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Veröffentlicht am 09.12.2025

Heimatlos wegen des Glaubens

Ausgewiesen
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Sofia ist eine junge Frau, die Mitte des 19. Jahrhunderts in Schweden aufwächst. Sie liebt Gott und möchte ihn persönlich kennenlernen. Neben den offiziellen Predigten in der lutherischen Kirche gibt es ...

Sofia ist eine junge Frau, die Mitte des 19. Jahrhunderts in Schweden aufwächst. Sie liebt Gott und möchte ihn persönlich kennenlernen. Neben den offiziellen Predigten in der lutherischen Kirche gibt es zu dieser Zeit mutige Straßenprediger, die Schriften verteilen und von einem Glauben sprechen, der sich allein auf die Bibel gründet. Ihre Worte lassen Sofia nicht mehr los. Schließlich vertraut sie ihr Leben Jesus an und beginnt, heimlich an ihren Treffen teilzunehmen. Dort begegnet sie Fredrik Nilsson, der später ihr Ehemann wird.

Dieser Mann bewegt sich am Rande der Illegalität, denn er gehört nicht zur Staatskirche, doch er will Gott mehr gehorchen als den Menschen. In Schweden gibt es zu dieser Zeit nur auf dem Papier Religionsfreiheit. In der Praxis werden Christen, die sich nicht an die lutherische Landeskirche halten, verspottet und verfolgt.

Dieser historische Roman erzählt Fredrik Nilssons Lebensgeschichte aus der Perspektive seiner Frau Sofia. Nach einem kurzen Einblick in ihre Kindheit und Jugend liegt der Schwerpunkt auf ihren Erfahrungen in den geheimen Zusammenkünften und auf ihrem Anteil an der Gründung der ersten baptistischen Gemeinde Schwedens. Gerade dieser Blick einer Ehefrau und Mutter macht die Geschichte besonders eindrücklich.

Beeindruckend ist, wie gut die Lebensverhältnisse in dieser längst vergangenen Zeit wiedergegeben werden. Der Schmutz in den ärmeren Wohnsiedlungen, das kirchliche Leben, die Sitten und Bräuche, die Redeweise – und das alles eingebettet in eine fesselnde Geschichte. Die Figuren sind sehr gut beschrieben, sie wirken lebensnah und sympathisch. Umso erstaunlicher ist es, sich immer wieder bewusst zu machen, dass es sich um reale historische Ereignisse handelt.

Anfangs fällt es etwas schwer, in die Handlung hineinzukommen, doch schon bald zieht die Geschichte einen in ihren Bann. Lediglich im letzten Teil nimmt die Spannung ein wenig ab, da hier historische Abläufe stärker im Vordergrund stehen als die Gedanken und Gefühle von Sofia und ihren Kameraden. Trotzdem ist diese Lektüre sehr lesenswert.

Beim Lesen staune ich, wie aktuell das Beschriebene ist. Denn heute erleben Menschen in vielen Ländern eine ähnliche Verfolgung wie damals Sofia und Fredrik. Sie müssen sich genauso im Verborgenen treffen, werden von Familie und Nachbarn ausgegrenzt oder gar verfolgt und müssen besondere Vorkehrungen treffen, wenn sie sich taufen lassen wollen. Gerade deshalb wirkt dieser Roman erschreckend aktuell.

Fazit: Eine eindringliche und berührende Erzählung über die Anfänge der baptistischen Bewegung in Schweden und über Menschen, die bereit waren, für ihre Glaubensüberzeugung Heimat, Sicherheit und Ansehen aufzugeben. Sehr empfehlenswert für alle, die sich für Biografien, Kirchengeschichte und Glaubensfragen interessieren.

Veröffentlicht am 06.12.2025

Dem Führer hinterher

Hitlers treues Volk
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Millionen Menschen wurden als Arbeitssklaven ausgebeutet und schließlich ermordet. Friedliche Nachbarländer wurden brutal überfallen und erobert. Christen verehrten einen menschlichen Führer statt Christus. ...

