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Veröffentlicht am 28.05.2025

Atmosphärisch erzählte deutsch-italienische Geschichte

Zypressensommer
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Im Rowohlt Verlag erscheint der Roman Zypressensommer von Teresa Simon (Brigitte Riebe).

Nach dem Tod ihres Großvaters Gianni möchte die Goldschmiedin Julia Matthiesen seine Heimat erkunden und reist ...

Im Rowohlt Verlag erscheint der Roman Zypressensommer von Teresa Simon (Brigitte Riebe).

Nach dem Tod ihres Großvaters Gianni möchte die Goldschmiedin Julia Matthiesen seine Heimat erkunden und reist zum ersten Mal ins toskanische Dorf Lucignano, aus dem Gianni stammte. Sie stösst auf ein altes Familiengeheimnis, das in die Zeit der Resistenza führt und ihr den Kampf der Partisanen näher bringt. Von ihren Großvater hat sie darüber nie etwas erfahren.

Die zauberhaft schöne Landschaft der Toscana begeistert Julia und gemeinsam mit dem attraktiven Matteo Conti forscht sie in Giannis Vergangenheit und seiner Familiengeschichte. Dabei stösst sie auf die beiden Olivenbauern Vito und Gianni und auf eine tragische Liebesgeschichte.

Zypressensommer enthält Erlebnisse aus zwei Zeitsträngen, die Gegenwart und die 1940er Jahren. Dabei wird von Julias Reise erzählt und aus den Kriegsjahren in Italien, in denen sich der italienische Widerstandskampf der Partisanen entwickelte, wo sich auch Frauen (Giulia) beteiligten.

Die Erzählperspektive wechselt zwischen Julia, Gianni und Giulia und es entspinnt sich eine authentische, emotionale und spannend erzählte Geschichte, die mich bis zum Ende gefesselt hat.

Teresa Simon schreibt einfach wunderbar flüssig, geschickt lässt sie den zeitgeschichtlichen Hintergrund, der mit der schlimmen Vergangenheit der Besatzer einhergeht, in ihre Geschichte einfließen und bringt mit dem wunderschön geschilderten landschaftlichen Setting und der italienischen Lebensweise unterhaltsame Elemente ein, die mich beim Lesen gefühlt in die Toscana reisen ließen. Julias Spurensuche habe ich gerne begleitet, sie wuchs mir als sympathische Protagonistin ans Herz, die nicht von persönlichen Vorteilen geleitet wird, sondern ihre Wurzeln und die italienische Familie kennen lernen möchte.

Die geschichtlichen Hintergründe erläutert Teresa Simon noch einmal im Anhang, diese Einblicke schätze ich besonders, weil sie als Historikerin die Zusammenhänge ganz wunderbar erklären kann. In diesem Zusammenhang habe ich Giannis Schicksal besonders interessant empfunden, als sich Italien 1943 den Allierten anschloss und den Pakt mit Hitler aufkündigte, wurde Hundertausenden Italiener nach Deutschland verschleppt, um dort als Zwangsarbeiter tätig zu sein. Gianni hat in der Fischräucherei hart gearbeitet, Hass ertragen und in Deutschland die Liebe und seinen eigenen Weg gefunden. Die Schicksale der Zwangsarbeiter waren von Hunger und Leid geprägt, einige starben und einge kehrten in ihre Heimat zurück. Dieses Kapitel des Krieges wird selten in Romanen beschrieben, Teresa Simon würdigt mit ihrer authentischen Sichtweise die Zwangsarbeiter auf ihre Weise.

Dieser Roman hat mich mit seiner Familiengeschichte mitgerissen, die historischen Einblicke in das Wirken der Resistenza und die bewegenden Schicksale der italienischen Militärinternierten in Deutschland haben mich nachaltig beschäftigt und sehr berührt.

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Veröffentlicht am 25.05.2025

Keine leichte Kost, aber ein Debüt, das nachhallt!

Mit dir, da möchte ich im Himmel Kaffee trinken
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Das Debüt "Mit dir da möchte ich im Himmel Kaffee trinken" von Sarah Lorenz erscheint bei Rowohlt Polaris.

Wir begleiten wir Elisa auf dem Weg zum Erwachsenwerden und erfahren, wie sie sich durch ihr ...

Das Debüt "Mit dir da möchte ich im Himmel Kaffee trinken" von Sarah Lorenz erscheint bei Rowohlt Polaris.

