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Veröffentlicht am 11.02.2024

Tolle Fortsetzung

Die Töchter der Ärztin
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Mit "Zeit der Hoffnung" geht die Reihe rund um die Töchter der Ärztin weiter. Es ist der zweite Band um Henny und Antonia, genannt Toni, der mir um einiges besser gefallen hat, als der Vorgänger.

Eigentlich ...

Mit "Zeit der Hoffnung" geht die Reihe rund um die Töchter der Ärztin weiter. Es ist der zweite Band um Henny und Antonia, genannt Toni, der mir um einiges besser gefallen hat, als der Vorgänger.

Eigentlich beginnt die Geschichte ja schon mit Ricarda Thomasius in den drei Bänden "Die Ärztin" und umspannt insgesamt nun fünf Bücher. Man kann aber die Reihe um die Töchter der Ärztin auch ohne die drei Vorgänger lesen. Nur mit der etwas großen Anzahl an Figuren, die Neueinsteiger noch nicht kennen, könnte es anfangs kleinere Probleme geben. Dazu gibt es am Ende des Buches aber einen Stammbaum der Familien Thomasius und von Freystetten zum Nachschlagen.

Mit kleinen Rückblicken in "Zeit der Sehnsucht" ist man sofort wieder in der Geschichte drinnen. Henny wagt den Versuch sich ein zweites Mal mit Victor zu verheiraten, nachdem die beiden wieder zueinander gefunden haben und neben Tochter Vicky das Familienglück mit dem kleinen Leo nun perfekt zu sein scheint. Henny hat sich jedoch mit den Gedanken nach Amerika zu ziehen, noch immer nicht wirklich angefreundet. Erst nach einem schlimmen Vorfall in Berlin, verlässt auch sie mit den Kindern Deutschland und folgt Victor in die Staaten.

Toni ist hingegen erst aus Afrika zurückgekehrt und sucht in Berlin eine neue Aufgabe, denn ihre Zulassung als Ärztin wird in Deutschland nicht anerkannt. Mit Adam, einem farbigen kommunistischen Amerikaner, der in Deutschland studiert, lernt sie einen Mann kennen, der ihr Leben ganz schön durcheinander bringt.

Neben Berlin ist auch München Schauplatz, wo Ricas Sohn Georg weiterhin kein Glück findet. Als Sophie schwer erkrankt ist Rica nicht nur in Freystetten gefordert, wo Frieda, das schwarze Schaf der Familie, die sich um keine gesellschaftlichen Gepflogenheiten kümmert, jede Menge Trubel in die Grafenfamilie bringt. Dabei möchte sich Ricarda endlich mit Siegfried zur Ruhe setzen.

Erzählt wird jeweils aus der Perspektive von Ricarda, Henny und Toni. Das Setting wechselt zwischen München, Berlin, Freystetten und Amerika. Die Atmosphäre im Roman ist angespannt, nicht nur politisch, sondern auch familiär.
Die Politik scheint die beiden Familien zu entzweien, denn Graf Franz von Freystetten sieht sich bereits in höherer Position der neu gegründeten NSDAP und geht dabei äußerst rücksichtslos vor...

Das medizinische Thema hat auch diesmal nicht wirklich viel Raum, wie bei den Büchern rund um Ricarda. Der historische und der familiäre Kontent bildet den Hauptstrang.
Gefallen hat mir die Erwähnung von "Polizeiärztin Magda Fuchs", ebenfalls aus der Feder des Autorenduos, deren Geschichte ich sehr gerne gelesen habe.

Das Autorenduo, das unter dem Pseudonym Helene Sommerfeld schreibt, hat diesmal sehr viele interessante historische Begebenheiten in die Geschichte miteinbezogen.
Wir erfahren nicht nur über den immer größer werdenden Aufschwung der Nationalsozialisten und ihre Machenschaften, sondern auch einiges über die Filmbranche und die Anfänge in Hollywood. Marlene Dietrich und Vicky Baum sind ebenso Teil der Geschichte, wie Regisseur Fritz Lang oder Heinz Rühmann.

Ich hoffe, dass es noch eine weitere Fortsetzung geben wird und diese Reihe ebenfalls als Trilogie abgeschlossen wird.

Fazit:
Eine spannende und historisch gelungene Fortsetzung der Reihe, die mich gut unterhalten hat.

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Veröffentlicht am 09.02.2024

Oftmals spielt das Schicksal Überraschung

Leuchtfeuer
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Bei vorablesen habe ich in die Leseprobe reingelesen und war sofort Feuer und Flamme für diese Geschichte. So ganz gehalten hat die Euphorie leider nicht, aber im Großen und Ganzen ist der Roman über zwei ...

Bei vorablesen habe ich in die Leseprobe reingelesen und war sofort Feuer und Flamme für diese Geschichte. So ganz gehalten hat die Euphorie leider nicht, aber im Großen und Ganzen ist der Roman über zwei Familien, deren Schicksal miteinander verflochten ist, ganz nett und vorallem anders, als ich dachte.

Die Geschichte beginnt mit einem dramatischen Ereignis im Jahre 1985. Die Geschwister Theo, 15 und Sarah Wilf, 17 Jahre, verursachen einen Unfall. Der erst 15-jährige Theo ist gefahren, das Mädchen am Beifahrersitz, der er imponieren wollte, ist tot. Seine angetrunkene Schwester Sarah nimmt die Schuld auf sich.

Die Autorin erzählt die Geschichte der Familie über den Zeitraum von 1970 bis 2020. Es sind jedoch Momentaufnahmen, denn Dani Shapiro wechselt die Zeiten willkürlich. Nach dem Drama 1985 lesen wir im Jahr 2010 weiter, danach geht es zurück zur Jahrtausendwende und zum allseits erwarteten Crash zu Silvester 1999. Es geht auch ins Jahr der Pandemie, 2020 oder ganz zurück ins Jahr 1970 und zum Kennenlernen von Ben und Mimi. Dadurch entsteht ein laufender Wechsel der Zeiten und wir begleiten die beiden Familien durch die Zeit und ihr Leben.

Es gibt keine konkrete Handlung, sondern man erlebt vorallem die Gefühlswelt der einzelnen Protagonisten und den Einfluss des Unfalls im weiteren Leben. Dani Shapiro zeigt die Konsequenzen auf, mit denen die Wilfs nach dem Unglück leben müssen. Damit hatte ich allerdings so einige Schwierigkeiten...
Die Autorin lässt die darauffolgenden Jahre nach dem Unfall in ihrem Roman aus. Wie in der Familie selbst, wird über diese verhängnisvolle Nacht einfach geschwiegen. Diese Sprachlosigkeit innerhalb der Familie wird den Wilfs zum Verhängnis.
Jedes Familienmitglied geht seine eigenen Wege und versucht den schrecklichen Abend vom Sommer 1985 zu vergessen. Trotz dieses einschneidenden Erlebnisses wurde aus Sarah eine erfolgreiche Filmproduzentin, ist verheiratet und Mutter von Zwillingen. Gerade in den USA wird Alkohol am Steuer sehr radikal bestraft und Sarah müsste demzufolge einige Jahre im Gefängnis verbracht haben. Davon ist allerdings nie die Rede. Einzig ein kleines Alkoholproblem scheint sie davongetragen zu haben und natürlich auch die Schuld, mit der sie seitdem leben muss und mit der sie hadert.
Auch Theo, der eigentlich gefahren ist, hat sein Leben nach einer kleinen Auszeit im Ausland, danach wieder im Griff und eröffnet zwei erfolgreiche Szene-Lokale, die über Monate ausgebucht sind.
Diese glücklichen Wendungen fand ich nicht wirklich logisch, auch wenn die immerwährende Schuld, die Sarah, Theo und Ben in sich tragen, im ganzen Buch ein unterschwelliges Thema ist. Es geht um Alkoholsucht, Krankheit, Trauer und Einsamkeit, Untreue und Entfremdung, Alzheimer und Versagen......eben die ganze Palette des Lebens.

Dani Shapiro legt ebenfalls sehr viel Wert auf die Verbindung des Schicksals....und zwar dem zwischen den Wilfs und den später zugezogenen Shenkmans. Ben hat eine besondere Verbindung zu Waldo, dem außergewöhnlichen Jungen gegenüber, der von seinen Eltern nicht verstanden wird und anscheinend Asperger hat (mein persönlicher Eindruck). Er liebt die Astronomie und weiß alles über den Sternenhimmel. Sein Weg wird sich noch öfters mit den Wilfs kreuzen und endet in einer großen Freundschaft zwischen ihm und Ben.

