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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.08.2023

Einblicke in das Leben Hedy Lamarrs

Die einzige Frau im Raum
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Hedwig Maria Kiesler war jüdischer Abstammung, etablierte sich in der Wiener Schauspiellandschaft und heiratete den österreichischen Waffenhändler Friedrich Mandl. Dadurch bekam sie Einblicke in die Pläne ...

Hedwig Maria Kiesler war jüdischer Abstammung, etablierte sich in der Wiener Schauspiellandschaft und heiratete den österreichischen Waffenhändler Friedrich Mandl. Dadurch bekam sie Einblicke in die Pläne des Dritten Reiches, die sie später für die Zusammenarbeit mit den Alliierten nutzte. Ihre Ehe war geprägt von Gewalt, weshalb sie ihren Mann 1937 verließ, nach Hollywood floh und dort als Schauspielerin unter dem Namen Hedy Lamarr berühmt wurde. Allerdings war sie, neben ihrer Karriere als Schauspielerin, Wissenschaftlerin und hatte eine Idee, durch moderne Kommunikationssysteme die Nazis zu bekämpfen. Doch es dauerte, bis ihr Gehör geschenkt wurde und sie einen maßgeblichen Einfluss auf das Weltgeschehen nehmen konnte.

Bis zu "Die einzige Frau im Raum" war mir Marie Benedict noch kein Begriff, ich werde mir jetzt jedoch auch "Lady Churchill" von ihr zulegen. Marie Benedict erzählt in flüssigem und recht nüchteren Ton von Hedy Lamarrs Leben, beginnend vom Kennenlernen ihres späteren Ehemannes, über den Aufstieg ihrer Karriere und bis hin zur kontinuierlichen Arbeit gegen die Nazis. Der gemischte Einblick, sowohl in das Schauspielleben als auch hinsichtlich der wissenschaftlichen Erkenntnisse, war dabei eine interessante Kombination.
Einige Stellen waren für mich etwas langatmig, jedoch wuchs mir Hedy ans Herz und ich habe ihre Laufbahn gespannt verfolgt.
Ein guter Roman über eine wichtige Frau, die vermutlich nur den wenigsten bekannt ist, weshalb ich die Lektüre umso mehr empfehlen möchte!

Veröffentlicht am 02.08.2023

Liebe über die Grenzen der DDR hinaus

Mit dem Mut zur Liebe
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Dieto und Johanna, zwei Artistinnen, lernen sich Ende der 50er Jahre in Dresden kennen und sie verlieben sich. Doch der Bau der Mauer und Dietos Verpflichtung fürs Militär machen dem jungen Paar die Liebe ...

Dieto und Johanna, zwei Artistinnen, lernen sich Ende der 50er Jahre in Dresden kennen und sie verlieben sich. Doch der Bau der Mauer und Dietos Verpflichtung fürs Militär machen dem jungen Paar die Liebe schwer, weshalb sie fliehen, jedoch weitere Herausforderungen überwinden müssen.

Hera Lind ist dafür bekannt, dass sie ihre Romane auf wahren Tatsachen beruhen lässt und ihre Geschichten um die historische Fakten und Zusammenhänge herum kreiert. Die anfänglichen Schilderungen aus der Kindheit von Dieto und Johanna, die Erlebnisse ihrer Väter in der Kriegsgefangenschaft und ihre Rettung als Artist
innen, um der Gefangenschaft, dem Arbeitslager und dem Tod zu entkommen, waren bereits sehr eindrücklich. Dieser Eindruck vertieft sich mit voranschreitender Lektüre. Hera Lind beschreibt, welche Grenzen und Risiken es für Dieto und Johanna geben und wie sie diese zugunsten ihrer Liebe und eines hoffnungsvollen Lebens eingehen und überwinden.
Gerade für Hera Lind-Fan*innen sicherlich eine empfehlenswerte Lektüre! EIn eindrücklicher DDR-Roman, der von einer Liebe erzählt.

Veröffentlicht am 01.08.2023

Urlaubsvibe

Happy Place
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Seit dem College waren Harriet und Wyn ein Paar und sind in den Sommern gemeinsam mit ihrer Clique in eine Hütte nach Maine gefahren. Da die Hütte verkauft werden soll, nutzt die Clique nun die allerletzte ...

Seit dem College waren Harriet und Wyn ein Paar und sind in den Sommern gemeinsam mit ihrer Clique in eine Hütte nach Maine gefahren. Da die Hütte verkauft werden soll, nutzt die Clique nun die allerletzte Chance, noch einmal den gemeinsamen Urlaub dort zu verbringen. Da das eine Paar nach dieser Woche heiraten wird, passt es sich umso besser. Das einzige Problem: Harriet und Wyn sind seit sechs Monaten gar kein Paar mehr, haben es ihren Freund*innen jedoch nicht gesagt und spielen denen nun weiterhin eine perfekte Beziehung vor, um sie nicht zu enttäuschen und die Hochzeitsvorfreude nicht zu verderben.

Dass hier Gefühle und eine etwaige zweite Chance für Harriets und Wyns Beziehung im Raum stehen, war mir nach dem Klappentext klar. Das Cover lässt einen leichten, sommerlichen Urlaubsroman erwarten, was "Happy Place" für mich definitiv war. Emily Henry schreibt flüssig, locker und hat durch die Rückblenden gute Einblicke in die einzelnen Figuren, ihre Beziehungen zueinander und vor allem in Harriets und Wyns Vergangenheit geboten. Einige Stellen waren für mich etwas langatmig, fast schon zu konstruiert (obwohl es sich hier um eine RomCom handelt), aber das Ende stimmte mich in seiner Erwartbarkeit versöhnlich und rückblickend war ich mit dem Weg dorthin - insbesondere im letzten Drittel - zufrieden.
Ein schöner Roman für den Sommerurlaub!

