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Veröffentlicht am 15.10.2025

Teuflische Manipulationen

Die Toten von nebenan
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Ich mag die Bücher von Olivia Monti, die immer eine etwas andere Geschichte erzählen und dabei einen kritischen Blick auf unsere Gesellschaft werfen. Oftmals sind sie auch ein bisschen gruselig oder haben ...

Ich mag die Bücher von Olivia Monti, die immer eine etwas andere Geschichte erzählen und dabei einen kritischen Blick auf unsere Gesellschaft werfen. Oftmals sind sie auch ein bisschen gruselig oder haben kriminelle Inhalte. Nach "Das Haus" und "Sterbewohl" ist "Die Toten von nebenan" nun mein drittes Buch der Autorin.
Als mich Olivia Monti gefragt hat, ob ich ihr neues Buch lesen möchte, habe ich gleich zugesagt. Die Inhaltsangabe hat mich sofort wieder angesprochen und ich war neugierig, was uns die Autorin diesmal unterschwellig sagen will ;)

Auch diesmal hat sich Olivia Monti wieder etwas Spezielles einfallen lassen. Passend zum spooky Oktober kann ich euch noch ihr Buch ans Herz legen, denn wir befinden uns unter Toten.
Als Nadja Löffler knapp einen Fahrradunfall mit einem LKW entgeht, stellt sie jedoch bald fest, dass irgend etwas anders ist. Als sie in ihr Viertel kommt, sieht sie viele tote Menschen. Als sie in ihrer Wohnung ankommt, wird sie bereits von ihrer verstorbenen Großmutter erwartet. Bald erkennt sie, dass ihr normales Leben geendet hat und sie für ihre Mutter, die als Pflegefall im Obergeschoß lebt, nicht mehr sichtbar ist. Dafür sieht sie längst verstorbene Nachbarn, die sie willkommen heißen. Sie alle leben in ihren alten Häusern und Wohnungen, als wäre nichts passiert. In dieser Parallelwelt verweilen sie unbemerkt neben den Lebenden und warten darauf in eine höhere Ebene aufzusteigen. Sie können ihr Alter wählen und haben weder Schmerzen, noch Hunger und kennen keine Müdigkeit.

Doch die friedliche Existenz wird kurz nachdem Frau Löffler angekommen ist, von Herrn Tober gestört. Der charmante Mann verspricht den Toten ein Paradies, wenn sie die Lebenden, die in ihren Häusern wohnen, vertreiben. Bald ist es vorbei mit der Ruhe, denn Tober überredet einige der Familien und Frau Löffler bei seinen Aktionen teilzunehmen. Vor allem Frau Kantner ist gar nicht mit der zugezogenen syrischen Familie einverstanden, die in ihrem Haus wohnen. Auch die Sauers würden die Klingers am liebsten aus ihrem Heim vertreiben und die Henne Schwestern, stolze ehemalige Hitler-Anhängerinnen sind sowieso sofort dabei, wenn es darum geht jemand zu denunzieren. Tobers Spiel gerät bald aus dem Ruder, denn er versteht die Menschen zu manipulieren. Er erscheint den Toten anziehend, in dem er sie an eine ehemalige Liebe erinnert oder an eine bekannte Persönlichkeit, die sie verehrten. Er versteht es Neid und Missgunst zu wecken, Begehrlichkeiten zu erfüllen oder Ängste zu schüren. Tober bringt das Schlechteste im Menschen zum Vorschein...

Olivia Monti hat mit ihrem neuen Buch wieder ein interessantes Gedankenspiel aufgegriffen. Eine Parallelwelt in der die Lebenden und Toten zusammenleben, welches anfangs paradiesisch klingt, doch durch charakterliche Unzulänglichkeiten, die von Herrn Tober geschürt werden, bald verloren gehen.

Die vielen Figuren verwirren anfangs und ich wollte schon aufschreiben, wer in welchen Haus gewohnt hat und wer jetzt dort wohnt usw. Doch bald hat man die doch begrenze Personenzahl im Griff. Die Kapitel sind kurz, die Charaktere facettenreich. Die Figuren werden mit Frau und Herr angesprochen, nur in wenigen Fällen erfährt man den Vornamen der jeweiligen Person. Dies verschafft eine kleine Distanz.
Herr Tober erschien mir wie der Teufel in Person. Er verändert sein Äußeres, manipuliert seine Umgebung und verführt die Menschen in seinem Dunstkreis. Seine Versprechen klingen verlockend. Doch nichts ist umsonst....