Wir begleiten wir Elisa auf dem Weg zum Erwachsenwerden und erfahren, wie sie sich durch ihr Leben kämpft und dabei in Mascha Kalékos Gedichten die Antwort auf ihre Lebensfragen sucht. Sie hält Zwiesprache mit Mascha, wohl wissend, dass nur sie selbst ihr Leben leben muss. Jedes Kapitel wird mit einem Gedicht von Mascha eingeleitet.

«Ich habe verschiedene Diagnosen erhalten: Borderline - natürlich, alle lauten, stark fühlenden, leidenschaftlichen und impulsiven Frauen erhalten irgendwann in ihrem Leben eine Borderline-Diagnose.» Zitat

Bei diesem Roman hatte ich Bedenken, dass es problematisch würde, mich mit der Figur der Elisa zu arrangieren. Denn in Sarah Lorenz persönliche Vorstellung ihres Buches auf der Buchmesse in Leipzig wusste ich einiges über den Inhalt der Geschichte. Darin krempelt die Ich-Erzählerin Elisa ihr Innerstes nach außen und lässt neunundzwanzig Jahres ihres Lebens seit der Trennung der Eltern Revue passieren. Es folgten Monate im Heim, ein Punk-Leben mit Dosenbier, Obdachlosigkeit, später Heimat finden in Hamburg und der Tod des Vaters in Eckernförde. Auch von ihrer großen Liebe erzählt sie, die sie vor besondere Schwierigkeiten stellt.

Mit dieser Geschichte kommt Elisa mir als Leserin sehr nah, indem sie gnadenlos offen von den Schattenseiten ihres Lebens erzählt, von Fremdeinflüssen, den eigenen Fehlern und Süchten, aber auch von ihren glücklichen und Halt bringenden Erlebnissen berichtet, die ihr Hoffnung gaben. Ihr Leben wurde durch die fehlende Liebe der Mutter geprägt, was man erst im Laufe der Erzählung wirklich genau begreifen kann und auch bei Elisa zu etwas mehr Verständnis führt. Ihre Einsamkeit versucht sie mit Inhalt zu füllen, sie taucht ein in die Welt der Bücher, Freunde muss sie erst gewinnen, findet öfter den falschen Umgang, greift zu Alkohol und Drogen und sucht in Männerbekanntschaften das kurze Glück. Häufig gerät sie auch da an Typen, die ihr nicht gut tun, da macht sie sich etwas vor und lässt sich in vieler Hinsicht zum Opfer machen.

Es ist schon harter Tobak und war nicht gerade leicht, sich mit Elisas Leben zu beschäftigen, doch die Erzählung hat es mir einfach gemacht, indem die Sprache mich einfach mitgenommen hat auf diese unheilvollen Begegnungen mit den dunklen Seiten des Lebens.
Die Themenbreite umfasst fehlenden Halt in der Kindheit, psychische Probleme, das Ausbrechen aus einem bürgerlichen Leben, sexuelle Übergriffe, falsche Beziehungen, Suizid, die Krebserkrankung ihres Mannes. Diese schwierigen Themen werden wie in einer Aufzählung nacheinander aufgelistet, in die Tiefe gegangen wird leider kaum.
Und über allem schweben die wunderbaren Gedichte von Mascha Kaleko, die nicht immer zum jeweiligen Kapitel passen, ich habe sie dennoch gerne gelesen. Doch hier geht es nicht um einen Gedichtband, es geht um Elisas Gefühle, ihre Hoffnung auf Liebe und ihre Erfahrungen.

Ein bewegendes und schonungslos erzähltes Buch, das man aushalten können muss, Triggerwarnungen gibt es genug!


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Veröffentlicht am 23.05.2025

Ein unterhaltsamer Krimi mit Blick in die Spitzengastronomie

Schatten über Sømarken
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Schatten über Sømarken ist der 3. Band der Bornholm Reihe von Michael Kobr, die im Goldmann Verlag erscheint.

Es ist Sommer auf Bornholm und damit Ferienzeit, die Touristen füllen die Insel und auch ...

Schatten über Sømarken ist der 3. Band der Bornholm Reihe von Michael Kobr, die im Goldmann Verlag erscheint.

