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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.05.2025

Emotionaler Roman

Erdbeeren und Zigarettenqualm
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Madeline Docherty hat mir bis zu diesem Roman gar nichts gesagt.
"Erdbeeren und Zigarettenqualm" wird aus der zweiten Person singular heraus erzählt, mit der direkten "du"-Ansprache, sodass sich de die ...

Madeline Docherty hat mir bis zu diesem Roman gar nichts gesagt.
"Erdbeeren und Zigarettenqualm" wird aus der zweiten Person singular heraus erzählt, mit der direkten "du"-Ansprache, sodass sich de die Leserinnen direkt angesprochen fühlen. Für mich wirkte es so, als spräche die Protagonistin in der Form der "Du"-Erzähung zu sich selbst.

Die Protagonistin lernt Ella an der Universität kennen, sammelt sexuelle Erfahrungen und berichtet alles Ella. Die beiden sind sich sehr nah und Ella weiß quasi alles von der Protagonistin, die die Diagnose Endometriose erhält. In den folgenden Jahren, während des Studiums und danach, hat die bisexuelle Protagonistin diverse Jobs, sexuelle Begegnungen und Beziehungen. Die einzige Konstante in ihrem Leben ist Ella. Und auch mit ihr gibt es manchmal stillere Phasen. Die Protagonistin spürt im Laufe der Jahre, dass das Band der Freund
innenschaft zu Ella immer dünner wird, sieht jedoch auch den gesteigerten Bedarf, sich ihr mitzuteilen und somit eine gesteigerte Notwendigkeit. Als Leserin habe ich zwischen den Zeilen oftmals ein Knirschen gehört und mich gefragt, wie zwei Personen so schlecht miteinander kommunizieren können.

Für mich ein absolutes Highlight dieses Jahr. "Erdbeeren und Zigarettenqualm" hat mich berührt und mich durch diverse Emotionen gebracht. Ich mag die Zartheit, die Verletzlichkeit und gleichzeitig die Sicherheit, die die Freundinnenschaft vermeintlich vermittelt. Ein sehr emotionales Buch, das eine besondere Facette von Freundinnenschaft zeigt.

Veröffentlicht am 12.05.2025

Messerscharfe Beobachtungen zynisch dargestellt

Geht so
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Oberflächlich betrachtet läuft es bei Marisa: Ihren Job in einer Werbeagentur in Madrid macht sie sehr gut und agiert professionell. Doch innerlich ist sie leer, langweilt sich und hat das Gefühl, ewig ...

Oberflächlich betrachtet läuft es bei Marisa: Ihren Job in einer Werbeagentur in Madrid macht sie sehr gut und agiert professionell. Doch innerlich ist sie leer, langweilt sich und hat das Gefühl, ewig im Hamsterrad zu rennen und das Leben nur zu ertragen. Um diese innere Leere zu betäuben, versinkt sie in YouTube-Videos, betäubt sich mit Alkohol, Medikamenten und Drogen. Das anstehend Teambuilding-Wochenende sorgt mit Marisas Angsttörung für Eskalation und Chaos.

Ausgehend vom Klappentext dachte ich, dass das Firmenevent relativ zeitnah einsetzt und den Mittelpunkt der Handlung bildet. Das setzt jedoch erst zum letzten Drittel hin ein. Bis dahin konnte mich Beatriz Serrano mit messerscharfen Beobachtungen überzeugen, die sie humorvoll, überspitzt und zynisch darstellt. Marisas Gefühlslage kann ich sehr gut nachvollziehen - gerade diese innere Leere, eine Antriebslosigkeit und das Gefühl, sich mit irgendetwas zu betäuben oder zu reizen, um etwas zu spüren. Beatriz Serranos Blick auf die Gesellschaft - die hier in Ausschnitten dargestellt wird - kratzt tiefergehende Themen natürlich nur an, setzt jedoch die richtigen und wichtige Impulse.
Der Schreibstil ist flüssig, auch wenn auf der Handlungsebene kaum etwas passiert, habe ich das Buch sehr gern gelesen und Marisas Gedanken verfolgt. Lediglich das Ende hat mich etwas verloren, das fand ich arg konstruiert.

Ein gutes Buch, das mir noch eine Weile durch den Kopf schwirren wird.

Veröffentlicht am 11.05.2025

Intensiver, roher Coming-of-Age-Roman

Wenn wir lächeln
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Jara lernt Anto auf dem Fußballplatz kennen. Die beiden freunden sich sehr schnell an und sind ab dann unzertrennlich. Sie teilen Lipgloss, Zigaretten und Wut, die gerade bei Anto überwältigend wirkt.

In ...

Jara lernt Anto auf dem Fußballplatz kennen. Die beiden freunden sich sehr schnell an und sind ab dann unzertrennlich. Sie teilen Lipgloss, Zigaretten und Wut, die gerade bei Anto überwältigend wirkt.

