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Veröffentlicht am 22.07.2022

Historischer Roman voller Spannung, Dramatik, Liebe und Intrigen der neugierig auf die Fortsetzung der Dilogie macht.

Das Tor zur Welt: Träume
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Ende des 19. Jahrhunderts arbeitet die junge Ava hart auf dem Moorhof im Alten Land, wo ihre Mutter sie als kleines Mädchen zurückgelassen hatte. Sie träumt davon, eines Tages nach Amerika zu gehen, um ...

Ende des 19. Jahrhunderts arbeitet die junge Ava hart auf dem Moorhof im Alten Land, wo ihre Mutter sie als kleines Mädchen zurückgelassen hatte. Sie träumt davon, eines Tages nach Amerika zu gehen, um sie dort wiederzufinden. Tatsächlich entschließt sich die Familie, bei der Ava arbeitet, nach einem tragischen Zwischenfall, auszuwandern. Sie gelangen mit ihrem wenigen Hab und Gut nach Hamburg, wo die Cholera wütet und viele weitere Menschen aus Nah und Fern davon träumen, nach Amerika zu gelangen, um dort ein besseres Leben zu führen.
1911 wird die verwöhnte und impulsive Claire Conrad von ihrer Mutter und ihrem behandelnden Arzt gezwungen, ehrenamtlich in der Auswandererstadt zu arbeiten. Sie selbst träumte davon, zu heiraten, zu reisen und ihr Leben hemmungslos zu genießen, wurde jedoch bitter enttäuscht und spürt eine dauernde Anspannung und Wut in sich, die sie kaum kontrollieren kann.
In der Auswandererstadt treffen die beiden gegensätzlichen Frauen zusammen und werden bei der Arbeit trotz ihres Standesunterschieds zu Freundinnen.
"Das Tor zur Welt: Träume" ist der erste Band der Dilogie um die Auswandererstadt am Rande Hamburgs. Nach einem Prolog und den Schilderungen des harten (Arbeits-)alltags im Alten Land im Jahr 1892 erfolgt ein Zeitsprung in das Jahr 1911 und ein Ortswechsel nach Hamburg, das geprägt ist von der Flut an Menschen, die nach Amerika übersetzen möchten.
Die Geschichte wird in langen Kapiteln aus vielen verschiedenen Blickwinkeln erzählt - nicht nur aus den Perspektiven der beiden Hauptfiguren Ava und Claire. Die Situation der Menschen zur Zeit um die Jahrhundertwende, die Unterschiede zwischen Arm und Reich, die verschiedenen Widrigkeiten, denen sich die Menschen unterschiedlicher Schicht ausgesetzt sehen sowie die fehlende Selbstbestimmung der Frauen werden dabei sehr eindringlich und authentisch geschildert.
Historische Fakten um die "Stadt der Tränen" werden eng mit der fiktiven Geschichte um die beiden Frauen verbunden. Beide Protagonistinnen sind Figuren mit Ecken und Kanten, die individuell gezeichnet sind. Ava ist eine einfache junge Frau, die viel Tragisches erleben musste, die fleißig ist und hart arbeiten kann und jede Mark für die Überfahrt nach Amerika spart. Claire ist in Amerika aufgewachsen und ein verwöhntes Einzelkind, das gegen die strengen Regeln der Gesellschaft rebelliert und ein eigenes, selbst bestimmtes Leben führen möchte. So unterschiedlich ihre Ausgangssituationen sein mögen, so leicht kann man sich in sie und ihre Sehnsüchte und Träume hineinversetzen.
Neben den Einzelschicksalen bewegen auch die ungewissen Schicksale der Tausenden von Auswanderwilligen, die sich nach Freiheit und dem gelobten Land Amerika sehnen und blauäugig in Hamburg oder der Auswandererstadt auf eine Überfahrt warten. Dort sind sie der Willkür fadenscheiniger Personen ausgesetzt, die ihr grausames Geschäft mit den Auswanderern betreiben.
Der Auftakt der Dilogie ist ein historischer Roman voller Spannung, Dramatik, Liebe und Intrigen der neugierig auf die Fortsetzung "Das Tor zur Welt: Hoffnung" macht, wie es mit Ava und Claire weitergeht und ob sie am Ende doch noch ihre Träume verwirklichen können und das Glück finden, nachdem sie so sehnsüchtig suchen.
Der erste Band endet mit einem fiesen Cliffhanger in Bezug auf beide Leben der Frauen endet, so dass gut ist, dass die Fortsetzung bereits am 18. Oktober 2022 erscheint.