Es ist Sommer auf Bornholm und damit Ferienzeit, die Touristen füllen die Insel und auch Lennart Ipsen hat Urlaub. Währenddessen hat Lennarts Freundin Maren in ihrem edlen Restaurant Argousier alle Hände voll zu tun. Auch der Fernsehkoch Falk Magnusson nimmt mit Freudin Finja im Argousier ein erlesenes Menü zu sich und bricht tot zusammen. Man findet heraus, dass er am Gift einer heimischen Pflanze starb. avergiftet wurde, das wirft einen dunklen Schatten auf Marens Küche. Schnell stellt sich heraus, dass er am Gift einer heimischen Pflanze starb. War es ein Unfall oder doch Mord?
Lennart darf wegen Befangenheit nicht offiziell ermitteln und zieht auf eigene Faust los. Er findet etwas heraus, was sein Misstrauen an Maren wachsen lässt.

In diesem Krimi wird es kulinarisch, Michael Kobr stellt uns feinste Kochkunst vor und zeigt, was an Arbeitsaufwand in der Spitzengastronomie geleistet werden muss und wie hart die Sterne-Köche um Anerkennung und Erfolg kämpfen. Wobei Lennart eher die gute Hausmannskost schätzt.

Zunächst darf Lennart nicht offiziell ermitteln, aber als ein weiterer Todesfall geschieht, nimmt er seinen Dienst wieder auf. Er findet heraus, dass Maren und Falk ein Paar waren, eine gemeinsame Fernsehsendung betrieben und ihre Freundschaft im Streit auseinander brach. Das lenkt den Verdacht natürlich sehr auf Maren und Lennarts Misstrauen wächst.

In seiner Zeit auf Bornholm ist Lennart mit seinen Kolleginnen Britta Blomdal und Tao Nguyen zu einem echten Team zusammen gewachsen, doch nun übernimmt Britta die Leitung und damit hat Lennart so seine Probleme. Dieser Band lässt sich ohne Vorkenntnisse lesen, der Autor lässt die privaten und beruflichen Hintergründe aus den Vorbänden mit einfließen.

Der Fall ist sehr unterhaltsam geschrieben, die Spannung bewegt sich im unteren bis mittleren Bereich, bis zum überraschenden Showdown am Ende. Dafür werden uns Menschen vor Augen geführt, die mit echten Gefühlen und vielfältigen Facetten ausgestattet sind, was sie sehr authentisch wirken lässt. Der flüssige Erzählstil mit unterhaltsamen Elementen und etwas Humor lässt die Geschichte schnell weglesen und ich habe das Buch genossnen. Was die sozialen Medien bewirken können, zeigt sich auch in diesem Krimi, schlechte Publicity ist besonders in der Sternegastronomie ein Damoklesschwert, das über Bestehen oder Untergang entscheidet.

Uns werden hier kulinarische Genüsse im hochpreisigen Segment vorgestellt, wobei ich die dänische Insel in der Ostsee eher wegen ihrer landschaftlichen Schönheit im Sinn hatte als für Sterneküche. Die herrliche Natur Bornholms und ihr spezielles Flair hat mir dieses Mal etwas gefehlt.

Eigentlich ist Lennart ein netter Typ, doch dieses Mal stören mich diverse Launen und unsinnige Eifersucht, daran muss er noch arbeiten, wenn er eine feste Beziehung führen will. Und gegen Tote sind solche Gefühle auch unsinnig.

Ein unterhaltsamer Krimi mit Bornholm-Flair, der uns vor Augen führt, wie schnell erlesene Gerichte mit Gift zu einer tödlichen Falle werden können.

Veröffentlicht am 21.05.2025

Alles andere als ein leichter Sommerroman!

Die Garnett Girls
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Der Roman Die Garnett Girls ist das Debüt von Georgina Moore aus dem Kiepenheuer & Witsch Verlag.

Nachdem der Vater die Familie verlassen hat, leben die Garnetts Girls, das sind Mutter Margo und ihre ...

Der Roman Die Garnett Girls ist das Debüt von Georgina Moore aus dem Kiepenheuer & Witsch Verlag.

Nachdem der Vater die Familie verlassen hat, leben die Garnetts Girls, das sind Mutter Margo und ihre drei Töchter Rachel, Imogen und Sasha in Sandcove auf der Isle of Wight. Inzwischen sind die Töchter erwachsen und führen recht unterschiedliche Leben mit ihren Partnern, doch ihr Zusammenhaltsgefühl zieht sie immer wieder zurück zur Familie.

