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Veröffentlicht am 10.01.2024

Bewegender Roman über Mutter-Kind Beziehung

Weil du meine Tochter bist
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Die Autorin hat in ihrem Roman - stellvertretend für viele evakuierten Kinder während des Zweiten Weltkrieges, diese Geschichte geschrieben. Im Nachwort verrät sie ebenfalls, dass ihr Roman ansatzweise ...

Die Autorin hat in ihrem Roman - stellvertretend für viele evakuierten Kinder während des Zweiten Weltkrieges, diese Geschichte geschrieben. Im Nachwort verrät sie ebenfalls, dass ihr Roman ansatzweise der Geschichte eines Mitglieds ihrer Familie nachempfunden wurde.

Die junge Viv Byrne wird ungewollt schwanger. Ihr Zusammentreffen mit dem Juden Joshua, einem begabten Saxophonisten, wird zu ihrem Schicksal, denn die streng katholischen Eltern von Viv drängen auf eine Hochzeit. Obwohl sie den zukünftigen Ehemann ablehnen, ist es ihnen wichtiger, den äußeren Schein zu wahren. Das Kind wird ehlich geboren, doch Joshua lässt Viv und ihre Tochter Maggie im Stich und geht nach New York. Als der Zweite Weltkrieg ausbricht, wird Viv dazu gedrängt ihre erst 4-jährige Tochter aus Liverpool wegzubringen. Infolge der erwarteten Luftangriffe sollen die Kinder evakuiert und aufs Land gebracht werden. Obwohl Maggie zu jung ist, drängen Vivs Mutter und der ansäßige Pfarrer darauf, sie zu einer Gastfamilie aufs Land zu bringen. In der festen Hoffnung, sie bald wieder in die Arme schließen zu können, schickt sie Maggie aufs Land. Doch dann kommt es zur Katastrophe: das Haus der Thompsons, Maggies Gastfamilie, wird bombardiert. Von Maggie und ihren Gasteltern fehlt jede Spur.

Die Suche nach Maggie, die im Klappentext angekündigt ist, erlebt man beim Lesen erst im letzten Drittel der Geschichte. Zuvor liest man, welche enge Beziehung Viv und ihre kleine Tochter haben, die Viv liebevoll Bärchen nennt. Im krassen Gegensatz dazu Vivs kaltherzige Mutter, der es wichtiger ist, was die Nachbarschaft denkt und die katholische Kirchengemeinde sieht. Sie stellt die gesellschaftliche Moral vor dem Wohl ihres Kindes und Enkelkindes.

Der Roman beginnt mit der Hochzeit von Viv und Joshua, die zu dieser Zeit noch Teenager sind. In kurzen Rückblenden erfahren wir im Laufe der Geschichte, wie sich die beiden kennengelernt haben. Diese kurzen Kapitel werden jedoch nicht chronologisch erzählt. Mir hätte es besser gefallen, wenn die zeitliche Reihenfolge eingehalten worden wäre.
Außerdem erhalten wir Einblicke in Joshuas Leben, seiner Zeit in New York und seine Erlebnisse als britischer Soldat während des Krieges.

In diesem Roman geht es vor allen Dingen um Mutterliebe, Verrat und Hoffnung. Großes Thema ist auch die Religion, denn religiöse Mischehen werden gesellschaftlich nicht toleriert.
Die Autorin hat die Empfindungen und Emotionen von Viv sehr bildhaft dargestellt. Als Mutter habe ich mit ihr mitgelitten und ich muss gestehen, dass ich selbst niemals in der Lage sein möchte zu überlegen, ob ich mein Kind "zur Sicherheit" wegschicken soll oder muss. Denn die Thematik der Kinderverschickung ist ein sehr emotionales Thema, wo herzzereißende Entscheidungen getroffen werden müssen. Ich habe mit Viv mitgefiebert, ihre herzlosen Eltern gehasst und um Maggie gebangt. Man erlebt beim Lesen eine emotionale Achterbahnfahrt.

