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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.02.2025

Beeindruckend

Wild wuchern
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Auf nur rund 200 Seiten wird vor uns rasend schnell in Ausschnitten das so unterschiedlich verlaufene Leben zweier Cousinen aufgeblättert, an deren Ende beide auf einer einsamen Almhütte in Tirol vereint ...

Auf nur rund 200 Seiten wird vor uns rasend schnell in Ausschnitten das so unterschiedlich verlaufene Leben zweier Cousinen aufgeblättert, an deren Ende beide auf einer einsamen Almhütte in Tirol vereint sind – die Eremitin Johanna und die Städterin Marie. Etwas Märchenhaftes wohnt der Geschichte inne. Ein klein wenig fühle ich mich an Johanna Spyris Heidi erinnert oder an das Grimmsche Märchen von Frau Holle, mit deren Figuren Goldmarie und Pechmarie sich und die Cousine die eine Protagonistin Marie selbst vergleicht. Beide schleppen Traumata aus der Vergangenheit mit sich herum, die eine aus der Kindheit herrührend, die andere aus ihrem Erwachsenenleben als Ehefrau. Um was es konkret geht, wird erst nach und nach sichtbar, wie es sich für einen guten Roman gehört. Auf jeden Fall sind die Vergangenheiten beider Frauen jede für sich furchtbar und in ihrer Familie wurzelnd. Dazu passend sind die Schilderungen von Naturereignissen in den Bergen und Erlebnisse mit Tieren. Alles ist so bildhaft, dass man sich als Leser in das Geschehen hineinversetzt fühlt. Eigentlich gar nicht so recht zum Thema passend und dennoch so gelungen ist der erfrischende und humorvolle Schreibstil, mit dem die Autorin alles von Marie als Erzählerin schildern lässt. Frisch von der Leber weg, wie ihr der Schnabel gewachsen ist legt sie los. Eingestreut ist viel österreichischer Sprech, den ich immer wieder gerne lese und der die Personen so authentisch macht.
Dieses Buch zu lesen, macht einfach Spaß.

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Veröffentlicht am 16.02.2025

Mandate einer Strafverteidigerin

Dunkle Momente
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Die Autorin lässt in diesem Roman – dem Genre Krimi ist das Buch m.E. eher nicht zuzuordnen – die fiktive Berliner Strafverteidigerin Eva neun Fälle aus ihrem anwaltlichen Berufsalltag schildern. Es handelt ...

Die Autorin lässt in diesem Roman – dem Genre Krimi ist das Buch m.E. eher nicht zuzuordnen – die fiktive Berliner Strafverteidigerin Eva neun Fälle aus ihrem anwaltlichen Berufsalltag schildern. Es handelt sich z.T. um recht bedeutende Mandate und der Leser wird auch mit grausamen Straftaten, z.B. Kannibalismus und Gruppenvergewaltigung, konfrontiert, so dass er das Lesen auch aushalten können muss. Umso unverständlicher mag es einem juristischen Laien erscheinen, wie sehr die Strafverteidigerin bemüht ist, vor Gericht das beste Ergebnis für ihre Mandanten herauszuholen, also milde Urteile, wenn nicht gar Freisprüche. Doch sie selbst erklärt es immer wieder: Ihr Handeln ist ein Gebot der Rechtsstaatlichkeit. Der Leser wird zum Nachdenken darüber angeregt, ob die Täter tatsächlich Schuld auf sich geladen haben oder sie unschuldig sind, ob das abschließende Gerichtsurteil gerecht oder ungerecht ist. Nur in einem Fall hat Evas Verhalten m.E. die zulässigen (auch in berufsrechtlicher Hinsicht) Grenzen überschritten, nämlich als sie einer befreundeten Mandantin Tipps gibt, wie sie eine von ihr begangene Tötung als das perfekte Verbrechen erscheinen lassen kann. Alle Fälle lesen sich leicht, ohne dass in juristisches Kleinklein eingestiegen wird. Endlich auch einmal ein Roman, in dem die Arbeit der Justiz und die in ihr verwendeten Fachbegriffe korrekt wiedergegeben werden, was wohl dem eigenen Werdegang der Autorin als Strafrechtsprofessorin geschuldet ist. Als auflockernd habe ich empfunden, dass die Protagonistin ihre Fälle oft mit Personen aus ihrem Umfeld bespricht und deren Sichtweise einfließt. Nicht zu vergessen sei, dass die Autorin es schafft, den Leser bis zuletzt durch entsprechende Spannung bei der Stange zu halten. Denn das gesamte Buch durchziehen Andeutungen auf ein Mandat Stefan Heinrich, um das es dann erst im letzten Kapitel geht.
Ich spreche eine Leseempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 09.02.2025

Jugend und Rechtsextremismus

Unter Grund
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Dieses Buch passt so gut in die Gegenwart, in der rechtsextremistische Kräfte scheinbar mühelos aufblühen, und sollte deshalb unbedingt gelesen werden, vor allem von jungen Leuten. Es verdeutlicht anschaulich, ...

