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Veröffentlicht am 13.11.2025

Schönes Jugendbuch über einen Neuanfang

Der Scherbenpalast
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Lou kann nicht fassen, dass ihre Eltern ohne ihre Zustimmung beschlossen haben, von Hamburg nach Mannheim zu ziehen, da ihre Mutter dort eine Stelle am Theater antritt. Alles, was Lou spürt, ist Wut, weshalb ...

Lou kann nicht fassen, dass ihre Eltern ohne ihre Zustimmung beschlossen haben, von Hamburg nach Mannheim zu ziehen, da ihre Mutter dort eine Stelle am Theater antritt. Alles, was Lou spürt, ist Wut, weshalb sie Mannheim von vornherein ablehnt und dort alles kacke findet. Sie vermisst ihre beste Freundin Nel, ihre Theatergruppe und ihren Schwarm Damian, der sich jetzt sicherlich in eine andere verlieben wird. Lou setzt alles darauf, bald wieder zurück nach Hamburg zu gehen. Schließlich hat ihre Mutter ihr das versprochen, sollte Lou sich nicht in Mannheim wohlfühlen...

Annette Mierswa hat mit "Der Scherbenpalast" einen schönen Jugendroman über Neuanfänge nach dem Umzug geschrieben und an Lou deutlich gezeigt, welche Chancen und Möglichkeiten es nach so einem Bruch gibt. In Freya, der schrulligen, alten Nachbarin in ungewöhnlichen Outfits, die Kunstwerke aus Scherben schafft, findet Lou eine inspirierende und vertraute Nachbarin. Außerdem ist da die kommunikative Sari in ihrer Klasse, die sich voller Freude und neuer Ideen mit Unternehmungen auf Lou stürzt. Und es gibt ja noch Tikey, den Jungen mit dem traurigen Blick, der auf sie eine Anziehung ausübt.

Der Schreibstil ist sehr flüssig und jugendlich gehalten, weshalb ich das Buch sehr schnell gelesen habe. Ich mochte alle Figuren, mochte ihre Einführung, ihre Beschreibungen und die Dynamiken, die sich innerhalb des Geschehens entwickeln. Neben vielen Themen, die Jugendliche beschäftigen, beispielsweise Freundschaft, Verlust, Verliebtsein und Selbstfindung, thematisiert Annette Mierswa jedoch auch die Mammutbäume, die geschützt werden müssen. Die Verflechtung von Julia Butterfly Hill und ihren Aktivismus hat mir daher ebenfalls sehr gut gefallen.

Insgesamt ein schöner, kurzweiliger Roman, in dem Lou in Mannheim doch Möglichkeiten für einen Neuanfang und Gründe zum Bleiben findet. Ich kann mir vorstellen, dass das Buch einigen Jugendlichen vor oder nach einem Umzug eine gute Unterstützung sein kann.

Veröffentlicht am 12.11.2025

Bestie oder Bestie?

Bestie
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Delia wittert ihre Chance, mit der bekannten Influencerin Anouk in Kontakt zu kommen, als diese eine neue Mitbewohnerin sucht. Sie wittert die perfekte Chance auf einen Neuanfang, gibt sich als Lilly aus ...

Delia wittert ihre Chance, mit der bekannten Influencerin Anouk in Kontakt zu kommen, als diese eine neue Mitbewohnerin sucht. Sie wittert die perfekte Chance auf einen Neuanfang, gibt sich als Lilly aus und baut ein Lügenkonstrukt auf, das nur darauf wartet, einzustürzen. Während Lilly sich als selbstbewusste Bühnenautorin ausgibt, ist Anouk daran gelegen, Lilly für ihren Nutzen einspannen zu können, weshalb eine Eskalation quasi vorprogrammiert ist.

Mir gefällt, in welchem Setting Joana June eine Geschichte über Freundinnenschaft, Selbstinszenierung, Erfolg und Selbstverwirklichung geschaffen hat. Bereits im Klappentext und nach den ersten Kapiteln ist klar, dass sich Lilly und Anouk nicht auf eine produktive und fruchtbare Freundinnenschaft berufen können, sondern dass es hakt und eine ungesunde Dynamik entstehen wird.
Die Figuren sind authentisch und anschaulich gestaltet. Auch die Entwicklungen fand ich plausibel und die Darstellungen von Social Media und der Selbstinszenierung nachvollziehbar.
Für mich ein abwechslungsreiches Buch, das so viele aktuelle Themen anreißt und auf dessen Ende ich hingefiebert habe.

Veröffentlicht am 12.11.2025

Interessanter Ansatz

Botanik des Wahnsinns
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Nach der Zwangsräumung der Wohnung seiner Mutter bleibt für den Erzähler ein Überblick über die dokumentierten psychischen Erkrankungen und Leiden seiner Familie. So blickt er auf den Stammbaum seiner ...

Nach der Zwangsräumung der Wohnung seiner Mutter bleibt für den Erzähler ein Überblick über die dokumentierten psychischen Erkrankungen und Leiden seiner Familie. So blickt er auf den Stammbaum seiner Familie zurück, erinnert sich an die Bipolarität seiner Großmutter, die Suizidversuche, die er teilweise selbst miterlebt hat, an die Alkoholsucht seiner Mutter und die Depressionen seines Vaters. Indem er sich an die Familienbiografie zurückerinnert und ihr nachgeht, geht er auch seinem eigenen Lebensweg nach und erinnert sich an sein Aufwachsen im Arbeiterviertel in München. Er selbst hatte schon als Kind Angst, verrückt zu werden, ging nach New York und Wien und landete dann als Psychologe in der Psychiatrie. Bei seiner Arbeit lernt er, dass die Diagnosen die Menschen nicht ausmachen und sie nicht nur ihre Krankheiten sind, sondern diese lediglich ein Teil von ihnen. Am Ende bleibt für ihn die Frage, was eigentlich ein normaler Mensch ist.

