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Veröffentlicht am 09.08.2025

Roman mit so einigen Längen

Die unsichtbare Hand
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Nachdem ich die beiden Vorgänger der Autorin gelesen habe und diese als Thriller betitelt waren (und ich gerade bemerkt habe, dass ich "Der Tausch" gar nicht rezensiert habe) hatte ich mir von "Die unsichtbare ...

Nachdem ich die beiden Vorgänger der Autorin gelesen habe und diese als Thriller betitelt waren (und ich gerade bemerkt habe, dass ich "Der Tausch" gar nicht rezensiert habe) hatte ich mir von "Die unsichtbare Hand" ähnliches gedacht. Die Geschichte wird aber deutlich auf dem Cover als Roman betitelt und das ist sie auch....wenn auch eher ein Familiendrama.

Im Sommer 1975 wird in der kalifornischen Kleinstadt Ojai ein schlimmes Verbrechen verübt. Die 14-jährige Poppy und der 17-jährige Danny werden im Elternhaus brutal ermordet aufgefunden. Mit der Zeit macht das Gerücht die Runde, dass Vincent, der mittlere Bruder, der als Einziger überlebt hat, der Mörder sein könnte. Der Klatsch verstummt nie, jedoch gibt es keinerlei Indizien, die den Verdacht bestätigen.

Olivia Dumont, die Tochter von Vincent Taylor, der in der Zwischenzeit ein berühmter Thrillerautor geworden ist, leidet seit ihrer Kindheit darunter, die Tochter des mutmaßlichen Mörders zu sein. Sie bricht den Kontakt zu ihrem Vater ab und wird eine erfolgreiche Ghostwriterin. Nach einem Skandal hat sie jedoch Probleme wieder Arbeit zu bekommen. Da erhält sie das Angebot die Memoiren ihres Vaters zu schreiben, der an der Levy-Körper Demenz erkrankt ist. Er will sein jahrelanges Schweigen brechen. Die druckreifen Manuskripte soll ausschließlich Olivia überarbeiten. Wegen ihres finanziellen Engpasses nimmt Olivia das Angebot an, verschweigt dem Verlag aber, dass Vince Taylor ihr Vater ist. Zurück am Ort ihrer Kindheit holen sie nach und nach die Erinnerungen ein....

Auf zwei Zeitebenen erzählt Julie Clark über ein jahrealtes Familiengeheimnis und über die schwierige Vater-Tochter Beziehung. Olivia stellt sich dabei die Frage, ob Vince schuldig oder unschuldig ist. Die bereits niedergeschriebenen Seiten lassen sie bald verzweifeln, denn reale Erinnerungen und Wahnvorstellungen vermischen sich zu einem Ganzen.
Die Rückblicke werden aus der Sicht von Vincents jüngeren Schwester Poppy erzählt, die bei Olivia Zweifel an den Aussagen von Vince aufkommen lassen.
Der Roman beginnt spannend, aber entwickelt sich sehr langsam und wird zunehmend immer langatmiger. Die fehlende Spannung - besonders im Mittelteil - tut dem Roman nichts Gutes. Auf den restlichen Seiten ist die Atmosphäre oftmals bedrückend und auch unterschwellig dramatisch.
Nur die Handlungen aus den 1970iger Jahren ließen mich weiter an der Geschichte bleiben und das Buch beenden. Dabei wird es zum Ende hin wieder etwas aufregender, auch wenn die Lösung nicht so spektakulär ist, wie erhofft.

Der Schreibstil von Julie Clark ist flüssig, bildhaft und lässt sich genauso gut lesen, wie in ihren beiden Thriller zuvor. "Die unsichtbare Hand" ist auf jeden Fall mehr ein Spannungsroman, was auch die Bezeichnung "Roman" am Cover bestätigt.

Die deutsche Übersetzung des Titels lässt mich ein bisschen verwundert zurück. Das Original heißt "The Ghostwriter" und genau darum handelt die Geschichte auch. Den Titel hätte man auf jeden Fall übernehmen können, denn zurzeit kann man sich nicht über zu wenige englischsprachige Titel - auch auf Büchern von deutschsprachigen Autor:innen - beschweren.


Fazit:
Kann man lesen, muss man aber nicht. Kein Thriller und eher ein etwas langatmiges Familiendrama, das mich nicht wirklich überzeugen konnte. Ich vergebe gerade noch 3 Sterne.