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Veröffentlicht am 19.07.2022

Plotidee und Charaktere wirken unausgereift. Gespickt mit Logikfehlern ist die Geschichte als Thriller nicht ernst zu nehmen - eher ein abenteuerlicher Jugendroman.

Als das Böse kam
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Juno und ihr jüngerer Bruder Boy leben zusammen mit ihren Eltern in einer Blockhütte auf einer kleinen Insel im See von Nordland. Nur einmal in der Woche bekommen sie Besuch von Onkel Ole, der ihnen die ...

Juno und ihr jüngerer Bruder Boy leben zusammen mit ihren Eltern in einer Blockhütte auf einer kleinen Insel im See von Nordland. Nur einmal in der Woche bekommen sie Besuch von Onkel Ole, der ihnen die Post bringt. Vor ihm müssen sich Juno und Boy allerdings verstecken, denn niemand darf erfahren, dass sie hier sind. Die Familie befindet sich in einem Zeugenschutzprogramm und muss sich vor den Fremdlingen schützen, die jederzeit kommen könnten und sie töten wollen. Das erzählen ihnen zumindest ihre Eltern. Als Juno 16 Jahre alt ist, beginnt sie an der Geschichte ihrer Eltern zu zweifeln. Sie sehnt sich nach Freiheit und möchte an das andere Ufer des Sees und wissen, was die Welt noch zu bieten hat. Die Eltern möchten ihre Kinder jedoch schützen, sie niemals von der Insel lassen und veranstalten deshalb regelmäßige Übungen in ihrem Schutzbunker.
"Als das Böse kam" wird aus der Sicht von Juno erzählt, die mit ihrer naiven, kindlichen Art deutlich jünger wirkt, als 16 Jahre. Dies verwundert allerdings nicht, denn Junos Welt ist nur auf die Familie und die kleine Insel beschränkt.
Als Juno alt genug ist, die Dinge zu hinterfragen, legt sie sich mit ihren strengen Eltern an und bringt sich und ihren Bruder damit in Gefahr.
Früh ist zu ahnen, dass die Eltern ihren Kindern nicht die ganz Wahrheit erzählt haben, da das einfache Leben auf der Insel doch reichlich seltsam wirkt. Als Juno anfängt zu rebellieren und herausfindet, warum die Familie sich wirklich auf der Insel versteckt hält, flacht die Spannung merklich ab. Zudem wirkt das Setting nun arg konstruiert bis fast hanebüchen. Weder das Verhalten der Eltern noch weniger das des Fremdlings, der auf der Insel auftaucht erscheinen schlüssig. Die Erklärung der Situation und wie die Kinder sich daraus befreien sollen, ist voller Logikfehler in der Handlung und ohne psychologisches Feingefühl was die Abwendung der Kinder von ihren Eltern betrifft.
Das Buch ist als Thriller nicht ernst zu nehmen, da die Plotidee und die Charaktere sowie ihre Motive unausgereift bleiben. Positiv betrachtet, ist "Als das Böse kam" ein abenteuerlicher Jugendroman, der wenn auch nicht sonderlich spannend, so zumindest ganz unterhaltsam geschildert ist.

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Veröffentlicht am 18.07.2022

Mischung aus Drama, Spionageroman und Politthriller - rätselhafte, komplexe Geschichte und ein spannendes Katz- und Maus-Spiel, wobei die Tragweite des Geheimnisses kaum zu erahnen ist.

Das Geheimnis des Schneemädchens
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Nach einem Jahr Training unternimmt Suzie Baker zusammen mit ihrem Guide eine Klettertour über den Montblanc. Dort stürzen sie in eine Gletscherspalte, wo sie die Überreste des Wracks der Kanchenjunga ...

Nach einem Jahr Training unternimmt Suzie Baker zusammen mit ihrem Guide eine Klettertour über den Montblanc. Dort stürzen sie in eine Gletscherspalte, wo sie die Überreste des Wracks der Kanchenjunga entdecken, die im Januar 1966 am Montblanc-Massiv verunglückte. In dem Wrack vermutete Suzie Beweise zu finden, die ihre Großmutter entlasten könnten, die im Sommer 1966 wegen Hochverrats angeschuldigt und auf der Flucht getötet wurde.
In New York trifft sie auf den traumatisierten Reporter Andrew Stilman, der sie bei ihren Recherchen unterstützen möchte. Beide begegnen sich zunächst mit Misstrauen, arbeiten dann jedoch eng zusammen. Je tiefer sie in die Geschichte von Suzies Großmutter, Liliane Walker, Ehefrau eines Senators, eintauchen, desto mehr begeben sie sich in Gefahr. Offenbar haben Regierungsvertreter nach wie vor ein Interesse daran, dass ein Staatsgeheimnis unter Verschluss bleibt.

