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Veröffentlicht am 11.02.2025

Ein fesselnder Roman mit liebevoll ausgestalteten Figuren

Zwei Leben
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Inhalt: Salach, ein kleines Dorf, 1971. Roberta kehrt von ihrer Schneiderlehre in der Stadt auf den Hof ihrer Eltern zurück. Eigentlich möchte sie Kleider designen, doch ihre Eltern haben andere Pläne: ...

Inhalt: Salach, ein kleines Dorf, 1971. Roberta kehrt von ihrer Schneiderlehre in der Stadt auf den Hof ihrer Eltern zurück. Eigentlich möchte sie Kleider designen, doch ihre Eltern haben andere Pläne: Da Roberta Einzelkind ist, soll sie den Hof übernehmen – was zu Reibereien führt. Einziger Lichtblick: Wilhelm, des Pfarrers Sohn, mit dem Roberta als Kind schon befreundet war, den sie nun aber ganz neu kennenlernt…

Persönliche Meinung: „Zwei Leben“ von Ewald Arenz wird aus zwei personalen Perspektiven erzählt: Auf der einen Seite begegnen wir der bereits im Inhaltsteaser vorgestellten Roberta. Daneben trifft man auf Gertrud, die Mutter von Wilhelm. So unterschiedlich die beiden Figuren sind – lange Strecken des Romans kennen sie sich gar nicht wirklich –, geeint sind sie in ihrer Stärke: Beide sind auf der Suche nach ihrem Selbst, sehen sich mehr und mehr vom dörflichen Mikrokosmos eingeengt, der durch Vorurteile, Rollenbilder und Erwartungen geprägt ist (vor diesem Hintergrund nimmt „Zwei Leben“ Züge eines Gesellschaftsromans/Sittengemäldes an). Die Selbstfindungsprozesse der Protagonistinnen werden innerhalb des Romans verschiedenartig aufgefächert: Während die eine Generation ältere Gertrud sich aufgrund der dörflichen Zwänge teilweise verbietet, ihren Weg zu gehen, ist Roberta offener: Robertas Entwicklung ähnelt einem klassischen Coming of Age: So kapselt sie sich (nicht konfliktfrei) von ihren Eltern ab, findet ihre erste Liebe und ist insgesamt liberaler als die Dorfgemeinschaft. Ein Highlight des Romans war für mich der Großvater von Roberta. Zu viel will ich hier nicht verraten. Nur: Er hat einen großen Anteil an Robertas Entwicklung und ich glaube, es wird niemanden geben, der Robertas Großvater nicht lieben wird. Die Handlung selbst ist eine Achterbahnfahrt der Gefühle: Szenen voller Glück finden sich neben Szenen voller Tragik; wenige der Wendungen des Romans kann man erahnen. Bei all dem erzählt Ewald Arenz dicht und empathisch, sodass sehr lebendige Szenen entstehen. Insgesamt ist „Zwei Leben“ ein sehr flüssig zu lesender Roman mit liebevoll ausgestalteten Protagonisten und einer fesselnden Handlung.

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Veröffentlicht am 02.02.2025

Eine schöne Zusammenschau, die spannende Blickwinkel eröffnet

Caspar David Friedrich trifft Dichter der Romantik
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„Caspar David Friedrich trifft Dichter der Romantik“, herausgegeben von Michael Grus, ist einerseits eine Sammlung der berühmtesten Bilder Friedrichs, andererseits ein Kompendium romantischer Gedichte. ...

„Caspar David Friedrich trifft Dichter der Romantik“, herausgegeben von Michael Grus, ist einerseits eine Sammlung der berühmtesten Bilder Friedrichs, andererseits ein Kompendium romantischer Gedichte. Das Gestaltungsprinzip des Buches ist, dass 51 Gedichte aus der Epoche der Romantik ebenso vielen (hochauflösend gedruckten) Gemälden Friedrichs gegenübergestellt werden. Unterteilt ist das Buch in acht Kapitel mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten, die die Epoche der Romantik umreißen („Gedanken der Sehnsucht“, „In der Fremde“, „Das Meer“, „Mondnächte“, „Wald und Gebirge“, „Wandel der Zeit“, „Abschied und Erinnerung“ und „Der romantische Künstler“). Innerhalb der einzelnen Kapitel treffen – um nur ein paar Beispiele zu nennen – Friedrichs „Winterlandschaft“ auf von Eichendorffs „irren Spielmann“, das Gemälde „Felspartie im Harz“ auf Brentanos „O kühler Wald“ und „Der Wanderer über dem Nebelmeer“ auf „Auf dem Grenzgebürge der Welt“ von Novalis. Interessant ist hieran besonders zweierlei: Einerseits kann man schön – durch Text und Bild – Motive erkennen, die die Menschen in der Romantik bewegt haben. Andererseits ergänzen die Gedichte die Gemälde kongenial: Insbesondere bei Friedrichs Gemälden mit Rückenfiguren muten die jeweils ausgewählten Gedichte wie die Gedanken/Gefühle an, die die Figuren im Gemälde gerade herumtreiben. Insgesamt ist „Caspar David Friedrich trifft Dichter der Romantik“ eine schöne Zusammenschau, die spannende Blickwinkel eröffnet.