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Veröffentlicht am 07.08.2025

In den Wäldern Nordschwedens

Wo die Moltebeeren leuchten (Die Norrland-Saga, Bd. 1)
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Wir haben hier eine Geschichte auf zwei Zeitebenen, die uns in der Vergangenheit ins Jahr 1938 und in der Gegenwart ins Jahr 2022 nach Nordschweden führt. Sie erzählt eine Familiengeschichte aus dem Umfeld ...

Wir haben hier eine Geschichte auf zwei Zeitebenen, die uns in der Vergangenheit ins Jahr 1938 und in der Gegenwart ins Jahr 2022 nach Nordschweden führt. Sie erzählt eine Familiengeschichte aus dem Umfeld der schwedischen Sámi.

Die erst siebzehnjährige Siv muss, nach einem Unfall ihres Vaters bei Holzschlägerungen, ihren Traum Lehrerin zu werden aufgeben. Als älteste Tochter soll sie zum Einkommen der Familie beitragen. Ihr Vater schickt sie als Köchin ("Kocka") für eine zehnköpfige Gruppe von Holzarbeitern über die Wintermonate in den Norden Schwedens. Das schüchterne Mädchen fühlt sich anfangs unsicher, doch mit der Zeit genießt sie die neu empfundene Freiheit. Trotz der harten Lebensbedingungen und der Kälte fühlt sie sich unter den Männern wohl. Sie wird freundlich aufgenommen und akzeptiert. Dann begegnet sie den jungen Sámi und Rentierzüchter Nila und verliebt sich in ihn.

Sivs Enkelin Eva ist alleinerziehende Mutter eines Sohnes und Forstwirtin. Sie arbeitet in Uppsala als PR-Beraterin in einem großen Forstunternehmen. Dieses ist für die Abholzung in genau dem Gebiet verantwortlich, wo Eva ihre Kindheit bei den Großeltern verbracht hat. Ein vererbtes Stück Wald ist ihr geblieben und die Erinnerung an eine Jugendliebe. Nun soll sie nach Jahrzehnten wieder nach Västerbotten in das Dorf reisen und mit den Aktivistengruppen und Umweltschützern verhandeln. Doch diese Aufgabe ist alles andere als einfach und Eva bekommt immer mehr Anfeindungen zu spüren.

Der Autorin gelingt es perfekt historische und aktuelle schwedische Themen miteinander zu verknüpfen. Zentrale Bereiche des Romans sind die Rechte der Sámi, dem ursprünglichen Volk in Lappland, die mit ihren Rentieren durch die Wälder streifen, sowie das umstrittene Abholzungsprogramm. Darüber habe ich bereits einiges im Schweden Krimi von Sandra Åslund "Im Herzen so kalt" gelesen. Der Umgang mit den Wäldern in Schweden zu diesem Thema hat mich sehr nachdenklich gestimmt.
Besonders gelungen ist Ulrika Lagerlöf aber die Beschreibung der Natur und der Widrigkeiten der Gegend. Dabei unterstreicht sie aber auch dessen Schönheit und wie wichtig das Zusammenspiel der einzelner Organismen für die Wälder ist. Wirtschaftliche und ökologische Interessenskonflikte prallen hier immer wieder aufeinander.

Ich mochte den atmosphärischen und malerischen Schreibstil, der manchmal auch etwas melancholisch wird.
Es kommt selten vor, dass ich nicht der Handlung in der Vergangenheit den Vorzug gebe. Der Autorin ist es jedoch gelungen, dass ich beide Handlungsstränge gleich gerne gelesen habe. Man spürt die inneren Konflikte beider Frauen sehr stark durch die Zeilen. Während Sivs sich ihr Leben wahrlich anders vorgestellt hat und auch die Liebe zu Nila unter keinem guten Stern steht, erkennt Eva bald, dass sie die aktiven Umweltschützer, die gegen die Abholzung kämpfen, nicht ganz ignorieren kann und beginnt genauer hinzuschauen.

Ulrika Lagerlöf arbeitet in der Unternehmenskommunikation für die Forstwirtschaft. Ihr Mann ist ein Nachfahre von Selma Lagerlöf, die unter anderem "Nils Holgerson" geschrieben hat. Durch ihre eigene Familiengeschichte wurde sie zur Geschichte inspiriert.
Erwähnen muss ich noch den tollen Farbschnitt mit den Moltebeeren, den man ja eher in anderen Genres findet.

Ich habe leider erst jetzt bemerkt, dass es noch einen weiteren Band (oder zwei?) der Norrland Saga geben wird. Dieser erste Band ist für mich eigentlich abgeschlossen, aber ich lasse mich gerne überraschen.