"Das Geheimnis des Schneemädchens" ist eine Mischung aus Drama, Vergangenheitsbewältigung, Spionageroman und Politthriller.
Der Roman beginnt dramatisch und sehr eindrücklich mit der Expedition auf den Montblanc, die tragisch endet. Im Anschluss wird die Geschichte in New York fortgesetzt, wo Suzie auf Andrew trifft und sie sich nach einem kurzen Kennenlernen gemeinsam auf die Suche nach dem Geheimnis um Suzies Großmutter bzw. die des "Schneemädchens" machen.
Während Suzie geradlinig handelt und nur das Ziel hat, ihre Großmutter, die sie nie kennengelernt hat, zu rehabilitieren, gelangt Andrew, der nach einer Messerattacke und der Trennung von seiner Ehefrau ein Alkoholproblem hat, durch die Suche allmählich wieder zu einer Struktur in seinem Leben. Als Journalist ist Andrew auch derjenige, der die Gefahr, in der beide offensichtlich schweben, zuerst ernst nimmt. Ihre Suche nach der Wahrheit scheinen hochrangige Regierungsfunktionäre, Politiker und Geheimdienstler unter allen Umständen unterbinden zu wollen.
Das Katz-und-Maus-Spiel ist spannend inszeniert und lange undurchschaubar. Es ist unklar, über welche Informationen Liliane Walker verfügt haben muss, die während des Kalten Krieges mindestens zu diplomatischen Verwicklungen hätten führen können und die ihr deshalb zum Verhängnis geworden sind.
Die Recherche von Suzie und Andrew ist abenteuerlich und von einigen glücklichen Zufällen geprägt. Lilianes Rätsel zum Schutz ihrer Informationen sind als Leser kaum zu entschlüsseln. Zudem erschweren die wechselnden Perspektiven von Andrew, Suzie, ihrem "Paten" und ihren unbekannten Gegnern ein flüssiges Lesen, da die Wechsel so abrupt folgen, dass man sich wiederholt rückbesinnen muss, wer zu welchem Zeitpunkt agiert.
Die Geschichte ist rätselhaft und komplex und fesselt vor allem auch durch die Tragweite des Geheimnisses. Für meinen Geschmack ist sie durch die Alleingänge der Hauptfiguren und der Toten, die ihren Weg säumen, etwas übertrieben dargestellt oder möchte man einfach nicht wahrhaben. Das Ende ist wenig befriedigend, aber passend zur Geschichte und lässt die Handlung und das zu hütende Staatsgeheimnis erschreckend authentisch wirken.

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Veröffentlicht am 16.07.2022

New York City abseits der Sehenswürdigkeiten. Allerdings beschränken sich die Bilder für meinen Geschmack zu sehr auf Hauseingänge und Fassaden - mögen sie auch noch so hübsch sein.

NEW YORK - Wie es keiner kennt
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Der Bildband zeigt auf 176 Seiten wunderschöne Bilder des weniger hektischen New Yorks. Die Redakteurin und Fotografin Susan Kaufman hat gezielt ihre Lieblingsorte der Stadt mit der Kamera eingefangen ...

Der Bildband zeigt auf 176 Seiten wunderschöne Bilder des weniger hektischen New Yorks. Die Redakteurin und Fotografin Susan Kaufman hat gezielt ihre Lieblingsorte der Stadt mit der Kamera eingefangen und zeigt mit den Bildern ihr persönliches New York City abseits der Touristenattraktionen. Auf Sehenswürdigkeiten oder Schauplätze, die jeder kennt, wird bewusst verzichtet.
Der Bildband ist übersichtlich in einzelne Stadtteile aufgeteilt, so dass man sich gezielt einen Eindruck von bestimmten Gegenden verschaffen kann. Eingeleitet werden die Kapitel jeweils durch den persönlichen Eindruck der Fotografin zu den Stadtteilen. Am Ende der Abschnitte werden die Lieblingsorte in Form eines kleinen illustrierten Stadtplans noch einmal zusammengefasst.
Viele Bilder - wenig Text. Die Fotografin lässt ihre Bilder sprechen, weist aber in den Bildunterschriften auf den Standort der Gebäude hin, so dass die Möglichkeit besteht, diese selbst aufzusuchen.
Die Mehrzahl der Bilder zeigt schmucke Eingänge, Türen und liebevoll dekorierte Schaufenster - überwiegend Fassaden, die allesamt hübsch anzusehen sind.
Wer schon einmal in New York war oder auch nur Filme und Serien gesehen hat, die dort handeln, wird die typischen Fassaden der Häuser und die charmanten Ecken der Stadt, weg vom Trubel der Massen und modernen Hochhäusern, wiedererkennen.
Für meinen Geschmack hätten die Fotomotive noch vielfältiger sein können, denn mit der Zeit fühlt man sich von der Vielzahl der Fassaden - trotz ihrer architektonischen Besonderheiten - etwas erschlagen.
Es ist nicht wirklich der Eindruck eines New Yorks, wie es keiner kennt, denn es erfolgt eigentlich kein Blick hinter die Fassade. Zudem werden auch berühmte Gebäude gezeigt, die als Filmkulisse dienten.
Das Blättern in dem Bildband, den man jederzeit gerne zur Hand nimmt, ist wie ein Streifzug durch die Stadt und lädt zum Träumen ein und verleitet zum Buchen eines Citytrips. Es ist ein handlicher, kompakter Bildband, der jedoch nicht viel mehr zeigt, als der Instagram-Account von Susan Kaufman, @skaufman4050.

