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Veröffentlicht am 01.01.2026

Spannende Plotidee wird zu einer langweiligen, konstruierten Geschichte - als Thriller eine Enttäuschung

Sophie L.
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Dr. Olivia Finn arbeitet als Therapeutin in einem Zentrum für Gedächtnisstörungen in London. Als sie einen verstörenden Anruf von der Pariser Polizei erhält, dass ihre Großmutter im renommierten Hotel ...

Dr. Olivia Finn arbeitet als Therapeutin in einem Zentrum für Gedächtnisstörungen in London. Als sie einen verstörenden Anruf von der Pariser Polizei erhält, dass ihre Großmutter im renommierten Hotel Lutetia in Paris einen Mord gestanden haben soll, eilt Olivia sofort zu ihr. Sie versucht der Polizei zu erklären, dass ihre Großmutter an Demenz leidet, aber diese behauptet fest überzeugt, nicht Josephine Benoit zu sein, sondern Sophie Levrec, das Opfer, mit dem sie nach dem Zweiten Weltkrieg die Identität getauscht haben will.
Olivia fragt sich, wer ihre Großmutter wirklich war und möchte die Wahrheit darüber herausfinden, was sich 1945 im Hotel Lutetia ereignet hat.

Der Roman handelt auf mehreren Zeitebenen und ist aus der Sicht verschiedener Personen geschildert. Neben den gegenwärtigen Ereignissen gibt es Rückblenden in das Jahr 1945 sowie in das vergangene Jahr, als Olivia zuletzt in Paris war, um als Leumund für ihren Mentor Louis auszusagen, der beschuldigt wurde, in seiner Eigenschaft als Psychotherapeut Erinnerungen einer seiner Patientinnen manipuliert zu haben.

Auch wenn man zu keinem Zeitpunkt das Gefühl hat, einen Thriller zu lesen, ist die Geschichte spannend aufgebaut. Ein über 80 Jahre alter Verrat, ein Auftragskiller und die Fragen, wem Olivia vertrauen kann und welche Geheimnisse sie selbst birgt, gestalten die Geschichte undurchsichtig. Auch die kurzen Kapitel tragen dazu bei, dass man stetig weiterlesen möchte.

Der Täter ist jedoch frühzeitig zu erkennen, worunter die Spannung trotz aller Undurchsichtigkeit leidet. Die Erklärung, dass er einfach böse ist, kann wenig überzeugen. Auch wirkt das ganze Szenario - nicht nur aufgrund der lange vergangenen Zeit - am Ende sehr weit hergeholt. Verschiedene Details stellen sich am Ende als unnötige Lückenfüller heraus und die Therapie um verloren gegangene Erinnerungen bleibt nur ein oberflächlicher Teil der Handlung. Letztlich geht es um Manipulation und Leichtgläubigkeit, wofür aber nicht zwingend ein Psychotherapeut notwendig ist.
Für mein Empfinden langweilig und konstruiert, ist "Sophie L." als Thriller eine Enttäuschung.

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Veröffentlicht am 30.12.2025

Herzerwärmende Weihnachtswunder-Geschichte mit winterlicher Atmosphäre, aber flacher Romantik

Weihnachten am Siljansee
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Inger und ihre Schwester Malena führen gemeinsam das Kinderheim "Villa Pusteblume" in einem Dorf in der Nähe von Leksand und kümmern sich liebevoll um ihre fünf ganz unterschiedlichen Schützlinge. Nachdem ...

Inger und ihre Schwester Malena führen gemeinsam das Kinderheim "Villa Pusteblume" in einem Dorf in der Nähe von Leksand und kümmern sich liebevoll um ihre fünf ganz unterschiedlichen Schützlinge. Nachdem die Inhaberin des Gebäudes gestorben ist, die den beiden jungen Frauen finanziell unter die Arme griffen hat, steht das Kinderheim Ende des Jahres vor dem Aus. Inger und Malena sind im Rückstand mit der Miete und der Neffe Per, der das Haus geerbt hat, zeigt sich bei seiner Ankunft am Siljansee abweisen und unbarmherzig und droht mit der Zwangsräumung.
Können Inger und die Kinder das Herz des Geschäftsmannes aus der Großstadt in der Vorweihnachtszeit erweichen?

