Cover-Bild Adlergestell
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18,99
inkl. MwSt
  • Verlag: Tropen
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: Klassisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Ersterscheinung: 16.08.2025
  • ISBN: 9783608124668
Laura Laabs

Adlergestell

Roman | »So wie Laabs bewegte Bilder beschreibt, wünscht man sich mehr Gegenwartsliteratur, ambitioniert, waghalsig, manchmal einen Schritt zu weit gehend, nie gleichgültig gegenüber ihrem Gegenstand.« FAS
Wie beginnt man ein Leben am Ende der Geschichte?
Drei Mädchen vom Stadtrand, Center Shock auf der Zunge, abgerissener Mercedesstern um den Hals. Das sechsspurige Adlergestell vor der Nase. Ostberliner Kindheit um 1990.

Sie sind frei. Das wird jedenfalls behauptet. Freier als ihre Mütter, die sich verlieren in den Wirren des Umbruchs. Freier als ihre Großmütter, die noch immer verfolgt werden von den Gespenstern der Vergangenheit. Die drei Mädchen wollen ihr Leben selbst in die Hand nehmen. Doch als sie merken, dass auch die neue Freiheit Grenzen hat, kommt es zum Knall.
Lenka, Chaline und die Erzählerin wachsen Tür an Tür auf, an der großen Berliner Ausfallstraße, dem Adlergestell. Beste Freunde, unzertrennlich, trotz oder wegen der völlig verschiedenen Milieus, aus denen sie kommen. Mit dem Schulanfang treten sie ein in das Chaos nach dem »Ende der Geschichte«. Das schmeckt so süß und prickelt so sauer wie die neuen Center Shocks. Doch die großen Erwartungen zerplatzen so schnell wie ihre Kaugummiblasen. Denn den Adler kümmert ihre Existenz wenig und ein Gestell gibt keinen Halt. 35 Jahre danach beginnt die Erzählerin eine Spurensuche. Warum haben sie sich verloren? Was hat ihre Vergangenheit, die ihrer Mütter und Großmütter, mit den

Verwerfungen von heute zu tun? Und hatten sie überhaupt eine Chance?

Ein furioser Nachwenderoman, der mitten in unsere Gegenwart führt.
»Laura Laabs schildert eine Gegenwart, die Anfang der 90er Jahre gerade in die Zukunft abrutscht. Und die Vergangenheit sitzt auch noch mit an der Kaffeetafel und trinkt Eierlikör. Ein Buch, das souverän durch die Zeiten spaziert.« Jenny Erpenbeck

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.10.2025

Interessant

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In dem Buch geht es um eine Kindheit in Berlin, erzählt aus drei Perspektiven. Ich fand das Buch interessant, auch die Zeit in der es spielt. Die Figuren wachsen einem ans Herz und es macht Spaß, sie auf ...

In dem Buch geht es um eine Kindheit in Berlin, erzählt aus drei Perspektiven. Ich fand das Buch interessant, auch die Zeit in der es spielt. Die Figuren wachsen einem ans Herz und es macht Spaß, sie auf ihrem Weg zu begleiten. Das Cover fängt das sehr schön ein. Den Schreibstil fand ich detailreich, angenehm und flüssig. Ich. habe mich richtig gut unterhalten gefühlt und empfehle das Buch deshalb gerne weiter.

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Veröffentlicht am 01.09.2025

Enttäuschte Erwartungen

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Drei Mädchen im Grundschulalter erleben den gerade begonnen Wandel in Ostdeutschland. Die Mauer ist vor kurzem gefallen, Ost- und Westdeutschland sind wieder vereint und alles ist plötzlich ganz anders.

Namensgebend ...

Drei Mädchen im Grundschulalter erleben den gerade begonnen Wandel in Ostdeutschland. Die Mauer ist vor kurzem gefallen, Ost- und Westdeutschland sind wieder vereint und alles ist plötzlich ganz anders.

