Ich habe es leider nicht gefühlt
Villa RivoltaIch bin ganz ehrlich: Dieses Buch war gar nicht meins. Die Geschichte und die Charaktere haben mich leider nicht berühren können. Das liegt nicht daran, dass auf den fast 600 Seiten nichts passiert. Allerdings ...
Ich bin ganz ehrlich: Dieses Buch war gar nicht meins. Die Geschichte und die Charaktere haben mich leider nicht berühren können. Das liegt nicht daran, dass auf den fast 600 Seiten nichts passiert. Allerdings hatte ich beim Lesen ständig das Gefühl, dass über der Geschichte eine Art Dunstglocke liegt, die alle Höhen und Tiefen der Story abstumpft und die Emotionen der Protagonisten irgendwie banal erscheinen lässt. Entscheidende Szenen unterschieden sich vom Feeling kaum von unbedeutenden Szenen. Es gab keinen Spannungsaufbau, kein Abtauchen in die Geschichte, keine Lieblingsfiguren. Sondern viel gefühlte Eintönigkeit, trotz einer eigentlich ereignisreichen Erzählung. Es ist schwer, das irgendwie in Worte zu fassen, aber vielleicht kann man ansatzweise verstehen, was ich meine.
Schwer getan habe ich mich auch mit den Hauptprotagonisten und deren Beziehungen zueinander und Gefühle füreinander. Die waren für mich nahezu nicht nachvollziehbar und erkennbar. Ein Beispiel ist die im Buch viel zitierte Seelenverwandtschaft zwischen Piero und Valeria – die meiner Meinung nach keine Seelenverwandtschaft ist. Dazu ist die ganze Beziehung viel zu einseitig. Ebenso seltsam ist die Beziehung zu Flavio. Oder aber, dass Valeria immer wieder erzählt, wie erbärmlich ihr Leben ist, ich das beim Lesen aber leider gar nicht so sah. Da scheint irgendwie eine Diskrepanz zwischen der Erzählung der Geschehnisse und der Gefühlswelt der Protagonisten zu sein. Folge: Ich wurde gar nicht warm mit den Charakteren.
Und zu guter Letzt gab es dann auch noch nach fast 600 Seiten ein für mich nicht befriedigendes Ende. Sehr vieles blieb offen, der Aufhänger der Geschichte wurde kurzerhand als kleine Randgeschichte abgefrühstückt und plötzlich gab es Gefühlsregungen, die nicht vorhersehbar waren.
Und dennoch würde ich niemals behaupten, dass das Buch schlecht ist. Ich bin mir aber sicher, dass viele das Buch auch lieben werden und ich sehe darin auch die harte Arbeit des Autors. Dennoch hat es meine persönlichen Erwartungen nicht erfüllen können.