Der Schreibstil von Julia Kelly hat mir sehr gut gefallen. Sie schreibt bildhaft, einnehmend und emotional. Die Sprache ist der Zeit angepasst, die Figuren sind meiner Meinung jedoch etwas zu schwarz-weiß gezeichnet.
Viv's Leben und ihre persönliche Entwicklung wird hingegen sehr einnehmend beschrieben. Sie macht eine große Wandlung durch, die mir gut gefallen hat. Auf der sympathischen Seite stehen auch Joshuas Eltern und seine Schwester Rebecca, die eine große Rolle spielen werden.
Joshua bleibt hingegen etwas blass, hingegen kommt das Thema Musik bei mir immer gut an und ist auch ein Kriterium, dass ich zu Büchern mit dieser Thematik greife.
Das Setting Liverpool und die damalige Zeit sind ebenfalls sehr lebendig dargestellt. Man spürt die Gefahr während der Bombardierungen der Hafenstadt und die Verzweiflung der Menschen.
Was mir weniger gefallen hat, war die viel zu kurze Suche nach Maggie und das eher abrupte Ende. Mir fehlten einige Informationen, die man zuvor oftmals in Übermaß bekommen hat, denn die letzten Jahre werden nur mehr im Zeitraffer erzählt. Das tat der sehr emotinalen Geschichte nicht wirklich gut. Trotzdem ist "Weil du meine Tochter bist" ein sehr lesenwerter Roman, der nachdenklich stimmt.


Fazit:
Ein emotionaler historischer Roman zum Thema Kinderverschickung und tiefe Mutterliebe, der erschüttert, aber auch Hoffnung gibt. Bis auf das zu schnelle Ende eine sehr gelungene Geschichte, die nachdenklich macht.

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Veröffentlicht am 08.01.2024

Nicht ganz das, was ich erwartet habe

Stalking Jack the Ripper
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Die Reihe von Kerri Maniscalco rund um Audrey Rose Wadsworth verfolge ich schon eine Weile. Ich hatte sogar schon überlegt, mir alle vier Teile auf Englisch zu kaufen, weil mich das Setting London, viktorianisches ...

Die Reihe von Kerri Maniscalco rund um Audrey Rose Wadsworth verfolge ich schon eine Weile. Ich hatte sogar schon überlegt, mir alle vier Teile auf Englisch zu kaufen, weil mich das Setting London, viktorianisches Zeitalter und Jack the Ripper besonders ansprach. Kurz bevor ich zuschlagen wollte, sah ich in der Vorschau, dass die ersten beiden Bände nun tatsächlich übersetzt werden. Natürlich musste ich mir "Stalking Jack the Ripper" sofort kaufen. Erwartet hatte ich mir einen spannenden historischen Krimi im dunklen London des Jahres 1888. Bekommen habe ich....lest selbst!

Ich habe schon einige Krimis mit dem "Jack the Ripper" Hintergrund gelesen und war etwas irritiert, als das Buch in der Buchhandlung in der Abteilung New Adult zu finden war. Nach dem Lesen ist es mir nun etwas klarer, dennoch würde ich die Geschichte - trotz der Slow Burn Romanze - dort nicht einordnen. Es ist eine Mischung zwischen einer Lovestory mit dem Thema Enemies to Lovers und einem historischen Krimi, der sich nicht mit blutigen Erzählungen zurückhält.

"Stalking Jack the Ripper - Die Spur in den Schatten" ist der erste Band der grausamen Fälle der Audrey Rose von Kerri Maniscalco. Jeder Teil der grausamen Fälle der Audrey Rose Reihe ist von der Geschichte eines historischen Serienkillers inspiriert. Da der berüchtigte Serienmörder nie gefasst wurde, gibt es unzähliche Thesen über Jack the Ripper. Kerri Maniscalco erzählt uns eine davon.
Audrey Rose Wadsworth wächst priviligiert in der gehobenen Gesellschaft Londons auf. Ihr Vater hat große Angst um sie, seit ihre Mutter an einer Krankheit verstorben ist und lässt sie kaum außer Haus. Ihr Bruder Nathaniel ist ein typischer Vertreter seiner Gesellschaft. Er hat noch keinerlei Pläne für seine Zukunft und weiß nicht genau, was er im Leben erreichen will.
Audrey Rose hat hingegen eine fixe Vorstellung ihrer Zukunft. Abseits gesellschaftlichen Verpflichtungen hat sie eine morbide Vorliebe für die Gerichtsmedizin. Sie ist eine Rebellin ihrer Zeit und möchte weder heiraten, noch ein langweiliges Leben führen. Ihre Liebe gehört der Medizin. Bei ihrem Onkel lernt sie Leichen zu sezieren und schleicht als Mann verkleidet in den Hörsaal. Dabei geht es auch relativ blutig zu. Im Labor ihres Onkel lernt sie auch den arroganten Medizinstudeten und Gehilfen Thomas Cresswell kennen. Als ihr Onkel die furchtbar zugerichteten Opfer von Whitechapel auf seinen Obduktionstisch bekommt, möchte Audrey Rose den berüchtigten Serienmörder fassen. Mit Thomas hat sie einen ihr ebenbürtigen Partner gefunden....

