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Veröffentlicht am 04.06.2023

Drei unterschiedliche Frauen vor neuen Herausforderungen, verbunden durch die Liebe zur Kulinarik. Die Entwicklung ihrer Freundschaft ist jedoch wenig überzeugend.

Der Sommer der Blütenfrauen
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Nachdem Rose schon wieder einen Job verloren hat, möchte sie als Erntehelferin über den Sommer arbeiten und wird unverhofft als Saisonarbeiterin auf einem Biohof eingestellt. Dort finden sie nicht nur ...

Nachdem Rose schon wieder einen Job verloren hat, möchte sie als Erntehelferin über den Sommer arbeiten und wird unverhofft als Saisonarbeiterin auf einem Biohof eingestellt. Dort finden sie nicht nur ein unbetreutes Blumenfeld sondern auch die Aufzeichnungen der verstorbenen Martje, die mit Blüten experimentierte und Rezepte entwickelte. Auf ihr Talent für Fotografie aufmerksam gemacht, wird Rose zu einem Blog inspiriert und setzt damit auch Martjes Wunsch um, ihre Rezepte zu veröffentlichen.
Marguerite wurde von ihrem Ehemann verlassen, der damit auch ihr Restaurant, in dem er als Patron fungierte, im Stich ließ. Mit Hilfe ihrer engagierten Mitarbeiter versucht sie das Restaurant vor der Schließung zu retten und neu aufzubauen. Anregungen für neue Rezepte findet sie von einer deutschen Bloggerin.
Viola arbeitet als Journalistin und Restauranttesterin in Verona. Sie fühlt sich fremdbestimmt, versteckt sich vor ihrer Familie, die sie unter Druck setzt zu heiraten und bricht nach einem Streit endgültig mit ihrem Chefredakteur.
Die drei unterschiedlichen Frauen treffen sich im Piemont bei einer Foodmesse und werden durch ein gemeinsames Erlebnis zusammengeschweißt. Sie versprechen sich, auch in Zukunft füreinander da zu sein.

"Der Sommer der Blütenfrauen" handelt nicht nur im Sommer, sondern beginnt im Frühling und zieht sich durch das gesamte (Garten-)jahr. Die Geschichte ist abwechselnd aus den Perspektiven von Rose, Marguerite und Viola geschildert und führt die/ den Leser*in von Deutschland nach Frankreich und Italien.

So unterschiedlich die Frauen aufgrund ihrer Berufe, Herkunft, persönlichen Erfahrungen und Voraussetzungen auch sind, so verbindet sie doch alle drei eine innere Leere, die im Verlauf der Handlung durch neue Herausforderungen, ihre Liebe zum Essen und ihre Freundschaft gefüllt wird.
Die jüngste Rose, die aufgrund ihrer vagabundierenden Eltern heimatlos ist, sich einsam fühlt und durch Gelegenheitsjobs über Wasser gehalten hat, findet durch ihre Arbeit auf dem Biohof in den Pflanzen und der Fotografie ihre Berufung. Marguerite überwindet die Trennung von ihrem betrügerischen Ehemann, nutzt die Herausforderung und macht sich mit einem neuen Konzept zur neuen Chefin des Restaurants "Le Bon Goût", bis sie ihre Liebe zum Kochen als Küchenchefin umsetzen kann. Viola übernimmt mehr Verantwortung im Familienbetrieb und baut das dortige Restaurant im Weingut neu auf.

Titel und Cover suggerieren eine eher fröhliche Geschichte über die Freundschaft dreier Frauen, tatsächlich ist der Roman lange Zeit jedoch eher betrüblich. Die Hauptfiguren haben alle mit existentiellen Problemen zu kämpfen und verhalten sich dementsprechend angespannt. Insbesondere Rose und Viola wirken abweisend und trotzig, so dass man erst mit mehr Hintergrundwissen Verständnis für sie und ihre Launen aufbringen kann. Marguerite hat dagegen ein einnehmendes Wesen, wird in ihrer Beschreibung jedoch zunächst arg auf ihren kurvigen Körper und mehrfach auf ihren schokoladen- oder puderzuckerverschmierten Mund reduziert.

