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Veröffentlicht am 22.05.2026

Spannende Jagd

Schlafende Vulkane
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Helga Jónsdóttir junge Ermittlerin im Dezernat für Gewaltverbrechen wird zu ihrem ersten Fall gerufen - eine Frau wurde nackt und tot in der Box eines Pferdestalls in der Nähe von Reykjavik gerufen. Als ...

Helga Jónsdóttir junge Ermittlerin im Dezernat für Gewaltverbrechen wird zu ihrem ersten Fall gerufen - eine Frau wurde nackt und tot in der Box eines Pferdestalls in der Nähe von Reykjavik gerufen. Als sie zum Haus der Toten fährt, um nach ihrem Sohn zu sehen, ist dieser nicht auffindbar und Verteidigungs- bzw. Fluchtspuren werden gefunden. Der gewalttätige Vater gerät unter Verdacht und man muss den Jungen in der kalten Vulkanlandschaft rasch finden. Barjki, ein Verkehrspolizist und Mitglied einer Rettungsorganistation, soll bei der Suche helfen. Bald taucht eine weitere Leiche auf, und bald wird klar, dass der Täter sehr akribisch vorgeht.

Neben dem eindrucksvollen Coverbild hat mich bei diesem Buch vor allem die Tatsache angesprochen, dass ich die Reihe von Hjorth & Rosenfeldt sehr genossen habe.

Man taucht hier sehr rasch in die Geschichte ein, lernt nur mit kurzem Vorgeplänkel das Ermittlerduo samt umstehenden Polizeiapparat kennen. Das Tempo ist hoch, natürlich auch weil die Suche nach dem Jungen drängt. Aber auch die kurzen Kapitel mit wechselndem Blickwinkel tragen gut dazu bei.

Man merkt Helga an, dass sie der schwedische Neuling im Ermittlerteam ist und teilweise noch etwas unsicher wirkt. Nichtsdestotrotz ist sie sehr engagiert und hängt sich voll in die Ermittlungen. Wer tauscht schon einfach so Kleidung mit einem Streifenpolizisten, um gleich einsatzbereit zu sein. Barijki ist dagegen schon ein alter Hase in seinem Milieu, der beruflich etwas hinter seinem Können eingesetzt ist und vor allem Islands Landschaft kennt und liebt. Jeder der beiden trägt sein so genanntes Päckchen und irgendwie schafft sich das Duo trotz Skepsis zusammenzuraufen – methodisches Arbeiten trifft Bauchgefühl.

Man erkennt auch wie schwer es Neulinge manchmal im Team haben und es auch ab und an Personen gibt, die sich etwas querstellen. So unsympathisch das manchmal ist, ist es dennoch sehr realistisch. Genauso auch die im Hintergrund ablaufenden Themen wie Kompetenzen, Hierarchie, Budget und Befehlsketten.

Island und die Besonderheiten in Landschaft und in der Struktur der Abläufe in diesem Land finden Eingang in das Buch. Vulkanlandschaft, Natur und Wildnis werden gut und atmosphärisch geschildert. Für mich trägt all das zur düsteren Stimmung im Buch bei, wobei ich zugeben muss, dass das bei jedem Krimi bzw. Thriller der Fall ist, der im Norden spielt.

Für mich ein solider Auftakt zu einer neuen Thriller-Reihe. Ich freue mich definitiv schon auf die Fortsetzung.

Veröffentlicht am 21.05.2026

eine Gesellschaftskritik transportiert durch eine spannenden Idee

Mit anderen Augen
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Eines Morgens bemerkt Tilda Finch, 52 Jahre alt, dass sie ihren kleinen Finger nicht mehr sehen kann, aber ihn noch spürt. Nach einigen Untersuchungen bei Ärzten steht fest, sie leidet unter Unsichtbarkeit. ...

Eines Morgens bemerkt Tilda Finch, 52 Jahre alt, dass sie ihren kleinen Finger nicht mehr sehen kann, aber ihn noch spürt. Nach einigen Untersuchungen bei Ärzten steht fest, sie leidet unter Unsichtbarkeit. Eine Krankheit, die vor allem Frauen ab einem bestimmten Alter betrifft und in verschiedenen Stadien auftritt – man wird übersehen, Körperteile verschwinden und schließlich verschwindet man selbst. Eine wirkliche Heilung ist nicht bekannt, allerdings scheint die Krankheit auch kaum erforscht zu sein. Tilda erkennt, wie sie über die Jahre ihre eignen Wünsche und Emotionen zurückgestellt hat und wie auch ihre eigene Kindheit sie beeinflusst. Auf Anregung ihrer Freundin, beginnt sei bei Selma, einer Vorreiterin in diesem Bereich, eine Therapie.

