Profilbild von schnaeppchenjaegerin

schnaeppchenjaegerin

Lesejury Star
offline

schnaeppchenjaegerin ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit schnaeppchenjaegerin über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.01.2026

Solider, atmosphärischer Krimi aus prominenter Feder, aber wenig origineller Vermisstenfall und schon gar kein Thriller

Reykjavík
0

1956 verschwindet die 15-jährige Lára spurlos, nachdem sie ihre Anstellung als Haushaltshilfe bei einem gut situierten Paar auf einer kleinen Insel in der Nähe Reykjavíks unerwartet gekündigt hatte. Die ...

1956 verschwindet die 15-jährige Lára spurlos, nachdem sie ihre Anstellung als Haushaltshilfe bei einem gut situierten Paar auf einer kleinen Insel in der Nähe Reykjavíks unerwartet gekündigt hatte. Die Suche nach ihr bleibt erfolglos, Hinweise auf ein Verbrechen oder einen Selbstmord kann der leitende Ermittler nicht finden.
Dreißig Jahre später nimmt sich ein Journalist dem Cold Case an und entwickelt nach einem anonymen Hinweis den Ehrgeiz, einen mutmaßlichen Mord aufzuklären. Offensichtlich hat jemand etwas gegen Valurs Initiative, denn er begibt sich damit ungeahnt in Lebensgefahr, was den Verdacht erhärtet, dass Lára nicht freiwillig verschwunden ist.

Nach einem kurzen Rückblick ins Jahr 1956 und dem Bemühen des Ermittlers Kristján auch in den Folgejahren Láras Verschwinden aufzuklären, wird die Handlung im Jahr 1986 fortgesetzt und schildert die Recherche von Valur und seiner Schwester Sunna.

Obgleich als Thriller deklariert, liest sich die Geschichte vielmehr wie ein Kriminalroman und konzentriert sich im Wesentlichen auf die laienhaften Ermittlungen der beiden Hauptfiguren, denn nach einer überraschenden Wende wächst Sunnas Rolle in dem Fall.
Der Perspektivwechsel gibt der Handlung zwar einen neuen Impuls, lässt jedoch auch keinen Zweifel mehr an Láras Schicksal. Trotzdem kann weiterhin spekuliert werden, was sich 1956 ereignet hat und wer darin involviert gewesen ist.

Etwas eigenartig mutet dabei an, wie viel mehr ein Journalist und eine Literaturstudentin 30 Jahre später im Vergleich zu den Ermittlern damals herausfinden können. Gerade am Ende wirkt das passive Verhalten der Polizei realitätsfern.

Eindrucksvoller als der wenig originelle Vermisstenfall ist die Darstellung des Lebens auf der abgelegenen arktischen Insel. Aufgrund der übersichtlichen Bevölkerungsanzahl und der daraus resultierenden Kennverhältnisse ist es schwer, anderen zu trauen und riskant, die Ermittlungen durch falsche Fragen zu gefährden. Passend zum Zeitgeist der 1980er-Jahre wird an vielen Stellen zudem deutlich, wie eingeschränkt die Recherchemöglichkeiten damals waren.

"Reykjavík" ist ein solider Krimi aus prominenter Feder, der als Thriller deklariert jedoch falsche Erwartungen weckt. Dennoch bietet der Roman durch die schrittweise Offenlegung einzelner Puzzleteile und Aufklärung des Cold Case eine solide Unterhaltung und versetzt den Leser eindrücklich nach Island ins Jahr 1986. Die Erwähnung realer politischer Ereignisse ist interessant, wirkt ohne Bezug zum Vermisstenfall jedoch überflüssig.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.01.2026

Spannender Mordfall aus dem Kalten Krieg mit Auswirkungen in die Gegenwart

Das Haus am Gordon Place
0

Der britische Geschichtsprofessor Hunt wird bei der Einreise in die Vereinigten Staaten am Flughafen in New York aufgehalten und muss eine Nacht in der Arrestzelle verbringen. In seiner Wohnung in London ...

