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Veröffentlicht am 15.12.2025

Auf der Suche nach dem Vater

Schattenschicksale
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„Ein Weg zum Lernen und zum Verständnis führt über die erzählten Geschichten. Reine Fakten und Opferzahlen schockieren, doch berühren sie uns auch? Es sind die individuellen Geschichten, die das Herz treffen. ...

„Ein Weg zum Lernen und zum Verständnis führt über die erzählten Geschichten. Reine Fakten und Opferzahlen schockieren, doch berühren sie uns auch? Es sind die individuellen Geschichten, die das Herz treffen. Persönliche Schicksale, in denen sich die Weltgeschichte spiegelt.“

Im Zweiten Weltkrieg gibt es viele Liebesbeziehungen zwischen deutschen Frauen und ausländischen Kriegsgefangenen oder Zwangsarbeitern. Dazu werden manche Frauen auch infolge einer Vergewaltigung durch den Feind schwanger. Dieses Buch beschreibt sechs Lebensgeschichten von Menschen, die aus solchen verbotenen Beziehungen stammen.

Die zentrale Frage für die vier Männer und zwei Frauen lautet: „Wer ist mein Vater?“ Geboren in schwierigen Umständen und oft von Geheimnissen umgeben, sehnen sie sich nach ihren leiblichen Vätern und deren Familien. Dieses Nichtwissen prägt ihr Leben und verstärkt das Gefühl, dass etwas mit ihnen nicht stimmt.

Zwischen den persönlichen Schicksalen liefert Monika Dittombée Hintergrundwissen zur Geschichte, Psychologie und zu transgenerationalen Traumata. Das hilft, die Erlebnisse zu verstehen und einzuordnen. Sie gibt außerdem praktische Hinweise für die Spurensuche nach den eigenen Wurzeln und teilt ihre persönliche Betroffenheit, was den Text besonders einfühlsam macht.

Die Lebensberichte sind berührend und erschütternd. Sie beginnen jeweils mit einigen Familienfotos. Danach folgen die Geschichten der Besatzungskinder, teilweise von ihnen selbst erzählt. Die spannende Suche nach dem Vater und die ersten Begegnungen mit einem Mann, der oft noch nicht einmal von seinem Sohn oder seiner Tochter wusste, werden ausführlich geschildert.

Es ist ermutigend zu lesen, wie diese Menschen trotz der schweren Startbedingungen ein glückliches, erfolgreiches und produktives Leben gefunden haben. „Diese einstmals diskriminierten Kinder haben es geschafft. Sie wurden erwachsen, gründeten ihre eigenen Familien, sie freuen sich an ihren Kindern und Enkeln. Sie blicken mit Langmut auf ihre eigenen, schweigsamen Eltern.“ Ein noch größerer Umfang an Lebensgeschichten, insbesondere von Kindern aus Vergewaltigungen, hätte das Buch zusätzlich bereichert.

Fazit: Ein berührendes, informatives Buch über einzelne Schicksale infolge des Zweiten Weltkriegs. Eine eindrucksvolle Mischung aus Lebensgeschichten, Hintergrundwissen und persönlicher Reflexion. Empfehlenswert für alle, die sich für Lebensgeschichten, Psychologie und Geschichte interessieren.

Veröffentlicht am 10.12.2025

Die Opfer der Narzissten

Gefährliches Ego
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Dieses Buch enthält acht wahre Geschichten von Menschen, die aufgrund ihrer narzisstischen Neigung am Tod anderer Menschen schuldig wurden. Einige Fälle sind sehr bekannt, da in den Medien ausgiebig darüber ...

Dieses Buch enthält acht wahre Geschichten von Menschen, die aufgrund ihrer narzisstischen Neigung am Tod anderer Menschen schuldig wurden. Einige Fälle sind sehr bekannt, da in den Medien ausgiebig darüber berichtet wurde, andere gelangten nie so recht an die Öffentlichkeit. Bei allen acht Beispielen deckt der Autor interessante Hintergründe der Gewalttaten auf. Dabei beginnt die Reise in den meisten Fällen schon in der Kindheit des Täters. Ob Überbehütung oder Vernachlässigung, in jungen Jahren wurde oft die Saat für das spätere Verbrechen gelegt.

