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Veröffentlicht am 29.01.2026

Komplexe Mutter-Tochter-Beziehungen, die Wunden hinterlassen und die Generationen prägen

Niemands Töchter
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Gabriele kehrt mit der neugeborenen Alma Anfang der 1980er-Jahre zu ihren Eltern in die Eifel zurück, denn in Berlin kann sie als Alleinerziehende nicht mehr bleiben. Alma entwickelt sich zu einem aufgeweckten ...

Gabriele kehrt mit der neugeborenen Alma Anfang der 1980er-Jahre zu ihren Eltern in die Eifel zurück, denn in Berlin kann sie als Alleinerziehende nicht mehr bleiben. Alma entwickelt sich zu einem aufgeweckten Kind, aber der Vater bleibt eine Leerstelle in ihrem Leben. Doch da ist noch mehr, was Gabriele verschweigt.
Marie möchte mit ihrer zweiten Tochter alles besser machen und setzt sie sehr zum Missfallen ihres Mannes an erste Stelle. Sie schwört Isabell, sie vor allem zu beschützen, kann ihr aber Versprechen nicht halten.
Isabell ist Mutter der dreijährigen Ruby und im Umgang mit ihr gehemmt, denn ihre Ängste lähmen sie. Sie vermisst ihre eigene Mutter und versucht anhand der von ihr hinterlassenen Polaroidbilder mehr über sie zu erfahren.

"Niemands Töchter" wird aus wechselnden Perspektiven der vier Hauptfiguren geschildert, wobei die Erzählung nicht chronologisch erfolgt. Im Wechsel zwischen Vergangenheit ab 1981 und der Gegenwart im Jahr 2020 geht es um komplexe Mutter-Tochter-Beziehungen, um überforderte, verzweifelte, abwesende, einsame und trauernde Mütter sowie die Suche nach Identität, Heimat und Geborgenheit.

Für einen Roman allein sind vier Frauen mit schwierigen Verhältnissen im Umgang mit ihrer Mutter und/ oder Tochter viel, so dass die Ergründung ihrer Probleme nicht tief geht. Dennoch berühren die Schicksale und es fällt nicht schwer, sich in die Frauen hineinzuversetzen, die fehlerbehaftet sind und Geheimnisse bergen.
Im Verlauf der Geschichte wird immer besser nachvollziehbar, welche Wunden vorhanden sind und wie sich Traumata der Vergangenheit auf die Gegenwart und die nachfolgende Generation auswirken. Die Verbindung der einzelnen Handlungsstränge ist weniger geheimnisvoll als gedacht, was die Spannung und Dramatik jedoch nicht wesentlich beeinträchtigt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.01.2026

Drastische Geschichte über unerfüllte Wünsche und ein fragiles Familiengefüge - am Ende unglücklich unfertig

Alle glücklich
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Die vier Holtsteins sind eine Bilderbuchfamilie: Vater, Mutter und zwei Teenager ohne Geldsorgen in München.
Alexander ist Arzt im Krankenhaus und sieht sich als Ernährer der Familie. In seinem Beruf geht ...

Die vier Holtsteins sind eine Bilderbuchfamilie: Vater, Mutter und zwei Teenager ohne Geldsorgen in München.
Alexander ist Arzt im Krankenhaus und sieht sich als Ernährer der Familie. In seinem Beruf geht er auf, Zeit für seine Frau und die Kinder bleibt wenig. Nina arbeitet, seitdem die Kinder größer sind, halbtags als Arzthelferin, ihr Medizinstudium konnte sie als zweifache Mutter nicht beenden. Heimlich hat sie einen Job als Kassiererin in einem Supermarkt angenommen, um nicht jeden Friseurbesuch vor ihrem Mann rechtfertigen zu müssen.
Die 16- jährige Emilia ist verliebt in ihren ersten richtigen Freund, aber verunsichert, weil so viel souveräner und erfahrener ist als sie. Ihr älterer Bruder hat hingegen keine Erfahrungen in Liebesdingen. Ben studiert, zieht sich aber darüber hinaus in sein Zimmer vor den Computer zurück. Er würde gerne raus aus der Passivität und findet im Internet einen Mentor, der ihn motiviert.

Die vier Holtsteins sind grundsätzlich glücklich, aber ein Blick hinter die Fassade zeigt, dass es in jedem von ihnen brodelt.