Wie schon erwähnt, springen die Zeiten oftmals willkürlich hin und her. Durch die Jahreszahlen am Beginn des Kapitels kann man dem Wechsel allerdings gut folgen. Auch die Namen der Protagonisten, aus deren Sicht erzählt wird, sind über den Kapiteln vermerkt. Die Charaktere sind gut gezeichnet, nur Mimi blieb mir etwas zu blass.
Der Schreibstil ist angenehm und lässt sich gut lesen. Allerdings waren einige Dinge für mich nicht ganz logisch. Die immer wiederkehrenden mystisch angehauchten Synapsen, bei denen es um das Schicksal geht, sind vielleicht nicht jedermans Sache.


Der Sternenhimmel ist ein großes Thema im Roman und wurde auch von den meisten Verlagen in anderen Ländern für das Cover aufgenommen. Das schwedische Cover finde ich allerdings auch sehr passend und zeigt Waldo und seine Familie. Nur das deutschsprachige hat so gar keinen Bezug zum Inhalt....

Fazit:
Für mich war dieser vielfältige Familienroman einmal etwas ganz anderes. Er hat mich unterhalten, nachdenklich gemacht und ich denke er wird auch noch nachhallen. Ein Highlight war er für mich allerdings nicht.

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Veröffentlicht am 06.02.2024

Die Reihe wird immer besser

Letztes Zuckerl
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Herbert Dutzler avanciert langsam zu einem meiner Lieblingsautoren. Seine Regionalkrimi-Reihe wird immer besser und enthält jedes Mal sehr aktuelle Themen, seine Thriller sind spannend und seine beiden ...

Herbert Dutzler avanciert langsam zu einem meiner Lieblingsautoren. Seine Regionalkrimi-Reihe wird immer besser und enthält jedes Mal sehr aktuelle Themen, seine Thriller sind spannend und seine beiden Romane über den Sigi, der aus seiner Kindheit in den Sechziger und Siebziger Jahren erzählt, einfach großartig!

Mit "Letztes Zuckerl" sind wir nun beim elften Band seiner Franz Gasperlmaier Reihe angelangt und auch diese ist wieder brandaktuell. Wer noch nie von "Incels" gehört hat, wird hier aufgeklärt. Diese Gruppe Männer, die unfreiwillig keine Beziehung haben, sind extrem frauenfeindlich und sprechen sich für jegliche Form von Gewalt gegen Frauen aus. Ein Gruppe Menschen, die mir Gänsehaut bereitet.
Und genau so ein Mann bedroht Gasperlmaiers Tochter Katharina und ihre Frau. Deshalb ziehen die beiden kurzfristig zurück zu den Eltern nach Altaussee. Doch Franz und Christine bekommen nicht nur Besuch von ihrer Tochter plus Anhang, sondern auch Sohn Christoph zieht mit seiner kanadischen Frau Richelle und dem kleinen Theo zurück nach Österreich. Er möchte die Ordination des Bad Aussers Hausarzt übernehmen. Dieser hat sich allerdings mit dem Datum der Schließung verkalkuliert und Christoph muss noch bis Ende März in Vancouver bleiben, während Richelle und Theo bereits im Flugzeug nach Österreich sitzen.

Schnell ist es mit der Ruhe im Hause Gasperlmaier vorbei. Franz wird zu einem Todesfall gerufen. Der alte Zuckerlfabrikant Grafeld liegt tot am Fuße der Treppe und es wird ein Unfall vermutet. Kurze Zeit später steht Gasperlmaier jedoch vor einem eindeutig ermordeten Mann, der ein Sackerl über den Kopf hat und dem der Mund verklebt wurde. Da muss die Frau Doktor Kolross unbedingt zu Hilfe kommen, denn es bleibt nicht bei diesem einen Mord.

