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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.04.2025

Eine schöne Liebeserzählung für zwischendurch

Honigkuchen
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„Honigkuchen“ ist eine Erzählung von Haruki Murakami. Sie wird von einem allwissenden Erzähler erzählt und dreht sich um die drei Freunde Junpei, Sayoko und Takatsuki, die sich während des Studiums kennengelernt ...

„Honigkuchen“ ist eine Erzählung von Haruki Murakami. Sie wird von einem allwissenden Erzähler erzählt und dreht sich um die drei Freunde Junpei, Sayoko und Takatsuki, die sich während des Studiums kennengelernt haben. Da die Erzählung vergleichsweise kurz ist, möchte ich inhaltlich nicht zu viel vorwegnehmen. Nur: Es handelt sich im Kern um eine Liebesgeschichte. Insbesondere Junpei, ein mäßig erfolgreicher Schriftsteller, ist mit seinen Sorgen, Hoffnungen und Ängsten eine dreidimensional gezeichnete Figur. Die Erzählung insgesamt besticht durch ihren feinen, klaren und ruhigen Ton. Sehr gelungen sind auch die Illustrationen von Kat Menschik, die den Text ergänzen: Diese sind in einem Pop Art-Stil gehalten und zum Einrahmen schön. Insgesamt ist „Honigkuchen“ eine einfühlsame Liebeserzählung für zwischendurch.

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Veröffentlicht am 01.04.2025

Ein historischer Krimi mit Fokus auf dem Historischen

Die Nordseefalle
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Inhalt: Theodor Storm hat einen neuen Mandanten: den Tagelöhner Hinrich Dahl. Dieser wird beschuldigt, nach einer durchzechten Nacht einen Fremden erstochen zu haben. Brisant: Der Fremde war Däne, wodurch ...

Inhalt: Theodor Storm hat einen neuen Mandanten: den Tagelöhner Hinrich Dahl. Dieser wird beschuldigt, nach einer durchzechten Nacht einen Fremden erstochen zu haben. Brisant: Der Fremde war Däne, wodurch die Husumer Justiz nur bedingt agieren kann. Storm, der von der Unschuld seines Mandanten überzeugt ist, reist daher kurzerhand auf die Insel Föhr, wo gerade der dänische Hofstaat residiert…

Persönliche Meinung: „Die Nordseefalle“ ist ein historischer Krimi, der in Husum und Umgebung spielt. Es handelt sich um den vierten Storm-Krimi (da die Fälle in sich geschlossen sind, lassen sich die einzelnen Teile auch unabhängig voneinander lesen). Erzählt wird die Handlung aus der Ich-Perspektive von Peter Söt, dem Schreiber von Theodor Storm. Storm und Söt bilden hier ein Ermittlergespann à la Holmes und Watson. Eine große Stärke des Romans ist seine historische Akkuratesse: Der historische Hintergrund sowie die Lebenslagen der Protagonisten sind stimmig und basieren – wie das Nachwort aufzeigt – auf detailreicher Recherche; die beiden Handlungsorte Husum und Föhr werden ebenfalls schön in das historische Setting eingebunden und insgesamt atmosphärisch dicht beschrieben. Der Schreibstil ist ingesamt klar und besitzt eine passende, leicht altertümliche Patina. Allerdings: Vor diesem wirklich brillanten Historischen blieb für mich die Krimihandlung zu blass. Storm und Söt ermitteln kaum, stolpern eher über Leichen und die prinzipiell spannende Lösung des Falls konnte ihr eigentliches Potential für mich nicht völlig entfalten. Insgesamt ist „Die Nordseefalle“ daher eher eine Lektüre für Liebhabende des Historischen als des Kriminellen – die Reihe insgesamt möchte ich dennoch jedem ans Herz legen, da sie durch den Ermittlern Theodor Storm wirklich einmalig ist!