Ein Buch, das ein Thema aufgreift, dass auch in der Realität wirklich auftritt, jedoch hier mit etwas mehr künstlerischer Freiheit. Man erkennt, dass Frauen oft sehr strikt mit sich selbst sind, was Aussehen und Erwartungen betrifft. Oft auch übersehen werden, und um des Friedens willen so manches hinnehmen.

Hier begleitet man Tilda auf einer Reise in ihre eigene Vergangenheit und generell zu sich selbst. Man merkt, wie schwer ihr der Einstieg fällt und wie mutlos sie auf Grund der Erkrankung auch teilweise ist. Selma hält ihr einen Spiegel vor und regt sie zu einer Reise zu sich selbst an, die auch unangenehm und schwierig für Tilda ist. So z.B. der Weg in die Meditation, etwas das Tilda bisher belächelt hat.

Generell ist der Schreibstil leicht, humorvoll und flüssig, so dass man sich leicht in Tilda und ihre Lieben hineinfühlen kann. Die Charaktere, auch die Nebencharaktere starten sehr stark, leider verliert man so manche im Laufe der Geschichte. Leider wird auch das Konstrukt der Unsichtbarkeit nicht immer konsistent geschildert, oder war zumindest von mir ab der zweiten Hälfte nicht mehr vollumfänglich zu verstehen.

Ein Roman, der den Fokus auf ein wichtiges Thema richtet, jedoch für mich nicht vollkommen logisch war in seiner Erzählwelt.

Veröffentlicht am 14.05.2026

Cozy Crime an der schottischen Küste

Mord & Breakfast
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Melody Moss Leben verändert sich schlagartig. Sie erfährt, dass sie ein Bed and Breakfast von ihrer Tante Mable geerbt hat und verliert zur selben Zeit ihren Job als Journalistin in London. Im malerischen ...

Melody Moss Leben verändert sich schlagartig. Sie erfährt, dass sie ein Bed and Breakfast von ihrer Tante Mable geerbt hat und verliert zur selben Zeit ihren Job als Journalistin in London. Im malerischen schottischen Küstenort Seagull Bay erkundet sie ihr Erbe und erkennt rasch, dass ihre Tante Mable mit der sie lange keinen Kontakt hatte, wohl nicht sehr beliebt war. Weiters erscheint Melody der Tod ihrer Tante seltsam – ein Sturz von der Steilklippe vor ihrem Bed and Breakfast. Rasch erwacht ihr kriminalistischer Spürsinn.

Der Schreibstil ist flüssig und man ist überrascht welche Wendungen ein Fall in einem so beschaulichen Ort alles nehmen kann. Man rätselt mit, wirft Theorien über den Haufen und ist schlussendlich mit einer schlüssigen Aufklärung konfrontiert. Großes Gruseln darf man sich nicht erwarten, es ist eben ein solider Cozy-Crime, aber es ist ein solider Fall.

Melody Moss, die zu Beginn alles andere als begeistert von der Idee ist eine Unterkunft zu leiten, und am liebsten sofort verkaufen möchte, macht im Laufe der Geschichte eine bravouröse Verwandlung durch. Sie erkennt welche Chance sich hier auftut und legt den typischen Londonblickwinkel ab, denn immerhin kommt man mit dem nicht dauerhaft gegen die schottische Ruhe an. Ich habe Melody im Laufe der Geschichte immer mehr ins Herz geschlossen, wie auch die gefräßige Bulldogge Cheddar. Und auch in Liebesdingen knistert es etwas – trifft Melody doch den frechen Spielgefährten aus ihrer Kindheit wieder – nun als attraktiven Gärtner Dean.

Auch die treffende Gestaltung des Covers möchte ich nicht unerwähnt lassen, erlaubt das Bild es einen doch sich den Ort gut vorstellen zu können. Als Schottlandliebhaberin fand ich schön wie detailreich es eben auf den Ort der Handlung abgestimmt ist.

Ein Cozy-Crime in einer wundervollen Landschaft an der schottischen Küste, sodass man auch gleich dort einchecken möchte. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung.

Veröffentlicht am 14.05.2026

Ratgeber mit Bildbandpotential

Blütenpracht und Ernteglück – Dein Weg zum Traumgarten
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Blütenpracht und Ernteglück ist ein sehr schön gestalteter Ratgeber mit Illustrationen, Fotographien und informativen Texten. Neben der Möglichkeit schlicht im Buch zu Schmökern wie in einem Bildband, ...