Namensgebend für das Buch ist die längste Straße in Berlin "Adlergestell". Hier erleben die drei Freundinnen mit Stauen, großen Erwartungen und aus Kindersicht den rasanten Wandel der sich in Ostdeutschland in den 90er Jahren vollzog. Doch oft stellen sich diese Erwartungen als unrealistisch heraus. So unterschiedlich die Drei auch zu sein scheinen, eines haben sie gemeinsam, sie wünschen sich eine Flucht aus ihrem Zuhause in eine andere Welt. Denn in ihrem Zuhause erleben sie u.a. Gewalt, Vernachlässigung, Rassismus, plötzlich geschieden Eltern und Arbeitslosigkeit. Die Freundinnen verbringen ihre Nachmittage u. a. mit dem Klauen von Mercedessternen, Telefonstreiche, und Stelen von allerlei Dingen. Erzählt werden die Erlebnisse als Rückblick aus der Gegenwart. In kurzen Einschüben zwischen den einzelnen Kapiteln liest man die sehr treffende Interpretationen westlicher Werbung, des Comichelden Captain Planet oder des PC-Gams Lemminge, deren medialen Charaktere Ostdeutschland eroberten.

Mir ist diese Zeit ebenfalls aus Kindertagen bekannt, jedoch aus westdeutscher Sicht. Umso interessanter fand ich es den Erlebnissen und Erfahrungen der drei Mädchen aus ostdeutscher Sicht zu folgen. Die Autorin verstehet es mit ihrem Schreibstil die Dinge in aller Kürze und einer unglaublichen Sprachgewandtheit auf den Punkt zu bringen. Teilweise muten die Sätze richtig poetisch an.

Das Cover spielgelt in seiner einfachen und kindlichen Darstellung den Inhalt bestens wieder. Das Gespenst auf dem Titelbild kann man sowohl bildlich, als Umriss den die Kinder auf der Straße sehen, als auch im übertragenen Sinn, als den Wandel der in jedem Haus in Ostdeutschland durch das Leben der Bewohner spuckt, verstehen.

Mir hat der Roman sehr gut gefallen. Sprachlich überaus gelungen, beschreibt er das Lebensgefühl einer jungen Generation die mit dem Wandel den sie und ihre Familie erleben oft überfordert zu sein scheinen.

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Veröffentlicht am 15.10.2025

Kunstvolle Skizze der Wendezeit in Rot, Blau und Grün

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Man kann sie sich bildhaft vorstellen, die Kindheit in den 90er Jahren am Stadtrand von Berlin, dort wo unentwegt die Autos über das Adlergestell rasen. Die Kinder, die mit ihren eckigen Scout-Ranzen das ...

Man kann sie sich bildhaft vorstellen, die Kindheit in den 90er Jahren am Stadtrand von Berlin, dort wo unentwegt die Autos über das Adlergestell rasen. Die Kinder, die mit ihren eckigen Scout-Ranzen das erste Mal die Schule betreten und ab diesem Tag nach der Schule immer direkt zum kleinen Laden rennen, wo sich jetzt der Kapitalismus in einer riesigen Auswahl Süßigkeiten manifestiert. Unter ihnen Chaline, Lenka und die Erzählerin, die schon bald Center-Shock kauend die neuen Autos, die nun überall in der Siedlung stehen, beschmieren und deren Mercedes-Sterne abbrechen.

Es ist ein Aufwachsen zwischen zwei Welten: der vergangenen der Erwachsenen und der neuen Welt, die ihre Heilsversprechen einer schöneren Welt über die Röhrenfernseher verbreitet. Bilder, die sich in Blau, Grün udn Rot auflösen, wenn man so nah an den Fernseher tritt, dass die Augen wehtun.

Kunstvoll verwebt Laura Laabs die Geschichte der drei Mädchen mit den Schicksalen ihrer Verwandten und diesen neuen Eindrücken zu einem atmosphärischen Gesellschafts- und Zeitbild, das ich wahnsinnig beeindruckend fand.

Deshalb hätte es für mich die zweite Zeitebene in der Gegenwart, in der Laura Laabs die Schicksale ihrer Protagonistinnen weiterzeichnet, nicht gebraucht. Fast wirkt es als würde die Autorin ihrem Buch eine Erklärung abringen wollen, warum gerade in den östlichen Bundesländern nun rechtsradikale Kräfte wieder an Momentum gewinnen. Aber dafür bleibt meiner Meinung nach insbesondere ihre Erzählerinnenfigur zu schemenhaft.

Abgesehen davon ist Adlergestell jedoch ein tolles Buch, das ich sehr gerne gelesen habe und dessen bildhaft, atmosphärische Sprache mich sehr beeindruckt hat.

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Veröffentlicht am 21.09.2025

so überraschend wie ein Center Schock

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Die Mauer ist gefallen und die große Freiheit ist zum Greifen nah. Laura Laabs erzählt in ihrem Roman Adlergestell von einer Zeit, die von Hoffnung aber auch Erschöpfung geprägt war. Nicht nur das Leben ...

Die Mauer ist gefallen und die große Freiheit ist zum Greifen nah. Laura Laabs erzählt in ihrem Roman Adlergestell von einer Zeit, die von Hoffnung aber auch Erschöpfung geprägt war. Nicht nur das Leben der Erwachsenen änderte sich von heut auf morgen. Sie prägte und formte eine ganze Generation von Nachwendekindern.
Die namenlose Erzählerin reist mit uns in ihre eigene Kindheit, zurück in die Eigenheimsiedlung am Adlergestell, gemeinsam mit ihren beiden besten Freundinnen. Während die Mädchen versuchen ihren Platz in dieser neuen Welt zu finden, bröckelte diese um sie herum und mit ihr ihre Freundschaft. Die ältere Generation leidet noch immer unter Kriegstraumata und die Erwachsenen sind getrieben von einer Mischung aus Freiheit, Aufschwung und Ernüchterung. Es beginnt eine Reise der Aufarbeitung der persönlichen Geschehnisse, um das vermeintliche Ende zu verstehen.

Die Autorin verknüpft geschickt die Vergangenheit mit der Gegenwart und zeigt wie schnell sich alles wandeln kann. Die Nebencharaktere wirken zunächst blass. Deshalb war ich echt überrascht, als einige von ihnen mit ihren persönlichen Gedanken und Lebensgeschichten zu Wort kamen. Diese Erzählungen waren zum Teil sehr bewegend und gaben der Geschichte eine neue Tiefe. Die Geschichte des Adlergestells mit einzubauen gefiel mir richtig gut. Ich traue mich kaum zu sagen aber es hat ewig gedauert, bis ich herausfand, was es mit dem Adlergestell auf sich hatte. Die eingestreuten Werbeunterbrechungen wirken zunächst nostalgisch lustig, wichen aber schnell einem bitteren Nachgeschmack durch deren Interpretationen.
Nach dem Lesen habe wirklich einiges nach recherchiert, da mir einige Fakten einfach unbekannt waren. Ich selbst wurde kurz vor der Wende im tiefsten Osten geboren und etwas später als die drei Mädchen eingeschult. Mir war dennoch vieles von dem Gelesenen vertraut und zog mich in meine eigene Vergangenheit zurück. Ich las meinem Mann im Nachhinein viele Passagen vor. Er war ebenso begeistert und besonders gefielen ihm die einzigartige Ausdrucksweise. Jede Zeit und jeder Charakter bekam einen ganz individuellen Ton. Das Springen zwischen den Zeiten und Charakteren war anfangs etwas wirr für mich, dennoch fand ich mich schnell zurecht. Mein Vater wuchs in dieser Gegend auf und so hörte ich mir natürlich auch seine Sicht der Dinge an. Besonders der optische Wandel ist ihm noch immer im Gedächtnis geblieben.
Da diese Zeit historisch und politisch sehr geprägt war, ist es nicht verwunderlich, dass sich dies auch in diesem Roman widerspiegelt. Von damals bis in die Neuzeit. Mit dem Ende der Geschichte hadere ich etwas. Es wirkt alles im Nachhinein schlüssig aber auch etwas konstruiert.
Adlergestell ist kein Wohlfühlroman. Die Nostalgie, die er auslöst, wird immer wieder unterbrochen. Vieles wirkt komisch aber zeigt gleichzeitig die harte Realität. Wer mit einem nicht linearen Erzählstil kein Problem hat, sollte sich auf diese Reise in die Vergangenheit einlassen.

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Veröffentlicht am 28.08.2025

Toller Nachwenderoman!