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Veröffentlicht am 30.03.2025

Stärker als der Vorgänger

Die Tochter des Serienkillers
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Inhalt: Jenny lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in einem kleinen Dorf in Devon. Was keiner weiß: Jenny ist nicht ihr richtiger Name. Diesen legte sie ab, um ihrer manipulativen Mutter und ihrem ...

Inhalt: Jenny lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in einem kleinen Dorf in Devon. Was keiner weiß: Jenny ist nicht ihr richtiger Name. Diesen legte sie ab, um ihrer manipulativen Mutter und ihrem Vater, der als Serienmörder überführt worden ist, zu entkommen. Doch: Die Vergangenheit hängt Jenny immer noch nach. Mehrfach hat sie Blackouts, bei denen sie das Haus verlässt. Als plötzlich die ehemalige Geliebte ihres Mannes entführt wird, gerät Jenny in Panik: Ist sie Täterin wider Willen? Hat sich das sog. Serienmörder-Gen ihres Vaters weitervererbt?

Persönliche Meinung: „Die Tochter des Serienkillers“ ist ein psychologischer Thriller von Alice Hunter. Der Band gehört zur „Familie des Serienkillers“-Reihe, allerdings lassen sich die bisher erschienen Bände unabhängig voneinander lesen; beide behandeln eine eigene Geschichte. Erzählt wird der Thriller hauptsächlich aus den Ich-Perspektiven von Jenny und Mark (Jennys Ehemann); zwischendurch finden sich außerdem Gespräche zwischen einer namenlosen Person und Jennys Vater. Insbesondere die Perspektiven von Jenny und Mark besitzen eine psychologische Tiefenschärfe: Beide nähern sich permanent dem Gedanken an, dass Jenny die Entführerin sein könnte, wobei sie gleichzeitig ihre Beziehung hinterfragen. Zu Beginn der Lektüre erinnert der Thriller sehr stark an den Vorgänger „Die Frau des Serienkillers“, in dem die Täterfigur bereits in den ersten 50 Seiten identifiziert worden ist (wodurch die Handlung recht unspektakulär dahinplätscherte). Daher hatte ich die Sorge, „Die Tochter des Serienkillers“ würde einem ähnlichen Muster folgen. Dies war allerdings unbegründet: Ohne zu viel verraten zu wollen, ist der Fall, der in „Die Tochter des Serienkillers“ behandelt wird, vertrackter, wendungsreicher und insgesamt komplexer als in dem Vorgänger – weshalb mir auch der vorliegende Thriller um Einiges besser gefallen hat. Der Schreibstil von Alice Hunter ist anschaulich und lässt sich sehr flüssig lesen. Insgesamt ist „Die Tochter des Serienkillers“ ein spannender, psychologischer Thriller.

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Veröffentlicht am 25.03.2025

Eine wichtige historische Quelle und Mahnung für heutige Lesende

Deutsche Hörer!
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„Deutsche Hörer!“ versammelt 59 Reden, die Thomas Mann in Kooperation mit dem BBC aus dem amerikanischen Exil in das nationalsozialistische Deutschland sendete. Mann tritt hier als Mittler der (westlichen) ...