Die Täter sind sowohl weiblich als auch männlich. Es wird von Schießereien berichtet, von einer Entführung und von Betrug. Jeder Fall beleuchtet einen anderen Aspekt von Narzissmus – beispielsweise Narzissmus in Beziehungen, gekränkter Narzissmus oder boshafter Narzissmus.

Das Besondere an diesem Buch: Voller Schrecken erkennt und bekennt sich der Autor selbst als Narzisst. Dabei möchte er das gar nicht sein, betont er. Er schreibt: „An manchen Tagen dieser Recherche will ich einfach nur nicht mehr ich sein.“

Doch er hat Wege gefunden, um mit dieser Persönlichkeitsstörung zu leben und anderen Menschen zu helfen, anstatt sie zu verletzen. Bei allen Beispielen erklärt er Aspekte des Innenlebens eines Narzissten. Er zeigt auch Wege auf, die ihm selbst in seinem Kampf gegen diese Lebensweise geholfen haben.

Wertvoll sind die Ergänzungen von zwei Fachleuten: Dr. Pablo Hagemeyer, Spezialist für Narzissmus, und Dr. Nahlah Saimeh, forensische Psychiaterin.

Der Schreibstil dieses Buches ist sehr angenehm. Die Beschreibung der True Crime Fälle ist fesselnd, die Erklärungen interessant und informativ. Ein wenig stören gelegentliche Wiederholungen, vor allem aus dem Leben des Autors. Er erzählt nicht seine ganze Lebensgeschichte, doch es werden einige wichtige Ereignisse ein ums andere Mal erzählt. Aber das nimmt nur einen kleinen Raum in diesem ansonsten ausgezeichneten Buch ein. Was sehr gut vermittelt wird, ist die Empathie des Autors für die Opfer und seine Entrüstung über die teils schauerlichen Taten. Voller Verständnis geht er auch auf die Herausforderung ein, ein Narzisst zu sein. Er beschreibt sie so: „… Narzissten sind auf beinahe schutzlose Weise verletzlich. Und das macht sie zu extrem unsicheren Menschen.“

Fazit: Ein spannendes Buch über wahre Verbrechen und ihre Hintergründe. Sehr empfehlenswert, vor allem für Menschen, die sich für True Crime oder Psychologie interessieren.

Veröffentlicht am 09.12.2025

Heimatlos wegen des Glaubens

Ausgewiesen
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Sofia ist eine junge Frau, die Mitte des 19. Jahrhunderts in Schweden aufwächst. Sie liebt Gott und möchte ihn persönlich kennenlernen. Neben den offiziellen Predigten in der lutherischen Kirche gibt es ...

Sofia ist eine junge Frau, die Mitte des 19. Jahrhunderts in Schweden aufwächst. Sie liebt Gott und möchte ihn persönlich kennenlernen. Neben den offiziellen Predigten in der lutherischen Kirche gibt es zu dieser Zeit mutige Straßenprediger, die Schriften verteilen und von einem Glauben sprechen, der sich allein auf die Bibel gründet. Ihre Worte lassen Sofia nicht mehr los. Schließlich vertraut sie ihr Leben Jesus an und beginnt, heimlich an ihren Treffen teilzunehmen. Dort begegnet sie Fredrik Nilsson, der später ihr Ehemann wird.

Dieser Mann bewegt sich am Rande der Illegalität, denn er gehört nicht zur Staatskirche, doch er will Gott mehr gehorchen als den Menschen. In Schweden gibt es zu dieser Zeit nur auf dem Papier Religionsfreiheit. In der Praxis werden Christen, die sich nicht an die lutherische Landeskirche halten, verspottet und verfolgt.

Dieser historische Roman erzählt Fredrik Nilssons Lebensgeschichte aus der Perspektive seiner Frau Sofia. Nach einem kurzen Einblick in ihre Kindheit und Jugend liegt der Schwerpunkt auf ihren Erfahrungen in den geheimen Zusammenkünften und auf ihrem Anteil an der Gründung der ersten baptistischen Gemeinde Schwedens. Gerade dieser Blick einer Ehefrau und Mutter macht die Geschichte besonders eindrücklich.

Beeindruckend ist, wie gut die Lebensverhältnisse in dieser längst vergangenen Zeit wiedergegeben werden. Der Schmutz in den ärmeren Wohnsiedlungen, das kirchliche Leben, die Sitten und Bräuche, die Redeweise – und das alles eingebettet in eine fesselnde Geschichte. Die Figuren sind sehr gut beschrieben, sie wirken lebensnah und sympathisch. Umso erstaunlicher ist es, sich immer wieder bewusst zu machen, dass es sich um reale historische Ereignisse handelt.

Anfangs fällt es etwas schwer, in die Handlung hineinzukommen, doch schon bald zieht die Geschichte einen in ihren Bann. Lediglich im letzten Teil nimmt die Spannung ein wenig ab, da hier historische Abläufe stärker im Vordergrund stehen als die Gedanken und Gefühle von Sofia und ihren Kameraden. Trotzdem ist diese Lektüre sehr lesenswert.

Beim Lesen staune ich, wie aktuell das Beschriebene ist. Denn heute erleben Menschen in vielen Ländern eine ähnliche Verfolgung wie damals Sofia und Fredrik. Sie müssen sich genauso im Verborgenen treffen, werden von Familie und Nachbarn ausgegrenzt oder gar verfolgt und müssen besondere Vorkehrungen treffen, wenn sie sich taufen lassen wollen. Gerade deshalb wirkt dieser Roman erschreckend aktuell.

Fazit: Eine eindringliche und berührende Erzählung über die Anfänge der baptistischen Bewegung in Schweden und über Menschen, die bereit waren, für ihre Glaubensüberzeugung Heimat, Sicherheit und Ansehen aufzugeben. Sehr empfehlenswert für alle, die sich für Biografien, Kirchengeschichte und Glaubensfragen interessieren.

Veröffentlicht am 06.12.2025

Dem Führer hinterher

Hitlers treues Volk
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Millionen Menschen wurden als Arbeitssklaven ausgebeutet und schließlich ermordet. Friedliche Nachbarländer wurden brutal überfallen und erobert. Christen verehrten einen menschlichen Führer statt Christus. ...

Millionen Menschen wurden als Arbeitssklaven ausgebeutet und schließlich ermordet. Friedliche Nachbarländer wurden brutal überfallen und erobert. Christen verehrten einen menschlichen Führer statt Christus. Wer widersprach, riskierte sein Leben. Das Dritte Reich war eine Zeit schwersten Unrechts. Wie konnte ein ganzes Volk diesem Wahnsinn zustimmen?

Lange Zeit lautete die Antwort vieler Eltern und Großeltern: Wir haben davon nichts gewusst. Doch stimmt das auch? Schon früh wurden Juden öffentlich entrechtet, ausgegrenzt und verfolgt. Dennoch jubelte ein ganzes Land dem Mann zu, der für diese Politik stand. Warum?

Genau dieser Frage geht das Buch nach. In 24 Aufsätzen beleuchtet es unterschiedliche Aspekte der gesellschaftlichen Zustimmung zum Nationalsozialismus. Jeder Beitrag gleicht einem Puzzleteil – gemeinsam zeichnen sie das Bild eines Landes, das die NS-Ideologie begeistert aufnahm. Themen sind unter anderem die Stimmung in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg, die Wirtschaftskrise, antisemitische Einstellungen, das propagierte Gemeinschaftsgefühl, aber auch Bereiche wie Sport, Freizeit und Urlaub. Die faschistische Ideologie durchdrang alle Lebensbereiche, bot einfache Antworten und stiftete Sinn. Abschließend richtet das Buch den Blick auf die Gegenwart und stellt die beunruhigende Frage, ob sich Geschichte wiederholen könnte.

Die Beiträge sind leicht verständlich und in ihrem Stil an Zeitschriftenartikel angelehnt. Zahlreiche Bilder unterstützen und veranschaulichen den Text. Viele Kapitel stützen sich auf Tagebucheinträge und zeitgenössische Schriften aus den frühen Jahren des Dritten Reiches, was den dargestellten Meinungen besondere Authentizität verleiht. Auffällig ist, wie selten Zweifel oder Angst zum Ausdruck kommen: Stattdessen dominieren Begeisterung und Euphorie über das „neue“, vereinte Reich – ein Zukunftsprojekt, an dem angeblich alle teilhaben konnten. Alle zumindest, die den vorgegebenen Anforderungen entsprachen. Die anderen wurden aussortiert.