Der Roman bietet trotz der dramatischen Eingangssituation eine heimelige Atmosphäre. Der kleine Ort, in dem jeder sich kennt, ist winterlich kalt und schneebedeckt. Der erste Advent steht bevor und Inger und Malena sind mit den Vorbereitungen auf Weihnachten beschäftigt. Eine feierliche Stimmung will jedoch nicht aufkommen, denn nach einigen Reparaturen und weiteren laufenden Kosten stehen die beiden Schwestern mit dem Kinderheim vor dem finanziellen Ruin.

Per ist als Antagonist der klischeehafte Geschäftsmann aus Stockholm, der weder Interesse und Empathie für das Kinderheim zeigt, noch um seine verstorbene Tante trauert. Offensichtlich ist jedoch, dass mehr im Argen liegt und im stillen Kämmerlein zeigt er sein gutes Herz, wenn er sich einem verletzten Hund, eines unterkühlten Kindes oder einer dementen älteren Dame annimmt.

Dass es zu einem Happy End kommen wird, steht außer Frage, interessant ist vielmehr, wie die harte Schale Pers geknackt werden kann, um das Kinderheim zu retten. Eine Liebesgeschichte darf in einem Weihnachtsroman nicht fehlen, kommt in der Handlung jedoch arg kurz, da selbst 30 Seiten vor Schluss noch reine Abneigung zwischen Inger und Per herrscht. Liebeserklärungen ohne ein wirkliches Kennenlernen der beiden erscheinen dann nur wirklichkeitsfremd. Wenig realistisch ist auch, dass die beiden Schwestern trotz ihrer andauernden Sorgen keine Überlegungen anstellen, wie sie aus der Misere herauskommen möchten.

Dennoch: Winterliches Flair, Dramatik, Gemeinschaft, Hoffnung und Nächstenliebe machen das Buch zu einer herzerwärmenden Geschichte. Gerade zur Weihnachtszeit darf man noch an Wunder glauben, weshalb nicht jeder Konflikt eine tiefgreifende Lösung erfordert.

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Veröffentlicht am 27.12.2025

Verletzte Gefühle, Eifersucht und Rache - anhaltende Spannung wie ein Psychothriller, aber am Ende mit offenen Fragen

Ruf der Leere
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Felix hat anlässlich der Rückkehr seines Freundes Ben aus Australien ein gemeinsames Wochenende in der Jagdhütte seines Vaters geplant und dazu auch seine Studienkollegin Laura eingeladen. Da seine Freunde ...

Felix hat anlässlich der Rückkehr seines Freundes Ben aus Australien ein gemeinsames Wochenende in der Jagdhütte seines Vaters geplant und dazu auch seine Studienkollegin Laura eingeladen. Da seine Freunde zu seinem Missfallen noch weitere Personen zum Treffpunkt mitbringen, sind sie ungeplant zu siebt im Wald. Als die Stimmung ohnehin angespannt ist, klopft ein weiterer ungebetener Gast an die Tür und behauptet, "der Tod" zu sein. Er fordert sie auf, bis Mitternacht eine(n) von ihnen zu benennen, die/ der weiterleben darf. Obwohl die Freunde den Mann für geisteskrank halten, stellen sie Überlegungen an, wer es von ihnen verdient, am Leben zu bleiben. Die Frage gerät durch untereinander schwelende Konflikte fast in Vergessenheit, bis der alte Mann zurück ist und eine Antwort verlangt.

Neben der gegenwärtigen Handlung in der Hütte, die einem Countdown gleicht und aus verschiedenen Perspektiven der Feiernden geschildert ist, die sich mehr oder minder gut kennen und sich nicht alle wohlgesonnen sind, gibt es Rückblenden in die Monate davor, die primär erzählen, wie sich Felix und Laura bei ihrem Medizinethik-Studium angenähert haben.
Die Rückblenden geben Aufschluss über die Charaktere und offenbaren, wie die Sympathien in der Hütte verteilt sind. Felix' eigentliche Intention der Party bleibt dabei zunächst verborgen, doch auch er weiß nicht alles über seine Freunde - im Gegensatz zu dem alten Mann.