Der britische Geschichtsprofessor Hunt wird bei der Einreise in die Vereinigten Staaten am Flughafen in New York aufgehalten und muss eine Nacht in der Arrestzelle verbringen. In seiner Wohnung in London wurde sein Nachbar Gerald Fraser tot aufgefunden, wofür er keine Erklärung hat. Zurück in London bittet ihn die M16-Agentin Emma Spencer, die an der Aufklärung des Mordfalls beteiligt ist, um Mithilfe. In Hunts Wohnung hat früher die Geheimagentin Daphne Parson gelebt und Emma vermutet darin einen Zusammenhang mit Frasers Tod.
1948 arbeitet Daphne Parson in Wien für eine Spezialabteilung des MI6. Sie hört in einem geheimen Tunnel sowjetische Gespräche ab. Bei einem Telefonat erkennt sie einen SS-Mann wieder, der sie während des Zeiten Weltkriegs in Griechenland gefoltert hatte. Aus dem Konzept gebracht, verpatzt sie einen verdeckten Einsatz. Um den Fehler wiedergutzumachen, muss sie sich sich einer Filmcrew anschließen, um verdeckt in den sowjetischen Sektor Wiens zu gelangen.

"Das Haus am Gordon Place" handelt auf zwei Zeitebenen und wird in kurzen Kapiteln aus vielen verschiedenen Perspektiven geschildert. Die Autorin ist Historikerin und verbindet geschickt historische Fakten mit einer fiktiven Geschichte, wobei einige der handelnden Figuren tatsächlichen Personen angelehnt sind.
Hauptteil ist die Spionagetätigkeit britischer Geheimagenten in Wien der Nachkriegszeit. Lebendig wird dargestellt, wie der MI6 zur Zeit des Kalten Krieges agierte, wie die Zivilbevölkerung zur Zusammenarbeit bewegte wurde und welche Rolle ehemalige Nazi-Schergen spielten. Verbindendes Element mit der Gegenwart ist das Haus am Gordon Place, in dem viele MI6-Agenten wohnten. In Daphne Parsons ehemaliger Wohnung wird ein Mann ermordet und es ist zu vermuten, das dort etwas gesucht wurde, was Daphne vor langer Zeit versteckt hatte.

Beide Zeitebenen sind spannend und unterhaltsam geschildert, wobei der schnelle Szenenwechsel und die vielen handelnden Personen die Aufmerksamkeit des Lesers fordern. Gegenwart und Vergangenheit werden dabei inquisitiv mit einander kombiniert und ergänzen sich gegenseitig. Was Hunt in der Gegenwart herausfindet, wird in der Vergangenheit noch ausführlicher dargelegt. Neben der strategischen Vorgehensweise aus Tarnen und Täuschen eines Geheimdienstes, spielen auch die persönlichen Hintergründe, insbesondere die Kriegstrauma eine Rolle, die die Handlungen der Personen beeinflussen. Sowohl die Lebensbedingungen der damaligen Zeit als auch die persönlichen Befindlichkeiten und Beziehungen der Personen untereinander zeugen von Empathie und zeigen, dass auch die "Guten" nicht frei von Fehlern waren.

Je tiefer man in die politischen Machenschaften eintaucht und je mehr Details über die Vergangenheit bekannt werden, desto spannender wird, wie die Personen in der Gegenwart mit denen der Vergangenheit zusammenhängen und was damit das Motiv für den Mord des unscheinbaren Nachbarn über 70 Jähre später sein könnte.
Darüber hinaus sorgen die persönlichen Hintergründe, die Schrecken der Kriegs- und Nachkriegszeit, der unermüdliche Einsatz für Ideale und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft, für dramatische Szenen und wecken Emotionen.

Das Nachwort der Autorin ergänzt den Roman und erklärt, was Wahrheit und Fiktion ist. "Das Haus am Gordon Place" ist als historischer Roman ein Beleg dafür, dass das wahre Leben immer noch die spannendsten Geschichten schreibt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.01.2026

Roman über Neuanfänge und die Suche nach Glück - trotz skurriler Ausgangssituation entwickelt sich die Geschichte belanglos und zäh

Wedding People (deutsche Ausgabe)
0

Phoebe checkt ohne Gepäck und nur mit ihrem besten Kleid bekleidet im "Cornwall Inn" in Newport ein. Sie ist der einzige Gast, der nicht Teil der Hochzeitsgesellschaft von Lila und Gary ist. Phoebe hat ...

Phoebe checkt ohne Gepäck und nur mit ihrem besten Kleid bekleidet im "Cornwall Inn" in Newport ein. Sie ist der einzige Gast, der nicht Teil der Hochzeitsgesellschaft von Lila und Gary ist. Phoebe hat beschlossen, sich hier, an ihrem Glücksort, umzubringen. Nach jahrelanger erfolgloser Kinderwunschbehandlung und der Scheidung von ihrem Mann sieht sie für ihr Leben keine Perspektive mehr. Lila, die mit Freunden und Verwandten eine Woche lang ihre Hochzeit mit ihrem elf Jahre älteren Verlobten feiern möchte, hat selbstverständlich etwas dagegen das Hotel mit einer Leiche zu teilen. Im Verlauf eines abends kommen sich die unterschiedlichen Frauen näher, so dass Phoebe am Ende von ihren Plänen abweicht. Lila lädt sie ein, am Rahmenprogramm der Hochzeit teilzunehmen und nach einer Woche ist nichts mehr so, wie es vorher war.

