Cover-Bild Adlergestell
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24,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Tropen
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: Klassisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 240
  • Ersterscheinung: 16.08.2025
  • ISBN: 9783608502886
Laura Laabs

Adlergestell

Roman | »So wie Laabs bewegte Bilder beschreibt, wünscht man sich mehr Gegenwartsliteratur, ambitioniert, waghalsig, manchmal einen Schritt zu weit gehend, nie gleichgültig gegenüber ihrem Gegenstand.« FAS

Wie beginnt man ein Leben am Ende der Geschichte?

Drei Mädchen vom Stadtrand, Center Shock auf der Zunge, abgerissener Mercedesstern um den Hals. Das sechsspurige Adlergestell vor der Nase. Ostberliner Kindheit um 1990.
Sie sind frei. Das wird jedenfalls behauptet. Freier als ihre Mütter, die sich verlieren in den Wirren des Umbruchs. Freier als ihre Großmütter, die noch immer verfolgt werden von den Gespenstern der Vergangenheit. Die drei Mädchen wollen ihr Leben selbst in die Hand nehmen. Doch als sie merken, dass auch die neue Freiheit Grenzen hat, kommt es zum Knall.

Lenka, Chaline und die Erzählerin wachsen Tür an Tür auf, an der großen Berliner Ausfallstraße, dem Adlergestell. Beste Freunde, unzertrennlich, trotz oder wegen der völlig verschiedenen Milieus, aus denen sie kommen. Mit dem Schulanfang treten sie ein in das Chaos nach dem »Ende der Geschichte«. Das schmeckt so süß und prickelt so sauer wie die neuen Center Shocks. Doch die großen Erwartungen zerplatzen so schnell wie ihre Kaugummiblasen. Denn den Adler kümmert ihre Existenz wenig und ein Gestell gibt keinen Halt. 35 Jahre danach beginnt die Erzählerin eine Spurensuche. Warum haben sie sich verloren? Was hat ihre Vergangenheit, die ihrer Mütter und Großmütter, mit den
Verwerfungen von heute zu tun? Und hatten sie überhaupt eine Chance?
Ein furioser Nachwenderoman, der mitten in unsere Gegenwart führt.

»Laura Laabs schildert eine Gegenwart, die Anfang der 90er Jahre gerade in die Zukunft abrutscht. Und die Vergangenheit sitzt auch noch mit an der Kaffeetafel und trinkt Eierlikör. Ein Buch, das souverän durch die Zeiten spaziert.« Jenny Erpenbeck

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.11.2025

Ein kluges Wende-Porträt

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Laura Laabs' "Adlergestell" fängt den Zeitgeist des Umbruchs in der ehemaligen DDR meisterhaft ein. Anhand der Schicksale von drei Mädchen – Lenka, Chaline und der namenlosen Erzählerin – entfaltet der ...

Laura Laabs' "Adlergestell" fängt den Zeitgeist des Umbruchs in der ehemaligen DDR meisterhaft ein. Anhand der Schicksale von drei Mädchen – Lenka, Chaline und der namenlosen Erzählerin – entfaltet der Roman ein intelligentes und sehr menschliches Gesellschaftsporträt.

Die Geschichte beginnt in ihrem ersten Schuljahr in einer Eigenheimsiedlung nahe der Berliner Ausfallstraße Adlergestell zur Zeit der Wende. Die unterschiedlichen häuslichen Milieus, das politische Klima, die kollektiven Ängste und die Wut der Erwachsenen sind präzise und unaufgeregt beschrieben.

Erzählt wird in kurzen Kapiteln aus verschiedenen Perspektiven (Kinder, Lehrer, Eltern, Nachbarn). Satirische Rückblicke auf die Werbung und Meldungen dieser Zeit betonen den Einzug des Kapitalismus. Das Buch stellt die Mädchen in den Mittelpunkt, die sich im Aufbruch zwischen den Zeiten nirgends richtig zugehörig fühlen. Ihre Gedanken und Gefühle wirken authentisch und werden beschrieben, nicht bewertet. Ein absolut lesenswertes Buch, das die Unsicherheit und den Neubeginn dieser Ära für jede Generation spürbar macht.

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Veröffentlicht am 01.09.2025

Enttäuschte Erwartungen

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Drei Mädchen im Grundschulalter erleben den gerade begonnen Wandel in Ostdeutschland. Die Mauer ist vor kurzem gefallen, Ost- und Westdeutschland sind wieder vereint und alles ist plötzlich ganz anders.

Namensgebend ...