Am Ende gibt es noch eine überraschende Wendung, mit der ich nicht gerechnet hatte.

Fazit:
Olivia Monti hat wieder in den Tiefen der menschlichen Abgründe gewühlt und einen spannenden Roman geschrieben, der uns humorvoll den Spiegel vor die Nase hält. Dazu kommt der leicht gruselige Touch und die Frage, wie weit wir gehen würden, um das "Paradies" zu erlangen.

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Veröffentlicht am 12.10.2025

Toller Abschluss der Dilogie

Little Germany - Der Geschmack von Freiheit
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Der zweite Band schließt nahtlos an den ersten an. Die große Katastrophe hat auch Lissi und Julia betroffen, aber vor allem ist "Little Germany" nicht mehr das, was es war. Man spürt die Trauer der Einwohner ...

Der zweite Band schließt nahtlos an den ersten an. Die große Katastrophe hat auch Lissi und Julia betroffen, aber vor allem ist "Little Germany" nicht mehr das, was es war. Man spürt die Trauer der Einwohner des Viertels, die nach und nach abzuwandern beginnen. Julia und Lissi wollen sich jedoch nicht unterkriegen lassen und kämpfen weiter für ihre Bäckerei. Sie müssen jedoch einsehen, dass das deutsche Viertel einfach nicht zur Ruhe kommt. Nach einigen Überlegungen versuchen sie einen Neuanfang in Yorkville.

Maria Nikolai fängt in ihrem Roman die Themen Verlust, Neuanfang und Zusammenhalt ein. Man spürt, wie tief die Katastrophe in der deutschen Gemeinschaft nachwirkt. Im ersten Viertel überwiegt noch die Trauer der Einwohner von "Little Germany" und die Wut auf die Verantwortlichen der Tragödie, dessen Gerichtsverhandlungen immer mehr hinausgezögert werden. Hier habe ich vor allem die historischen, oftmals trockenen Fakten, die die Autorin intensiv recherchiert hat, als spannend und lebendig erzählt empfunden. Die Atmosphäre ist in diesem Abschnitt gedrückt und wird erst mit dem Neuanfang wieder lebhafter und positiver. Neben der Bäckerei, die manchmal fast ein bisschen zu kurz kommt, stehen vor allem auch die privaten Handlungsstränge rund um Lissi und Julia im Vordergrund.

Der Schreibstil von Maria Nikolai lässt sich sehr angenehm lesen, ist bildgewaltig und versprüht eine ganz besondere Atmosphäre. Sie versteht es historische Fakten mit fiktiven Vorkommnissen perfekt zu verknüpfen und daraus ihre wundervollen Geschichten zu kreieren.
Man fühlt sich direkt in New York Anfang des 20. Jahrhunderts angekommen, flaniert durch die Straßen, riecht den Duft der leckeren Gebäckstücke oder fährt mit Julia Rad durch den angrenzenden Park.
Aber auch die Bandenkriege, in die Giovanni und Bernardo hineingezogen werden, sowie ein persönlicher Stalker, geben der Geschichte Dynamik.
Die Charaktere sind liebenswert und authentisch gezeichnet. Die enge Freundschaft zwischen Lissi und Julia gibt beiden in herausfordernden Situationen Halt. Sie unterstützen sich gegenseitig in allen Bereichen.
Auch die Nebenfiguren, wie Toby und Frederick, Giovanni, Annedorle, Harry und Nonna Antonella bringen Leben in die Geschichte. Eine sehr interessante und schillernde Figur ist auch Alva Vanderbildt Belmont - eine der historisch belegten Personen, die ebenfalls eine Rolle im Roman spielt.

Am Ende gibt es ein Personenverzeichnis, historische Romanhintergründe und einige leckere Rezepte aus Lissis Bäckerei.

Mir hat der erste Band ein kleines bisschen besser gefallen, aber wirklich nur um Nuancen. Das ist sicher reine Geschmackssache. Im Ganzen gesehen ist diese Dilogie jedoch eine wunderbare Zeitreise nach New York, gespickt von Erlebnissen der vielen Einwanderer zu Beginn des 20. Jahrhunderts und ihren Neuanfängen.

Fazit:
Ein gelungener Abschluss der Dilogie, die mich nach New York ins beginnende 20. Jahrhundert geführt hat. Zwischen historischen Ereignissen und liebenswerten Charakteren, Einblicke in die Welt der Einwanderer und viel Atmosphäre, hat mich auch die Fortsetzung der "Little Germany" Reihe wieder begeistert. Gerne vergebe ich eine Leseempfehlung für diese Dilogie!

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Veröffentlicht am 09.10.2025

Sehr bewegend und keine leichte Lektüre

Was man nicht sieht, ist doch da
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Dieser Roman um den erst zehnjährigen Hans, der 1954 ohne dem Wissen seiner Eltern von Gendarmen von der Schule geholt und in ein Erziehungsheim gesteckt wird, ist von der ersten Seite an erschütternd. ...

Dieser Roman um den erst zehnjährigen Hans, der 1954 ohne dem Wissen seiner Eltern von Gendarmen von der Schule geholt und in ein Erziehungsheim gesteckt wird, ist von der ersten Seite an erschütternd. Ich habe bei Lovelybooks in die Leseprobe gelesen und war sofort von dieser unglaublichen Geschichte gefesselt. Was Margit Weiss hier auf nur 160 Seiten erzählt, ist erschreckend und unglaublich.

Am Tag der Hochzeit seiner älteren Schwester wird Hans Dakosta einfach abgeholt und gemeinsam mit zwei Gendarmen in den Zug gesetzt. Er ist auf den Weg in ein Erziehungsheim für schwer erziehbare Kinder, weiß allerdings nicht warum. Die Eltern haben keine Ahnung und werden erst später davon in Kenntnis gesetzt. Sie sind Ladiner, eine Minderheit in Südtirol, die während des Zweiten Weltkrieges ins deutschsprachige Tirol nach Österreich geflohen sind. Doch 1954 scheint noch immer das Gedankengut des Nationalsozialismus in vielen Köpfen zu stecken. Bald wird klar, dass vor allem Kinder aus ärmlichen, zugezogenen Familien in Heime gesteckt werden, wo sie Misshandlungen und Gewalt erfahren. Irgendein Grund wird schon gefunden und wenn er noch so unglaubwürdig ist.
Auch Hans ist den kaltherzigen Erziehern ausgeliefert und verliert mit der Zeit die Hoffnung, dass ihn seine Familie abholen kommt. Diese kämpft gegen die Bürokratie, die den Zugezogenen noch immer droht. Ihre Hilflosigkeit gegen die Grausamkeit des Systems tut weh! Auch Hans findet in seiner Situation nur beim Gärtner des Heimes etwas Freundlichkeit und Fürsprache.

Was Margit Weiss auf den nur 160 Seiten eindrucksvoll erzählt, ist grausam und hat - trotz der eigentlich viel zu wenigen Seiten - eine emotionale Tiefe, die oft Geschichten mit 500 Seiten nicht erreichen.
Obwohl der Schreibstil eher nüchtern ist, passt er genau zur Handlung. Die Kapitel sind kurz und prägnant. Erzählt wird aus verschiedenen Sichtweisen. Interessant ist auch, dass die Erwachsenen keinen Namen haben. Als Kapitelüberschrift steht "Der Gärtner", "Der Vater", "Der Erzieher" oder "Die Schwester". Nur Hans, die Kinder im Heim und seine Schwester Kathi werden mit Namen angeführt. Trotzdem kann man zu allen Figuren eine Verbindung aufbauen und ich empfand die Emotionen und Ängste dadurch noch viel stärker. Ebenso erkennt man die immer noch unverarbeiteten Geschehnisse des Krieges im Handeln einzelner Figuren.

Die Lektüre ist alles andere als leicht, aber großartig erzählt. Nur das Ende empfand ich dann wirklich zu kurz abgehandelt und ich fühlte mich ein bisschen allein gelassen. Deshalb ziehe ich auch den halben Stern ab.


Fazit:
Ein aufwühlender Roman, der auf nur 160 Seiten wahnsinnig viel Inhalt und Emotionen versprüht. Die Lektüre ist schwer zu ertragen, aber sehr wichtig und empfehlenswert!

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Veröffentlicht am 07.10.2025

Verstörend

Wer Verderben sät
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Puh, ich muss zugeben, dass ich mich mit dieser Rezension und der Bewertung dieses Thriller-Debüts der niederösterreichischen Autorin Veronika Bauer etwas schwer tu. "Wer Verderben sät" ist ein Psychothriller, ...