Der Roman ist aus der Sicht der 40-jährigen Phoebe verfasst, wodurch sie nahbar wirkt und auch ihr Gefühlschaos nachvollziehbar dargestellt ist. Aber auch in die zweite Hauptfigur Lila kann man sich im Verlauf des Romans hineinversetzen. Beide Frauen haben tiefgreifende Verluste erlitten, was die beiden eint. Während Phoebe in einer depressiven Phase steckt, ist Lila hingegen euphorisch und ein wenig überdreht. Ein Blick hinter die Fassade zeigt jedoch, dass beide einsam und verunsichert sind.

Frühzeitig ist klar, dass die unterschiedlichen Frauen vor einem Scheideweg stehen und wie sich die Geschichte in ihrem Kern entwickeln wird.
Vereinzelt gibt es humorvolle Szenen, im Wesentlichen wird der Roman jedoch von ernsten Themen wie Tod, Trennung, Verlust und nicht erreichten Zielen bestimmt.
Das Programm für die perfekte Luxushochzeit sorgt für Abwechslung, in Bezug auf die Entwicklung der Charaktere ereignet sich jedoch wenig.

Aufgrund des feuchtfröhlichen Covers und der Werbung als New-York-Times-Bestsellers hatte ich mir von der Geschichte mehr erwartet. Dem überraschend undramatischen Roman fehlte es an Spannung und Emotionen. Der schnelle Wandel der Frauen innerhalb von nur wenigen Tagen erschien wenig realistisch, die Geschichte zu ereignislos und eintönig.

Es ist ein Roman über Neuanfänge und die Suche nach Glück, bei dem die Probleme der Charaktere nur oberflächlich angesprochen werden. Trotz der skurrilen Ausgangssituation entwickelt sich die Geschichte belanglos und zäh.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.01.2026

Ein Segeltörn als Buße für die Vergangenheit - mit einem Mörder an Bord? Pageturner!

Wer am Ende übrig bleibt
0

Anne trifft bei der Beerdigung ihres Studienfreunds Ruben die Mitbewohner ihrer alten Wohngemeinschaft in Greifswald wieder. Die Gruppe hat sich innerhalb der letzten neun Jahre aus den Augen verloren ...

Anne trifft bei der Beerdigung ihres Studienfreunds Ruben die Mitbewohner ihrer alten Wohngemeinschaft in Greifswald wieder. Die Gruppe hat sich innerhalb der letzten neun Jahre aus den Augen verloren und beschließt spontan zum Gedenken an Ruben einen Ostsee-Segeltörn zu unternehmen. Merles neuer Freund ist Inhaber einer Segelyacht und bietet den Freunden an, sie zu begleiten. Obschon Anne ein ungutes Gefühl bei Nicolas hat, stimmt sie zu und sieht den Ausflug als Buße für eine alte Schuld, die an ihr nagt.

An Bord erinnert sie sich an Ruben, den sie einmal geliebt hat, und die gemeinsame Zeit in der WG, die nicht ohne Konflikte war. Doch auch auf der Segelyacht droht durch Machtspielchen, Eifersucht und Schikanen die Situation aus dem Ruder zu laufen.

Obgleich "Wer am Ende übrig bleibt" als Roman deklariert ist, liest sich das Buch wie ein Psychothriller. Der Roman wird aus der Sicht der Unternehmensberaterin Anne geschildert, wobei nicht ganz klar ist, inwiefern es sich bei ihr um eine unzuverlässige Erzählerin handeln könnte. Anne ist belastet von einer früheren Schuld und hat auf der Yacht insbesondere im Hinblick auf Merles neuen Freund Nicolas ein ungutes Gefühl. Tatsächlich ereignen sich einige unangenehme Situationen, die für die unerfahrenen Segler gefährlich sind.

Anne deutet zudem eine dunkle Seite in sich an, die sie selbst beunruhigt. Gedanklich schweift sie immer wieder an zurückliegende WG-Zeiten ab und beschäftigt sich mit dem Geheimnis, das sie quält.