Ich finde die Idee von Leon Engler sehr interessant und habe den Rückblick auf die Familienbiografie gern getätigt. Auch die Beobachtung und die Einblicke in die Gespräche mit den Klient*innen fand ich für das Buch sehr bereichernd.

Veröffentlicht am 02.11.2025

Roman über Gaslighting

Da war doch nichts
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Daniela wird schon früh in ihrer Kindheit von ihrer Mutter gegaslighted, die ihre Kleidung stets zu heiß wäscht und dann behauptet, Daniela hätte zugenommen. Ihr Schwester Jana erfährt physische Gewalt ...

Daniela wird schon früh in ihrer Kindheit von ihrer Mutter gegaslighted, die ihre Kleidung stets zu heiß wäscht und dann behauptet, Daniela hätte zugenommen. Ihr Schwester Jana erfährt physische Gewalt durch die Mutter, streitet das jedoch permanent ab und bevorzugt, wie der Vater, das Schweigen oder das Abtun durch den Satz "Da war doch nichts". Als Daniela 19 Jahre alt ist, stirbt ihre Mutter und als Leserin könnte man meinen, sie könne nun mit dem Gaslighting abschließen. Doch an der Uni lernt sie Štěpán kennen, geht eine Beziehung mit ihm ein und merkt erst viel zu spät, dass seine Wahrheit für sie die einzige zu sein hat.

Jakub Stanjura hat einen sehr ruhigen Schreibstil und in der deutschen Übersetzung ist die Bedrängnis und die Dringlichkeit, die Danielas Leiden mit sich bringt, deutlich spürbar. Das Schweigen über ihre Kindheit und Jugend ist groß und überträgt sich bis in ihr Erwachsenenleben hinein, sodass das Schreiben und die Gespräche mit Štěpán ihre einzige Möglichkeit zur Auseinandersetzung mit sich und ihren Erfahrungen ist.

Erzählt wird kapitelweise immer nur im August, der die dunkelste Zeit für Daniela ist und immer wieder Flashbacks mit sich bringt. Was in den Monaten zwischen August geschieht, können die Leser
innen nur erahnen und sich bruchstückhaft zusammensetzen. Jakub Stanjura erzählt über sieben Jahre hinweg, was Daniela jeweils im August erlebt, was sie denkt und fühlt. Dabei ist die Abwärtsspriale und die steigende Abhängigkeit mehr als spürbar.

Wer sich mit Gaslighting, dessen Ursprung, Verlauf und Konsequenzen in Romanform befassen möchte, ist mit "Da war doch nichts" gut bedient.

Veröffentlicht am 28.10.2025

Guter Überblick über Heilpflanzen für Frauen

Mönchspfeffer, Frauenmantel & Co.
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"Mönchspfeffer, Frauenmantel & Co." ist unterteilt in drei Abschnitte. Im ersten wird der Hormonzyklus von Frauen beschrieben und wie er sich in den verschiedenen Lebensphasen, beispielsweise während der ...

"Mönchspfeffer, Frauenmantel & Co." ist unterteilt in drei Abschnitte. Im ersten wird der Hormonzyklus von Frauen beschrieben und wie er sich in den verschiedenen Lebensphasen, beispielsweise während der Pubertät und der Wechseljahre, verändert. Dabei werden nicht nur die inneren, hormonellen Prozesse beschrieben, sondern es wird auch dargestellt, welchhe äußeren Prozesse und Einflüsse wirken können. Im zweiten Teil werden die top fünf Frauenheilpflanzen, Mönchspfeffer, Frauenmantel, Traubensilberkerze, Rosenwurz und Lavendel, ihre Wirkungsmöglichkeit sowie ihre Einsatzmöglichkeiten und Darreichungsformen erläutert. Dabei gefällt mir die Darstellung im Kurzprofil sehr gut. Generell kann ich die Übersichtlichkeit und die strukturierte Darstellung der einzelnen Heilpflanzen und Infos hervorheben. Im dritteln Teil werden dann typische Frauenleiden aufgeführt und näher auf die jeweiligen Beschwerden, deren Hintergründe und Unterstützungsmöglichkeiten eingegangen. Dabei sind beispielsweise Regelschmerzen, PMS, die Menopause oder Blasenprobleme zu nennen.

Mir gefällt, dass der Hormonzyklus im gesamten Lebenszyklus von Frauen betrachtet wird und so einen gesamten Überblick bietet und erklärt, was in welcher Phase genau in Frauen vorgeht und wie wir die Prozesse und Beschwerden durch Heilpflanzen unterstützen oder lindern können. Ein anderer Ansatzpunkt ist dann der, von spezifischen Leiden oder Problemen auszugehen und sich anzulesen und auszuprobieren, was helfen könnte und Verbindungen zu ziehen, wie einzelne Aspekte zusammenhängen und zusammenspielen. Einige Pflanzen, wie Lavendel oder Ginko, hatte ich beispielsweise noch gar nicht auf dem Schirm und konnte ich durch das Buch kennenlernen. Auch die verschiedenen Einsatz- und Wirkweisen von Mönchspfeffer oder Frauenmantel (was mir häufig pauschal empfohlen wurde) fand ich sehr bemerkenswert.

Ein schöner Überblick, der informiert und Hilfsmöglichkeiten an die Hand gibt.