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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.03.2026

Ich habe es leider nicht gefühlt

Villa Rivolta
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Ich bin ganz ehrlich: Dieses Buch war gar nicht meins. Die Geschichte und die Charaktere haben mich leider nicht berühren können. Das liegt nicht daran, dass auf den fast 600 Seiten nichts passiert. Allerdings ...

Ich bin ganz ehrlich: Dieses Buch war gar nicht meins. Die Geschichte und die Charaktere haben mich leider nicht berühren können. Das liegt nicht daran, dass auf den fast 600 Seiten nichts passiert. Allerdings hatte ich beim Lesen ständig das Gefühl, dass über der Geschichte eine Art Dunstglocke liegt, die alle Höhen und Tiefen der Story abstumpft und die Emotionen der Protagonisten irgendwie banal erscheinen lässt. Entscheidende Szenen unterschieden sich vom Feeling kaum von unbedeutenden Szenen. Es gab keinen Spannungsaufbau, kein Abtauchen in die Geschichte, keine Lieblingsfiguren. Sondern viel gefühlte Eintönigkeit, trotz einer eigentlich ereignisreichen Erzählung. Es ist schwer, das irgendwie in Worte zu fassen, aber vielleicht kann man ansatzweise verstehen, was ich meine.
Schwer getan habe ich mich auch mit den Hauptprotagonisten und deren Beziehungen zueinander und Gefühle füreinander. Die waren für mich nahezu nicht nachvollziehbar und erkennbar. Ein Beispiel ist die im Buch viel zitierte Seelenverwandtschaft zwischen Piero und Valeria – die meiner Meinung nach keine Seelenverwandtschaft ist. Dazu ist die ganze Beziehung viel zu einseitig. Ebenso seltsam ist die Beziehung zu Flavio. Oder aber, dass Valeria immer wieder erzählt, wie erbärmlich ihr Leben ist, ich das beim Lesen aber leider gar nicht so sah. Da scheint irgendwie eine Diskrepanz zwischen der Erzählung der Geschehnisse und der Gefühlswelt der Protagonisten zu sein. Folge: Ich wurde gar nicht warm mit den Charakteren.
Und zu guter Letzt gab es dann auch noch nach fast 600 Seiten ein für mich nicht befriedigendes Ende. Sehr vieles blieb offen, der Aufhänger der Geschichte wurde kurzerhand als kleine Randgeschichte abgefrühstückt und plötzlich gab es Gefühlsregungen, die nicht vorhersehbar waren.
Und dennoch würde ich niemals behaupten, dass das Buch schlecht ist. Ich bin mir aber sicher, dass viele das Buch auch lieben werden und ich sehe darin auch die harte Arbeit des Autors. Dennoch hat es meine persönlichen Erwartungen nicht erfüllen können.

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Veröffentlicht am 01.02.2026

Leise und kraftvoll

Scheue Wesen
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England, 1964: Helen arbeitet als Kunsttherapeutin in einer psychiatrischen Klinik. Neben ihrem Beruf bestimmt vor allem eine weitere Tatsache ihren Alltag: die langjährige Affäre mit ihrem Kollegen Gil. ...

England, 1964: Helen arbeitet als Kunsttherapeutin in einer psychiatrischen Klinik. Neben ihrem Beruf bestimmt vor allem eine weitere Tatsache ihren Alltag: die langjährige Affäre mit ihrem Kollegen Gil. Er gehört zur Klinikleitung, ist verheiratet und Vater – und doch klammert sich Helen an die Hoffnung, dass er seine Familie verlässt, sobald die Kinder alt genug sind. Immer wieder ordnet sie ihr Leben seinem Zeitplan unter, für ein paar gestohlene Stunden, und verliert sich dabei zunehmend selbst.
Als ein neuer Patient in die Klinik eingeliefert wird, ist Helen von dessen Schicksal vom ersten Moment an tief berührt. William spricht nicht, ist verwahrlost und hat seit mindestens zehn Jahren das Haus nicht mehr verlassen, in dem er mit seinen Tanten lebte. Helen erkennt sein künstlerisches Talent und versucht mit viel Geduld, Zugang zu dem stummen Mann zu finden. Für beide öffnen sich dabei unerwartete neue Türen.
Kapitel für Kapitel erfährt man als Leser auf sehr behutsame Weise, was William in den vergangenen Jahrzehnten erlebt hat und warum er so isoliert lebte – durch erzählerische Rückblicke ebenso wie durch Helens eigene Nachforschungen. Diese Kombination hat mir besonders gut gefallen, da sie der Geschichte und ihren Figuren spürbare Tiefe und Authentizität verleiht.
Faszinierend ist zudem, dass der Roman trotz seiner großen Ruhe einen stetig ansteigenden Spannungsbogen entwickelt. Der zurückhaltende, feinfühlige Schreibstil passt hervorragend zur Geschichte. Auch wenn das Buch für meinen Geschmack vor allem im ersten Teil stellenweise etwas langatmig ist und es eine Weile dauert, bis es einen wirklich abholt. Wie bei scheuen Wesen selbst, braucht es auch hier vor allem eines: Geduld. Doch es lohnt sich.