In Erwartung einer Eskalation ist die Atmosphäre des Romans durchweg angespannt. Mit der Aufforderung des Tods, einen Überlebenden zu benennen, wird dieser Erzählstrang eng mit den Rückblenden in die Studieninhalte von Felix und Laura verknüpft, die in einem Seminar Fragen über Ethik und Moral diskutierten.

Der Roman ist anhaltend spannend, denn es ist unvorhersehbar, ob alles nur ein absurdes Spiel oder bitterer Ernst ist und wer tatsächlich die Oberhand hat. Anders als gedacht, gibt es trotz des Dilemmas, vor dem die Gruppe steht, keine tiefgreifende Diskussion, welches Leben lebenswerter als das andere ist. Stattdessen packt die Frage nach Felix' Hintergedanken und seine offenbar von langer Hand geplante Manipulation und was der alte Mann in der Jagdhütte provozieren möchte.
In "Ruf der Leere" geht es um verletzte Gefühle, Eifersucht und Rache, wobei sich die Geschichte durch das Ausmaß am Niederträchtigkeit zu einem regelrechten Psychothriller entwickelt. Das Ende präsentiert nicht für alles eine Erklärung, sondern lässt Raum für eine eigene Interpretation eines Spiels zwischen Macht und Wahn.

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Veröffentlicht am 25.12.2025

Pageturner über Selbstjustiz, Gier und Machterhalt mit einer gelungenen Mischung aus Thriller und Drama

Deadline
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Sechs Mitarbeiter einer Firma für Lebensmittelproduktion fliegen nach einer Vorstandssitzung zusammen mit einer Krankenschwester in einem Privatjet zurück nach Portland, um Weihnachten mit ihren Familien ...

Sechs Mitarbeiter einer Firma für Lebensmittelproduktion fliegen nach einer Vorstandssitzung zusammen mit einer Krankenschwester in einem Privatjet zurück nach Portland, um Weihnachten mit ihren Familien zu verbringen. Nach dem Start fällt das WLAN aus und die Pilotin ändert offensichtlich die Route, denn das Flugzeug befindet sich über dem Meer. In einer Durchsage teilt sie ihnen mit, dass ein Mörder unter ihnen an Bord ist und dass sie ein Geständnis hören möchte, andernfalls werde sie das Flugzeug zum Absturz bringen. Das Ultimatum läuft und angeblich ist sich keiner einer Schuld bewusst...

Der Thriller handelt auf zwei Zeitebenen. Die Gegenwart schildert die Flugzeugentführung und die klaustrophobische Atmosphäre an Bord. Dabei erhält man Einblicke in die einzelnen Mitarbeiter des Lebensmittelkonzerns, wobei diese bis auf den Arbeitgeber wenig gemein haben und jeder von ihnen mit seinen eigenen Geheimnissen oder Problemen beschäftigt ist.
Rückblenden in das Jahr 2018 zeigen, was sich vier Jahre zuvor am Wohnort der Mitarbeitenden ereignet hat. Drei von vier Kindern starben vermutlich an einer Vergiftung, deren Ursache der behandelnde Arzt jedoch nicht aufklären konnte.

Schon bald ist zu ahnen, dass die namenlose Pilotin Rache für die Opfer und eine Aufklärung der Todesfälle erzwingen möchte. Der Hintergrund ist tragisch und nachvollziehbar, dass die Pilotin nichts mehr zu verlieren hat und die Passagiere an Bord in Lebensgefahr schweben.
Beide Teile des Romans sind packend. Was hat 2018 das mysteriöse Leberversagen der Kinder verursacht? Inwiefern ist das Lebensmittelunternehme darin verwickelt? Wird der angebliche Mörder gestehen und kann so der Tod weiterer Unschuldiger verhindert werden?

