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Veröffentlicht am 06.07.2025

Riesen Familie

Die Erfindung der Sprache
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Adam Riese arbeitet als Dozent an einer Berliner Hochschule. Sein Leben braucht Ordnung, Einatmen, Ausatmen und die Zahl Sieben. Alles kommt durcheinander als seine Großmutter anruft und berichtet, dass ...

Adam Riese arbeitet als Dozent an einer Berliner Hochschule. Sein Leben braucht Ordnung, Einatmen, Ausatmen und die Zahl Sieben. Alles kommt durcheinander als seine Großmutter anruft und berichtet, dass seine Mutter im Krankenhaus ist. Adam muss sofort nach hause, um sich zu vergewissern, dass es seiner Mutter nicht zu schlecht geht. Was ist passiert? Sie hat in einem Buchladen eine Veröffentlichung entdeckt, die einen Hinweis auf den Verbleib von Adams Vater geben könnte. Das hat sie aus der Bahn geworfen. Natürlich ist Adam auch ziemlich aufgelöst. Sein Vater ist verschwunden als der Junge dreizehn war und das ist schon etliche Jahre her.

Adam ist schon etwas speziell, ein wenig mehr als die anderen Familienmitglieder. Seine Großeltern von der Nordseeinsel Platteoog, die sich in Tschechien kennengelernt haben. Deren einzige Tochter Oda und Hubert Riese, der als Leutturmrestaurator auf die Insel kam. Und Adam, der Sprachwissenschaftler, der nicht gerne reist, für den alles am liebsten immer gleich laufen soll. Und nun reist er unerwartet von Berlin nach Platteoog. Und bei den Hinweisen, die er findet, wird das nicht die letzte Reise sein. Einatmen. Ausatmen. Fremde Menschen, wie anstrengend und Probleme an der Uni machen noch mehr Streß.

Welch ein liebenswertes Buch voller eigenartiger Charaktere, die man sofort umarmen und ins Herz schließen möchte. Adam rudert durchs Leben und manchmal scheint er nicht der Kapitän auf seinem Boot zu sein. Aber er gibt nicht auf. Um seiner Mutter zu helfen und auch weil er es endlich wissen will, versucht er zu klären, was aus seinem Vater geworden ist. Seine Reise wird richtiggehend spannend als er herausfindet, dass Hubert auch in anderen Leben Spuren hinterlassen hat. So wie Adam denkt und spricht, regt er beim Lesen an, die eigenen Denk- und Sprechweise anzupassen. Die besondere Sprache dieses Romans ist etwas Besonderes, durch einem Adams Begrenzungen näher gebracht werden, man aber auch merkt, dass seine Welt in Teilbereichen reicher ist als die vieler anderer. Ein richtig schöner Roman.

Veröffentlicht am 05.07.2025

Die Braut

Dämmersee
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Nach der Geburt ihrer Tochter Hedvig hat die Polizistin Hanna Duncker die Elternzeit genossen. Knapp ein Jahr ist vergangen und so langsam will Hanna wieder ans Arbeiten denken. Da erreicht sie die Nachricht, ...

Nach der Geburt ihrer Tochter Hedvig hat die Polizistin Hanna Duncker die Elternzeit genossen. Knapp ein Jahr ist vergangen und so langsam will Hanna wieder ans Arbeiten denken. Da erreicht sie die Nachricht, dass ihr ehemaliger Chef Ove tot am Strand aufgefunden wurde. Offensichtlich ist er keines natürlichen Todes gestorben. Hanna bricht ihre Elternzeit wenige Tage vor ihrer Hochzeit ab und stößt zu den Kollegin, um diesen unerwarteten und gewaltsamen Tod aufzuklären. Mit Erik bildet sie wieder ein Team, das in seiner Gegensätzlichkeit gut funktioniert. Am schwierigsten ist es, Brigitte zu befragen, die so lange mit Ove verheiratet war.

Nach den Worten der Autorin ist dies der fünfte und letzte Band um Hanna Duncker, die nach hause zurückkehrte, um ihren Vater zu rehabilitieren. Hier merkt Hanna schnell, dass der Spagat zwischen dem Mutter sein und der Arbeit garnicht so leicht ist. Und wenn es nur das ist, dass sie ihre Tochter vermisst und eben nicht mehr alles mitbekommt. Und dennoch Ove war ein guter Chef und bestimmt hatte er es nicht verdient so kurz nach seiner Pensionierung zu sterben. Bei dem Fall muss sie einfach dabei sein. Oves Nachfolgerin ist dann doch etwas gewöhnungsbedürftig und Hanna ist unsicher wie sie das einschätzen soll.

Als Abschlussband einer Reihe ist dieser Band sehr gelungen. Hanna hat ihren Weg gefunden und ihre kleine Familie gibt ihr Halt und viel Freude. Natürlich will sie herausfinden, was mit Ove geschehen ist. Nicht alles ist erfreulich als sie gemeinsam mit dem Team seine letzten Tage rekonstruiert. Es treten noch einige Fakten zutage, die Hannas Bild auch der vergangenen Ereignisse noch weiter abrunden. Doch Ove ist tot, er selbst kann keine Fragen mehr beantworten. Und der Täter ist eigentlich nicht logisch, was die Lektüre schon beeinflusst. Auch bleibt ein wenig offen, wie die neue Chefin einzuschätzen ist. Aber insgesamt ist der Fall spannend und hat für Hanna einen ausgesprochen erfreulichen Ausgang.

