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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.07.2023

Weniger Gerichtsszenen als gedacht

Mutterliebe
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Vor Gericht startet ein Prozess, der großes Aufsehen erregt: Sylvia Benz fuhr mit ihren beiden Kindern in den Wald und erstickt dort ihren dreijährigen Sohn. Ihre fünfjährige Tochter überlebt den Mordversuch ...

Vor Gericht startet ein Prozess, der großes Aufsehen erregt: Sylvia Benz fuhr mit ihren beiden Kindern in den Wald und erstickt dort ihren dreijährigen Sohn. Ihre fünfjährige Tochter überlebt den Mordversuch schwerverletzt. Aus der Akte der Staatsanwaltschaft geht klar hervor, dass Sylvia den Mord bzw. versuchten Mord begangen hat. Doch für die Gerichtsreporterin Kiki Holland gibt es einige Ungereimtheiten und sie zweifelt an der Schuld der Mutter, weshalb sie sich selbst auf Spurensuche begibt und auf eigene Faust ermittelt. Sie ahnt nicht, in welche Gefahr sie sich selbst dabei bringt.

Basierend auf dem Klappentext und der Bezeichnung "Justiz-Krimi" bin ich davon ausgegangen, dass das Geschehen hauptsächlich im Gerichtssaal stattfindet. Jedoch spielt der Gerichtssaal nur am Anfang und am Ende eine größere Rolle. Der Hauptteil handelt von Kiki Hollands Recherchen und von Rückblicken in das Leben von Sylvia Benz mit ihrem wohlhabenden Ehemann Stefan.
Kiki Holland ist eine starke Protagonistin, die ehrgeizig ist und sich als Journalistin durchbeißt. Sie schreckt nicht vor Herausforderungen oder schwierigen Situationen zurück, was das Lesen und Mitverfolgen ihrer Ermittlungen spannend gemacht hat. Ab einem gewissen Stand ihrer Recherchen war mir klar, worauf sie hinauslaufen, weshalb ich quasi nur noch auf die Auflösung gewartet habe.
Die Rückblenden in Sylvias Vergangenheit waren nicht chronologisch, wirkten manchmal wirr oder unangebracht, weil sie für den Lesemoment keinen Mehrwert boten, und kamen für mein Empfinden teilweise als Längen daher.

Ein guter Plot mit solider Umsetzung, ich hätte mir mehr Einblicke in die Verhandlung gewünscht, war jedoch alles in allem zufrieden mit dem Justiz-Krimi.

Veröffentlicht am 18.07.2023

Überraschendes Ende

One of the Girls
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Eine Gruppe aus sechs Frauen reist für einen Kurzurlaub auf eine griechische Insel, um Lexis Junggesellinnenabschied zu feiern. Sie kommt in einer abgelegenen Villa mit Meerblick unter und verbringen dort ...

Eine Gruppe aus sechs Frauen reist für einen Kurzurlaub auf eine griechische Insel, um Lexis Junggesellinnenabschied zu feiern. Sie kommt in einer abgelegenen Villa mit Meerblick unter und verbringen dort eine alkoholgeschwängerte Zeit. Recht schnell wird deutlich, dass sich die Frauen gar nicht so gut kennen, die Freundinnenschaften doch nicht so tief sind, wie zunächst gedacht und vor allem, dass jede von ihnen etwas zu verbergen hat.
Lucy Clarke nimmt sich die Zeit, die jeweiligen Geheimnisse der Frauen zu offenbaren und in Verbindung zueinander zu stellen. Dass es am Ende eine Leiche geben wird, verrät bereits der Klappentext, weshalb der Weg dorthin interessant ist. Während der ersten Hälfte des Buches plätschert die Handlung vor sich hin, durch wechselnde Perspektiven erfahren die Leser
innen mehr über die einzelnen Figuren, aber sie bleiben eher oberflächlich gezeichnet. Schnell spürbar sind die Reibungen und Konflikte der Frauen unter- und miteinander. Worin jedoch die große Eskalation besteht und weshalb es zu dem Tod kommt, wird erst zum Schluss offengelegt. Die Autorin legt bis dahin einige Fährten und mich hat die stetige Frage nach dem späteren Opfer und dem Tatmotiv die gesamte Lektüre über beschäftigt, weshalb ich das Buch innerhalb kürzester Zeit gelesen habe. Abgesehen davon entsteht wenig Spannung, vielmehr werden die Konflikte und Probleme der einzelnen Beziehungen beleuchtet, bei denen ich zwischenzeitlich auch den Überblick verloren habe.
Ein gutes Buch, was mich zum Ende auf jeden Fall überrascht hat.

Veröffentlicht am 18.07.2023

Selbstbehauptung zweier Schwestern

22 Bahnen
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Tildas Tage verlaufen nach einem klaren Muster, fast schon so strategisch wie ein Schlachtplan: Sie studiert, jobbt an der Kasse eines Supermarkts und kümmert sich um ihre kleine Schwester Ida und – besonders ...

