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Veröffentlicht am 28.02.2026

Der Schmetterlingseffekt einer Entscheidung - drei Varianten einer Familiengeschichte

Die Namen
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1987 macht sich Cora zusammen mit ihrer neunjährigen Tochter auf den Weg, um die Geburt ihres Sohnes im Standesamt anzunehmen. Ihr Mann Gordon, ein in dem Ort angesehener Hausarzt, ist zu Hause dominant ...

1987 macht sich Cora zusammen mit ihrer neunjährigen Tochter auf den Weg, um die Geburt ihres Sohnes im Standesamt anzunehmen. Ihr Mann Gordon, ein in dem Ort angesehener Hausarzt, ist zu Hause dominant und möchte, dass der Sohn nach der Familientradition wie der Vater Gordon getauft wird. Cora möchte, dass ihr Sohn seinen eigenen Weg und nicht von dem Namen seiner Väter beeinflusst ist und zögert deshalb. Ihre Tochter schlägt den Namen Bear vor, den sie mit Mut und Stärke, aber auch mit Sensibilität verbindet. Cora bevorzugt Julian als "Himmelsvater".
Drei Namen, drei Lebenswege, drei Möglichkeiten von Selbstbestimmung.

Das Buch handelt vom Schmetterlingseffekt einer Entscheidung und wie sich die Namensgebung ihres Sohnes auf das Leben der gesamten Familie auswirkt. Dabei geht es weniger um den Namen als solchen, denn diese sind rein symbolisch.

Die drei Varianten erzählen die Geschichte der Familie im Zeitraum von 35 Jahren, wobei es jeweils Ausschnitte im siebenjährigen Abstand sind. Die Handlung ist deshalb episodenartig und lückenhaft und es braucht Konzentration, um beim Wechsel der Perspektive die Lebensumstände neu zu sortieren.

Aus drei Hauptfiguren werden neun Persönlichkeiten, die sich unterschiedlich entwickeln, weshalb keine echte Nähe zu ihnen aufgebaut werden kann. Die Wesensveränderungen und Entscheidungen können deshalb auch nicht unmittelbar nachvollzogen werden, da das Miterleben fehlt und nur die Resultate präsentiert werden.

Dennoch ist die Geschichte aufgrund ihrer Tragik und der eindringlichen, ungeschönten Erzählweise berührend und fordernd. Die Darstellung von häuslicher Gewalt - körperlicher und seelischer Natur - ist unerträglich, ohne dass zu sehr ins Detail gegangen werden muss. Selbst wenn sich das Ende in den Varianten unterscheidet, wird in allen Versionen deutlich, wie schwer ein Trauma wirkt und wie schwer es ist, seinen eigenen Lebensweg zu finden und glücklich zu werden.

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Veröffentlicht am 25.02.2026

Mischung aus tragischem Coming-of-Age-Roman über die Dynamiken von Freundschaft und einem Kleinstadt-Thriller

Kala
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Im Herbst 2003 verschwand die 16-jährige Kala in der irischen Kleinstadt Kinlough spurlos. Kala wuchs bei ihrer Großmutter auf und war Teil einer Gruppe von sechs unterschiedlichen Freunden, die untrennbar ...

Im Herbst 2003 verschwand die 16-jährige Kala in der irischen Kleinstadt Kinlough spurlos. Kala wuchs bei ihrer Großmutter auf und war Teil einer Gruppe von sechs unterschiedlichen Freunden, die untrennbar zusammenhielten.
15 Jahre später hat Mush den Küstenort nie verlassen und führt gemeinsam mit seiner Mutter ein Café. Joe ist ein berühmter Musiker geworden und kehrt in seinen Heimatort zurück, um sich nach einer Verletzung zu kurieren. Helen kommt aus Kanada widerwillig nach Kinlough, um an der Hochzeit ihres verwitweten Vaters teilzunehmen.
Zeitgleich werden die sterblichen Überreste von Kala auf einer Baustelle gefunden - zusammen mit einem Polaroidfoto der sechs Freunde. Während dem Trubel um den Leichenfund und der anstehenden Hochzeit fällt zunächst nicht auf, dass Mushs Cousinen Donna und Marie nicht auffindbar sind.

