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Veröffentlicht am 19.05.2025

Besetzte Stadt

Der schwärzeste Winter
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Im Dezember 1944 versucht Commissario De Luca in Bologna zu ermitteln. Einfach ist das nicht, denn es gibt zwei Polizeibehörden, die sich nicht grün sind. Es gibt die deutschen Besetzer ,it ihren unterschiedlichen ...

Im Dezember 1944 versucht Commissario De Luca in Bologna zu ermitteln. Einfach ist das nicht, denn es gibt zwei Polizeibehörden, die sich nicht grün sind. Es gibt die deutschen Besetzer ,it ihren unterschiedlichen Organisationen, die sich nicht grün sind und die den Italienern erst recht nicht grün sind. Mussolinis Schwarze Brigaden nicht zu vergessen. Und es gibt die Partisanen, die mehr als vorsichtig sein müssen, die Kontakte manchmal nicht vermeiden können. De Luca war mal einfacher Polizist, der seine Fälle lösen wollte. Und nun muss er mit ungeliebten Herren gemeinsame Sache machen, manchmal falsche Spuren legen. Und nun wurde eine Leiche gefunden und verschiedene Organisationen wollen wissen, wer es war.

Die härteste Zeit während des Krieges, eigentlich ahnt beziehungsweise weiß man schon, dass der Krieg nicht so ausgehen wird, wie die geplant hatten, die ihn angefangen haben. Aber man darf es sich nicht anmerken lassen. Man muss versuchen allen Herren zu dienen, damit man selbst am Leben bleibt. Und es gibt die Momente, in denen De Luca doch wieder Polizist ist. Jedem verspricht er die Lösung und sich selbst verspricht er die Wahrheit. Eine fast unmögliche Situation.

Es hätte doch verwundert, wenn es bei einem Commissario keine Reihe gäbe. Eine kleine Recherche hat ergeben, dass es wohl sechs Romane um De Luca gibt, die allerdings nicht alle übersetzt wurden. Zudem wurden sie wohl nicht in chronologischer Reihenfolge geschrieben bzw. veröffentlicht. Für den normal spießigen Krimileser erscheint das etwas kompliziert. Nun denn, man kann diesen Band auch ohne Vorkenntnisse lesen. Das Innenleben des Kommissars wird eingehend geschildert. Seine inneren und äußeren Zwänge treten klar zutage. Auch sein Bemühen um die Wahrheit wird deutlich. Dabei ist es alles andere als einfach, die Hintergründe zu dem Mord zu erhellen. Viele Personen haben Gründe etwas zu verbergen. Das Ringen von De Luca um seine Integrität in einer schlimmen Zeit ist sehr lesenswert.

Veröffentlicht am 17.05.2025

Der beste Freund

Das Teufelshorn
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Die ehemalige Kommissarin Isabel Flores hilft ihrer Mutter in der Ferienhausvermietung. Nachdem ihr Vater vor zwei Jahren zu früh verstorben ist, lebt Isabel auf Mallorca. Ihr neuer Job ist zwar auch etwas ...

Die ehemalige Kommissarin Isabel Flores hilft ihrer Mutter in der Ferienhausvermietung. Nachdem ihr Vater vor zwei Jahren zu früh verstorben ist, lebt Isabel auf Mallorca. Ihr neuer Job ist zwar auch etwas aufreibend, denn die Touristen können anspruchsvoll sein, aber ein wenig vermisst sie die Arbeit bei der Polizei doch. Und dann passiert in dem beschaulichen Ort das Unglaubliche. Ein achtjähriges britisches Mädchen ist spurlos verschwunden. Ihre Mutter hat ihr nur kurz den Rücken gekehrt, um zu bezahlen. Und die Kleine ward nicht mehr gesehen. Kurz darauf wird in einer Villa ein älterer Herr ermordet aufgefunden, der im Ort wohl angesehen war.

Mit diesem Reihenstart kann man Mallorca noch einmal neu kennenlernen. Isabel Flores erweckt den Eindruck, dass sie in sich ruht, meistens jedenfalls. Ihre neue Arbeit macht ihr Spaß und ihr zahmes Frettchen erdet sie, ist manchmal ihr bester Freund. Natürlich pflegt sie auch Umgang mit menschlichen Freunden. Sie genießt aber auch die Ruhe. Wegen der beiden Vorfälle, die sich natürlich nicht gut auf den Tourismus auswirken, wenn sie nicht schnell gelöst werden, bittet die Polizei sie um ihre Mithilfe. Sie war schließlich mal die jüngste Kommissarin und dafür bekannt, dass sie auch verzwickte Fälle gelöst hat.

Aus einem zwar grausamen, aber auf den ersten Blick eher unscheinbaren Mord, entwickelt sich ein Fall, der es wirklich in sich hat. Gemeinsam mit Isabel Flores kommt man zwar erst nach und nach dahinter, aber je weiter man kommt, desto spannender wird es. Beim Lesen stellt man sich bald die Frage, ob die beiden Fälle sogar zusammenhängen können. Selbst als neue Vermieterin von Ferienhäusern beweist Isabel, dass sie es als Kommissarin echt drauf hatte. Sie scheint der Polizei immer einen Schritt voraus zu sein. Vielleicht hilft es auch, dass Isabel sich in ihrem Ort auskennt und in der Gemeinschaft drin ist. So fallen ihr ungewöhnliche Verhaltensweisen eher auf als Außenstehenden. Und einen Parkplatz bekommt sie auch immer. Isabel Flores ist sympathisch und gewitzt. Im Wissen um einige ihrer persönlichen Hintergründe, versteht man gut, was ihre Beweggründe sind, was sie antreibt. Dazu schildert die Autorin noch die Inselidylle auf freundliche Art und Weise, so dass man denkt, es dürfte gerne mal wieder ein Urlaub auf Mallorca sein.

Veröffentlicht am 16.05.2025

Chrysantheme, Koto und Axt

Der Inugami-Fluch
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Diesmal wird der Privatdetektiv Kosuke Kindaichi an den abgelegenen Sitz einer wohlhabenden Familie gerufen. Der Anwalt der Familie befürchtet nach dem Tod des Familienoberhauptes, dass es bei der Testamentsverlesung ...

Diesmal wird der Privatdetektiv Kosuke Kindaichi an den abgelegenen Sitz einer wohlhabenden Familie gerufen. Der Anwalt der Familie befürchtet nach dem Tod des Familienoberhauptes, dass es bei der Testamentsverlesung zur viel Unmut kommen könnte. Die Bestimmungen des Verstorbenen können gerade nicht dazu dienen, den Familienfrieden zu erhalten. Im Grunde herrschen schon Unstimmigkeiten und als der letzte Wille wirklich bekannt ist, treten die Feindseligkeiten offen zutage. Kindaichi kann nicht schnell genug zu Ergebnissen kommen, um den Start einer Mordserie zu verhindern. Besonders gefährdet scheint auch die Enkelin eines guten Freundes des Toten zu sein.

Dies ist der vierte Band der Reihe um Kosuke Kindaichi, den Privatdetektiv, der nach dem zweiten Weltkrieg nach Japan heimgekehrt ist und mit seiner Spürnase den schlimmsten Verbrechern auf die Spur kommt. Auf den ersten Blick kann er etwas unscheinbar wirken, doch er denkt weiter und zieht Schlüsse. Mitunter bittet ihn sogar die Polizei um Hilfe. Hier kommt der Familienanwalt zuerst auf den Gedanken, dass er Hilfe brauchen könnte. Doch auch Kindaichi kann nicht verhindern, dass für manche Familienmitglieder das Unglück seinen Lauf nimmt. Doch so langsam kommt er den Geheimnissen auf die Spur und entdeckt, dass das beliebte Familienoberhaupt, zu seiner eigenen Familie nicht so zuvorkommend war.

Mit Kosuke Kindaichi hat der Autor einen einfach sympathischen Helden erfunden. Dass die Bücher dieser Reihe zum Teil schon in den 1970ern geschrieben wurden, merkt man ihnen nicht an. Sie haben eine gewisse Frische und Ursprünglichkeit, die einen schnell einnimmt. Es ist eben schön, wenn der Ermittler ihre Gedanken anstrengen und nicht so viele Hilfsmittel zur Verfügung haben. Wieder bekommt es Kosuke Kindaichi mit einer Familie zu tun, in der es einige unrühmliche Geheimnisse gibt. Es geht nicht nur ums Erbe, sondern auch um eine Familienfehde, die der Patriarch ausgelöst hat. Welche Rolle die Chrysantheme, die Koto und die Axt spielen, ist spannend zu entdecken. Obwohl die Morde teils recht blutrünstig sind, sind sie doch so gut in die Handlung eingebunden, dass man in jedem Moment gefesselt bleibt. Die Cover-Gestaltung passt sehr gut zu der der weiteren Bände. Auch die Bedeutung erschließt sich im Laufe des Romans. Von dieser Reihe darf es gerne mehr geben.

Veröffentlicht am 14.05.2025

Die Suche

Kornblumenblau
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Über den Großvater der Autorin wurde immer die seltsame Geschichte seines Todes erzählt. Kurz vor Ende des zweiten Weltkrieges starb er. Die Familie erhielt die Mitteilung erst Monate später. Die Mutter ...

Über den Großvater der Autorin wurde immer die seltsame Geschichte seines Todes erzählt. Kurz vor Ende des zweiten Weltkrieges starb er. Die Familie erhielt die Mitteilung erst Monate später. Die Mutter der Autorin war erst etwas über drei Jahre alt. Sie vermisste ihren Vater immer. Achtzig Jahre nach seinem Tod beginnt seine Enkelin sich Gedanken zu machen. Kann die Erzählung überhaupt so stimmen? Und spielte der Großvater bei den Nazis oder für diese eine Rolle? So viel ist nicht bekannt. Nur ein Lebenslauf bietet der Autorin erste Hinweise.

Es ist mehr als nur einen Gedanken wert. Wie erlebten die Vorfahren die Nazizeit. Die Autorin macht sich auf einen spannenden, aber auch beschwerlichen Weg. Sie versucht jeden kleinen Hinweis zu ergreifen und jeder Spur nachzugehen. Dabei stößt sie auf überraschende Informationen, die ein anderes Bild ihres Großvaters zeichnen, aber doch eines, welches zu den Informationen passt. Und dennoch, hat er sich in der Nazizeit schuldig gemacht? Die Autorin will sich dem Ergebnis stellen und sie merkt, dass es sie mehr anfasst als sie am Anfang ihrer Recherche gedacht hat.

Auch man selbst hat natürlich Vorfahren, die in der Nazizeit gelebt haben und auch jung waren. Eine Zeit, über in den meisten Familien nicht viel gesprochen wurde. Und als Nachkomme kann es schon in einem rumoren. Wie war das damals? Muss man sich damit befassen, dass Verwandte in der Nazizeit Schuld auf sich geladen haben? Irgendwie hat jeder einen aus dem Widerstand in der Familie.Doch, wenn es so viel Widerstand gab, wieso gab es diese Zeit dann überhaupt? Das kann irgendwie nicht sein. Und so nimmt man das Buch der Autorin mit großen Interesse in die.Hand. Wie ist sie vorgegangen? Was hat sie herausgefunden? Hat sie eine Antwort bekommen? Überraschend viel findet sie nach der langen Zeit noch über ihren Großvater heraus. Doch auch schwer wird ihr die Untersuchung. Ja, man muss auch mit dem Ergebnis leben. Vielleicht sollten noch mehr Menschen sich auf die Suche machen, damit so eine dunkle Zeit nie wieder heranbricht.

Veröffentlicht am 10.05.2025

Die Erzählung einer Familie

Wir Ostpreußen
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Als sie schon hochbetagt ist, beginnt die Großmutter des Autors eine Lücke in der Familiengeschichte zu füllen. Nach dem Krieg hatte sie sich eine Existenz in Arolsen in der Nähe von Kassel aufgebaut. ...

Als sie schon hochbetagt ist, beginnt die Großmutter des Autors eine Lücke in der Familiengeschichte zu füllen. Nach dem Krieg hatte sie sich eine Existenz in Arolsen in der Nähe von Kassel aufgebaut. Ursprünglich stammte die Familie allerdings aus Ostpreußen. Dort bewirtschaftete sie ein großes Gut. Ende Januar 1945 rückte die Ostfront immer näher und Großmutter Else, die damals natürlich noch jung war, entschied, es sei an der Zeit zu gehen, bevor man nicht nur Hab und Gut, sondern auch Leib und Leben verliere. Else, deren Mann bereits gefallen war, stellte einen Treck aus über 80 Personen zusammen. Gemeinsam machten sie sich auf den beschwerlichen Weg in eine erhoffte Sicherheit.

Großmutter Else verfasst einen ausführlichen Bericht, den der Autor und Enkel mit eigenen Worten und Einfügungen wiedergibt. Zusätzlich beschäftigt er sich selbst mit der Geschichte von Flucht und Vertreibung, was über den Rahmen, den die Großmutter gesetzt hat, hinausgeht. Er nimmt eine Einordnung aus heutiger Sicht vor, immer bedenkend, dass es das Leid nicht gegeben hätte, hätte Hitler sich nicht erdreistet, den Krieg vom Zaun zu brechen. Doch das Leid hat es gegeben. Aus Verantwortungsbewusstsein sah Großmutter Else keine andere Wahl als sich und die Bewohner des Gutes in Sicherheit zu bringen. Die Kinder waren schon vorausgeschickt worden.

Auch wenn man selbst keinen Bezug zu Ostpreußen hat, kann man diesen Bericht mit großem Interesse lesen. Man stellt fest, dass doch etliches aus dem Geschichtsunterricht in Vergessenheit geraten ist. Viel wurde wohl auch nicht erwähnt. Von Flucht und Vertreibung war nicht viel die Rede, mal wollte in der neuen Nachkriegswelt ankommen. Und nun doch einmal darüber zu lesen, anzuerkennen, dass Flüchtlinge und Vertriebene es auch nicht einfach hatten, vervollständigt ein Bild, dessen wichtigere Teile vom Holocaust, von Überfällen und verdienter Niederlage künden. Als sehr lesenswert kann die Mischung zwischen authentischem Bericht und geschichtlicher Einordnung empfunden werden. Man merkt, dass ein versierter Journalist hier die Feder zur Hand genommen hat. Es ist an der Zeit sich erneut und immer wieder mit der Geschichte zu beschäftigen.