

Juliette Willoughby, Tochter einer einflussreichen, wohlhabenden Familie, ist 1937 als junge Frau mit dem verheirateten und deutlich älteren Maler Oskar Erlich nach Paris fortgegangen. Beide kommen dort ...

Juliette Willoughby, Tochter einer einflussreichen, wohlhabenden Familie, ist 1937 als junge Frau mit dem verheirateten und deutlich älteren Maler Oskar Erlich nach Paris fortgegangen. Beide kommen dort wenige Monate später bei einem Wohnungsbrand ums Leben, wo auch Juliettes einziges künstlerisches Meisterwerk, das Selbstporträt als Sphinx, zerstört wird.
1991 arbeiten die beiden Kunstgeschichtsstudenten Caroline Cooper und Patrick Lambert, der mit einem Nachfahren von Juliette befreundet ist, an der Fakultät von Cambridge an ihren Abschlussarbeiten. Nach dem Hinweis ihrer Betreuerin Alice Long stößt Caroline auf den Willoughby-Nachlass und möchte beweisen, dass das Selbstporträt als Sphinx noch existiert. Doch offenbar hat die Familie Willoughby etwas gegen die vermeintliche Entdeckung, auch wenn das Bild Millionen Pfund wert sein könnte.
Über 30 Jahre später ist Patrick als Kunsthändler tätig und kann eine zweite Ausgabe des Selbstporträt als Sphinx in Dubai verkaufen. Am nächsten Tag wird der festgenommen und des Mordes an seinem ältesten Freund Harry bezichtigt.

Der Roman handelt auf mehreren Zeitebenen, wobei die Suche und das Rätsel um das Gemälde "Selbstporträt als Sphinx" zunächst 1991 und dann 2023 in den Vordergrund rücken. Die Vergangenheit wird überwiegend durch die Tagebucheinträge von Juliette erzählt.
Juliettes Geschichte ist tragisch. Caroline erkennt zudem Parallelen zu ihrem eigenen familiären Hintergrund, denn beide mussten Erfahrungen mit gewalttätigen Männern machen. Caroline ist überzeugt, dass Juliettes Gemälde eine verschlüsselte Botschaft enthält und dass ihre Familie unbedingt verhindern möchte, dass dieses Geheimnis ans Licht kommt und deshalb das Bild nicht öffentlich ausstellen möchte.

Weiterhin wird bekannt, dass auf dem Willoughby-Anwesen Longhurst Hall über die Jahre hinweg immer wieder Menschen verschwunden sind, was den Verdacht erregt, dass es tatsächlich den "Willoughby"-Fluch gibt, der auf die Sammlung ägyptischer Kunst von Juliettes Vater zurückzuführen sein könnte.

Die Geschichte ist eine Mischung aus Familientragödie und Kriminalroman und fesselnd aufgebaut. Sie ist originell, vielschichtig und wendungsreich und ein cleveres Puzzlespiel, das mit der Interpretation des vielbeschriebenen Bildnisses, das man selbst als LeserIn vor Augen hat, eine Faszination ausübt.
Die Handlung entwickelt sich zunehmend komplex. Es geht nicht nur um Kunst, deren Interpretation und Prüfung auf Authentizität. Es geht auch um Mystik, Rituale, Täuschung und Rache.
Die Suche nach der Wahrheit ist fesselnd und enthüllt am Ende zahlreiche Lügen und Geheimnisse, die das Selbstporträt als Sphinx und die Familie Willoughby bergen. Das gesamte Ausmaß ist erschütternd und kaum fassbar, durch die Zusammenführung der Handlungsstränge am Ende jedoch nachvollziehbar, denn für alles findet sich eine schlüssige Erklärung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.06.2025

Eine Liebe zwischen Zeit und Raum - eine emotionale, übernatürliche, aber nicht unwirkliche Geschichte mit einer authentischen Charakterentwicklung

Bis mein Herz wieder schlägt
0

Emery leidet unter einer seltenen Herzerkrankung, die dazu führt, dass ihr Herzschlag in Schockmomenten aussetzt. Wird ihr frühzeitig geholfen, entstehen keine bleibenden Schäden. Im Alter von fünf Jahren ...

