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Veröffentlicht am 08.05.2025

Ein schöner Fantasyroman

Der Palast im Himmel
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Inhalt: Der junge Abdullah führt ein ruhiges Leben als Teppichhändler im Sultanat Rashput – bis ein Fremder erscheint, der ihm einen fliegenden Teppich verkauft. Dieser führt Abdullah nächtens in einen ...

Inhalt: Der junge Abdullah führt ein ruhiges Leben als Teppichhändler im Sultanat Rashput – bis ein Fremder erscheint, der ihm einen fliegenden Teppich verkauft. Dieser führt Abdullah nächtens in einen prachtvollen Garten, in dem er der Prinzessin Blume-in-der-Nacht begegnet. Beide verlieben sich augenblicklich ineinander, doch gerade, als sie Pläne für ihre Zukunft schmieden, erscheint ein Djinn, der die Prinzessin entführt…

Persönliche Meinung: „Der Palast im Himmel“ ist ein Fantasyroman von Diana Wynne Jones. Er spielt in der Welt von „Das wandelnde Schloss“, weshalb es sinnvoll ist, zuerst den ersten Teil der Reihe zu lesen. Erzählt wird die Handlung von einem allwissenden Erzähler, der meist in die Perspektive von Abdullah schlüpft. Gerade der Beginn der Handlung ist von den „Geschichten aus tausendundeiner Nacht“ inspiriert: Abdullah muss, ausgestattet mit einem magischen Teppich sowie einem Flaschengeist, einige Abenteuer bestehen, um Blume-in-der-Nacht wiederzusehen (wie bspw. einen Banditenüberfall); märchenhafte Elemente besitzen besonders Blume-in-der-Nacht und ihr Garten. Je weiter die Handlung voranschreitet, desto deutlicher wird aber, dass „Der Palast im Himmel“ in der gleichen Welt wie „Das wandelnde Schloss“ spielt. So sucht Abdullah Handlungsorte aus dem Vorgängerroman auf und trifft auf bereits bekannte Figuren (wie z. B. Sophie oder Howl). Dabei ist die Einbindung der „Das wandelnde Schloss“-Figuren schön durchdacht und mit der ein oder anderen überraschenden Wendung verbunden (hierzu würde ich gerne viel mehr schreiben, weil ich das wirklich klasse fand, aber dadurch würde ich zu viel spoilern). Der Erzählstil ist anschaulich und detailliert, sodass beim Lesen unweigerlich ein Kopfkino entsteht. Auch ist „Der Palast im Himmel“ eine humorvolle Erzählung: Einerseits wird häufig ein ironischer Ton angeschlagen. Um nur ein Beispiel zu nennen: Abdullah spricht mit ausgesuchter Höflichkeit, was bisweilen zu humorvollen Anreden führt. Andererseits bricht der Roman im großen Finale mit dem zu Beginn der Handlung anzitierten „damsel in distress“-Trope, was zu einigen lustigen Szenen führt. Insgesamt ist „Der Palast im Himmel“ ein flüssig zu lesender Fantasyroman mit einigen schönen Wendungen.

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Veröffentlicht am 08.05.2025

Ein interessant erzählter Roman über eine besondere Freundschaft

Wohnverwandtschaften
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Inhalt: Nach der Trennung von ihrem Lebensgefährten ist Constanze auf der Suche nach einer neuen Wohnung – und wird in der Wohngemeinschaft von Jörg, Anke und Murat fündig. Hier treffen vier Charaktere ...

Inhalt: Nach der Trennung von ihrem Lebensgefährten ist Constanze auf der Suche nach einer neuen Wohnung – und wird in der Wohngemeinschaft von Jörg, Anke und Murat fündig. Hier treffen vier Charaktere mit Lebensentwürfen, die nicht unterschiedlicher sein könnten, aufeinander. Doch als sich einer der vier verändert, müssen die anderen drei überlegen, wie sie in Zukunft weiterleben möchten…

Persönliche Meinung: „Wohnverwandtschaften“ ist ein Roman über Freundschaft von Isabel Bogdan. Dabei ist die Wohngemeinschaft, über die der Roman handelt, bunt zusammengemischt: Der verwitwete Jörg, dem die Wohnung gehört, plant eine große Reise; die Schauspielerin Anke sorgt sich um ihre Zukunft, denn aufgrund ihres Alters wird sie immer weniger für Engagements gebucht; die Zahnärztin Constanze ordnet ihr Leben nach der Trennung von ihrem Lebensgefährten neu und Murat möchte einfach das Leben genießen. Erzählt wird die Handlung einerseits aus den Ich-Perspektiven der einzelnen Figuren. Dabei nutzt Isabel Bogdan einen Kniff: Mehrere Szenen (z. B. eine Feier) werden aus allen vier Perspektiven erzählt, sodass sich für die Lesenden mosaikartig ein Gesamtbild der jeweiligen Szenen zusammensetzt, das Bewertungen, Gefühle und Sichtweisen aller Protagonisten enthält. Stark beschrieben fand ich insbesondere die Perspektive von Jörg: Dieser leidet zunehmend an Demenz, sucht Wörter und begibt sich dabei auf kognitive Abwege, was eindrücklich und berührend dargestellt wird. Daneben wird auch stellenweise ein neutrales Erzählverhalten benutzt: Wie in einem Drama werden lediglich die Äußerungen der Figuren aufgeschrieben, was ich sehr interessant fand, da man dieses Erzählverhalten wenig liest. Trotz allem konnte mich die Handlung nicht komplett überzeugen: Zwar verändert sich aufgrund unterschiedlicher (z. T. dramatischer) Ereignisse die Gruppenchemie über die Handlung hinweg, allerdings konnte mich dies kaum mitreißen, was möglicherweise daran lag, dass mir die Identifikation mit den Protagonisten schwer fiel. Insgesamt ist „Wohnverwandtschaften“ ein interessant erzählter Roman über eine besondere Freundschaftsgruppe, der eine geeignete Lektüre für zwischendurch ist.

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Veröffentlicht am 30.04.2025

Ein Zamonien-Roman mit gewohnt kreativen Ideen, allerdings auch mit Längen

Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr
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Inhalt: Prinzessin Dylia, die selbsternannte „Prinzessin Insomnia“, leidet unter Schlaflosigkeit. Kein Mittel kann ihr helfen, die Mediziner sind mit ihrem Latein am Ende. Eines Nachts steht der alptraumfarbene ...

Inhalt: Prinzessin Dylia, die selbsternannte „Prinzessin Insomnia“, leidet unter Schlaflosigkeit. Kein Mittel kann ihr helfen, die Mediziner sind mit ihrem Latein am Ende. Eines Nachts steht der alptraumfarbene Nachtmahr Havarius Opal in ihrem Zimmer. Dieser hat die Mission, Dylia in den Wahnsinn zu treiben – allerdings nimmt er sie zuvor noch mit auf eine Reise. Zielort: Das Gehirn Dylias, wo sie ihrem Denken und ihren Träumen nachspüren kann.

Persönliche Meinung: „Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr“ ist ein phantastischer Roman von Walter Moers. Es handelt sich um den 7. Band des Zamonien-Zyklus; da die Handlung aber in sich abgeschlossen ist und der Roman auch sonst wenig Querverweise zu den anderen Bänden zieht, kann er auch ohne Kenntnis anderer Teile des Zyklus gelesen werden. Die Struktur der Handlung folgt einem Abenteuerroman: Dylia und Havarius reisen in Dylias Gehirn und bestehen dort verschiedene Missionen. Hier finden sich zwar einige wirklich schöne, fantasievolle sowie kreative Ideen (z. B. die Pfauenwörter, die Dylia finden muss; die Ideenschmetterlinge, der Friedhof des bunten Humors oder der Thalamus, der durch die Egozetten stark bürokratisiert ist), allerdings wirken die einzelnen Episoden austauschbar: Dylia und Havarius stolpern eher von einer Episode zur nächsten, ohne dass ein roter Faden ersichtlich ist. Zudem werden einzelne Episoden sehr ausführlich beschrieben (Havarius erklärt Dylia (und den Lesenden) sehr viel), wodurch der Roman für mich mehrere Längen hatte. Die Sprache des Romans ist wiederum, wie man es von Moers gewohnt ist: farbenprächtig, detailliert und mit Wortwitz. Apropos „Farbe“: Wie andere Zamonien-Romane ist auch „Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr“ reich illustriert. Diesmal aber nicht schwarz-weiß, sondern in schön bunten, zur Handlung stimmigen Aquarellen, die von Lydia Rode stammen. Insgesamt ist „Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr“ nicht der stärkste Zamonien-Roman. Dafür fehlte mir der rote Faden und die gewisse Spannung (kleinere Wendungen am Ende konnten die Längen im Mittelteil für mich nicht wettmachen). Dennoch: Er ist schön fabulierend geschrieben, passend illustriert und strotzt vor kreativen Ideen, sodass er (gerade für hartgesottene Moers-Fans) trotzdem eine Pflichtlektüre ist.

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Veröffentlicht am 30.04.2025

Ein hochspannender Thriller

Die Therapie
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Inhalt: Vor vier Jahren verschwand die Josephine, die Tochter des Psychiaters Viktor Larenz, unter mysteriösen Umständen spurlos: Viktor sah sie in das Sprechstundenzimmer eines Arztes gehen, doch dieser ...

Inhalt: Vor vier Jahren verschwand die Josephine, die Tochter des Psychiaters Viktor Larenz, unter mysteriösen Umständen spurlos: Viktor sah sie in das Sprechstundenzimmer eines Arztes gehen, doch dieser behauptet, nie mit Josephine gesprochen zu haben. Nun, vier Jahre später, zieht sich der trauernde Viktor auf eine abgelegene Nordseeinsel zurück, um den Verlust der Tochter zu verarbeiten. Doch plötzlich klopft Anna, eine junge Frau, an seine Türe und möchte Therapietermine bei ihm nehmen. Sie ist Kinderbuchautorin und behauptet, Figuren, über sie sie schreibt, würden lebendig werden. Als wäre dies nicht schon irritierend genug, erzählt sie zudem die Geschichte eines kleinen Mädchens, deren Verschwinden Josephines verdächtig gleicht…

Persönliche Meinung: „Die Therapie“ ist ein Thriller von Sebastian Fitzek. Erzählt wird er von einem auktorialen Erzähler, der meist in die Perspektive von Viktor schlüpft. Die Handlung ist ungemein fesselnd. Dies hängt einerseits mit den Figuren zusammen. Sowohl Viktor als auch Anna sind undurchsichtig, scheinen irgendetwas zu verbergen. Andererseits sorgt der Handlungsort Parkum für Spannungsmomente: Dinge verschwinden von der Insel, in Viktors Ferienhaus erscheinen ungebetene Gäste und die Inselbewohner können sich nicht mehr an Dinge erinnern, die sie zuvor noch zu Viktor gesagt haben. Bisweilen hat man hier daher das Gefühl, Mystery bzw. Horror zu lesen, was mir sehr gefallen hat. Jedes Kapitel endet zudem mit einem Cliffhanger, sodass man unbedingt weiterlesen möchte. Auch die Auflösung der Handlung hat mir sehr gut gefallen, da hier schöne Twists eingebaut werden, mit denen man kaum rechnen konnte. Insgesamt ist „Die Therapie“ ein fesselnder, wendungsreicher Thriller mit einer permanent hohen Spannungskurve.

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Veröffentlicht am 30.04.2025

Interessante Ausgangslage, spannendes Finale, gleichzeitig aber auch einige Längen

Amokspiel
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Inhalt: Gerade als die Kriminalpsychologin Ira Samin ihrem Leben ein Ende setzen möchte, wird sie zu einem Notfall gerufen: Ein Mann hat sich in der Zentrale eines Radiosenders verschanzt und droht seine ...

Inhalt: Gerade als die Kriminalpsychologin Ira Samin ihrem Leben ein Ende setzen möchte, wird sie zu einem Notfall gerufen: Ein Mann hat sich in der Zentrale eines Radiosenders verschanzt und droht seine Geiseln nach und nach zu töten, sollten zufällig angerufene Zuhörer nicht die richtige Parole nennen. Die Geiseln will er nur unter einer Bedingung freilassen: Seine Verlobte soll im Studio erscheinen – allerdings ist diese schon seit Monaten tot…

Persönliche Meinung: „Amokspiel“ ist ein Thriller von Sebastian Fitzek. Erzählt wird die Handlung aus verschiedenen personalen Perspektiven, wobei Ira die Hauptperspektive bildet. Dadurch erhält man immer wieder unterschiedliche Blickwinkel auf die Situation, sodass durch das neue Wissen eine latente Spannung entsteht. Ira ist eine Anti-Heldin: Seit dem Suizid ihrer Tochter, für den sie sich die Schuld gibt, ist sie alkoholabhängig; eigentlich möchte sie gar nicht im Geiseldrama vermitteln, da sie selbst mit ihrem Leben abgeschlossen hat. Die Handlung dreht sich hauptsächlich um die Geiselnahme, wobei schnell deutlich wird, dass vieles nicht so ist, wie es zunächst den Anschein hat. Vor allen Dingen die Geschichte der Verlobten hält einige Geheimnisse bereit, was nach und nach enthüllt wird. Allerdings: Stellenweise hatte die Handlung für mich einzelne Längen. Insbesondere die immer wieder geführten Gespräche zwischen dem Geiselnehmer und Ira, in denen sich beide häufig im Kreis drehen, empfand ich als zäh. Ein Stück weit versöhnt mit der Handlung von „Amokspiel“ wurde ich aber durch das Ende des Romans: Hier werden in einem großen Finale die offenen Fäden mit einigen überraschenden Wendungen zu einem stimmigen Ende geführt. Zudem lässt sich „Amokspiel“ sehr flüssig lesen. Insgesamt ist „Amokspiel“ ein Thriller mit interessanter Ausgangslage, gleichzeitig aber auch mit Längen – aufgrund der Auflösung unterm Strich aber eine lohnenswerte Lektüre.

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