Millionen Menschen wurden als Arbeitssklaven ausgebeutet und schließlich ermordet. Friedliche Nachbarländer wurden brutal überfallen und erobert. Christen verehrten einen menschlichen Führer statt Christus. Wer widersprach, riskierte sein Leben. Das Dritte Reich war eine Zeit schwersten Unrechts. Wie konnte ein ganzes Volk diesem Wahnsinn zustimmen?

Lange Zeit lautete die Antwort vieler Eltern und Großeltern: Wir haben davon nichts gewusst. Doch stimmt das auch? Schon früh wurden Juden öffentlich entrechtet, ausgegrenzt und verfolgt. Dennoch jubelte ein ganzes Land dem Mann zu, der für diese Politik stand. Warum?

Genau dieser Frage geht das Buch nach. In 24 Aufsätzen beleuchtet es unterschiedliche Aspekte der gesellschaftlichen Zustimmung zum Nationalsozialismus. Jeder Beitrag gleicht einem Puzzleteil – gemeinsam zeichnen sie das Bild eines Landes, das die NS-Ideologie begeistert aufnahm. Themen sind unter anderem die Stimmung in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg, die Wirtschaftskrise, antisemitische Einstellungen, das propagierte Gemeinschaftsgefühl, aber auch Bereiche wie Sport, Freizeit und Urlaub. Die faschistische Ideologie durchdrang alle Lebensbereiche, bot einfache Antworten und stiftete Sinn. Abschließend richtet das Buch den Blick auf die Gegenwart und stellt die beunruhigende Frage, ob sich Geschichte wiederholen könnte.

Die Beiträge sind leicht verständlich und in ihrem Stil an Zeitschriftenartikel angelehnt. Zahlreiche Bilder unterstützen und veranschaulichen den Text. Viele Kapitel stützen sich auf Tagebucheinträge und zeitgenössische Schriften aus den frühen Jahren des Dritten Reiches, was den dargestellten Meinungen besondere Authentizität verleiht. Auffällig ist, wie selten Zweifel oder Angst zum Ausdruck kommen: Stattdessen dominieren Begeisterung und Euphorie über das „neue“, vereinte Reich – ein Zukunftsprojekt, an dem angeblich alle teilhaben konnten. Alle zumindest, die den vorgegebenen Anforderungen entsprachen. Die anderen wurden aussortiert.

Fazit: Das Buch ist spannend, aufschlussreich und gut gestaltet. Die thematische Vielfalt deckt zahlreiche Lebensbereiche ab, und die Quellenverweise verleihen den Beiträgen hohe Glaubwürdigkeit. Sehr empfehlenswert – insbesondere für Leser, die sich für die deutsche Geschichte interessieren.

Veröffentlicht am 02.12.2025

Auf frischer Tat erwischt

Auf der Seite der Frauen
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„Wo Sexkauf erlaubt ist, kommt es bei den Freiern zu einer Normalisierung und Abstumpfung. Grenzen werden verwischt, und was man früher für extrem hielt, ist heute zum Greifen nah.“

Der Kriminalkommissar ...

„Wo Sexkauf erlaubt ist, kommt es bei den Freiern zu einer Normalisierung und Abstumpfung. Grenzen werden verwischt, und was man früher für extrem hielt, ist heute zum Greifen nah.“

Der Kriminalkommissar Simon Häggström leitet die Prostitutionseinheit in Stockholm. In seinem Dienst begegnet er täglich schwerem Leid, und dennoch weiß er, dass er genau dort hingehört. Besonders erfüllt es ihn, wenn es gelingt, eine junge Frau aus einem Leben der Sklaverei zu befreien.

In Schweden ist der Kauf von Sex illegal – ein Kernpunkt des sogenannten „Nordischen Modells“. Häggström ist von diesem Ansatz überzeugt und setzt sich international dafür ein. Strafbar sind ausschließlich die Freier. Frauen hingegen erhalten Unterstützung, denn wie der Autor betont, kaum eine Frau wählt diese Tätigkeit aus freien Stücken, sondern fast immer aus der Not heraus.

In seinem Buch berichtet Häggström von Einsätzen und Begegnungen aus seinem Arbeitsalltag. Jedes Kapitel beginnt mit einem passenden Zitat einer Person, die in irgendeiner Weise mit Prostitution zu tun hat – oft von einer betroffenen Frau selbst. Diese Stimmen geben wertvolle Einblicke in ihre Erfahrungen und Sichtweisen.

Nach einer kurzen Einführung schildert Häggström konkrete Einsätze und weist an vielen Stellen auf den größeren Zusammenhang hin. Was kennzeichnet Männer, die Prostituierte aufsuchen? Wie hängen Pornografie und Prostitution zusammen? Und ist die Gefahr für Frauen nicht noch größer, wenn Prostitution illegal ist und somit im Verborgenen geschieht?

Seine Berichte sind authentisch und eindringlich. Häggström begegnet den Frauen mit spürbarem Mitgefühl. Besonders eindrucksvoll sind seine offenen Selbstreflexionen über eigene Fehler, Ohnmacht und das Gefühl der Hoffnungslosigkeit angesichts des Bösen. Er schreibt: „Ich nahm mir vor, ehrlich zu beschreiben, wie ich als Polizist, Mensch und Mann mit dieser Wirklichkeit umgehe und sie verarbeite.“

Über das Sexgewerbe zu berichten ist schwierig. Das Erlebte kann zu sauber geschildert werden, als wäre das alles gar nicht so schlimm. Doch der Autor entscheidet sich bewusst dafür, die dunklen und abstoßenden Seiten der Prostitution zu zeigen. So sind manche Schilderungen schon sehr grafisch, was beim Lesen stören kann. Sein Anliegen dabei erklärt er im Epilog: „… die Realität sollte ungeschminkt dargestellt werden. Es ist das wirkliche Leben vieler Menschen, die am Rande unserer Gesellschaft stehen. Zu beschönigen, was sie jeden Tag erleben, wäre ein Verrat an ihnen.“

Fazit: Ein bewegender und aufrüttelnder Bericht über den Alltag eines Polizisten, der gegen Prostitution kämpft. Die Geschichten der betroffenen Frauen machen das Unrecht greifbar und wecken Mitgefühl – und das Bedürfnis, nicht wegzusehen. Sehr empfehlenswert!

Veröffentlicht am 27.11.2025

Manche Rätsel werden wohl nie gelöst werden!

Geheimnisse aus der Geschichte
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Dieses Buch, hervorgegangen aus einer Kolumne der Süddeutschen Zeitung, versammelt die spannendsten Beiträge über ungelöste Rätsel und Geheimnisse, die im Laufe von zehn Jahren erschienen sind. Die Themen ...

Dieses Buch, hervorgegangen aus einer Kolumne der Süddeutschen Zeitung, versammelt die spannendsten Beiträge über ungelöste Rätsel und Geheimnisse, die im Laufe von zehn Jahren erschienen sind. Die Themen könnten vielfältiger kaum sein: Mal geht es um Musiker oder Maler, dann wieder um Tiere, Politiker, mysteriöse Todesfälle sowie Mythen und Legenden – und noch vieles mehr.

Die insgesamt 71 Beiträge lassen sich alle in wenigen Minuten lesen. Es macht Freude, das Buch an einer beliebigen Stelle aufzuschlagen und sich überraschen zu lassen. Die Artikel sind nach Erscheinungsdatum angeordnet, sodass sich Themen und Autoren abwechseln. Der Schreibstil ist flüssig, und die Länge der einzelnen Texte passt perfekt.

Einige der behandelten Fragen lauten etwa: Was hat es mit dem rätselhaften Lächeln der Mona Lisa auf sich? Wo könnte die Bundeslade der Israeliten sein? Wer war für den Tod Vincent van Goghs verantwortlich? Was haben Zugvögel mit deutschem Bier zu tun? Und ist das Turiner Grabtuch authentisch? Selten führen die Überlegungen zu einer eindeutigen Lösung. Stattdessen werden verschiedene Indizien und Erklärungsansätze einander gegenübergestellt, sodass die Leser selbst entscheiden können, welche Interpretation ihnen am plausibelsten erscheint.

