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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.11.2020

Hat meine Erwartungen übertroffen

Marigolds Töchter
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Manchmal beendet man ein Buch und stellt fest, dass der Klappentext inhaltlich zwar der Wahrheit entspricht, das Buch aber nur zu einem kleinen Bruchteil widerspiegelt. So ging es mir mit „Marigolds Töchter“, ...

Manchmal beendet man ein Buch und stellt fest, dass der Klappentext inhaltlich zwar der Wahrheit entspricht, das Buch aber nur zu einem kleinen Bruchteil widerspiegelt. So ging es mir mit „Marigolds Töchter“, das meine Erwartungen weit übertroffen hat. Ich habe nicht damit gerechnet, dass mir die Geschichte so unter die Haut gehen wird. Doch das Thema Demenz und die damit verbundenen Schilderungen stimmen in so vielerlei Hinsicht mit meinen eigenen Erfahrungen überein, dass ich nur bewundern kann, mit welcher Beobachtungsgabe und mit welchem Einfühlungsvermögen Julia Woolf diese wunderschöne Geschichte erschaffen hat. Sie berührt, sensibilisiert, erschüttert und gibt einem gleichzeitig Kraft. Aber vor allem zeigt sie, wie wichtig Zusammenhalt und Miteinander gerade in Zeiten sind, in denen man glaubt, alles zu verlieren – sowohl für die erkrankte Person als auch für das nahe Umfeld. Das ändert zwar nichts an der Krankheit, macht das Leben aber für alle Beteiligten lebenswerter und leichter. Und sie hat mich daran erinnert, wie wichtig das Jetzt ist – egal ob mit einer an Demenz erkrankten Person oder mit jedem anderen. Man sollte aus seinem Gedankenkarussell viel häufiger aussteigen, den Moment genießen und seine Sinne auf das konzentrieren, was gerade jetzt passiert.
Was soll ich sagen? Ich habe in diesem Roman eine Tiefe gefunden, die ich so nicht erwartet hätte, und kann von Herzen eine Empfehlung geben.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.11.2020

Vielschichtig, enthüllend, spannend

Long Bright River
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Faszinierend erzählt Liz Moore in ihrem Roman von einer Familie, deren Leben über Generationen von der Drogenproblematik auf Philadelphias Straßen geprägt ist. Das Miteinander dieser Familie ist vergiftet ...

Faszinierend erzählt Liz Moore in ihrem Roman von einer Familie, deren Leben über Generationen von der Drogenproblematik auf Philadelphias Straßen geprägt ist. Das Miteinander dieser Familie ist vergiftet durch Sucht, Verlust, Misstrauen, Verbitterung und Einsamkeit. Im Mittelpunkt des Geschehens stehen Kacey und ihre eineinhalb Jahre ältere Schwester Mikey, die seit dem Drogentod der Mutter bei der gefühlskalten Großmutter leben. Während Kacey und Mickey in ihrer Kindheit zwar grundverschieden, aber unzertrennlich sind, entfernen sie sich als Erwachsene immer weiter voneinander. Die quirlige Kacey rutscht schon in jungen Jahren in den Drogensumpf ab und arbeitet als Prostituierte, ihre schüchterne Schwester dagegen scheint ein bodenständiges Leben und in ihrer Tätigkeit als Polizistin auch nach vielen Jahren Funkstille noch immer ein wachsames Auge auf ihre Schwester zu haben. Als Kacey eines Tages wie vom Erdboden verschluckt ist und gleichzeitig ein Frauenmörder in ihrem Viertel sein Unwesen treibt, begibt sich Mickey während der Suche nach ihr selbst in große Gefahr und riskiert alles. Im Laufe der vielschichtigen Geschichte wird klar, dass nichts so ist, wie es auf dem ersten Blick scheint. Schonungslos kommen immer mehr Familiengeheimnisse ans Licht. Genau dieser unbeschönigte Blick auf die Ereignisse und die Vielschichtigkeit machen den Roman zu einem besonderen Lesevergnügen. Darüber hinaus hat Liz Moore es geschafft, die Verletzlichkeit und auf der anderen Seite die antrainierte Härte der Charaktere authentisch und bewegend darzustellen. Spannung wird – anders als in einem Kriminalroman – eher unterschwellig aufgebaut und dennoch fesselt die Handlung. Mein einziger Kritikpunkt ergibt sich daraus, dass ich die Handlung an ein paar Stellen als zu konstruiert und zu gewollt empfunden hab

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.11.2020

Für mich der falsche Fokus

Miss Guggenheim
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Die Geschichte über Peggy Guggenheim bleibt leider hinter meinen Erwartungen zurück. Zu sehr wird für meinen Geschmack die „Beziehung“ zu dem Maler Max Ernst in den Fokus gestellt und dabei kommt die Hauptprotagonistin ...

Die Geschichte über Peggy Guggenheim bleibt leider hinter meinen Erwartungen zurück. Zu sehr wird für meinen Geschmack die „Beziehung“ zu dem Maler Max Ernst in den Fokus gestellt und dabei kommt die Hauptprotagonistin nicht gut bei weg. Auch wenn Peggy Guggenheim in Sachen Kunst einen überragenden Weitblick gehabt zu haben scheint, hatte sie im Hinblick auf Max Ernst dann doch eine sehr rosarote Brille auf und wollte die Wahrheit nicht sehen. So zeigt es der Roman. Nicht nur, dass mich dieser Fokus beim Hören des Buches zunehmend gestört hat, so reduziert er meiner Ansicht nach auch das beeindruckende Werk dieser außergewöhnlichen Frau und lässt alles andere in den Hintergrund treten. Aber das ist wahrscheinlich Geschmackssache.

