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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.12.2025

Viele Erzähl- und Zeitebenen

Die drei Leben der Cate Kay
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"Die drei Leben der Cate Kay" von Kate Fagan ist genau das: ein Buch über die drei Leben einer Frau. Darunter sind die Autorin Cate Kay, die Privatperson Cass und der Teenie/die junge Frau Annie. Zunächst ...

"Die drei Leben der Cate Kay" von Kate Fagan ist genau das: ein Buch über die drei Leben einer Frau. Darunter sind die Autorin Cate Kay, die Privatperson Cass und der Teenie/die junge Frau Annie. Zunächst war ich sehr verwirrt über die verschiedenen Zeitebenen, die wechselnden Erzählperspektiven und musste alles einordnen und sortieren lernen. Ich würde also sagen, dass das Buch nichts für zwischendurch ist, sondern volle Aufmerksamkeit braucht.
Kate Fagan gibt in sehr kurzen Kapiteln Einblicke in das Leben des Kindes Annie, das vor allem von der Freundschaft zu Amanda geprägt ist, erzählt dann, wie es zum abrupten Bruch der Freundschaft, einem sehr schlechten Gewissens und einem Neuanfang und somit zum Leben von Cass kommt. Erzählt wird von Freundschaften, von queerer Liebe, Brüchen, Neuanfängen und Träumen. Den Schreibstil würde ich als fragmentarisch und episodenhaft beschreiben. Bis ich zu den einzelnen Figuren eine gewisse Nähe aufbauen konnte, brauchte es gut ein Drittel des Buches. Ich schätze, das liegt an den kurzen, ständig in der Perspektive wechselnden Kapiteln. Was mich zusätzlich herausgefordert hat, waren die Abschnitte aus den Perspektiven derjenigen Menschen, die Teil von Annies/Cass'/Cates Leben waren oder nur kurz darin vorkamen sowie die Kommentare Cates in den Fußnoten. Die Lektüre geschieht in dem Bewusstsein, dass alles durch Cates Augen gesehen und geschrieben wird, aber diverse Perspektiven eingenommen werden und sich immer wieder in verschiedene Zeitabschnitte und Begegnungen versetzt wird. Dabei gibt es sehr wenig Chronologie, das Buch folgt eigenen Regeln.

Unterm Strich mochte ich die Geschichte, mochte die Einblicke in die drei Leben, aber musste auch immer konzentriert sein und teilweise Abschnitte doppelt lesen oder zurückblättern und in meinen Erinnerungen nach Vorwissen aus vorherigen Kapiteln kramen. Wer anspruchsvollere und komplexe Geschichten mag, wird hier sicherlich auf seine*ihre Kosten kommen.

Veröffentlicht am 19.11.2025

Roman über das Tradwife-Phänomen

Heimat
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Jana zieht mit ihrem Ehemann Noah und ihren beiden Kindern aufs Land. Sie ist erneut schwanger und kündigt, ohne das mit Noah besprochen zu haben, frühzeitig ihren Job. Nun ist sie tagsüber allein im Dorf, ...

Jana zieht mit ihrem Ehemann Noah und ihren beiden Kindern aufs Land. Sie ist erneut schwanger und kündigt, ohne das mit Noah besprochen zu haben, frühzeitig ihren Job. Nun ist sie tagsüber allein im Dorf, betreut die Kinder nach der Kita und sehnt sich nach Anschluss und Zugehörigkeit im Dorf. Als sie die schöne Karolin kennenlernt, ist sie völlig fasziniert. Karolin hat fünf Kinder, ihr Mann Clemens ist der Alleinverdiener, sodass sich Karolin in vollster Zuneigung um die Erziehung ihrer Kinder, die Heimeligkeit und das Kochen kümmern kann. Ihren idyllischen Alltag dokumentiert sie auf Social Media, was Jana gebannt verfolgt und beneidet, wie leicht Karolin alles von der Hand zu gehen scheint. Durch ihre Freundinnenschaft bekommt Jana immer mehr Einblicke in Karolins Leben, wird zu Mütter-Treffen eingeladen und findet nun endlich Anschluss.
Dass sich Janas Mindset und ihre Einstellungen sehr von denen Karolins unterschieden haben und sie sich immer mehr Karolins Überzeugungen annimmt, nimmt sie selbst kaum wahr.

Hannah Lühmann beschreibt die Darstellung des Tradwife-Lebens sehr anschaulich und lässt die Leser
innen durch die Figur Jana nachfühlen, wie verführerisch, verlockend und simpel es erscheint. Die rechten Ideologien wirken eher subtil und unausgesprochen als explizit kommuniziert.
Ich finde "Heimat" einen sehr gelungenen Roman, der die Differenzen, die Sehnsucht nach Zugehörigkeit, den Rückzug aufs Land und die Versorgungsfrage sehr anschaulich darstellt. Das Buch ist recht dünn und ließ sich für mich daher sehr schnell lesen.

Veröffentlicht am 18.11.2025

Körperwahn und Selbstoptimierung

Gym
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Die namenlose Erzählerin erzählt im Vorstellungsgespräch des Fitnesscenters MEGA GYM die Lüge, erst vor kurzem entbunden zu haben und deshalb noch nicht wieder in Form zu sein. Ihr Chef, selbsternannter ...

Die namenlose Erzählerin erzählt im Vorstellungsgespräch des Fitnesscenters MEGA GYM die Lüge, erst vor kurzem entbunden zu haben und deshalb noch nicht wieder in Form zu sein. Ihr Chef, selbsternannter Feminist, stellt sie ein, weshalb die Protagonistin am Tresen arbeitet. Die wöchentlichen Trainings dienen zunächst nur des Scheins, bis sie eine ernsthafte Dimension einnehmen und von Stütze der Lüge zu selbstzerstörerischer Selbstoptimierung und Körperwahn werden.