Zu Beginn ging es darum, die unterschiedlichen Charaktere kennenzulernen und einordnen zu können. Erzählt wird wechselweise zwischen Margo und den drei Schwestern, dadurch kommt man ihren Gefühlen, Problemen und Gedanken näher.

Mutter Margo ist eine dominante Frau, die Partys und junge Männer liebt, Probleme mit dem Älterwerden hat und zwar ihre Töchter gern um sich hat, sich aber auch in ihr Leben einmischt. Nachdem ihre große Liebe, ihr alkoholkranker Mann Richard sie verlassen hat, hat sie wechselnde Männerbekanntschaften, aber keine feste Bindung.

Unter der Trennung der Eltern leiden die Töchter leiden bis heute, doch es durfte nie darüber gesprochen werden, Margo hat den Mädchen verboten, über Richard zu sprechen, was traumatische Folgen gehabt hat. Außerdem durften sie seitdem ihren Vater nicht mehr wiedersehen.

Die älteste Tocher Rachel ist der Zusammenhalt der Frauen, sie hat sich um ihre Schwestern, aber auch um ihre Mutter gekümmert, als diese wegen der Trennung zu nichts fähig war. Imogen schreibt Theaterstücke, sie ist verlobt mit einem guten Mann, kann sich aber nicht entscheiden ihn zu heiraten. Die Jüngste ist Sasha, eine Rebellin, die in ihrer Ehe um ihre Freiheit ringt. Alle drei Frauen haben wie ihre Mutter Probleme mit Bindungen und sind auf ihre Weise unglücklich.

Die Frauen wurden mir bis auf Rachel nicht sympathisch, obwohl ich mit ihnen gelitten habe. Dafür habe ich Margos Schwester Alice als sehr umsichtig und verständnisvoll empfunden, sie war für mich der stärkste Charakter im ganzen Buch.

Sehr schön ist die beschriebene Kulisse der Isle of Wight, doch vor den ganzem Drama konnte sie mich leider nicht erreichen.

Von diesem Buch hatte ich mir eine abwechslungsreiche Familiengeschichte mit urlaubsmäßigen Sommergefühlen erhofft, geworden ist es leider ein problematisches Familiengefüge mit ernsten Themen. Dazu gehören eine zerbrochene Liebe, der Verlust einer Vaterfigur, mangelnde Kommunikation und Familiengeheimnisse, die die Frauen auf unterschiedliche Weise geprägt haben. Was mich sehr gewunder hat, ist der Umgang mit Alkohol. Als schlechtes Beispiel und Grund des Scheiterns ihrer Ehe, nennt Margo häufig Richards Alkoholsucht. Dabei fließt auch bei den Garnett Girls regelmäßig der Alkohol in Strömen und anscheinend wird das als völlig normal angesehen. Wer ein Alkoholproblem hat, sollte diesen Roman unbedingt meiden!!!

Die Einblicke in die verschiedenen Charaktere lassen ständig neue Probleme aufkommen, die zwar tiefgründig sind, aber eher oberflächlich erwähnt werden. Von Aufarbeitung oder Auseinandersetzung mit den ernsthaften Problemen ist keine Spur. Den wahren Trennungsgrund zwischen Margo und Richard erfährt man erst spät, zu dem Zeitpunkt fand ich es nicht mehr entscheidend, weil Richard inzwischen andere Probleme hat, die für die Töchter viel bedeutungsvoller sind.

In der Ankündigung wurde mir ein süchtigmachendes Familiendrama versprochen, bekommen habe ich leider nur ein Suchtdrama innerhalb einer problembelasteten Familie!

Ein Debüt, das es auf die Sunday-Times-Bestsellerliste geschafft hat, das allein hätte mich schon stutzig machen sollen. Denn bisher konnte mich von dieser Liste kein Buch begeistern. Und leider ist es auch mit diesem Buch so gekommen. Es ist wie eine Soap-Serie, problembeladen, trotzdem irgendwie trivial und wenig sympathische Figuren

Der Roman konnte mich leider nicht überzeugen, das lag hauptsächlich an der an eine Soap erinnernde Handlung und die meisten Figuren kamen mir einfach nicht nahe. Unter perfektem Sommerroman verstehe ich etwas anderes!

Kein leichter Sommerroman, sondern die Beschreibung einer dysfunktionalen Familie! Konnte mich nicht abholen, zuviel Lärm, Drama und Alkohol!

Veröffentlicht am 19.05.2025

Ein bewegendes und hervorragend erzähltes Debüt!

Der Junge aus dem Meer
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Im Rowohlt Verlag erscheint der Debütroman Der Junge aus dem Meer von Garrett Carr.

An der irische Westküste wird 1973 ein Baby in einem Fass am Strand gefunden, der Junge wird zunächst in der Dorfgemeinschaft ...

Im Rowohlt Verlag erscheint der Debütroman Der Junge aus dem Meer von Garrett Carr.

An der irische Westküste wird 1973 ein Baby in einem Fass am Strand gefunden, der Junge wird zunächst in der Dorfgemeinschaft aufgenommen und schließlich vom Fischer Ambrose und seiner Frau Christine adoptiert, sie nennen ihn Brendan. Da die Herkunft des Jungen ein Rätsel umgibt, wird Brendan wird von der Dorfgemeinschaft als etwas Besonderes angesehen und er hat eine Art an sich, mit der er die Menschen für sich einnimmt. Dabei ist Brendan ein normaler Junge, der von seinen Eltern liebevoll angenommen wird, aber sich gegen seinen neuen Bruder Declan behaupten muss.

"Tatsächlich war es so, dass viele von uns etwas Tiefgehendes spürten, wenn Brendan uns segnete, unter seiner Berühung wurde uns unsere eigene Bedeutungslosikeit bewusst, wir waren Fässer, die im Meer trieben, doch zugleich hatten wir das Gefühl, dass hier eine wohlwollende Kraft am Werk sein könnte, eine hilfreiche Strömung, und das war tröstlich." Zitat Seite 189


In seinem Debütroman erzählt der irische Autor Garrett Carr eine einnehmende und authentische irische Familiengeschichte, die uns das harte Leben in dem kleinen Fischerort vor Augen führt. Die Menschen leben vom Fischfang, bearbeiten den Fang in den Fabriken und sind abhängig von ihren Schiffen, den Wetterbedingungen und den Fangquoten. Ihr Alltag ist geprägt von schwerer Arbeit und Entbehrung und als das Baby in dem Fass gefunden wird, sorgt das für große Aufregung im Dorf. Die Adoption des Babys wird schnell ermöglicht und es beginnt ein neuer Abschnitt im Leben der Familie Bonnar.

Erzählt wird in der "Wir"-Perspektive und meint damit die gesamte Dorfgemeinschaft, das versinnbildlicht den starken Zusammenhalt der Menschen. Garrett Carr schreibt sehr warmherzig und in einem wunderbaren Stil, den ich sehr genossen habe. Er verknüpft mit der Geschichte des Jungen den Zusammenhalt einer Familie und eines ganzen Dorfes und lässt uns den Wandel der Zeit über zwanzig Jahre miterleben.

Brendan hat eine einfühlsame Art und entwickelt sich zu einer Persönlichkeit mit großer Empathie, zu einer Art Heilsbringer, seine menschliche und mitfühlende Art schätzen die Menschen, aber sein Bruder kann sich nicht mit ihm anfreunden, beide Söhne konkurrieren um die Liebe ihres Vaters und den Einfluss, den Brendan auf manche Menschen ausübt, neidet ihm sein Bruder.
Christines Schwester Phyllis pflegt den Vater und fordert mit ihrem Auftreten, dass auch Christine ihren Teil dazu beitragen soll. Doch die hat mit ihrer Familie genug zu tun.

In dieser Geschichte erleben wir das Leben der einfachen Fischer in Irland und bekommen eine Kostprobe einer riskanten Fangfahrt geboten, bei der Ambroses Schiff in der wilden irischen See manövrierunfähig der Gewalt des Meeres ausgesetzt ist. Das Leben der Fischer wird bei jedem Arbeitstag aufs Spiel gesetzt.

Gleichzeitig werden die zeitlichen Veränderungen sichtbar, denn die Fangquotenregelung der EWG setzt den Fischern mächtig zu. Sie benötigen größere Schiffe, um die Fanggründe weiter draußen im Meer erreichen zu können.

Dieser großartige, stimmungsvolle und bewegende Debütroman dreht sich um Familie, Irland, das Meer und das Leben und hat mich mit seiner einzigartigen Erzählweise und den Figuren wunderbar unterhalten.