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Veröffentlicht am 28.01.2025

Ein psychologischer Thriller mit einzelnen Längen

Die Frau des Serienkillers
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Inhalt: Beth und Tom leben gemeinsam mit ihrer Tochter Poppy in Lower Tew, einem kleinen, gemütlichen Ort. Er arbeitet bei einer Bank; sie führt erfolgreich ein kleines Café. Kurz: ein perfektes Leben. ...

Inhalt: Beth und Tom leben gemeinsam mit ihrer Tochter Poppy in Lower Tew, einem kleinen, gemütlichen Ort. Er arbeitet bei einer Bank; sie führt erfolgreich ein kleines Café. Kurz: ein perfektes Leben. Doch plötzlich wird Tom eines Mordes verdächtigt – was Beth völlig aus dem Konzept bringt, sorgt sie sich doch darum, ihre Tochter müsse ohne Vater aufwachsen. Allerdings wird dies nicht Beths einzige Sorge bleiben: Der Polizei gelingt es, weitere Beweise für Toms Schuld zu finden – und plötzlich steht Beth im Scheinwerferlicht. Denn: Die Öffentlichkeit kann (und will) einfach nicht glauben, dass Beth nichts von der Tat ihres Mannes weiß. Fatal, denn Beth hat ganz eigene Geheimnisse, die sie behüten will…

Persönliche Meinung: „Die Frau des Serienkillers“ ist ein psychologischer Thriller von Alice Hunter. Es handelt sich um den ersten Band der „Die Familie des Serienkillers“-Reihe. Erzählt wird die Handlung in mehreren kurzen Kapiteln von verschiedenen Ich-Erzählfiguren (die Hauptperspektive bildet Beth). Wie der Titel des Thrillers bereits andeutet, sorgt hier nicht die Frage nach dem Täter für Spannung: Dieser steht recht früh fest, sodass ich befürchtete, dem Thriller würde schnell die Luft ausgehen. Dies ist allerdings nicht der Fall: Spannung wird über weite Strecken insbesondere durch die Frage nach den Opfern, dem „Wie?“ sowie dem „Warum?“ erzeugt. Außerdem gibt es während der Handlung immer wieder kleinere Unstim-migkeiten, deren Bedeutung sich erst zum Schluss gänzlich offenbart. Zusätzlicher Thrill ent-steht auf psychologischer Ebene durch die kreisenden Gedanken Beths, die sich permanent fragt, wie sie Tom vertrauen konnte bzw. wie ihr Leben nach der Anklage weiterverläuft. Zu-dem finden sich mehrere überraschende Wendungen (insbesondere am Ende). Kurz: Eigentlich ein fesselnder Thriller. Das Lesevergnügen wurde für mich allerdings durch die Protago-nisten geschmälert: Diese denken und handeln vergleichsweise destruktiv, kauen viele Gedanken mehrfach durch, wodurch die Figuren eher unsympathisch wirken und die Handlung – auch wenn der Erzählstil flüssig zu lesen ist – für mich recht zäh wurde. Insgesamt ist „Die Frau des Serienkillers“ ein psychologischer Thriller mit einigen Spannungselementen, gleich-zeitig aber auch mit vielen Längen.

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Veröffentlicht am 19.01.2025

Ein richtiger Pageturner!

Nachtfahrt
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Inhalt: Nach einem traumatischen Ereignis hatte Katharina Holten einen Schlussstrich unter ihr altes Leben als Fahrlehrerin gezogen und die Heimat verlassen. Doch nun muss sie zurückkehren: Ihr Vater ist ...

Inhalt: Nach einem traumatischen Ereignis hatte Katharina Holten einen Schlussstrich unter ihr altes Leben als Fahrlehrerin gezogen und die Heimat verlassen. Doch nun muss sie zurückkehren: Ihr Vater ist tödlich verunglückt, sodass Katharina sich um ihre Nichte Ronja kümmern muss, die bei Katharinas Vater gelebt hat. Nicht nur kocht das traumatische Ereignis stellen-weise hoch; gleichzeitig muss Katharina irgendwie die Fahrschule am Laufen halten und ver-suchen, einen Draht zu der abweisenden Ronja aufzubauen. Als Ronja kurze Zeit später ver-schwindet, überschlagen sich die Ereignisse. Denn: Katharina erhält einen Brief mit der Botschaft, Ronja werde sterben, sollte Katharina nicht die „Wahrheit“ sagen…