Verena Keßler hat anhand der Figur sehr gut veranschaulicht, wie schnell die Umgebung innerhalb des Fitnesscenters Druck bis hin zu Wahn auslösen kann. Die anfängliche Lüge über das Kind gerät bald in den Hintergrund und die Trainingseinheiten, neue Ansätze, ihren Körper zu definieren und immer neue Ziele zu erreichen, nehmen bald allen Fokus ein.
Ich mochte den temporeichen Schreibstil, die schnellen Entwicklungen und hatte das Gefühl, durch die immer wieder auftauchenden Anspielungen auf den vorherigen Job und daraus resultierende Probleme und Konsequenzen auf etwas viel Größeres zuzurasen, das die Erzählerin versucht, wegzutrainieren.
Ein außergewöhnlicher Roman, den ich nur so verschlungen habe und bei dessen Lektüre mir sämtliche Gedanken gekommen sind. Mir wird "Gym" noch eine ganze Weile in Erinnerung bleiben.

Veröffentlicht am 16.11.2025

Gut durchdacht mit vielen Wendungen

Seventeen Years Later
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Die Podcasterin Sloane Abbot wird auf den Fall der brutalen Ermordung der Familie Primrose in Neuseeland aufmerksam gemacht und beschließt, allen Hinweisen auf die Spur zu gehen und ihn in ihrem Podcast ...

Die Podcasterin Sloane Abbot wird auf den Fall der brutalen Ermordung der Familie Primrose in Neuseeland aufmerksam gemacht und beschließt, allen Hinweisen auf die Spur zu gehen und ihn in ihrem Podcast zu besprechen. Für die Tat wurde Bill Kareama verurteilt, der damals bei der Familie Primrose als Koch angestellt war und bei ihnen auf dem Grundstück lebte. Die Ermordung vor 17 Jahren hat damals das ganze Land geschockt, doch Bill Kareama bestreitet bis heute, die Tat begangen zu haben. An Sloanes Seite steht nicht nur ihr Team, sondern auch der Gefängnispsychologe TK, der sich jahrelang für Bill und eine Berufung eingesetzt hat.

Erzählt wird wechselnd aus den Perspektiven von Sloane, TK und Bills Manuskript. So erfahren die Leserinnen schrittweise, was damals vor 17 Jahren im Haus Primrose geschehen ist, zu welchen Erkenntnissen TK gekommen ist und in der Gegenwart muss sich Sloane nicht nur mit den alten Spuren und potentiellen Interviewpartnerinnen, sondern auch mit Widerständen gegen ihre Ermittlungen auseinandersetzen.Sloane findet neue Beweise und somit eine neue Spur, doch kann sie herausfinden, was damals passiert ist und ob Bill wirklich unschuldig ist?

J. P. Pomare schreibt sehr spannend, was einerseits durch die welchselnden Perspektiven und der Kombination aus gegenwärtigen und vergangenen Schilderungen liegt, aber auch an den Spuren und Hinweisen, die er streut. So habe ich von Anfang an gerätselt, ob Bill unschuldig ist oder tatsächlich der Mörder der Familiei Primrose ist und was sein Motiv dafür gewesen sein könnte, bzw. wer noch ein Motiv haben könnte. J.P. Pomare hat sehr clevere Wendungen eingebaut und konnte mich nicht nur mit der kontinuierlichen Spannung, sondern auch mit der Auflösung überzeugen.
Ein spannender, wendungsreicher Thriller, den ich uneingeschränkt empfehlen kann!

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
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  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 14.11.2025

Rebellion des Körpers

Junge Frau mit Katze
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Ela steckt mitten im Abschluss ihrer Promotion und verspürt großen Druck, da ihr Doktorvater ihr eine Stelle in Aussicht gestellt hat. Diese kann sie allerdings nur mit Bestnoten antreten. Und nun rebelliert ...

Ela steckt mitten im Abschluss ihrer Promotion und verspürt großen Druck, da ihr Doktorvater ihr eine Stelle in Aussicht gestellt hat. Diese kann sie allerdings nur mit Bestnoten antreten. Und nun rebelliert ihr Körper. Ela hat Halsschmerzen, ihr Herz ist auffällig, außerdem hat sie Ausschlag, verspürt Panik. Sie rennt von Ärztin zu Ärztin, bekommt die verschiedensten Diagnosen, weiß selbst nicht, was mit ihr los ist und verliert sich immer mehr in ihrem kranken Körper. Überlagert wird alles vom dicken Körper ihrer Mutter, der Elas gesamtes Leben lang schon eine wichtige Rolle gespielt hat und laut des Vaters für jegliches Unglück verantwortlich war.

Das vermutlich bekannteste Buch von Daniela Dröscher ist "Lügen über meine Mutter", was wie "Junge Frau mit Katze" ein autofiktionaler Roman ist, den ich allerdings nicht gelesen habe. Was ich nachempfinden konnte, war die Unsicherheit und die Panik, zu erleben, wie etwas im Körper nicht stimmt, das teilweise sichtbar ist und dennoch niemand einen korrekten Namen oder eine Heilung dafür findet. Worin ich mich jedoch nicht wiederfinden konnte, war das Verrennen in diese körperlichen Leiden. In meiner Wahrnehmung wurden fast ausschließlich die Krankheiten, die verschiedenen Diagnosen und Praxiserfahrungen geschildert. Andere Figuren und Beziehungen blieben dabei nur am Rande erwähnt, da hätte ich mehr Potential gesehen und tatsächlich auch gern mehr von gelesen.