Fazit: Das Buch ist spannend, aufschlussreich und gut gestaltet. Die thematische Vielfalt deckt zahlreiche Lebensbereiche ab, und die Quellenverweise verleihen den Beiträgen hohe Glaubwürdigkeit. Sehr empfehlenswert – insbesondere für Leser, die sich für die deutsche Geschichte interessieren.

Veröffentlicht am 02.12.2025

Auf frischer Tat erwischt

Auf der Seite der Frauen
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„Wo Sexkauf erlaubt ist, kommt es bei den Freiern zu einer Normalisierung und Abstumpfung. Grenzen werden verwischt, und was man früher für extrem hielt, ist heute zum Greifen nah.“

Der Kriminalkommissar ...

„Wo Sexkauf erlaubt ist, kommt es bei den Freiern zu einer Normalisierung und Abstumpfung. Grenzen werden verwischt, und was man früher für extrem hielt, ist heute zum Greifen nah.“

Der Kriminalkommissar Simon Häggström leitet die Prostitutionseinheit in Stockholm. In seinem Dienst begegnet er täglich schwerem Leid, und dennoch weiß er, dass er genau dort hingehört. Besonders erfüllt es ihn, wenn es gelingt, eine junge Frau aus einem Leben der Sklaverei zu befreien.

In Schweden ist der Kauf von Sex illegal – ein Kernpunkt des sogenannten „Nordischen Modells“. Häggström ist von diesem Ansatz überzeugt und setzt sich international dafür ein. Strafbar sind ausschließlich die Freier. Frauen hingegen erhalten Unterstützung, denn wie der Autor betont, kaum eine Frau wählt diese Tätigkeit aus freien Stücken, sondern fast immer aus der Not heraus.

In seinem Buch berichtet Häggström von Einsätzen und Begegnungen aus seinem Arbeitsalltag. Jedes Kapitel beginnt mit einem passenden Zitat einer Person, die in irgendeiner Weise mit Prostitution zu tun hat – oft von einer betroffenen Frau selbst. Diese Stimmen geben wertvolle Einblicke in ihre Erfahrungen und Sichtweisen.

Nach einer kurzen Einführung schildert Häggström konkrete Einsätze und weist an vielen Stellen auf den größeren Zusammenhang hin. Was kennzeichnet Männer, die Prostituierte aufsuchen? Wie hängen Pornografie und Prostitution zusammen? Und ist die Gefahr für Frauen nicht noch größer, wenn Prostitution illegal ist und somit im Verborgenen geschieht?

Seine Berichte sind authentisch und eindringlich. Häggström begegnet den Frauen mit spürbarem Mitgefühl. Besonders eindrucksvoll sind seine offenen Selbstreflexionen über eigene Fehler, Ohnmacht und das Gefühl der Hoffnungslosigkeit angesichts des Bösen. Er schreibt: „Ich nahm mir vor, ehrlich zu beschreiben, wie ich als Polizist, Mensch und Mann mit dieser Wirklichkeit umgehe und sie verarbeite.“

Über das Sexgewerbe zu berichten ist schwierig. Das Erlebte kann zu sauber geschildert werden, als wäre das alles gar nicht so schlimm. Doch der Autor entscheidet sich bewusst dafür, die dunklen und abstoßenden Seiten der Prostitution zu zeigen. So sind manche Schilderungen schon sehr grafisch, was beim Lesen stören kann. Sein Anliegen dabei erklärt er im Epilog: „… die Realität sollte ungeschminkt dargestellt werden. Es ist das wirkliche Leben vieler Menschen, die am Rande unserer Gesellschaft stehen. Zu beschönigen, was sie jeden Tag erleben, wäre ein Verrat an ihnen.“

Fazit: Ein bewegender und aufrüttelnder Bericht über den Alltag eines Polizisten, der gegen Prostitution kämpft. Die Geschichten der betroffenen Frauen machen das Unrecht greifbar und wecken Mitgefühl – und das Bedürfnis, nicht wegzusehen. Sehr empfehlenswert!