Der Roman wird abwechselnd aus allen vier Perspektiven geschildert, wobei der Alltag in einer Familie mit Teenagern realitätsnah abgebildet wird. Die Ehe ist von einer fehlenden Romantik geprägt und zunehmende Streits und unterschiedliche Erwartungen gefährden die Harmonie. Die Teenager führen ihr eigenes Leben und ziehen sich aus der Fürsorge der Eltern zurück.

Im Vordergrund stehen die Emotionen und das, was jedes Familienmitglied innerlich bewegt. Es ist spürbar, dass die Familie sich auseinandergelebt hat und nicht so glücklich ist wie sie sein möchte. Die Emotionen - egal ob Wut, Enttäuschung, Verzweiflung oder Liebe - führen auch dazu, dass sich in jedem Leben etwas bewegt. Jeder bringt für sich einen Stein ins Rollen, das nicht nur das fragile Familiengefüge weiter erschüttern, sondern auch zu einer persönlichen Katastrophe führen könnte.
Drastisch wird aufgezeigt, was sich aus andauernder Unzufriedenheit, fehlendem Verständnis und mangelnder Kommunikation entwickeln kann. Dies sorgt für Spannung und Dramatik, wobei in einer Familie innerhalb kurzer Zeit wirklich viel ins Wanken gerät, was trotz der alltagsnahen Darstellung in Summe überspitzt ist. Dass die Geschichte abgewürgt mit einem einzigen Scherbenhaufen endet, wirkt unentschlossen und unglücklich unfertig.

  • Einzelne Kategorien
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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.01.2026

Die Auswirkungen der Schuld der Kriegsgeneration und die Verantwortung von Soldaten - eine Aufarbeitung mit unbefriedigend vagen Positionen

Eine vergessene Schuld
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Kurz vor seinem TV-Auftritt in einer politischen Talksendung wird der ehemalige Verfassungsrichter Dr. Rudolf Heppner Opfer eines Angriffs, wobei sich der unbekannte Täter auf eine linksextremistische ...

Kurz vor seinem TV-Auftritt in einer politischen Talksendung wird der ehemalige Verfassungsrichter Dr. Rudolf Heppner Opfer eines Angriffs, wobei sich der unbekannte Täter auf eine linksextremistische Organisation beruft. Heppner hatte sich zuvor durch umstrittene Aussagen zur Wehrpflicht und Kriegsdienstverweigerung in der Öffentlichkeit unbeliebt gemacht.
LKA und BKA nehmen die Ermittlungen auf, wobei die Polizeipsychologin Jasina Behrens ein Gutachten über Heppner erstellen soll.
Knapp 80 Jahre zuvor versteckt sich Raimund Bach in Amsterdam, nachdem er erfahren hatte, dass seine Mutter, die jüdischer Abstimmung ist, in Deutschland deportiert worden ist. Er gilt damit als fahnenflüchtig, worauf die Todesstrafe steht. Doch wenige Monate später ist der Krieg beendet.

Der Roman handelt auf zwei Zeitebenen und schildert in der Gegenwart im Sommer 2023 den Angriff auf Verfassungsrichter Heppner und die anschließendes polizeiliche Untersuchung. Schwerpunkt ist dabei die Analyse Heppners, um die Gründe für seine vorher getätigten Aussagen zu verstehen, die ihn in eine rechtspopulistische Ecke gedrängt haben. Die gebürtige Syrerin Jasina Behrens erstellt das Opferprofil, fühlt sich durch Heppners Erklärungen jedoch getriggert und verlässt die professionelle Ebene ihrer Arbeit.

Die Suche nach dem Täter gerät beim Blick auf das Opfer weitgehend in den Hintergrund. Hier fehlt das Verständnis, warum die Polizei so viel Zeit darauf verwendet, Heppner zu analysieren, statt alle Ressourcen darauf zu verwenden, einen potentiellen Gewalttäter zu fassen. Wichtig werden dabei Rückblenden in die späten 1960er-Jahre, die Hinweise auf Heppners Motivation geben.

Authentischer als die Schilderung der Polizeiarbeit in der Gegenwart ist der Handlungsstrang im Jahr 1945, der auf wahren Begebenheiten beruht. Die Geschehnisse im Zusammenhang mit dem Gerichtsprozess gegen zwei Deserteure nach der Kapitulation Deutschlands machen fassungslos.