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Veröffentlicht am 16.07.2022

Lockerleichte, wendungsreiche Sommerlektüre mit einer sympathischen Protagonistin mit einer Leidenschaft fürs Kochen über einen Neuanfang, Selbstverwirklichung und den Mut, seine Träume zu leben.

Die Liebe fällt nicht weit vom Strand
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Sophie Petersen ist 29 Jahre alt und arbeitet als Empfangsdame bei der Filmproduktion Triversal. Ihrem Vater zuliebe hatte sie BWL studiert, obwohl sie eigentlich viel lieber Köchin hätte werden wollen. ...

Sophie Petersen ist 29 Jahre alt und arbeitet als Empfangsdame bei der Filmproduktion Triversal. Ihrem Vater zuliebe hatte sie BWL studiert, obwohl sie eigentlich viel lieber Köchin hätte werden wollen. Sie träumt nach wie vor davon, sich selbstständig zu machen und ihre kreativen Gerichte in einem mintfarbenen Foodtruck anzubieten.
Durch einen glücklichen Zufall wird sie vom Fleck weg vom Empfang zum Marketing befördert, um den neuesten Film von Triversal zu bewerben. Bei den Dreharbeiten an der dänischen Nordsee übernimmt sie nicht nur aushilfsweise das Catering sondern lernt auch noch den attraktiven Nick kennen, der sich viel mehr für sie zu interessieren scheint als ihr Freund Tim.

Sophie ist eine unsichere junge Frau, die sich wenig zutraut, sich lieber in Sicherheit wiegt, nur kein Risiko eingeht und sich stattdessen in Tagträumen verliert. Die Beziehung zu Banker Tim gibt ihr Halt, aber romantische Gefühle stellen sich in seiner Gegenwart nicht mehr ein. Die Arbeit am Empfang des Filmunternehmens passt nicht zu ihr und auch die Kollegen sind ihr nicht alle wohlgesonnen. Durch die Arbeit im Marketing erhält sie zumindest die Chance, kreativer tätig zu werden, weshalb sie diese ganz im Gegensatz zu ihrer sonst so zurückhaltenden Art, ergreift.

Der Schreibstil des Romans ist locker-leicht, die Geschichte witzig und unterhaltsam, auch wenn sie durch die Trauer um Sophies Mutter, die im vergangenen Jahr verstorben ist, nachdenkliche und ernste Anklänge hat.
Durch wechselnde Schauplätze und lebendige Nebencharaktere ist die Handlung turbulent und wendungsreich. Sophie sinniert über ihr Leben und entwickelt sich weiter. Sie lernt neue Menschen kennen und hinterfragt ihre zweijährige Beziehung zu Tim.

"Die Liebe fällt nicht weit vom Strand" handelt von einem Neuanfang, von Selbstverwirklichung und dem Mut, seine Träume zu leben. Es ist eine sommerliche Lektüre mit einer sympathischen und authentischen Protagonisten mit einer Leidenschaft fürs Kochen, die sich auch gerne mal mit ihrem Bauch unterhält. Das ständige Grummeln fand ich allerdings etwas irritierend und habe mich tatsächlich gefragt, ob Sophie nicht unter einer Lebensmittelunverträglichkeit leiden könnte.
Die Liebesgeschichte wird nicht in den Fokus gedrängt, sondern entwickelt sich nebenbei, so dass die Romantik in der Geschichte ein wenig kurz kommt.

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