Durch die Schwierigkeiten, die es zu bewältigen gilt und die drei ganz unterschiedlichen Schauplätze in verschiedenen Ländern ist die Geschichte abwechslungsreich und vielseitig. Die Freundschaft, die sich im Verlauf des Romans entwickelt, wirkt jedoch arg bemüht, da die Frauen trotz Gemüseanbau/ Foodfotografie/ Kochen/ Foodjournalismus/ Weinbau, was sie kulinarisch und beruflich verbindet, keine Gemeinsamkeiten haben und das Versprechen der gegenseitigen Treue und Unterstützung aus der Not heraus in Champagnerlaune entstanden ist und trotz der späteren Umsetzung ein wenig halbherzig und für die Geschichte konstruiert wirkt. Eine gegenseitige Empathie und Wertschätzung sind kaum nachzuempfinden. Vor allem Rose und Viola machen es mit ihren (sinnlosen) Streitigkeiten einer Freundschaft schwer.

Während Marguerites Probleme und persönlichen Entwicklungen nachvollziehbar ausgeführt sind, wird Violas Rolle stark vernachlässigt. Ihr Geheimnis, das sie von ihrer Familie trennt, wird nur mit einem Halbsatz erwähnt und erscheint damit völlig lieb- und belanglos in die Geschichte integriert.

"Der Sommer der Blütenfrauen" ist ein Roman über drei unterschiedliche Frauen, die durch einen Zufall zusammenfinden und über die gemeinsame Leidenschaft für Genuss und Kulinarik mit einander verbunden werden und sich gegenseitig dabei unterstützen, ihre Probleme, die ihre Leben aus den Fugen geraten haben lassen, zu lösen. Es ist ein Roman über Neuanfänge und Selbstentfaltung, über Versöhnung und die Kraft der Gemeinschaft, Dinge zu erreichen, der an mancher Stelle übertrieben dramatisch inszeniert ist und insgesamt nicht ganz rund wirkt.

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  • Erzählstil
  • Handlung
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Veröffentlicht am 02.06.2023

Trotz des traurigen Anlasses ein unterhaltsamer Roadtrip über das Abschiednehmen und die Entwicklung einer Freundschaft zweier ungleicher Figuren

Marianengraben
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Paulas Bruder Tim ist gestorben und auch zwei Jahre nach seinem Tod weiß sie nicht, wie sie ohne ihn weiterleben soll. Aufgrund ihrer Depression macht sie eine Therapie, kann sich aber nicht wirklich öffnen. ...

Paulas Bruder Tim ist gestorben und auch zwei Jahre nach seinem Tod weiß sie nicht, wie sie ohne ihn weiterleben soll. Aufgrund ihrer Depression macht sie eine Therapie, kann sich aber nicht wirklich öffnen. Als sie sich eines nachts aufraffen kann, um Tims Grab ohne störendes Publikum zu besuchen, trifft sie auf dem Friedhof auf den 83-jährigen Helmut, der dabei ist, die Urne seiner Freundin auszugraben. Er möchte ein Versprechen einlösen und plant eine Reise in ihre alte Heimat. Paula, die nicht weiß, wohin mit sich selbst, begibt sich zusammen mit dem Misanthrop auf einen Roadtrip, der ihr dabei hilft, die Trauer zu verarbeiten und die nagenden Schuldgefühle loszulassen.

Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive der trauernden Paula erzählt, deren Leben still zu stehen scheint. Sie hat sich in ihre Trauer zurückgezogen und sieht keinen Grund mehr selbst weiterleben zu wollen. Sie gibt sich zudem die Schuld am Tod ihres Bruders, obwohl oder gerade weil sie nicht da war, als er ertrank.
Helmut, der bereits Verluste erlitten und nur noch einen Hund an seiner Seite hat, ist der erste Mensch, der sie zu verstehen scheint und dem sie ihre Gefühle offenbaren kann. Auf dem ungewöhnlichen Roadtrip sind sie sich gegenseitig mental oder körperlich eine Hilfe.

Der Roman handelt von Trauer, vom Sterben, vom Abschiednehmen, aber auch von neuen Perspektiven und vom Mut trotz Schmerz weiterleben zu wollen. Trotz der traurigen Thematik ist das Buch nicht melancholisch oder deprimierend. Die außergewöhnliche Reise ist bewusst unterhaltsam angelegt und führt zu manch absurd-witziger Situation. Das wirkt vielleicht etwas zu gewollt komisch und gekünstelt, driftet jedoch nicht ins Alberne ab.
Durch die vielen einfühlsam geschilderten Erinnerungen wird deutlich, wie nahe Pauls und Tim sich trotz des großen Altersunterschieds standen. Sie hatten so eine innige Beziehung, dass nachvollziehbar ist, wie schwer Paula vom Verlust gezeichnet ist. Auf dem Roadtrip findet sie wieder zu sich selbst und zur Besinnung, dass sie auch für Tim weiterleben muss, der viel zu früh gestorben ist und noch so viel in seinem Leben hätte erreichen und bewirken können.

Auch wenn die Geschichte um einen generationenübergreifenden Roadtrip, einem skurrilen Ascheverstreuen und der Entwicklung einer Freundschaft mit einem mürrischen Charakter sicher nicht neu oder sonderlich kreativ ist, ist die Reise unterhaltsam und die aufgesuchten Orte leicht vorstellbar. Berührend sind Paulas Erinnerungen und die Gespräche mit Helmut über das Sterben und auch die Symbolik um das Wasser und den Marianengraben, in den sich Paula so lange hinunter gezogen fühlt, gibt der Geschichte einen roten Faden und macht sie am Ende rund.

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Veröffentlicht am 01.06.2023

Emotionale Mischung historischer Fakten und Fiktion - Hoffnung und Menschlichkeit in dunklen Zeiten

Ein Ort für unsere Träume
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Die gebürtige Amerikanerin Ruby ist dem Franzosen Marcel Benoit verheiratet, dem sie vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges nach Paris gefolgt ist. Nach einer leidenschaftlichen Anfangszeit ist Ruby bald ...

Die gebürtige Amerikanerin Ruby ist dem Franzosen Marcel Benoit verheiratet, dem sie vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges nach Paris gefolgt ist. Nach einer leidenschaftlichen Anfangszeit ist Ruby bald ernüchtert über ihr Leben und zweifelt an der Liebe ihres Mannes, der etwas vor ihr zu verbergen scheint. Halt gibt ihr das jüdische Nachbarsmädchen Charlotte, die sich wie sie wie eine Außenseiterin fühlt.
Nachdem Marcel verhaftet und als Kollaborateur getötet wurde, entschließt sich Ruby trotz aller Gefahren dessen Tätigkeit für die Résistance fortzuführen. Dabei lernt sie den britischen Piloten Thomas kennen und schöpft Hoffnung, dass der Krieg nicht nur mit Tod, Gewalt und Leid verbunden ist.

"Ein Ort für unsere Träume" handelt vom Ausbruch bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges und ist überwiegend aus den Perspektiven von Ruby und Charlotte geschildert, deren Sicht in einzelnen Kapiteln durch die des Piloten der RAF, ergänzt werden.
Während die aufgeweckte Charlotte früh gezwungen ist, erwachsen zu werden, zeigt Ruby nach dem Tod ihres Mannes, der sie unterschätzt und aus seinem Leben immer weiter ausgeschlossen hatte, wie viel Mut und Stärke in ihr steckt. Unter Einsatz ihres Lebens unterstützt sie die Résistance und ist auch bereit, Verantwortung für die Jüdin Charlotte zu übernehmen.