Fazit:
Ein sehr atmosphärischer und dichter Roman, der einen Einblick in die Welt der Sámi gibt, aber auch einen Blick auf das Ökosystem und den Umweltschutz wirft. Ich empfehle diesen Roman sehr gerne weiter!

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Veröffentlicht am 05.08.2025

Wieder ein absoluter Pageturner

Worst Case
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Dies ist nun der dritte Thriller der ehemaligen Flugbegleiterin T.J. Newman, die jeden Menschen, der an Flugangst leidet, noch mehr Angst einjagt. Ich lese ihre Bücher prinzipiell NACHDEM ich in den Urlaub ...

Dies ist nun der dritte Thriller der ehemaligen Flugbegleiterin T.J. Newman, die jeden Menschen, der an Flugangst leidet, noch mehr Angst einjagt. Ich lese ihre Bücher prinzipiell NACHDEM ich in den Urlaub geflogen bin ;) Trotzdem greife ich immer wieder voller Spannung zu ihren Thrillern, denn sowohl "Flug 416", "Absturz" und nun "Worst Case" haben mich alle drei begeistert.

In "Worst Case" haben wir tatsächlich genau den angesprochenen worst case, denn eine Passagiermaschine stürzt genau über einem Kernkraftwerk ab. Keiner der Passagiere überlebt, doch noch ahnt niemand, welch verheerende Folgen dieser Absturz noch haben wird....

Wie auch schon bei den beiden Vorgänger hat man es mit einem Page-Turner zu tun, der einem kaum Luft holen lässt. Die Handlung wird aus mehreren Perspektiven erzählt und man erlebt diese aus verschiedenen Blickwinkeln. Es bleiben nur 16 Stunden und 38 Minuten bis die Kühlung des Clover-Hill-Kernkraftwerkes auszufallen droht und eine bisher noch nie dagewesene Nuklearkatastrophe in Gang setzt. Eine Crew von Experten und Feuerwehrleuten setzen alles daran die Feuer zu löschen und eine Kernschmelze abzuwenden. Doch die Probleme werden immer weitgreifender und die Zeit läuft den Menschen in Waketa davon.

Diesmal sind wir nur zu Beginn an Bord eines Passagierflugzeuges, denn die weitere Handlung spielt sich im Kernkraftwerk Clover-Hill in Waketa im Mittleren Westen der USA ab, sowie auf der Brücke über den Mississippi, die von Waketa hinaus führt. Dort kam es aufgrund von herabfallenden Flugzeugteilen zu einer Massenkarambolage. Dabei wurde ein Van schwer getroffen und hängt nun etwas instabil auf der Brücke fest. Darin sitzt ein kleiner Junge, dessen Rettung sich alles andere als einfach gestaltet soll.

Das Tempo steigert sich mit jedem Kapitel. Man fiebert mit den Feuerwehrleuten mit, die sich Befehlen widersetzen, um das Leben eines fünfjährigen Jungen zu retten. Man hält bei den Bemühungen im Kraftwerk, welches außer Kontrolle geraten ist, den Atem an und hofft auf ein Wunder. Obwohl es manchmal sehr technisch wird, während wir den Einsatz im Kernkraftwerk mitverfolgen, hat die Autorin diese Details so erklärt, dass ich sie auch verstehen konnte.
Es gibt viele Helden (sehr amerikanisch) und herzerwärmende Momente, denn manche Figuren müssen schwerwiegende Entscheidungen treffen, die tief berühren. Manche Szenarien sind etwas

Da radioaktive Strahlung nicht sichtbar ist, wird sie oft verharmlost. Wie gefährlich sie tatsächlich ist, wird einem in diesem Thriller sehr intensiv vor Augen geführt.


Fazit:
T.J. Newman ist die Queen der actiongeladenen Thriller, die man in einem Rutsch verschlingt. Auch diesmal empfehle ich ihre neuestes Werk sehr gerne weiter!

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Veröffentlicht am 03.08.2025

Das Smugglers Inn

A Taste of Cornwall: Eine Prise Liebe
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Von Katharina Herzog habe ich bereits ihre Romane unter ihren Namen Katrin Koppold gelesen, die sie zu Beginn ihrer Schriftstellerkarriere veröffentlicht hat. Mittlerweile sind einige Jahre ins Land gegangen.
Mit ...