Herbert Dutzler hat wieder einige aktuelle Themen in seinem Regionalkrimi verarbeitet, wie z. Bsp. die bereits oben erwähnten Frauenhasser, genannt "Incels". Es geht auch um die Verbauung der Natur und dem Zuzug reicher Nicht-Österreicher.
Ein Filmteam ist ebenfalls wieder in Altaussee unterwegs. Die Schauspielerin, die die Kommissarin im Krimi spielt, der gerade gedreht wird, erhielt ebenfalls Drohschreiben von misogynen Männern, die sie zur Anzeige gebracht hat.

Gasperlmaier, Frau Doktor Kohlross und die Manuela versuchen zu ermitteln, aber es finden sich einfach keine Gemeinsamkeiten zwischen den Opfern, die auf einen Zusammenhang schließen lassen. Im letzten Drittel wird es dann extrem spannend, denn die Manuela schwebt in großer Lebensgefahr und unser Franz wird zum Helden.

Der Autor schreibt gewohnt humorvoll und mit viel Lokalkolorit, dabei kommt aber auch die Spannung nicht zu kurz. Der doch größere Konsum von Bier und Schnaps ist gewöhnungsbedürftig, aber gehört bereits seit dem ersten Band dazu. Der Genuss der geliebten Leberkässemmel ist ebenfalls während den kurzen Ermittlungspausen ein Muss. Das vegane Essen seiner Tochter und Schwiegertochter, welches der Franz momentane zuhause vorgesetzt bekommt, ist nicht immer nach seinem Geschmack.
Ganz besonders geliebt habe ich diesmal die wunderbaren winterlichen Beschreibungen des Ausseer Landes. Christine und Franz gehen mit ihrem Enkerl Theo Bob fahren, Richelle genießt die Natur und Nachbar Dr. Altmann, ein pensionierten Richter aus Wien, lässt sich nicht davon abhalten, auch bei kalten Temperaturen seine Ausseer Lederhose anzuziehen...mit einer langen Unterhose drunter ;) Hier kommt der Schmäh so richtig durch und man hat Kopfkino vom Feinsten....
Fazit:
Herbert Dutzler gelingt der Spagat zwischen humorvollen Regionalkrimi und aktuellen ernsten Themen, die er sehr spannend in seinen Gasperlmaier Krimis einbezieht. "Letztes Zuckerl" ist äußerst gelungen und hat mich von Anfang bis zum Ende super gut unterhalten. Diese Regionalkrimi-Reihe ist die Einzige, die mit jedem Band noch besser wird.

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Veröffentlicht am 04.02.2024

Probleme in der Süßwarenfabrik

Die Fabrik der süßen Dinge – Helenes Träume
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Nachdem mich der erste Teil der Reihe noch nicht so ganz abholen konnte, habe ich den zweiten Band sehr gerne gelesen, der direkt an den Vorgänger anknüpft.

Helene von Ratschek hat sich dafür entschieden ...

Nachdem mich der erste Teil der Reihe noch nicht so ganz abholen konnte, habe ich den zweiten Band sehr gerne gelesen, der direkt an den Vorgänger anknüpft.

Helene von Ratschek hat sich dafür entschieden das Familienunternehmen gemeinsam mit Bruder Alfred durch die Wirtschaftskrise zu führen und die Ehe mit Georg einzugehen. Diese bekommt nach der Geburt der gemeinsamen Tochter Anita bereits leichte Risse und Helene muss nicht nur um das Fortbestehen der Süßwarenmanufaktur, sondern auch um ihre Ehe zu kämpfen.

Wir befinden uns in der Zeit von 1933-1939. In der Geschichte wird der Aufstieg der NSDAP und ihr Einfluss auf die damaligen Menschen sehr deutlich beschrieben. Helene setzt sich für ihre Mitarbeiter:innen und deren Familien ein, egal welcher Religion und Schicht sie angehören. Sie kämpft an einigen Fronten und macht sich dadurch Feinde. Ihre Stellung in der Süßwarenmanufaktur wird nicht nur durch ihren Bruder Alfred boykottiert, sondern auch die NSDAP sieht Frauen in keiner Führungsposition, sondern zuhause bei Kind und Herd.

