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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.11.2025

Rebellion des Körpers

Junge Frau mit Katze
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Ela steckt mitten im Abschluss ihrer Promotion und verspürt großen Druck, da ihr Doktorvater ihr eine Stelle in Aussicht gestellt hat. Diese kann sie allerdings nur mit Bestnoten antreten. Und nun rebelliert ...

Ela steckt mitten im Abschluss ihrer Promotion und verspürt großen Druck, da ihr Doktorvater ihr eine Stelle in Aussicht gestellt hat. Diese kann sie allerdings nur mit Bestnoten antreten. Und nun rebelliert ihr Körper. Ela hat Halsschmerzen, ihr Herz ist auffällig, außerdem hat sie Ausschlag, verspürt Panik. Sie rennt von Ärztin zu Ärztin, bekommt die verschiedensten Diagnosen, weiß selbst nicht, was mit ihr los ist und verliert sich immer mehr in ihrem kranken Körper. Überlagert wird alles vom dicken Körper ihrer Mutter, der Elas gesamtes Leben lang schon eine wichtige Rolle gespielt hat und laut des Vaters für jegliches Unglück verantwortlich war.

Das vermutlich bekannteste Buch von Daniela Dröscher ist "Lügen über meine Mutter", was wie "Junge Frau mit Katze" ein autofiktionaler Roman ist, den ich allerdings nicht gelesen habe. Was ich nachempfinden konnte, war die Unsicherheit und die Panik, zu erleben, wie etwas im Körper nicht stimmt, das teilweise sichtbar ist und dennoch niemand einen korrekten Namen oder eine Heilung dafür findet. Worin ich mich jedoch nicht wiederfinden konnte, war das Verrennen in diese körperlichen Leiden. In meiner Wahrnehmung wurden fast ausschließlich die Krankheiten, die verschiedenen Diagnosen und Praxiserfahrungen geschildert. Andere Figuren und Beziehungen blieben dabei nur am Rande erwähnt, da hätte ich mehr Potential gesehen und tatsächlich auch gern mehr von gelesen.

Veröffentlicht am 13.11.2025

Anschaulicher Ratgeber für wildtierfreundliche Gärten und Balkone

Tierisch viel los!
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"Tierisch viel los!" ist eine kompakte Ansammlung aus Informationen, Projekten und Bildmaterial. Evelyn Moser-Gattringer erklärt und informiert anschaulich, wie der eigene Außenbereich gestaltet werden ...

"Tierisch viel los!" ist eine kompakte Ansammlung aus Informationen, Projekten und Bildmaterial. Evelyn Moser-Gattringer erklärt und informiert anschaulich, wie der eigene Außenbereich gestaltet werden kann, damit sich sämtliche Wildtiere darin wohlfühlen. Schnell wird deutlich, dass wir alle auch Kleinigkeiten umsetzen können und es nicht gleich große Bauprojekte oder eine komplette Gartenumgestaltung sein müssen. So werden verschiedene Möglichkeiten vorgestellt - von Futterstellen über einen Mini-Teich oder ein Insektenhotel bis hin zu Nistkästchen oder Igelhäuschen. Wir erfahren einiges über Pflanzen, Insekte und die verschiedenen Abläufe im Ökosystem und wie sich Pflanzen, Tiere und unsere Gartengestaltung gegenseitig beeinflussen und bedingen.

Mir gefällt vor allem das hochwertig gestaltete und sturkturierte Layout sehr gut. Das Buch beinhaltet ganz viele Fotos und Illustrationen, Infokästen und Übersichten sowie Materiallisten zu den einzelnen Bauprojekten. Außerdem ist immer angegeben, was sich auch gut für den Balkon oder die Terrasse eignet, sodass jeder Leserin fündig werden und entsprechend der eigenen Umstände und Bedingungen passende Projekte umsetzen kann.

Auch wer nicht direkt tätig wird und sich in neue Projekte stürzt, geht mit ganz viel Wissen und nützlichen Informationen rund um die Pflanzen- und Tierwelt aus der Lektüre. Durch die einzelnen Kapitel, die Abschnitte und ein übersichtliches Inhaltsverzeichnis kann auch ganz selektiv und ausschnitthaft gelesen werden, je nach Interesse oder Bedürfnis.

Ein schön gestalteter, anschaulicher und informativer Ratgeber zur tierfreundlicherer Garten-/Balkon-/Terrassennutzung.

Veröffentlicht am 13.11.2025

Schönes Jugendbuch über einen Neuanfang

Der Scherbenpalast
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Lou kann nicht fassen, dass ihre Eltern ohne ihre Zustimmung beschlossen haben, von Hamburg nach Mannheim zu ziehen, da ihre Mutter dort eine Stelle am Theater antritt. Alles, was Lou spürt, ist Wut, weshalb ...

Lou kann nicht fassen, dass ihre Eltern ohne ihre Zustimmung beschlossen haben, von Hamburg nach Mannheim zu ziehen, da ihre Mutter dort eine Stelle am Theater antritt. Alles, was Lou spürt, ist Wut, weshalb sie Mannheim von vornherein ablehnt und dort alles kacke findet. Sie vermisst ihre beste Freundin Nel, ihre Theatergruppe und ihren Schwarm Damian, der sich jetzt sicherlich in eine andere verlieben wird. Lou setzt alles darauf, bald wieder zurück nach Hamburg zu gehen. Schließlich hat ihre Mutter ihr das versprochen, sollte Lou sich nicht in Mannheim wohlfühlen...