Emery leidet unter einer seltenen Herzerkrankung, die dazu führt, dass ihr Herzschlag in Schockmomenten aussetzt. Wird ihr frühzeitig geholfen, entstehen keine bleibenden Schäden. Im Alter von fünf Jahren passiert es zum ersten Mal und in unregelmäßigen Abständen immer wieder. Ihre Familie ist naturgemäß in Sorge um ihr Leben und Emery selbst ist genervt davon, überbehütet zu werden, um jegliche Gefahr zu vermeiden. Das sorgt für Spannungen und dafür, dass Emery ein rastloses Leben führt und bewusst keine Zukunft plant.
Lichtblick ihrer Erkrankung ist Nick, den sie jedes Mal in der Welt zwischen Leben und Tod trifft. Er ist ein Begleiter beim Übergang in den Tod, um den Menschen den Weg zu erleichtern. Normalerweise sieht er sie deshalb nur einmal, doch mit Emery ist es anders. Als Emery erwachsen ist, fühlt sie sich über die Jahre immer stärker zu Nick hingezogen und sehnt schon fast einen Herzstillstand herbei.
Im wirklichen Leben wartet Colin auf sie, der Bruder ihrer besten Freundin Bonnie, der bereit für eine feste Beziehung mit Emery ist.

Der Roman erzählt den Umgang mit Emerys Krankheit von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter. Dabei steht nicht nur die Gefahr für Emery mit dem jederzeit drohenden Tod im Vordergrund, sondern auch die Folgen für die Familie, die sich sorgt und daran zerbricht.
Emery möchte einfach nur leben - ohne Einschränkungen und geht dabei vor allem in jungen Jahren Risiken ein, die ihr jedoch ein schlechtes Gewissen verleihen. Je älter sie wird, desto mehr freut sie sich geradezu auf den Herzstillstand und die Momente, die sie mit ihrem Todesengel Nick verbringen kann.
Der Zwiespalt aus Wunsch nach Leben und Todessehnsucht, um mit einer geliebten Person zusammen sein zu können, ist verständlich dargestellt und auch Emery ist als Mensch mit einer Erkrankung, die ihr Leben bestimmt, glaubwürdig gezeichnet.

Der Roman handelt von einer Liebe, die nicht sein kann. Denn Emery und Nick erleben immer nur flüchtige Augenblicke gemeinsam, wenn Emerys Herz für kurze Zeit stehen bleibt. Mehr gemeinsame Zeit würde gleichzeitig Emerys Tod bedeuten.

Es ist eine Geschichte des magischen Realismus, weshalb man als LeserIn über den Tellerrand blicken und Gefallen an Übernatürlichem haben sollte. Dabei sind Emerys Ausflüchte in eine Art Zwischenwelt für sie eine Möglichkeit, gefahrlos sie selbst zu sein und Nick ein tröstlicher Halt. Die beiden stellen selbst die Situation in Frage und suchen nach Erklärungen, weshalb das Szenario gar nicht so unwirklich wirkt.

Die Geschichte ist gefühlvoll und entwickelt sich durch viele Momentaufnahmen von Emerys Leben unterhaltsam und abwechslungsreich. Es geht um Tod und Verlust, aber auch um das Glück und die Beziehungen, die das Leben lebenswert machen und ein wenig die Angst vor der eigenen Endlichkeit nehmen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.06.2025

Ein Mord in einer Nachbarschaft sorgt für Verdächtigungen und Misstrauen - spannendes Porträt einer Vorstadt Canberras Ende der 1970er-Jahre

Lauter kleine Lügen
5

Im Januar 1979 wird in den Hügeln am Rande der Vorstadt Warrah Place der australischen Hauptstadt Canberra ein abgetrennter Fuß aufgefunden und von einem Nachbarn als der Fuß von Antonio Marietti, einem ...

Im Januar 1979 wird in den Hügeln am Rande der Vorstadt Warrah Place der australischen Hauptstadt Canberra ein abgetrennter Fuß aufgefunden und von einem Nachbarn als der Fuß von Antonio Marietti, einem Einwanderer aus Italien, identifiziert, der Gelegenheitsarbeiten in der Nachbarschaft übernommen hat. Ermittlungen der Polizei ergeben, dass der Fuß post mortem entfernt wurde, weshalb von Mord ausgegangen wird.