Veröffentlicht am 04.07.2025

Museumsbesuch

Im Finsterwald
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Das sechzehnjährige Kindermädchen Maj ist die einzige, die sich um die Kinder kümmert. Die Mutter ist nach der letzten Geburt indisponiert und der Vater scheitert regelmäßig mit Versuchen, die Finanzen ...

Das sechzehnjährige Kindermädchen Maj ist die einzige, die sich um die Kinder kümmert. Die Mutter ist nach der letzten Geburt indisponiert und der Vater scheitert regelmäßig mit Versuchen, die Finanzen zu verbessern. Maj ist überhaupt die einzige Angestellte, die noch übrig geblieben ist. Und so zieht es sie und die Kinder im Jahr 1926 immer wieder ins Naturhistorische Museum in Göteborg, eine der wenigen Beschäftigungen, die sich sich leisten können. Ausgerechnet dort verschwindet die neunjährige Alce. Die Suche bleibt erfolglos und Maj ist verzweifelt. Sie hätte sich besser um das ungebärdige Mädchen kümmern müssen. Hauptwachtmeister Nils Gunnarsson übernimmt den Fall.

Bereits zum dritten Mal treffen Nils Gunnarsson und die Journalistin Ellen Grönblad zusammen. Ellens Leben hat sich sehr verändert, trotzdem ist sie die erste, die Nils einfällt und die erbittet, sich um die Kinder zu kümmern, während Maj befragt wird. Liebenswerte Kinder, in einer Umgebung, in der die Sicherheit geschwunden ist. Das Verschwinden des Mädchens ist rätselhaft, denn niemand hat gesehen, wie sie das Museum verlassen hat. Seit Eingier Zeit war die Kleine schwierig, ihr Charakter hatte sich stark verändert und sie war ungestüm und energetisch. Die Polizei befürchtet das Schlimmste, denn Kinder sind noch nicht in der Lage alleine zu überleben.

Die Aufmerksamkeit weckt dieser Kriminalroman durch die schöne Farbgestaltung des Covers. Mit dem Schattenriss der Häuser und Bäume wirkt das sehr stimmig. Die vorherigen Romane der Reihe muss man nicht kennen, um die Handlung zu verstehen. Und Nils’ und Ellens Geschichte befindet sich im Wandel, das Vergangene ist vergangen. Das Verschwinden des Mädchens gibt Rätsel auf. Normalerweise verschwindet eine kleines Mädchen nicht so und doch ist Alice wie vom Erdboden verschluckt. Beim Lesen kommt man schon auf einige wilde Ideen, die sich schließlich alle als falsch erweisen. Die nicht gut funktionierende Familie der kleinen Alice lässt die Frage aufkommen, inwieweit das Umfeld etwas zu den Ereignissen beigetragen hat. Das Naturhistorische Museum ist wie ein eigener kleiner Kosmos, den man auch heute noch besuchen kann. Im Roman spielt der Schauplatz eine wichtige Rolle. Nils und Ellen als Team treten eher in den Hintergrund. Das ist auch nicht ganz so wichtig. Ein spannender historischer Kriminalroman mit einem interessanten Setting, der sehr gut zu lesen ist.

Veröffentlicht am 02.07.2025

Tod eines Künstlers

Perspektiven
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Anfang des Jahres 1557 wird der Maler Jacopo da Pontormo in Florenz erstochen aufgefunden. Er war seit Jahren mit einem Fresko beschäftigt, welches, wie festgestellt wird, teilweise übermalt wurde. Gleichzeitig ...

Anfang des Jahres 1557 wird der Maler Jacopo da Pontormo in Florenz erstochen aufgefunden. Er war seit Jahren mit einem Fresko beschäftigt, welches, wie festgestellt wird, teilweise übermalt wurde. Gleichzeitig wird ein Gemälde vermisst, dass die Tochter des Herzogs Cosimo de Medici zeigen soll. Eine unangenehme Situation für den Herzog, denn die weibliche Person auf dem Bild ist nicht bekleidet. Pontormo war im Auftrag des Herzogs tätig. Hat die Sache mit dem Bild etwa mit dem unnatürlichen Ableben des Künstlers zu tun? Es entspinnt sich ein reger Briefverkehr, mit dem die Beteiligten ihre Gedanken zu den Vorgängen teilen.

