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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.08.2025

detailreicher, historischer Krimi in den Wiener Ziegelwerken

Gesetz des Midas – Wiener Abgründe
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In Wien des Jahres 1881 liegen nach einem Attentat auf den Zarn die Nerven blank, da man Angst hat, dass ähnliches auch um die Hochzeit des Thronfolgers ereignen könnte. Zwar wird dem Polizeipräsidenten ...

In Wien des Jahres 1881 liegen nach einem Attentat auf den Zarn die Nerven blank, da man Angst hat, dass ähnliches auch um die Hochzeit des Thronfolgers ereignen könnte. Zwar wird dem Polizeipräsidenten von allen möglichen Seiten versichert diverse Unruhestifter u.a. die Sozialisten durch Unterwanderung unter Kontrolle zu haben, jedoch glaubt dieser es nicht. Nach einem Todesfall am Wienerberg, der wohl doch rätselhafter ist, als er zunächst scheint, beauftragt Marx seinen geheimen Sonderermittler Leopold Kern. Dieser versucht mit verschiedenen Rollen den Geheimnissen der Ziegelwerke am Wienerberg auf den Grund zu gehen.

Eines vorneweg - dieser Band lässt sich auch gut ohne Kenntnis der Vorgängerbände lesen.

Sehr detailreich und ungeschönt werden die Probleme der Arbeiter in den Ziegelwerken, der Ziegelböhmen, geschildert. Der Ermittler taucht in diese Abgründe ein und der Autor liefert de facto damit über weite Strecken eher eine tragische Milieustudie als einen alleinigen Krimi. Die Sprache ist authentisch und der Zeit und der Situation angepasst. So manche Ausdrücke und Berufsfelder sind auch mir, einem Wiener nicht mehr geläufig. Besonders schön fand ich, dass trotz all der Fiktion diverse historische Fakten eingearbeitet wurden wie Dr. Viktor Adler.

Die Geschichte hat durch die detaillierte Schilderung der Situation der Arbeiter definitiv ihre Längen, hat aber einen sukzessiven Spannungsbogen bis zur letzten Seite. Doch durch all die Schilderungen der verschiedenen Bevölkerungsschichten in Wien ist er dennoch so viel mehr als ein reiner Krimi. Ein Wien in der Ringstraßenära das glänzt und elegant aber für viele Schichten auch gefährlich und durch Not gekennzeichnet ist.

Die Figuren fand ich ansprechend und sympathisch, auch wenn sie nach der klassischen Definition keine netten Personen sind. Man würde wohl eher sagen, sie sind halt Originale. Leopold Kern ist wohl eher ein Antiheld als Held, u.a. wegen seiner Handlungen und seines Schicksals.

Das Buch ist definitiv zu empfehlen, wenn man historische Krimis mag die gesellschaftliche und politische Probleme aufgreifen.

Veröffentlicht am 03.08.2025

Eine Mischung aus Anekdoten und Tipps

Reisefieber
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Achtung dieses Buch kann Reiselust auslösen.

Ich kannte die Autorin, Julia Finkernagel nicht bevor ich dieses Buch gelesen haben. Die Autorin – Reisejournalistin und in einer TV Serie Ostreise aktiv, ...

Achtung dieses Buch kann Reiselust auslösen.

Ich kannte die Autorin, Julia Finkernagel nicht bevor ich dieses Buch gelesen haben. Die Autorin – Reisejournalistin und in einer TV Serie Ostreise aktiv, verbindet in diesem Buch nun Anekdoten aus ihren eigenen Reisen mit Tipps für die eigene Zukünftigen Reisen.

Der Schreibstil ist locker, eher wie ein Gespräch in einem Café zwischen Bekannten über zukünftige und vergangene Reisen. Die Anekdoten und Erfahrung machen es spannend zu lesen. Die Erfahrungen sind natürlich immer subjektiv und sind nicht auf jeden Reisenden und jeden Reisesstil anwendbar.

Ein kurzweiliges Buch, das Lust aufs Reisen macht durch die entsprechenden Anekdoten. Natürlich kommen auch immer wieder Tipps. Für Vielreisende wird dabei denke ich nicht allzu viel neues dabei sein.

Veröffentlicht am 03.08.2025

Die nicht so Goldenen Zwanziger

Nacht über Soho
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London im Jahr 1926 erholt sich von den Schrecken des Krieges. Das Nachtleben in London ist berühmt und zieht viele verschiedene Personen an- von Adeligen über Gangstern zu korrupten Polizisten und allen ...

London im Jahr 1926 erholt sich von den Schrecken des Krieges. Das Nachtleben in London ist berühmt und zieht viele verschiedene Personen an- von Adeligen über Gangstern zu korrupten Polizisten und allen Facetten dazwischen.

In Soho betreibt Nellie eine Kette von sechs Nachtclubs. Sie hat sich dies hart selbst erarbeitet und möchte, dass auch ihre sechs Kinder davon profitieren. Jedoch ist ein Leben als Besitzerin diverser Nachtclubs nicht im ruhigen Fahrwasser angesiedelt und so wird Nellies Imperium von verschiedenen Seiten bedroht. Chief Inspektor John Frobisher, beauftragt auf seinem Revier für Ordnung zu sorgen, möchte erfahren, was mit all den im Nachtleben verschwundenen jungen Mädchen geschehen ist. Dazu bittet er die ehemalige Bibliothekarin Gwendolin, die die Tochter einer Freundin sucht, sich in Nellies Clubs umzusehen.