Der Roman handelt auf mehreren Zeitebenen von vielen verschiedenen Themen, die bunt durchmischt werden und einen klaren roten Faden vermissen lassen. Es geht um Fahnenflucht, alte Nazi-Seilschaften der Nachkriegszeit, unmenschliche Behandlung in psychiatrischen Einrichtungen, Leben in der Kommune, Rebellion gegen die Eltern, Schuld und die Auswirkungen auf die nachfolgende Generation, Fluchttraumata und öffentliche Meinungsmache.
Während die Vergangenheit faktenbasiert und dennoch sehr emotional ist, ist die Handlung in der Gegenwart von Spekulationen und retardierenden Frage- Antwort-Spielchen geprägt, die nur sehr vage Aussagen liefern. Die Motivation von Opfer und Täter gleicht einem andauernden Rätselraten, das unbefriedigend ist. Am Ende kann weder die Ermittlungsarbeit der Polizei und noch viel weniger die Rolle Jasinas überzeugen. Die Suche nach ihrem vermissten Bruder in Syrien sprengte den Handlungsrahmen.

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Veröffentlicht am 22.01.2026

Solider, atmosphärischer Krimi aus prominenter Feder, aber wenig origineller Vermisstenfall und schon gar kein Thriller

Reykjavík
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1956 verschwindet die 15-jährige Lára spurlos, nachdem sie ihre Anstellung als Haushaltshilfe bei einem gut situierten Paar auf einer kleinen Insel in der Nähe Reykjavíks unerwartet gekündigt hatte. Die ...

1956 verschwindet die 15-jährige Lára spurlos, nachdem sie ihre Anstellung als Haushaltshilfe bei einem gut situierten Paar auf einer kleinen Insel in der Nähe Reykjavíks unerwartet gekündigt hatte. Die Suche nach ihr bleibt erfolglos, Hinweise auf ein Verbrechen oder einen Selbstmord kann der leitende Ermittler nicht finden.
Dreißig Jahre später nimmt sich ein Journalist dem Cold Case an und entwickelt nach einem anonymen Hinweis den Ehrgeiz, einen mutmaßlichen Mord aufzuklären. Offensichtlich hat jemand etwas gegen Valurs Initiative, denn er begibt sich damit ungeahnt in Lebensgefahr, was den Verdacht erhärtet, dass Lára nicht freiwillig verschwunden ist.

Nach einem kurzen Rückblick ins Jahr 1956 und dem Bemühen des Ermittlers Kristján auch in den Folgejahren Láras Verschwinden aufzuklären, wird die Handlung im Jahr 1986 fortgesetzt und schildert die Recherche von Valur und seiner Schwester Sunna.

Obgleich als Thriller deklariert, liest sich die Geschichte vielmehr wie ein Kriminalroman und konzentriert sich im Wesentlichen auf die laienhaften Ermittlungen der beiden Hauptfiguren, denn nach einer überraschenden Wende wächst Sunnas Rolle in dem Fall.
Der Perspektivwechsel gibt der Handlung zwar einen neuen Impuls, lässt jedoch auch keinen Zweifel mehr an Láras Schicksal. Trotzdem kann weiterhin spekuliert werden, was sich 1956 ereignet hat und wer darin involviert gewesen ist.

Etwas eigenartig mutet dabei an, wie viel mehr ein Journalist und eine Literaturstudentin 30 Jahre später im Vergleich zu den Ermittlern damals herausfinden können. Gerade am Ende wirkt das passive Verhalten der Polizei realitätsfern.

Eindrucksvoller als der wenig originelle Vermisstenfall ist die Darstellung des Lebens auf der abgelegenen arktischen Insel. Aufgrund der übersichtlichen Bevölkerungsanzahl und der daraus resultierenden Kennverhältnisse ist es schwer, anderen zu trauen und riskant, die Ermittlungen durch falsche Fragen zu gefährden. Passend zum Zeitgeist der 1980er-Jahre wird an vielen Stellen zudem deutlich, wie eingeschränkt die Recherchemöglichkeiten damals waren.

"Reykjavík" ist ein solider Krimi aus prominenter Feder, der als Thriller deklariert jedoch falsche Erwartungen weckt. Dennoch bietet der Roman durch die schrittweise Offenlegung einzelner Puzzleteile und Aufklärung des Cold Case eine solide Unterhaltung und versetzt den Leser eindrücklich nach Island ins Jahr 1986. Die Erwähnung realer politischer Ereignisse ist interessant, wirkt ohne Bezug zum Vermisstenfall jedoch überflüssig.