Briefromane kommen eher selten vor. In der Renaissance gab es jedoch hauptsächlich die Möglichkeit, sich persönlich zu treffen, oder wenn die Entfernung zu groß war, eben zu schreiben oder einen Boten zu schicken. Zur Aufhellung des Geschehens dienen die Briefe, die die verschiedenen Personen austauschen. Dabei entwickelt sich auch ein Bild der Machtstrukturen in Florenz und auch der persönlichen Gefüge zwischen den verschiedenen Menschen. So ist Cosimo nicht nur Herzog, sondern auch Vater. Seine Tochter Maria soll verheiratet werden. Wundert sich der Vater, dass sie davon nicht begeistert ist. Ihr ein Mitspracherecht zuzugestehen wäre im 16. Jahrhundert wohl zu viel erwartet, oder?

Diese Hörbuchproduktion wird zur Verfügung gestellt durch die ARD-Audiothek als szenische Lesung, was sie soweit feststellbar von dem normalen Hörbuch unterscheidet: Jeder Briefeschreiber liest seine Briefe „selbst“ vor, hat also einen eigenen Sprecher. Das macht das Zuhören sehr abwechslungsreich und man kommt teilweise soweit, dass man einige der Schreiber wiedererkennt. Das ist echt klasse. Hoffentlich wird diese Produktion noch über weitere Kanäle zur Verfügung gestellt. Ob die geringfügige Kürzung durch die Art des Vortrags bedingt ist, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden. Die Vorleser der Briefe werden im letzten Abschnitt mit ihrer Rollenbezeichnung genannt, was sehr angenehm ist.

Auch inhaltlich überzeugt dieser Roman, besonders auch, wenn man feststellt, dass es sich bei etlichen der handelnden Personen um historische Persönlichkeiten handelt, über die man im www nachlesen kann. Sehr geschickt hat der Autor die Wirklichkeit als Rahmen für seine fiktionalen Gedanken verwendet. Die Aufklärung des Mordes wird zu einer verwickelten Geschichte, in der es zu dem ein oder anderen Schelmenstreich kommt. Doch auch tragische Momente hat man als Leser oder Leserin zu überstehen. Und mitunter sind Todesfälle unerwartet und durchaus von Gewalt bestimmt. Und während kleiner Augenblicke hätte man sich gewünscht, der Autor hätte die Wirklichkeit außen vor gelassen. Aber alles in allen hat man einen herausragenden historischen Kriminalroman, der sowohl durch Inhalt als auch Darstellung besticht.

Veröffentlicht am 30.06.2025

Die Konkurrentin

Totholz
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Polizist Loe Kreuthner ist sauer, sein florierendes Geschäft mit dem Schwarzgebrannten floriert nicht mehr. Seine Konkurrentin Pippa Trautmann macht ihm echt sein Auskommen madig. Da muss was unternommen ...

Polizist Loe Kreuthner ist sauer, sein florierendes Geschäft mit dem Schwarzgebrannten floriert nicht mehr. Seine Konkurrentin Pippa Trautmann macht ihm echt sein Auskommen madig. Da muss was unternommen werden. Gemeinsam mit einigen anderen, dem 93jährigen Manfred Wallner und der Kanone aus dem 18. Jahrhundert macht er sich auf den Weg, um Pippa einen Denkzettel zu verpassen. Das läuft irgendwie ein wenig aus dem Ruder und Pippas Schwarzbrennerei fliegt in die Luft. Zum Glück kommen keine Menschen zu schaden. Aber es gab eine Überwachungskamera und damit steckt Kreuther in der Klemme. Allerdings wird Pippa zunächst wegen einer anderen Sache vernommen.

Bereits zum elften Mal kann man sich über Kreuthners Rechtsauffassung Gedanken machen. Wundern sollte man sich nicht, man kennt ihn ja. Wie er sich aus dieser Situation herauswinden will, ist erstmal rätselhaft. Derweil bekommt Wallner einen Hinweis auf eine Leiche, die wohl vor längerem im Wald versteckt wurde. Wallner weiß nicht, ob er den Hinweisen glauben soll, aber als Kommissar ist er verpflichtet, dem nachzugehen. Es entwickelt sich ein Fall, der vielschichtiger ist als man zunächst hätte annehmen können. Um seinen Großvater Manfred macht Wallner sich auch Sorgen, der wird ja nicht jünger einerseits, aber andererseits soll Manfred auch am Leben teilnehmen. Nur diese blöden Situationen, in denen man nicht weiß, ob man die Augen verdrehen oder lachen soll….

Leo Kreuthner und Clemens Wallner sind ein ungewöhnliches Team. Leo, der Haudegen, der sie Gesetze nur braucht, wenn er sie für seine eigenen Zwecke ausnutzen kann, und Clemens, der korrekte und akribische Ermittler. Und natürlich Großvater Manfred, der es mit seinem Gehwagen immer wieder schafft, das Feld von hinten aufzurollen. Ein paar Lacher sind beim Lesen dieser Krimireihe immer garantiert. Trotzdem geht es auch kriminalistisch immer wieder hart zur Sache. Auch hier ist alles drin, Mord, Entführung, Diebstahl und als Leser möchte man die Zusammenhänge entschlüsseln. Nur eine Sache ist dabei recht offensichtlich. Ansonsten ein spannender Fall aus einer Reihe, die mit Skurrilität und Witz erfreut.