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Veröffentlicht am 13.09.2025

Matti verschwunden

Die Farbe des Schattens
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Eigentlich sollte der elfjährige Matti Beck nur ein paar letzte Einkäufe erledigen. Und dann kommt er einfach nicht wieder. Die Eltern sind schnell besorgt und beginnen nach ihrem Jungen zu suchen. Leider ...

Eigentlich sollte der elfjährige Matti Beck nur ein paar letzte Einkäufe erledigen. Und dann kommt er einfach nicht wieder. Die Eltern sind schnell besorgt und beginnen nach ihrem Jungen zu suchen. Leider erfolglos. Die Polizei wird eingeschaltet und Kommissar Arno Groth wird mit den Ermittlungen betraut. Im Jahr 1992 sind in Mecklenburg-Vorpommern die Folgen der Wende zu spüren. Nicht alle empfinden die Zeit als positiv. Die Lage ist sowieso nicht gut und nun wird auch noch ein Kind vermisst. Irgendwie jedoch hat der Täter genau den Moment erwischt, in dem keiner aufgepasst hat.

Auch in seinem zweiten Fall fragt sich der als Aufbauhelfer in den Osten gekommene Kommissar Groth noch, ob er denn nun am Ziel ist. Well er bleiben oder zurück? Erstmal muss er das allerdings beiseite schieben. Der Junge ist viel wichtiger als persönliche Befindlichkeiten. Und doch bleibt er verschwunden. Die fieberhafte Suche ändert nichts daran. Kommissar Groth und seine Kollegen versuchen den Tag von Matti zu rekonstruieren. Der Junge wirkte still, aber sehr selbstständig. Liegt das an seiner Familie? Der Vater arbeitslos, die Mutter sorgt als Krankenschwester für das Finanzielle. Der große Bruder ist bei der Bundeswehr, der Kleine ist eben klein, aber pfiffig.

Nach der Wende wissen die Menschen, dass sie die Freiheit gewollt haben und sie wissen, was sie verloren haben. Durch die großen Umbrüche scheint aber unklar, was sie gewonnen haben. Und so kommt Kommissar Groth relativ schnell damit in Berührung, dass sich zum Teil gerade auch unter den Jungen ein rechtes Milieu bildet. Die behaupten immerhin, sie wüssten Bescheid und würden alles ändern. Falsch, aber sie bedienen den Wunsch nach der Anleitung oder Bevormundung, die wohl jedes diktatorische System zu bieten hat. Doch vor Verbrechen hat auch die ehemalige DDR nicht bis ins Detail geschützt. Und so ahnt Kommissar Groth, der immer noch um seine Tochter trauert, nicht was auf ihn zukommt. Langsam und präzise ermittelt er und er folgt im richtigen Moment seinem Baugefühl. Die melancholische Grundstimmung entspricht dabei seiner eigenen Gemütslage. Wo passt Groth besser hin, in den Osten, wo er auch herstammt, oder in den Westen, wo er lange gewissenhaft gearbeitet hat, wo er aber auch seine Tochter verlor? Wie wird sich Mattis Schicksal klären? Mit einer überraschenden Wendung, die etwas über den Täter sagt, aber auch über den ehemaligen Staat. Ein packender Krimi, den zur Lektüre gerne empfohlen wird.

Das Cover passt sehr gut zu dem winterlichen Setting und der ein wenig düsteren Grundstimmung.

4,5 Sterne

Veröffentlicht am 07.09.2025

Auslandskorrespondent

Deine Margot
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Nach der Beerdigung ihres Vaters findet Vilja alte Briefe, die ihr Vater mehr als zwanzig Jahre aufbewahrt hatte. Ihre Mutter reagiert abweisen als Vilja fragt, was die Briefe zu bedeuten haben. Wer soll ...

Nach der Beerdigung ihres Vaters findet Vilja alte Briefe, die ihr Vater mehr als zwanzig Jahre aufbewahrt hatte. Ihre Mutter reagiert abweisen als Vilja fragt, was die Briefe zu bedeuten haben. Wer soll ihren Vater als Erich angeredet haben und unterschrieb mit Margot? Als sie ein Kind war hat Viljas Familie eine zeitlang in Ost-Berlin gewohnt. Noch vor der Wende sind sie wieder zurück in ihre Heimat nach Finnland gezogen. Vilja macht sich auf den Weg nach Berlin, um Spuren ihrer Eltern aufzuspüren. Es ist 2011 und nach der langen Zeit ist es schwierig etwas zu finden. Vilja lässt aber nicht locker.

Eine junge Finnin reist in ihre eigene Vergangenheit und damit auch in die damals noch existierende DDR, von deren Untergang im Jahr der Ankunft 1981 noch nichts zu ahnen war. Markus, Viljas Vater war Journalist bei einer sozialistischen finnischen Zeitung. Er wollte berichten, wie gut es in dem sozialistischen Deutschland läuft. Markus findet schnell Kontakt in Ost-Berlin, seiner Frau Rosa fällt das nicht so leicht, doch auch sie findet eine gute Freundin. Vilja ist zu diesem Zeitpunkt erst zwei Jahre und ihr Bruder Matias vier.