Der Roman wird aus den Perspektiven von Mush, Joe und Helen geschildert, entfremdete Freunde, die sich gegenwärtig in Kinlough wieder treffen. Dabei gibt es aus jeder Sicht Rückblenden in die Vergangenheit, die die Freundschaft und die Erschütterung durch den Verlust Kalas beschreiben.

Die Hauptfiguren sind fein gezeichnet: der sensible Mush, der narzisstische Joe und die zynische Helen. In der Gegenwart wird deutlich, dass die Vergangenheit und die Unsicherheit über das Verschwinden Kalas Spuren hinterlassen hat. Mush hat sichtbare Narben und sich nie aus der Kleinstadt herausgewagt, Helen hat sich im Gegensatz dazu völlig von ihr und den Bewohnern distanziert und Joe ist dem Alkohol verfallen.
Sie sind mit Schuldgefühle belastet und reflektieren nach dem Knochenfund, was sich im Sommer und Herbst 2003 ereignet hat. Trauer und Wut sind spürbar und die inneren Kämpfe, die sie mit sich ausfechten, können sehr gut nachvollzogen werden.

Durch den stetigen Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit erfährt man die allmählich die Hintergründe zu den Familien, die allesamt von Verlusten geprägt sind. Zudem wird deutlich, wie viel in der Kleinstadt vertuscht und gelogen wird, wie viel Gewalt dort herrscht und wie groß der Einfluss einer kriminellen Familie ist.
Helen ist freie Journalistin und möchte endlich die Wahrheit herausfinden. Damit stößt sie unweigerlich auf Widerstand und bringt sich und ihre Freunde in Gefahr. Parallel dazu verschwinden die Zwillinge, die ihrerseits zu viele Fragen über die Vergangenheit gestellt haben.

"Kala" entwickelt sich von einem tragischen Coming-of-Age-Roman über die Dynamiken einer Freundschaft und was passiert, wenn sich die Bündnisse und Hierarchien ändern, zu einem packenden Thriller, in dem sich die Hauptfiguren der Vergangenheit und den Ereignissen stellen müssen, die ihr Leben unwiderruflich verändert haben.

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Veröffentlicht am 23.02.2026

Spannende und dramatische Geschichte mit kämpferischen Frauen über die Jahrhunderte hinweg - atmosphärische Stimmung in bildhaft beschriebener Moorlandschaft

Spiegelland
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Cato flieht 1999 zusammen mit ihrer zwölfjährigen Tochter von ihrem gewalttätigen Ehemann in das Haus, das sie von ihrer unbekannten Großmutter geerbt hat. Das Haus in der Moorlandschaft wird zu ihrer ...

Cato flieht 1999 zusammen mit ihrer zwölfjährigen Tochter von ihrem gewalttätigen Ehemann in das Haus, das sie von ihrer unbekannten Großmutter geerbt hat. Das Haus in der Moorlandschaft wird zu ihrer Zuflucht und offenbart ihr gleichzeitig Familiengeheimnisse, die ihr Aufschluss über das zerrüttete Verhältnis ihrer Vorfahren geben.
26 Jahre später flüchtet auch Elias ins Moor zu seiner Großmutter Cato. Elias hat einen schweren Fehler begangen und schafft es kaum, die Tat mit sich auszumachen. Was er über seinen Großvater und Urgroßvater erfährt, ist erschütternd und wirft die beängstigende Frage auf, ob sich Geschichte wiederholt.
Jahrhunderte zuvor beginnt die Kolonisierung der Moorlandschaft in der Nähe von Bremen. Die junge Aletta gerät dabei in die Auseinandersetzungen zweier verfeindeter Dörfer. Um den Streit zu schlichten, ist sie sogar bereit, ihre Liebe zu opfern.

Der Roman handelt auf drei Zeitebenen, die zeitlich bis zu 260 Jahre getrennt sind, aber inhaltlich eng verwoben sind. Die Ereignisse handeln alle am gleichen Ort im Moor bei Worpswede und decken Konflikte und lang gehütete Geheimnisse auf. Die Kapitel sind kurz, was die Parallelen in der Handlung weiter verstärkt.