Die Geschichte wird mit viel Witz und Liebe zum Detail erzählt. Die so genannten Goldenen Zwanziger und teilweise auch die Kriegszeit werden von verschiedenen Facetten aus beschrieben. Die Dialoge sind spritzig und auf den Punkt. Ich wurde regelrecht in die Geschichte gesaugt und leibte vor allem die akkurate Beschreibung Londons.

Man wird in der Geschichte mit vielen Charakteren konfrontiert und zu Beginn wäre speziell für die Familie von Nellie ein Stammbaum gut gewesen bzw. ein Storyplot um die Beziehungen der Charaktere zu verstehen. Kapitelweise wechselt der Erzählpunkt zwischen den verschiedenen Personen. Auch wenn es generell nicht immer einfach ist mit vielen Charakteren, sind sie hier durch markante Beschreibungen und ihre eigenen Wege, meiner Meinung nach gut unterscheidbar.

Wer gerne tief in ein London der vielleicht nicht so Goldenen Zwanziger eintaucht, mit all den schillernden Charakteren ist hier definitiv richtig.

Veröffentlicht am 03.08.2025

ein solider Krimi mit einem verstörendem Motiv

Gerächt sein sollst du
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In einem kleinen finnischen Küstenort wird die Leiche des siebzehnjährigen Jonas im Wasser gefunden. War es Selbstmord? Die Journalistin Evi Manner begleitet den Fall für die örtliche Zeitung und trifft ...

In einem kleinen finnischen Küstenort wird die Leiche des siebzehnjährigen Jonas im Wasser gefunden. War es Selbstmord? Die Journalistin Evi Manner begleitet den Fall für die örtliche Zeitung und trifft dabei auf den Kriminalkommissar Mats Bergholm, ihre ehemalige Jugendliebe.

Die Geschichte wird aus wechselnder Perspektive erzählt– vor allem aus der Perspektive der Journalistin und des Kriminalkommissars. Zwischenzeitlich sind Tagebucheinträge eingeflochten, deren Autor einem jedoch erst gegen Ende klar wird. Angenehm fand ich, dass die Kapitel doch kurzgehalten sind. Neben der Hauptgeschichte verleihen auch das Einflechten der persönlichen Geschichten und Beziehung der beiden Ermittler eine gewisse Spannung.

Ich würde den Roman als soliden Krimi bezeichnen. Die Handlung der Ermittlung ist nicht sonderlich mit Nervenkitzel gespickt, das Verbrechen und das Motiv, das dahintersteht, sind jedoch umso mehr verstörend. Die Atmosphäre ist beizeiten auch sehr bedrückend und düster. Viele aktuelle gesellschaftliche Probleme werden aufgegriffen, so dass es einem beim Lesen sicher nicht kalt lässt.

Weiters muss noch die gelungene Buchgestaltung erwähnt werden, die das schöne düstere Cover auf die Seiten übernimmt.

Ich freue mich definitiv schon auf das nächste Buch der Autorin.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.07.2025

Online Omi macht Wahlkampf im Dorf

Ihr habt es gut, ihr habt ja mich
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Renate Bergmann zieht es von Berlin aufs Land. Zuerst nur um ihren Neffen Stefan zu unterstützen, doch bald konfrontiert sie den Bürgermeister Brunner mit ihren Verbesserungsvorschlägen. Dieser entgegnet ...

Renate Bergmann zieht es von Berlin aufs Land. Zuerst nur um ihren Neffen Stefan zu unterstützen, doch bald konfrontiert sie den Bürgermeister Brunner mit ihren Verbesserungsvorschlägen. Dieser entgegnet ihr, dass sie doch als Bürgermeisterin kandidieren soll. Dies lässt sich die rüstige zweiundachtzigjährige natürlich nicht zweimal sagen und kandidiert für den Gemeinderat.
Ein weiteres Buch von/über die Berliner Rentnerin Renate Bergmann und ihren Erlebnissen im Alltag. Trotz ihrem Alters- immerhin zweiundachtzig Jahre- versucht ist Renate am Puls der Zeit unterwegs und lässt sich nichts vormachen. Renate hat zu allem eine Meinung und kreidet auch so etliche Probleme an. – immer aus der Sicht einer Seniorin natürlich. Manchmal schweift die Geschichte auch etwas ab, wie man es wohl auch von seiner eigenen Oma kennt.
Der Thema Wahlkampf kam für mich fast etwas zu kurz, viel mehr ist es ein Buch bei dem Renate Bergmann in das Leben auf dem Dorf eintaucht und Besonderheiten davon schildert. Die Vetternwirtschaft, die man sich so von kleinen Dörfern vorstellt, wird passend aufgenommen und auch das Spannungsfeld von Zugezogenen in Neubaugebieten.
Generell ist der Schreibstil entsprechend den vielen Vorgängerbänden. Mit viel Humor, auch dank der überzeichneten Charaktere. Diverse Weisheiten und Anekdoten aus den Vorgängerbüchern wiederholen sich, natürlich um neuerlich ein passendes Bild der Figur zu vermitteln.

Ein typischer Roman von Renate Bergmann, den man auch gut lesen kann, ohne die Vorgängerbände zu kennen. Eine Leseempfehlung wenn man beim Lesen gerne schmunzelt und sich wundert.