Und ja, dass Peggy Guggenheim ein abwechslungsreiches Leben hatte, wird in diesem Roman durchaus deutlich. Gerade in diesen geschilderten Kriegsjahren, die so viele Wendungen, Verluste und Neuanfänge mit sich brachten. Das hat mich auch sehr interessiert. Und genau aus diesem Grund finde ich es so schade, dass sich die Autorin so sehr auf die unglückliche Liebe zu Max Ernst zu fokussieren scheint und Peggy dadurch oft wirkt, als sei sie eine Person gewesen, die sich grundsätzlich leicht ausnutzen ließ und die zurücksteckte. Wenn, dann ist das aber nur eine Facette dieser Person und in Bezug auf Max Ernst nur eine kurze Episode ihres Lebens, die hier leider alles überstrahlt. Meines Wissens hat sie ihr Leben aber vor allem nach ihren eigenen Regeln gelebt, zahlreiche Affären gehabt und Grenzen sowohl der Kunstwelt als auch des damaligen Frauenbilds gesprengt.

Irritierend fand ich die Passagen, die in Venedig spielen. Sie hatten während des Hörens für mich absolut keinen relevanten Bezug zu der sonstigen Handlung, die zunächst in Paris, später dann in New York spielt, dienten lediglich manchmal als Einleitung zu den Rückblicken. Erst weitere Internetrecherchen meinerseits brachten Licht ins Dunkel und schlossen den Kreis – auch was ihre Entdeckung und Förderung des Malers Jackson Pollock und die Verbindung zu Venedig betrifft. Hier fehlt ganz eindeutig die Einordnung - sowohl in den Roman als auch in das weitere Leben der Kunstmäzenin.

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  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.11.2020

Herzerwärmend schön

Nur noch ein bisschen Glück
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Die Bücher von Simona Ahrnstedt sind für mich immer ein Garant für tolle Storys mit ganz viel Liebe, Leidenschaft und Lebensfreude. Und auch dieses Mal hat sie wieder voll ins Schwarze getroffen. Sie schafft ...

Die Bücher von Simona Ahrnstedt sind für mich immer ein Garant für tolle Storys mit ganz viel Liebe, Leidenschaft und Lebensfreude. Und auch dieses Mal hat sie wieder voll ins Schwarze getroffen. Sie schafft es, gleichzeitig Leichtigkeit und Intensität auf die Seiten zu zaubern. Die Charaktere sind authentisch, mitten aus dem Leben und absolut liebenswert - egal ob nun Hauptcharakter oder Nebenfigur. Dabei durchlaufen die beiden Hauptpersonen auch dieses Mal wieder einen emotionalen Reifeprozess, der absolut authentisch und nachvollziehbar ist, ohne dass eine unglaubwürdige Rahmenhandlung oder Reifeprüfung herangezogen werden muss. Ein weiterer Hauptdarsteller in den Büchern der Autorin ist für mich immer Schweden. Diesmal hat Simona Ahrnstedt die Handlung in eine kleine schwedische Ortschaft mitten auf dem Land verlegt. Ich konnte mir den kleinen Ort, den Hof von Thor und Stellas kleines Häuschen wunderbar vorstellen und hätte dort am liebsten selbst ein paar Tage Urlaub gemacht.

Wer Lust hat auf gefühlvolle Liebesromane ohne allzu viel Kitsch, dem kann ich dieses Buch ans Herz legen.

  • Cover
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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.11.2020

Märchenhafter Roadtrip

Juno und die Reise zu den Wundern
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Das verspielte und farbenfrohe Cover und die ersten positiven Reaktionen hatten mich gleich neugierig gemacht. Und ich weiß gar nicht, was ich genau von „Juno und die Reise zu den Wundern: Eine fabelhafte ...

Das verspielte und farbenfrohe Cover und die ersten positiven Reaktionen hatten mich gleich neugierig gemacht. Und ich weiß gar nicht, was ich genau von „Juno und die Reise zu den Wundern: Eine fabelhafte Geschichte“ erwartet hatte. Sicher ist aber, dass mich der Inhalt dann doch überrascht hat. Warum? Ich denke, das liegt vor allem an den „Zutaten“ der Geschichte: Hier trifft die Realität, die in diesem Fall alles andere als schön ist, auf eine riesige Portion modernes Märchen. Gewürzt wird das Ganze noch mit jeweils einer Prise Selbstfindungs-Tipps, Liebesgeschichte und einem Hauch von „Eat. Pray. Love“. Herausgekommen ist eine fantasievolle und zauberhafte Geschichte, die durch viele kleine Details besticht, und in der vor allem die liebevollen Charaktere herausstechen. Auch wenn es immer mal wieder Sequenzen gab, die mich berührt haben, gab es auch Momente, in denen mich die Geschichte eher gelangweilt hat. Und so ganz in ihren Bann ziehen konnte sie mich leider auch nicht.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere