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Veröffentlicht am 13.02.2025

Ein zeitloser Jugendbuchklassiker

Krabat
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Inhalt: Krabat zieht gerade mit zwei anderen Waisenjungen als Heilige Drei Könige durch die Lande, als er mehrfach einen seltsamen Traum hat: Eine Stimme befiehlt ihm, die Mühle in Schwarzkollm aufzusuchen. ...

Inhalt: Krabat zieht gerade mit zwei anderen Waisenjungen als Heilige Drei Könige durch die Lande, als er mehrfach einen seltsamen Traum hat: Eine Stimme befiehlt ihm, die Mühle in Schwarzkollm aufzusuchen. Kurzerhand verlässt er die beiden anderen „Könige“ und begibt sich auf die Suche nach der Mühle. Dort angekommen, wird schnell klar: Nicht nur das Mül-lern wird er hier lernen…

Persönliche Meinung: „Krabat“ ist ein Jugendbuchklassiker von Otfried Preußler, der einer-seits Elemente der Phantastik und andererseits Coming of Age-Elemente besitzt. Die Phantas-tik findet sich insbesondere im Handlungsort der Mühle, denn diese ist – so viel sei verraten – eine Schwarze Schule, in der Magie gelehrt wird (Krabat kann insofern als früher Harry Potter gesehen werden). Innerhalb dieser magischen Zone passiert allerlei Mysteriöses, was für Kra-bat, aus dessen (personaler) Perspektive erzählt wird, nicht von Beginn an zu durchschauen ist. Diese Rätselhaftigkeiten sorgen für eine latente Spannung innerhalb der Handlung. Daneben ist „Krabat“ auch ein Coming of Age-Roman: Die Handlung erstreckt sich über drei Jahre, in denen Krabat erwachsener wird. So lernt er neue Freunde kennen, verliebt sich und lernt, Ver-antwortung zu übernehmen. Der Ton von „Krabat“ ist über weite Strecken eher düster, aller-dings finden sich immer wieder schwankhafte Zwischengeschichten, die den Roman auflo-ckern. Die Handlung von „Krabat“ ist perfekt konstruiert: Gestreute Brotkrumen werden in späteren Kapiteln geschickt aufgegriffen. Zudem finden sich am Ende einzelne unerwartete Wendungen (erwachsene Leserinnen werden diese vermutlich erahnen können, für Lesean-fängerinnen können sie aber durchaus überraschend sein). Die Sprache in „Krabat“ ist aus-drucksstark und fesselnd, erzeugt dadurch unweigerlich Spannung, sodass man „Krabat“ kaum beiseitelegen kann. Insgesamt ist „Krabat“ ein zeitloser Jugendliteraturklassiker, der auch beim erneuten Lesen seine Spannung voll entfalten kann.

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Veröffentlicht am 13.02.2025

Ein spannender Thriller, der gesellschaftlich wichtige Themen behandelt

Die Ärztin - Gefährliche Nachtschicht
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Trigger-Warnung: Vergewaltigung/Missbrauch

Inhalt: Als Dr. Eva Mares, Gynäkologin im Krankenhaus, eine brutal vergewaltigte junge Frau behandelt, überkommt sie ein Déjà-Vu: Einige Wochen zuvor versorgte ...

Trigger-Warnung: Vergewaltigung/Missbrauch

Inhalt: Als Dr. Eva Mares, Gynäkologin im Krankenhaus, eine brutal vergewaltigte junge Frau behandelt, überkommt sie ein Déjà-Vu: Einige Wochen zuvor versorgte sie eine ähnlich miss-handelte Frau. Diese verschwieg Eva allerdings ihren richtigen Namen, bestand auf eine ano-nymisierte Behandlung und verschwand kurze Zeit später aus dem Krankenhaus. Nun macht sich Eva Vorwürfe: Handelt es sich um den gleichen Täter? Hätte die Tat vermieden werden können, wenn Eva im ersten Fall stärker auf Antworten insistiert hätte? Was Eva zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnt: Sie selbst ist im Visier des Täters…

Persönliche Meinung: „Die Ärztin – Gefährliche Nachtschicht“ ist ein Thriller von Meike Dannenberg, der zwei gesellschaftlich wichtige Themen behandelt: sexuelle Gewalt gegen Frauen sowie die ärztliche Schweigepflicht (und ihre Grenzen). Erzählt wird die Handlung aus mehreren personalen Perspektiven: So finden sich neben der Perspektive von Eva Mares dieje-nige von Frauke Herrschmann (die ermittelnde Kommissarin), die Täterperspektive und die Opferperspektive. Die Handlung nimmt zu Beginn eher langsam an Fahrt auf, steigert sich aber bis zum Ende immer weiter: Während die Perspektive von Frauke eher klassische Kri-mistrukturen besitzt (Ermittlungen und Suche nach dem Täter), finden sich in Evas Perspekti-ve verstärkt Psycho-Thriller-Elemente (insbesondere durch den Täter, der versucht, Eva psy-chisch zu zermürben – wie genau, will ich hier nicht spoilern). Am Ende erwartet die Lesen-den zudem ein überraschender Twist hinsichtlich der Täterfrage. Der flüssig zu lesende Schreibstil von Meike Dannenberg schafft eine dichte, beklemmende Atmosphäre, sodass man den Thriller kaum beiseitelegen möchte. Insgesamt ist „Die Ärztin – Gefährliche Nacht-schicht“ ein spannender Thriller, der wichtige gesellschaftliche Themen aufgreift.

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Veröffentlicht am 11.02.2025

Ein fesselnder Roman mit liebevoll ausgestalteten Figuren

Zwei Leben
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Inhalt: Salach, ein kleines Dorf, 1971. Roberta kehrt von ihrer Schneiderlehre in der Stadt auf den Hof ihrer Eltern zurück. Eigentlich möchte sie Kleider designen, doch ihre Eltern haben andere Pläne: ...

Inhalt: Salach, ein kleines Dorf, 1971. Roberta kehrt von ihrer Schneiderlehre in der Stadt auf den Hof ihrer Eltern zurück. Eigentlich möchte sie Kleider designen, doch ihre Eltern haben andere Pläne: Da Roberta Einzelkind ist, soll sie den Hof übernehmen – was zu Reibereien führt. Einziger Lichtblick: Wilhelm, des Pfarrers Sohn, mit dem Roberta als Kind schon befreundet war, den sie nun aber ganz neu kennenlernt…

Persönliche Meinung: „Zwei Leben“ von Ewald Arenz wird aus zwei personalen Perspektiven erzählt: Auf der einen Seite begegnen wir der bereits im Inhaltsteaser vorgestellten Roberta. Daneben trifft man auf Gertrud, die Mutter von Wilhelm. So unterschiedlich die beiden Figuren sind – lange Strecken des Romans kennen sie sich gar nicht wirklich –, geeint sind sie in ihrer Stärke: Beide sind auf der Suche nach ihrem Selbst, sehen sich mehr und mehr vom dörflichen Mikrokosmos eingeengt, der durch Vorurteile, Rollenbilder und Erwartungen geprägt ist (vor diesem Hintergrund nimmt „Zwei Leben“ Züge eines Gesellschaftsromans/Sittengemäldes an). Die Selbstfindungsprozesse der Protagonistinnen werden innerhalb des Romans verschiedenartig aufgefächert: Während die eine Generation ältere Gertrud sich aufgrund der dörflichen Zwänge teilweise verbietet, ihren Weg zu gehen, ist Roberta offener: Robertas Entwicklung ähnelt einem klassischen Coming of Age: So kapselt sie sich (nicht konfliktfrei) von ihren Eltern ab, findet ihre erste Liebe und ist insgesamt liberaler als die Dorfgemeinschaft. Ein Highlight des Romans war für mich der Großvater von Roberta. Zu viel will ich hier nicht verraten. Nur: Er hat einen großen Anteil an Robertas Entwicklung und ich glaube, es wird niemanden geben, der Robertas Großvater nicht lieben wird. Die Handlung selbst ist eine Achterbahnfahrt der Gefühle: Szenen voller Glück finden sich neben Szenen voller Tragik; wenige der Wendungen des Romans kann man erahnen. Bei all dem erzählt Ewald Arenz dicht und empathisch, sodass sehr lebendige Szenen entstehen. Insgesamt ist „Zwei Leben“ ein sehr flüssig zu lesender Roman mit liebevoll ausgestalteten Protagonisten und einer fesselnden Handlung.

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Veröffentlicht am 02.02.2025

Eine schöne Zusammenschau, die spannende Blickwinkel eröffnet

Caspar David Friedrich trifft Dichter der Romantik
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„Caspar David Friedrich trifft Dichter der Romantik“, herausgegeben von Michael Grus, ist einerseits eine Sammlung der berühmtesten Bilder Friedrichs, andererseits ein Kompendium romantischer Gedichte. ...