Die Geschichte bietet allen Leserinnen historischer Romane sicher keine neuen Erkenntnisse über den Zweiten Weltkrieg, den Kampf der Alliierten und die Unterstützung der Zivilbevölkerung im besetzen Frankreich, ist aber dennoch abwechslungsreich geschrieben, wobei statt Politik klar die Gefühle im Vordergrund stehen.
Freundschaft und Liebe, Menschlichkeit, Zusammenhalt, Mut und gegenseitige Unterstützung sind die Werte, die nicht nur durch das Verhalten der Hauptfiguren sondern auch durch die vielen kleinen Nebencharaktere, die alle ihren Beitrag im Kampf gegen die Deutschen und den Nationalsozialismus leisten, die eindringlich geschildert werden. Emotionen kommen dabei nicht zu kurz, denn die Schicksale der unschuldigen Menschen, die ihr Leben selbst für fremde Menschen in Gefahr bringen, bewegen und zeigen, dass es selbst in dunklen Zeiten Hoffnungsschimmer und Menschlichkeit gibt.
Die Geschichte, die historische Tatsachen mit Fiktion leicht verständlich vermischt, ist idealisiert und romantisch, denn vieles scheint zu leicht zu gelingen, die Charaktere haben immer wieder das Glück, drakonischen Strafen zu entgehen. Dennoch ist die Geschichte stimmig und ein unterhaltsamer Roman #gegendasVergessen, der zeitgeschichtlich jedoch nicht ins Detail geht und zugunsten der Emotionen und Charakterentwicklung ein wenig oberflächlich bleibt und nicht ganz ohne Kitsch auskommt.

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Veröffentlicht am 30.05.2023

Eine Geschichte über drei Generationen afroamerikanischer Frauen - mitreißend, erschütternd, so ehrlich und lesenswert. Eines meiner Jahreshighlights.

Die Farbe meines Blutes
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Grace wächst bis zu ihrem 13. Lebensjahr in den Südstaaten in Virginia auf und hat ein enges Verhältnis zu ihrer Großmutter Maw Maw, die als Hebamme arbeitet. Als diese verhaftet wird, weil sie eine Geburtsurkunde ...

Grace wächst bis zu ihrem 13. Lebensjahr in den Südstaaten in Virginia auf und hat ein enges Verhältnis zu ihrer Großmutter Maw Maw, die als Hebamme arbeitet. Als diese verhaftet wird, weil sie eine Geburtsurkunde zum Schutz von Mutter und Kind gefälscht hat und zeitgleich Graces Mutter stirbt, wird Grace von ihrer Tante Hattie aufgenommen, die in Brooklyn/ NYC lebt. Im Haushalt ihrer Auntie ist Grace lediglich eine billige Arbeitskraft, der der Zugang zu Bildung verwehrt bleibt. Einzig ein schwarzer Junge zwei Blocks weiter aus gutem Hause, der sich gegen die Rassentrennung engagiert, scheint Grace wahrzunehmen. Sie verliebt sich in seine Aufmerksamkeit und Fürsorge - und wird schwanger. Das Baby wird von Hattie anonym in ein Waisenhaus verbracht und Grace anschließend aus ihrem Haus verwiesen.
Baby Rae wird von einem Paar adoptiert, das selbst keine Kinder bekommen kann und bereits einen Sohn adoptiert hatte. Selbst als Waisenkind und später in der Obhut eines Onkels aufgewachsen, ist die Mutter Delores, genannt Lolo, schwer traumatisiert. Nicht einmal ihr Ehemann Tommy weiß, was Lolo in ihrer Kindheit erlebt hat und was sie die Erziehung ihrer Kinder prägen lässt. Überbehütend, aber gleichzeitig streng umsorgt sie TJ und Rae und hegt Misstrauen gegen alle Weißen und schwarze Männer, die vor allem Rae auch nur angucken. Auch wenn die Ehe augenscheinlich glücklich ist, bergen sowohl Lolo als auch Tommy Geheimnisse, die zerstörerisch sein können.
Rae hat unter der strengen Erziehung ihrer Mutter gelitten und fühlte sich nicht von ihr geliebt. Erst als Erwachsene und selbst Mutter geworden, lernt sie zu verstehen, warum sich ihre Mutter so verhalten hat. Auch erkennt sie, dass sie die Muster der Ehe ihrer Eltern übernommen hat und ist unglücklich mit ihrer Situation. Sie wollte doch eigentlich nur so einen fürsorglichen beschützenden Ehemann nach dem Vorbild ihres Vaters und steht am Ende vor der Entscheidung, für die Fassade einer heilen Familie auf ihre eigenen Bedürfnisse zu verzichten. Für die frühen 2000er-Jahre ist unfassbar, wie eingefahren das klassische Rollenverhältnis ist, welche Last auf den Schultern der Frau lastet und wie leicht sich Mann mit einem Paschagehabe aus der Affäre ziehen kann.