Neben Annes Perspektive gibt es zwischen den Kapiteln Auszüge aus dem Protokoll einer Gerichtsverhandlung, die nach dem Törn stattfindet. Anne ist die Person auf der Anklagebank und aufgrund der Zeugenaussagen ist zu erahnen, wer den Ausflug überlebt hat und wer nicht. Ein Perspektivwechsel am Ende des Romans offenbart die wahren Ereignisse an Bord der Yacht und ergänzt die Entwicklung der Freunde untereinander.

Die Geschichte ist durch den steten Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit anhaltend spannend. Der Segeltörn schildert ein typisches Locked-Room-Szenario und liefert ein Gefühl des Ausgeliefertseins. Anne quält sich mit einem schlechten Gewissen und hat Angst vor Nicolas, wobei unklar ist, ob die Bedrohung real ist und ob es sich bei den kleinen Unfällen um Pech oder Sabotage handelt. Geschickt gesetzte Parallelen von Vergangenheit und Gegenwart lassen wiederholt Zweifel aufkommen, wem zu trauen ist.

Das Buch entwickelt sich zu einem Pageturner, der sich nur schwer aus der Hand zu legen lässt, um zu erfahren, "wer am Ende übrig bleibt". Es ist eine bitterböse Geschichte über verletzte Eitelkeiten, Eifersucht und Rache und wie Freundschaft in das genaue Gegenteil umschlagen kann.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.01.2026

Mischung aus Slowburn und Fake-Dating - charmante Liebesgeschichte mit liebenswerten Charakteren, die sich und ihrem Glück etwas (zu) lange im Weg stehen

Yours Truly
0

Briana arbeitet als Ärztin in der Notaufnahme des Royaume Northwestern Hospitals und steht dort kurz vor der Beförderung zur Oberärztin. Die Freude ist jedoch getrübt, denn sie sorgt sich um ihren jüngeren ...

Briana arbeitet als Ärztin in der Notaufnahme des Royaume Northwestern Hospitals und steht dort kurz vor der Beförderung zur Oberärztin. Die Freude ist jedoch getrübt, denn sie sorgt sich um ihren jüngeren Bruder Benny, der wegen einer Autoimmunerkrankung zur Dialyse muss und dem nur eine Spenderniere helfen kann. Zudem erhält sie mit einem neuen Kollegen Konkurrenz, der frisch angefangen, jedoch hervorragende Referenzen hat.
Briana lehnt Jacob deshalb wütend ab, wird aber bald eines Besseren belehrt, als er ihr einen lieben Brief schreibt und seine Situation erklärt. Sie geraten in einen intensiven Austausch, der bald mehr als nur freundschaftliche Gefühle in Briana weckt. Jacob hingegen steht unter dem Druck seiner Familie, eine Freundin als Begleitung für die Hochzeit seines Bruders zu präsentieren und da kommt eigentlich nur Briana in Frage...

Die Geschichte ist abwechselnd aus den Perspektiven der beiden Hauptfiguren Briana und Jacob geschildert, wodurch man in beide Gefühlswelten eintauchen und ihre Situation sehr gut nachempfinden kann. Beide sind von der Liebe enttäuscht worden und nicht auf der Suche nach einer neuen Beziehung. Aus Kollegialität und Freundschaft wird jedoch bald mehr, worüber sie jedoch nicht sprechen. Die inszenierten Dates um Jacobs Familie zu überzeugen, verstärken die Gefühle, sorgen gleichzeitig aber auch für Unsicherheit.

"Yours Truly" ist eine Slow Burn-Romance, die sich in den Grundzügen einer Liebesgeschichte nicht überraschend entwickelt, aber durch die liebevollen Details im Umgang der Hauptfiguren miteinander so viel Charme und Authentizität ausstrahlt, dass man dennoch gebannt und gerührt von der Geschichte ist. Die Charaktere wirken lebensecht und haben ihr Herz auf dem rechten Fleck. Briana ist extrovertiert, aber einfühlsam, Jacob hat eine Sozialphobie, würde aber für seine Liebsten alles tun. Die Annäherung der beiden ist ganz natürlich und trotz ihrer Gegensätzlichkeit spürt man, wie gut sie zusammenpassen. Dass beide so lange die Gefühle des anderen falsch interpretieren wirkt trotz ihrer Liebenswürdigkeit mit der Zeit allerdings etwas aufgesetzt und ermüdend.

Die Kombination aus ernsthaften Themen, Humor und echten Gefühlen macht "Yours Truly" zu einer warmherzigen, amüsanten und gefühlvollen romantischen Geschichte aus dem "Royaume Northwestern Hospital"-Universum, wobei die zwischenmenschlichen Beziehungen im Vergleich zu den medizinischen Aspekten klar im Vordergrund stehen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere