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Veröffentlicht am 04.03.2020

Geschärfter Blick auf gesunden Lebensstil

Die wichtigsten Fragen zum Intervallfasten
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Das zur Zeit „moderne“ Intervallfasten bietet keine Zauberformel für eine schnelle Gewichtsabnahme, sondern Hilfestellung für eine gesündere Lebensführung mit einer zwar langsameren, dafür aber schonenderen ...


Das zur Zeit „moderne“ Intervallfasten bietet keine Zauberformel für eine schnelle Gewichtsabnahme, sondern Hilfestellung für eine gesündere Lebensführung mit einer zwar langsameren, dafür aber schonenderen und anhaltenden Gewichtsreduzierung. Dabei ist diese Art des Fastens absolut nicht neu, wie der Autor in seinem Ratgeber erklärt.
Der Arzt und Ernährungsberater Dr. Christian Thuile präsentiert hier die gängigsten Formen des intermittierenden Fastens. Um zu verstehen, was während der Nahrungsaufnahme in unserem Körper passiert und wie sich der Organismus in den Essenspausen verhält, schildert er, seriös und auch für Laien sehr gut verständlich, die entsprechenden Vorgänge. Nach der Theorie folgen Erläuterungen zu den unterschiedlichen Methoden des Intervallfastens und eine Abgrenzung zu herkömmlichen Diäten: ganz klar hat hier das intermittierende Fasten die positiveren Auswirkungen auf Körper und Psyche - wenn es richtig angewandt wird. Dazu gibt Thuile viele Tipps, wobei er den Fokus im wesentlichen auf den gesundheitlichen Aspekt legt. Zu dem gesunden Lebensstil, den er propagiert, gehören neben dem Fasten ebenso eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung. Das ist natürlich nicht neu, kann aber nicht oft genug wiederholt werden. Aus medizinischer Sicht beschreibt Thuile die zahlreichen positiven Auswirkungen der „Light Variante“ des Fastens, u.a. auch neue Erkenntnisse über ihre Wirkung auf spezielle Krankheiten. Aber er warnt auch davor, damit zu experimentieren; denn es ist nicht für jedermann uneingeschränkt zu empfehlen. Seine Erläuterungen sind klar und gut nachvollziehbar. In die einzelnen Abschnitte eingeschobene, farblich abgesetzte Wissens“kästen“ informieren darüber hinaus und jedes Kapitel endet mit einer sehr kurzen Zusammenfassung der wichtigsten Gedanken, sozusagen als Gedächtnisstütze.
Wer sich näher mit dem Thema Intervallfasten und einem damit verbundenen gesunden Lebensstil auseinandersetzen möchte, findet in Thuiles Buch sicher viele Anregungen.

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Veröffentlicht am 28.02.2020

Lebendig erzählt

Wo wir zu Hause sind (DAISY Edition)
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Aus der Distanz von mehreren Generationen erzählt Maxim Leo die Geschichte seiner weitverzweigten jüdischen Familie. Dafür hat er lange recherchiert und ist weit gereist, um die Erinnerungen der in diversen ...

Aus der Distanz von mehreren Generationen erzählt Maxim Leo die Geschichte seiner weitverzweigten jüdischen Familie. Dafür hat er lange recherchiert und ist weit gereist, um die Erinnerungen der in diversen Ländern verstreut lebenden Onkel und Tanten, Cousinen und Cousins zu sammeln und aufzuschreiben. Das Ergebnis: eine sehr lebendige, außerordentlich spannende Biografie.
Ausgehend von den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts schildert Leo das Schicksal seiner Urgroßeltern und deren Kinder, seinem Großvater Gerhard und dessen drei Schwestern Ilse, Hilde und Irmgard. Während Gerhard in diversen Lagern interniert wurde, kamen die Mädchen zunächst nach Frankreich; später trennten sich ihre Wege: Ilse lebte nach Kriegsende in Wien, Irmgard zog mit ihrem Mann in einen Kibbuz in Israel und Hilde kam über viele Umwege mit ihrem kleinen Sohn nach England und schließlich Amerika. Was sie in diesen Jahren erlebten, mit welch starkem Überlebenswillen sie sich ein neues Dasein aufbauten und welche Erinnerungen ihre Kinder und Enkel haben schildert Leo auf höchst eindrucksvolle Weise.
Passend zu dem familiären Ton der Biografie liest Ulrich Noethen die Hörbuchfassung, ruhig nachempfindend, aber keineswegs sentimental. Mit Feingefühl verleiht er den einzelnen Charakteren Farbe und bringt sie dem Hörer nahe. Eine wirklich lebendige, bewegende Erzählung!

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Veröffentlicht am 25.02.2020

Wertschätzung von Arbeit

Die Angezählten
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Mittlerweile ist es zum „Dauerbrenner“ und ein oft beschworenes Wahlthema geworden: die unverhältnismäßig schlechte Entlohnung von Pflegepersonal und der damit einhergehende Mangel an Arbeitskräften. Doch ...

Mittlerweile ist es zum „Dauerbrenner“ und ein oft beschworenes Wahlthema geworden: die unverhältnismäßig schlechte Entlohnung von Pflegepersonal und der damit einhergehende Mangel an Arbeitskräften. Doch nicht nur im Bereich Kranken- und Altenpflege sind die Löhne ungerecht - auch in vielen anderen Bereichen des Arbeitsmarktes haben Arbeitnehmer zunehmend Mühe, die steigenden Lebenshaltungskosten zu bewältigen oder sind gar zum „Aufstocken“ ihres Gehaltes gezwungen. Das Problem betrifft nicht nur untere soziale Schichten, sondern auch immer mehr Mittelstandsberufe rutschen ab.
Die Wirtschaftsjournalistin Anette Dowideit gibt hierzu zahlreiche Beispiele aus unterschiedlichen Berufssparten. Sie lässt einige ihrere Gesprächspartner selbst von ihrem täglichen Arbeitsleben und ihren (Existenz-)Ängsten berichten. Wie kommt es dazu, dass viele Menschen von dem Erlös ihrer Arbeit nicht mehr leben können? Natürlich liegen die Hauptursachen in dem enormen Einfluss der Wirtschaft auf die Politik. Doch auch wir als Konsumenten müssen umdenken und das „Geiz ist geil“-Prinzip in Frage stellen. Denn wer zahlt letzten Endes die Zeche, wenn wir alles möglichst billig erwerben wollen …?
Was ist Arbeit noch wert? Dieser Frage geht Dowideit nach und zeigt ungeschminkt auf, wie die aktuelle Situation heute aussieht. Sie reflektiert aber auch mögliche Lösungsansätze, die (in anderen Ländern bereits Realität) sicher durchführbar wären - wenn sich die Arbeitsmarktpolitik weniger von der Wirtschaft beeinflussen ließe.
„Die Angezählten“ ist ein gut strukturiertes, eingehend recherchiertes Buch. Deutlich, auf verständliche Weise lässt Anette Dowideit ihren Lesern, auch wenn sie über keine Vorbildung in Wirtschaftswissenschaften verfügen, detaillierte Informationen zukommen. Eine klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 08.02.2020

Zum Mitfiebern

Die Dunkelheit der Drachen
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Musik ist Zauber, und sie spielt eine ganz besondere Rolle in einer Welt, die vor Magie vibriert. In Flick Klarwassers Universum existieren neben ganz normalen Menschen auch Zauberer, Hexen, Drachen und ...


Musik ist Zauber, und sie spielt eine ganz besondere Rolle in einer Welt, die vor Magie vibriert. In Flick Klarwassers Universum existieren neben ganz normalen Menschen auch Zauberer, Hexen, Drachen und Pfeifer, die mit ihren Flötenmelodien magische Dinge bewirken. Der allseits berüchtigte Rattenfänger von Hameln, der seine Kunst missbraucht hat, um Kinder zu entführen, sitzt anscheinend wohlverwahrt im Kerker, wo auch der Pfeiferschüler Flick eine Strafe abbüßen muss. Bei einem Drachenangriff auf das Verlies der Burg Tiviscan erfährt Flick ein Geheimnis des angeblichen Rattenfängers und kann fliehen. Eine abenteuerliche Reise voller tödlicher Gefahren steht ihm bevor, die er gemeinsam mit Rena, einem verzauberten Mädchen, und dem Drachengreif Barver bestreiten muss. Sie führt ihn schließlich an den Ort zurück, dem er entfliehen wollte: Tiviscan, und zu einem folgenreichen Duell…
Patricks erstes Kinderbuch nimmt als roten Faden die Sage des Hamelner Rattenfängers auf und weitet sie zu einem gut geschriebenen, äußerst spannenden Roman aus. Auch der Humor kommt nicht zu kurz. Seinen fantasievollen Figuren und dem ideenreichen Verlauf der Geschichte ist Patricks früherer Beruf als Spieleentwickler anzumerken. Rasantes Erzähltempo und zahlreiche Wendungen im Geschehen sorgen dafür, dass junge Leser ab 10 Jahren von Anfang bis Ende gefesselt bleiben. „Die Dunkelheit der Drachen“ ist eine mitreißende Lektüre, die nach einer Fortsetzung verlangt.

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Veröffentlicht am 07.02.2020

Eine nachdenkliche Reise in die Vergangenheit

Goodbye, Bukarest
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Ihre Mutter Rosa beschreibt die Autorin Astrid Seeberger als eine Frau, die sie nur mit einem traurigen „Flüchtlingsgesicht“ gekannt habe. Dieser Tristesse und der gefühlsmäßigen Distanz in ihrer Beziehung ...

Ihre Mutter Rosa beschreibt die Autorin Astrid Seeberger als eine Frau, die sie nur mit einem traurigen „Flüchtlingsgesicht“ gekannt habe. Dieser Tristesse und der gefühlsmäßigen Distanz in ihrer Beziehung zueinander ist Astrid im Alter von 17 Jahren entflohen, zum Studium nach Schweden. Während sie Jahre nach dem Tod ihrer Mutter deren Leben in einem autobiografischen Roman aufgearbeitet hat („Nächstes Jahr in Berlin“), schildert sie in ihrem neuen Buch „Goodbye Bukarest“ ihre Suche nach dem verschollenen Bruder ihrer Mutter, der in dem ersten Buch ebenfalls eine große Rolle spielt.
Das Schweigen der Mutter über Brunos Schicksal macht Astrid zu schaffen. Ist er tatsächlich bei der Schlacht um Stalingrad gefallen? Konnte er fliehen? Welche Rolle spielt Astrids geliebter Großvater?
Erst als die Mutter gestorben ist, erhält Astrid über einen Vertrauten Rosas weitere Informationen. Sie erfährt den Namen eines ehemaligen Strafgefangenen der Stalinära, der Bruno begegnet ist, und sucht ihn in Berlin auf. Ohne Theatralik, doch mit viel Feinfühligkeit gibt sie seine Leidensgeschichte wieder, in der neue Hinweise zu Bruno und Menschen, die ihn kannten, auftauchen. Astrid reist weiter, immer den Spuren nach, die sie findet, nach Bukarest und München. Sie lässt die Zeitzeugen ihre Geschichten aus ihrer eigenen Perspektive erzählen und Bruno so schildern, wie sie ihn wahrgenommen haben. Stück für Stück setzt sich so ein Bild ihres Onkels zusammen, dessen Leben von politischer Willkür und Gewalt bestimmt war, der aber auch selbst viel Liebe und Trost geben und empfangen konnte. Der bedrohliche geschichtliche Hintergrund der 1930er bis 1980er Jahre bleibt konstant, obwohl sich vor allem die Musik als tröstendes Element durch den Roman zieht. Seeberger zeigt ihren Onkel Bruno als Menschen inmitten von Weltgeschichte, dem jeweiligen politischen System ausgeliefert, jedoch stets ruhig, nie (an)klagend. Sie schlägt dabei leise Töne an - so wie es wohl auch ihr Onkel getan hat.

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