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Mit einem Auszug aus ihrem Debütroman “Adlergestell” war die Regisseurin und Autorin bereits zum Ingeborg-Bachmann-Preis 2025 eingeladen. Ich dachte eigentlich auch an einen Nominierung für die Longslist ...

Mit einem Auszug aus ihrem Debütroman “Adlergestell” war die Regisseurin und Autorin bereits zum Ingeborg-Bachmann-Preis 2025 eingeladen. Ich dachte eigentlich auch an einen Nominierung für die Longslist des Deutschen Buchpreises, denn ich fand „Adlergestell“ ist ein toller Nachwenderoman, der aus der Vergangenheit bis in unsere Gegenwart führt.
Der Titel bezieht sich übrigens nicht auf eine Verballhornung von Faberkastell, wie ich als Süddeutsche mit Allgemeinbildungslücken dachte, sondern auf die längste Straße Berlins. Sie verläuft im Bezirk Treptow-Köpenick und begleitet uns als Schauplatz in Laabs Roman durch die Zeitenwende.

An dieser Straße wächst Laabs Ich-Erzählerin und ihre Freundinnen Lenka und Chaline auf.

Zusammen knacken sie Kaugummi Automaten und spielen der Streiche aus der Telefonzelle. Es sind die 90er und der Mauerfall liegt noch nicht lange zurück.
Die Wende versprach für den Osten eine aufregende Zukunft, doch einige Jahre später ist von der Euphorie nicht mehr viel übrig.

„Kinder, deren Eltern plötzlich geschieden waren oder arbeitslos oder beides. Kleine Menschen mit großen Erwartungen, die absehbar zu großen Enttäuschungen werden würden.“

Laabs Roman ist multiperspektivisch aufgebaut, neben den längeren Passagen ihrer kindlichen und später erwachsenen Ich-Erzählerin schiebt sie immer wieder die Perspektiven von Frauen der Eltern- und Großelterngeneration. Tante Nora hat noch den Krieg erlebt, die Mutter von Chaline wurde als Leistungsturnerin von ihrem Trainer im DDR-System missbraucht, um nur zwei Einzelschicksale zu nennen.
Laabs blickt auf das Leben der Frauen, die mit den politischen und gesellschaftlichen Veränderungen umgehen müssen.

„Erst hat die Mauer ihr Leben geteilt in ein Davor und ein Dahinter. Nun teilt der Fall der Mauer ihr Leben in ein Davor und ein Danach.“


Und die Ich-Erzählerin?
Sieht im Fersehen die poppigen Werbespots der 90er. Mit Fairy Ultra und Yogurette soll das Leben zum leichten Traum werden. Laabs zeigt entlarvend die kapitalistischen Werbelügen und Manipulation jener Zeit, die zum Konsum anregen, aber eigentlich nur Unzufriedenheit schüren.

Laabs verwendet immer wieder die Farben Rot, Grün und Blau. Es sind die Farben aus denen sich früher jedes Fernsehbild zusammensetzte. Und in die Farben Rot, Grün und Blau zerfallen die bunte Bilder wieder, wenn du zu nah ran gehst. Es sind die Farben, die du auch auf dem Cover wiederfindest.

„Oder waren wir selbst Geister? Waren wir bereits in unsere kleinsten Atome zerlegt, aufgelöst, verschwunden? Die Perlen trafen den Fußboden, schossen aus dem Zimmer und stürzten die Treppe hinunter - Blau, Rot und Grün - in die dunkle Tiefe. Ins Schwarz.“


Die Erzählerin wird erwachsen und verliert ihre Freundinnen aus den Augen, hat dafür Beziehungen mit Männern. Die Mutter am Adlergestell besucht sie selten.


Mir gefällt die konsequent weibliche Perspektive des Romans, so ganz im Kontrast zur historischen Geschichtsschreibung des Adlergestell, sehr.

„Es scheint, als hätte es nur Männer gegeben am Adlergestell. Doch beinahe unbemerkt schlugen sich auch Frauen hier durch die Geschichte.“

Die Geschichte der Ich-Erzählerin führt mich bis ins Heute, zu den aktuell brennenden Themen unserer Zeit.

Und die letzten Seiten erwischen mich noch so richtig.
„Wie ein Center Shock, mitten durchs Herz.“

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