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Veröffentlicht am 28.01.2025

Trennende Familiengeheimnisse

Das Mädchen aus Yorkshire
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Ich habe bisher alle Bücher von Lucinda Riley gelesen bis auf den Engelsbaum, den ich mir noch gerne "aufheben" möchte - höchstens Lucinda hat noch einige Manuskripte in der Schreibstischschublade, die ...

Ich habe bisher alle Bücher von Lucinda Riley gelesen bis auf den Engelsbaum, den ich mir noch gerne "aufheben" möchte - höchstens Lucinda hat noch einige Manuskripte in der Schreibstischschublade, die ihr Sohn veröffentlichen lässt. Das hört sich jetzt vielleicht etwas zynisch an, aber ich bin ihm dankbar, dass nun ihre früheren oder unvollständigen Werke überarbeitet und veröffentlicht werden.
In einem Vorwort erklärt Harry Whittaker auch, warum er dieses Erstlingswerk seiner Mutter veröffentlicht hat.

Lucinda hat diesen Roman bereits als 26jährige geschrieben und man kann ohne weiteres sagen, dass man ihr schriftstellerisches Talent bereits erkennt. "Das Mädchen von Yorkshire" hat noch nicht ganz die Wucht ihrer späteren Romane. Ich muss aber sagen, dass ich auch nicht alle ihre Romane als sehr gut bewertet habe bzw. hat keiner von mir 5 Sterne bekommen. Vor allem bei der "Sieben Schwestern" Reihe empfand ich die Bände als ein ewiges Auf und Ab.

Aber nun zur "aktuellen" Geschichte. Leah Thompson wächst als Tochter einer Haushälterin und eines pflegebedürftigen Vaters in Yorkshire auf. Sie ist schüchtern und hilft ihrer Mutter oftmals aus, wenn diese Hilfe im Haushalt der Familie Delancey benötigt. Leah hat Kontakt zu den Kindern von Rose, der Künstlerin, die das Herrenhaus gekauft hat und verliebt sich in Brett, den Cousin der Delancey Kinder. Als sie völlig unerwartet die Chance bekommt, als Model zu arbeiten, verlässt sie Yorkshire, um auf den Laufstegen in Mailand, London und New York zu brillieren. Sie gehört ab sofort zu den Top Models, doch ihre Liebe gehört noch immer Brett, auf den sie eines Tages in New York wieder trifft. Doch die Delanceys verbergen ein dunkles Geheimnis, welches in die Vergangenheit und ins Lager Treblinka in Polen führt...

Ich liebe ja Geschichte auf zwei Zeitebenen und fand dieses Familiendrama gelungen, aber auch etwas klischeehaft. Man sollte natürlich auch bedenken, dass Lucinda Riley das Buch in den Neunziger Jahren geschrieben hat und auch das Bild der Frau - verglichen zu heute - noch ein anderes ist. Trotzdem hat mir vor allem der Blick hinter die Kulissen der Haute Couture gefallen, die aufzeigt, wie gnadenlos die Modewelt ist. Manchmal war ich an Katharina Fuchs Roman "Der Traum vom Leben" erinnert, wo auch ein Mädchen vom Lande die internationalen Laufstege der Modewelt kennenlernt.
Aber auch ohne in die Welt der Haute Couture zu gelangen, kann man schnell auf die schiefe Bahn gelangen, wenn man wie Miranda, die Tochter des Hauses, Leah alles neidet und von Geld und Ruhm träumt. Ihr Schicksal war grausam. Hier werden vor allem die Themen Gewalt gegen Frauen und Alkoholismus angesprochen.

In der Vergangenheit erfahren wir mehr über das Vernichtungslager in Treblinka, Polen. Diese Szenen sind sehr bewegend erzählt. Darüber möchte ich aber nicht mehr verraten, denn man würde spoilern. Wie die Autorin die Verbindung zur Gegenwart in den Neunziger Jahren geknüpft hat, fand ich gelungen.

Die Handlung wird sehr lebendig erzählt und die Figuren sind gut gezeichnet, wenn auch manche etwas eindimensional sind. Die 624 Seiten lassen sich schnell lesen, trotz der kleinen Längen. Die Autorin schrieb schon damals sehr detailverliebt, was auch die Seitenanzahl ihrer Bücher zeigt.


Fazit:
Insgesamt eine vielschichtige Geschichte mit einigen schweren Themen, die trotz mancher Längen spannend erzählt werden. Ich habe den ersten Roman der Autorin sehr gerne gelesen.