Eine richtig coole Idee ist es, die Wendezeit mal von außen zu betrachten. Eine finnische Autorin, die in ihrer Kindheit tatsächlich in Ost-Berlin lebte, schreibt über eine Kindheit im Osten Deutschlands, über eine Familie, einen Auslandskorrespondenten und verschiedene Bürger der DDR. Es entspinnt sich eine Familiengeschichte, die spannend ist, aber auch einige Rätsel aufgibt. Dazu wird über die damals aktuelle politische Lage berichtet. Die Menschen, die in Ost-Berlin lebten, waren danach recht zufrieden mit ihrem Leben. Aus heutiger Zeit fragt man sich schon, in welchen Kreises sich Menschen aus dem Ausland bewegen durften, auch wenn sie eine sozialistische Einstellung hatten. Die Darstellung wirkt etwas verklärend. Die Geschichte von Viljas Familie ist dagegen, wenn auch manchmal etwas zu ausführlich, so doch grundsätzlich spannend und dramatisch. Ob man dem allen jedoch so folgen kann, wenn man die Wendezeit bewußter erlebt hat, muß man beim Lesen selbst entscheiden. Anstaunten eine tolle Idee, aus der sich eine fesselnde Geschichte entwickelt.

Veröffentlicht am 05.09.2025

Das Gabelfrühsstück

Hab und Gier
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Die Bibliotheksmitarbeiterin Karla wollte früher in Rente gehen und nun ist sie 63 und rechnet nicht damit, dass sich in ihrem Leben viel ändern wird. Unerwartet nimmt ihr ehemaliger Kollege Wolfram Kontakt ...

Die Bibliotheksmitarbeiterin Karla wollte früher in Rente gehen und nun ist sie 63 und rechnet nicht damit, dass sich in ihrem Leben viel ändern wird. Unerwartet nimmt ihr ehemaliger Kollege Wolfram Kontakt mit ihr auf. Er ist schwer krank und möchte, dass Karla ihn bis zum Tod begleitet. Je nachdem wie intensiv sie sich um ihn kümmert, hat sie entweder ein kleines, mittleres oder das ganze Erbe zu erwarten. Allerdings für das ganze Erbe soll Karla Wolfram umbringen. Mit dem Gedanken tut sie sich dann doch schwer. Aber Wolframs Haus ist toll. Also fängt Karla erstmal an, ihm kleine Dienste zu erweisen.

Wie soll Karla denn mit so einem Wunsch klarkommen? Zum Glück muss sie nicht bis zum letzten gehen, sie kann sich ja auch mit dem kleineren Erbe begnügen. Wenn nur dieses Haus nicht so toll wäre, viel besser als ihre Mietwohnung und sogar mit Garten. Karla berät sich mit ihrer Freundin Judith, die etliche Jahre jünger ist und noch in der Bibliothek arbeitet. Da fachsimpeln die beiden Frauen, wie weit man gehen kann oder möchte. Ob es weitere Erben geben könnte. Und Wolfram erzählt von seiner seltsamen Ehe und dem Missrauen seiner Nichte gegenüber. Diese hat sich auch noch nie blicken lassen.

Mit feinsinnigen und manchmal bitterbösem Humor hält Ingrid Noll ihrer Karla eine Mohrrübe vor die Nase. Was würde sie alles tun, um das Erbe zu bekommen? Man sollte annehmen, dass sie das Meiste mit sich selbst ausmacht. Aber ihrer Freundin Judith gegenüber offenbart sie sich doch. Was für Folgen hat das denn? Da ist man manchmal echt erstaunt. Für einen kurzen Moment kommt man auf ganz wirre Gedanken, denen die Autorin bald einen Riegel vorschiebt. Doch was sie sich selbst für schräge Ideen ausdenkt, toppt die Eigenen bei weitem. Man wundert sich, wie die Dinge gehen und wer in Gefahr gerät. Und am Ende schließt man mit einem Lächeln, weil doch irgendwie alles stimmig war. Erzählt wird die Geschichte von Karla, der die Leserin Uta Hallant, die leider schon verstorben ist, eine ureigene Stimme verleiht.

Veröffentlicht am 04.09.2025

Bootspartie

Mrs Potts' Mordclub und der Tote in der Themse
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Judith Potts und ihre Freundinnen sind mal wieder auf der Fahndung nach einem Mörder. Das dürfen sie eigentlich nicht, schließlich wollen sie Inspector Tanika Malik nicht in Schwierigkeiten bringen. Judith ...