"Deadline" ist ein Pageturner über Selbstjustiz, Gier und Machterhalt, der nur schwer aus der Hand zu legen ist. Die Mischung aus Drama und Thriller ist perfekt gelungen. Die Angst der Reisenden ist genauso spürbar wie der Wunsch nach Vergeltung der Pilotin. Die schnellen Perspektivwechsel zwischen den Personen sorgen für Dynamik und der Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart für Cliffhanger und anhaltende Spannung. Selbst als die Fakten bei der Suche nach Wahrheit geklärt scheinen, überrascht der Thriller mit Wendungen und einem unglaublichen Ausmaß an Niedertracht und Skrupellosigkeit.

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Veröffentlicht am 23.12.2025

Skandinavisch düsterer, beklemmender Psychothriller um ein mörderisches Versteckspiel

Der Kuckucksjunge
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Im Mai 1992 spielt eine Schulklasse während eines Ausflugs in der Nähe von Roskilde Verstecken, wobei einer der Schüler eine Leiche im Schilf entdeckt.
Über 30 Jahre später erhält Silje Thomson unheimliche ...

Im Mai 1992 spielt eine Schulklasse während eines Ausflugs in der Nähe von Roskilde Verstecken, wobei einer der Schüler eine Leiche im Schilf entdeckt.
Über 30 Jahre später erhält Silje Thomson unheimliche Drohungen eines Stalkers in Form eines Kinderreims und wird später ermordet aufgefunden. Naia Thulin, die sich nach dem spektakulären Fall des "Kastanienmannes" in die Abteilung für Cybercrime hat versetzen lassen, um mehr Zeit mit ihrer Tochter zu verbringen, wird unfreiwillig zusammen mit Mark Hess mit den Ermittlungen betraut. Während ihrer Arbeit stoßen sie auf weitere Opfer von Stalking, bei denen sich die Nachrichten ähneln und auf denselben Täter schließen lassen.
Zeitgleich versucht Marie Holst, deren Tochter vor über zwei Jahren einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist, das bisher nicht aufgeklärt werden konnte, alles, damit der Fall nicht in den Akten verschwindet.

Nicht als Buchreihe deklariert, handelt es sich bei "Der Kuckucksjunge" nicht um einen Nachfolgeband von "Der Kastanienmann", baut jedoch auf den Ereignissen auf und involviert die gleiche Mordkommission.

Nach dem Prolog aus Mai 1992, der mit einem Leichenfund endet, setzt die gegenwärtige Handlung an Valentinstag über 30 Jahre später ein. Eine Frau wird seit Wochen von einem Unbekannten verfolgt, der sie mit Fotos und Nachrichten in Angst und Schrecken versetzt. Die Frau kann nur noch tot aufgefunden werden und es folgen weitere Opfer.

Der Thriller wird aus verschiedenen Perspektiven geschildert, was für Dynamik und anhaltende Spannung sorgt. Neben den umfangreichen Einblicken in die schwierigen Ermittlungen, verleihen die bewegenden Sichtweisen der Opfer, die von ihrem Peiniger gedemütigt und auf Schritt und Tritt verfolgt werden, Gänsehaut. Ein weiterer Erzählstrang handelt von Marie, die geblendet von Wut und Trauer nach dem Mörder ihrer Tochter sucht und dabei den Weg von Thulin und Hess kreuzt.

Auch wenn ein Muster erkennbar ist, nach dem sich der Täter seine Opfer aussucht, bleibt seine Identität bedeckt. Es beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, um weitere Opfer zu verhindern und das perfide Versteckspiel zu beenden.

Der Thriller ist skandinavisch düster und beklemmend. Der Täter ist manipulativ und scheint den Ermittlern trotz akribischer Recherchen immer einen Schritt voraus.
Die Geschichte ist nicht explizit brutal, sondern sorgt subtil für Nervenkitzel. Durch den Einfluss des Privatlebens der beiden Hauptfiguren verliert der Roman in Bezug auf die Fallaufklärung zwar an Tempo, macht die Geschichte durch die menschliche Komponente aber authentischer und die Ermittler nahbarer.

"Der Kuckucksjunge" ist ein vielschichtiger, durchweg spannender Psychothriller mit realistischen Ermittlungen, der für Nervenkitzel sorgt und mit einer schlüssigen Auflösung der Zusammenhänge und des Mordmotivs überzeugt.

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