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Veröffentlicht am 24.01.2025

Magische Bücherwelt

Die Goldene Schreibmaschine
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Von Carsten Henn habe ich "Der Buchspazierer" gelesen und erst im Dezember auch den Film gesehen. Nun habe ich zu seinem ersten Kinderbuch gegriffen, welches bei der Buchmesse ziemlich gehypt wurde. Der ...

Von Carsten Henn habe ich "Der Buchspazierer" gelesen und erst im Dezember auch den Film gesehen. Nun habe ich zu seinem ersten Kinderbuch gegriffen, welches bei der Buchmesse ziemlich gehypt wurde. Der Oetinger Verlag hat sich nicht lumpen lassen und hat in Frankfurt ein kleines Büro mit der goldenen Schreibmaschine nachgebaut, wo man als Besucher auch Platz nehmen konnte. Ich habe einige Fotos davon auf Instagram gesehen und war richtig neidisch. Das sah richtig toll aus!

Carsten Henn versucht sich diesmal an einem Kinderbuch und ich finde es ist ihm wirklich gelungen. Emily lebt bei ihren Großeltern, nachdem ihre Eltern immer wieder im Ausland arbeiten und ihre Tochter nicht immer aus ihrer gewohnten Umgebung reißen möchten. Bei ihrer Oma Rose und Opa Martin fühlt sie sich zuhause und ist in der Nähe ihrer geliebten Anna-Amalia-Bibliothek, wo ihre Großmutter auch arbeitet. Außerdem hat sie ihre Freundin Charlie und ihren Kinderfreund Frederick gleich nebenan. Probleme gibt es allerdings mit ihrem Mathe- und Geschichtslehrer, Dr. Desskau, der es auf sie abgesehen hat. Gut, dass sie in der Bibliothek herumhängen kann, wo auch ihre Großmutter ein Auge auf Emily hat. Dort entdeckt sie eines Tages einen magischen Füller, der sich in einen Schlüssel verwandelt und Emily durch ein Bild an der Wand Eintritt in eine verborgene Bibliothek dahinter verschafft. Dort befinden sich alle Geschichten, die jemals geschrieben wurden und eine magische, goldene Schreibmaschine. Diese sollte nicht in die falschen Hände geraten, denn mit ihr lassen sich Geschichten umschreiben und verändern.
Als Emily das Ende ihres Lieblingsbuches verändert, bemerkt sie, dass sich auch andere Dinge in ihrem Leben verändert haben. Außer ihr bemerkt dies jedoch niemand, denn alle Veränderungen scheinen für den Rest der Welt schon immer da gewesen zu sein. Als Emily weitere Geschichten verändert, erkennt sie, dass diese Änderungen nicht immer von Vorteil sind. Außerdem bekommt sie den Verdacht, dass ihr skrupelloser Lehrer Dr. Desskau etwas über das Geheimnis der magischen goldenen Schreibmaschine weiß. Er sieht darin die Möglichkeit die Macht an sich zu reißen und seine gefährlichen Pläne umzusetzen. Kann Emily ihn stoppen?

Die Grundidee von Carsten Henn, dass die Kraft der Literatur einiges verändern kann, fand ich gelungen. Sie regt die Fantasie an und zeigt Vor- und Nachteile.
Die Figuren sind lebendig gezeichnet und für Kinder ab 12 Jahren passend. Die Gefühle und Gedanken von Emily und ihren Freunden werden sehr realitätsnah dargestellt. Wir Bücherwürmer können sich auf jeden Fall mit ihr identifizieren und erleben im Laufe der Geschichte ein spannendes Abenteuer, bei dem Gut gegen Böse antritt. Auch die Nebenfiguren sind hervorragend gezeichnet.
Emily ist mutig und etwas verträumt. Sie liebt ihre Bücher und ihre Großeltern. Dabei lernt sie im Verlauf der Geschichte viel über die Bedeutung von Freundschaft und Familie, aber auch um die Folgen von Mobbing und Machtmissbrauch. Emily wächst mit ihren Erfahrungen und erkennt, wie wichtig es ist, für das Gute einzustehen. Denn wenn die Macht in falsche Hände gerät, kann dies sehr gefährlich werden, denn Sprache ist Macht.
Beim Lesen hatte ich das Gefühl, dass der Autor subtil die unstabile politische Weltlage anspricht und die Gefahr von Manipulation und Machtmissbrauch in der Geschichte kindlich verpackt..

Fazit:
Mit einem kleinen bisschen Magie und einer Portion Abenteuer ist diese Geschichte für Kinder ab 12 Jahren und für junggebliebene Erwachsene ein toller Ausflug in die Welt der Bücher.

