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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.06.2026

Ein toller Auftakt

Die Meerglas-Schwestern
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„Die Meerglas-Schwestern“ ist der Auftakt einer vierteiligen Reihe über die Blackmore-Töchter, deren Wurzeln auf dem schottischen Anwesen Skara liegen. Seit Jahrhunderten soll auf dem Familienbesitz ein ...

„Die Meerglas-Schwestern“ ist der Auftakt einer vierteiligen Reihe über die Blackmore-Töchter, deren Wurzeln auf dem schottischen Anwesen Skara liegen. Seit Jahrhunderten soll auf dem Familienbesitz ein Fluch lasten, der unter anderem die Töchter der Familie in alle Welt treibt. Auch die vier Blackmore-Schwestern ereilt dieses Schicksal im Jahr 1931: Ihr Vater hat das Familienvermögen verspielt und ertränkt seinen Kummer im Alkohol, die Mutter ist erst vor Kurzem verstorben. Um das Anwesen zu retten und ihren Lebensunterhalt zu sichern, suchen die jungen Frauen verzweifelt nach einem Ausweg. Als letzte Hoffnung reist Iris, die älteste Schwester, mit dem Schiff nach Ceylon, um ihren seit Jahren verschollenen Onkel um Hilfe zu bitten. Doch dort nimmt ihr Leben eine unerwartete Wendung.
Auf einer zweiten Zeitebene in der Gegenwart lernen wir die Australierin Roz kennen. Mit kaum mehr als dem Opalring ihrer verstorbenen Mutter flieht sie vor ihrem Stiefvater nach London. In einer Galerie fühlt sie sich auf rätselhafte Weise von einem Landschaftsgemälde angezogen und macht sich auf die Suche nach dem dargestellten Ort – ohne zu ahnen, dass sie dabei weit mehr über ihre eigene Vergangenheit erfahren wird.
Beide Handlungsstränge haben mir sehr gut gefallen. Besonders spannend fand ich, wie sie sich im Verlauf der Geschichte immer stärker miteinander verknüpfen. Allerdings zog sich die erste Hälfte des Romans für meinen Geschmack etwas in die Länge, wodurch die Handlung zeitweise an Spannung verlor. Dafür konnte mich die zweite Hälfte umso mehr fesseln. Gegen Ende wollte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen.
Besonders gelungen fand ich die Entwicklung von Iris und Roz. Beide stellen sich ihren Ängsten, wachsen über sich hinaus und lassen ihr bisheriges Leben hinter sich, um auf einem anderen Kontinent neu anzufangen. Die Autorin schildert eindrucksvoll, welche Opfer diese Entscheidungen mit sich bringen und wie die beiden Frauen innerlich daran wachsen. Die Liebesgeschichten bleiben dabei angenehm im Hintergrund und geben der persönlichen Entwicklung der Figuren den nötigen Raum.
Auch die atmosphärischen Beschreibungen der unterschiedlichen Schauplätze haben mir sehr gefallen. Die Landschaften werden lebendig dargestellt und tragen viel zur Stimmung der Geschichte bei.
Weniger überzeugt haben mich dagegen einige mystische Elemente. Vor allem eine Szene am Strand, in der Roz während ihrer Flucht auf spektakuläre Weise vom Nebel gerettet wird, wirkte auf mich etwas zu überzogen und nahm der Geschichte ein Stück Glaubwürdigkeit.
Trotz kleiner Kritikpunkte hat mir der Auftakt der Reihe gut gefallen. Ich freue mich schon darauf, im nächsten Band das Schicksal einer weiteren Schwester zu verfolgen.
4 von 5 Sternen

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.06.2026

Ein Augenblick, der alles verändert.

Kein Sommer ohne August
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Charlie und August begegnen sich zum ersten Mal als Kinder in der Buchhandlung von Augusts Großmutter Molly. Charlie versucht, ein Buch zu stehlen, und wird dabei ausgerechnet von August beobachtet. Trotz ...