In "Wenn wir lächeln" skizziert Mascha Unterlehberg eine Freundinnenschaft in den frühen 2000ern, die einerseits sehr hart und roh und dennoch fein und zart wirkt. Anto kommt aus einem wohlhabenden Elternhaus, allerdings ist ihre Mutter häufig nicht da und Anto ist auf sich gestellt, kann machen, was sie will und testet in meinen Augen permanent Grenzen aus, überschreitet sie uns sucht nach Widerständen im Außen. Jara hingegen ist die Tochter einer liebevollen, alleinerziehenden Mutter. In meiner Wahrnehmung schaut sie zu Anto auf, himmelt sie an und eifert ihr nach.
Dass diese Grenzhandlungen, Wut, Gewalt und Skrupellosigkeit früher oder später in einer Katastrophe enden werden, war klar. Mascha Unterlehberg erzählt fragmentarisch, sprunghaft und ungeschönt von Jaras und Antos Freundinnenschaft. Dabei lag deren Zerbrechlichkeit für mich immer in der Luft und zwischen den Zeilen schwingt so viel Schweres, Unausgesprochenes mit.
Vieles bleibt angedeutet, könnte sich durch das Bruchstückhafte bei mir nicht wirklich setzen und ich konnte weder Jara noch Anto greifen, weil sie nach außen so distanziert und verschlossen wirkten.

Ein intensiver Coming-of-Age-Roman, der mich bewegt hat und wichtige Aspekte von einer speziellen Freundinnenschaft darstellt.

Veröffentlicht am 09.05.2025

Fesselnder Roman über Freundinnenschaft und Schuld

Before we were innocent
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Die drei Freundinnen Joni, Bess und Evangeline leben in den USA und kommen aus sehr wohlhabenden, privilegierten Familien. Nach ihrem Schulabschluss 2008 beschließen sie, einen Sommer in Griechenland auf ...

Die drei Freundinnen Joni, Bess und Evangeline leben in den USA und kommen aus sehr wohlhabenden, privilegierten Familien. Nach ihrem Schulabschluss 2008 beschließen sie, einen Sommer in Griechenland auf der Insel zu verbringen, auf der Evangeline die Sommer ihrer Kindheit verbracht hat. Doch aus diesem Urlaub kehren nur Joni und Bess zurück. Evangeline ist gestorben und die Polizei hat geprüft, inwiefern Joni und Bess in ihren Tod involviert waren. Auch wenn sie aus dem Prozess als unschuldig herausgehen, stürzen sich die Medien auf sie, halten sie trotzdem für schuldig. Bess zieht sich zurück und lebt isoliert, als Joni zehn Jahre später vor ihrer Tür steht und sie um einen Gefallen bittet: Sie braucht ein Alibi.

Ella Bermann hat mit "Before we were innocent" einen fesselnden und tiefgründigen Roman über Freundinnenschaft, Vertrauen, Verlust, Schmerz und Schuld geschaffen. Erzählt wird auf zwei Zeitebenen. In der Gegenwart, im Jahr 2018, erfahren wir mit der Zeit, wie Bess' und Jonis Leben momentan aussehen und was es mit den aktuellen Ermittlungen zu Jonis Alibi auf sich hat. Auf der Vergangenheitsebene erzählt Ella Bermann von der Freundinnenschaft zwischen den drei Mädchen und den Geschehnissen in Griechenland, die zu Evangelines Tod geführt haben. Dabei werden die Beziehungen sehr detailliert und komplex aufgebaut, sodass nachvollziehbar ist, weshalb jede von ihnen entsprechend reagiert und wie es zu den Konflikten kommt.
Auf sehr nachvollziehend und spannende Weise wird erzählt, wie Nähe zu Konkurrenzdenken, zu Verletzungen, Schmerz, Verlust und Frustrationstoleranz führt.
Ich mag den ruhigen, intensiven Schreibstil sehr. Auch wenn es Spannungselemente gibt und die Atmosphäre oftmans angespannt und aufgeladen ist, handelt es sich auf jeden Fall um einen Roman und nicht um einen Thriller.

"Before we were innocent" gehört definitiv zu meinen Lesehighlights 2025.

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Veröffentlicht am 30.04.2025

Ekstase historisch eingeordnet

Berauscht der Sinne beraubt
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Racha Kirakosian kommt aus der Mediävistik und beschäftigt sich in diesem Buch mit den verschiedenen Formen der Ekstase. Dabei spielen vor allem die historischen Entwicklungen und Prägungen eine große ...

Racha Kirakosian kommt aus der Mediävistik und beschäftigt sich in diesem Buch mit den verschiedenen Formen der Ekstase. Dabei spielen vor allem die historischen Entwicklungen und Prägungen eine große Rolle. Die Assoziationen zu Ekstase können vielfältig sein, beispielsweise: Drogen, Sex, Transzendenz oder Kontrollverlust. Ganz heruntergebrochen bezeichnet Ekstase einen bewusstseinserweiterten und meist glückserzeugenden Zustand.

Racha Kirakosian geht bei ihrer Untersuchung unter anderem auf die Antike ein, in der Träumen, Prophezeiungen und Orakeln eine bedeutende Rolle zugeschrieben wurden - beispielsweise im Gegensatz zur Aufklärung, in der irrationale Aspekte als primitiv galten. Generell lässt sich sagen, dass das Buch weniger ein informatives Sachbuch ist, sondern vielmehr eine wissenschaftliche Abhandlung. Das bedeutet, der Stil ist sehr nüchtern, die Sätze sind kurz, aber inhaltlich sind sie anspruchsvoll und komplex. Durch den wissenschaftlichen Stil bin ich manchmal mit den Gedanken abgeschweift und habe nach längeren Passagen teilweise vergessen, was ich zuvor gelesen habe.
Es ist also weniger ein Buch für Lesestunden zwischendurch, sondern eher geeignet für eine intensive Auseinandersetzung, würde ich sagen.