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Veröffentlicht am 23.01.2025

Menschliche Abgründe

Steirerzorn
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Gleich vorab, dieser vierzehnte Steirerkrimi von Claudia Rossbacher ist ziemlich anders, als ihre Vorgänger und wesentlich härter. Hier gibt es kaum lustige Plänkeleien zwischen Sascha und Sandra und der ...

Gleich vorab, dieser vierzehnte Steirerkrimi von Claudia Rossbacher ist ziemlich anders, als ihre Vorgänger und wesentlich härter. Hier gibt es kaum lustige Plänkeleien zwischen Sascha und Sandra und der Handlungsstrang aus der Vergangenheit ist wirklich harter Tobak! Das bin ich von der Autorin gar nicht gewöhnt, aber ich feiere es! Dieser Krimi ist wirklich absolut gelungen und hat mich an die Seiten gefesselt.
Triggerwarnung gibt es keine (was ich bei Krimis und Thriller auch nicht wirklich sinnvoll finde) - wer jedoch Probleme mit Kindesmisshandlungen hat, sollte die Finger von diesem Buch lassen.

Der Krimi spielt im steirischen Schilcherland, einer Weingegend in der Steiermark südich von Graz. Hobbyfotograf Christian Zwettler ist auf der Suche nach einem bestimmten Lost Place, der ihm über Social Media vorgeschlagen wurde, und der ihm für sein Buch über verlassene Orte noch fehlt. Obwohl er sonst immer die Besitzer der verlassenen Häuser vorher kontaktiert, weil ein Betreten ohne Genehmigung verboten ist, bricht er in das verlassenen Gebäude ein und fällt prompt durch eine morsche Falltür. Neben Mäusen, Ratten und verendeten Vögeln befindet sich in seiner Sichtweite eine gefesselte und teils verweste Frauenleiche. Christian kann sich nicht bewegen, sein Handy funktioniert in diesem Funkloch nicht und niemand weiß, wo er unterwegs ist. Der Lost Place gehört einer Familie, die vor langer Zeit in die USA ausgewandert ist und der ansässige Förster, der die Schlüssel hat, schaut nur ab und zu vorbei. Es dauert sehr lange, bis er gerettet werden kann. Doch wer ist die Frau, die gefoltert und getötet wurde?

Sascha Bergmann und Sandra Mohr vom LKA Graz bekommen den Fall. Bald stellt sich heraus, dass das verlassene Gebäude in den 1970iger Jahren ein Erziehungsheim für angeblich schwererziehbare Mädchen war. Im Ort kann sich aber kaum jemand daran erinnern...

Im Vergangenheitsstrang erleben wir die widerwärtigen Methoden der Erzieherinnen und des damaligen Direktors anhand von Tagebucheintragungen der damals 13jährigen Gitti aus Wien - und diese sind heftig! Körperliche und seelische Gewalt, Missbrauch, Erniedrigungen und Einschüchterungen stehen täglich auf dem Programm. Die Kinderseelen wurden systematisch zerstört und das ganze Personal wusste Bescheid oder war daran beteiligt.
Was man hier liest, ist alles andere als einfach zu lesen und bereitet einem Gänsehaut. Anhand des Leidens von Gitti, die nur eine von vielen war, erinnert die Autorin an die vielen Opfer brutaler Übergriffe in Erziehungsheimen zwischen 1960 und 1980. Man muss den damaligen Opfern eine Stimme geben, denn sie dürfen nicht in Vergessenheit geraten. Ich denke, dass es auch noch heute in gewissen Teilen der Welt nicht anders zugeht. Vor allem Kinder sind die Ärmsten, die sich am wenigsten wehren können!

Die humorvolle Zusammenarbeit und die Plänkeleien zwischen Sandra und Sascha sind diesmal im Hintergrund und sehr sparsam eingesetzt, denn sie passen nicht zum schweren Thema, welches im Krimi den Hauptteil einnimmt. Sascha kommt grantiger rüber, als in den Vorgängerbänden und seine Machosprüche klingen teilweise übergriffig. Charmebolzen ist er in diesem 14. Fall keiner!
Auch das Privatleben von Sandra und Sascha ist eher Nebensache, wobei jedoch die düstere Stimmung beibehalten wird, denn die Beziehung zwischen Sandra und ihrem Freund Hubert scheint toxisch zu werden.

Zwischen den schweren Themen wird allerdings auch gut gegessen und der Schilcher Wein, den es nur in dieser Region gibt, bekommt besondere Aufmerksamkeit. Auch in diesem Band erkennt man die Liebe der Autorin zur Steiermark, die in bildhaften Beschreibungen die Schönheit der Grünen Mark darstellt.