Die im Klappentext angesprochene Gefahr für die Firma rückt erst im letzten Drittel richtig in den Vordergrund, denn Helene muss sich vor Gericht behaupten. Ein ihr vorgeworfener Rezeptdiebstahl könnte die Firma ruinieren. Die Anklage lautet, dass die Erdbeer-Taler, die sie damals in der Hamburger Süßwarenfabrik Spiegel entworfen hat, von einer Bremer Firma zuerst hergestellt worden sei. Helene weiß, dass dies nicht stimmen kann, aber sie kann das Gegenteil nicht beweisen...

Die fröhlichen Momente sind in diesem Teil eher wenige. Auch die Herstellung der Süßigkeiten gerät leider etwas in den Hintergrund und wird von anderen Themen überlagert. Das fand ich schade.Trotzdem konnte mich der Plot begeistern und vorallem im letzten Drittel wurde es richtig spannend.

Die Figuren sind sehr lebendig beschrieben. Helene ist eine einfühlsame und starke junge Frau, deren Einsamkeit ich durch die Zeilen spüren konnte. Manchmal ist sie trotzdem zu naiv und gutgläubig und kommt dadurch hart auf den Boden der Tatsachen an. Die enge Freundschaft mit ihrer Schwägerin Eva bringt ihr hingegen viel Freude.
Georg und Helene entfremden sich hingegen immer mehr und mein Verdacht gegenüber Georg hat sich in diesem Teil nun auch bestätigt.

Das Ende kam dann etwas plötzlich und hat noch einige Fragen offen gelassen, die den Wunsch nach einen Nachfolgeband wecken. Noch weiß ich nichts von einem dritten Band...aber wer weiß. Ich würde mich freuen, denn ich würde gerne noch mehr über Helene und diese Zeit lesen, auch wenn ich befürchte, dass diese noch dunkler werden wird...

Fazit:
Die Fortsetzung rund um die Süßwarenmanufaktur hat mir besser gefallen, als der erste Teil, auch wenn es diesmal weniger um die Herstellung der leckeren Süßigkeiten ging, sondern der Fokus eher auf historische/politische Probleme rund um die Fabrik, den Rezeptdiebstahl und persönliche Differenzen ging. Eigentlich ist die Reihe als Diologie angelegt, aber ich hoffe auf eine Fortsetzung, da für mich das Ende nicht wirklich abgeschlossen war.

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Veröffentlicht am 31.01.2024

Toller Start der Familiensaga

Das Haus Kölln. Glänzende Zeiten
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Elke Becker hat mich die letzten beiden Jahre mit ihrer "Mallorca Saga", die sie gemeinsam mit Ute Köhler unter dem Pseudonym Carmen Bellmonte geschrieben hat, wirklich begeistert.
Nun liegt der erste ...

Elke Becker hat mich die letzten beiden Jahre mit ihrer "Mallorca Saga", die sie gemeinsam mit Ute Köhler unter dem Pseudonym Carmen Bellmonte geschrieben hat, wirklich begeistert.
Nun liegt der erste Band ihrer neuen Reihe vor mir, die sie alleine geschrieben hat und mir ebenfalls sehr gut gefallen hat. Auch diese Trilogie erstreckt sich wieder über mehrere Jahrzehnte und erzählt die Geschichte einer Familie und zwar der Familie Kölln. In Österreich ist die Marke Kölln eher unbekannt, aber in Deutschland gehört sie wohl zu den bekanntesten.

"Glänzende Zeiten" ist der erste Band, der uns in das Jahr 1886 nach Elmshorn führt. Die Mühlenbetreiber der Kölln Werke schauen einer rosigen Zukunft entgegen, denn Firmenchef Peter Ferdinand Kölln hat ehrgeizige Pläne und möchte modernisieren. Doch ein tragischer Unfall ändert alles und stellt das Familienunternehmen vor große Probleme. Peter Albert, der älteste Sohn, ist noch nicht wirklich so weit, um in die Fußstapfen seines verstorbenen Vaters zu treten. Charlotte Kölln, die Witwe des Oberhauptes und Vorarbeiter Anselm versuchen alles, um die Firma zu erhalten. Zeit für Trauer bleibt der Familie nicht, das Geschäft muss weiterlaufen. Charlotte darf jedoch als Frau die Geschäfte offiziell nicht führen und den dringend notwendigen Kredit nicht aufnehmen, deshalb muss Peter sein Studium so schnell wie möglich abschließen.
Charlotte hätte gerne die Tochter der konkurrierenden Getreidemühle Schlüter als ihre Schwiegertochter, doch Peter liebt Bertha, eine angehende Konditorin aus einfachen Verhältnissen. Dies führt zu einigen Konflikten, denn obwohl Peter seine Bertha heiratet, akzeptiert sie Charlotte nicht, während alle anderen Familienmitglieder von der ehrlichen und zupackenden Bertha begeistert sind.