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Veröffentlicht am 20.01.2026

Spannender Mordfall aus dem Kalten Krieg mit Auswirkungen in die Gegenwart

Das Haus am Gordon Place
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Der britische Geschichtsprofessor Hunt wird bei der Einreise in die Vereinigten Staaten am Flughafen in New York aufgehalten und muss eine Nacht in der Arrestzelle verbringen. In seiner Wohnung in London ...

Der britische Geschichtsprofessor Hunt wird bei der Einreise in die Vereinigten Staaten am Flughafen in New York aufgehalten und muss eine Nacht in der Arrestzelle verbringen. In seiner Wohnung in London wurde sein Nachbar Gerald Fraser tot aufgefunden, wofür er keine Erklärung hat. Zurück in London bittet ihn die M16-Agentin Emma Spencer, die an der Aufklärung des Mordfalls beteiligt ist, um Mithilfe. In Hunts Wohnung hat früher die Geheimagentin Daphne Parson gelebt und Emma vermutet darin einen Zusammenhang mit Frasers Tod.
1948 arbeitet Daphne Parson in Wien für eine Spezialabteilung des MI6. Sie hört in einem geheimen Tunnel sowjetische Gespräche ab. Bei einem Telefonat erkennt sie einen SS-Mann wieder, der sie während des Zeiten Weltkriegs in Griechenland gefoltert hatte. Aus dem Konzept gebracht, verpatzt sie einen verdeckten Einsatz. Um den Fehler wiedergutzumachen, muss sie sich sich einer Filmcrew anschließen, um verdeckt in den sowjetischen Sektor Wiens zu gelangen.

"Das Haus am Gordon Place" handelt auf zwei Zeitebenen und wird in kurzen Kapiteln aus vielen verschiedenen Perspektiven geschildert. Die Autorin ist Historikerin und verbindet geschickt historische Fakten mit einer fiktiven Geschichte, wobei einige der handelnden Figuren tatsächlichen Personen angelehnt sind.
Hauptteil ist die Spionagetätigkeit britischer Geheimagenten in Wien der Nachkriegszeit. Lebendig wird dargestellt, wie der MI6 zur Zeit des Kalten Krieges agierte, wie die Zivilbevölkerung zur Zusammenarbeit bewegte wurde und welche Rolle ehemalige Nazi-Schergen spielten. Verbindendes Element mit der Gegenwart ist das Haus am Gordon Place, in dem viele MI6-Agenten wohnten. In Daphne Parsons ehemaliger Wohnung wird ein Mann ermordet und es ist zu vermuten, das dort etwas gesucht wurde, was Daphne vor langer Zeit versteckt hatte.

Beide Zeitebenen sind spannend und unterhaltsam geschildert, wobei der schnelle Szenenwechsel und die vielen handelnden Personen die Aufmerksamkeit des Lesers fordern. Gegenwart und Vergangenheit werden dabei inquisitiv mit einander kombiniert und ergänzen sich gegenseitig. Was Hunt in der Gegenwart herausfindet, wird in der Vergangenheit noch ausführlicher dargelegt. Neben der strategischen Vorgehensweise aus Tarnen und Täuschen eines Geheimdienstes, spielen auch die persönlichen Hintergründe, insbesondere die Kriegstrauma eine Rolle, die die Handlungen der Personen beeinflussen. Sowohl die Lebensbedingungen der damaligen Zeit als auch die persönlichen Befindlichkeiten und Beziehungen der Personen untereinander zeugen von Empathie und zeigen, dass auch die "Guten" nicht frei von Fehlern waren.

Je tiefer man in die politischen Machenschaften eintaucht und je mehr Details über die Vergangenheit bekannt werden, desto spannender wird, wie die Personen in der Gegenwart mit denen der Vergangenheit zusammenhängen und was damit das Motiv für den Mord des unscheinbaren Nachbarn über 70 Jähre später sein könnte.
Darüber hinaus sorgen die persönlichen Hintergründe, die Schrecken der Kriegs- und Nachkriegszeit, der unermüdliche Einsatz für Ideale und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft, für dramatische Szenen und wecken Emotionen.

Das Nachwort der Autorin ergänzt den Roman und erklärt, was Wahrheit und Fiktion ist. "Das Haus am Gordon Place" ist als historischer Roman ein Beleg dafür, dass das wahre Leben immer noch die spannendsten Geschichten schreibt.

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