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Veröffentlicht am 09.05.2025

Fesselnder Roman über Freundinnenschaft und Schuld

Before we were innocent
1

Die drei Freundinnen Joni, Bess und Evangeline leben in den USA und kommen aus sehr wohlhabenden, privilegierten Familien. Nach ihrem Schulabschluss 2008 beschließen sie, einen Sommer in Griechenland auf ...

Die drei Freundinnen Joni, Bess und Evangeline leben in den USA und kommen aus sehr wohlhabenden, privilegierten Familien. Nach ihrem Schulabschluss 2008 beschließen sie, einen Sommer in Griechenland auf der Insel zu verbringen, auf der Evangeline die Sommer ihrer Kindheit verbracht hat. Doch aus diesem Urlaub kehren nur Joni und Bess zurück. Evangeline ist gestorben und die Polizei hat geprüft, inwiefern Joni und Bess in ihren Tod involviert waren. Auch wenn sie aus dem Prozess als unschuldig herausgehen, stürzen sich die Medien auf sie, halten sie trotzdem für schuldig. Bess zieht sich zurück und lebt isoliert, als Joni zehn Jahre später vor ihrer Tür steht und sie um einen Gefallen bittet: Sie braucht ein Alibi.

Ella Bermann hat mit "Before we were innocent" einen fesselnden und tiefgründigen Roman über Freundinnenschaft, Vertrauen, Verlust, Schmerz und Schuld geschaffen. Erzählt wird auf zwei Zeitebenen. In der Gegenwart, im Jahr 2018, erfahren wir mit der Zeit, wie Bess' und Jonis Leben momentan aussehen und was es mit den aktuellen Ermittlungen zu Jonis Alibi auf sich hat. Auf der Vergangenheitsebene erzählt Ella Bermann von der Freundinnenschaft zwischen den drei Mädchen und den Geschehnissen in Griechenland, die zu Evangelines Tod geführt haben. Dabei werden die Beziehungen sehr detailliert und komplex aufgebaut, sodass nachvollziehbar ist, weshalb jede von ihnen entsprechend reagiert und wie es zu den Konflikten kommt.
Auf sehr nachvollziehend und spannende Weise wird erzählt, wie Nähe zu Konkurrenzdenken, zu Verletzungen, Schmerz, Verlust und Frustrationstoleranz führt.
Ich mag den ruhigen, intensiven Schreibstil sehr. Auch wenn es Spannungselemente gibt und die Atmosphäre oftmans angespannt und aufgeladen ist, handelt es sich auf jeden Fall um einen Roman und nicht um einen Thriller.

"Before we were innocent" gehört definitiv zu meinen Lesehighlights 2025.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema
Veröffentlicht am 30.04.2025

Ekstase historisch eingeordnet

Berauscht der Sinne beraubt
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Racha Kirakosian kommt aus der Mediävistik und beschäftigt sich in diesem Buch mit den verschiedenen Formen der Ekstase. Dabei spielen vor allem die historischen Entwicklungen und Prägungen eine große ...

Racha Kirakosian kommt aus der Mediävistik und beschäftigt sich in diesem Buch mit den verschiedenen Formen der Ekstase. Dabei spielen vor allem die historischen Entwicklungen und Prägungen eine große Rolle. Die Assoziationen zu Ekstase können vielfältig sein, beispielsweise: Drogen, Sex, Transzendenz oder Kontrollverlust. Ganz heruntergebrochen bezeichnet Ekstase einen bewusstseinserweiterten und meist glückserzeugenden Zustand.

Racha Kirakosian geht bei ihrer Untersuchung unter anderem auf die Antike ein, in der Träumen, Prophezeiungen und Orakeln eine bedeutende Rolle zugeschrieben wurden - beispielsweise im Gegensatz zur Aufklärung, in der irrationale Aspekte als primitiv galten. Generell lässt sich sagen, dass das Buch weniger ein informatives Sachbuch ist, sondern vielmehr eine wissenschaftliche Abhandlung. Das bedeutet, der Stil ist sehr nüchtern, die Sätze sind kurz, aber inhaltlich sind sie anspruchsvoll und komplex. Durch den wissenschaftlichen Stil bin ich manchmal mit den Gedanken abgeschweift und habe nach längeren Passagen teilweise vergessen, was ich zuvor gelesen habe.
Es ist also weniger ein Buch für Lesestunden zwischendurch, sondern eher geeignet für eine intensive Auseinandersetzung, würde ich sagen.

Veröffentlicht am 23.04.2025

Überraschender Tiefgang

Only Margo
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Margo hat eine Affäre mit ihrem Collegeprofessor, von dem sie schwanger wird. Sobald er davon weiß und erfährt, dass Margo das Kind bekommen wird, macht er sich aus dem Staub und lässt sie mit dem Kind ...