"Die Farbe meines Blutes" ist ein Roman, der von Mitte der 1960er- bis Anfang der 2000er-Jahre handelt und die Lebensgeschichten von drei Generationen von Frauen erzählt, die über das Schicksal oder das Blut mit einander verbunden sind. Die Autorin, die selbst adoptiert ist, verarbeitet darin auch einen Teil ihrer eigenen Biografie.

Der Roman, der in drei Bücher - das Buch Grace 1965-1969, das Buch Delores 1967-1999 und das Buch Rae 1999-2004 - aufgeteilt ist, handelt von vielen belastenden Themen, denn die drei Hauptfiguren müssen viel erleiden und erdulden - als Afroamerikanerin, aber insbesondere als weibliche Person. Neben der Dominanz der (Ehe-)männer, die trotz der Liebe und Fürsorge auch bei Tommy deutlich wird, ist es vor allem die Kindheit, die bei Grace und Lolo unbeschreiblich grausam ist. Was die beiden erleben, zieht sich negativ besetzt durch ihre Leben und wird sich als Familientraumata auf nachfolgende Generationen abfärben. Missbrauch, ungewollte Schwangerschaften, Adoption, Untreue, Verlust geliebter Menschen, Rassentrennung und Alltagsrassismus sind Marker, die vordergründig sind und denen sich die Protagonisten hilflos ausgesetzt sehen.

Die erschütternden Erlebnisse sind trotz ihrer Grausamkeit mit viel Einfühlungsvermögen dargestellt und offenbaren sich bei Lolo erst allmählich, so dass das Buch auch einem spannenden Aufbau folgt. Die Gefühle von Angst und Wut, Einsamkeit und Liebe sind in allen drei Teilen des Buches spürbar. Obgleich es sich um fiktive Biografien handelt, erscheint diese traurige und brutale Geschichte über drei Generationen afroamerikanischer Frauen in Amerika nicht nur vor dem Hintergrund der Autorin sehr authentisch. Während Grace als naives Mädchen weniger Impulse setzt, sind es vor allem die Bücher Delores und Rae, die nachhallen, da die beiden Frauen sich als echte Identifikationsfiguren herauskristallisieren. Die Ungerechtigkeiten, die die Frauen nur aufgrund ihrer Hautfarbe und vielmehr noch aufgrund ihres Geschlechts erleiden, machen unfassbar wütend und so ist es am Ende befreiend zu lesen, dass Lolo und Rae Zufriedenheit ausstrahlen und ihre Art von Freiheit gefunden haben.

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Veröffentlicht am 28.05.2023

Unterhaltsamer Kriminalroman mit viel Lokalokolorit, Nordseeatmosphäre und Ermittlungen abseits der Polizei - besser als Band 1.