Die Autopsien und Morde wurden sehr detailreich beschrieben. Das war ganz nach meinem Geschmack. Hingegen fand ich die Liebesgeschichte klischeehaft und unnötig. Trotz ihres blutigen Jobs wirkte Audrey Rose oftmals auf mich unreif. Sie handelt unüberlegt oder emotionsgeleitet. Dies habe ich ihrem jungen Alter zugeschrieben, dennoch steht es etwas im Widerspruch zu ihrer Kaltblütigkeit im Labor. Ich bin gespannt wie sich ihr Charakter im nächsten Band entwickeln wird....

Der Kriminalfall lädt zum Miträtseln ein. Ich habe sehr bald meine eigenen Schlüsse gezogen und den Täter erahnt. In der Mitte des Krimis fehlte es mir jedoch an Spannung. Das Erzähltempo ist eher gemächlich und es wurde mir zu viel gemutmaßt und geredet. Ich konnte das Buch jederzeit zur Seite lesen...kein gutes Zeichen.

Der Schreibstil der Autorin liest sich sehr gut. Kerri Manicsalco ist es perfekt gelungen die düstere Atmosphäre Londons Ende des 19. Jahrhunderts einzufangen. Die Sprache ist jedoch nicht der Zeit angepasst und würde wahrscheinlich auch nicht die Zielgruppe des Buches ansprechen. Als Leserin von historischen Romanen fällt es mir dafür umso mehr auf, hat mich aber nicht sehr gestört.
Zwischen den Kapiteln gibt es auch tolle Zeichnungen und Schriftstücke.

Die Autorin hat sich die künstlerische Freiheit genommen und einige Daten für die Erzählung angepasst, einige Zeiten/Zeitpunkte verändert und historische Ungenauigkeiten gelten lassen.

Fazit:
Mit meinen hohen Erwartungen konnte "Stalking Jackthe Ripper" leider nicht mithalten. Das liegt auch daran, dass ich mir unter der Geschichte ein bisschen etwas anderes vorgestellt habe. Insgesamt hat mich der Roman aber totzdem gut unterhalten und ich habe den zweiten Band, in dem es nach Rumänien geht, schon hier liegen.

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Veröffentlicht am 04.01.2024

Mord in der Wachau

Ein tödlicher Jahrgang
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Beate Maxian hat neben ihrer Sarah Pauli Reihe, die immer in Wien spielt, nun einen weiteren Schauplatz für ihre Krimis gefunden: die Wachau. Ich wohne ja selbst nur 10 km von der Region, die UNESCO Weltkulturerbe ...

Beate Maxian hat neben ihrer Sarah Pauli Reihe, die immer in Wien spielt, nun einen weiteren Schauplatz für ihre Krimis gefunden: die Wachau. Ich wohne ja selbst nur 10 km von der Region, die UNESCO Weltkulturerbe ist, entfernt und war sehr gespannt auf die Geschichte.

Mit Lou Conrad hat die Autorin eine neue Ermittlerin erschaffen, die als ehemalige Inspektorin beim LKA Niederösterreich, in ihren Heimatort Marienkirchen zurückkehrt. Dort hat sie ihre Liebe zu Feinkostspezialitäten und Schmankerln aus der Region zu ihrem Beruf gemacht. Sie führt ein Delikatessengeschäft und hilft auch ab und zu ihren Eltern auf deren Weingut, die es vorgezogen hätten, dass sie den Familienbetrieb übernimmt. Lou lebt allerdings lieber mit ihrem Hund Michelin alleine in einem kleinen Winzerhäuschen. Doch die "Ermittlergene" lassen sich nicht so schnell abstellen, denn als ein Weinberg in Flammen steht, lässt die Neugier sie nicht los. Vor Ort trifft sie auf ihre ehemalige Vorgesetzte und die Leiche des Top-Winzers der Region, Martin Haller. Das Timing ist äußerst schlecht, denn gerade hat der Weinherbst begonnen und die Wachau wird von vielen Urlaubern geradezu überrannt. Da macht sich ein toter Winzer nicht so gut...
Als auch noch Lous frühere Freundin Mona verschwindet und sich ihr Mann Fabio große Sorgen macht, brechen die beiden nach Südtirol auf, wo es die letzte Spur von Mona gibt. Aber auch einige Geschäfte des ermordeten Martin Haller führen ins benachbarte Italien und zu einem ganz bestimmten Hof....
Kurz kommt auch Lou selbst ins Visier der Polizei, denn ihre Schnüfflernase hält sie nicht davon ab privat zu ermitteln.