Tildas Tage verlaufen nach einem klaren Muster, fast schon so strategisch wie ein Schlachtplan: Sie studiert, jobbt an der Kasse eines Supermarkts und kümmert sich um ihre kleine Schwester Ida und – besonders an ganz schlimmen Tagen – auch um ihre alkoholabhängige Mutter. Von der Kleinstadt, in der Tilda mit ihrer Familie aufgewachsen ist, hat sie die Nase voll. Ihre Freund*innen sind in großen Städten verstreut, sie ist zurückgeblieben, um die Verantwortung für Ida und die Mutter zu übernehmen. Als ihr eine Promotion in Berlin in Aussicht gestellt wird, öffnet sich für sie ein ganz neues Tor. Außerdem tritt Viktor in ihr Leben. Viktor, der genau wie sie immer 22 Bahnen schwimmt, und der große Bruder von Ivan ist, Tildas verstorbener Freund von früher.
Caroline Wahl hat mit Tilda eine starke Protagonistin geschaffen, die sich voller Liebe um ihre kleine Schwester kümmert und alles zusammenhält. Dabei wird das Verhältnis der zwei Schwestern, die sich immer wieder neu behaupten müssen, sehr anschaulich und berührend dargestellt. Der Autorin ist es gelungen, die verschiedenen Emotionen und Gefühle zu übermitteln und so eine schnelle Bindung zu den Figuren aufzubauen. Ihr Schreibstil ist flüssig, die Entwicklungen geschehen in realistischem Tempo und es wird ohne moralischen Zeigefinger, sondern voller Mut und Energie für die notwendigen Herausforderungen erzählt.
Ein zarter, berührender Roman, der zahlreiche Emotionen in mir ausgelöst hat.

Veröffentlicht am 16.07.2023

Tolles vegetarisches Kochbuch

Polen vegetarisch
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Bisher habe ich die polnische Küche immer als sehr fleischlastig und wenig vegetarisch empfunden. Umso erfreuter und gespannter war ich, als ich "Polen vegetarisch" von Michal Korkosz in den Händen hielt. ...

Bisher habe ich die polnische Küche immer als sehr fleischlastig und wenig vegetarisch empfunden. Umso erfreuter und gespannter war ich, als ich "Polen vegetarisch" von Michal Korkosz in den Händen hielt. Ich mag vor allem Gerichte, bei denen Zutaten nicht ausgetauscht und vegetarisch gemacht werden, sondern Gerichte, die bereits fleischlos sind und sich dann im besten Fall noch abwandeln lassen in vegan (das ist dann mein persönliches Ding). Michal Korkosz stellt die Vielfalt der traditionellen polnischen, vegetarischen Gerichte in voller Bandbreite da - von Frühstücksideen über Suppen, Hauptgerichte, Teigtaschen bis hin zu Gebäck/Desserts.

Zu jedem Gericht wird ein sehr ansprechendes und authentisches Foto präsentiert, die Zutatenlisten sind in der Regel übersichtlich, die einzelnen Schritte sehr einfach und nachvollziehbar erklärt, sodass das Nachkochen gar kein Problem ist. Die Mengen- und Zubereitungszeitangaben waren sehr realistisch und bieten daher eine gute Orientierung.

Ein vielfältiges, buntes und ansprechendes Kochbuch, das zum Nachkochen animiert, sehr übersichtlich ist und mir schon jetzt eine handvoll sehr leckerer nachgekochter Gerichte beschert hat!

Veröffentlicht am 16.07.2023

Schöne Liebesgeschichte

Spaces between us
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Jamain ist sehr dankbar, dass er über Kontakte ein WG-Zimmer bekommen hat und erkennt schnell, dass sein Mitbewohner Tyren ganz anders ist als er: sehr genau, strukturiert, kann den ersten Satz jedes Buches, ...

Jamain ist sehr dankbar, dass er über Kontakte ein WG-Zimmer bekommen hat und erkennt schnell, dass sein Mitbewohner Tyren ganz anders ist als er: sehr genau, strukturiert, kann den ersten Satz jedes Buches, das er gelesen hat, rezitieren und lädt Jamain geradezu dazu ein, ihn zu provozieren. Denn Jamain ist chaotisch, spontan und immer für eine Überraschung gut. Trotz ihrer Gegensätze harmoniert das Zusammenleben gut und es funkt zwischen den beiden.

Das Autor*innenduo harmoniert sehr gut zusammen und ich mochte die wechselnden Erzählpassagen von Jamain und Tyren. Selbst wenn ich nicht mehr wusste, in welchem Kapitel ich gerade bin bzw. wer erzählt, habe ich es doch am Stil und der Art des Erzählens erkannt. Das ist mir beim Erzählstil sehr positiv aufgefallen. Außerdem sind sowohl Tyren als auch Jamain tiefgehend gezeichnet, sie sind lebhaft und ich kann sie mir gut vorstellen. Die Entwicklung der beiden, das Tempo der Annäherung und die Beschreibungen der spicy Szenen haben mir ebenfalls sehr gut gefallen.

Was meine Begeisterung minimal gedämpft hat, waren einige Klischees, an denen sich abgearbeitet wurde bzw. die immer wieder reproduziert wurden. Das Ende war natürlich vorhersehbar, aber ich habe den Weg dahin genossen.

Eine schöne Liebesgeschichte im New-Adult-Genre!