Fazit:
Der bisher beste, aber auch härteste Krimi aus dieser Reihe, der nichts für Zartbesaitete ist!
Eine spannende Geschichte, die ich sehr gerne weiterempfehle und außerdem meine erste 5 Sterne Bewertung für einen Krimi aus dieser Reihe.

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Veröffentlicht am 20.01.2025

Habe mir mehr erwartet

Die Frau des Serienkillers
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Auf diesen Thriller war ich sehr gespannt, denn der Klappentext hörte sich wirklich super interessant und spannend an.
Beth und Tom Hardcastle sind vor einigen Jahren von London nach Lower Tew gezogen, ...

Auf diesen Thriller war ich sehr gespannt, denn der Klappentext hörte sich wirklich super interessant und spannend an.
Beth und Tom Hardcastle sind vor einigen Jahren von London nach Lower Tew gezogen, einem Dorf außerhalb von London. Tochter Poppy soll nicht in der Großstadt aufwachsen und Beth hat sich ihren Wunsch erfüllt und ein Keramik-Café eröffnet, während Tom weiterhin zu seinem Arbeitsplatz in einer Bank in London pendelt.
Als Beth mit ihrer kleinen Tochter Poppy auf die Heimkehr von Tom wartet, klopft die Polizei an die Tür, die nach ihrem Mann sucht, der unter Mordverdacht steht. Die Fassade der perfekten Familie zerfällt, denn nachdem Tom tatsächlich in Untersuchungshaft kommt, fällt die vorstädtische Idylle in sich zusammen. Die Presse belagert den Garten vor dem Haus und im Café, welches Beth führt, lassen manche Nachbarn Kommentare ab, die Beth in keines gutes Licht erscheinen lässt.

Der Beginn hat mich sofort gecatcht, jedoch lässt die Spannung leider sehr schnell nach. Die Autorin erzählt aus verschiedenen Perspektiven. Man erlebt mit Bath die Tage nach der Verhaftung und wie sich ihre Gedanken vor allem um die gemeinsame Tochter Poppy dreht, der sie eine gesicherte Zukunft bieten möchte. Sie ist von Toms Unschuld überzeugt und fühlt sich von der Polizei in die Mangel genommen.
Wir dürfen aber auch in Toms Gedankenwelt eintauchen und bemerken bald, dass er so unschuldig nicht sein kann. Außerdem gibt es Rückblicke in die Vergangenheit und erleben die Beziehung von Tom und seiner Exfreundin Katie, wegen deren Verschwinden er unter Mordverdacht steht.
Im Laufe der Geschichte wird ersichtlich, dass auch Beth ihre Geheimnisse hat. Als Thrillerleser der ersten Stunde hatte ich bald einen Verdacht, der sich auch bestätigt hat.

Leider hat mich der Klappentext mehr gecatcht, als die Geschichte selbst. Auf den ersten 150 Seiten passiert kaum etwas und man verfolgt größtenteils Beths Gedankenkarussell. Sie macht sich vor allem Sorgen um Poppy und was die anderen Kita-Mütter wohl denken oder ob ihr Keramik-Café unter der Verhaftung von Tom leiden wird. Über ihren Ehemann selbst macht sie sich eher weniger Gedanken, was irritiert.

Die Kapitel sind kurz gehalten und der Schreibstil von Alice Hunter lässt sich gut und flüssig lesen. Die Atmosphäre im Ort wird gut eingefangen und wir lernen auch einige der Einwohner etwas besser kennen, wie Lucy, die Beth im Keramik-Café hilft; Adam, der Witwer, dessen Tochter mit Poppy befreundet ist und die sich gegenseitig aushelfen, wenn jemand eine kurzfristige Kinderbetreuung benötigt oder Julie, die immer top gestylte Mama von Drillingen, die allerdings ein kleines Alkoholproblem haben dürfte....

Obwohl es oftmals an Spannung gemangelt hat, wollte ich wissen, wie die Geschichte ausgeht. Den Plot-Twist am Ende fand ich gelungen, konnte aber die eher spannungsarme Handlung nicht wettmachen.


Fazit:
"Die Frau des Serienkillers" war für mich mehr Spannungsroman als Thriller, den ich "alten Thrillerhasen" nicht wirklich weiter empfehle. Aus der Grundidee hätte man einen richtig guten Thriller machen können. Leider wurde das Potential nicht ausgeschöpft und so blieb dieser erste Band einer losen (?) Trilogie leider hinter meinen Erwartungen.