Zwei Perspektiven werden aus weiblicher Sicht dargestellt, in der Frauen gegen sexualisierte Gewalt, toxische Männlichkeit und patriarchale Strukturen ankämpfen müssen. Sowohl 1999 als auch 1756 geraten die Frauen in lebensgefährliche Situationen.
Die dritte Perspektive ist aus männlicher Sicht geschildert, aus der Sicht eines Täters, wobei diese aufgrund der Jugendlichkeit des Charakters und der weitaus kürzeren Darstellung weniger eindrücklich ist.

Der Roman ist durch die detaillierten Naturbeschreibungen und die unterschiedlichen Stimmungen, die vermittelt werden, sehr atmosphärisch beschrieben. Es fällt dadurch leicht, sich bildhaft in das Moor versetzen zu lassen und ein Gefühl für die Charaktere und ihr Handeln zu erhalten.
Aufwühlend und dramatisch sind die familiären Geheimnisse und Konflikte, die offenbart werden und für anhaltende Spannung um die Schicksale sorgen, die so realitätsnah wirken. Die Geschichte fesselt jedoch auch durch den Fund zweier Moorleichen und die Mystik, die sie umgibt und legt ein Augenmerk auf die Notwendigkeit des Schutzes der Moorlandschaft.

"Spiegelland" ist ein facettenreicher, bildhaft beschriebener Roman, der von häuslicher Gewalt und der Frage handelt, wie sich Schuld, individuelle Fehler und Charakterschwäche auf nachfolgende Generationen auswirken und die Zukunft bestimmen. Spannend, dramatisch und atmosphärisch werden drei Handlungsstränge verknüpft, die eine jahrhundertelange Unterdrückung darlegen und gesellschaftliche Strukturen in Frage stellen lassen.

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Veröffentlicht am 21.02.2026

Melancholische Familiengeschichte über Alkoholismus, Verlust und Einsamkeit, die viel zu oberflächlich bleibt

22 Bahnen
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Tilda studiert Mathematik, steht vor dem Masterabschluss und hat das Angebot, in Berlin zu promovieren. Sie wohnt im Gegensatz zu ihren Schulfreunden allerdings immer noch zu Hause, da sie sich verpflichtet ...

Tilda studiert Mathematik, steht vor dem Masterabschluss und hat das Angebot, in Berlin zu promovieren. Sie wohnt im Gegensatz zu ihren Schulfreunden allerdings immer noch zu Hause, da sie sich verpflichtet fühlt, sich um ihre jüngere Schwester Ida zu kümmern. Ihre Mutter ist ein "Monster", das sich an guten Tagen still und leise betrinkt, während an schlechten Tagen ihre Launen in Gewalt umschlagen können.
Bevor Tilda ernsthaft darüber nachdenken kann, auszuziehen und Freiheit nicht nur zu spüren, wenn sie ihre 22 Bahnen im Schwimmbad zieht, versucht sie Ida entsprechend vorzubereiten. Währenddessen tritt Viktor in ihr Leben, der einen schweren Verlust zu verkraften hat.

Besonders gehypte Bücher können begeistern oder enttäuschen. Dieser liegt irgendwo dazwischen. Der Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig und unterstreicht die unbequeme Geschichte. Die Sätze sind kurz, abgehackt und von Wiederholungen und Aufzählungen geprägt. Fürchterlich sind die Dialoge im Stil eines Drehbuchs, die sich nicht flüssig mit der Geschichte verbinden.

Inhaltlich ist der Roman betrüblich und die Atmosphäre beklemmend. Tilda pendelt zwischen Studium, Supermarktkasse und Familienalltag, der vom Zusammenleben mit einer alkoholkranken Mutter geprägt ist. Das Verhältnis zu ihrer Schwester ist eng und liebevoll und ein Lichtblick des Romans. Die Ablehnung der Mutter ist verständlich, aber es fehlt eine Ambivalenz. Ist da nur noch Gleichgültigkeit? Und was ist mit dem Vater? Werden einfach nur die Unterhaltszahlungen angenommen? Was ist mit Behörden, Nachbarn, Bekannten, der Schule? Gucken alle nur weg? Tilda ist seit Jahren komplett auf sich alleingestellt und denkt offenbar nicht einmal über Lösungswege nach.