Die 12-jährige Tammy, die sich von ihrer Mutter vernachlässigt fühlt und in der Schule gemobbt wird, versucht auf eigene Faust zu ermitteln und schnüffelt unerschrocken bei ihren Nachbarn herum.

Während sich die polizeilichen Ermittlungen über mehrere Wochen hinziehen und weitere Leichenteile in der brütenden Sommerhitze gefunden werden, misstrauen sich die Nachbarn gegenseitig und schüren Gerüchte. Jeder einzelne scheint etwas zu verbergen zu haben, aber nicht jedes Geheimnis hängt auch mit Antonios Tod zusammen.

Das Buch beginnt mit der Beseitigung von Blutspuren und scheint damit bereits das Ende vorwegzunehmen und offen zu legen, wer Antonio Marietti auf dem Gewissen hat. Doch je tiefer man hinter die Fassaden der einzelnen Häuser in der klaustrophobischen Sackgasse blickt, desto mehr Schuldige kommen in Betracht und lassen Zweifel entstehen, ob das Offensichtliche täuscht.

Auch wenn der Mord zentraler Ausgangspunkt der Handlung ist, treten die Ermittlungen in den Hintergrund. Während sich die Nachbarn kritisch beäugen und die Menschen beschuldigen, die am Rand der Gesellschaft stehen, erfährt man allmählich mehr über die Schicksale und die Geheimnisse, die einzelne Personen prägen. Die Versteckspiele und Ängste passen dabei ins Jahr 1979 und die gesellschaftlichen Konventionen der damaligen Zeit. Hierbei werden nicht nur in Bezug auf das Mordopfer, das noch nicht lange in Warrah Place lebte, Tabuthemen laut. Die Geschichte handelt von Rassismus, Homophobie, Transsexualität, patriarchalen Strukturen, Glaube, Mutterrolle, Kinderwunsch und der Sehnsucht nach Anerkennung.
Durch Rückblenden in die Monate davor kann spekuliert werden, wie es zu der Tat kommen konnte.

Die Geschichte ist vielseitig und voller interessanter Charaktere. Es ist trotz des Mordfalls kein Krimi oder Thriller, sondern ein fesselndes Porträt einer Kleinstadt mit Vorurteilen und Angst vor dem Fremden, in der jeder leicht zum Verdächtigen werden kann, wenn ein Mörder auf freiem Fuß ist. Auch wenn die Eingangsszene viel verrät, ist die Geschichte bis zur Aufklärung spannend und überrascht am Ende mit einem Twist, der dem Roman noch mehr Raffinesse verleiht.

  • Einzelne Kategorien
  • Handllung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 05.06.2025

Ambitionierter Roman, mit aufwändiger Recherchearbeit und einem spannenden Hintergrund, aber eine enttäuschend langatmige Umsetzung mit zu vielen expliziten Szenen

Wir schreiben unsere Namen in den Wind
0

Ende des 16. Jahrhunderts wächst Emilia Bassano als Mündel eines englischen Barons auf und wird im geschlechtsreifen Alter die Mätresse von Henry Hunsdon, der als Lord Chamberlain die Theaterproduktionen ...

Ende des 16. Jahrhunderts wächst Emilia Bassano als Mündel eines englischen Barons auf und wird im geschlechtsreifen Alter die Mätresse von Henry Hunsdon, der als Lord Chamberlain die Theaterproduktionen in England für die Queen beaufsichtigt. Emilia, die für sich selbst Gedichte und Geschichten schreibt, kommt durch ihn dazu, eingereichte Manuskripte zu lesen und erhält so eigene Ideen für bessere Stücke. Mit Hilfe der Unterstützung des Dichters und ihres guten Freundes Kit Marlowe, macht sie dem Schauspieler und mäßig begabten Dramatiker William Shakespeare das Angebot, gegen Bezahlung ihr Stück unter seinem Namen auf die Bühne zu bringen.
400 Jahre später hat Melina Green in New York ein Theaterstück geschrieben, das von ihrer Vorfahrin Emilia Bassano inspiriert ist. Nach enttäuschenden Erfahrungen ist sie überzeugt, dass ihr Werk niemals aufgeführt werden wird. Anlässlich eines Wettbewerbs ergreift ihr Mitbewohner und bester Freund Andre die Chance und reicht heimlich Melinas Stück unter einem männlichen Pseudonym ein. Als Melinas Stück tatsächlich in die Endauswahl gelangt, wagt sie es nicht, das provozierte Missverständnis aufzuklären.