Zu Beginn prasselten so viele Namen auf mich ein, dass ich mir ein kleine Aufstellung der Figuren gewünscht hätte. Es dauerte jedoch nicht lange und ich bekam den Überblick, wer nun zur Familie gehört (Charlottes Kinder: Peter, Katharina, Gertrud, Hinrich, Ernst und Marie), wer wo arbeitet, warum noch zwei weitere Frauen eingeführt wurden (Bertha und Luise) und so weiter.

Die Handlung wird aus drei Sichtweisen erzählt und zwar aus der von Charlotte, Bertha und Luisa, die Apothekentochter. Alle drei sind sehr starke Frauen, die sich beweisen wollen und teilweise ihrer Zeit voraus sind. Charlotte ist eher konservativ eingestellt und obwohl sie zu Beginn selbst mit Anselm den Betrieb führt, lehnt sie Bertha und Luisa, sowie ihre modernen Ansichten ab.

Elke Becker beschreibt die örtlichen Gegebenheiten, die damalige Arbeitsbedingungen, Lebens- und Wohnsituationen, sowie soziale Verhältnisse sehr anschaulich. Man ist direkt mit der Familie vor Ort und erlebt gemeinsam gute und schlechte Zeiten. Dabei schreckt die Autorin auch nicht zurück, geliebte oder ungeliebte Figuren sterben zu lassen, was ich bereits in der Mallorca Saga bemerkt habe.
Bei größeren Zeitsprüngen hilft die eingeblendete Jahreszahl oberhalb des Kapitels.

Die Figuren sind bis hin zu den kleinsten Nebenfiguren sehr lebendig beschrieben. Sie haben Ecken und Kanten, entwickeln sich weiter und sind direkt aus dem Leben gegriffen.
Charlotte fand ich zu Beginn sympathisch. Sie entwickelt sich jedoch zu einer konservativen Frau, die sich in alle Belange ihrer Kinder nur zu gerne einmischt und über sie bestimmen möchte. Ihre herzlose Art gegenüber Luise hat mich schockiert, sowie ihre starre Haltung gegenüber ihrer Schwiegertochter Bertha.
Bertha ist eine richtig tolle junge Frau, die anpackt und nur so vor Ideen sprüht. Sie lässt sich trotz der Abneigung ihrer Schwiegermutter nicht unterkriegen.
Luisa arbeitet in der Apotheke ihres Vater und kennt sich mit Heilkräuter aus. Ihren Wunsch Apothekerin zu werden und Medizin zu studieren kann sie zu dieser Zeit nicht ausüben, weil es Frauen untersagt ist zu studieren. Doch Luisa hat ihren eigenen Kopf...

Im Nachwort "Auf den Spuren der Realität" erklärt Elke Becker den Unterschied zwischen Historie und Fiktion. Die Grundlage für die Handlung der Trilogie fand die Autorin im Firmenarchiv der Elmshorner Familie Kölln. Peter Kölln gründete 1820 offiziell die Hafermühle. Sein Vater stellte bereits seit 1795 in einer kleinen von Pferden betriebenen Mühle Schiffszwieback für Seeleute her.
Die Autorin verweist im Nachwort auch drauf hin, dass sie gerne eine Geschichthe über starke Frauen dieser Zeit schreiben wollte, diese jedoch in der Firmenchronik kaum aufschienen. In ihrem Roman hat sie deshalb diese Frauenfiguren nach ihren Vorstellungen erschaffen.

Fazit:
Ein toller Start der Trilogie rund um die Getreidemühlenfamilie Kölln, den ich sehr gerne gelesen habe. Ich freue mich schon auf den zweiten Band, der schon im April erscheinen wird.

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