Drei Mädchen im Grundschulalter erleben den gerade begonnen Wandel in Ostdeutschland. Die Mauer ist vor kurzem gefallen, Ost- und Westdeutschland sind wieder vereint und alles ist plötzlich ganz anders.

Namensgebend für das Buch ist die längste Straße in Berlin "Adlergestell". Hier erleben die drei Freundinnen mit Stauen, großen Erwartungen und aus Kindersicht den rasanten Wandel der sich in Ostdeutschland in den 90er Jahren vollzog. Doch oft stellen sich diese Erwartungen als unrealistisch heraus. So unterschiedlich die Drei auch zu sein scheinen, eines haben sie gemeinsam, sie wünschen sich eine Flucht aus ihrem Zuhause in eine andere Welt. Denn in ihrem Zuhause erleben sie u.a. Gewalt, Vernachlässigung, Rassismus, plötzlich geschieden Eltern und Arbeitslosigkeit. Die Freundinnen verbringen ihre Nachmittage u. a. mit dem Klauen von Mercedessternen, Telefonstreiche, und Stelen von allerlei Dingen. Erzählt werden die Erlebnisse als Rückblick aus der Gegenwart. In kurzen Einschüben zwischen den einzelnen Kapiteln liest man die sehr treffende Interpretationen westlicher Werbung, des Comichelden Captain Planet oder des PC-Gams Lemminge, deren medialen Charaktere Ostdeutschland eroberten.

Mir ist diese Zeit ebenfalls aus Kindertagen bekannt, jedoch aus westdeutscher Sicht. Umso interessanter fand ich es den Erlebnissen und Erfahrungen der drei Mädchen aus ostdeutscher Sicht zu folgen. Die Autorin verstehet es mit ihrem Schreibstil die Dinge in aller Kürze und einer unglaublichen Sprachgewandtheit auf den Punkt zu bringen. Teilweise muten die Sätze richtig poetisch an.

Das Cover spielgelt in seiner einfachen und kindlichen Darstellung den Inhalt bestens wieder. Das Gespenst auf dem Titelbild kann man sowohl bildlich, als Umriss den die Kinder auf der Straße sehen, als auch im übertragenen Sinn, als den Wandel der in jedem Haus in Ostdeutschland durch das Leben der Bewohner spuckt, verstehen.

Mir hat der Roman sehr gut gefallen. Sprachlich überaus gelungen, beschreibt er das Lebensgefühl einer jungen Generation die mit dem Wandel den sie und ihre Familie erleben oft überfordert zu sein scheinen.

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Veröffentlicht am 27.08.2025

Vergangenheit und Gegenwart

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Kurz nach der Wiedervereinigung wird die Erzählerin eingeschult und nicht neben hre Freundin Lenka, sondern neben Charline gesetzt, was das Duo automatisch zu einem Trio macht. Zwischen Aufbruch, Hausaufgaben ...

Kurz nach der Wiedervereinigung wird die Erzählerin eingeschult und nicht neben hre Freundin Lenka, sondern neben Charline gesetzt, was das Duo automatisch zu einem Trio macht. Zwischen Aufbruch, Hausaufgaben und Autobahndröhnen des nahen Adlergestells reizen sie die Grenzen der Freiheit aus.
„Adlergestell“ von Laura Laabs inhaltlich zusammenzufassen ist schwer. Es geht um die Vergangenheit, die nahe, aber auch ferne, und es geht um die Gegenwart; vor allem geht es um die vielen verschiedenen Leben, die sich in einer Reihenhaussiedlung bündeln. Es geht ums Kämpfen, ums Rebellieren, und um Freiheit.
Dabei folgen wir nicht nur dem Mädchentrio, sondern auch der erwachsenen Erzählerin. Außerdem kommen ausgewählte Bewohnerinnen der Siedlung zu Wort, unterbrochen von nostalgischer Fernsehwerbung. Das alles schafft eine ganz eigentümliche Stimmung, auf die man sich einlassen muss, was ich sehr gern getan habe. Und da ist eine Ahnung, dass da noch was kommen wird.
Laura Laabs verpasst nicht nur der Erzählerin ihre Eigenarten, auch Lenka und Charline stehen im Mittelpunkt, sowie die Dynamik der Freundinnen, die immer verehrende Ausmaße annimmt. Mit den anderen Figuren, die auch wenn sie nur kurz durchs Bild huschen, genug Fleisch bekommen, um im Gedächtnis zu bleiben, bindet sich ein bunter Strauß an besonderen Charakteren.
Verpackt ist es in eine grandiose Sprache, in Wortkombinationen, die mich aufhorchen ließen; Beobachtungen, die mich in meine Kindheit zurückversetzt haben. Man merkt, dass Laura Laabs vom Film kommt. Sie setzt optische Akzente und weiß, wie sie die Leserschaft bei Laune hält. Manchmal sah ich nur mit halbem Auge hin, wollte eigentlich nicht wissen, was für ein Abgrund sich da wieder im Bürgerlichen auftut. Sie beschönigt nichts, reißt aus der realen Welt, was sie zu packen bekommt und stopft es in den Roman, was es unglaublich authentisch macht und die Gegenwartsszenen an den Puls der Zeit setzt.
Ein Fundstück, dass unbedingt mehr Aufmerksamkeit bekommen sollte.