Der Roman handelt auf zwei Zeitebenen von zwei Dramatikerinnen, die trotz aller Vorbehalte, die es gegenüber Frauen gibt, ihre eigenen Worte vor Publikum aufführen möchten. Im Vordergrund steht dabei die Vergangenheit, die in langen Abschnitten das Leben von Emilia Bassano von 1581 bis 1645 in einer Mischung aus historischer Wahrheit und Fiktion erzählt. Jodi Picoult holt dabei weit aus, weshalb ihr Schreiben und ihr Können sowie der Kontakt zu William Shakespeare dabei weniger vordergründig ist, als gedacht. Emilia wird Mätresse, Geliebte und Ehefrau und ihr Sexualleben nimmt in der Geschichte ermüdend viel Raum ein. Die Geschichte liest sich vor allem zu Beginn zäh und spielt sich kaum in der Welt des Theaters ab. Lange kann keine Verbindung zur Hauptfigur aufgebaut werden, die aus privilegierten Verhältnissen stammt und mit ihrer sehr selbstbewussten Art keine Sympathien weckt. Erst nach über 300 Seiten, der unglücklichen Ehe mit Alphonso Lanier und dem Beginn der Geschäftsbeziehung mit Shakespeare, spürt man die Leidenschaft, die Emilia in ihre Texte steckt und erkennt die Parallelen zu bekannten Shakespeare-Stücken.
Emilia entwickelt sich weiter und im weiteren Verlauf der Handlung erkennt man eine Frau mit messerscharfen Verstand, die ihren Kopf und ihren Körper zu ihrem Vorteil einzusetzen weiß und mutig Grenzen überschreitet.

Die Abschnitte in der Gegenwart können weit weniger fesseln. Die Handlung tritt auf der Stelle, ist fade und zeigt eine unnahbare Hauptfigur, deren Befürchtungen nur oberflächlich dargestellt werden und deren Handeln nicht unbedingt nachvollziehbar ist. Die Liebesgeschichte ist unnötig und kitschig und konterkariert geradezu die Aussage des Romans, für sich einzustehen und seine Stimme zu erheben. Es folgt eine Aneinanderreihung von Missverständnissen, ein willkürlicher Zeitsprung ins Jahr 2027 und ein sehr abruptes Ende. Damit erscheint dieser Erzählstrang so lieblos und unausgegoren, dass auf ihn getrost hätte verzichtet werden können.

In beiden Zeitabschnitten sind die großen Träume der beiden Frauen zurückhaltend dargelegt. Die Botschaft des Romans ist klar, aber die Ausführung dazu ist schwach. Emilia und Melina möchten Gerechtigkeit, dass ihre Stimme gehört wird und nehmen dafür in Kauf, dass der Erfolg für ihre Arbeit von anderen eingefahren wird. Es fehlt an Verzweiflung über die Ungerechtigkeit und einem entschlossenen Einsatz für ihre Werke und die Würdigung derselbigen. Während eine Frau im 17. Jahrhundert tatsächlich wenig Chancen für Gehör hatte, hätte Melina viel stärker für sich und ihr Talent eintreten müssen.

Die auf knapp 600 Seiten erzählte Geschichte ist langatmig und mit vielen Nebensächlichkeiten - insbesondere expliziten Sexszenen - gefüllt, die vom eigentlichen Kern ablenken. Spannend ist hingegen die Unterstellung, dass William Shakespeare zumindest nicht alle seine Stücke selbst geschrieben hat. Die Argumente dafür fließen sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart in die Geschichte ein und sind plausibel und überzeugend dargelegt, was durch das ausführliche Nachwort der Autorin noch verstärkt wird.

Der Roman ist ambitioniert und zeugt von sehr viel Recherchearbeit, die Geschichte um die englische Dichterin Emilia Bassano und ihre fiktive Nachfahrin Melina Green ist jedoch langweilig und schwerfällig und hätte insbesondere in Bezug auf die Vergangenheit gekürzt werden können, um der Gegenwart mit einem stärkeren Fokus auf das Ansinnen der Hauptfigur mehr Tiefe verleihen zu können.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere