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Veröffentlicht am 01.02.2025

Kunstvoll und berührend

Moorhöhe
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Ohne die dringende Empfehlung mehrerer Freundinnen hätte ich dieses Buch wohl nicht beachtet, es sieht harmlos aus, dabei ist es ganz großes Kino.
Es erzählt eine Familiengeschichte über fünfhundert Jahre ...

Ohne die dringende Empfehlung mehrerer Freundinnen hätte ich dieses Buch wohl nicht beachtet, es sieht harmlos aus, dabei ist es ganz großes Kino.
Es erzählt eine Familiengeschichte über fünfhundert Jahre hinweg in kurzen Episoden. Der Bauernhof Nevabacka steht mitten in der finnischen Einöde, neben Wald und dem Moor. „Nevabacka“ heißt „Moorhöhe“. Um da zu leben, muss man eigen sein und das sind sie alle, die Mitglieder dieser Familie.
Man lebt mit der Natur, den Jahreszeiten und den Geistern des Moores. Manch eine Begebenheit wird im Lauf der Zeit zur Legende und wir waren dabei, haben den wahren Kern der Geschichte miterlebt. Auch wenn man manch einen nur kurz begleitet, gehen einem die Schicksale zu Herzen.
Der Erzählstil ist schön und einfühlsam und wechselt in jedem Kapitel die Stilmittel. Da erfährt man mal eine ganze Lebensgeschichte in einem Gedicht oder durch die Briefe eines Mädchens. Das ist kunstvoll und berührend und erfordert Taschentücher.
Unbedingt lesen!

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Veröffentlicht am 24.01.2025

Umwerfend

Für Polina
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Ich kann Liebesgeschichten nicht leiden und deshalb lese ich keine, außer Takis Würger schreibt sie. Diese Geschichte ist eine Liebesgeschichte und absolut umwerfend. Sie trifft mitten ins Herz, lange ...

Ich kann Liebesgeschichten nicht leiden und deshalb lese ich keine, außer Takis Würger schreibt sie. Diese Geschichte ist eine Liebesgeschichte und absolut umwerfend. Sie trifft mitten ins Herz, lange bevor sie eine Liebesgeschichte ist.

Hannes und Polina kennen sich seit ihrer frühesten Kindheit. Ihre Mütter werden schon im Krankenhaus Freundinnen, kurz nachdem sie ihre Kinder bekommen haben. An dieser Stelle sind wir erst auf Seite 20 im Buch, bereits verliebt in Fritzi Prager und ihre Freundin Günes und haben schon fünf Mal gelacht.

Takis Würger gelingt hier ein Kunststück. Er trifft genau den richtigen Ton, die perfekte Mischung aus Atmosphäre und Originalität. Die Figuren sind allesamt Außenseiter, die einem mit all ihren Schrullen ans Herz wachsen. Und wenn Fritzi mit Baby Hannes in die alte Villa des knurrigen Heinrich Hildebrand zieht, erleben wir eine Art modernes Märchen, das sich ganz knapp an der Kitschgrenze bewegt, sie aber tatsächlich nie überschreitet. Die Geschichte ist schön, warmherzig, witzig und beinahe kuschelig, aber es passiert auch Tragisches, das dann umso mehr trifft.

Man begleitet Hannes durch seine Kindheit und lernt ihn dann als jungen Mann kennen, der ein Eigenbrötler ist, der aber auch ein herausragendes Talent für das Klavierspielen hat. Durch sein Klavierspiel kann er jeden berühren, mehr als es Worte je könnten. Und an einem absoluten Tiefpunkt angekommen rafft Hannes sich auf und versucht dieses Talent zu nutzen.

Dieses Buch ist sehr besonders und trifft, es erzählt von ungewöhnlichen Menschen, von Liebe in unterschiedlichsten Erscheinungsformen und von der Kraft der Musik, es bewegt tief und amüsiert gleichzeitig. Ich habe viel gelacht und auch geweint, bin höchst beindruckt und begeistert. Unbedingt lesen!

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Veröffentlicht am 14.01.2025

Anschaulicher Geschichtsunterricht mit einigem Kitsch

Die Tochter der Drachenkrone
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Die frühe Geschichte Großbritanniens ist kompliziert. 1197 leben die Briten in Wales, die Normannen im restlichen Teil der Insel und werden Freinc genannt, Angeln und Sachsen sind auch irgendwo. Die Normannen ...

Die frühe Geschichte Großbritanniens ist kompliziert. 1197 leben die Briten in Wales, die Normannen im restlichen Teil der Insel und werden Freinc genannt, Angeln und Sachsen sind auch irgendwo. Die Normannen haben schon lange das Land erobert und empfinden sich als Briten, die Waliser sehen das anders, sehen sich als die wahren Briten und wollen noch immer ihr Land von der Fremdherrschaft befreien.

Überall gibt es immer wieder Kämpfe, Burgen, Titel und Ländereien gehen hin und her, Fürsten, Söhne, Töchter werden als Geiseln beim Feind untergebracht oder zur Festigung der Beziehungen verheiratet. Nur scheint das alles nicht viel zu nützen und die Beziehungen nur noch kompliziertet zu machen.

Das erklärt einem dieses Buch wunderbar plastisch und ich bin sehr beeindruckt von der Rechercheleistung. Ich bin dem Geschehen jetzt etwa 15 Jahre lang gefolgt, war aber knapp davor, den Faden zu verlieren, Freund und Feind wechseln ständig und die immer gleichen Namen werden von Generation zu Generation weitergegeben. Wer will da durchsteigen?

Wir erleben diese Situation zusammen mit der Fürstentochter Gwenllian, der Tochter des letzten „wahren“ britischen Königs, die am Anfang des Buches gerade mal 14 Jahre alt ist und schon verschachert werden soll. Leider bin ich mit ihr so gar nicht warm geworden. Sie ist natürlich schön, mutig, eigenwillig und kann sich behaupten. Wo immer es nötig ist, sagt sie unerschrocken ihre Meinung, andererseits ist sie auch unglaublich labil. Immerzu versagen ihr die Beine, fühlt sie ein Krampfen in ihrem Bauch, greift eine Faust nach ihrem Herz, verliert sie den Boden unterihren Füßen, jagen heiße Wellen durch ihren Körper, so dass sie kaum einen Gedanken fassen kann. Es ist schon fast lächerlich, wie eine starke Frau so leicht aus der Fassung zu bringen ist. (Es wird auch mit zunehmendem Alter nicht besser.)

Das Hörbuch liest Heike Warmuth tapfer und einfühlsam und macht einen bewundernswerten Job. Das Buch strotzt vor unlesbaren Namen, die auszusprechen an den berühmten Sketch von Loriot erinnert. Das tut sie stoisch ganze 16 Stunden und 20 Minuten lang. Respekt!

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Veröffentlicht am 13.01.2025

Weltkrieg light

Ginsterburg
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„Der große Roman von Arno Frank über Menschlichkeit in unmenschlichen Zeiten“, den hätte ich wirklich gerne gelesen. Leider ist nur sehr wenig davon bei mir angekommen.

Nach einem atemraubendem Prolog ...

„Der große Roman von Arno Frank über Menschlichkeit in unmenschlichen Zeiten“, den hätte ich wirklich gerne gelesen. Leider ist nur sehr wenig davon bei mir angekommen.

Nach einem atemraubendem Prolog landet man in Ginsterburg, einem fiktiven deutschen Städtchen, in dem 1935 die Welt fast noch in Ordnung ist. Ein Zirkus ist in der Stadt und auch wenn dessen Attraktionen in die Jahre gekommen sind, ist das ein Ereignis.

Man lernt einige Ginsterburger kennen, die sich mit neuen Gegebenheiten arrangieren müssen. Eugen hat das Gefühl, es weht ein anderer Wind in der Redaktion seiner Zeitung, ist dort noch Platz für ihn? Seine Frau und seine Tochter sind Feuer und Flamme für die neuen Ideen des Führers. Eugen trifft sich fast lieber mit der Buchhändlerin Merle, als zuhause zu sein. Warum sich dann später freiwillig zum Dienst in der Marine meldet, habe ich nicht verstanden und so ging es mir leider mit vielen Wendungen dieser grundsätzlich toll erzählten Geschichte.

