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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.08.2025

Lesenswerte skurrile Geschichte

Das glückliche Leben
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David Foenkinos ist ein französischer Bestsellerautor. Erst mit diesem wirklich schönen Buch bin ich auf ihn aufmerksam geworden. Für mich ist er ein typisch französischer Autor. Sein Erzählstil ist so ...

David Foenkinos ist ein französischer Bestsellerautor. Erst mit diesem wirklich schönen Buch bin ich auf ihn aufmerksam geworden. Für mich ist er ein typisch französischer Autor. Sein Erzählstil ist so ruhig, unterlegt mit feinem Humor, passend zu diesem der Geschichte zugrunde liegenden ernsten Thema, das Verlust und Neuanfang behandelt. Es ist ein Buch für alle, die schon einmal daran gedacht haben, ein Neuanfang im eigenen Leben wäre doch eine gute Sache. Genau so ergeht es dem Protagonisten Éric, der mit seiner Karriere und seiner familiären Situation hadert. Er macht auf einer Reise in Seoul eine derart existenzielle Erfahrung, dass er anschließend sein Lebensglück selbst in die Hand nimmt und einen Neuanfang wagt. Etwas skurril mag es erscheinen, dass er hierfür das Mittel einer gefakten eigenen Beerdigung benutzt. Doch dem ist nicht so und der Autor hat sicherlich entsprechendes Hintergrundwissen benutzt. In Südkorea gibt es nämlich tatsächlich Seminare, bei denen Menschen zwecks Weckung ihres Lebensmutes ihren Tod erfahren und zur Probe in einen Holzsarg steigen, sog. Happy Dying. So verhilft das Buch auch, eine andere Kultur kennenzulernen. Welche Wendungen das bei Éric bewirkt, muss jeder selbst lesen, es lohnt sich. Auch Fans von Liebesgeschichten werden auf ihre Kosten kommen.

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Veröffentlicht am 06.08.2025

Vermeintlich idyllisches Landleben

Heimat
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In diesem eigentlich sehr bedrückenden Roman beschreibt die Autorin, wie es in unserer Gesellschaft aussehen könnte, wenn rechte Kräfte die Oberhand gewinnen. Ausdrücklich erklärt sie nicht, wo der Plot ...

In diesem eigentlich sehr bedrückenden Roman beschreibt die Autorin, wie es in unserer Gesellschaft aussehen könnte, wenn rechte Kräfte die Oberhand gewinnen. Ausdrücklich erklärt sie nicht, wo der Plot angesiedelt ist. Es dürfte sich aber um eine dörfliche Region im Umkreis von Berlin handeln. Dort wird AfD gewählt und vertreten die Bewohner traditionelle Lebensauffassungen. Das erschließt sich der zweifachen Mutter Jana sehr schnell, als sie, erneut schwanger, mit ihrer Familie ins Eigenheim aufs Land zieht. Sie, die eigentlich immer modern gelebt hat, gerät plötzlich in den sie faszinierenden Sog und Einfluss der ihr zur Freundin werdenden Karolin. Diese ist AfD-Wählerin und lebt völlig traditionell. So lehnt sieht sie etwa ihre Rolle ganz selbstverständlich in der Küche und bei den Kindern, lehnt deren Kindergartenbesuch und Impfungen ab. Vieles in Karolins Leben bleibt allerdings ungeklärt – Ist sie häuslicher Gewalt ausgesetzt? Warum taucht sie immer mal wieder ab? Was war vor ihrer Ehe mit Clemens? Vor allem aber: Was passiert mit ihr am Ende? Überhaupt ist mir das Ende unklar geblieben, möchte aber an dieser Stelle auch keine meiner Vermutungen äußern, um anderen die Spannung beim Lesen nicht zu nehmen. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass sich in Janas Leben viel zu rasche Wendungen ergeben, etwa die Trennung von ihrem Partner noch während der Schwangerschaft oder ihre schnelle Überzeugungsgewinnung, das Leben als Alleinerziehende mit drei Kindern auch gut ohne Berufstätigkeit bewältigen zu können.
Für Lesende mit Interesse an Familiengeschichten mit gesellschaftlichem Hintergrund zu empfehlen.

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Veröffentlicht am 30.07.2025

Eine anspruchsvolle deutsch-japanische Familiengeschichte

Onigiri
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Dieses Buch empfehle ich wärmstens LeserInnen mit Interesse an anspruchsvollen Familiengeschichten.
Protagonistinnen sind die inzwischen betagte und demenzkranke Keiko und ihre Tochter Aki. Keiko ist vor ...

