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Veröffentlicht am 10.04.2025

Der Unbekannte

Der Mord in der Schlange. Inspector Grants erster Fall
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Es ist die letzte Vorstellung eines erfolgreichen Stücks in London. Die Menschen stehen Schlange, weil sie das nicht verpassen wollen. Es wird enger, je näher der Eingang rückt. Doch ein Mann sackt vor ...

Es ist die letzte Vorstellung eines erfolgreichen Stücks in London. Die Menschen stehen Schlange, weil sie das nicht verpassen wollen. Es wird enger, je näher der Eingang rückt. Doch ein Mann sackt vor dem Theater zusammen und Passaten, die ihm zur Hilfe eilen wollen, bemerken, dass da wohl jede Hilfe zu spät kommt. Der Mann ist tot und Inspector Alan Grant und seine Kollegen beginnen mit den Ermittlungen. Da der Tote nichts bei sich hat, was auf seine Identität hindeutet, ist es alles andere als einfach herauszufinden, um wen es sich handelt. Zeugenaussagen der Umstehenden ergeben erstmal wenig.

Dies ist der erste Band der Reihe um Inspector Alan Grant. Zuerst bereits im Jahr 1929 erschienen handelt es sich um einen klassischen Kriminalroman. Der Fall des Mannes, der umgebracht wird, während er in einer Schlange steht, ist schon etwas ungewöhnlich. Wegen der Enge fällt es auch nicht sofort auf. Das macht es den Polizeibeamten doch recht schwer. Und natürlich fragen sie sich auch, wieso die Etiketten aus der Kleidung des Toten herausgetrennt waren. Inspector Grant ist sofort klar, dass dieser Fall schwierig wird. Mit voller Kraft steigt er in die Nachforschungen ein.

Der Name Josephine Tey wurde in den letzten Jahren durch die Autorin Nicola Upson in Erinnerung gerufen, die Josephine selbst ermitteln ließ. Da liegt es nahe, sich auch mal an die Originalwerke Teys zu wagen. Sind schon die Erzählungen Upsons ruhig, schafft es Tey da noch einen drauf zu setzen. Inspector Alan Grant ist sehr zurückhaltend ohne großes privates Profil geschildert. Dafür gibt es lange Gedankenergüsse zu kleinsten Spuren, die sich mitunter als falsche Fährten erweisen. Die Idee zu dem Todesfall ist schon interessant und macht neugierig. Die weiteren Schilderungen sind in Teilen schon spannend. Immer, wenn es kleine Durchbrüche gibt. Viel führt dann leider zu nichts. Die Auflösung ist dann zwar sehr überraschend, fühlt sich aber so an, als ob irgendwo einfach die Luft abgelassen wird. Vielleicht sollte ein klassischer Krimi ein klassischer Krimi bleiben und man sollte die Erwartungen nicht allzu hoch schrauben. Wie gesagt immerhin ein toller Ansatz.

Veröffentlicht am 06.04.2025

Mit Elise

Und dann springen wir
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Daran stirbt man heutzutage nicht mehr. Den Gedanken mag Rosa nicht mehr denken, denn ihre Mutter Else ist trotzdem gestorben. Ihre Mutter war noch nicht alt und sie wollte immer mit Rosa zurückkehren ...

Daran stirbt man heutzutage nicht mehr. Den Gedanken mag Rosa nicht mehr denken, denn ihre Mutter Else ist trotzdem gestorben. Ihre Mutter war noch nicht alt und sie wollte immer mit Rosa zurückkehren nach Mostar, wo die beiden einen schönen Urlaub verbracht haben als Rosa dreizehn war. Und immer wollten sie zurückkehren und von der Brücke in Mostar springen. Und jetzt? Rosa entschließt sich noch einmal nach Mostar zu fahren. Nach der Trauerfeier verbringt sie etwas Zeit mit ihrem Vater und seiner neuen Familie. Sie hält es kaum aus und doch ist das jetzt ihre Familie, die sie herzlicher willkommen heißt als sie erwartet hätte.

Tragisch ist der relativ frühe Tod ihrer Mutter. Rosa, die zwar erwachsen, aber doch noch jung ist, fällt in tiefe Trauer. Auch wenn ihre Mutter Elise ein schwieriger Mensch war, die mit Problemen zu kämpfen hatte, so war sie doch ihre Mutter. Und Rosa vermisst ihre Mutter. Der Schmerz ist so groß. Mit ihrer Freundin Emma, die sie gerade erst kennengelernt hat, reist Rosa gen Osten, da wo die Wurzeln liegen. In Städte und Länder, die einen Krieg überstehen mussten. Für Rosa ist Elise immer gegenwärtig und spürbar.