Margo hat eine Affäre mit ihrem Collegeprofessor, von dem sie schwanger wird. Sobald er davon weiß und erfährt, dass Margo das Kind bekommen wird, macht er sich aus dem Staub und lässt sie mit dem Kind allein. Als alleinerziehende Mutter steht Margo auf einmal nicht nur vor den Fragen, wie sie ein Kind großzieht, sondern auch, wie sie für sich und ihren Sohn aufkommen kann. Viele Jobs sind nicht vereinbar mit ihren zeitlichen Kapazitäten oder bieten nicht genügend Lohn. Da erfährt Margo von OnlyFans, sieht die Möglichkeit von gut verdientem Geld und der maximalen Flexibilität, da sie einfach von zuhause aus arbeiten kann.
Bald jedoch spricht sich ihr Job herum und hat negative Auswirkungen auf ihr Leben. Margo muss für sich ausloten, wie weit sie gehen kann, wo ihre Prioritäten sind und dass sie für sich einstehen muss.

Rufi Thorpe hat mich mit "Only Margo" überrascht. Ich habe einen recht seichten Roman mit hohem Unterhaltungsfaktor erwartet. Den habe ich auch bekommen, allerdings mit Tiefgang und Auseinandersetzung zu diversen wichtigen Themen. An Margos Beispiel und ihrer Tätigkeit bei OnlyFans thematisiert Rufi Thorpe unter anderem Sexarbeit, Selbstbestimmung und für den eigenen Körper und für sich einzustehen. Mir gefällt, wie Margo an sich selbst wächst, für sich einsteht und sich nicht von gesellschaftlichen Normen und Überzeugungen kleinkriegen lässt.

Ich habe "Only Margo" sehr gern gelesen, nahezu verschlungen, weil Rufi Thorpe sehr flüssig und leicht schreibt und mich die Figuren abgeholt haben. Sowohl für Margo als auch für ihren Vater und Suzie habe ich auf Anhieb Sympathie entwickelt und war froh, dass Margo ein so unterstützendes Umfeld hat.

Ein schönes Buch, das mich begeistern konnte und meine Erwartungen übertroffen hat.

Veröffentlicht am 23.04.2025

Ein wenig betrachtetes Gefühl

Scham
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Im gleichnamigen Buch beschäftigt sich Matthias Kreienbrink mit einem Gefühl, das in meiner Wahrnehmung bisher wenig bis keine Sichtbarkeit bekommen hat: Scham. Zunächst leitet er damit ein, wie Scham ...

Im gleichnamigen Buch beschäftigt sich Matthias Kreienbrink mit einem Gefühl, das in meiner Wahrnehmung bisher wenig bis keine Sichtbarkeit bekommen hat: Scham. Zunächst leitet er damit ein, wie Scham entsteht, in welchem Alter und in welchen typischen Situationen wir Scham häufig empfinden und welche Prozesse im Körper dabei stattfinden. Dabei spielt unsere Sozialisierung natürlich eine entscheidende Rolle.

Der Schreibstil ist sehr flüssig, recht neutral und sachlich, in den richtigen Momenten humorvoll. Matthias Kreienbrink erzählt von seinen eigenen Erfahrungen mit der Scham und lässt andere Menschen zu Wort kommen, die von schamhaften Momenten oder Beschämungen erzählen. Darin können sich sicherlich viele Leser*innen wiederfinden. Er schafft es, einen guten Mix aus wissenschaftlichen Fakten und Information und persönlichen Erlebnissen zu schaffen.

Durch die Lektüre habe ich einen guten Überblick über die verschiedenen Dimensionen und Wirkbereiche von Scham, der Entstehung, Sozialisierung und den Umgang damit bekommen.

Ich kann das Buch auf jeden Fall empfehlen und bin generell dafür, dass mehr über Gefühle gesprochen und geschrieben wird und gerade negativ konnotierte Gefühle wie Wut oder Scham benannt und enttabuisiert werden.

Veröffentlicht am 02.04.2025

Zweite Chancen

Almost isn't enough. Echoes of the Past (Secrets of Ferley 2)
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Damian geht nachts mit seinem Hund durch den Park, als plötzlich seine Jugendliebe Hazel vor ihm steht. Sie hat ihm vor drei Jahren das Herz gebrochen, als sie ohne Abschied die Kleinstadt verlassen und ...

Damian geht nachts mit seinem Hund durch den Park, als plötzlich seine Jugendliebe Hazel vor ihm steht. Sie hat ihm vor drei Jahren das Herz gebrochen, als sie ohne Abschied die Kleinstadt verlassen und sich nie wieder bei Damian gemeldet hat. Hazel hilft ihrem kranken Großvater in dessen Buchhandlung. In ihrer Abwesenheit hat Damian unterstützt, weshalb die beiden sich dort wieder begegnen. Die Anziehung von damals ist wieder da, doch beide tragen Verletzungen, Probleme und Geheimnisse mit sich herum. Während Hazel sich zurückzieht, betäubt Damian seinen Schmerz bei sehr fordernden Underground-Boxkämpfen.

Ich habe den ersten Band von Jennifer Bright nicht gelesen, sondern haber jetzt mit Hazel und Damian gestartet. Den Schreibstil fand ich sehr flüssig und die Ausgangsposition vielversprechend. Zwischendurch gab es einige spannende Momente. Doch einen richtigen Draht oder Sympathie konnte ich weder für Hazel noch für Damian entwickeln. Vielleicht auch, weil beide sich nicht von Beginn an geöffnet haben, sondern so stark zwischen Anziehung und Distanz gewechselt haben.
Ein kurzweiliges Buch für zwischendurch mit einer Geschichte über zweite Chancen.