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Veröffentlicht am 04.01.2026

Zeit für Veränderung

Bernadette Swifts Gespür für Bücher
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Im New York der 1960er-Jahren arbeitet die überaus talentierte und engagierte Bernadette Swift als Juniorlektorin in einem Buchverlag. Ihr Traum ist es, die erste weibliche Verlagsleitung zu werden. Hohe ...

Im New York der 1960er-Jahren arbeitet die überaus talentierte und engagierte Bernadette Swift als Juniorlektorin in einem Buchverlag. Ihr Traum ist es, die erste weibliche Verlagsleitung zu werden. Hohe Ambitionen zur damaligen Zeit, vor allem weil ihr die männlichen Kollegen immer wieder das Leben schwer machen. In einer Frau, die mehr sein möchte als Hausfrau, Ehefrau und Mutter und die noch dazu Talent mitbringt, sehen sie eine Bedrohung. Ihrer Meinung nach sind Frauen nicht fähig, verantwortungsvolle Positionen zu besetzen. Und gleichzeitig nutzen sie sie in jeder sich bietenden Gelegenheit aus. Bis Bernadette irgendwann der Kragen platzt und sie sich zur Wehr setzt.
Unterstützt wird sie von den Frauen ihres geheimen Frauen-Buchclubs. Gemeinsam organisieren sie einen Frauen-Streik, der eine Welle ungeahnten Ausmaßes nach sich zieht. Plötzlich gehen überall Frauen für ihr Recht auf Gleichberechtigung auf die Straße. Neben viel Unterstützung ruft das leider auch die Gegner auf den Plan – doch die Frauen lassen sich nicht unterkriegen.
Mir hat das Buch richtig gut gefallen. Es zeigt einerseits, wie viel sich seit dieser Zeit verändert hat, erinnert einen aber auch daran, dass Gleichberechtigung ein hohes Gut ist, das wir schützen müssen und das noch immer in vielen Bereichen nicht selbstverständlich ist.
Besonders mochte ich die Mischung aus Leichtigkeit und ernsten Themen, die das Buch sehr ansprechend gemacht haben sowie die starken und liebevoll ausgearbeiteten Charaktere.
Was es für mich nicht gebraucht hätte, sind die vereinzelten kurzen Kapitel aus der Sicht des Hundes. Das war für meinen Geschmack zu verspielt und niedlich.
Von mir bekommt das Buch 4 von 5 Sternen.

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Veröffentlicht am 07.12.2025

Wieder super

Das Antiquariat am alten Friedhof
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Ich bin ein großer Fan Kai Meyers Bücher rund um das Graphische Viertel in Dresden. Jedes Mal bin ich fasziniert, mit welcher Leidenschaft und welchem Ideenreichtum der Autor seine Geschichten rund um ...

Ich bin ein großer Fan Kai Meyers Bücher rund um das Graphische Viertel in Dresden. Jedes Mal bin ich fasziniert, mit welcher Leidenschaft und welchem Ideenreichtum der Autor seine Geschichten rund um diesen Viertel strickt. Wie er Fakten und Fantasie miteinander verwebt. Seine Erzählungen über mehrere Zeitebenen spielen lässt, sodass die Leser nur allmählich das volle Ausmaß der Geschichte entdecken können. Besonders gut gefallen mir auch immer seine Figuren - vor allem die Hauptprotagonisten, mit denen man im Grunde Seite an Seite die Geschehnisse durchlebt. Moralisch sind diese oftmals weder schwarz noch weiß, doch gerade das macht sie so vielschichtig, interessant und sympathisch. Und noch ein weiterer Aspekt ist in jeder Zeile dieser Reihe spürbar: die Liebe zu Büchern und zur Literatur.
All das macht „Das Antiquariat am alten Friedhof“ wieder zu einem ganz besonderen Buch, das ich nur empfehlen kann, auch wenn es meiner Meinung nach im Vergleich zu den drei Vorgängern weniger spannend und manchmal etwas langatmig war. Aber das ist Kritik auf hohem Niveau.
Und eines habe ich mir fest vorgenommen: Ich muss irgendwann man alle Bücher direkt hintereinander lesen, denn an vielen Punkten sind die Geschichten miteinander verbunden, z.B. weil Protagonisten wieder auftauchen, Geschehnisse wieder zur Sprache kommen oder Schicksale weitererzählt werden. Doch leider kann ich mich oft nicht mehr an alle Einzelheiten erinnern, sodass mir vermutlich ein paar dieser „Wiederkehrer“ durch die Lappen gehen. Und das ist sehr schade.
Von mir gibt es 4,5 von 5 Sternen und ich hoffe sehr, dass die Reihe fortgesetzt wird.

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Veröffentlicht am 23.11.2025

Da hätte man noch einiges rausholen können

Das Lied der Tiefe
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Top oder Flop? Ich würde es irgendwo dazwischen einordnen. Denn für mich wurde das Potenzial der Geschichte leider nicht genutzt. Oft hatte ich den Eindruck, dass es noch ein paar Korrekturdurchläufe mehr ...

Top oder Flop? Ich würde es irgendwo dazwischen einordnen. Denn für mich wurde das Potenzial der Geschichte leider nicht genutzt. Oft hatte ich den Eindruck, dass es noch ein paar Korrekturdurchläufe mehr gebraucht hätte, um die Handlung wirklich rund und verständlich rüberzubringen.
Die Idee, Sirenen zu den zentralen Figuren der Geschichte zu machen, finde ich erfrischend neu und spannend. Und auch die Handlung an sich birgt Potenzial und ist fesselnd. Dann wird es bei genauer Betrachtung aber schon schwierig. So kam mir zum Beispiel der Weltenaufbau im Buch viel zu kurz. Das hatte die Folge, dass man nur schwer ins Setting fand und sich die ganze Welt, in der die Handlung spielt, nur sehr wage vor Augen führen konnte. Auch die Haupt-Charaktere brachten interessante Facetten mit, konnten diese aber leider nur ansatzweise zeigen. Viel mehr Raum nahmen stattdessen leider die meist sehr kindischen und oftmals an den Haaren herbeigezogenen Streitereien und Diskussionen der beiden Haupt-Protagonisten ein. Diese Textpassagen brachten schon nach kurzer Zeit keinen Spaß mehr. Ebenso wie die Textstellen, in denen der weibliche Haupt-Charakter wieder einmal völlig aus dem Nichts an sich selbst und jeglichem Tun zweifelt. Das war in der Fülle einfach sehr ermüdend und nicht mehr authentisch.
Und ich muss leider auch sagen, dass ich beim Lesen eines Buches schon lange nicht mehr so häufig fragend oder verwirrt mit dem Kopf geschüttelt habe. Denn oftmals ist leider nicht nachvollziehbar, warum ein Protagonist genau so agiert oder reagiert wie er es in der Story macht. Der Leser wird dabei irgendwie auf halber Strecke zurückgelassen. Zusätzlich wird einiges nur angedeutet und die Handlung wirkt an vielen Punkten sehr gewollt und konstruiert.
Und soll ich euch sagen, was nach Beendigung des Buches und ein paar Wochen Abstand hauptsächlich bei mir hängengeblieben ist? Das Gefühl, dass dieses Buch viel zu früh in die Welt geschickt wurde! In meinen Augen ist es noch nicht fertig und hätte noch einiges an Feinschliff gebraucht. Genau das hätte ich mir für dieses Buch und die gute Idee dahinter gewünscht. Schade, dass es nicht so gekommen ist.

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