Die letzte Entscheidung
Never - Die letzte EntscheidungKen Follets neuer Politthriller hat mir nach Beenden eine Gänsehaut beschert. Begleitend zum Beginn des Krieges in der Ukraine hat diese Lektüre eine noch angsteinflößende Thematik als ohnehin schon.
Follett ...
Ken Follets neuer Politthriller hat mir nach Beenden eine Gänsehaut beschert. Begleitend zum Beginn des Krieges in der Ukraine hat diese Lektüre eine noch angsteinflößende Thematik als ohnehin schon.
Follett spielt in "NEVER" nämlich mit dem Gedanken, wie es durch viele kleine Ereignisse, wie bei einem Dominoeffekt, dazu kommen kann, dass ein dritter Weltkrieg ausbricht. Noch jetzt, fast zwei Monate nach Beenden der Lektüre, lässt mich diese viel zu aktuelle Geschichte ziemlich verängstigt zurück.
Ken Follett hat seinen Politthriller in fünf Teile aufgeteilt. Diese sind mit den DEFCON-Stufen 5 bis 1 betitelt und bezeichnen die Stufen des Alarmzustandes der Streitkräfte der Vereinigten Staaten.
Als federführende Länder hat sich der Autor China, die USA, sowie Nord- und Südkorea herausgepickt. Europa kommt im Roman kaum vor.
Hauptfiguren sind die beiden Agenten Tamara vom CIA und Tab vom französischen Geheimdienst, die beide im Tschad eingesetzt sind. Sie sind auf der Spur von Drogenschmugglern, die mit dem Drogengeld Terroristen des IS in Zentralafrika finanzieren.
Als an der Grenze zum Sudan ein US-Soldat erschossen wird, versteht der Diktator des Tschad dieses Vorkommniss als Angriff auf sein Land und übt einen militärischen Gegenschlag. Der erste Dominostein beginnt zu kippen.....
Als Leser erfährt man, wie fragil die politische Situation in Afrika ist, denn sowohl der Westen, als auch der Nahe und der Ferne Osten versuchen ihre Interessen auf dem Kontinent zu verfolgen.
Neben Tamara und Abdul begleiten wir auch die die junge Witwe Kiah, die mit Hilfe von Schleusern aus dem Tschad nach Europa flüchten möchte. Dabei trifft sie auf Abdul, der ihr bei einem Übergiff zu Hilfe kommt und der nicht zu sein scheint, was er vorgibt....
Weitere Schauplätze sind China und Nordkorea, sowie Südkorea und die USA. Etwas näher lernen wir auch den jungen Politiker Chang Kai kennen, der mit einer berühmten chinesischen Schauspielerin verheiratet ist und sich gegen die kommunistischen Hardliner durchzusetzen versucht.
Im letzten Drittel des Buches sind wir dann größtenteils in den USA, wo Präsidentin Pauline Green trotz Zunahme internationaler Spannungen einen Krieg zu verhindern versucht. Sie ist die erste weibliche Präsidentin und steht gehörig unter Druck.
"Deeskalation gehörte für gewöhnlich nicht zum Vokabular eines Tyrannen. Das ließ ihn nur schwach aussehen“
Der Spannungsbogen baut sich eher langsam auf und trotz spannenden Situationen gibt es doch auch einige Längen. Obwohl ich mehr für andere Kontinente als Afrika interessiere, war ich auf den 880 Seiten am liebsten mit Abdul und Kiah, sowie mit Tamara und Tab unterwegs.
Ken Follett beleuchtet die Zusammenhänge von verschiedenen Seiten und versucht den Leser nicht zu polarisieren. Trotzdem spürt man seine kleine Sympathie für die Vereinigten Staaten. In diesem Abschnitt zum Ende hin störten mich die persönlichen Befindlichkeiten der Präsidentin, die der Autor meiner Meinung nach etwas zu ausführlich beschreibt. Und damit meine ich nicht ihre Überlegungen betreffend atomarer Rückschläge, sondern ihre rein privaten Probleme. Damit wird der Politthriller zwar etwas aufgelockert und es zeigt die Präsidentin von ihrer menschlichen Seite, aber für mich war es zu viel Privates.
Es gibt kein Nachwort in "Never", aber im Internet findet man einige Interviews des Autors zu seiner Recherche und seinen Überlegungen zum Buch.
Fazit:
Ein erschreckendes Szenario, das leider in vielen Teilen bereits von der Realität überholt wurde bzw. ähnlich passieren könnte. Ken Follett hat mit seinen Recherchen und Überlegungen ein sehr aktuelles Bild der momentanen politischen Lage gezeichnet. Ein gelungener Politthrilller mit einzelnen kleinen Längen.