Persönliche Meinung: „Nachtfahrt“ ist ein Thriller von Annika Strauss, dessen Handlung aus mehreren (personalen) Perspektiven erzählt wird. Auf diese möchte ich allerdings – um Spoiler zu vermeiden – gar nicht zu ausführlich eingehen. Nur so viel: Neben Katharina, die die Hauptperspektive bildet, und Ronja finden sich noch viele weitere, z. T. sehr überraschende Sichtweisen, wodurch eine spannende, rasante Handlung entsteht. Das Tempo der Handlung wird zudem dadurch erhöht, dass die Kapitel des Thrillers eher kurz sind, sodass häufig Sze-nenwechsel stattfinden. Auch ist die Handlung schön rätselhaft: Gleich zu Beginn werden mehrere Fragen aufgeworfen, auf deren Antwort man gespannt wartet: War der Tod von Ka-tharinas Vater wirklich ein Unglück? Was ist in der Vergangenheit mit Katharina geschehen? Und wer ist der Entführer von Ronja? Um diese Fragen herum entfaltet sich eine fesselnde, durchdacht konstruierte Handlung, die zudem mit einem überraschenden Ende auftrumpft. Der Schreibstil von Annika Strauss ist sehr anschaulich und lässt sich flüssig lesen, sodass man nur so durch die Seiten des Thrillers fliegt. Insgesamt ist „Nachtfahrt“ ein außerordentlich spannendes Thrillerdebüt mit den Qualitäten eines Pageturners.

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Veröffentlicht am 15.01.2025

Ein Fantasyroman, der typische Muster umgekehrt, allerdings zum Ende hin zu rasch erzählt wird

Ich fürchte, Ihr habt Drachen
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Inhalt: Reginald ist Drachenfänger – ein Beruf, den er von seinem Vater übernommen hat. Dementsprechend ist er der erste Ansprechpartner, als König Antoine und Königin Hélène entdecken, dass ihr Schloss ...

Inhalt: Reginald ist Drachenfänger – ein Beruf, den er von seinem Vater übernommen hat. Dementsprechend ist er der erste Ansprechpartner, als König Antoine und Königin Hélène entdecken, dass ihr Schloss ein Hort kleiner und mittelgroßer Drachen ist: Zur Vermählung ihrer Tochter Cerise sollen alle Drachen beseitigt werden. Reginald macht sich widerstrebend an die Arbeit – eigentlich mag er Drachen ganz gerne und möchte sie nicht wie Ungeziefer behandeln –, doch plötzlich erscheinen ausgewachsene, feuerspeiende Drachen am Horizont….

Persönliche Meinung: „Ich fürchte, Ihr habt Drachen“ ist ein Fantasyroman von Peter S. Bea-gle. Erzählt wird die Handlung von einem allwissenden Erzähler, der einerseits in die Perspek-tiven verschiedener Figuren (insbesondere Reginald und Cerise) schlüpft, andererseits die Handlung mit einer großen Portion Humor erzählt, wodurch einzelne Fantasyelemente augen-zwinkernd aufs Korn genommen werden. Ebenso wie die Erzählweise hat mir auch die origi-nelle Ausgangslage des Romans gefallen: Wir treffen auf einen Drachenfänger, der Drachen nicht töten möchte, eine Prinzessin, die durch das Erlernen der Schrift/des Lesens aus ihrer Rolle als „damsel in distress“ herausbrechen möchte, und einen Prinzen, der lieber nicht König werden möchte. Man merkt schon: Die typischen Fantasymuster werden auf links gedreht. Die Handlung beginnt behutsam – für mich aber im genau richtigen Tempo. Man lernt Regi-nald, seine Familie und Freunde sowie die Königsfamilie und die Handlungsorte ausführlich kennen und verliert sich mehr und mehr in der literarischen Welt. Nach etwa der Hälfte des Romans nimmt die Handlung abrupt an Fahrt auf – was für mich leider den Charme von „Ich fürchte, Ihr habt Drachen“ nahm: Der Roman mutiert zu einem klassischen Abenteuerroman, was prinzipiell nicht schlecht ist. Allerdings ist der nun leitgebende Konflikt nicht in der ersten Hälfte des Romans angelegt; er ploppt – genau wie (plötzlich) wichtige Figuren – eher unmotiviert auf, sodass der Roman insgesamt nicht mehr organisch auf mich wirkte. Zudem wird die zweite Hälfte des Romans recht rasch erzählt, sodass die großen Themen, die hier angesprochen werden (Freundschaft, Liebe, Selbstfindung, Rache) eher sporadisch (und für mich nicht abschließend) behandelt werden konnten. Insgesamt besitzt „Ich fürchte, Ihr habt Drachen“ eine grandiose erste Hälfte mit vielen tollen Ansätzen, die sich für mich leider durch die rasch erzählte zweite Hälfte nicht zu ihrer vollen Blüte entwickeln konnten.

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