Blütenpracht und Ernteglück ist ein sehr schön gestalteter Ratgeber mit Illustrationen, Fotographien und informativen Texten. Neben der Möglichkeit schlicht im Buch zu Schmökern wie in einem Bildband, vermittelt das Buch allerdings auch natürlich Wissen zu gartenrelevanten Themen. Der Umfang der Themen der angeschnitten wird ist doch sehr umfangreich – Grundlagen der Gartenarbeit, Pläne zur Gartengestaltung, Hinweise zum Aussaatzeitpunkt, eine Auswahl an Pflanzenporträts und Tipps zur Pflege von Pflanzen.

Ein ambitioniertes Werk, das jedoch einen schönen Überblick bietet und damit Neulingen sicher den Einstieg ins Gärtnern erleichtert. Die Texte sind leicht verständlich und man hat definitiv einen schönen Leitfaden in der Hand. Auch das Glossar für die Verwendung als Nachschlagewerk hilfreich. Im Prinzip ist es eine schöne Anleitung für verschiedene Themen, so als würde einen die Autorin an die Hand nehmen. Es zeigt, wie einfach es sein kann einen Nutzgarten mit einem Blütenmeer zu kombinieren, etwas dass doch sehr nachhaltig ist.

Auch erfahrene Gärtnern kann das Buch natürlich als Inspirationsquelle dienen – die Pflanzpläne und den Aussaatkalender mit entsprechenden Partnerangaben fand ich hier gelungen – jedoch werden sie wahrscheinlich eher auf spezialisierte Bücher für ihre Probleme zurückgreifen.

Man mag die geringe Anzahl an vorgestellten Pflanzen kritisieren, doch ich finde es von der Autorin sehr ehrlich nur diese Pflanzen vorzustellen, mit denen sie auch selbst Erfahrung hat.

Fazit: ein schön gestaltetes Buch, dass ich vor allem den Garteneinsteigern ans Herz legen würde

Veröffentlicht am 13.05.2026

skurrile Charaktere und britischer Humor - garniert mit Spannung

Mord in der Pension Möwennest
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Man schreibt das Jahr 1954. Nora Breen kehrt nach dreißig Jahren als Nonne ihrem Kloster den Rücken und zieht in ein Zimmer der Pension Möwennest in einem pittoresken Küstenstädtchen Gore-on-Sea gelegen. ...

Man schreibt das Jahr 1954. Nora Breen kehrt nach dreißig Jahren als Nonne ihrem Kloster den Rücken und zieht in ein Zimmer der Pension Möwennest in einem pittoresken Küstenstädtchen Gore-on-Sea gelegen. Hier war Frieda ehemalige Novizin des Klosters vor ihr untergebracht, doch sie ist spurlos verschwunden. Schließlich wird auch noch einer der Gäste tot aufgefunden – der Inspector geht von einem Suizid aus, doch Nora zweifelt daran und startet selbst Ermittlungen.

Dieser Krimi, der mich an Miss Marple erinnert hat, vermittelt rasch britisches Feeling: die Liebe zum Tee, eine Küstenstadt mit etwas skurrilem Namen und auch sehr skurrile Charaktere mit dem man vielleicht so manches Klischee füttert. Auch der Tatsache, dass der Roman knappe zehn Jahre nach dem Ende des Weltkrieges spielt und die ehemals glamourösen Küstenorte nicht mehr so populär sind, wird kunstvoll eingearbeitet. Welches bessere Setting als ein in die Jahre gekommene und eigentlich schon etwas schmuddelige Pension mit einer herrischen Pensionsangestellten und eben skurrilen Gästen. Jeder Gast scheint sein eigenes Geheimnis zu haben, so wie auch Nora.

Die Charaktere und das Setting sind gut ausgearbeitet und man schafft es rasch eine Verbindung zu Nora aufzubauen. Man kann nachvollziehen, wie schwer es ist nach dreißig Jahren nicht mehr die gewohnte Umgebung, um sich zu haben und ist gleichzeitig auch überrascht über ihren Witz und Unerschrockenheit ja sogar Forschheit – wer hätte das von einer ehemaligen Nonne erwartet.

Auch ich brauchte etwas, um mich an den doch sehr detaillierten Schreibstil der Autorin zu gewöhnen. Jedoch war ich nach einigen Seiten umso begeisterter davon, da ich wirklich in das Buch abtauchen konnte. Wäre der Schreibstil anders wäre ich nicht so sehr in diese skurrile Situation abgetaucht und hätte wahrscheinlich weniger Gelegenheit gehabt viel vom britischen Humor mitzunehmen.

Die Mischung des Romans war perfekt – Humor, Exzentrik aber auch ernste Stellen und eine detaillierte und glaubwürdige Auflösung des Falles. Ich freue mich schon auf den nächsten Band.