Von Katharina Herzog habe ich bereits ihre Romane unter ihren Namen Katrin Koppold gelesen, die sie zu Beginn ihrer Schriftstellerkarriere veröffentlicht hat. Mittlerweile sind einige Jahre ins Land gegangen.
Mit "Eine Prise Liebe", dem Auftaktband der "A Taste of Cornwall" Reihe, sind wir wieder in Cornwall unterwegs.
Sophie Dubois lebt in London und ist eine sehr erfolgreiche Restaurantkritikerin, die als ehrliche und konstruktive Kritikerin bekannt ist. Doch bei der medienwirksamen Eröffnung des neuen Restaurants "Runaway" des Models Annabelle Scott, fällt ihre Kritik ziemlich vernichtend aus, was einen enormen Shitstorm zur Folge hat. Ihr Chef verordnet ihr eine "Auszeit" und schickt sie nach Cornwall. Ihre Aussage, dass sie an jedem Ort der Welt ein Sterne-Restaurant erfolgreich eröffnen könnte, soll Sophie seiner Meinung nun beweisen. Das "Smugglers Inn" in Port Haven sucht schon einige Zeit einen Nachfolger. Die Lage ist top, doch an der Übernahme sind einige Bedingungen geknüpft, die bisher niemand eingehen wollte. Sophie hat nicht wirklich eine Wahl und unterzeichnet den Vertrag, der nicht nur den Erwerb der etwas eigenwilligen Mitarbeiter, sondern auch des Wolfshundes des ehemaligen Besitzers beinhaltet. Ebenso ist keinerlei Veränderung der Inneneinrichtung erlaubt. Wenigstens der Koch scheint sein Handwerk zu verstehen.
Um ihre Spuren gekonnt zu verwischen ändert Sophie ihren Namen von Dubois auf Wilde um, dem Mädchennamen ihrer Mutter. Außerdem war ihr Vater Antoine Dubois, der vor einem Jahr verstorben ist, ein berühmter Starkoch, der auf der ganzen Welt nach Inspiration gesucht und die Familie verlassen hat, als Sophie noch ein Kleinkind war. Mit neuem Namen und neuer Inspiration geht Sophie ans Werk....

Mit dabei beim Umzug nach Cornwall sind Riley, die Tochter von Sophie, die mitten in der Pubertät steckt und diesen als persönlichen Angriff auf sich empfindet. Anders als ihre Enkelin sieht Tanya, die etwas exzentrische Mutter von Sophie ihr neues Leben in Cornwall. Nachdem sie wegen Anbau von Cannabis und den daraus gebackenen Keksen, die sie an ihre Mitbewohner in der Seniorenresidenz verteilt hat, rausgeflogen ist, freut sie sich auf eine Veränderung. Sie findet in Port Haven sehr schnell Anschluss. Ihre Figur ist sehr lebendig und sympathisch dargestellt, während Riley sich immer mehr zurückzieht. Erst als sie gestrandete Wale an der Küste findet und aktiv an deren Rettung mithilft, taut sie etwas auf.

Sophie hingegen verärgert relativ schnell die Einwohner von Port Haven und sieht ihren Plan aus dem "Smugglers Inn" ein Sternerestaurant zu machen und endlich ihre Kochshow zu bekommen, davonschwimmen. Als Städterin versteht sie deren Traditionsbewusstsein nicht und sieht nur ihre Neuerungen als positiv. Als jemand beginnt den Pub zu sabotieren, stehen auch die Arbeitsplätze der Mitarbeiter auf wackeligen Beinen...
Sophie erscheint vor allem zu Beginn nicht uneingeschränkt sympathisch, was sie auf jeden Fall authentischer macht. Mit der Zeit verändert sich ihr Fokus und sie stellt sich auch ihrem Trauma.

Die Geschichte spielt im wunderschönen Cornwall und sorgt für eine bildgewaltige Kulisse. Erzählt wird aus verschiedenen Sichten einzelner Charaktere, jedoch in 3. Person.
Katharina Herzog erzählt in ihrem gewohnt leichten und atmosphärischen Schreibstil eine nette Geschichte mit einem interessanten Plot. Jedoch macht sie meiner Meinung einfach zu viele Töpfe auf. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung des Restaurants, allerdings fließen auch andere Themen ein, die mir schlussendlich fast zu viele wurden. Die im Klappentext angedeutete Love-Story bleibt eher ein Nebenschauplatz, was mich aber nicht gestört hat.
Obwohl der Roman eher leicht daherkommt und nicht allzu sehr in die Tiefe geht, vermittelt Katharina Herzog einige Botschaften, die sie uns näher bringt, wie "Wahre Stärke bedeutet, dass man auch Schwäche zeigen darf" oder dass man hinter die Fasse der Menschen schauen sollte.
Im Folgeband wird Annabelle Scott die zentrale Figur sein, über die wir mehr erfahren werden.