Bei dem Titel und dem farbenfrohen Umschlagbild mit den Mandarinen denkt man vielleicht eher an eine heitere Geschichte. Ganz so ist dieser Roman dann nicht. Doch er hat eine berührende Erzählung zu bieten von Müttern und Töchtern, von Vätern, die gehen, von Familien, die gefunden werden. Und auch von der Trauer um die Mutter Elise, die viel zu früh starb. Nachdem die erste kleine Enttäuschung verflogen ist, freut man sich über diesen emotionalen Roman. Eine unerwartete kleine Perle, die in einem Erinnerungen weckt, die an Urlaub denken lässt und einen mit einem Lächeln zurücklässt. Hier gibt man gerne eine Leseempfehlung und wünscht diesem Debütroman eine größere Aufmerksamkeit.

Veröffentlicht am 05.04.2025

Der Meister

Was ich von ihr weiß
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Von Frankreich aus schickt ihn seine Mutter heim nach Italien, um dort eine Lehre anzutreten. Doch sein Lehrherr will nichts von seinem Lehrling wissen, jedenfalls so lange nicht bis er das Geld sieht, ...

Von Frankreich aus schickt ihn seine Mutter heim nach Italien, um dort eine Lehre anzutreten. Doch sein Lehrherr will nichts von seinem Lehrling wissen, jedenfalls so lange nicht bis er das Geld sieht, dass die Mimo mitgegeben hat. An dem neuen Ort lernt Mimo die gleichaltrige Viola Orsini kennen. Es könnte so schön sein, doch in der Zeit nach dem ersten Weltkrieg bestand noch ein großer Unterschied zwischen einer Adligen aus einer wohlhabenden und einflussreichen Familie und einem kleinwüchsigen Jungen, der in Armut geboren ist. Zwar hält Viola sich meist nicht an Konventionen, aber gegen alles kann sie sich auch nicht stellen. Und Mimo will auch seiner Berufung zum Bildheuer folgen.

Haben Mimo und Viola eine Chance? In Anbetracht der Umstände eher nicht. Und dennoch entwickeln sie eine Art Freundschaft, die sie ihr Leben lang begleiten wird. Die ausgesprochen intelligente Viola, die nicht nur behält, was sie liest, sondern es auch noch versteht, ist einfach zu früh geboren. Wäre sie fünfzig Jahre jünger gewesen, hatte sie für ihre Leistungen vielleicht einen Preis bekommen. So aber konnte sie ihre Fähigkeiten nicht einmal entwickeln. Und Mimo? Mit seiner Gestalt ist er schnell dem Spott ausgesetzt. Wenigstens als Künstler gelingt es ihm, sich einen Namen zu machen.

Dieser Roman entwickelt seinen Zauber nach und nach. Die besondere Komposition zieht einen bald in ihren Bann. Zunächst lernt man zwei Jugendliche kennen, die unbefangen miteinander umgehen. Nicht lange dauert es, bis sie sich den Konventionen der Zeit beugen müssen. Der größte Teil ihrer Freundschaft muss ein Geheimnis bleiben. In der Offenheit leben sie in unterschiedlichen Welten. So wie die Zeit voranschreitet entwickeln sich ihre Welten weiter auseinander und die Geschichte zwischen den beiden Weltkriegen läuft voran. Was wird die Zukunft bringen? Gefesselt verfolgt man diese gefühlvolle und manchmal schonungslose Erzählung, Immer der Zeit verhaftet bietet der Roman ein realistisches Bild der Menschen in ihrer geschichtlichen Epoche.

Durch die Gestaltung des Umschlags bekommt man eine schöne fast traumhafte Vorstellung von der Villa Orsini.

Veröffentlicht am 29.03.2025

Geheimnis der Bilder

HEN NA E - Seltsame Bilder
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Der junge Ren, nein, seinen wirklichen Namen veröffentlicht er nicht, beginnt voller Freude mit seinem Blog. Er freut sich über seine Frau Yuki, ihren ersten Hochzeitstag und die Schwangerschaft. Doch ...

Der junge Ren, nein, seinen wirklichen Namen veröffentlicht er nicht, beginnt voller Freude mit seinem Blog. Er freut sich über seine Frau Yuki, ihren ersten Hochzeitstag und die Schwangerschaft. Doch mit der schockierenden Nachricht, dass Yuki die Geburt nicht überlebt hat, bricht Ren seine Aufzeichnungen ab. Zwei Studenten, die Jahre später auf den Blog stoßen, versuchen die geheimnisvollen Worte und Zeichnungen zu entschlüsseln. Wie konnte das Glück des jungen Paares in der heutigen Zeit so abrupt enden? Als die Studenten scheinbar eine Lösung gefunden zu haben, trennen sich ihre Wege. Doch ein Journalist macht sich auf die Suche, um die Hintergründe eines Mordes aufzuklären.