Lou ist, wie Sarah Pauli, eine sehr sympathische Figur mit einer großen Leidenschaft. Lou liebt das ruhige Leben und den Genuss, den Kontakt zu ihren Kunden, die hochwertigen Produkte, die sie in ihrem Delikatessenladen verkauft und ihren Berner Sennenhund Michelin. Diesen habe ich sofort ins Herz geschlossen und er darf auch im Krimi eine ganz besondere Rolle spielen.

Beate Maxian hat unsere wunderschöne Wachau sehr bildhaft eingefangen und beschrieben. Die Hänge mit den Weinreben, die darunter fließende Donau, Burgen und Schlösser entlang des Flusses, die wunderbare Atmosphäre im Ort und deren Einwohner, sowie das kulinarische Leben der Region. Der Dorftratsch kommt dabei ebenfalls nicht zu kurz. Durch ihren Settingwechsel nach Südtirol bekommen wir auch aus dieser Region sehr bildgewaltige Beschreibungen. Der goldene Weinherbst in beiden Gebieten lässt das Urlauberherz beim Lesen sofort höher schlagen.


Wir erfahren auch einige Dinge rund um die Weinherstellung und den verschiedenen Weinsorten, genauso wie über besondere Schmankerln aus der Gegend, wie die Wachauer Marille und deren Verarbeitungsmöglichkeiten (Marillenschnaps, süße Marillenknödel, Marillenmarmelade, Marillenlikör, Marillensenf usw.), und genießen eine deftige Jause bei einem der vielen Heurigen, die die Wachau bietet.

Der kulinarische Krimi steht hier im Vordergrund und die Spannung tritt doch das eine oder andere Mal in den Hintergrund. Trotzdem hat die Autorin mit einigen überraschenden Wendungen und mit der Vielschichtigkeit der Charaktere immer wieder für mitreißende Szenen gesorgt. Vorallem zum Ende hin kommt es zu einem fesselnden Countdown, der mir sehr gut gefallen hat.
Auf den letzten Seiten des Buches gibt es noch eine Auflistung der verschiedenen Weinsorten.

Fazit:
Ein kulinarischer Krimi zum Miträtseln, der in meiner Heimat spielt und deshalb für mich etwas Besonderes ist. Die Spannung tritt jedoch oftmals etwas in den Hintergrund, während die bildhafte Beschreibung der beiden Gegenden (Wachau und Südtirol) sehr bildgewaltig dargestellt wird. Ein netter Auftakt einer neuen Reihe, die ich natürllich weiterverfolgen werde.

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Veröffentlicht am 28.12.2023

Zäh und teilweise vorhersehbar, aber tolles Setting

If We Were Villains. Wenn aus Freunden Feinde werden
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Vielleicht bin ich mit den falschen Voraussetzungen an den Roman in unserer Leserunde herangegangen...abgesehen davon, dass ich gar nichts von der Hype rund um "If we were villains" mitbekommen habe ;) ...

Vielleicht bin ich mit den falschen Voraussetzungen an den Roman in unserer Leserunde herangegangen...abgesehen davon, dass ich gar nichts von der Hype rund um "If we were villains" mitbekommen habe ;) Ich dachte tatsächlich das Buch wäre schon älter....und mein Gefühl trug mich nicht!
Der Roman wurde tatsächlich bereits 2017 mit dem Titel "Das verborgene Spiel" erstmals auf deutsch veröffentlicht.

Nach dem Durchlesen der Inhaltsangabe hatte ich in etwa die Vorstellung eine ähnliche Geschichte wie beim Film "The Riot Club" oder "Der Club der toten Dichter" (mein absoluter Lieblingsfilm) zu bekommen. Dem war nicht so...

Ich fand sehr schwer in die Geschichte und dachte nach dem ersten Leseabschnitt sogar daran das Buch abzubrechen. Es langweilte mich fuchtbar. Nachdem aber meine Mitleserinnen alle sehr positiv gestartet sind, las ich doch weiter.

Die Geschichte beginnt im Gefängnis. Im Prolog erzählt Oliver den damals ermittelnden Polizeibeamten, der den Job wechselt, was vor zehn Jahren wirklich vorgefallen ist. In Rückblenden wird die Handlung in 5 Akten erzählt, wobei auch immer wieder in die Gegenwart ins Gefängnis gewechselt wird. Das Oliver im Gefängnis sitzt ist kein Geheimnis, denn es wird bereits zu Beginn klargelegt. Ob er wirklich der Mörder ist, erfährt ihr allerdings erst zum Schluss.

Das Theatersetting hat mir sehr gut gefallen. Die Atmosphäre am Dellecher Collage, wo ausschließlich Shakespeare Stücke erlernt und aufgeführt werden, ist sehr anschaulich dargestellt. Nur mehr sieben Studenten haben es ins letzte Studienjahr geschafft. Die Liebe zu Shakespeare und zum Theater verbindet die sehr unterschiedlichen Charaktere. Dabei legen sie ihre Rollen auch im Privaten nicht gänzlich ab. Obwohl sie immer geschlossen als Clique auftreten, spürt man unterschwellig die aufkommende Rivalität. Eines Tages treibt einer von ihnen tot im See und es ist klar, dass der Mörder ein Mitglied der eingeschworenen Clique sein muss.

Die Handlung baut sich sehr langsam auf, ist komplex und hat doch einige Längen. Es gab kaum Überrschungen oder Twists. Der Plot ist hingegen facettenreich und die Sprache mit den laufend eingestreuten Shakespeare Versen etwas ganz Neues. Diese können mit der Zeit beim Lesen aber auch nerven, denn sie sind allgegenwärtig. Ich fand sie interessant, denn sie gaben der Geschichte das gewisse Etwas. Trotzdem habe ich manchmal darüber hinweggelesen.

Bei der Figurenzeichnung bin ich zwiegespalten. Einige davon sind sehr bildhaft dargestellt, vorallem was ihre Gefühlswelt betrifft. Andere sind wiederum so blass, dass man kaum etwas über sie sagen kann. Interessant war aber, wie erschreckend sich die Freundschaft der sechs entwickelt hat. Alkohol, Drogen, Angstzustände, Hilfslosigkeit, Gewalt finden mehr und mehr Einzug.

Gefallen haben mir einige Szenen, bei denen die Studenten zu besonderen Anlässen ein Theaterstück aufführen müssen. Diese sind wirklich gelungen. Man hält beim Lesen unwillkürlich den Atem an, so bildhaft werden die Szenen von der Autorin beschrieben.
Trotzdem fehlte es mir durchgehend an Spannung. Das Ende wurde von uns Leserinnen verschieden interpretiert, was einige Fragen aufgeworfen hat.


Fazit:
Die Hype um diese "Dark Academia" Geschichte, die neu aufgelegt und über TikTok erfolgreich beworben wurde, kann ich nicht nachvollziehen. Für mich ist es ein Roman, der in einer Theaterakademie angesiedelt ist und durch den Mord einen leichten Krimitouch erhält. Es geht um Freundschaft und die Liebe zu Shakespeare. Für mich war es ein eher langweiliges Stück...
Gerne verlinke ich euch noch die Rezensionen der Mitleserinnen

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Veröffentlicht am 28.12.2023

Ein richtiger Pageturner

Monster (Ein Bodenstein-Kirchhoff-Krimi 11)
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Auf den neuen Fall von Pia Sander und Oliver von Bodenstein war ich schon sehr neugierig! Ich liebe diese Reihe, auch wenn ich zugeben muss, dass sie erst nach und nach richtig gut geworden ist. Die ersten ...

Auf den neuen Fall von Pia Sander und Oliver von Bodenstein war ich schon sehr neugierig! Ich liebe diese Reihe, auch wenn ich zugeben muss, dass sie erst nach und nach richtig gut geworden ist. Die ersten Bände der Krimireihe haben noch Schwächen und was bei Nele Neuhaus immer vorkommt, sind eine Menge an Figuren.