Charlie und August begegnen sich zum ersten Mal als Kinder in der Buchhandlung von Augusts Großmutter Molly. Charlie versucht, ein Buch zu stehlen, und wird dabei ausgerechnet von August beobachtet. Trotz anfänglicher Skepsis entwickelt sich zwischen den beiden schon im darauffolgenden Sommer eine besondere Freundschaft. Von da an verbringen sie jeden Sommer gemeinsam in Mollys Buchladen – einem Ort voller Geschichten, Geborgenheit und Magie.
Diese wenigen Wochen werden für beide zu einer Flucht aus dem Alltag. Gemeinsam tauchen sie in faszinierende Bücherwelten ein und beginnen schließlich sogar selbst, Geschichten zu schreiben.
Auch außerhalb dieser besonderen Sommer verbringt Charlie jede freie Minute bei Molly im Buchladen, nur um nicht nach Hause zu müssen. Ihre Mutter ist mit ihrer frühen Mutterrolle überfordert und fällt nach jeder gescheiterten Beziehung in tiefe Depressionen. Von klein auf vermittelt sie Charlie, dass aus Liebe nur Schmerz entsteht. Für Charlie steht deshalb früh fest, dass sie sich niemals verlieben wird.
Zwölf Sommer lang wächst die Verbindung zwischen Charlie und August – trotz räumlicher Distanz und der langen Zeit dazwischen. Aus Freundschaft werden Gefühle, die weit darüber hinausgehen. Doch beiden fehlt der Mut, den entscheidenden Schritt zu wagen. Schließlich führen Missverständnisse und Verletzungen dazu, dass Charlie ihr Leben in den USA hinter sich lässt und nach London zieht. Zehn Jahre lang haben die beiden keinen Kontakt – bis Molly stirbt und Charlie die Buchhandlung erbt.
Widerwillig kehrt sie nach Liberty Beach zurück, um den Nachlass zu regeln – und begegnet dort erneut August. Mit diesem Wiedersehen brechen auch all die verdrängten Gefühle wieder auf.
Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt, wobei mir die Kapitel aus der Vergangenheit sogar noch etwas besser gefallen haben als die der Gegenwart. Sie sind voller Wärme, Poesie und Liebe zu Büchern und schaffen es, einem beim Lesen immer wieder ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Dabei wirkt die Geschichte zu keiner Zeit kitschig, sondern überzeugt mit viel Gefühl und authentischen Charakteren, die einem schnell ans Herz wachsen.
„Kein Sommer ohne August“ erzählt mit viel Gefühl von besonderen Begegnungen, verlorener Zeit und der Frage, ob manche Menschen trotz aller Umwege doch füreinander bestimmt sind. Zwischen Buchseiten, Sommertagen und unausgesprochenen Gefühlen entsteht eine Geschichte, die leise berührt und lange nachhallt. Auch für mich war dieses Buch wie ein kurzer Ausbruch aus dem Alltag – voller Wärme, Sehnsucht und der Erinnerung daran, warum Geschichten so viel bedeuten können.
Wer auf der Suche nach einer Kombination zwischen Sommer- und Wohlfühlbuch ist, sollte dieses Buch unbedingt lesen.

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Veröffentlicht am 10.05.2026

Familie als Minenfeld

Summer Storms
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Ich bin ehrlich: Der Klappentext und die Stimmen zum Buch haben bei mir eine etwas andere Erwartung geweckt. Aussagen wie „die perfekte Lektüre für diesen Sommer“ oder „Sommerromanze“ ließen mich auf eine ...