Auch die sich abzeichnende Liebesgeschichte zu dem traumatisierten Viktor bleibt oberflächlich. Eine Anziehung ist vorhanden, aber es ist mehr eine ferne Sehnsucht statt einer Kommunikation, die gepflegt wird. Auch sein Verlust ist ein Thema, das totgeschwiegen wird.

"22 Bahnen" handelt mit Alkoholismus, Verlust und Einsamkeit von schwierigen Themen, wodurch der Roman von einer melancholische Atmosphäre geprägt ist. Mit 200 Seiten hat das Buch allerdings nur den Umfang eines halben Romans, weshalb die Lasten, die die Protagonisten tragen, nur sehr oberflächlich beschrieben sind und vieles ungesagt und vage bleibt.

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Veröffentlicht am 19.02.2026

Mut, große Träume und Erfindergeist - vier Freundinnen Anfang des 20. Jahrhunderts in Dresden

Die Erfinderin der Freiheit
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Christine arbeitet 1908 als Therapeutin im Lahmann-Sanatorium in Dresden. Dort versucht sie den Patientinnen den von ihr entwickelten Brusthalter schmackhaft zu machen und die Frauen aus dem Korsett zu ...

Christine arbeitet 1908 als Therapeutin im Lahmann-Sanatorium in Dresden. Dort versucht sie den Patientinnen den von ihr entwickelten Brusthalter schmackhaft zu machen und die Frauen aus dem Korsett zu befreien, das ihnen den Atem abschnürt. Unterstützung erhält Christine von ihrer Freundin Julia, die Schneiderin und Stickerin ist und nach ihrer Arbeit die Brusthalter auf Bestellung näht.
Auch Christines Freundin Amalie glänzt mit Erfindungsreichtum. Nachdem ihr Ehemann mit dem eigenen Warengeschäft insolvent gegangen ist, entwickelt sie die ersten Kaffeefilter und meldet diesen unter ihrem zweiten Vornamen Melitta zum Patent an.
Christines Mitbewohnerin Lotta ist die vierte Freundin, die in der Bärenschenke arbeitet und Amalie bei der Betreuung ihrer Kinder unterstützt. Sie ist unglücklich in Christines Schwager verliebt, was sie vor Christine zu verheimlichen versucht. Christine hingegen weigert sich zu heiraten, solange ein Ehemann ihr die Arbeit verbieten würde.

Der Roman handelt von vier Frauen, die in einem Mehrparteienhaus in der Marschallstraße in Dresden wohnen. Drei davon sind ledig und finanziell unabhängig, während Amalie zwar verheiratet ist, sich jedoch selbst um den Lebensunterhalt ihrer Familie kümmern muss.
Es sind vier interessante und starke Frauen, deren Alltag anschaulich beschrieben wird und den Zeitgeist Anfang des 20. Jahrhunderts bildhaft und lebendig einfängt.

Auch der Lokalkolorit Dresdens kommt mit Besuchen der Semperoper, des Lingnerschlosses, der Elbwiesen oder des Strietzelmarktes nicht zu kurz.
Die Geschichte mit einer bunten Mischung aus historischen Fakten, echten Biografien und fiktiven Frauenschicksalen wirkt damit sehr authentisch und ist nicht nur spannend und unterhaltsam, sondern auch informativ.

Neben dem Erfindergeist der Frauen, der vor allem in der ersten Buchhälfte eine wesentliche Rolle spielt, handelt der Roman allgemein vom beschwerlichen Alltag zur damaligen Zeit und von den glücklichen und unglücklichen Romanzen der Frauen, wobei die innige Freundschaft stets präsent ist.

Es geht um Mut und große Träume, um Emanzipation und den Glauben an den Fortschritt und an sich selbst. Die Dominanz der Männer in der Gesellschaft, aber auch die unterschiedlichen sozialen Schichten sorgen für Probleme. Die Frauen müssen Rückschläge hinnehmen und versuchen sich dabei selbst treu zu bleiben.
Der Roman erweckt die Jahre 1908/1909 zum Leben und gibt einen abwechslungsreichen Einblick in vier unterschiedliche Frauenschicksale, die ihrer Zeit in Teilen weit voraus waren.

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