Bei vorablesen habe ich in die Leseprobe gelesen und war begeistert. Leider hatte ich kein Glück, aber meine Bücherei hatte das Buch bereits für mich reserviert und ich konnte endlich weiterlesen.
Auf den ersten Seiten erleben wir hautnah mit, wie eine Mutter vergeblich versucht ihre 16jährige Tochter zu erreichen, die mit Freundinnen zum Eislaufen gehen und danach bei ihrer besten Freundin übernachten wollte. Doch Lissy hat sich mit den Mädels zerstritten und sich auf dem Heimweg gemacht. Zuhause ist sie jedoch nie angekommen. Am nächsten Tag wird die Leiche des Mädchens hinter einer Marienkapelle gefunden.
Pia und Oliver bekommen den Fall zugeteilt. Durch eine DNA-Analyse wird der abgelehnte afghanische Asylwerber Farwad M. verdächtigt. Der junge Mann ist jedoch wie vom Erdboden verschwunden und kann nicht vernommen werden. Die Öffentlichkeit hat jedoch bereits einen Schuldigen gefunden, obwohl ihn die Polizei erstmals nur als Zeugen vernehmen wollten. Damit beginnt eine furchtbare Hetztjagd...

In einem zweiten Handlungsstrang wird ein Mann überfahren, der am Körper schreckliche Bisswunden aufweist. Er scheint vor jemanden geflüchtet zu sein, denn er lief planlos auf die Fahrbahn. Was ist mit ihm passiert, bevor er überfahren wurde? Der seltsame Todesfall lässt Oliver und Pia rätseln. Bald finden sie heraus, dass es bereits ähnliche Fälle gab, die diesem ähneln. Der Fall wird immer komplexer, denn es scheint sich um Fälle von Selbstjustiz zu handeln.
Oliver und sein Team geraten immer tiefer in ein Geflecht aus Gewalt, welches sie in ihren Grundansichten über Moral und Menschlichkeit tief erschüttert.

"Monster" ist der elfte Band der Bodenstein und Kirchhoff/Sander Reihe und trotz der 560 Seiten ein Pageturner. Die Spannung bleibt die ganze Zeit über sehr hoch. Die Atmosphäre ist großteils düster. Der eigentliche Hauptfall um Larissas Mord tritt immer mehr in den Hintergrund, denn die Fälle rund um ziemlich ungewöhnliche Todesfälle mehren sich. Dazu kommt immer mehr der Verdacht auf, dass sich ein Maulwurf im Team befindet.
Die privaten Entwicklungen der beiden Hauptermittler sind präsent, fügen sich aber gut in die Geschichte ein. Sowohl Pia, als auch Oliver haben einiges Privates unter einem Hut zu bringen, wobei Pia vorallem wegen ihrer dementen Mutter überfordert ist. Für mich gehört das Privatleben der Beiden genauso zur Reihe, wie der oder die Mordfälle, denn ich habe das Ermittlerpärchen wirklich sehr ins Herz geschlossen.

In diesem elften Fall hat sich Nele Neuhaus an heikle Themen gewagt, was bei manchen Leser:innnen nicht so gut angekommen ist. Es geht um Vorverurteilung durch soziale Medien, Fremdenhass, Selbstjustiz, jugendliches Geltungsbedürfnis und Hetze. Ich habe die Themen so empfunden, dass uns ein Spiegel vorgehalten wird und empfand den Krimi nicht als rassistisch geprägt, sondern als Mahnung an die Gesellschaft. Die Szenen sind oftmals direkt aus dem Leben gegriffen, wie blinde Agression und Vorverurteilung durch die sozialen Medien.
Wie schnell wird jemand durch eine Anschuldigung zu Unrecht beschuldigt? Und wie schnell wird er von den Menschen im Umkreis bereits vorverurteilt? Es erinnert oftmals an die Hexenverfolgungen im Mittelalter, wo die Leute sensationslüstern zusahen, als die vermeintliche Hexe am Pranger oder Scheiterhaufen steht. Die heutige moderne Gesellschaft ist keineswegs besser.

Mein einziger Kritikpunkt ist die Auflösung des Todes von Lissy. Für mich waren einige Dinge daran nicht nachvollziehbar und das Ende wurde etwas zu schnell abgehandelt. Trotzdem hat mich dieser elfte Fall wirklich gefesselt und ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Deshalb vergebe ich trotz des kleinen Kritikpunktes zum Schluss ganze 5 Sterne.

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