Judith Potts und ihre Freundinnen sind mal wieder auf der Fahndung nach einem Mörder. Das dürfen sie eigentlich nicht, schließlich wollen sie Inspector Tanika Malik nicht in Schwierigkeiten bringen. Judith kann ja nichts dafür, dass Verity Beresford zu ihr gekommen ist, weil sie sich um ihren Mann Oliver sorgte. Und genau dieser Oliver wird kurz darauf tot am Fluss aufgefunden. Verity und Oliver gehören zu der Laienschauspielertruppe von Marlow und dafür, dass sie nicht professionell sind, sind sie ganz schön professionell. Wie sollen Judith und ihre Freundinnen es am besten hinkriegen zu ermitteln, ohne zu ermitteln. Die Idee: Judith steigt einfach bei den Schauspielern ein.

Judith, Suzie und Becks kommen hier zum vierten Mal wieder zusammen, um einen Mord aufzuklären. Natürlich kommen sie häufiger zusammen, aber bei einem kleinen Städtchen wie Marlow gibt es zum Glück nicht so viele Morde. Doch nun hat es den Leiter der Laiengruppe erwischt. Er hatte zu Ehren einer amerikanischen Schauspielerin, die aus Marlow stammt, eine Bootsfahrt organisiert. Auf dem Boot kam er offensichtlich zu Tode und jeder auf dem Boot schien ein Motiv zu haben und auf jeden können Indizien hinweisen. Das wird nicht einfach für die drei Freundinnen.

Bei diesem Fall wimmelt es nur so von Verdächtigen. Das wird selbst für Judith verzwickt. Doch man kann ihr vertrauen. Wenn ihr Denkapparat auf Touren kommt, muss man schwer damit rechnen, dass sie die Lösung findet. Becks ist ein wenig abgelenkt und dennoch findet sie einen wichtigen Hinweis. Suzie verbreitet wie immer ein wenig Chaos, was zum Charme dieser Reihe beiträgt. Doch wie schon gesagt, Judith ist diesmal wirklich gefordert. Und sie präsentiert eine Lösung, mit der nicht zu rechnen ist. Auch wenn sich gewisse Gedanken aufdrängen, auf das, was wirklich passiert ist kommt man nicht. Judith, Suzie und Becks sind einem im Laufe der Zeit sehr ans Herz gewachsen. Man wünscht sich gerne mehr von ihnen und dieser Roman endet mit einem ausgesprochen fiesen Cliffhanger. Hoffentlich lässt der Autor einen damit nicht so lange warten.

Veröffentlicht am 31.08.2025

Mozzarella

Bleich wie der Mond
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Am morgen nach einer Geburtstagsfeier wird der Inhaber einer Mozzarella-Manufaktur Nino Castaldo tot in seiner Firma gefunden. Der Ortspolizist Enrico Rizzi wird zum Ort des Geschehens geschickt, seine ...

Am morgen nach einer Geburtstagsfeier wird der Inhaber einer Mozzarella-Manufaktur Nino Castaldo tot in seiner Firma gefunden. Der Ortspolizist Enrico Rizzi wird zum Ort des Geschehens geschickt, seine Kollegin Antonia Cirillo folgt ihm, obwohl Rizzi die Sache allein erledigen wollte. Wie gut das ist, ergibt sich schnell, denn sie findet Rizzi bewusstlos neben einem Bottich, in dem der Tote im Wasser schwimmt. Die Umstände des Totes sind doch so ungewöhnlich, dass die Kriminalbeamten aus Neapel hinzugerufen. Rizzi und Cirillo beginnen, mit der Befragung der Witwe, die wesentlich jünger ist als Castaldo. Und auch der gehörlose Mitarbeiter Ninos wird vernommen.

Zum vierten Mal sorgen Agente Enrico Rizzi und Antonia Cirillo dafür, dass auf Capri alles seinen gewohnten Gang geht. Ungeklärte Todesfälle gibt es auf der Insel zum Glück selten. Und wenn doch mal etwas vorfällt, übernehmen die Ortspolizisten die Aufgabe die Sicherheit der Touristen zu gewährleisten. Dass dabei auch mal ein Mordfall aufgeklärt wird, kommt in Neapel nicht immer gut an. Deren Aufgabe, deren Lorbeeren, dass Rizzi und Cirillo gewiefte Ermittler mit herausragender Ortskenntnis sind, sehen die Höhergestellten nur, wenn es ihnen passend erscheint. Wenn Rizzi und Cirillo sich auch noch aufs Festland verirren, wird es erst richtig heikel. Und nun wird ausgerechnet der angesehenste Mozzarella-Hersteller der Insel tot aufgefunden.

Was es in Sachen Mozzarella-Produktion alles zu erfahren gibt, ist schon erstaunlich und spannend. Der Fall wird dadurch richtig interessant. Die Querelen zwischen Capri und Neapel und die Obrigkeitshörigkeit des Ispettore von Capri werden manchmal etwas ausführlich thematisiert. Darüber kommt manchmal die Beschreibung der Insel und des Insellebens ein wenig zu kurz. Dafür wird das Rätsel um den Toten auf packende Weise gelöst, wobei sich auch das Bild, dass man von dem Toten hatte verändert. Diese Reihe von Capri-Krimis ist fesselnd zu lesen und hat doch die nötige Leichtigkeit, um gute Unterhaltung zu bieten.