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Veröffentlicht am 18.01.2025

Wenn die Vergangenheit dich einholt

Minus 22 Grad
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Da dachte ich mir doch noch vor kurzem, dass ich von einem bestimmten Autor schon lange keinen neuen Thriller mehr gelesen habe. Und prompt kommt mir das Foto von Quentin Peck bei der Lovelybooks Leserunde ...

Da dachte ich mir doch noch vor kurzem, dass ich von einem bestimmten Autor schon lange keinen neuen Thriller mehr gelesen habe. Und prompt kommt mir das Foto von Quentin Peck bei der Lovelybooks Leserunde sehr bekannt vor. Ich habe mich deshalb sehr gefreut, dass der Autor unter einem neuen Pseudonym und bei einem neuen Verlag seinen neuen Thriller "Minus 22 Grad" veröffentlicht hat.

Laura Gehler, eine Fotografie-Studentin, ist mit ihrem Rennrad unterwegs - trotz klirrender Kälte und spät abends - als sie gezielt von einem Auto verfolgt, gerammt und anschließend entführt wird. Sie erwacht in einem Plexiglaskäfig und soll das Rätsel lösen, warum sie entführt wurde - sonst droht ihr der Tod. Laura hat nur wenige Tage Zeit um herauszufinden, dass der Grund ihrer Entführung in einer alten Schuld aus ihrer Vergangenheit liegt. Doch wem hat sie so derart geschadet?

Ihre Mutter, eine erfolgreiche Politikerin, erhält nach einigen Tagen eine Barbiepuppe mit den Sterbedaten ihrer Tochter, Kommissar Lukas Johannsen erkennt darin eine Ähnlichkeit zu einem alten Fall, dem des Puppenmörders, den er in der Vergangenheit nicht abschließen konnte.
In einem weiteren Handlungsstrang lernen wir Ariane kennen, eine Zoologin, die sich nach dem Tod ihres Mannes in ein einsames Häuschen am Waldrand zurückgezogen hat. Dort trifft sie auf Tom, der beim Eislaufen am nahen Teich im Eis einbricht und dem sie das Leben rettet.

Man ist von Beginn an direkt mitten in der Geschichte. Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven in kurzen und knappen Sätzen. Dies verwirrt zu Beginn etwas, denn man erkennt keinen Zusammenhang zwischen den einzelnen Handlungssträngen, denn Quentin Peck hat seinen Plot raffiniert aufgebaut.

Der Autor ist seinem Schreibstil treu geblieben, der temporeich und knackig ist. Man erkennt auch, dass er als Fernsehjournalist und -produzent arbeitet, denn es wird oftmals bildgewaltig, wenn es rauscht, knistert, tropft oder raschelt.
Überraschende Wendungen locken oftmals auf falsche Fährten und das Kopfkino rattert ununterbrochen.
Neben den Blick auf die Hauptcharaktere, entführt uns der Autor auch in die Gedankenwelt des Entführers. Zusätzlich gibt es alte Tonaufzeichnungen, die eingestreut werden.
Nach und nach erkennt man auch, dass Laura nicht wirklich die sympathische junge Frau ist, die wir zu Beginn kennenzulernen glaubten.
Manche der Figuren handeln seltsam und man kann sie nicht wirklich einordnen, was die Spannung erhöhen soll. Man rätselt, wer diese Charaktere wirklich sind, was sie verbergen und welche Geheimnisse sie haben. Obwohl der eigentliche Personenkreis nicht sehr hoch ist, sind alle verdächtig und nicht wirklich sympathisch. Manche Handlungen einzelner Figuren konnte ich nicht immer nachvollziehen und hat mir nur ein Kopf schütteln eingebracht.

Etwas überrascht hat mich, dass der ermittelnde Kommissar Lukas Johannsen sehr im Hintergrund agiert und fast zur Nebenfigur mutiert. Mir blieb er auch deswegen viel zu blass.

Das Ende lässt erahnen, dass es einen weiteren Band um Lukas Johannsen geben wird, denn der klitzekleine Cliffhanger sorgte für ein kurzes überraschendes Luft holen meinerseits und lässt auf ein weiteres spannendes Abenteuer hoffen.

Fazit:
Ein temporeicher Thriller mit vielen verschiedenen Handlungssträngen, die am Ende gekonnt zusammen führen. Die Figuren bleiben teilweise jedoch etwas blass und der Spannungsbogen fällt in der Mitte etwas ab. Der Plot ist allerdings raffiniert aufgebaut und hat mir sehr gut gefallen.

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