Besonders reizvoll ist die thematische Bandbreite. So erfährt man etwa von einem kuriosen Versuch, Menschen mit Affen zu kreuzen, oder liest über das erstaunliche Verhalten von Aalen. Natürlich wird jeder je nach persönlichem Interesse bestimmte Beiträge spannender finden als andere, doch angesichts der großen Vielfalt dürfte für alle etwas dabei sein. Mich persönlich begeistern vor allem die skurrilen Fakten und überraschenden Geschichten.

Fazit: Ein unterhaltsames Buch zum Schmökern und Stöbern, voll faszinierender Geheimnisse und verblüffender Anekdoten. Ideal als Geschenk oder als schnelle Lektüre für zwischendurch. Sehr empfehlenswert!

Veröffentlicht am 25.11.2025

Tosende Wellen und panische Angst

Halt in der Brandung
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„Nur weil wir auf Gott vertrauen, heißt das nicht, dass es keine Stürme, kein Leid und keinen Tod gibt. Aber wir wissen, dass er uns ewiges Leben schenken wird und wir im Himmel kein Leid mehr erfahren ...

„Nur weil wir auf Gott vertrauen, heißt das nicht, dass es keine Stürme, kein Leid und keinen Tod gibt. Aber wir wissen, dass er uns ewiges Leben schenken wird und wir im Himmel kein Leid mehr erfahren müssen. Was kann uns da noch Angst machen?“

Emilie wartet gespannt auf den Heiratsantrag. Schon bald wird sie die Herrin von Schloss Holdenstedt sein, wo sie einen wunderbaren Abend bei einer Feier verbringt. Sie versteht nicht, warum Leopold sie nicht sofort um ihre Hand bittet.

Am nächsten Morgen erreicht sie die Schreckensnachricht: Ihre Mutter und ihr älterer Bruder sind bei einem tragischen Kutschenunglück gestorben. Vom Familienanwalt erfährt sie dann noch, dass ihr Bruder ihr Vermögen aufgebraucht hat und sie auch ihr Zuhause verlieren wird. Ihre einzige Hoffnung ist ein Bruder, der seit acht Jahren verschollen ist.

Auf der Suche nach ihm unternimmt Emilie die weite Reise nach Kapstadt in Südafrika. Mitte des 19. Jahrhunderts ist das ein ungewöhnliches und gefährliches Unterfangen für eine junge, unverheiratete adlige Frau. Zum Glück findet sie auf einem Missionsschiff Passage und fühlt sich zumindest vor unerwünschten Zudringlichkeiten sicher. Sie ahnt nicht, wie sehr sich ihr Leben durch diese Reise verändern wird.

Besonders spannend an dieser Geschichte sind die ungewöhnlichen Themen. Während der Anfang des Buches an andere Geschichten über diese Ära erinnert, ändert sich dies, als Emilies Zukunftspläne scheitern. Es gibt nur wenige Bücher, die von der Reise einer Gruppe von Missionaren in ein unbekanntes Land berichten oder das alltägliche Leben europäischer Siedler in Südafrika schildern. Dies macht das Buch zusammen mit seinen sympathischen Charakteren besonders lesenswert.

Im Mittelpunkt der Erzählung stehen Fragen nach Leid und dem Gefühl, von Gott enttäuscht worden zu sein. Emilies innerer Kampf, Gott trotz Leid zu vertrauen, wird gut nachvollziehbar geschildert. Naturbeschreibungen, Ängste und Sehnsucht sind weitere Themen, in denen dieser Roman glänzt. Die Liebesgeschichte ist teilweise vorhersehbar, bietet aber dennoch Überraschungen.

Fazit: Ein spannender Roman über die abenteuerliche Reise einer jungen Frau. Sehr empfehlenswert, besonders für Leserinnen, die einzigartige historische Romane mit romantischen Elementen lieben!

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