Dieses Buch empfehle ich wärmstens LeserInnen mit Interesse an anspruchsvollen Familiengeschichten.
Protagonistinnen sind die inzwischen betagte und demenzkranke Keiko und ihre Tochter Aki. Keiko ist vor 50 Jahren von Japan nach Deutschland gekommen, wo sie einen deutschen Mann heiratete und bald zur allein erziehenden Mutter zweier Kinder wurde. Zu kämpfen hatte sie mit dem Ende ihrer Beziehung, dem Kulturschock, den dominanten deutschen Schwiegereltern, schließlich mit Demenz. Aki reist mit ihrer Mutter noch einmal nach Japan, bevor diese ihre Heimat für immer vergisst. Auf wechselnden Zeitebenen wird die sehr interessante Geschichte beider Frauen erzählt. Dabei wird der komplizierten Mutter-Tochter-Beziehung und dem Thema Demenz viel Raum gegeben. Überraschenderweise blüht Keiko in Japan richtiggehend auf, so dass Aki sie von einer völlig neuen Seite kennenlernt. Passend zur japanischen Kultur bleiben die Charaktere distanziert. Lobenswert ist, dass der Buchtitel so schön zur Geschichte passt. Onigiri sind Reisklößchen aus der japanischen Küche, die für Aki eine besondere Bedeutung haben.

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Veröffentlicht am 27.07.2025

Ebenso gelungen wie "Lügen über meine Mutter"

Junge Frau mit Katze
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Das Buch knüpft an den ersten Roman der Autorin an, „Lügen über meine Mutter“. Ihn muss man allerdings nicht notwendig gelesen haben, um jetzt den Inhalt zu verstehen, wenngleich sich einige Situationen ...

Das Buch knüpft an den ersten Roman der Autorin an, „Lügen über meine Mutter“. Ihn muss man allerdings nicht notwendig gelesen haben, um jetzt den Inhalt zu verstehen, wenngleich sich einige Situationen durchaus besser erhellen.
Jetzt ist Ela nicht mehr Kind, sondern junge Erwachsene, die fertig studiert und ihre Doktorarbeit beendet hat, und nicht ihre adipöse Mutter, sondern sie selbst steht im Mittelpunkt der Geschichte. Doch auch sie ist krank, und zwar ständig. Ihre Krankheitsgeschichte und ihre Odyssee von Arzt zu Arzt sind wirklich abenteuerlich. Hier setzt auch meine Kritik ein: Nicht jeder will jederzeit über Krankheit lesen. Das erkennt so auch die Autorin selbst, wenn sie an einer Stelle schreibt „Wer krank war, wollte nichts über Krankheit lesen. Wer gesund war, ebenfalls nicht“. Wie ein an dem Buch Interessierter damit umgeht, muss jeder für sich entscheiden. Mich selbst hält das aber nicht davon ab, das Buch zu empfehlen. Denn Dröschers Umgang mit dem Thema und ihre Sprache sind faszinierend, ebenso der psychologische Hintergrund.
Das Buch erhält von mir eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 25.07.2025

Gesellschaftskritische Politsatire

Das Geschenk
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Es klingt schon sehr fantastisch, was die niederländische Autorin Gaea Schoeters – bekannt geworden durch ihren Roman „Trophäe“ – hier umsetzt. Urplötzlich tauchen im gesamten Berliner Stadtgebiet 20.000 ...

Es klingt schon sehr fantastisch, was die niederländische Autorin Gaea Schoeters – bekannt geworden durch ihren Roman „Trophäe“ – hier umsetzt. Urplötzlich tauchen im gesamten Berliner Stadtgebiet 20.000 Elefanten auf, ein „Geschenk“ des Präsidenten von Botswana als Gegenleistung für das von Europa ausgesprochene Einfuhrverbot von Jagdtrophäen, das in seinem Land die Megafauna zur Krise werden lässt. Es liegt nunmehr am deutschen Bundeskanzler, all die Probleme, die sich auftun, zu lösen, als da sind: zerstörte Tiergärten, heimgesuchte Supermärkte, Verkehrschaos, Berge von Elefantendung, eine sich anbahnende innerstaatliche Krise mit dem Erstarken rechter Kräfte. Wird er „es schaffen“? Auf jeden Fall braucht er hierfür eine Elefantenhaut.
Schon die Idee zu diesem fiktiven Buch ist sehr originell, wobei es auf einer tatsächlichen Aussage eines früheren botswanischen Präsidenten beruht. Die Geschichte behandelt nach Art einer Satire auf amüsante Weise alle möglichen Fragen, die den Leser in der postkolonialen Zeit nicht nur über den Umgang Europas mit Afrika nachdenken lässt, sondern auch über aktuelle und moralische Fragen wie Klimawandel, Artenschutz, internationale Beziehungen. Solch schwierige Themen werden mit lockerem, amüsantem Schreibstil abgehandelt, so dass alles nicht zu ernst wird.
Ein Buch, das besonders politisch interessierte Leser anspricht.

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