Ich bin ehrlich: Der Klappentext und die Stimmen zum Buch haben bei mir eine etwas andere Erwartung geweckt. Aussagen wie „die perfekte Lektüre für diesen Sommer“ oder „Sommerromanze“ ließen mich auf eine leichtere Geschichte mit einigen Summer Vibes hoffen. Tatsächlich schlägt „Summer Storms“ aber eine ganz andere Richtung ein – der Fokus liegt klar auf Drama, familiären Konflikten und emotionalen Abgründen.
Die Ausgangssituation hat es dabei direkt in sich: Nach dem Tod ihres Vaters kehrt Alice Storm auf die Familieninsel zurück – einen Ort voller negativer Erinnerungen und ungelöster Konflikte. Vor fünf Jahren hat sie sich nicht ohne Grund von ihrer Familie entfremdet. Statt gemeinsam zu trauern, geraten Alice und ihre vier Geschwister mitten in ein perfides Erbschaftsspiel, das der verstorbene Patriarch noch selbst inszeniert hat. Die Aufgaben, die sie dabei erfüllen müssen, sorgen schnell für Spannungen und reißen alte Wunden wieder auf. Schnell wird deutlich: Es geht hier um weit mehr als Geld – nämlich um Macht, Kontrolle und jahrzehntelange Verletzungen. Zusätzliche Komplikationen entstehen dadurch, dass sich Alice’ One-Night-Stand ausgerechnet als rechte Hand ihres Vaters und Leiter dieses Spiels entpuppt.
Das Buch nimmt von Beginn an Fahrt auf und bleibt bis zur letzten Seite spannend. Besonders gefallen hat mir, wie sehr man beim Lesen mitfiebert, miträtselt und darauf hofft, dass sich die Situation doch noch zum Guten wendet. Einige Wendungen waren für mich allerdings nicht immer ganz nachvollziehbar. Das liegt vor allem daran, dass manche Figuren sich so extrem verhalten, dass man beim Lesen innerlich nur den Kopf schüttelt. Die Dynamik innerhalb der Familie gleicht einem emotionalen Minenfeld und bietet mehr als nur die eine oder andere Red Flag – auch innerhalb der Liebesgeschichte.
Gerade das macht die Figuren aber gleichzeitig interessant. Sarah MacLean legt es nicht darauf an, dass ihre Charaktere unbedingt sympathisch wirken. Sie handeln oft ambivalent, emotional, egoistisch oder unüberlegt – geprägt von einem Leben, das lange von anderen kontrolliert wurde. Nun stehen sie an einem Punkt, an dem sie entscheiden müssen, wie ihre Zukunft aussehen soll. Diese Vielschichtigkeit macht die Familienkonstellation und die gesamte Dynamik des Buches besonders spannend.
Ein kleiner Kritikpunkt bleibt für mich allerdings, dass nicht alle offenen Fragen am Ende wirklich zufriedenstellend beantwortet werden. Vor allem die Verbindung zwischen Jack und Franklin bleibt für meinen Geschmack zu vage. Warum Jack selbst nach Franklins Tod noch bedingungslos dessen Plänen folgt, wird zwar immer wieder angedeutet, aber nie richtig erklärt – obwohl dieser Aspekt für die Handlung eigentlich sehr wichtig ist.
Trotz kleiner Schwächen ist „Summer Storms“ für mich ein starkes und sehr unterhaltsames Buch. Wer eine leichte Sommerromanze erwartet, könnte überrascht werden – als spannendes Familiendrama mit romantischen Elementen funktioniert die Geschichte für mich aber definitiv sehr gut.

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  • Gefühl
Veröffentlicht am 19.04.2026

Ein typischer Magnusson

Die Reise ans Ende der Geschichte
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„Die Reise ans Ende der Geschichte“ ist ein etwas anderer Spionageroman. Angesiedelt in den 1990er-Jahren, in der Zeit nach dem Kalten Krieg, begegnen wir einem Doppelagenten mit ganz eigenen Plänen: Dieter ...