Annette Mierswa hat mit "Der Scherbenpalast" einen schönen Jugendroman über Neuanfänge nach dem Umzug geschrieben und an Lou deutlich gezeigt, welche Chancen und Möglichkeiten es nach so einem Bruch gibt. In Freya, der schrulligen, alten Nachbarin in ungewöhnlichen Outfits, die Kunstwerke aus Scherben schafft, findet Lou eine inspirierende und vertraute Nachbarin. Außerdem ist da die kommunikative Sari in ihrer Klasse, die sich voller Freude und neuer Ideen mit Unternehmungen auf Lou stürzt. Und es gibt ja noch Tikey, den Jungen mit dem traurigen Blick, der auf sie eine Anziehung ausübt.

Der Schreibstil ist sehr flüssig und jugendlich gehalten, weshalb ich das Buch sehr schnell gelesen habe. Ich mochte alle Figuren, mochte ihre Einführung, ihre Beschreibungen und die Dynamiken, die sich innerhalb des Geschehens entwickeln. Neben vielen Themen, die Jugendliche beschäftigen, beispielsweise Freundschaft, Verlust, Verliebtsein und Selbstfindung, thematisiert Annette Mierswa jedoch auch die Mammutbäume, die geschützt werden müssen. Die Verflechtung von Julia Butterfly Hill und ihren Aktivismus hat mir daher ebenfalls sehr gut gefallen.

Insgesamt ein schöner, kurzweiliger Roman, in dem Lou in Mannheim doch Möglichkeiten für einen Neuanfang und Gründe zum Bleiben findet. Ich kann mir vorstellen, dass das Buch einigen Jugendlichen vor oder nach einem Umzug eine gute Unterstützung sein kann.

Veröffentlicht am 12.11.2025

Bestie oder Bestie?

Bestie
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Delia wittert ihre Chance, mit der bekannten Influencerin Anouk in Kontakt zu kommen, als diese eine neue Mitbewohnerin sucht. Sie wittert die perfekte Chance auf einen Neuanfang, gibt sich als Lilly aus ...

Delia wittert ihre Chance, mit der bekannten Influencerin Anouk in Kontakt zu kommen, als diese eine neue Mitbewohnerin sucht. Sie wittert die perfekte Chance auf einen Neuanfang, gibt sich als Lilly aus und baut ein Lügenkonstrukt auf, das nur darauf wartet, einzustürzen. Während Lilly sich als selbstbewusste Bühnenautorin ausgibt, ist Anouk daran gelegen, Lilly für ihren Nutzen einspannen zu können, weshalb eine Eskalation quasi vorprogrammiert ist.

Mir gefällt, in welchem Setting Joana June eine Geschichte über Freundinnenschaft, Selbstinszenierung, Erfolg und Selbstverwirklichung geschaffen hat. Bereits im Klappentext und nach den ersten Kapiteln ist klar, dass sich Lilly und Anouk nicht auf eine produktive und fruchtbare Freundinnenschaft berufen können, sondern dass es hakt und eine ungesunde Dynamik entstehen wird.
Die Figuren sind authentisch und anschaulich gestaltet. Auch die Entwicklungen fand ich plausibel und die Darstellungen von Social Media und der Selbstinszenierung nachvollziehbar.
Für mich ein abwechslungsreiches Buch, das so viele aktuelle Themen anreißt und auf dessen Ende ich hingefiebert habe.

Veröffentlicht am 12.11.2025

Interessanter Ansatz

Botanik des Wahnsinns
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Nach der Zwangsräumung der Wohnung seiner Mutter bleibt für den Erzähler ein Überblick über die dokumentierten psychischen Erkrankungen und Leiden seiner Familie. So blickt er auf den Stammbaum seiner ...

Nach der Zwangsräumung der Wohnung seiner Mutter bleibt für den Erzähler ein Überblick über die dokumentierten psychischen Erkrankungen und Leiden seiner Familie. So blickt er auf den Stammbaum seiner Familie zurück, erinnert sich an die Bipolarität seiner Großmutter, die Suizidversuche, die er teilweise selbst miterlebt hat, an die Alkoholsucht seiner Mutter und die Depressionen seines Vaters. Indem er sich an die Familienbiografie zurückerinnert und ihr nachgeht, geht er auch seinem eigenen Lebensweg nach und erinnert sich an sein Aufwachsen im Arbeiterviertel in München. Er selbst hatte schon als Kind Angst, verrückt zu werden, ging nach New York und Wien und landete dann als Psychologe in der Psychiatrie. Bei seiner Arbeit lernt er, dass die Diagnosen die Menschen nicht ausmachen und sie nicht nur ihre Krankheiten sind, sondern diese lediglich ein Teil von ihnen. Am Ende bleibt für ihn die Frage, was eigentlich ein normaler Mensch ist.

Ich finde die Idee von Leon Engler sehr interessant und habe den Rückblick auf die Familienbiografie gern getätigt. Auch die Beobachtung und die Einblicke in die Gespräche mit den Klient*innen fand ich für das Buch sehr bereichernd.