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Veröffentlicht am 25.08.2025

Die kleine Schwester von "Herz der Finsternis"

Jugend. Erzählung
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“Jugend” ist eine Kurzgeschichte von Joseph Conrad. Aufgeteilt ist sie in eine Rahmen- und eine Binnenerzählung: In dem nur wenige Seiten umfassenden Rahmen führt ein namenloser Ich-Erzähler in ein Treffen ...

“Jugend” ist eine Kurzgeschichte von Joseph Conrad. Aufgeteilt ist sie in eine Rahmen- und eine Binnenerzählung: In dem nur wenige Seiten umfassenden Rahmen führt ein namenloser Ich-Erzähler in ein Treffen zwischen ehemaligen Seefahrern ein. Einer dieser Seefahrer ist Kapitän Marlow, der in mehreren Erzählungen von Joseph Conrad auftaucht (u.a. “Herz der Finsternis”). Marlow berichtet in der Binnenerzählung von seinen Abenteuern auf der “Judea”, einem Handelsschiff, das ursprünglich von London nach Bangkok reisen sollte. Geschildert werden hier - mit retardierenden Momenten sowie kleineren und größeren Höhepunkten - die Gefahren der Seefahrt. Dies geschieht auch in plastischer und atmosphärischer Weise. Allerdings war es für mich etwas zu langatmig: Trotz aller Abenteuer plätscherte die Handlung für mich eher ziellos dahin, sodass ich mich etwas zwingen musste, am Ball zu bleiben. Vielleicht lag es daran, dass man Ähnliches auch in “Herz der Finsternis” findet, vielleicht war es auch dem Umstand geschuldet, dass Schifffahrten, Nautik und die Meere der Welt nicht zu meinen Steckenpferden gehören - ich kann es nicht genau festmachen, da die Geschichte handwerklich durchaus gelungen ist. Abgerundet wird die Ausgabe des Reclam Verlags durch ein kurzes Nachwort, das in Leben und Werk Joseph Conrads einführt, der als Polnischstämmiger erst relativ spät Englisch lernte und zeitlebens mit dem Finden passender englischer Worte haderte. Daneben wird die wiederholt auftretende Figur “Marlow” in den verschiedenen Werken Conrads beleuchtet. Insgesamt ist “Jugend” eine atmosphärische kleine Schwester von “Herz der Finsternis”, die sich besonders für Liebhaber*innen von nautischen Geschichten eignet.

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Veröffentlicht am 23.08.2025

Spannend, wendungsreich und sehr durchdacht

Ausweglos
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Inhalt: Vor Jahren trieb ein Serienmörder sein Unwesen in Hamburg: Seinen Opfern schnitt er den Ringfinger ab und hinterließ blutige Nachrichten. Kommissar Elias Blom setzte alle Hebel in Bewegung, um ...

Inhalt: Vor Jahren trieb ein Serienmörder sein Unwesen in Hamburg: Seinen Opfern schnitt er den Ringfinger ab und hinterließ blutige Nachrichten. Kommissar Elias Blom setzte alle Hebel in Bewegung, um den Serienmörder zu fassen, doch die Ermittlungen zogen sich - was letztlich zu Bloms Entpflichtung von dem Fall sowie zu seiner Versetzung führte. Nun scheint der Täter erneut aufgetaucht zu sein, abermals fehlt dem Opfer der Ringfinger, es findet sich wieder eine grausige Botschaft. Blom, der sich ohne Befugnis in den Fall einklinkt, ist zuversichtlich, diesmal den Täter fassen zu können. Denn: Dieses Mal gibt es einen Zeugen, der direkt neben dem Opfer wohnte…

Persönliche Meinung: “Ausweglos” ist ein Thriller von Henri Faber. Erzählt wird die Handlung aus drei Ich-Perspektiven: Elias Blom, Noah (der Nachbar des Opfers) sowie Linda (die Frau von Noah). Alle drei Figuren sind lebendig dargestellt: Während Elias von der Schuld geplagt wird, vor Jahren bei den Ermittlungen im Serienmörderfall versagt zu haben, wartet Noah auf seinen schriftstellerischen Erfolg. Linda hingegen belastet ein unerfüllter Kinderwunsch, für den sie sich verantwortlich macht. Neben diesen findet sich eine weitere Ich-Perspektive, deren Identität erst zum Ende der Handlung offenbart wird. Die Handlung selbst ich hochspannend: Schnell wird klar, dass einige der Figuren etwas zu verbergen haben; mehrere Figuren besitzen Züge einer unzuverlässigen Erzählinstanz, sodass man, je weiter man liest, umso weniger weiß, wem man glauben schenken darf - und wem nicht. Zudem ist der Thriller ungemein wendungsreich und unvorhersehbar - bis zum großen Finale, das mit mehreren Twists auftrumpft, die ich in meinen kühnsten Träumen nicht erahnt hätte (Aus der Retrospektive zeigt sich abschließend einerseits wie komplex der Thriller ist, andererseits wie stimmig durchdacht er ist. Wirklich meisterhaft geplant von Henri Faber!). Der Schreibstil ist anschaulich und lässt sich flüssig lesen, sodass “Ausweglos” zusätzlich zur fesselnden Handlung ein richtiger Pageturner ist. Insgesamt ist “Ausweglos” ein höchst spannender, perfekt konstruierter Thriller, der mit mehreren nicht zu erahnenden Wendungen auftrumpft.