„Die Reise ans Ende der Geschichte“ ist ein etwas anderer Spionageroman. Angesiedelt in den 1990er-Jahren, in der Zeit nach dem Kalten Krieg, begegnen wir einem Doppelagenten mit ganz eigenen Plänen: Dieter Germeshausen hat jahrzehntelang erfolgreich für beide Seiten spioniert und nebenbei unzähligen Menschen zu neuen Identitäten – und damit zu einem neuen Leben – verholfen. Anerkennung? Fehlanzeige. Befördert und gefeiert wurden stets andere. Kein Wunder, denn Germeshausen ist alles andere als gesellig oder gut im Umgang mit Menschen.
Doch genau diese Eigenschaften benötigt er für seine letzte Mission – ein Coup, mit dem er als Sieger aus der Welt der Spionage abtreten will. Sein Plan: der wortgewandte, charismatischen Dichter Jakob Dreiser. Germeshausen gewinnt ihn für seine Mission, und gemeinsam begeben sie sich auf eine ebenso absurde wie turbulente Reise von Rom bis nach Kasachstan. Mit im Gepäck: zu viele Geheimnisse, eigene Pläne, zahlreiche Wendungen, ein wachsendes Chaos und weitere Figuren, die ihre ganz eigenen Interessen verfolgen. Kein Wunder also, dass das Vorhaben mehr als einmal ins Wanken gerät.
Kristof Magnusson überzeugt erneut mit seinem unverwechselbar amüsanten Erzählstil. Die eigenwilligen Charaktere sind pointiert gezeichnet – jeder für sich verschroben, im Zusammenspiel herrlich absurd. Gerade die Dialoge und Situationen leben von dieser besonderen Dynamik. Kurz gesagt: das Gespür für Details und die Liebe zu den Figuren spürt man auf jeder Seite.
Besonders gelungen finde ich auch, wie die Umbruchzeit nach dem Kalten Krieg in den Figuren gespiegelt wird: Das Gefühl, etwas verloren zu haben. Die Unsicherheit, was als nächstes kommt. Gewinner oder Verlierer? Und die Suche nach einem neuen Sinn im Leben, selbst wenn der eigene Optimismus dabei mitunter groteske Züge annimmt.
Der Roman braucht zwar ein wenig, um in Fahrt zu kommen, entwickelt sich dann aber zu einem echten Magnusson, ganz nach meinem Geschmack. Insgesamt hat er mir sehr gut gefallen – auch wenn ich gestehen muss: Mit dem Ende hadere ich immer noch.

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Veröffentlicht am 24.03.2026

Ich habe es leider nicht gefühlt

Villa Rivolta
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Ich bin ganz ehrlich: Dieses Buch war gar nicht meins. Die Geschichte und die Charaktere haben mich leider nicht berühren können. Das liegt nicht daran, dass auf den fast 600 Seiten nichts passiert. Allerdings ...

Ich bin ganz ehrlich: Dieses Buch war gar nicht meins. Die Geschichte und die Charaktere haben mich leider nicht berühren können. Das liegt nicht daran, dass auf den fast 600 Seiten nichts passiert. Allerdings hatte ich beim Lesen ständig das Gefühl, dass über der Geschichte eine Art Dunstglocke liegt, die alle Höhen und Tiefen der Story abstumpft und die Emotionen der Protagonisten irgendwie banal erscheinen lässt. Entscheidende Szenen unterschieden sich vom Feeling kaum von unbedeutenden Szenen. Es gab keinen Spannungsaufbau, kein Abtauchen in die Geschichte, keine Lieblingsfiguren. Sondern viel gefühlte Eintönigkeit, trotz einer eigentlich ereignisreichen Erzählung. Es ist schwer, das irgendwie in Worte zu fassen, aber vielleicht kann man ansatzweise verstehen, was ich meine.
Schwer getan habe ich mich auch mit den Hauptprotagonisten und deren Beziehungen zueinander und Gefühle füreinander. Die waren für mich nahezu nicht nachvollziehbar und erkennbar. Ein Beispiel ist die im Buch viel zitierte Seelenverwandtschaft zwischen Piero und Valeria – die meiner Meinung nach keine Seelenverwandtschaft ist. Dazu ist die ganze Beziehung viel zu einseitig. Ebenso seltsam ist die Beziehung zu Flavio. Oder aber, dass Valeria immer wieder erzählt, wie erbärmlich ihr Leben ist, ich das beim Lesen aber leider gar nicht so sah. Da scheint irgendwie eine Diskrepanz zwischen der Erzählung der Geschehnisse und der Gefühlswelt der Protagonisten zu sein. Folge: Ich wurde gar nicht warm mit den Charakteren.
Und zu guter Letzt gab es dann auch noch nach fast 600 Seiten ein für mich nicht befriedigendes Ende. Sehr vieles blieb offen, der Aufhänger der Geschichte wurde kurzerhand als kleine Randgeschichte abgefrühstückt und plötzlich gab es Gefühlsregungen, die nicht vorhersehbar waren.
Und dennoch würde ich niemals behaupten, dass das Buch schlecht ist. Ich bin mir aber sicher, dass viele das Buch auch lieben werden und ich sehe darin auch die harte Arbeit des Autors. Dennoch hat es meine persönlichen Erwartungen nicht erfüllen können.

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