Mit diesem ungewöhnlichen Roman, der auch Zeichnungen und Bilder enthält, entwickelt sich eine Geschichte, bei der man die Zusammenhänge nur nach und nach erkennen kann. Das Internet vergisst nichts und so beginnen die Studenten Sasaki und Kurihara aus Tokyo über die Rätsel nachzudenken, die in dem Blog stecken. Tatsächlich finden sie logische Erklärungen für das, was zunächst unergründlich erscheint. Auch im weiteren Verlauf werden unfassbare Ereignisse entdeckt.

Wenn man Krimis von asiatischen Schriftstellern mag, wird einem dieses Buch schnell auffallen. Man kann wegen des grafischen roten Covergestaltung fast nicht anders als das Buch in die Hand zu nehmen und mal reinzublättern und dann kann es schon um einen geschehen sein. Die Beschreibung, die Zeichnungen, das macht eben neugierig. Um die Gestaltung herum entwickelt sich dann eine Erzählung, die es in sich hat. Mit den wenigen versteckten Informationen entschlüsseln unterschiedliche Menschen die Schicksale anderer Personen. Das Drama ist allgegenwärtig und man ist gefesselt, weil man endlich alles erkennen will. Geschickt wird schließlich die ganze unglaubliche Story zusammengeführt. Dieser Kriminalroman macht mit seiner speziellen Gestaltung wirklich Spaß besonders wegen etlicher Überraschungen, mit denen er aufwartet.

Veröffentlicht am 28.03.2025

Prägend

Leuchtfeuer
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Im Jahr 1985 ist Theo mit seiner älteren Schwester Sarah und Misty aus der Nachbarschaft unterwegs. Viel Erfahrung mit dem Autofahren hat er noch nicht. Deshalb ist er überrascht als Sarah ihn auffordert, ...

Im Jahr 1985 ist Theo mit seiner älteren Schwester Sarah und Misty aus der Nachbarschaft unterwegs. Viel Erfahrung mit dem Autofahren hat er noch nicht. Deshalb ist er überrascht als Sarah ihn auffordert, das Steuer zu übernehmen. Jedoch hat Sarah mehr Alkohol getrunken als für ihre Fahrtüchtigkeit gut ist. Leider erleiden die Jugendlichen kurz vor der Ankunft daheim einen tragischen Unfall, bei dem Misty ums Leben kommt. Misty eine einzige Tochter. Das Ereignis wird prägend für Theos und Sarahs Leben. Beide fühlen sich schuldig. Und auch das Leben ihrer Eltern wird betroffen. Der Unfall begleitet ihre Gedanken für immer.

Wie bestimmend ein tragisches Ereignis werden kann, erlebt die Familie Wilf. Eine unbedacht angetretene Autofahrt, bei der niemand mit etwas Schlimmen rechnet, endet in einer Katastrophe. Auch Vater Ben, der Arzt ist, kann nichts mehr verhindern. Vielleicht aber kann er für eine Art Ausgleich sorgen. Theo und Sarah hadern mit ihrer Schuld. Hätte Sarah nichts gesagt, wäre sie selbst gefahren, vielleicht wäre überhaupt nichts passiert. Und Theo, was wenn er nein gesagt hätte, wenn sie sich hätten abholen lassen. Das ganze weitere Leben ist Mistys Tod - quasi der Gegensatz zu ihrem Leben - bestimmend für Theo und Sarah.

Sehr angemessen und gefühlvoll interpretiert wird dieses Hörbuch von Julian Horeyseck, der für seine Lesung den Deutschen Hörbuchpreis 2025 als bester Interpret erhalten hat.
Inhaltlich kommt der Roman nicht ganz mit der herausragenden Lesung mit. Gerade wie der Unfall passiert, wirkt ein wenig konstruiert. Auch das Geheimnis, das zutage treten soll, sucht man irgendwie vergebens. Dennoch berührt diese Familiengeschichte, die durch einen Unfall bestimmt wird, der eigentlich nie hätte geschehen sollen. Das Leben aller Wilfs verläuft anders. Was wäre gewesen wenn? Die Frage steht immer im Raum. Der Vater und Arzt Ben Wilf hatte eine kleine Chance wenigstens etwas wieder gutzumachen. Theo und Sarah jedoch müssen mit dem Gedanken an ihre Schuld klarkommen, was ihnen alles andere als leicht fällt. Auffällig ist auch das schöne Cover, das auf einen blumigeren oder sonnigeren Ausgang hoffen lässt als der Roman bietet.