Veröffentlicht am 27.07.2023

Kurzweilige Unterhaltung

Sieben Männer später
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Esther steht kurz vor ihrem 30. Geburtstag, arbeitet als Eventmanagerin und ist eigentlich zufrieden - nur den perfekten Mann hat sie noch nicht gefunden. Als sie und ihre Freundinnen an einem Abend mit ...

Esther steht kurz vor ihrem 30. Geburtstag, arbeitet als Eventmanagerin und ist eigentlich zufrieden - nur den perfekten Mann hat sie noch nicht gefunden. Als sie und ihre Freundinnen an einem Abend mit viel Roséwein einen alten Zeitungsartikel finden, gerät Esther in eine Krise. Denn darin steht, dass jede Frau in ihrem Leben nur sieben Arten von Beziehungen führe und die große Liebe darunter sei - Esther hat all diese Beziehungen schon geführt und kommt zu dem Schluss, dass sie ihre Chance auf den Einen dadurch bereits verspielt hat. Also fasst sie einen Entschluss: Sie muss all ihre Ex-Partner aufstöbern und herausfinden, welcher davon der richtige für sie ist.

Der Klappentext und die Leseprobe haben mich sehr angesprochen, weshalb ich "Sieben Männer später" freudig begonnen habe. Dass Esthers Vorhaben scheitern wird, war für mich im Voraus absehbar, aber ich habe mich auf den Weg dorthin gefreut.
Lucy Vine schreibt sehr einfach, unkompliziert und derb. Sie erzählt auf humorvolle, teilweise selbstironische und explizite Art von Esthers Vorhaben und den Wiederbegegnungen mit ihren Ex-Partnern. Zwischendurch werden immer wieder Rückblenden der ersten Begegnungen und der damaligen Beziehungen eingeschoben. Leider blieben für mich sowohl Esther als auch alle anderen Figuren sehr oberflächlich, nicht greifbar und im Grunde unsympathisch, weshalb die Lektüre für mich eher distanziert war. Auch konnte ich Esthers Denk- und Verhaltensweisen oft nicht nachvollziehen, fand sie unpassend und nicht altersgerecht. Esther ist in meiner Wahrnehmung eine Figur, die sich selbst im Weg steht, und das für meinen Geschmack einige Male zu viel.

Dennoch habe ich mich von Lucy Vine unterhalten gefühlt und kann das Buch als kurzweilige Lektüre empfehlen - ich denke, dass sich einige Leser*innen mit dem Schreibstil identifizieren können und diese Art englischer Romane gerne lesen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
Veröffentlicht am 27.07.2023

Wütende Mutter

Die unglaubliche Grace Adams
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Grace Adams ist 45 Jahre alt und steht vor dem schwierigsten Tag ihres Lebens: Neun Monate zuvor haben sie und ihr Mann Ben sich getrennt, sie hat ihren Job verloren und dann ist auch noch ihre Tochter ...

Grace Adams ist 45 Jahre alt und steht vor dem schwierigsten Tag ihres Lebens: Neun Monate zuvor haben sie und ihr Mann Ben sich getrennt, sie hat ihren Job verloren und dann ist auch noch ihre Tochter Lotte, 15 und auf dem Höhepunkt ihrer Pubertät, bei ihr aus- und bei ihrem Ex-Mann eingezogen. Um dem Ganzen noch eins draufzusetzen wurde Grace explizit von Lottes 16. Geburtstag ausgeladen. Für Grace steht fest, dass sie alles daran setzen muss, den wichtigen Geburtstag ihrer Tochter mit ihr zu feiern, doch alles läuft an diesem Tag schief. Es scheint fast so, als hätte sich die Welt gegen sie verschworen.

Auf dem Cover steht bereits "Grace kann alles. Außer ruhig bleiben.", was Graces Verhalten ganz gut beschreibt. Sie wirkt immer aufbrausender, gehetzt und die Dimension ihrer Wut entfaltet sich immer mehr im Fortgang des Buches. Fran Littlewood erzählt zunächst von den Problemen im Job, den Differenzen mit Lotte und der immer größer werdenden Distanz zwischen Mutter und Tochter. Schnell ist klar, dass irgendetwas in deren Beziehung nicht stimmt, nur die Auflösung des Grundes lässt auf sich warten.
In Rückbleden erzählt Fran Littlewood, wie sich Grace und Ben kennengelernt haben, wie zufrieden Grace in ihrem Arbeitsleben war, von der Schwangerschaft mit Lotte und dem damals engen Mutter-Tochter-Verhältnis.
Im letzten Drittel wird aufgelöst, was hinter allem steckt - als alltäglich würde ich das jedoch nicht bezeichnen.

Ich mochte den flüssigen Schreibstil sehr gern und auch die Art, wie in Rückblenden immer mehr über Grace, Lotte und Ben bekannt wurde. Rückblickend, nach Beendigung der Lektüre, konnte ich auch verstehen, weshalb Grace so aufgebracht und wütend war. Im Verlauf der Handlung fand ich ihr Verhalten jedoch nicht nachvollziehbar, sie kam mir unreflektiert vor und ich konnte keinen Draht zu ihr finden.

Ich denke, dass hier viele, vor allem Eltern, mit Grace mitfiebern und mitleiden können, mich hat die Lektüre jedoch leider eher kalt gelassen.