Fazit:
Wohlfühlroman mit einer wunderschönen Kulisse, der jedoch etwas zu sehr an der Oberfläche bleibt und keine wirklichen Überraschungen bereit hält.

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Veröffentlicht am 27.07.2025

Reise zu sich selbst

Pinguine fliegen nur im Wasser
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Mit "Pinguine fliegen nur im Wasser" (der Titel wird in der Geschichte erklärt) hat Henriette Krohn einen etwas anderen Roman geschrieben.
Vincent lebt ein Leben auf der Überholspur, welches ihm das Gefühl ...

Mit "Pinguine fliegen nur im Wasser" (der Titel wird in der Geschichte erklärt) hat Henriette Krohn einen etwas anderen Roman geschrieben.
Vincent lebt ein Leben auf der Überholspur, welches ihm das Gefühl von Routine gibt. Gleichzeitig hat er seine Gefühlswelt seit Jahren ausgesperrt, nachdem ihm seine vietnamesische Mutter mit nur drei Jahren bei seinem depressiven Vater zurückgelassen hat. Seine Tage als Unternehmensberater sind durchgeplant und lassen keine Überraschungen zu. Und doch wird er eines Tages völlig unerwartet aus seinem Job und der dazugehörigen Firmenwohnung geschmissen. Seine Ex-Geliebte und Chefin hat alles daran gesetzt ihn nicht nur zu kündigen, sondern auch seinen Ruf zu ruinieren. Vincent ist sich keiner Schuld bewusst und landet von der Situation völlig überfordert im Taxi von Greta. Sie ist das komplette Gegenteil von Vincent und eine herzensgute Frau, die laut, bunt und überboardend ist. Greta macht ihm den Vorschlag bei ihr in ihrer vor kurzem geerbten Villa zu wohnen, wenn er ihr hilft, diese zu restaurieren. Als ihm dämmert, dass er weder Freunde, noch andere Wohnmöglichkeiten hat, nimmt er Gretas Angebot an. Er merkt, wie ihm die Renovierung immer mehr Spaß macht und lernt dabei weitere skurrile Personen in Gretas Umfeld kennen. Neben der alten Gräfin, die in der Nachbarvilla wohnt, Gretas kleiner Nichte Mathilda und Dackel Leah, Schildkröte Charlotte, Gretas großmäuligen Freund Boje und Kurt mit der Trillerpfeife, der ihn bei den Renovierungsarbeiten zur Hand geht, lernen wir mit der Zeit auch Greta besser kennen.

In Rückblenden erfahren wir von ihrer schweren und einsamen Kindheit. Als Tochter zweier Ärzte, denen ihr Kind nur im Weg stand und welches sie bei den gefühlskalten Großeltern abgeben, ist es verwunderlich, wie aus dem vereinsamten Kind eine so herzliche junge Frau mit "Menschenrettersyndrom" geworden ist. Genau diese Frau zeigt Vincent im Laufe der Renovierungsarbeiten, worauf es im richtigen Leben wirklich ankommt.
Die meisten Charaktere sind liebenswert und sympathisch, aber es gibt auch Menschen in beider Leben, die ihnen Energie rauben.
Der Schreibstil ist leicht, manchmal sehr detailliert und atmosphärisch. Die Dialoge sind lebendig und die Restaurierung und Dekoration der alten Villa wird sehr bildhaft beschrieben. Hier hatte ich wahrlich Kino im Kopf.
Während die am Ende kleine Liebesgeschichte bei mir nicht wirklich "angekommen" ist, fand ich den Humor der Autorin trotz mancher schweren Themen auflockernd. Eine leise Geschichte mit Tiefe, die für mich aber trotzdem nicht zu einem Highlight gereicht hat.

Fazit:
Ein bezaubernder Roman, der für mehr Toleranz, Diversität, Freundschaft und Herzlichkeit wirbt. Dabei spricht die Autorin aber auch Themen wie Depressionen, Vernachlässigung von Kindern durch ihre Eltern, Einsamkeit und Ausgrenzung an. Dies alles verpackt sie in eine kleine "Wohlfühlgeschichte" mit zwei sehr unterschiedlichen Charakteren, die schlussendlich zu sich selbst finden.

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