Puh, ich muss zugeben, dass ich mich mit dieser Rezension und der Bewertung dieses Thriller-Debüts der niederösterreichischen Autorin Veronika Bauer etwas schwer tu. "Wer Verderben sät" ist ein Psychothriller, der mir richtige Gänsehaut bereitet hat, mich aber auch oftmals den Kopf schütteln hat lassen.

Von Beginn an hat mich die Geschichte gefangen genommen. Mit der ungarischen Erntehelferin Elza lernen wir eine Frau kennen, die in einem kleinen Ort in Österreich lebt. Nach dem Tod des Vaters und der gefühlskalten Mutter, einer ebenso lieblosen Ehe und einem Kind, für das sie nicht sorgen kann, sucht sie als Erntehelferin in Österreich ihr Glück. Vor allem aber möchte sie ihrem Sohn ein besseres Leben bieten. Ihr Wunsch geht in Erfüllung, denn der eher wortkarge und stille Weinbauer Johan, bei dessen Bruder sie in den Weinbergen arbeitet, nimmt sie zur Frau. Es ist keine Liebesheirat, aber die Ehe ist für beide von nutzen. Elza wird jedoch von der Familie und der Dorfgemeinschaft nicht anerkannt und angefeindet. "Nestbeschmutzerin" und "Heiratsschwindlerin" sind die nettesten Bezeichnungen, die sie erhält. Als sie eines Tages neben ihren toten Ehemann aufwacht, weiß sie, dass sie als Erste des Mordes verdächtigt werden wird. Sie gerät in Panik und zögert den Anruf beim Arzt immer länger hinaus und vergräbt ihren Mann in der kommenden Nacht im Garten. Und das ist erst der Beginn des kommenden Alptraumes, denn irgend jemand schickt ihr Zettel mit der Nachricht "Ich weiß, was du getan hast" oder "Ich weiß, du wirst töten". Elza fühlt sich verfolgt und gerät immer mehr in Panik. Als es einen weiteren Toten gibt, zieht sich die Schlinge um Elza immer fester....

Der Thriller wird aus der Sicht von Elza erzählt und bereitet beim Lesen Herzklopfen. Die Atmosphäre ist beklemmend und düster. Die Autorin lässt uns tief in die menschlichen Abgründe blicken. Doch immer wieder fragt man sich, warum Elza so handelt, wie sie handelt. Sie wirkt irrational und ist ein sehr komplexer Charakter. Sie scheint das Unglück angezogen zu haben und stolpert von einem Katastrophe in die nächste. Die Toten verfolgen sie und so sucht sie Zuflucht beim querschnittgelähmten Nachbar Rupert, der ihr als Einziger zu glauben scheint. Mit Tabletten hält sich Elza in diesem Alptraum aufrecht und weiß bald selbst nicht mehr, was die Wahrheit ist und was nicht.
Veronika Bauer gelingt es Zweifel zu säen und Wahrheiten zu hinterfragen. Und als Leserin fragt man sich genauso: Ist Elza ist eine unzuverlässige Erzählerin? Zieht sie wirklich das Unglück an? Oder tötet sie selbst? Wer stalkt sie und möchte sie vernichten? Oder hat Elza eine gespaltene Persönlichkeit?

Veronika Bauer zeichnet mit Elza eine Figur, deren Zerrissenheit, die Schuldgefühle gegenüber ihren Sohn und ihren Ängsten auf jeder Seite spürbar ist. Auch als Leser hat man ein permanentes Gefühl der Bedrohung. Grandios umgesetzt von der Autorin! Genauso wie die beklemmende Atmosphäre hat die Autorin auch die Nebenfiguren sehr lebendig beschrieben.

Was mir weniger gefallen und wo mich Veronika Bauer ab der Hälfte etwas verloren hat, waren die Aktionen von Elza, die man einfach nicht nachvollziehen kann. Diese wirken oft etwas konstruiert und unglaubwürdig. Auch die Polizeiarbeit auf Seiten der österreichischen und der ungarischen Polizei wirkt nicht wirklich nachvollziehbar.
Am Ende nimmt der Psychothriller noch mehr Fahrt auf und endet in einem rasanten Showdown, der gut gelöst wird. Rückblickend und umso öfters ich darüber nachdenke, finde ich die Auflösung jedoch nicht wirklich nachvollziehbar...

Fazit:
Ein sehr verstörender Psychothriller, der mich von Beginn an begeistert hat. Tolle und beklemmende Atmosphäre und grandiose Figurenbildung. Ab der Hälfte hat mich der Psychothriller aber mehr und mehr verloren...