Der Erzählstil ist plastisch, originell und detailreich, ergeht sich in tausend dekorativen Schlenkern, schafft viel Ambiente, behandelt die Figuren aber eher oberflächlich. Es sind viele Figuren, natürlich kann man da nicht jeden analysieren, aber wenigstens ein-zwei oder drei sollten einen doch fesseln, gerade zu einer Zeit, wo Tragödien an der Tagesordnung waren.

Hier wird der Leser verschont von den offensichtlichen Nazigräueln, wir haben sie auch schon oft gelesen, das stimmt schon, nur wirkt dann die ganze Geschichte merkwürdig weichgespült und emotionslos, wenn uns die Protagonisten nicht viel mehr als leise Zweifel vorführen, die wahre Handlung im Off passiert und alle Nazi-Sympathisanten klischeehafte Rüpel oder naive Jasager sind und bleiben. Noch nicht einmal die Liebesgeschichten gönnt man uns, die finden statt, aber der Leser ist nicht dabei. Plötzlich sind sie ein Paar. So etwas nehme ich dann zur Kenntnis, aber es berührt kein bisschen.

Zum Schluss bekommen wir doch noch ein wahres Feuerwerk, ganz großes Kino, das ein bisschen für den eher schleppenden Verlauf des Buches entschädigt. Allerdings hätte ich furchtbar gerne mehr davon gehabt.

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Veröffentlicht am 09.01.2025

Witzig und unterhaltsam, allerdings ganz und gar kein Spaß

Täuschend echt
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Dieses Buch ist eigen und passt in keine Schublade.

Da beklagt ein Werbetexter sein Schicksal. Seine Freundin hat ihn verlassen und ihm übelste Vorwürfe gemacht. Er weiß selbst, er ist ein Wicht, übergewichtig ...

Dieses Buch ist eigen und passt in keine Schublade.

Da beklagt ein Werbetexter sein Schicksal. Seine Freundin hat ihn verlassen und ihm übelste Vorwürfe gemacht. Er weiß selbst, er ist ein Wicht, übergewichtig noch dazu, aber was sie ihm alles an den Kopf geschmissen hat, ist schon bösartig. Oder hat sie etwa recht?

Diesem Mann zuzuhören ist komisch und anstrengend gleichzeitig, er analysiert sich selbst bis zu Selbstzerfleischung. Und dann verliert er auch noch seinen Job.

Das ist die Ausgangsituation einer traurigen Geschichte, die zur Farce wird. Ein glückloser Werbetexter entdeckt die KI und damit eine neue Welt. Müsliwerbung kann sie besser als er selbst, aber kann sie auch ein Buch schreiben?

Es ist schon sehr verrückt, was sich Charles Lewinsky hier hat einfallen lassen, aber unrealistisch ist es ganz und gar nicht. Was kann eine KI und was kann sie nicht? Kann sie sinnvolle Bücher schreiben, kann sie tatsächlich den Menschen ersetzen? Kann sie vielleicht sogar unsere beste Freundin werden, Komplizin, Verbündete, Kummerkasten?

All das liegt hier auf dem Tisch und wird zu einer irrwitzigen Geschichte verarbeitet, die unterhaltsam und klug ist, mit einigen Überraschungen aufwartet und auch ein klein wenig an den Nerven des Lesers zupft.

Im Hörbuch wird die KI von Eveline Ratering gelesen, die gleichermaßen stoisch und sympathisch Alexas kleine Schwester gibt. Claudius Körber verkörpert perfekt den nerdigen Autor, der alles im Griff hat, während ihn Selbstzweifel plagen. Es dauert 7 Stunden und und 32 Minuten und ist witzig und unterhaltsam, allerdings ganz und gar kein Spaß.

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