„Caspar David Friedrich trifft Dichter der Romantik“, herausgegeben von Michael Grus, ist einerseits eine Sammlung der berühmtesten Bilder Friedrichs, andererseits ein Kompendium romantischer Gedichte. Das Gestaltungsprinzip des Buches ist, dass 51 Gedichte aus der Epoche der Romantik ebenso vielen (hochauflösend gedruckten) Gemälden Friedrichs gegenübergestellt werden. Unterteilt ist das Buch in acht Kapitel mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten, die die Epoche der Romantik umreißen („Gedanken der Sehnsucht“, „In der Fremde“, „Das Meer“, „Mondnächte“, „Wald und Gebirge“, „Wandel der Zeit“, „Abschied und Erinnerung“ und „Der romantische Künstler“). Innerhalb der einzelnen Kapitel treffen – um nur ein paar Beispiele zu nennen – Friedrichs „Winterlandschaft“ auf von Eichendorffs „irren Spielmann“, das Gemälde „Felspartie im Harz“ auf Brentanos „O kühler Wald“ und „Der Wanderer über dem Nebelmeer“ auf „Auf dem Grenzgebürge der Welt“ von Novalis. Interessant ist hieran besonders zweierlei: Einerseits kann man schön – durch Text und Bild – Motive erkennen, die die Menschen in der Romantik bewegt haben. Andererseits ergänzen die Gedichte die Gemälde kongenial: Insbesondere bei Friedrichs Gemälden mit Rückenfiguren muten die jeweils ausgewählten Gedichte wie die Gedanken/Gefühle an, die die Figuren im Gemälde gerade herumtreiben. Insgesamt ist „Caspar David Friedrich trifft Dichter der Romantik“ eine schöne Zusammenschau, die spannende Blickwinkel eröffnet.

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Veröffentlicht am 28.01.2025

Ein psychologischer Thriller mit einzelnen Längen

Die Frau des Serienkillers
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Inhalt: Beth und Tom leben gemeinsam mit ihrer Tochter Poppy in Lower Tew, einem kleinen, gemütlichen Ort. Er arbeitet bei einer Bank; sie führt erfolgreich ein kleines Café. Kurz: ein perfektes Leben. ...

Inhalt: Beth und Tom leben gemeinsam mit ihrer Tochter Poppy in Lower Tew, einem kleinen, gemütlichen Ort. Er arbeitet bei einer Bank; sie führt erfolgreich ein kleines Café. Kurz: ein perfektes Leben. Doch plötzlich wird Tom eines Mordes verdächtigt – was Beth völlig aus dem Konzept bringt, sorgt sie sich doch darum, ihre Tochter müsse ohne Vater aufwachsen. Allerdings wird dies nicht Beths einzige Sorge bleiben: Der Polizei gelingt es, weitere Beweise für Toms Schuld zu finden – und plötzlich steht Beth im Scheinwerferlicht. Denn: Die Öffentlichkeit kann (und will) einfach nicht glauben, dass Beth nichts von der Tat ihres Mannes weiß. Fatal, denn Beth hat ganz eigene Geheimnisse, die sie behüten will…

Persönliche Meinung: „Die Frau des Serienkillers“ ist ein psychologischer Thriller von Alice Hunter. Es handelt sich um den ersten Band der „Die Familie des Serienkillers“-Reihe. Erzählt wird die Handlung in mehreren kurzen Kapiteln von verschiedenen Ich-Erzählfiguren (die Hauptperspektive bildet Beth). Wie der Titel des Thrillers bereits andeutet, sorgt hier nicht die Frage nach dem Täter für Spannung: Dieser steht recht früh fest, sodass ich befürchtete, dem Thriller würde schnell die Luft ausgehen. Dies ist allerdings nicht der Fall: Spannung wird über weite Strecken insbesondere durch die Frage nach den Opfern, dem „Wie?“ sowie dem „Warum?“ erzeugt. Außerdem gibt es während der Handlung immer wieder kleinere Unstim-migkeiten, deren Bedeutung sich erst zum Schluss gänzlich offenbart. Zusätzlicher Thrill ent-steht auf psychologischer Ebene durch die kreisenden Gedanken Beths, die sich permanent fragt, wie sie Tom vertrauen konnte bzw. wie ihr Leben nach der Anklage weiterverläuft. Zu-dem finden sich mehrere überraschende Wendungen (insbesondere am Ende). Kurz: Eigentlich ein fesselnder Thriller. Das Lesevergnügen wurde für mich allerdings durch die Protago-nisten geschmälert: Diese denken und handeln vergleichsweise destruktiv, kauen viele Gedanken mehrfach durch, wodurch die Figuren eher unsympathisch wirken und die Handlung – auch wenn der Erzählstil flüssig zu lesen ist – für mich recht zäh wurde. Insgesamt ist „Die Frau des Serienkillers“ ein psychologischer Thriller mit einigen Spannungselementen, gleich-zeitig aber auch mit vielen Längen.

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