„Deutsche Hörer!“ versammelt 59 Reden, die Thomas Mann in Kooperation mit dem BBC aus dem amerikanischen Exil in das nationalsozialistische Deutschland sendete. Mann tritt hier als Mittler der (westlichen) Alliierten auf und versucht zu den Deutschen vorzudringen. Dabei warnt er die Deutschen vor Hitler, mahnt sie und redet ihnen in das Gewissen – unter anderem, indem er die Irrationalität der NS-Ideologie entlarvt und die nationalsozialistische Propaganda entkräftet. Aus historischer Perspektive fand ich insbesondere zwei Ansprachen relevant, die ich hier kurz näher vorstellen möchte. Bereits in der Ansprache vom Januar 1942 berichtet Mann, er habe erfahren, dass Menschen jüdischen Glaubens systematisch getötet worden seien, was er als Zeichen des Verstoßes der Menschenrechte wertet. Mann spricht hier – vorbegrifflich, aber hellsichtig – den Holocaust an, informiert die Deutschen darüber – was besonders vor dem Hintergrund bemerkenswert ist, dass viele Deutsche nach dem Krieg nichts von der Judenverfolgung gewusst haben wollten. Nachhallend ist bei mir auch die Radioansprache vom April 1942. Mann vergleicht hier die Bombardierungen deutscher Städte durch die Alliierten mit der deutschen Bombardierung Coventrys. Auch die (vom Hörensagen) bekannte Zerstörung des Buddenbrook-Hauses spricht er an. Obwohl hier seine Heimatstadt getroffen worden ist, vertritt Mann eine klare Linie, was ich bemerkenswert fand: Es schmerze ihn zwar, dass es seine Heimatstadt getroffen habe, allerdings müsse man dies als Reaktion auf Coventry hinnehmen. Der Ton, den Mann in seinen Radioansprachen anschlägt, ist mahnend und unerbittlich; teilweise – gerade wenn es um die Bestialität des Nationalsozialismus geht – zynisch. Mehrmals versucht Mann aber auch Hoffnung bei den Deutschen zu säen: Das Leben nach dem Krieg wird definitiv besser als das Leben unter Hitler werden. Eingebettet werden Manns Ansprachen durch ein Vor- und ein Nachwort der Schriftstellerin Mely Kiyak, in denen sie in das Leben Manns sowie die Entstehungs-/Rezeptionsgeschichte der Radioansprachen einführt. Insgesamt ist „Deutsche Hörer!“ eine spannende Quellensammlung, die erlaubt, den Ansichten eines deutschen Intellektuellen zu Nationalsozialismus und Krieg nachzuspüren. Gleichzeitig führen die Texte aber auch vor Augen, wozu Krieg und Hass führen können, wodurch sie gleichzeitig als Mahnung für heutige Lesende gelten können.

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Veröffentlicht am 25.03.2025

Eine informative Anthologie

Weihnachten bei der Familie Goethe
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„Weihnachten bei der Familie Goethe“ ist eine Sachtext-Anthologie, herausgegeben von Gerd J. Grein, die sich schwerpunktartig mit den weihnachtlichen Feierlichkeiten zu Goethes Kinder- und Jugendzeit in ...

„Weihnachten bei der Familie Goethe“ ist eine Sachtext-Anthologie, herausgegeben von Gerd J. Grein, die sich schwerpunktartig mit den weihnachtlichen Feierlichkeiten zu Goethes Kinder- und Jugendzeit in Frankfurt beschäftigt. Die Anthologie besteht hauptsächlich aus kurzen Sachtexten, die das Weihnachtsfest im Hause Goethe näher beleuchten. So finden sich Texte, die die Koch- und Esskultur im Großen Hirschgraben oder das Weihnachtsfest im 18. Jahrhundert vorstellen. Auch der Geschenkaustausch zwischen Goethes Mutter in Frankfurt und Goethes Familie in Weimar oder die bürgerliche Krippentradition werden näher beschrieben. Aufgelockert werden diese Texte durch Quellen (z. B. Briefe von Christiane Vulpius) oder Auszügen aus dem Werk von Goethe (z. B. der Christabend in „Wilhelm Meisters Lehrjahre“). Daneben sind weihnachtliche Rezepte abgedruckt, die so (oder so ähnlich) im Hause Goethe zubereitet worden sind (z. B. Pasteten, Zimtsterne oder Karthäuser-Klöße). Insgesamt ist „Weihnachten bei der Familie Goethe“ eine schöne Anthologie, die sowohl Goethes Weihnachtsfest als auch die Weihnachtsfeierlichkeiten des Bürgertums Ende des 18. Jahrhunderts/Beginn des 19. Jahrhunderts näher vorstellt.

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