Veröffentlicht am 24.08.2025

Überraschendes Highlight

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Was für ein ungewöhnliches Cover dachte ich, als ich das Buch zu ersten Mal gesehen habe. Und dann der Titel – was sich wohl dahinter versteckt?
Kurz gesagt: Ein überraschendes Highlight; zumindest für ...

Was für ein ungewöhnliches Cover dachte ich, als ich das Buch zu ersten Mal gesehen habe. Und dann der Titel – was sich wohl dahinter versteckt?
Kurz gesagt: Ein überraschendes Highlight; zumindest für mich. Und das vor allem aus zwei Gründen.
Zum einen konnte mich die Geschichte richtig gut mitnehmen. Ich war ganz in der Welt der Nachwendezeit gefangen. Die drei Mädchen in ihrem Leben zu begleiten hat mir richtig Spaß gemacht. Und ganz besonders haben mir die Kapitel gefallen, in denen es um die Erwachsenen bzw. um historische Gegebenheiten ging. Vor allem die Geschichte von Eleftheria hat mich emotional richtig mitgenommen. Und das Kapitel Adlergestell war so interessant, dass ich direkt googeln musste.
Was mich aber richtig begeistert hat, war der Aufbau des Buches. Diesen fand ich sehr kreativ und regt dazu an, immer noch einen Abschnitt lesen zu wollen. Man fliegt regelrecht durch die Seiten. Die schwarzen Seiten dazwischen waren dann immer wie ein kleines Bonbon, bevor es wieder weiter ging.
Volle 5 Sterne. Gerne mehr davon!

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Veröffentlicht am 14.08.2025

Nachwenderoman

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Dieser Roman ist wirklich lesenswert und ist vor allem jenen zu empfehlen, die an der Wiedervereinigung Deutschlands und den Schicksalen der Ostdeutschen interessiert sind.
Eine namenlos bleibende Erzählerin ...

Dieser Roman ist wirklich lesenswert und ist vor allem jenen zu empfehlen, die an der Wiedervereinigung Deutschlands und den Schicksalen der Ostdeutschen interessiert sind.
Eine namenlos bleibende Erzählerin schildert ihre Kindheit zu Beginn der 1990er Jahre am Rande Ostberlins mit Blick auf die längste Straße Berlins, eben das sog. Adlergestell. Immer wieder blendet sie auf die Gegenwart 25 Jahre später vor. Das eigentlich Faszinierende ist, dass sie auch auf die Lebensläufe vieler Personen aus ihrem Umfeld eingeht – ihrer zwei besten Freundinnen und deren Eltern, ihrer Mutter, ihrer Großtante, ihrer Nachbarin, ihres späteren Lebensgefährten usw. Jede Person hat ein individuelles Schicksal mit unterschiedlicher Betroffenheit durch die deutsche Geschichte. Gemeinsam ist aber allen, dass sie zu den Verlierern ihrer jeweiligen Zeit gehören. Es geht auch nicht nur um das Erleben der Wendezeit, sondern zugleich um andere Zeitabschnitte in der deutschen Geschichte seit dem Ersten Weltkrieg, wie etwa die Judenverfolgung oder das Anwerben von Gastarbeitern. So wird der Roman sehr informativ und deshalb wertvoll. Positiv herausgestellt sei noch ein besonderes Gestaltungsmittel, dessen sich die Autorin bedient. Durchzogen ist das Buch von jeweils zwei schwarzen Seiten, auf denen meistens Werbung für West- oder Ostprodukte wiedergegeben wird. Das ruft schöne Erinnerungen hervor, etwa an Produkte wie Fairy Ultra, Spee, Merci, Jacobs Kaffee. Die Farbe schwarz hat ohnehin eine metaphorische Bedeutung in der Geschichte wie auch das Symbol des Adlers, die sich jeder selbst erschließen möge.

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