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Veröffentlicht am 23.08.2025

Ein Muss für Fans von blink-182

Fahrenheit-182
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“Fahrenheit-182” ist die Autobiografie des Musikers, Songwriters und Produzenten Mark Hoppus, bekannt als Bassist der US-amerikanischen Pop-Punk-Band “blink-182”. Hoppus erzählt hier u.a. von der Kindheit ...

“Fahrenheit-182” ist die Autobiografie des Musikers, Songwriters und Produzenten Mark Hoppus, bekannt als Bassist der US-amerikanischen Pop-Punk-Band “blink-182”. Hoppus erzählt hier u.a. von der Kindheit als Sohn geschiedener Eltern, dem Werdegang der Band blink-182 (inklusive Formierung, Erfolgen, Auflösung, Comeback und Trennungen von verschiedenen Mitgliedern) sowie seiner Krebserkrankung. Bei allem berichtet Hoppus abgeklärt und selbstkritisch, insgesamt mit sich selbst im Reinen. Für Fans von blink-182 besonders spannend sind Insights in die Entstehung der Hitalben: So schildert Hoppus, wie er gemeinsam mit Tom DeLonge und Travis Barker an Songs feilte und wie die bekannten Musikvideos entstanden (z. B. “Whats my age again?” oder “Adams Song”). Interessant sind auch Hoppus Berichte über das Zusammentreffen mit Größen der Musikwelt wie Green Day (die Beziehung zwischen blink-182 und Green Day charakterisiert Hoppus als ambivalent) oder Robert Smith von “The Cure” (auf einem Konzert kam es zu einer denkwürdigen Begegnung zwischen Hoppus und Smith). Gleichzeitig beleuchtet Hoppus in “Fahrenheit-182” auch die Schattenseiten des Erfolgs: Offen berichtet er über seine Depressionen und die Entwicklung einer Zwangsstörung, die sich beide intensivierten, je bekannter blink-182 wurde. Einen vergleichsweise großen Raum nimmt auch Hoppus` Krebserkrankung ein, die er eindrücklich darlegt. Sowohl Positives wie auch Negatives erzählt Hoppus mit einer (mal kleinerer, mal größeren) Prise Humor. Abgerundet wird die Biografie durch eine Vielzahl von Bildern, die Hoppus und seine Weggefährten im Laufe der Jahre zeigen. Insgesamt ist “Fahrenheit-182” für mich eine schöne Reise in die Vergangenheit der Band, die mich am meisten geprägt hat. Teilweise hätte man sich vielleicht mehr Erklärungen gewünscht (z.B. zur Auflösung von blink-182 2005 oder zum Comeback 2023), aber letztlich ist es auch Hoppus` gutes Recht, das zu erzählen, was er erzählen möchte/kann.

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Veröffentlicht am 23.08.2025

Spannend erzählt, teilweise aber etwas zu konstruiert

Der Selbstmordklub. Eine unheimliche Geschichte
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Inhalt: Prinz Florizel von Böhmen und sein Oberst Geraldine erleben in London inkognito einige Abenteuer - bis in einer Gastwirtschaft ein Cremetörtchen verschenkter junger Mann ihre Aufmerksamkeit auf ...

Inhalt: Prinz Florizel von Böhmen und sein Oberst Geraldine erleben in London inkognito einige Abenteuer - bis in einer Gastwirtschaft ein Cremetörtchen verschenkter junger Mann ihre Aufmerksamkeit auf sich zieht. Interessiert erkundigt sich Florizel nach dem Grund für diese Aktion, woraufhin der junge Mann offenbart, des Lebens überdrüssig zu sein; er wolle noch etwas Ausgefallenes tun, ehe er sich dem Selbstmordklub anschließt. Aus Neugierde nehmen Florizel und Geraldine an der nächsten Sitzung des Klubs teil - mit schwerwiegenden Konsequenzen…

