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Veröffentlicht am 13.11.2025

Die Wahrheit siegt

Der unbekannte Junge und das Vermächtnis der Ehrlichkeit
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Antonia ist verzweifelt. Das einzige Zuhause, das sie kennt, soll ihr genommen werden. Zusammen mit ihren Eltern lebt sie in einer alten Burg, die als Jugendherberge dient. Angeblich gehört dieses wertvolle ...

Antonia ist verzweifelt. Das einzige Zuhause, das sie kennt, soll ihr genommen werden. Zusammen mit ihren Eltern lebt sie in einer alten Burg, die als Jugendherberge dient. Angeblich gehört dieses wertvolle Anwesen am Starnberger See jemandem, der es selbst nutzen will. Doch ob das wirklich stimmt? Zum Glück kann Antonia auf ihre drei Freunde zählen – jeder von ihnen bringt besondere Fähigkeiten mit: chemisches Know-how, kluge Recherchearbeit mit Hilfe von KI, tröstende Worte und Mitgefühl. Gemeinsam begeben sie sich auf die Suche nach der Wahrheit – und stoßen dabei auf Erstaunliches.

Während Antonias Geschichte in der Gegenwart spielt, erzählt ein zweiter Erzählstrang von einem geheimnisvollen Jungen im Jahr 1917. Seine Herkunft ist ein Rätsel, ebenso wie die Tatsache, dass er sowohl Feinde im Verborgenen als auch unerwartete Unterstützer hat. Im Laufe der Handlung wird allmählich deutlich, wie seine Geschichte mit Antonias Kampf um die Burg zusammenhängt. Doch am Ende des Buches bleiben einige Fragen offen – man möchte sofort weiterlesen und zum nächsten Band greifen.

Diese spannende Geschichte ist für Kinder ab elf Jahren geschrieben, doch auch Erwachsene werden das Buch kaum aus der Hand legen wollen. Schon nach wenigen Absätzen werden die Figuren lebendig – das ist eine der großen Stärken dieses Romans. Die Kinder werden mit ihren Stärken und Schwächen beschrieben; sie treffen falsche Entscheidungen, werden von ihren Emotionen überrannt und bleiben dabei stets sympathisch.
Die Rätsel der Vergangenheit machen die Erzählung zu einer fesselnden Lektüre. Nach und nach fügt sich ein Puzzleteil zum nächsten, doch bis zum Schluss bleiben wichtige Fragen offen.
Thematisch geht es in diesem Band vor allem um Ehrlichkeit – auch um das Verschweigen von Tatsachen, die andere wissen sollten. Der Glaube bleibt im Hintergrund und tritt nur gelegentlich auf, etwa in Form eines Gebets. Das wirkt stimmig und passend. Die Sprache ist kindgerecht, und es ist interessant, dass aktuelle Themen wie künstliche Intelligenz aufgegriffen werden.
Fazit: Eine spannende Geschichte, die sich wunderbar als Geschenk für Kinder ab elf Jahren eignet – oder auch als Gute-Nacht-Lektüre. Ein christliches Buch, an dem sowohl Eltern als auch Kinder Freude haben werden!

Veröffentlicht am 10.11.2025

Und reichst du uns den schweren Kelch

Von guten Mächten treu und still umgeben
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„Bonhoeffer … verschweigt die Last böser Tage nicht. Er beklagt sich aber auch nicht darüber. Sondern er hält sich Gott hin.“

Monate vor seiner Hinrichtung schreibt Pastor Dietrich Bonhoeffer einen Weihnachtsbrief ...

„Bonhoeffer … verschweigt die Last böser Tage nicht. Er beklagt sich aber auch nicht darüber. Sondern er hält sich Gott hin.“

Monate vor seiner Hinrichtung schreibt Pastor Dietrich Bonhoeffer einen Weihnachtsbrief an seine Verlobte. Darin findet sich das berührende Gedicht, das mit den Worten beginnt: „Von guten Mächten wunderbar geborgen…“

Diese Verse, mehrfach vertont und bis heute häufig zu Jahreswechseln oder auf Beerdigungen gesungen, berühren Menschen seit Jahrzehnten. Sie tragen Hoffnung und Zuversicht in sich – den Glauben an eine Zukunft jenseits der trüben Zeit.

Dieses Buch enthält 27 Beiträge verschiedener Autorinnen und Autoren zu diesem bekannten Text. Die Aufsätze lassen sich jeweils in wenigen Minuten lesen und werden durch sorgfältig ausgewählte Zitate Bonhoeffers ergänzt, die die Gedanken der Verfasser treffend vertiefen.

Die Texte sind in drei Abschnitte gegliedert: Auslegungen, Vertonungen und Erfahrungen. Besonders die Beiträge im letzten Teil gehen zu Herzen und laden zum Nachdenken ein. Bereichernd sind auch die Abbildungen von Originalbriefen und Fotografien Bonhoeffers. Im Kapitel über die musikalischen Fassungen ermöglichen QR-Codes, die Lieder direkt anzuhören.

Die Gestaltung des Buches ist sehr angenehm. Es lädt zum Blättern, Innehalten und Nachsinnen ein. Leserinnen und Leser erfahren Neues über Bonhoeffers letzte Lebensmonate, seine Motivation und die Wirkung seines berühmten Textes. Leider bleiben einige Beiträge eher sachlich und nüchtern. Dennoch überzeugt der Band durch seine ehrliche Auseinandersetzung mit Bonhoeffers Glauben und Haltung. Immer wieder stellt sich beim Lesen der Beiträge die Frage: Hätte ich ebenso mutig gehandelt wie Bonhoeffer? Und wäre ich bereit, von Gott einen schweren Kelch anzunehmen?

Fazit: Ein bewegendes Buch über das bekannte Gedicht, „Von guten Mächten wunderbar geborgen“. Es beleuchtet den Entstehungshintergrund und zeigt verschiedene musikalische Interpretationen und persönliche Zugänge. Eine berührende Lektüre – besonders empfehlenswert für Bonhoeffer-Freunde und als tröstliches Geschenk in schweren Zeiten.

Veröffentlicht am 04.11.2025

Dem Tode entgegen

Acht Tage im April
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Bonhoeffer „… sagte mir damals, wie glücklich ihn das Gefängnis gemacht habe. Er hatte immer befürchtet, dass er nicht stark genug sein würde, um eine solche Prüfung zu bestehen, aber jetzt wusste er, ...

Bonhoeffer „… sagte mir damals, wie glücklich ihn das Gefängnis gemacht habe. Er hatte immer befürchtet, dass er nicht stark genug sein würde, um eine solche Prüfung zu bestehen, aber jetzt wusste er, dass es im Leben nichts gibt, wovor man Angst haben muss.“

Nach zwei Jahren Haft, auf einer Fahrt ins Ungewisse, vertraut Dietrich Bonhoeffer seinem Kameraden diese berührenden Worte an. Nach wenigen Tagen werden ihn Hitlers Handlanger hinrichten.

Auf 357 Seiten erzählt dieses Buch von den letzten neun Tagen seines Lebens. Dabei geht es nicht nur um Bonhoeffer, sondern auch um seine Weggefährten auf dieser letzten Reise und um die Beben dieser letzten Kriegstage. Jeder Abschnitt für die Tage vom 1. bis 9. April 1945 ist in vier bis sieben kurze Kapitel unterteilt. Diese berichten von den Ereignissen des jeweiligen Tages, beschreiben die Lebensläufe von Bonhoeffers Reisebegleitern, beleuchten politische Hintergründe und malen das Bild einer Nation, die im Untergang begriffen ist.

Ergänzt wird das Buch durch zahlreiche Fotos, Dokumente, Skizzen, ausführliche Anmerkungen, ein Stichwortverzeichnis, Literaturhinweise und einige Auszüge aus Bonhoeffers Texten.

Dieses Buch liest sich wie ein spannender Krimi – mit dem tragischen Unterschied, dass die grausamen Geschehnisse, die beschrieben werden, wahr sind. Der Autor hat sieben Jahre geforscht, um diese letzten Tage Bonhoeffers wahrheitsgetreu wiederzugeben. Das Ergebnis ist beeindruckend. Die ungewöhnliche Vorgehensweise, einen eng begrenzten Zeitraum ausführlich zu beschreiben, bedrückt und bewegt zugleich. Todesmärsche von KZ-Häftlingen, weise Menschen, die hingerichtet werden, weil sie sich den Alliierten ergeben wollen, ein irrsinniger Führer, Todesurteile, die in aller Eile vollsteckt werden, damit Helden wie Bonhoeffer den Krieg nicht überleben - und vieles mehr - ist erschütternd. Doch daneben gibt es auch Lichtblicke – couragierte Mitmenschen, tiefes Gottvertrauen, ein ökumenischer Gottesdienst im Angesicht des Todes.

Fazit: Dieses eindrucksvolle Buch ist schnell gelesen und bleibt lange im Gedächtnis. Es berichtet nicht nur von Dietrich Bonhoeffers letzten Tagen, sondern zeichnet zugleich ein eindringliches Bild des historischen Kontexts jener Zeit. Sehr empfehlenswert!

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Veröffentlicht am 28.10.2025

Warum es Sinn macht an Gott zu glauben

Warum ich glaube
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Dr. Henry Cloud ist vor allem durch seine zahlreichen Bücher bekannt geworden. Besonders seine Werke über das Setzen gesunder Grenzen zählen zu internationalen Bestsellern – rund 20 Millionen Exemplare ...

Dr. Henry Cloud ist vor allem durch seine zahlreichen Bücher bekannt geworden. Besonders seine Werke über das Setzen gesunder Grenzen zählen zu internationalen Bestsellern – rund 20 Millionen Exemplare wurden weltweit verkauft.

In seinem neuen, sehr persönlichen Buch gewährt er Einblicke in sein eigenes Leben. Sein zentrales Anliegen: Er möchte seinen vielen Freunden, die seinen Glauben nicht teilen, erklären, warum es seiner Überzeugung nach die vernünftigste und beste Entscheidung des Lebens ist, an den Gott der Bibel zu glauben.

Im ersten Teil schildert Cloud prägende Stationen seines Lebens. Er erzählt von seiner Kindheit, einer schweren Krankheit in jungen Jahren, von seinen Glaubenserfahrungen, einem persönlichen Tiefpunkt sowie vom Aufbau einer eigenen Klinik.

Der zweite Teil widmet sich mehreren außergewöhnlichen Erlebnissen, die Cloud als Wunder erlebt. In anekdotischer Form berichtet er von Bewahrung und von überraschenden, göttlich geführten Wendungen in seinem Leben.

Im dritten Teil beleuchtet der Autor das Verhältnis von Wissenschaft und Glaube. Er zeigt auf, wie die Schöpfung auf Gott hinweist und warum die Bibel glaubwürdig ist. Dabei geht er auch auf häufige Einwände von Nichtchristen ein – etwa die Frage nach dem Leid oder negative Erfahrungen mit Christen. Besonders spannend ist das abschließende Kapitel, in dem Cloud psychologische Prinzipien beschreibt, die sich bereits in der Bibel finden.

Das Buch liest sich angenehm und persönlich – wie ein Gespräch mit einem guten Freund. Manche Passagen wirken etwas zu ausführlich, und gelegentliche Wiederholungen hätten gekürzt werden können. Dennoch überzeugt die Lektüre durch ihren ehrlichen Ton, gute Argumente und den authentischen Einblick in das Leben einer bekannten Persönlichkeit.

Fazit: Eine gelungene Mischung aus Lebensgeschichte und Apologetik – inspirierend, nachvollziehbar und sowohl für Christen als auch für Suchende lesenswert. Sehr empfehlenswert!

Veröffentlicht am 21.10.2025

Wann ist eine Mutter gut genug?

Das Flüstern der Marsch
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„Geheimnisse sind wie ungebetene Gäste. Sie tauchen immer dann auf, wenn man es am wenigsten erwartet.“

Mona will ihre Großeltern besuchen, doch ihr Großvater erzählt ihr, dass ihre Großmutter verschwunden ...

„Geheimnisse sind wie ungebetene Gäste. Sie tauchen immer dann auf, wenn man es am wenigsten erwartet.“

Mona will ihre Großeltern besuchen, doch ihr Großvater erzählt ihr, dass ihre Großmutter verschwunden ist. Schon seit Tagen – und er scheint mehr darüber zu wissen, doch er schweigt beharrlich.

Merkwürdigerweise geht das Leben trotzdem weiter. Die große Feier zum achtzigsten Geburtstag des Großvaters kann nicht mehr abgesagt werden. Mona forscht aber beharrlich weiter. Sie spürt, dass es im Leben ihrer Verwandten bedeutende Geheimnisse geben muss.

Obwohl Janne schon genug mit ihren drei kleinen Kindern zu tun hat, fühlt sie sich überverantwortlich, wenn es etwas zu tun gibt. Auch die Schwiegertochter der Verschwundenen weiß so manches Unstimmige über ihre Schwiegermutter.

Freya leidet darunter, dass es in ihrer Familie keine Liebe und gesunde Bindungen gibt. Was sie mit Monas Großeltern zu tun hat, wird erst gegen Ende des Buches klar.

Und dann ist da noch die Verschwundene: Annemie. Von 1964 bis in die Gegenwart beleuchtet die Autorin auch ihre Sicht auf die Geschehnisse.

In diesem Buch geht es um Familiengeheimnisse, um unerlaubte Liebe, um die Last einer Mutter und ihr Verhältnis zu ihrem ungeborenen Kind. Dazwischen brillieren Beschreibungen des Marschs, eines beliebten Rückzugsortes, wenn das Leben zu schwer wird.

Das Cover unter dem Einband ist eine wunderschöne Überraschung, es zeigt eine ruhige Landschaft und mehrere fliegende Zugvögel. Die Erzählung wird aus der Perspektive der vier Frauen erzählt, dabei ist es vor allem Monas Geschichte, da sie die einzige Ich-Erzählerin ist. Die Geschichte ist fesselnd, und viele Erlebnisse der Figuren wirken authentisch und lebendig – dennoch bleibt eine gewisse Distanz, die es schwer macht, sich wirklich mit den Frauen zu identifizieren. Interessant sind die Zitate aus einem Erziehungsratgeber der 60er Jahre und das immer wiederkehrende Thema Mutterschaft.

Fazit: „Ich will, dass es mit uns endet.“ - Dieses Buch über die Aufarbeitung von Familiengeheimnissen und das Bemühen, eine gute Mutter zu sein ist spannend und enthält wunderschöne Naturbeschreibungen, doch die Charaktere bleiben bis zum Schluss unnahbar. Empfehlenswert!

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