Akte Nordsee - Der Teufelshof
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In der Hochzeitsnacht werden am Hof der Fehnsens in Wulkenbüll auf der Halbinsel Eiderstedt die Eltern des Bräutigams ermordet und der Bräutigam mit einem Jagdgewehr angeschossen. Die Braut konnte unerkannt ...

In der Hochzeitsnacht werden am Hof der Fehnsens in Wulkenbüll auf der Halbinsel Eiderstedt die Eltern des Bräutigams ermordet und der Bräutigam mit einem Jagdgewehr angeschossen. Die Braut konnte unerkannt in die Scheune fliehen und sich verstecken.
Rechtsanwältin Fentje Jacobsen war am Tag zuvor bei der Hochzeit von Henning und Anna eingeladen und übernimmt die Verteidigung, da es keine Einbruchspuren gibt und Braut und Bräutigam als Erben des Hofes von der Polizei als erstes verdächtigt werden. Fentje und auch der Journalist Niklas John, der Anna als seine erste Liebe persönlich kennt, können sich nicht vorstellen, dass die beiden Lucy und Gustav auf dem Gewissen haben. Beide beginnen sie unabhängig voneinander zu recherchieren, nachdem sie sich in einem letzten Fall nahe gekommen waren und ihr Verhältnis beidseitig angespannt ist, denn Anna und Henning könnten als Überlebende noch immer im Visier des unbekannten Täters sein.

"Der Teufelshof" ist nach "Am dunklen Wasser" der zweite Band aus der Reihe "Akte Nordsee" um die junge Anwältin Fentje Jacobsen und den Journalist Niklas John aus St. Peter-Ording. Zum Verständnis des Folgebandes sind jedoch keine Vorkenntnisse nötig.

Wie schon Band 1 ist auch "Der Teufelshof" aufgrund der Hauptfiguren kein klassischer Kriminalroman, denn im Vordergrund stehen nicht die Ermittlungen der Polizei, sondern die Nachforschungen von Fentje und Niklas. Überhaupt fragt man sich, was die Polizei nach der Verhaftung einer Tatverdächtigen überhaupt noch ermittelt hat.
Über Fentje und Niklas kommt man insofern dem Täter und der Auflösung des Kriminalfalls näher. In diesem Fall sind die Rechtsanwältin und der Journalist persönlich eingebunden, da sie die Opfer kennen und recherchieren zunächst unter verschiedenen Gesichtspunkten getrennt voneinander. Während Fentje in der Umgebung des Tatorts verbleibt und mehr über die Stunden vor der Tat in Erfahrung bringen möchte, um ein Motiv für einen anderen Täter zu finden, führen die Recherchen Niklas örtlich und zeitlich weiter weg. Er möchte mehr über die Vergangenheit seiner ehemaligen Freundin herausfinden, um sie zu entlasten und den Mörder möglicherweise aus ihrem Umfeld zu offenbaren.

Beide Handlungsstränge sind abwechslungsreich geschildert. Fentje und Niklas führen diverse Gespräche um dem wahren Täter auf die Spur zu kommen. Ihre Handlungen sind nachvollziehbar und regen zum Miträtseln an. Die Spannung entwickelt sich gemächlich und steigert sich, als Fentje und Niklas durch ihre Nachforschungen in Gefahr geraten und wie schon im ersten Band der Reihe wieder enger zusammenarbeiten und sich dabei näher kommen, ohne ihre Gefühle für einander eingestehen zu wollen.

"Der Teufelshof" klingt gruselig, ist jedoch kein nervenaufreibender Fall, dafür aber authentischer als Band 1. Die Mischung aus Nordseeatmosphäre, Privatleben der Protagonisten und Hobbyermittlungen in einem Kriminalfall, in der zur Lösung mehr Lokalkolorit als Polizei nötig ist, ist unterhaltsam und macht neugierig auf weitere Teile von "Akte Nordsee".

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