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Veröffentlicht am 06.10.2025

Gekonnte Gesellschaftskritik

Aufsteiger
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Von Peter Huth habe ich bereits "Der Honigmann" gelesen, den ich wirklich gut fand. Vor allem die Gesellschaftskritik, die der Autor eingebaut hat, war großartig.
Diesmal beschäftigt er sich mit der Medienbranche ...

Von Peter Huth habe ich bereits "Der Honigmann" gelesen, den ich wirklich gut fand. Vor allem die Gesellschaftskritik, die der Autor eingebaut hat, war großartig.
Diesmal beschäftigt er sich mit der Medienbranche und dem schnelllebigen Social Media Erfolgen.

Spannend macht es Peter Huth auch durch seinen Prolog, denn auf den ersten Seiten wird eine Leiche gefunden. Man weiß nicht, wer es ist und wie es zum Mord kam. Danach wechselt der Autor in die Zeit kurz vor der Tat.
Felix Licht ist einer dieser Journalisten, die für ihren Job leben. Er steht kurz vor einer Beförderung zum Chefredakteur des Magazins, bei dem er schon seit Jahrzehnten arbeitet und auch die Übernahme durch den rechten Verleger Christian Berg überlebt hat. Der Champagner ist bereits kalt gestellt, seine Familie wird von seinem zukünftigen Erfolg in Kenntnis gesetzt und wer sollte sonst außer ihm in Frage kommen, wo er doch bereits alle Fäden in der Hand hält...
Doch der Schock ist groß, als ihm als Mann um die Vierzig, plötzlich eine farbige junge Frau als neue Chefin vor die Nase gesetzt wird. Außerdem kennt er seine neue Vorgesetzte etwas besser, als er sollte. Vor zwölf Jahren war sie Volontärin beim Magazin und hat ihm ordentlich den Kopf verdreht.
Doch das Magazin will sich neu orientieren und sich von alteingesessenen Meinungen, die viele alte weiße Männer vertreten, lossagen. Besonders die Ehefrau des Eigentümers möchte verstärkt Frauen und die links-woke Gesellschaft ansprechen. Sie möchte sich einer anderen Leserschaft zuwenden und vom rechten Hintergrund ihres Mannes ablenken. Licht fällt daraufhin in eine tiefe Depression, die ihm Ehe und Job kosten werden.....

Ausgehend von Felix Lichts tiefen Fall erleben wir eine Geschichte, die zeigt, wie eng Erfolg und Misserfolg beieinander liegen können.
Der Roman trifft den Zeitgeist und spricht viele Themen an, die auch in der Gegenwart präsent sind: das Zunehmen konservativer Kräfte, gendergerechte Sprache, Klimakleber, LGBTQ, Diskriminierung und einiges mehr. Außerdem geht es um Macht, Verrat, Blendung, Manipulation, Gewalt und Verlust. Trotz der 336 Seiten sind dies viele Themen, die jedoch gut eingebunden werden und beim Leser nicht das Gefühl aufkommen lässt, dass der Autor zu viel wollte.

Mit leicht satirischer und überspitzten Gesellschaftskritik kommt der Autor direkt auf dem Punkt. Seine Figuren sind oft gewollt stereotyp, aber sehr gut gezeichnet. Ihm ist es wieder eindrucksvoll gelungen, das moralische und gesellschaftliche Bild unserer Zeit wiederzugeben. Dabei schafft er es, die Themen aus verschiedenen Blickwinkeln zu zeigen und uns keine vorgefertigte Meinung aufzuzwingen. Das ist nicht selbstverständlich und macht für mich die Qualität des Buches aus.

Peter Huth hat auch wieder einige Plot-Twists eingebaut, die überraschen und der Geschichte eine krasse Wendung geben. Einen davon habe ich allerdings bald erraten oder erahnt....was sich jedoch nicht negativ ausgewirkt hat. Wieder ein sehr gutes Buch, auch wenn mir "Der Honigmann" eine Spur besser gefallen hat.

Fazit:
Der Autor trifft wieder gekonnt den Nerv der Zeit und verschafft uns einen Einblick in die Medienbranche. Obwohl leicht überspitzt erzählt und mit einem nicht kontinuierlichen Spannungslevel, konnte ich das Buch nur schwer aus der Hand legen. Die Gesellschaftskritik ist wieder einmalig erzählt und lässt einem nachdenklich zurück.

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