Dieses Buch passt so gut in die Gegenwart, in der rechtsextremistische Kräfte scheinbar mühelos aufblühen, und sollte deshalb unbedingt gelesen werden, vor allem von jungen Leuten. Es verdeutlicht anschaulich, wie gerade dieser Teil der Bevölkerung empfänglich für die wahnsinnigen Ideen rechter Gruppierungen ist und sich ihnen aus unterschiedlichen Gründen anschließt – als da seien Außenseitertum, Einsamkeit, familiäre Probleme, die Suche nach einer Identität. Das geschieht anhand der jungen Protagonistin Franka, die als 16jährige im Jahr 2006 in einem Dorf in Franken immer tiefer in die rechte Szene abrutschte und den Weg von dieser weg erst durch eine von ihrer Mutter veranlasste Internatseinschulung fand, nachdem sie an der Begehung schwerer Straftaten beteiligt war. Franka verarbeitet diese Zeit zehn Jahre später, als sie als Referendarin mit Schülern einem Prozesstag im sog. NSU-Prozess beiwohnt. Jetzt stellt sie sich den Fragen ihrer Angehörigen in ihrem Heimatdorf und muss erfahren, dass es auch unter ihnen welche gibt, die schlimme Geheimnisse horten. Der Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit ist gelungen, macht er doch die Motive deutlich, die zu Frankas Einstellung führten. Der Text liest sich gut, wenngleich das Thema keine leichte Kost ist.
Es ist ein wichtiges Buch, das ich sehr empfehle.

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Veröffentlicht am 06.02.2025

Nichts Besonderes

Shanghai Story
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Der Roman hat mich enttäuscht zurückgelassen. Auf dem Buchrücken wird er als außergewöhnlicher Debütroman angepriesen und lobend hervorgehoben, dass er einen ungewöhnlichen Kunstgriff wagt, nämlich eine ...

Der Roman hat mich enttäuscht zurückgelassen. Auf dem Buchrücken wird er als außergewöhnlicher Debütroman angepriesen und lobend hervorgehoben, dass er einen ungewöhnlichen Kunstgriff wagt, nämlich eine Geschichte rund um die Familie Yang rückwärts erzählt vom Shanghai des Jahres 2040 bis zum Jahr 2014. Deshalb habe ich erwartet, am Anfang der Geschichte von einem besonderen Ereignis zu lesen, das sich in den Vorjahren aufklärt. Tatsächlich aber war jedes Kapitel eine kurze Abhandlung über einzelne Familienmitglieder. Alle Kapitel zusammen genommen reihten sich lose aneinander, ohne dass sie von einem Band zusammengehalten wurden. Aufgrund des Buchtitels habe ich zudem erwartet, etwas über die Stadt Shanghai zu lesen, was auch nicht der Fall war. Als merkwürdig habe ich schließlich empfunden, Ereignisse aus dem Jahr 2040 zu lesen, ohne dass mir diese Zeit als futuristisch dargestellt wurde. Die Romanfiguren empfand ich als unsympathisch, vermisst habe ich, in folgenden Kapiteln Fortsetzungen über bereits eingeführte Randfiguren zu lesen.

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Veröffentlicht am 06.02.2025

Sehnsucht nach Wohlstand

Bis die Sonne scheint
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Wie sich dem Nachwort entnehmen lässt, hat der Roman autobiografischen Inhalt. Der Autor gibt in Gestalt des Ich-Erzählers Daniel, einem Dreizehnjährigen, seine Familiengeschichte wieder. Für mich persönlich ...

Wie sich dem Nachwort entnehmen lässt, hat der Roman autobiografischen Inhalt. Der Autor gibt in Gestalt des Ich-Erzählers Daniel, einem Dreizehnjährigen, seine Familiengeschichte wieder. Für mich persönlich war diese besonders interessant, da die Familie in den 1970er/1980er Jahren genau wie ich im niedersächsischen Umland von Bremen lebte, so dass mir zum einen viele Örtlichkeiten aus eigener Anschauung bekannt waren und zum anderen viele zeittypische Dinge für mich einen schönen Wiedererkennungs- und Erinnerungswert hatten (z.B. die Automodelle, Fernsehfilme, Haushaltsgegenstände, Briefmarken, Luftpostbriefe u.v.a.m.). Der Werdegang der Familie ist vielleicht gar nicht so ungewöhnlich für eine Elterngeneration, die gleich nach dem Krieg geboren wurde von Eltern, die Flucht und Vertreibung mit den einhergehenden Entbehrungen erlebt hatten, und die sich etwas Wohlstand aufbauen wollte. Dass Daniels Eltern nicht mit Geld umgehen konnten und auch aufgrund äußerer schwieriger wirtschaftlicher Bedingungen mit ihren Geschäftsideen scheiterten, ist so ungewöhnlich nicht. Fast schon humorvoll mutet es dann an, immer wieder zu lesen, wie der Schein nach außen hin gewahrt zu werden hatte und das letzte Kleingeld für weitere Luxusanschaffungen verwendet wurde.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich empfehle es Lesern mit Interesse an Familiengeschichten.

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