Persönliche Meinung: “Der Selbstmordklub” ist eine Erzählung von Robert Louis Stevenson. Das Spannende an dieser Erzählung ist, dass sie sich aus drei Teilen zusammensetzt, die (zunächst) unabhängig voneinander scheinen. Der erste Teil “Die Geschichte von dem jungen Mann mit den Cremetörtchen”, den ich oben umrissen habe, bildet den Ausgangspunkt. Zu den beiden folgenden Teilen “Der Arzt und der Reisekoffer” und “Das öde Haus” möchte ich zwecks Spoilergefahr inhaltlich nicht weiter eingehen. Spannung entsteht innerhalb “Der Selbstmordklub” durch unterschiedliche Erzählperspektiven: Jede Erzählung wird von einem anderen personalen Erzähler erzählt, der zuvor in keinem vorherigen Teil aufgetreten ist. So entsteht bei Beginn jeden Teils ein schöner Irritationsmoment. Da der jeweilige personale Erzähler - anders als die Lesenden - die Figuren aus dem vorherigen Teil, die zudem häufig inkognito unterwegs sind, nicht kennt, entsteht ein spannendes Spiel mit den Lesenden, die unweigerlich mit der Suche nach bekannten Figuren beginnen. Hierbei gibt es natürlich den ein oder anderen Aha-Moment. So sehr ich dieses analytische Erzählen mochte: Zum Teil wirkt es zu konstruiert, einzelne Haken, die (insbesondere im dritten Teil) erzählerisch geschlagen werden, sind zu bemüht und besitzen kaum einen sinnigen Mehrwert für die Handlung. Sprachlich wird eher ein gehobener, hypotaktischer Stil mit vielen Erzählpassagen und wenigen Dialogen genutzt. Abgerundet wird die Ausgabe des Reclam Verlags durch eine Nachbemerkung, in der “Der Selbstmordklub” punktuell mit “Die Schatzinsel” verglichen wird. Insgesamt ist “Der Selbstmordklub” eine durchdachte, spannende Erzählung, die leider manchmal etwas zu viel will.

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Veröffentlicht am 23.08.2025

Eine eher ernste Mumin-Geschichte

Die Mumins (8). Mumins wundersame Inselabenteuer
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Inhalt: Der Muminvater möchte nicht mehr im Mumintal leben. Alles scheint ihm eintönig; es scheint alles gemacht, was man machen kann. Jetzt möchte Muminvater sich einen Traum erfüllen: das Leben auf einer ...

Inhalt: Der Muminvater möchte nicht mehr im Mumintal leben. Alles scheint ihm eintönig; es scheint alles gemacht, was man machen kann. Jetzt möchte Muminvater sich einen Traum erfüllen: das Leben auf einer Insel mit Leuchtturm. Kurzerhand setzten Muminvater, Muminmutter, Mumin und Klein Mü die Segel - doch in der neuen Heimat ist nicht alles so leicht, wie anfangs gedacht…

Persönliche Meinung: “Mumins wundersame Inselabenteuer” ist der achte Band der Mumin-Reihe. Er bildet (zusammen mit Band 9 “Herbst im Mumintal”, der parallel zur Handlung des achten Bandes spielt) den Abschluss der Reihe, sodass es sinnvoll ist, zunächst die anderen Bände der Reihe gelesen zu haben. Die Figuren des achten Bandes wirken ernster/erwachsener als noch zu Beginn der Reihe: Muminvater scheint einer Midlife Crisis verfallen zu sein (sofern Mumins darunter leiden können); Mumin löst sich von seiner Familie, indem er sich eine eigene Wohnstätte sucht. Auch die Handlung wirkt düsterer bzw. unheimlicher. Figuren, wie die Morra oder der undurchschaubare, abweisende Fischer, der auf der Leuchtturminsel lebt, sorgen für einen latenten Grusel. Auf der Insel geht zudem Merkwürdiges vor: So findet die Muminfamilie mehrere Vogelskelette nahe des Leuchtturms und die Bäume auf der Insel scheinen sich nachts zu bewegen - was natürlich für Spannung sorgt, da man sich permanent fragt, warum Unheimliches auf der Insel geschieht. Für Auflockerungen sorgt Klein Mü, die immer einen kessen, witzigen Spruch auf den Lippen hat und sich nicht von den unheimlichen Begebenheiten auf der Insel aus der Ruhe bringen lässt. Zum Ende hin wird die Handlung auch wieder leichter und erinnert an die ersten Bände der Reihe. Der Schreibstil von Tove Jansson ist anschaulich und lässt sich sehr flüssig lesen. Insgesamt ist “Mumins wundersame Reise” ein spannend erzählter Mumin-Band, der zwischen Kinderbuch und Roman für Erwachsene changiert.

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